Auf den Spuren von Tim und Struppi - Farr, Michael
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Aus den Archiven des Tim-Schöpfers Herge fördert Michael Farr eine beeindruckende Fülle von Material zu jedem einzelnen Abenteuer von "Tim und Struppi" zu Tage. Hunderte von Fotos und Zeitungsausschnitten zeigen, wie sehr die Serie ein Abbild ihrer Zeit ist und wie gründlich Herge recherchierte, um seine Geschichten so realistisch wie möglich zu gestalten. Ein großes Lesevergnügen für alle Tim-Fans, das voller amüsanter Details steckt.…mehr

Produktbeschreibung
Aus den Archiven des Tim-Schöpfers Herge fördert Michael Farr eine beeindruckende Fülle von Material zu jedem einzelnen Abenteuer von "Tim und Struppi" zu Tage. Hunderte von Fotos und Zeitungsausschnitten zeigen, wie sehr die Serie ein Abbild ihrer Zeit ist und wie gründlich Herge recherchierte, um seine Geschichten so realistisch wie möglich zu gestalten. Ein großes Lesevergnügen für alle Tim-Fans, das voller amüsanter Details steckt.
  • Produktdetails
  • Carlsen Comics
  • Verlag: Carlsen
  • Nachdr.
  • Seitenzahl: 205
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • Erscheinungstermin: 22. Dezember 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 304mm x 233mm x 20mm
  • Gewicht: 1040g
  • ISBN-13: 9783551771100
  • ISBN-10: 3551771103
  • Artikelnr.: 14137045
Autorenporträt
Farr, Michael
Der britische Journalist Michael Farr wurde 1953 in Paris geboren. Er arbeitete jahrelang als Auslandskorrespondent, u.a. für die Nachrichtenagentur Reuters und für den Daily Telegraph. Er ist einer der bekanntesten Tintinologen und lernte Hergé persönlich kennen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.05.2007

Jedes Schräublein am richtigen Ort

Man weiß nicht, wer fleißiger war: Hergé, der in seinem Archiv Tausende von Bildern aus allen Ecken der Welt und zu fast allen Aspekten des Lebens streng methodisch versammelt und verschlagwortet hatte, oder Michael Farr, der sich jetzt die Mühe machte, dieses Material den vierundzwanzig Geschichten um den jungen Reporter Tim zuzuordnen. Sein Buch "Auf den Spuren von Tim & Struppi" belegt, was man bisher immer nur spürte: Hergés unbedingten Willen zur Präzision bis ins kleinste Detail. Man kann sich kaum satt sehen an dem überwältigenden Fundus. Als reichte das nicht, weiß Farr darüber hinaus amüsant und kenntnisreich Anekdoten zur Entstehung jeder der Geschichten zu erzählen. - Unsere Bilder zeigen eine Szene aus "Die sieben Kristallkugeln" und ihre Vorlage.

F.L.

"Auf den Spuren von Tim & Struppi" von Michael Farr. Carlsen Verlag, Hamburg 2006. 208 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 35 Euro. ISBN 978-3-551-77110-0

