Transcendence - Johnny Depp,Rebecca Hall,Paul Bettany
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Das romantisch aufgeladene Regiedebüt des Oscar-gekrönten Kameramanns Wally Pfister warnt vor der Verschmelzung menschlicher und künstlicher Intelligenz.
Filme, die sich um brillanten Verstand und dessen Verantwortung drehen, sind Raritäten. Schon deshalb verdient "Transcendence" Beachtung, auch wenn Christopher Nolans Name im Produzentenstab vielleicht überhohe Erwartungen weckt. Pfisters Film stellt Fragen über die Grenzen von Technologie, die im Science-Fiction-Genre keine dunkle Materie sind. Neu jedoch ist, etwa im Vergleich zum thematisch verwandten "Colossus" (1970), der weitgehende…mehr

Produktbeschreibung
Das romantisch aufgeladene Regiedebüt des Oscar-gekrönten Kameramanns Wally Pfister warnt vor der Verschmelzung menschlicher und künstlicher Intelligenz.

Filme, die sich um brillanten Verstand und dessen Verantwortung drehen, sind Raritäten. Schon deshalb verdient "Transcendence" Beachtung, auch wenn Christopher Nolans Name im Produzentenstab vielleicht überhohe Erwartungen weckt. Pfisters Film stellt Fragen über die Grenzen von Technologie, die im Science-Fiction-Genre keine dunkle Materie sind. Neu jedoch ist, etwa im Vergleich zum thematisch verwandten "Colossus" (1970), der weitgehende Verzicht auf überhitzte Dramatisierung sowie das Spiel mit Sympathiezuordnung, die nicht eindeutig ist.

Das zunächst originelle, am Ende eher konventionelle Drehbuch von Jack Paglen, das 2012 unter den populärsten, noch unproduzierten Skripts in Hollywood gelistet wurde, erzählt eine berührende Lovestory mit Thrillertouch. "Transcendence" beginnt mit einem starken Bild, wenn ein als Türstopper verwendeter Laptop eine nahe Zukunft fast ohne Strom beschreibt. Ein Rückblick führt dann fünf Jahre zurück, zeigt Will Caster (Johnny Depp) und Ehefrau Evelyn (Rebecca Hall) als Koryphäen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, die durch ihre große Liebe die Welt verändern. Als Casters Lebenszeit nämlich durch einen Anschlag von Extremisten radikal reduziert wird, die in seinem revolutionären, zu Emotionen fähigen Großrechner eine Gefahr für den Menschen sehen, überspringt er wichtige Teststadien und startet mit dem Download seines Gehirns in den Rechner. Nach seinem Tod wird Caster Stimme und visuelle Repräsentanz einer künstlichen Intelligenz, die ständig wächst und trotz bester Absichten Allmachtsphantasien zu entwickeln scheint.

"Transcendence" eröffnet als eher intimes, visuell unspektakuläres Drama, baut Fronten und Allianzen ohne Bestandsgarantie auf und schließlich zunehmend Action- und Effektelemente ein, die aber nie überzogen wirken. Transzendierend ist hier vor allem eine berührende Liebesgeschichte. Sie dominiert die Warnung vor Nanotechnologie, die schon "Matrix" prägte, und vor einem Menschen, der, wie in "Die Körperfresser kommen", ohne freien Willen Zufriedenheit findet. Letztlich siegt Herz über Verstand und dramaturgische Fragezeichen, bleibt Rebecca Halls emotional engagierte Darstellung und ein bewegendes Bild romantischer Ewigkeit und Wiedergeburt im Langzeitgedächtnis zurück. kob.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Making ofs, Featurettes, Trailer, B-Roll, Interviews, Bildergalerie, u.a.
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 Blu-ray Disc
  • Hersteller: Tobis
  • Gesamtlaufzeit: 120 Min.
  • Erscheinungstermin: 28. August 2014
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Regionalcode: B
  • Bildformat: 1:2, 40/1080p
  • Tonformat: dts HD 7.1 MA
  • EAN: 5050582965865
  • Artikelnr.: 40607738
Rezensionen
Besprechung von 24.04.2014
Die Möglichkeiten sind unendlich, nutze sie!
Aber was ist der Preis? Der Film "Transcendence" muss die Wahl zwischen Mensch und Maschine treffen

Eine der aufschlussreichen Szenen kommt in diesem Film gar nicht vor. Vergangenes Jahr wurden Johnny Depp und Paul Bettany einmal von der Polizei angehalten und in ein ernstes Gespräch über Sicherheit im Straßenverkehr verwickelt. Sie fuhren nicht nur zu schnell, sie saßen auch beide übereinander auf dem Beifahrersitz, damit noch Rebecca Hall und der Regisseur Wally Pfister hinten mitfahren konnten. Die vier Hollywoodstars waren während der Dreharbeiten zu "Transcendence" auf einer Spritztour. Auch ihr Chauffeur war ein Superstar. Elon Musk, der junge amerikanische Unternehmer, der als der wahre Tony Stark ("Iron Man") gilt, der darauf hinarbeitet, den Mars zu besiedeln, und schon seit Jahren Versorgungsraketen zur Internationalen Raumstation schickt, führte ihnen sein Elektroauto vor.

