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    Buch mit Leinen-Einband

Der arabische Begriff Hadith bezeichnet eine Überlieferung, die eine Aussage des Propheten Muhammad (gest. 632) mitteilt oder von einer Handlung des Propheten berichtet. Das Wissen um die Überlieferungsketten und die Sammlung von Hadithen wurden bald ein zentraler Bestandteil muslimischer Gelehrsamkeit. Darüber hinaus erfüllten gerade die Hadithe den Anspruch des Islam, den Gläubigen einen modellhaften Lebensentwurf anzubieten, der alle Aspekte des Alltags und des gesamten Lebens umfaßt: 'Im Gottgesandten habt ihr doch ein schönes Beispiel' (Koran 33:21.)
Der berühmte syrische Gelehrte
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Produktbeschreibung
Der arabische Begriff Hadith bezeichnet eine Überlieferung, die eine Aussage des Propheten Muhammad (gest. 632) mitteilt oder von einer Handlung des Propheten berichtet. Das Wissen um die Überlieferungsketten und die Sammlung von Hadithen wurden bald ein zentraler Bestandteil muslimischer Gelehrsamkeit. Darüber hinaus erfüllten gerade die Hadithe den Anspruch des Islam, den Gläubigen einen modellhaften Lebensentwurf anzubieten, der alle Aspekte des Alltags und des gesamten Lebens umfaßt: 'Im Gottgesandten habt ihr doch ein schönes Beispiel' (Koran 33:21.)

Der berühmte syrische Gelehrte Yahya ibn Sharaf al-Nawawi (1233-1277) traf aus der umfangreichen Hadithliteratur eine pointierte Auswahl, die er das Buch der vierzig Hadithe nannte und das die zentralen Lehren des Islam beinhaltet: 'Jeder dieser vierzig Hadithe ist ein gewaltiger Pfeiler von den Pfeilern der Religion. Von jedem dieser Hadithe haben Gelehrte verschiedentlich gesagt, er sei der Dreh- und Angelpunkt des Islam oder er enthalte die halbe Glaubenslehre des Islam oder ein Drittel davon oder doch etwas Vergleichbares.' Bis heute stellt das Buch der vierzig Hadithe eine Art Katechismus des islamischen Glaubens dar, es ist in allen islamischen Ländern populär.Die neue Ausgabe bringt neben der Übersetzung der Hadithe an-Nawawis Einleitung und seine ausführlichen Erläuterungen. Sie werden ergänzt durch eine Übersetzung des Kommentars von Ibn Daqiq al-id, eines der ältesten Kommentare zum Buch der vierzig Hadithe. Zusammen mit dem Kommentar des Herausgebers dieser Ausgabe zeigt der Band damit sowohl die muslimische als auch die westliche Perspektive auf eine der berühmtesten Hadithsammlungen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Verlag Der Weltreligionen Im Insel Verlag
  • Seitenzahl: 805
  • Erscheinungstermin: September 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 115mm x 29mm
  • Gewicht: 436g
  • ISBN-13: 9783458700067
  • ISBN-10: 3458700064
  • Artikelnr.: 22626410
Autorenporträt
al-Nawawi§Yahya ibn Sharaf al-Nawawi (1233-1277), berühmter syrischer Gelehrter, der aus der umfangreichen Hadithliteratur eine pointierte Auswahl traf, die er das Buch der Vierzig Hadithe nannte und die die zentralen Lehren des Islam beinhaltet.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.12.2007

Die Hilfsbuchhalter Allahs
Der Islam beginnt im „Verlag der Weltreligionen” mit den Prophetenüberlieferungen, den Hadithen
Wenn die gewissenhaften und zugleich kauzigen Charakterzüge des deutschen Verlagswesens mit denen unserer Philologie zusammenfallen, kann es zu wunderlichen Ereignissen kommen. Die Verbindung des Verlags der Weltreligionen mit der deutschen Orientalistik scheint eine solche Konstellation. Dass aber das Staunen des Fachmanns, wenn er den ersten Islamband der Reihe in die Hände nimmt, so groß sein würde, hätten selbst wir nicht gedacht! Was um Allahs willen ist da passiert? Handelt es sich nicht um die „Vierzig Hadithe” des Damaszener Religionsgelehrten Al-Nawawi aus dem dreizehnten Jahrhundert, wie es in der Ankündigung stand? Handelt es sich nicht um das Büchlein, das wir 1991 in einem der religiösen Buchläden in der Nähe Omayyadenmoschee in Damaskus für einen Gegenwert von sieben oder acht Pfennigen erstanden haben? Ein Heftchen eher als ein Buch, im Reclam-Format, mit einem Umfang von kaum mehr als fünfzig Seiten?
