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Das "Buch der 24 Philosophen" ist einer der geheimnisvollsten und wirkungsmächtigsten philosophischen Texte des Mittelalters. Angeblich geht das Buch auf Hermes Trismegistos zurück. Doch wahrscheinlich stammt es aus dem 12. Jahrhundert. Auf die Frage "Was ist Gott?" geben vierundzwanzig philosophische Meister eine Antwort. Die vierundzwanzig Definitionen (z.B. "Gott ist eine unendliche Sphäre, deren Mitte überall und deren Umkreis nirgends ist") haben das philosophische und spekulative Denken durch viele Jahrhunderte bis in unsere Zeit angeregt. Kurt Flasch hat diesen Klassiker erstmals ins…mehr

Produktbeschreibung
Das "Buch der 24 Philosophen" ist einer der geheimnisvollsten und wirkungsmächtigsten philosophischen Texte des Mittelalters. Angeblich geht das Buch auf Hermes Trismegistos zurück. Doch wahrscheinlich stammt es aus dem 12. Jahrhundert. Auf die Frage "Was ist Gott?" geben vierundzwanzig philosophische Meister eine Antwort. Die vierundzwanzig Definitionen (z.B. "Gott ist eine unendliche Sphäre, deren Mitte überall und deren Umkreis nirgends ist") haben das philosophische und spekulative Denken durch viele Jahrhunderte bis in unsere Zeit angeregt. Kurt Flasch hat diesen Klassiker erstmals ins Deutsche übersetzt und in diesem Band kommentiert herausgeben.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1906
  • Verlag: Beck
  • 3., durchges. Aufl.
  • Seitenzahl: 128
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 128 S. 190 mm
  • Deutsch, Latein
  • Abmessung: 190mm x 125mm x 12mm
  • Gewicht: 130g
  • ISBN-13: 9783406607097
  • ISBN-10: 3406607098
  • Best.Nr.: 29149764
Autorenporträt
Kurt Flasch, geboren 1930 in Mainz, studierte Philosophie, Geschichte, Gräzistik und Germanistik in Bonn und Frankfurt, wo er 1956 promovierte und 1969 habilitierte. Von 1970 bis 1995 war er Ordinarius für Philosophie im Philosophischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus hielt er zahlreiche Gastvorlesungen, u.a. an der Sorbonne in Paris. Kurt Flasch verfasste zahlreiche Publikationen und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem "Sigmund-Freud-Preis" für wissenschaftliche Prosa (2000) der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, dem "Hannah- Arendt-Preis" (2009) und dem "Joseph-Breitbach-Preis" (2012).
Rezensionen
Besprechung von 23.04.2011
In dieser Sphäre kann der kleinste Teil der Welt nicht fehlen
Knapp formuliert, bildmächtig und mit einer faszinierenden Wirkungsgeschichte: Das mittelalterliche "Buch der 24 Philosophen" liegt zum ersten Mal auf Deutsch vor

Hegel wollte noch in seiner Vorlesung zur Geschichte der Philosophie "Siebenmeilenstiefel anlegen", um möglichst rasch über die rund tausend Jahre zwischen dem sechsten und dem sechzehnten Jahrhundert "hinwegzukommen". Es sei schließlich niemandem zuzumuten, die mittelalterlichen Schriften zu lesen. Sie seien "ebenso umfassend als dürftig, schrecklich geschrieben und voluminös".

Die mediävistischen Studien, nicht zuletzt die von Kurt Flasch, zeichnen inzwischen ein anderes, weitaus positiveres Bild vom Mittelalter. Der emeritierte Philosophiehistoriker, der von 1970 bis 1995 Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum lehrte, kennt wie kaum ein Zweiter die mittelalterlichen Quellen, interpretiert sie seit über fünfzig Jahren mit Esprit, Witz sowie provozierendem Eigenwillen und belegt in seinen zahlreichen Arbeiten, von denen etliche inzwischen zu Standardwerken der mittelalterlichen Philosophie avancierten, wie sehr uns die zahlreichen Schriften, die eigenwilligen Personen und herausfordernden Probleme der mittelalterlichen Philosophie und Theologie zu denken geben.

Der lateinische Text, den Flasch hier erstmals mit deutscher Übersetzung und exquisitem Kommentar ebenso leserfreundlich wie geistvoll präsentiert, gehört zu den bedeutenden und wirkmächtigsten philosophischen Werken des gesamten Mittelalters. Er stellt das genaue Gegenteil von jenen Schriften dar, die Hegel bei seinem genannten Verdikt vor Augen gehabt haben muss.

Das Manuskript selbst ist weder "umfassend" noch "dürftig". Er umfasst in der Transkription gerade einmal fünf Seiten und handelt doch, wie es in der fünften These heißt, von jener Wirklichkeit, "worüber hinaus Besseres nicht gedacht werden kann": von Gott. Das Opusculum ist auch keineswegs "schrecklich geschrieben und voluminös". Der "Liber viginti quattuor philosophorum", das "Buch von den vierundzwanzig Philosophen", so sein Titel, ist kurz und knapp. Es besteht lediglich aus 24 Thesen (definitiones), die jede für sich und allesamt eine Frage zu beantworten suchen: "Quid est Deus?" Was ist Gott?

Diese vorgelegten Thesen allerdings haben es in sich, werden bereits im lateinischen Text mit wenigen Sätzen kommentiert (sogenannter "alter Kommentar") und provozierten ihrerseits immer wieder neue Interpretationen, wütende Kritik und weiterführende Reflexionen.