Musk und Depp machten sich anschließend über den Polizisten lustig. Ihm habe "der Humor-Chip gefehlt", scherzte Depp. Das ist, worum sich auch im Film alles dreht. Elon Musk sitzt tatsächlich im Publikum, als Johnny Depp in der Rolle des Computerforschers Will Caster vor Investoren sagt, er wolle den "Anker der Seele" finden, um zu tun, "was Menschen schon immer versucht" haben, nämlich ihre eigenen Götter zu erschaffen. Nur der Humor-Chip fehlt dem Computer noch. Um die künstliche "Superintelligenz" zu entfesseln, gilt es, ein "fundamentales Rätsel des Universums" zu lösen: "Stellen Sie sich eine Maschine mit menschlichen Emotionen vor. Ihre analytische Kraft wäre größer als die gesamte Intelligenz aller Menschen, aller Zeiten."

In dieser Szene durchschreitet Will Caster die Grenze zur Wirklichkeit nicht nur wegen Musk im Kinobild. Er erinnert auch an den Auftritt des Google-Chefs Larry Page bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz "Google I/O" vergangenes Jahr. Damals ging es noch nicht um computerisierte Gefühle, aber schon um die Verfügbarkeit und Vernetzung alles menschlichen Wissens. Wenige Monate zuvor ernannte Google Ray Kurzweil zum "Director of Engineering", um Mensch und Maschine auf Kollisionskurs zu bringen. Daran knüpft der Film an: "Manche", sagt Will Caster mit Blick auf die Forschung Ray Kurzweils, "nennen es Singularität. Ich nenne es Transzendenz."

Während in der wirklichen Welt die Forschung zur künstlichen Intelligenz intensiv und die öffentliche Debatte darüber zaghaft geführt werden, schöpft der Film aus dem Vollen und legt gleich zu Beginn fest, dass alles kein gutes Ende nimmt. Noch bevor Will Caster auf die Bühne geht, lässt Drehbuchautor Jack Paglen uns fünf Jahre in die Zukunft blicken. Zur Selbstverteidigung gegen Will Casters Computerintelligenz blieb der Menschheit nur der Kill Switch, die Entnetzung der Welt und der weitestgehende Verzicht auf Elektrizität.

Ist das überzogen? Durchaus. Ohne eingeschalteten Humor-Chip, mit dem sich die Ungereimtheiten im Plot hinnehmen lassen, lässt sich dieser Film von Beginn an als absurd und übertrieben kritisieren. So einfach ist es aber nicht. Wie dessen Protagonisten nutzt er lediglich seine Möglichkeiten.

"Transcendence" spielt beispielsweise über weite Strecken in einer Solarfarm im amerikanischen Niemandsland. Die größte Anlage dieser Art nahm ausgerechnet Google Anfang des Jahres in der Mojave-Wüste in Betrieb. Ihre Energie reicht für rund 140 000 Haushalte oder, wie im Film, für ein Datenzentrum. Der energiehungrige Supercomputer Pinn (Physical Independent Neural Network) arbeitet in Bunkern unter dem Kraftwerk. Dort überschlägt sich der technische Fortschritt: Weil Quantencomputer bereits erfunden sind, ist die Entwicklung von autonomen Nanorobotern ein Kinderspiel.

Diese Miniroboter spielen mit Atomen Lego. Die Vernetzung der Welt ist ohnehin ein Selbstläufer. Hinzu kommt, dass Will Caster recht früh stirbt und ausgerechnet sein kluger Geist in der Maschine weiterlebt. Das war zumindest die Hoffnung, mit der Evelyn (Rebecca Hall) den waghalsigen Seelen-Upload ihres im Sterben liegenden Geliebten vornahm. Der Film wird von hier an seinem Titel gerecht: Intelligent Design ist plötzlich nur noch eine handwerkliche Herausforderung, der sich der lernende, fühlende und selbstbewusste Computer mit Ehrgeiz annimmt.