O Wunder der deutschen Philologie, o Wunder des deutschen Verlagswesens! Ungläubig kramen wir das arabische Pendant aus den Tiefen unserer Bibliothek, schütteln den Staub ab, überprüfen noch einmal die Seitenzahl, die Vollständigkeit und legen es vor uns auf den Schreibtisch. Ungläubig deponieren wir die mühevoll aus der Plastikverschweißung gepellte deutsche Übersetzung daneben. Sie ist nicht nur in Dünndruck, Leinen, Fadenheftung und mit Lesebändchen ungleich schöner, so schön, dass es noch den ehrgeizigsten islamischen Buchdrucker beschämen müsste. Nein, sie ist auch dicker, viel dicker. Um genau zu sein, sechzehnmal so dick!
Die Frage, ob das nötig ist, schieben wir bis zum Ende auf. Stellen wir zunächst fest: Das Buch ist ein Meisterstück an philologischer Genauigkeit, besser geht es nicht. Dass der Verlag den Herausgeber, den jungen Kölner Privatdozenten für Islamwissenschaften, Marco Schöller, gegen alle wirtschaftlichen Erwägungen es so hat machen lassen, nötigt Respekt ab. Auch die Entscheidung, den islamischen Part der Reihe mit dem Hadith beginnen zu lassen, erweist sich als klug. Koranübersetzungen, so mangelhaft sie sind, gibt es ja zur Genüge; über das Hadith weiß der Laie hingegen wenig bis nichts, obwohl es für das, was den Islam heute ausmacht, genauso zentral, ja fast wirkmächtiger ist als der Koran. Hadith ist der Sammelbegriff für die überlieferten Aussprüche und das beispielgebende Wirken des Propheten Mohammed – Kürzestgeschichten, Anekdoten, Dialoge und Aphorismen.
Seit dem achten Jahrhundert hat sich bei den muslimischen Gelehrten eine bis heute lebendige Hadithwissenschaft herausgebildet, die sich die Überprüfung und korrekte Weitergabe dieser Überlieferungen zur Aufgabe gemacht hat. Neben dem Koran, der nur eine recht begrenzte Anzahl rechtlicher Regelungen enthält, ist das Hadith die wichtigste Textbasis für das islamische Recht und die islamische Ethik. Während die westliche Islamwissenschaft die meisten Hadithe für nicht-authentisch hält, steht für einen gläubigen Muslim die Echtheit der kanonischen Hadithsammlungen außer Frage. Ein echtes Hadith gilt daher als unanfechtbare Autorität.
In seinem Kommentar zum einundvierzigsten Hadith – das Buch der Vierzig Hadithe enthält in Wahrheit zweiundvierzig – spricht Al-Nawawi es aus: „Als ob irgendjemand ein gutes Argument gegen den Gottgesandten – Gott segne ihn und spende ihm Heil! – haben könnte!” Damit ist ein Axiom gesetzt, das die erstaunliche Kohärenz des Islams, aber eben auch seine heutige Problematik begründet. Weil der Prophet unantastbar ist, gelten die Aussagen der „echten” Hadithe absolut. Allenfalls lassen sie einen gewissen Interpretationsspielraum.
Nun gibt es jedoch selbst von den echten Hadithen so viele, dass man dieser Wissenschaft sein Leben widmen muss, will man sie annähernd überblicken. Für den Hausgebrauch haben sich nach Art eines kleinen Katechismus Kurz- und Kürzestsammlungen herausgebildet. Die berühmteste und am weitesten verbreitete ist die von al-Nawawi (1233 – 1277) aus Damaskus zusammengestellte und kommentierte. Die vorliegende Ausgabe enthält außer dem Kommentar von al-Nawawi den noch bekannteren des eine Generation älteren ägyptischen Gelehrten Ibn Daqiq al-Id.
