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"Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut." Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die…mehr

Produktbeschreibung
"Bevor all das geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut." Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes, fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er längst verschwunden glaubte. Doch er findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt. - "Kleines Land" ist ein überwältigendes Buch, voller Schrecken und Glückseligkeit, Güte und ewiger Verlorenheit - ein Stück französischer Weltliteratur im allerbesten Sinne.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch .31405
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 221
  • Erscheinungstermin: 1. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 123mm x 22mm
  • Gewicht: 212g
  • ISBN-13: 9783492314053
  • ISBN-10: 3492314058
  • Artikelnr.: 52362487
Autorenporträt
Faye, Gaël
Gaël Faye, 1982 in Burundi geboren, wuchs als Kind einer ruandischen Mutter und eines französischen Vaters auf, bevor er 1994 infolge des in Burundi herrschenden Bürgerkriegs nach Frankreich flüchten musste. Nach dem Ende seines Wirtschaftsstudiums arbeitete er zwei Jahre lang als Investmentbanker in London und kehrte schließlich nach Frankreich zurück, um dort als Autor, Musiker und Sänger zu arbeiten. Sein erster Roman »Kleines Land« war für den Prix Goncourt nominiert, erhielt den Prix Goncourt des Lycéens und zahlreiche andere literarische Auszeichnungen.

Große, Brigitte
Brigitte Große, 1957 in Wien geboren, übersetzt aus dem Französischen, u.a. Georges-Arthur Goldschmidt, Amélie Nothomb, Paul Valéry, Éric-Emmanuel Schmitt, Linda Lê, Thomas Reverdy, Gaël Faye, Kim Thúy und Joël Dicker (mit Andrea Alvermann). Hieronymus-Ring 1999-2001, Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung 2017.