Wer wo wann dieses anregende Werk geschrieben hat, wissen wir nicht. Im Mittelalter und weit darüber hinaus wurde es Hermes Trismegistos zugeschrieben, dem Dreimalgrößten. Tatsächlich schöpft es aus verschiedenen antiken Vorlagen und steht insgesamt in neuplatonischer Tradition. Doch wird es erst im zwölften Jahrhundert von Alanus ab Insulis (gestorben 1202) zitiert, macht ab dem dreizehnten Jahrhundert Karriere und wird unter anderen von Albertus Magnus und Thomas von Aquin schöpferisch rezipiert.

Flasch skizziert die Rezeptionsgeschichte, geht dabei besonders - wen wundert's - auf seinen Lieblingsautor Meister Eckhart (gestorben 1328) ein, mit wenigen Strichen auch auf Berthold von Moosburg (gestorben nach 1361), auf Thomas Bradwardine (gestorben 1349) und - leider nur andeutungsweise - auch auf Nikolaus von Kues (gestorben 1464).

Als im Jahr 1886 Heinrich Denifle, Dominikaner und Archivar im Vatikan, aus einer Erfurter Handschrift das Buch publizierte, begann die spezifische Forschungsgeschichte. Flasch zeichnet sie ohne Anspruch auf Vollständigkeit nach. Dabei erinnert er an Clemens Baeumker, der den Text aufgrund weiterer Handschriftenfunde neu herausgab, an die "deutschnationale Motivation" von Dietrich Mahnke, an die "neuen Motive" von Werner Beierwaltes und an die "unbestrittenen Resultate" von Françoise Hudry, deren kritischer Edition Flasch bei seiner Übersetzung folgt. Auch geht er auf Paolo Lucentini ein, der im Werk "eine philosophische Transposition der christlichen Trinitätslehre" ausmacht und damit, wie Flasch zu Recht feststellt, Kurt Ruh widerspricht. Nicht unerwähnt bleibt auch Peter Sloterdijk. Er habe in seiner "Sphären-Trilogie" die zweite These des Werkes differenziert erforscht und damit "die Auseinandersetzung mit dem Liber auf eine neue Stufe gehoben".

Tatsächlich verdient dieser berühmteste Satz des gesamten Werkes alle Beachtung: "Gott ist die unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgends ist." Zu Recht verweist Flasch auf die "glänzende Nachgeschichte" dieses Bildwortes: angefangen bei Meister Eckhart über Nikolaus von Kues, Giordano Bruno bis hin zu Sloterdijk. Aber auch alle anderen Thesen sind bedenkenswert, etwa die dritte: "Gott ist ganz in allem, was in ihm ist." Oder der schon zitierte vierte Satz. Er erinnert an Anselm von Canterbury, der in seinem Proslogion Gott als jene Wirklichkeit bezeichnet, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, mehr noch: die größer ist als alles, was gedacht werden kann (Prosl. 2 und 15).

Was heißt das anderes, als dass Gott kein "Stück" der Welt ist, "Welt" verstanden als das von Gott Verschiedene. Es gibt überhaupt kein "Stück" von Gott. Gott ist, wenn es ihn gibt, ganz und gar unteilbar. Alles, was nicht Gott ist, ist von ihm verschieden. Aber alles, was von ihm verschieden ist, alles Geschaffene, weist auf ihn hin, weil es ohne ihn nicht wäre. Gäbe es etwas, was ohne ihn wäre, wäre Gott nicht Gott.

All das hat Konsequenzen bis in den Alltag hinein: Nicht von ungefähr hält zum Beispiel Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, die Seinen an, "Gott in allen Dingen" zu suchen. Überhaupt: Christen sprechen vom "Wort Gottes". Sie korrigieren damit von vornherein die Gottesfrage. Sie fragen nicht was, sondern wer Gott sei. Denn der Ursprung eines Wortes kann nur ein personales Wesen sein. Zweifellos aber muss, wer vom Wort Gottes spricht, davon Rechenschaft abgeben, was er denn überhaupt meint, wenn er "Gott" sagt.

Und es zeigt sich: Diese Frage geht alle an und darf keineswegs nur den Theologen aus Profession überlassen werden. Auch Philosophen, die meinen, am Ende ihres Diskurses angelangt zu sein und alle Fragen beantwortet zu haben, erhalten durch die Gottesfrage neuen Stoff und neues Format.

Flasch verweist auf das Manuskript, das er in der Stadtbibliothek Mainz entdeckt hat (Ms II, 234): keine Prachthandschrift, sondern kleine Pergamentblätter. "Diese unscheinbaren Merkzettel mittelalterlicher Leser geben zu denken." Sie belegen: Das Mittelalter ist immer wieder für Überraschungen gut. Wir dürfen es nicht unterschätzen, schon gar nicht intellektuell.

MANFRED GERWING

Kurt Flasch (Hrsg.): "Was ist Gott?" Das Buch der 24 Philosophen. Lateinisch-Deutsch.

Erstmals übersetzt und herausgegeben von Kurt Flasch. Verlag C.H. Beck, München 2011. 128 S. geb., 11,95 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schmal, sehr schmal ist der Text, den Kurt Flasch hier übersetzt hat und recht ausführlich kommentiert. Auf fünf Seiten findet sich darin Wesentliches zur Philosophie des Mittelalters, und zwar um die eine Frage: "Quid est deus? - Was ist Gott?" konzentriert. Wann das außerordentlich einflussreiche Büchlein verfasst wurde, weiß man nicht - es taucht im 12. Jahrhundert nach Christus jedenfalls erstmals auf. Nur bedanken kann sich der Rezensent Manfred Gerwing für die von Flasch geleistete Nachverfolgung der Thesen durch die Geistesgeschichte bis in die Gegenwart des Kugel- und Sphärentheoretikers Peter Sloterdijk. Spätestens dadurch werde einem die Aktualität der Gottesfrage in ihrer philosophischen Behandlung bewusst.

© Perlentaucher Medien GmbH