Was diese kommentierte Hadithsammlung so bedeutend macht, ist weder ihre Originalität noch ein eigenständiger literarischer oder philosophischer Wert, sondern schlicht ihre Verbreitung. Um die Größe und Schönheit islamischer Kultur und islamischen Denkens zu erfahren, müssen wir al-Nawawi nicht lesen. Wenn wir aber wissen wollen, worauf sich ein gläubiger Muslim, gleich ob Araber oder nicht, beruft und womit sich muslimisches Denken heute auseinanderzusetzen hat, führt an al-Nawawi kein Weg vorbei. Und ich gestehe, ich bin geneigt zu sagen: leider!
Wie verheerend die Wirkung eines solchen Büchleins sein kann, wenn es zu einem Preis von acht Pfennigen in die Hände von Millionen nur rudimentär Gebildeter gelangt, erfahren wir gegenwärtig. Mit den von al-Nawawi gesammelten Hadithen kann man vieles Gute im Islam begründen, gewiss. Aber genauso leicht fast alles Schlechte. Den Softie-Islam ebenso wie den blutrünstigsten Islamismus. Als Paradebeispiel bietet sich das achtzehnte Hadith an, es lautet: „Das Blut eines Muslims ist nicht erlaubt (d. h. darf nicht vergossen werden), außer in einem von drei Fällen: bei einem verheirateten Ehebrecher; bei einem, dessen Seele für eine (andere) Seele (einstehen muss, d. h. bei einem Mörder); und bei einem, der seine Religion verlassen, der sich von der Gemeinschaft getrennt hat.”
Marco Schöller weist in seinem Kommentar darauf hin, dass in der turbulenten Zeit al-Nawawis, als ein Menschenleben nur wenig galt, ein solches Hadith eine durchaus humane Botschaft enthielt, nämlich dass das Töten nur unter sehr bestimmten Umständen erlaubt sei. Aber welcher Gläubige, zumal unter den gering Gebildeten, deutet einen solchen Text vor seinem historischen Hintergrund? Schließlich hat es der Prophet höchstpersönlich so dekretiert, und da „niemand ein gutes Argument gegen ihn haben kann”, wie wir im Kommentar zum einundvierzigsten Hadith gelernt haben, lässt sich das achtzehnte Hadith von dem, der will, als Freibrief für eine nach heutigem Verständnis barbarische Gesetzgebung lesen, die jeden Ehebruch mit dem Tod bestraft, und ebenso jeden, der von seiner Religion abfällt.
Im Kommentar von Ibn Daqiq nimmt die Bandbreite der möglichen Deutungen dieses Hadith noch erschreckendere Ausmaße an. Der Apostasie macht sich nämlich laut Ibn Daqiq nicht nur derjenige schuldig, der lautstark seinen Austritt aus dem Islam erklärt, sondern „die Gelehrten sagen: Dies bezieht sich auch auf jeden, der aus der Gemeinschaft austritt, indem er eine ‚Neuerung’ aufbringt oder rebelliert oder noch etwas anderes tut”. Damit wird es zum Kinderspiel, jeden, der nicht einen radikal traditionsgläubigen Islam lebt, zum Rebellen und damit zum Apostaten zu erklären. Tatsächlich rechtfertigen die radikalen Islamistengruppen etwa in Algerien oder im Irak so den massenhaften Mord an ihren Glaubensbrüdern.
Ibn al-Daqiq selbst spricht sich zwar dagegen aus, dass schon die Unterlassung des Gebets als Apostasie gelte und damit als Tötungsgrund ausreiche (diejenigen, die nicht beten, sind seiner Meinung nach „nur” zu bekämpfen), aber das ist nur ein geringer Trost, wenn Marco Schöller schließlich in seinem Kommentar zu diesem Punkt „Meinungsverschiedenheit quer durch die verschiedenen Rechtstraditionen” vermerkt. An solchen Stellen wird klar, wie vertrackt die notwendige Modernisierung des Islams ist. „Ein gutes Argument gegen den Gottgesandten” wird auch ein heutiger Rechtsgelehrter schwerlich zur Hand haben. Die Verbreitung solcher Hadithe ist zu groß, um sie einfach zu übergehen, und gegen eine fortschrittliche Interpretation spricht zum einen der schiere Wortlaut, zum anderen die fundamentalistische Propaganda, die gegen jede Neuerung anbrüllt.