Alvermann, Andrea
Andrea Alvermann, geboren 1964 in Düsseldorf, hat in Montpellier französische Literaturwissenschaften studiert. Sie übersetzt Sachbücher und Romane, unter anderem von Christophe André und Kim Thúy. Die Übersetzerin lebt in Düsseldorf.
Rezensionen
»›Kleines Land‹ von Gaël Faye ist ein überwältigendes Buch, voller Schrecken und Glückseligkeit, Güte und ewiger Verlorenheit.«, Passauer Neue Presse, 10.02.2018
Besprechung von 10.10.2017
Sackgassenspiele
Der französisch-burundische Autor und Rapper Gaël Faye
erzählt von Heimat, Kindheit und ethnischem Wahnsinn
VON ALEX RÜHLE
Was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war“. Ernst Blochs Heimatdefinition ist einer der schönsten Sätze zum Thema Erinnerungsskepsis: Das unwiederbringlich Schöne der Kindheit wirkt nur aus der Erwachsenenferne so, die Kindheit ist ein nachträglich erfundenes Paradies, freundlich ausgeleuchtet von den warmen Rückstrahlern der Nostalgie. Wobei – diese eine Sackgasse in Bujumbura, die muss tatsächlich paradiesisch ausgesehen haben: Hohe Mangobäume, die Schatten spenden. Bougainvilleensträucher, in denen Vögel nisten, Kolonialarchitektur, friedliche Ruhe, und irgendwo in diesem Gässchen am Rande der Hauptstadt von Burundi spielen Gabriel und seine vier Freunde Indianer oder Verstecken. Die Tage vergehen wie Honig, zäh und süß, die zehnjährigen Jungen schwören sich, dort gemeinsam ihr ganzes Leben zu verbringen, und heute, vom fernen Paris aus, kann Gabriel sich nicht mehr erinnern, „wann genau wir angefangen haben, anders zu denken. Nämlich, dass es auf der einen Seite nur noch uns gab und auf der anderen lauter Feinde. Ich frage mich immer noch, wann meine Freunde und ich anfingen, Angst zu haben.“
Wir sind im Jahr 1993. Eine Art Gewitterschwüle liegt über ganz Burundi, dem winzigen Land zwischen Ruanda, Kongo und Tansania. Gabriel weiß nichts von ethnischen Spannungen und Völkermord. Er bekommt nur mit, dass seine Mutter, eine Tutsi, die als Kind mit ihren eigenen Eltern vor einem der Pogrome in Ruanda fliehen musste, sich unbehaust fühlt in Burundi und unbedingt wegwill, am besten nach Paris. Gabriels französischer Vater denkt gar nicht daran, weiß er doch, dass das Leben für weiße Expats unvergleichlich komfortabel ist in den früheren Kolonien.
„Aber warum machen die Menschen Krieg“, fragt Gabriel seinen Vater eines Abends im Auto. „Weil sie nicht die gleiche Nase haben“, gibt der zurück. Er meint den Satz ironisch, die Leute in Bujumbura aber meinen ihn ganz ernst: Wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Vater ruft ein Zuschauer bei einer Schultheateraufführung von „Cyrano de Bergerac“ auf die Bühne, Cyrano müsse Tutsi sein, „bei der Nase“. Wenige Wochen später beginnt jenseits der Grenze, nur 40 Kilometer entfernt, der größte Genozid der jüngeren Geschichte, und Burundi selbst schlittert ebenfalls in einen ethnischen Bürgerkrieg, der fast zehn Jahre vor sich hinschwelen wird.
„Petit pays d’Afrique des Grands Lacs / Petit pays / Quand tu pleures, je pleure / Quand tu ris, je ris.“ – „Kleines Land im Afrika der großen Seen / Kleines Land / Wenn du weinst, weine ich / Wenn du lachst, lache ich / Wenn du stirbst, sterbe ich. / Wenn du lebst, lebe ich.“ Mit diesen Zeilen eröffnete der Rapper Gaël Faye 2013 sein Debütalbum „Pili Pili sur un croissant au beurre“. Faye ist 1982 in Bujumbura geboren und lebt in der Banlieue von Paris, seine Mutter ist Ruanderin, sein Vater Franzose. Pili Pili ist scharfe Chilisauce, es ging auf der CD um das Leben in und zwischen zwei Kulturen, um Sehnsucht und Projektion, das Album belegte Platz eins in den Charts. „Petit Pays“ hieß dann auch Fayes Roman im französischen Original, so als würde er den Song einfach fortspinnen.
Dessen Erzähler Gabriel ist eng verwandt mit seinem Autor. Er hat eine ruandische Mutter und einen französischen Vater, er nennt sich eingangs einen Heimatlosen, er lebt im Großraum Paris, diesem kulturellen Nirgendwo, in dem Hunderttausende aus den verschiedensten Ländern zusammengewürfelt wurden und gerade ein neues Frankreich erfinden, notgedrungen, einfach indem sie es leben. Dieser französisch-burundisch-ruandische, erwachsene Gabriel liefert die Rahmenhandlung: die immerwährende Sorge, was wohl aus seiner Mutter wurde, die kurz vor dem Genozid zurückging nach Ruanda, während er und seine Schwester vom Vater in einen Flieger nach Europa gesetzt wurden. Das immerwährende Heimweh, nach der unbeschwerten Zeit in der Sackgasse und danach, einfach ein kleiner Junge namens Gabriel und nicht ein anonymer, geduldeter Ausländer zu sein. Und der Entschluss, zurückgehen, um die schwärende Wunde namens Erinnerung vielleicht so lindern zu können.
Die eigentliche Geschichte aber wird von dem 10-jährigen Gabriel erzählt, einem scharfsichtigen Jungen, der merkt, wie die gerade noch so harmlosen Indianerspiele immer gefährlicher werden, weil ringsum längst marodierende Jugendbanden durch die Straßen Bujumburas ziehen. Die kleine Sackgasse und die große Geschichte – es ist beeindruckend, wie Faye es schafft, einen Roman über den Genozid zu schreiben, ohne dass der selbst zum Thema würde, er zeigt parabelhaft, im Alltag der fünf Jungen, wie eine Gesellschaft in wenigen Monaten verroht, die Spiele werden immer härter, die atmosphärischen Spannungen brauen sich zusammen wie ein tropisches Gewitter, gerade noch war die ganze Stadt ein Abenteuerspielplatz, plötzlich wird sie streng in Tutsi- und Hutuviertel aufgeteilt, und statt die Welt in Indianer und Cowboy aufzuteilen, werden sogar die Jungs gezwungen, eine ethnische Identität zu wählen. Und ausgerechnet Gabriel, der sich der ganzen Raserei so unbedingt entziehen will, wird zu einer schrecklichen Tat gezwungen.
Gaël Faye liefert nebenbei ein kundiges Porträt der burundischen Alltagskultur, aus all den Liedern, die den Text durchziehen, könnte man eine CD zum Roman machen, und hier kommt Donatien, der treue Hausdiener aus dem Nachbarland Zaire auf die Terrasse: „Er trug einen Abacost, eine kurzärmlige Jacke aus dunklem, leichtem Stoff, ohne Hemd oder Krawatte, wie Mobutu es den Zairern vorgeschrieben hatte, um sie von der Kolonialmode zu befreien.“ So gibt Faye dem Leser im Erzählen viel über den Alltag, die Politik, die Geschichte mit, ohne dass das jemals aufgesetzt wirkte. Irritierender sind viele Afrikastereotype, die der erwachsene Faye/Gabriel einstreut, all die gertenschlanken, wunderschönen, stolzen Frauen, die durch den Text und die üppige Natur schreiten. Man weiß dann streckenweise nicht, ob das Beschreibungen des jungen Gabriel sein sollen oder Sehnsüchte des fernen Erwachsenen, der sich von Paris aus eine Kindheitsheimat erfindet.
Am Ende des Buchs dreht sich dann überraschend der Blick, der erwachsene Gabriel beschließt, in Burundi zu bleiben. Von dort aus beschreibt er seine neue Heimat Frankreich als einen Ort, der seinem Kindheitsbiotop in einem unheimlichen Detail ähnelt, „ein Land wie eine Sackgasse, wo man das Kriegsgetöse und die Raserei der Welt nur ganz von fern hört“.
Warum führen die Menschen
Krieg? Weil sie nicht
die gleiche Nase haben
Gaël Faye: Kleines Land. Roman. Aus dem
Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große. Piper Verlag,
München 2017. 224 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 13.01.2018
Als Blut und Raserei Alltag waren