Dass Wally Pfister hierbei das erste Mal Regie führte, bemerkt man nicht. Es kommt vor allem auf die Bilder an, für die Pfister schon als Kameramann von Christopher Nolan (alle Filme von "Memento" über die "Batman"-Trilogie zu "Inception") die Verantwortung trug. Er zeigt Evelyn, die mit einem Computer lebt, weil sie ihn liebt. Er inszeniert den virtuellen Will Caster als sterilen Glasbau ohne bunte Kabel oder blinkende Leuchtdioden, dafür mit Roboterarmen und Brutkästen. Warum sollte es nicht so aussehen, wenn Normalsterbliche an die Google-X-Labore denken, auch wenn es in ihnen dann doch ganz profan zugeht? Dieser Film orientiert sich zwar am intellektuellen und ethischen Diskurs, führt aber einen ästhetischen. Die Nachlässigkeiten im einen sind die Stärken im anderen.

An der Oberfläche ist "Transcendence" über weite Strecken ein Zombiefilm im Wüstenstaub. Unter der Erde spielt er dagegen orientierungslos im Weltraum, als hätte sich Paglen auf die Mission begeben, die Star-Trek-Magie zu entziffern. Es geht um den allwissenden, omnipräsenten Computer, der nie um eine Antwort verlegen ist und der ganz selbstverständlich aus Luftmolekülen die phantastischsten Dinge kreiert, beispielsweise lebendige Menschen. Und das alles soll mit Verweis auf echte kalifornische Technologieunternehmen und ihre heroischen Chefs erzählbar sein? Warum nicht? Gerade die Unternehmen, die ihre modernen Transparenzforderungen mit großen Heilsversprechen verknüpfen - Apple, Samsung, Google, Facebook - arbeiten im Heimlichen und Verschwiegenen. Jeder Versuch, über sie zu diskutieren, ruht auf zwangsläufig falschen Vorstellungen. Das hat Christopher Nolan, diesmal als Filmproduzent, als Einladung verstanden.

Zum Pinn-Datenzentrum pilgern alsbald die Kranken und Gebrechlichen. Der Computer heilt alles und jeden, aber die körperliche Unversehrtheit hat ihren Preis. Auf der einen Seite wird hier die Abhängigkeit menschlicher Gehirne von vernetzten Geräten beschrieben, auf der anderen Seite wurde endlich der Idealtypus des Filmzombies modernisiert. Man kann sich fast aussuchen, was man in all den Szenen sieht. Wann immer im wahren Leben über Gesichtserkennung, Drohnenlivebilder, Profiling und künstliche Intelligenz diskutiert wird, geht es um die Grenzen dessen, was Menschen verstehen und akzeptieren. Die "creepy line", die im Alltag Schritt für Schritt verschoben wird - der Mensch nimmt die Digitalisierung hin wie der Frosch das noch nicht kochende Wasser -, überspringt der Film mit Anlauf. Nicht einmal das Wasser ist vor der technischen Invasion sicher. Am Ende steht der Vorwurf der Maschine an den Menschen: "Du hast dich verändert!" Und das ursprüngliche Mysterium degeneriert zur Nichtigkeit: "Emotion ist nichts als Biochemie!" Ist die Maschine also doch dumm, kann sie super detektieren, aber überhaupt nicht denken?

Interessant macht den Debattenbeitrag "Transcendence" auch der Zufall. In dieser Woche erscheint in Deutschland auch "The Machine" direkt auf DVD. Abermals nahm sich ein eher unerfahrener Regisseur und Autor, Caradog James, der Fragen an. Nur heißt es diesmal, es sei ein großer Fehler, Maschinen für ein bisschen dümmer zu halten, als sie wirklich sind. Wieder geht es um einen Forscher (Toby Stephens), dem aus medizinischer Not Erfindungen gelingen, die ihn stellvertretend für die Menschheit vor die Frage stellen, ob es sich auszahlt, fühlende Maschinen zu entwickeln, nur weil die technischen Möglichkeiten es erlauben, Leben zu erschaffen. Das cineastische Experiment unterscheidet sich darüber hinaus nur in der Ästhetik. Entsprechend gewaltig ist die thematische Spannbreite, die beide Filme abdecken. Sie handeln von Gier, Gewalt, Kreativität und Zerstörung, ohne dass die Maschinen die Menschen von der Aufgabe befreien, zu erkennen oder zu entscheiden, wann etwas zu weit geht.

STEFAN SCHULZ

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Das Regiedebüt von Kameramann Wally Pfister reißt interessante Themen über Maßlosigkeit und Verantwortung von Technologie an. Die Komplexität und Raffinesse von Nolans und Pfisters Zusammenarbeit "Inception" erreicht "Transcendence" zwar nicht, doch das Spiel mit Identifikation und Rollen wie auch die Zurückhaltung vor Action -und Effektexzessen gefällt. Dominant bei diesem Film über unkontrollierbaren Verstand ist letztlich das Herz - eine Lovestory, die nicht zuletzt dank Rebecca Halls Darstellung nachhaltig berührt.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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