Zum Glück ist die Hadith-Sammlung al-Nawawi nicht nur im Blick auf die aktuelle Islamproblematik aufschlussreich. Bei etlichen Aussagen des Textes handelt es sich weniger um Handlungs- als um Gewissensethik. Wenn die Erfüllung der Grundpflichten des Muslims angemahnt wird, geschieht dies nicht, ohne die Augendienerei der Frömmler zu verdammen. Ein Muslim soll Gutes tun, aber er darf sich nicht einbilden, er habe sein Schicksal und seinen Lohn im Jenseits in der Hand. Alles ist bei Gott immer schon aufgezeichnet: „Die Schreibrohre wurden bereits angehoben, und die Seiten sind schon getrocknet.”
Auch der kategorische Imperativ findet sich im dreizehnten Hadith vorgebildet: „Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selber wünscht.” Von einem gesunden Kaufmannsgeist zeugt die Einschränkung, mit der Ibn Daqiq diesen Satz versieht: „Dies kann nur dadurch erreicht werden, indem man dem Bruder wünscht, er möge das Gleiche erlangen bei Dingen, bei welchen man mit ihm nicht in Konkurrenz steht.”
Auch bei der Frage, welche Taten im Diesseits wie im Jenseits angerechnet werden, geraten die Schreibrohre in heftige Zuckungen. Am Ende hilft nur die Potenzrechnung, etwa wenn einer einem Bedürftigen einen Dirham Almosen gibt, der dann diesen an einen noch Ärmeren weitergibt, und so fort: „Die Summe vervielfacht sich also ins Unermessliche.” Bedenkt man jetzt, dass laut dem fünfundzwanzigsten Hadith auch das „Beiwohnen” vulgo der Geschlechtsverkehr, als „ein Almosen” gilt, darf man spätestens hier endlich auch einmal lachen.
Gleichwohl: Die Vierzig Hadithe sind eher eine notwendige als eine vergnügliche Lektüre. Die Genauigkeit der Kommentatoren, Marco Schöllers inbegriffen, die uns auch graphische und grammatikalische Details nicht erspart, dürfte überdies den nicht spezialisierten Leser manches Mal zum Überblättern verleiten. Aber das macht nichts. Wenn wir uns die Weltreligionen neu erschließen wollen, wie es sich diese Edition zur Aufgabe gesetzt hat, dann muss man es so machen. Noch die muslimischen Hadithgelehrten könnten dieses Buch mit Gewinn lesen. Und selbst wenn uns al-Nawawi den Islam nicht nur von seiner schönen Seite zeigt, am Ende gilt der alte muslimische Spruch: „Ein gelehrter Jurist setzt dem Satan mehr zu als tausend Gottesanbeter.” STEFAN WEIDNER
AL-NAWAWI: Das Buch der Vierzig Hadithe. Kitab al-Arba’in. Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Marco Schöller. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Frankfurt 2007. 805 Seiten, 32 Euro.
Das Buch ist ein Meisterstück an philologischer Genauigkeit, besser geht es nicht
„Ein Muslim darf sich nicht einbilden, er habe seinen Lohn im Jenseits in der Hand”
Die Basis für die Scharia – darauf beruft sich jeder gläubige Muslim: Illuminierte Hadithen-Handschrift aus dem frühen 13. Jahrhundert. Foto: AKG
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Stefan Weidner würdigt diese Ausgabe von al-Nawawis "Das Buch der Vierzig Hadithe" als philologisches "Meisterstück". Er schätzt nicht nur die wunderschöne Aufmachung des Bands, sondern auch die überzeugende Übersetzung und den umfangreichen, sehr genauen, bisweilen fast zu detaillierten Kommentar des Islamwissenschaftes Marco Schöller. Eingehend informiert Weidner über die weite Verbreitung und die enorme Bedeutung von al-Nawawis (1233 - 1277) Werk, das als berühmteste kommentierte Sammlung von Aussprüchen und Weisheiten des Propheten Mohammed gilt und mehr noch als der Koran eine Grundlage von Ethik und Recht im Islam darstellt. Die Kenntnis dieses Werks scheint Weidner unverzichtbar, zumindest, wenn man verstehen möchte, worauf sich ein gläubiger Muslim heute berufe und womit sich muslimisches Denken heute auseinanderzusetzen habe. Gerade im Blick auf die aktuelle Islamproblematik scheint ihm der Band erhellend. Er hält die Lektüre nicht für die pure Freude, aber für notwendig. Insofern kann er diese opulente Ausgabe nur begrüßen, die, wie er unterstreicht, auch muslimische Hadithgelehrte mit Gewinn lesen dürften.

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