Ein Rapper schreibt afrikanische Geschichte: Gaël Fayes Roman "Kleines Land" blickt von Burundi auf den Völkermord in Ruanda.

Eine Sackgasse ist das sinnreiche Bild, das Gaël Faye gefunden hat, um eine persönliche und historische Ausweglosigkeit zu schildern. Für sich genommen ist der Ausdruck sprichwörtlich, ja banal, aber Faye macht in seinem Romanerstling "Kleines Land" auch erst einmal nur ein alltägliches Setting daraus: Die letzten Jugendmomente des Helden Gaby (Gabriel) spielen sich in besagtem idyllischen Straßenende ab; Faye reichert den Ort langsam, fast unmerklich mit Bedeutung an. Am Ende wird das Bild sinnfällig, da mutiert die Sackgasse zur lebensbedrohlichen Falle, und eine Flucht wird unausweichlich. Denn Gaby lebt Anfang der neunziger Jahre in Bujumbura, Burundi, und aus dem benachbarten Ruanda, der Heimat von Gabys Mutter, schwappen Bürgerkrieg und Genozid ins Land.

Zunächst sind die Sorgen also gewöhnlich, der einzige Konflikt ein Rosenkrieg: Gabys Eltern, Yvonne, eine Tutsi aus Ruanda, und Jacques, ein Franzose aus dem Jura, trennen sich lautstark. Gaby, zehn Jahre alt, und seine Schwester Ana, sieben, erleiden das Familienchaos still. Es folgt der Beginn der Pubertät mit Mangodiebstahl, ersten Zigaretten und Bieren sowie vor allem mit den "Kinanira Boyz", Gabys Freundesgruppe aus dem wohlhabenden Viertel. Doch 1993, Gaby ist elf Jahre alt, explodieren die Konflikte in Ruanda abermals, und in Burundi nehmen die Spannungen zu: "Ich frage mich immer noch, wann meine Freunde und ich anfingen, Angst zu haben." Die historischen freien Wahlen bringen zwar einen demokratisch gewählten Präsidenten hervor, der jedoch wird ermordet; zu den Klängen von Wagners "Götterdämmerung" übernimmt das Militär die Macht.

Faye, 1982 in Burundi geboren, ist von Haus aus Rap-Sänger und beherrscht Rollenspiele gut. Die Stärke seines Romans ist das Eintauchen in die Kinderperspektive, der naive Blick auf eine unerfreuliche Wirklichkeit, welche er aus eigener Erfahrung kennt. Den großen Erfolg bei Publikum und Kritik - Faye hat 2016 unter anderen den Prix Goncourt des lycéens und den Prix du roman Fnac erhalten - verdankt "Kleines Land" sicher dieser Perspektive, die es ihm erlaubt, eines der schrecklichsten Kapitel des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts erstmals direkt darzustellen; Scholastique Mukasongas Roman "Die heilige Jungfrau vom Nil" (2012) hatte sich dem Vorfeld des ruandischen Völkermords gewidmet und das kommende Gemetzel eher erahnen lassen.

