Zur Zukunft der Hermeneutik (eBook, PDF) - Gessmann, Martin
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Die Philosophie der Moderne steht vor entscheidenden Veränderungen. Seit rund 200 Jahren sind wir es gewohnt, unserer technisch-wissenschaftlichen Kultur kritisch zu begegnen. Man ist sich einig, in der Moderne Verfahren und Kodierungen am Werke zu sehen, die bei allem erfreulichen Fortschritt nie ohne entscheidende Nebenwirkungen zu haben sind. Was geschieht aber, wenn im Rücken unserer kulturkritischen Aufmerksamkeit Wissenschaft und Technik heute auf einem Niveau ansetzen, auf dem sich altüberkommene Bedenken erübrigen? An einem solchen Punkt sind wir angekommen, wo es grundsätzlich darum…mehr

Produktbeschreibung
Die Philosophie der Moderne steht vor entscheidenden Veränderungen. Seit rund 200 Jahren sind wir es gewohnt, unserer technisch-wissenschaftlichen Kultur kritisch zu begegnen. Man ist sich einig, in der Moderne Verfahren und Kodierungen am Werke zu sehen, die bei allem erfreulichen Fortschritt nie ohne entscheidende Nebenwirkungen zu haben sind. Was geschieht aber, wenn im Rücken unserer kulturkritischen Aufmerksamkeit Wissenschaft und Technik heute auf einem Niveau ansetzen, auf dem sich altüberkommene Bedenken erübrigen? An einem solchen Punkt sind wir angekommen, wo es grundsätzlich darum geht, nicht mehr den Menschen der Technik gleich zu machen, sondern die Technik dem Menschen. Dazu werden Netze modelliert, in denen wir immer schon mit der Welt und unseren Mitmenschen in Verbindung stehen. Man denke nur an die Neurobiologie, die unsere Sicht der Welt von 'innen' her betrachten will, oder an das Internet, das uns von 'außen' einander wieder näher bringt. Zur Zukunft der Hermeneutik ist ein grundlegender Versuch der Neubestimmung geisteswissenschaftlicher Methodenlehre - nachdem die Moderne wieder ein Stück weiter gekommen zu sein scheint.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Fink Wilhelm GmbH + Co.KG
  • Seitenzahl: 268
  • Erscheinungstermin: 28.11.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783846750926
  • Artikelnr.: 39164395
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 11.07.2012

Hermeneutik der Zukunft
Martin Gessmann sieht eine neue Epochenzäsur

Hermeneutik ist die Kunst des Verstehens. Genauer: Aus einem Text herauszukriegen, was nicht drinsteht, wie einst Odo Marquard formulierte. Da man nur zu verstehen trachten kann, was schon geschrieben, gemalt, komponiert wurde, bezeichnet die Hermeneutik ein Vergangenheitsverhältnis. Insofern ist sie eine Replik auf unsere Vergänglichkeit. Martin Gessmann versucht, die Perspektive der Deutungskunst auf die Zukunft hin zu öffnen ("Zur Zukunft der Hermeneutik", Wilhelm Fink Verlag, München 2012). Dringlich wird dieser Neubestimmung der Hermeneutik angesichts einer kulturellen, wissenschaftlichen und technischen Zäsur, die Gessmann auszumachen meint. Dieser historische Einschnitt manifestiert sich, so der Autor, in den Medien, der Gegenwartsphilosophie, der Kulturkritik und der Theorie der Moderne, also Themenfeldern, die sich ihrerseits in einem radikalen Umbruch befinden.

Die Moderne, so Gessmanns Leitthese, war durch Antagonismen gekennzeichnet, die immer weiter auseinanderstrebten: Politik und Öffentlichkeit, Wissenschaft und Natur, Technik und Mensch, Körper und Geist, analoge und digitale Welt. Diese Dualismen haben Adorno oder Heidegger zu Klageliedern inspiriert. Das jedoch, so Gessmanns Diagnose, war voreilig. Phänomene wie Facebook und dessen Rolle in der arabischen Revolution, die neuen sozialen Bewegungen, die nachlassende Faszination für Großtechnologien, der Einsatz für nachhaltiges Wirtschaften bis hin zu dem nutzfreundlichen Design der Geräte Apples und die Verabschiedung computationaler Ansätze in der Hirnforschung zugunsten einer "embodied cognition" - all das zeige, dass eine Epoche angebrochen ist, die die hergebrachten Dualismen lebenspraktisch überwinde und damit zugleich die einschlägige Kritik an der Moderne und ihrer Kultur unterlaufe.

Die Zukunft der Hermeneutik liege in einer Fortschreibung der Deutungsgeschichte hin zu einer vorausdeutenden Stiftung von Einheit. Verständigungsbrüche sollen dabei nicht nachdeutend überspielt, sondern vorausdeutend minimiert werden. Es geht also nicht um die Erstellung von Prognosen, sondern um Sinnstiftung mittels Fortschreibung historischer Kontinuitäten. Dass Gessmann hierfür methodisch so ziemlich alles vereinnahmen möchte, was der Markt an schnittigen Themen hergibt - Gedächtnisforschung, Neurowissenschaft, Erinnerungskultur, Emotionsforschung -, befremdet eher. Wirklich unangenehm ist jedoch der kollektivistische und vereinnahmende Unterton des Unternehmens. Was Gessmann vorzuschweben scheint, ist eine neuhegelianische Geschichtsphilosophie, in der das Individuelle und Private methodisch zu überwinden und sachlich aufzuheben ist. Es grüßt die schöne neue Welt der Netzgemeinschaft und der Schwarmintelligenz.

Sinndeutung ereignet sich aber ausschließlich in den Deutungsversuchen jedes Einzelnen - sei es hinsichtlich seiner Biographie, der Geschichte oder im Erleben von Kunstwerken. Eine Hermeneutik, die mit Hilfe fortschreibender Geschichtsdeutung Sinnstiftung betreiben möchte, übersieht den Ort echten Sinnerlebens, das endliche Individuum, und macht sich zum akademischen Vordenker neukollektivistischer Träumereien. Doch Vorsicht: "Geschichtsphilosophen haben die Welt nur verschieden verändert", kalauerte schon Marquard in dem erwähnten Vortrag, "es kömmt darauf an, sie zu verschonen."

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