Die sozialen und ethnischen Spannungen nimmt Fayes Hauptfigur wie durch Watte wahr, Schüsse sind unwirkliche Hintergrundgeräusche: Sein Villenviertel ist eine Komfortzone in einem Land am Abgrund. Während Gaby sich darin verkriecht, bildet sich in der Freundesgruppe eine andere Fraktion, angeführt vom älteren, sozial schlechter gestellten Francis, der mittlerweile hinzugestoßen ist. Mit Gabys bestem Freund Gino vertritt Francis die Vorstellung, dass man das Viertel verteidigen muss; das legt ein Bündnis mit Milizen nahe. Die Gruppe wird von den Spannungen schier zerrissen, und das ist der spannende Aspekt von "Kleines Land": die moralische Frage, ob man sich angesichts roh entfesselter Gewalt in irgendeiner Weise verantwortungsvoll verhalten kann oder einfach fliehen sollte.

Gaby entdeckt die Literatur als Rückzugsort; er flüchtet sich in eine Brieffreundschaft mit Laure, einer Französin, die er noch nie gesehen hat. Seinen eskapistischen Tendenzen zum Trotz wird er in die Ereignisse hineingezogen. Eine Flucht ist im Grunde unmöglich: Nolens volens riskieren die Menschen Leib, Leben und seelische Gesundheit. Auf einem Gang zur Post wird Gaby Zeuge einer Lynchszene, ein Mann wird beiläufig gesteinigt: "Raserei und Blut begleiteten unser tägliches Tun." Vor allem aber machen die Unruhen vor dem Viertel nicht halt, Bedienstete verschwinden, Bewaffnete laden sich ein.

Symptomatisch und anrührend ist die Geschichte von Gabys Mutter Yvonne. Als die Massaker in Ruanda ausbrechen, ruft ihre Schwester sie an: Ihr Viertel sei ein Schlachtfeld, sie verlasse das Haus, um Hilfe zu suchen. Das sind ihre letzten Worte. Yvonne reist nach Ruanda und findet ihre Neffen und Nichten niedergemetzelt in ihrer Wohnung. Ihr gelingt es nicht einmal, die Leichenspuren zu beseitigen, "ihre Haut und ihr Blut hatten sich im Zement festgesetzt". Die einst attraktive Frau kehrt verheert nach Burundi zurück: "Ich sah ihre abgespannten Züge, die gelben Augen mit den tiefen Schatten, die welke Haut und durch den offenen Hemdkragen den Grind von Pusteln auf ihrem Körper. Mama war alt geworden." Schlimmer noch steht es um ihre Psyche, die zwischen Apathie und unkontrollierten Eruptionen schwankt.

Während diese Darstellung dank der simplen Mechanik des Schreckens literarisch gelingt, wirkt die Reaktion von Gaby auf seine Mutter weniger entwickelt: Es überzeugt kaum, dass ein Junge an der Schwelle zur Pubertät seine Mutter, ihre Abwesenheit, ihre Gefährdung, ihre Zerstörung auf diese distanzierte Weise schildert; wie generell die psychologische Darstellung nicht das Momentum entwickelt, welches "Kleines Land" vollends mitreißend machen würde. Auch stoffliche und sprachliche Mittel werden - der einen Trouvaille oder dem anderen Glücksgriff zum Trotz - eher skizziert als konsequent eingesetzt.

Schön ist der fast versöhnliche Schluss des Romans. Faye lässt seinen Helden im Rückblick berichten: In der Gegenwart ist er ein 33 Jahre alter Exilant, der in einer Schlafstadt lebt und in Paris arbeitet; das christliche Alter ist vermutlich kein Zufall. Die Erinnerung wird Gaby schließlich zur Rückkehr bewegen, in ein fremd gewordenes Viertel, wo jedoch zwei Menschen auf ihn warten. Ohne dass dies ausgeführt würde, wird eine Anknüpfung an die Vergangenheit möglich, welche eine relative Befriedung verspricht. Alles andere wäre angesichts der Schrecken schlicht zu viel erwartet.

NIKLAS BENDER

Gaël Faye, "Kleines Land". Roman.

Aus dem Französischen von Brigitte Große und Andrea Alvermann. Piper Verlag, München 2017. 224 S., geb., 20,- [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur FAS-Rezension

Julia Encke hält Gaël Fayes Debüt für einen eindrucksvollen Akt der Selbstbefreiung und -findung. Wie der aus Burundi stammende und nach Europa geflohene Autor das Glück seiner Kindheit über die Gewaltgeschichte stellt, ohne pathetische Sehnsucht oder strenge Faktentreue, dafür sinnlich und poetisch, findet Encke bemerkenswert. Den Blick einmal umzudrehen, wie Faye es macht, und von Europa nach Afrika zu schauen, scheint der Rezensentin ein erkenntnisfördernder Ansatz zu sein.

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