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.05.2007

Herr und Knecht
Hergé zum Hundertsten: Mit seinen detailgetreuen Werken schuf der belgische Zeichner um den jungen Tim eine Comic-Geschichte des 20. Jahrhunderts
Die Franzosen müssen es wissen, schließlich haben sie den Comic schon zur Kunstform ernannt, als man hierzulande noch abfällig von Hefteln sprach. Die Franzosen, die ihm zum Hundertsten eine geradezu hagiographische Ausstellung im Pariser Centre Pompidou ausrichten, verehrten den Belgier Hergé immer schon als Gottvater der Comic-Geschichte. So bezeichnete Le Monde Hergé 1983 in ihrem Nachruf als „J. S. Bach der Comicliteratur”. Und als Tim 1999 seinen Siebzigsten feierte, trafen sich sechzig Abgeordnete aller Fraktionen der Nationalversammlung zu einer außerparlamentarischen Sitzung, um zu erörten, ob Tim nun der politischen Linken oder der Rechten zuzurechnen sei.
Das Ergebnis der Debatte ist nicht bekannt, Tims geistiger Vater Georges Remi aber wurde immer der Rechten zugerechnet. Remi, der heute vor hundert Jahren geboren wurde und sich nach phonetischer Umkehrung seiner Initialen früh schon Hergé nannte, begann seine Laufbahn in der konservativen katholischen Zeitschrift Le Vingtieme Siecle, in der ihn der Jesuitenpater und Mussolini-Verehrer Norbert Wallez protegierte. Wallez übertrug ihm 1928 die wöchentliche Jugend-Beilage Le Petit Vingtieme. Hergé erfand dafür Bildgeschichten nach amerikanischem Vorbild, bei denen, wie er es ausdrückte, „die Worte direkt aus dem Mund der Figuren kamen”. Hergé, der gerne Reporter geworden wäre, schickte darin einen Pfadfinderjungen zu den Sowjets. Der Junge avancierte zum Star: Le Vingtieme Siecle verkaufte an den Tagen, an denen Tims Abenteuer beilagen, viermal so viele Exemplare wie sonst. Weshalb Wallez am 8. Mai 1930 eine Anzeige schalten ließ, in der Tims Rückkehr aus der UdSSR am Brüsseler Nordbahnhof angekündigt wurde. Tausende kamen, um einem gecasteten Double des rasenden Reporters zuzujubeln.
Die Anekdote, in der Tim gleich zu Beginn seiner Abenteuer ins wirkliche Leben wechselt, ist symptomatisch für das Schicksal Hergés, der in späten Jahren mal eine Karikatur zeichnete, in der er schwitzend am Zeichentich sitzt und sich verzweifelt an einem Gesicht seines Helden abmüht. Daneben, auf einem Stapel Bücher, aber sitzt Tim selbst, mit grimmig strengem Blick und einer Peitsche in der Hand . . .
Ähnlich streng ging nach dem Krieg die belgische Justiz mit Hergé ins Gericht: Der Bösewicht, gegen den Tim 1940 in „Der geheimnisvolle Stern” gekämpft hatte, war ein Bankier namens Blumenstein, der mit seiner Zinkennase, den gierigen Augen und der Zigarre im Mund an antisemitische Stürmer-Karikaturen erinnert. In späteren Fassungen benannte Hergé ihn in Blumwinkel um und machte aus ihm einen Finanzier aus Sao Rico. Die Zeichnung aber blieb dieselbe.
Als Ende der neunziger Jahre erneut eine politische Debatte um Hergé entbrannte, schrieb der französische Wissenschaftsphilosoph Michel Serres, Hergé sei damals sehr jung gewesen und habe sich nach dem Krieg gewandelt. Außerdem sei er in Sachen political correctness viel stärker besorgt wegen einer anderen französischen Comicserie, in der „Konflikte nur mit Faustschlägen ausgetragen werden, der Stärkste seinen Sieg einer magischen Droge verdankt und der Dichter geknebelt im Baum hängt.”
Ja, es stimmt, die ersten drei Bände, in denen Tim zu den Sowjets, in den Kongo und nach Amerika reist, bedienen so ziemlich alle Stereotypen und xenophoben Vorurteile ihrer Zeit: Die Schwarzen sind wulstlippige Trottel in Baströckchen, die Amerikaner entweder Mafiosi oder Cowboys und die Sowjets geradezu troglodytisch barbarische Bolschewiken. Man wird Hergé aber nicht gerecht, wenn man ihn als linientreuen Kollaborateur oder gar xenophoben Ignoranten bezeichnet. Im August 1938 begann er etwa die Arbeit an „König Ottokars Zepter”, in dem Tim den faschistischen Anschluss eines zentraleuropäischen Königreichs vereitelt. In „Die Schwarze Insel” legte Tim einem Deutschen namens Doktor Müller das Handwerk, der die englische Wirtschaft mit gefälschten Banknoten in die Knie zwingen wollte. Für „Der blaue Lotus” arbeitete er mit einem Chinesen zusammen, der ihn in die Gebräuche seines Landes einführte, um dann in der Geschichte, in der er seinen Helden in die Wirren des chinesisch-japanischen Krieges entsandte, sämtliche europäische Chinaklischees zu dekonstruieren.
Die interessanteste Neuerscheinung zu Hergés 100. Geburtstag stammt von Michael Farr, der „Auf den Spuren von Tim und Struppi” (Carlsen-Verlag, 208 Seiten, 35 Euro) untersucht, welche historischen Bezüge sich in den einzelnen Bänden finden lassen und wie genau und akribisch er technische Neuerungen seiner Zeit studierte, um seine Geschichten so realistisch wie möglich zu gestalten: Für die Reise zum Mond führte er intensive Briefwechsel mit Raumfahrtspezialisten und ließ ein maßstabgetreues Raketenmodell anfertigen. Vielleicht liegt darin überhaupt der Schlüssel zum Erfolg dieser Serie: Während Hergé sich in späteren Bänden einerseits in einem unpolitischen Raum zwischen Jules Verne und Karl May ansiedelte, stimmen die Alltagsgegenstände, Apparate und Spruchbänder bis in Details hinein mit der Wirklichkeit überein.
Mit dem „Blauen Lotus” von 1934 zeichnet sich Hergé auch endgültig in die Comicgeschichte ein, erfindet er darin doch seinen eigenen Stil, die Ligne Claire mit ihren klar begrenzten Formen ohne Schatten, die cartoonistisch abstrahierte Figuren in einer möglichst realistischen Umgebung zeigt und viele Zeichner bis in unsere Zeit beeinflussen sollte.
Das Interessanteste an Tim ist, dass er als Typ eigentlich so uninteressant bleibt, so kanten- und faltenlos wie sein auf ein paar Striche reduziertes Gesicht: Eine leere Fläche, in die man alles hineinprojizieren kann. Natürlich, er benimmt sich stets ritterlich wie ein Pfadfinder, und in kaum einer Comicserie sind Gut und Böse so klar verteilt. Aber eigene Interessen? Schwächen? Idiosynkrasien? All die Dinge, aus denen man einen Charakter ablesen könnte? All das lagerte Hergé aus in die anderen Charaktere, den cholerischen Alkoholiker Haddock oder den schwerhörig-zartfühlenden Erfinder Professor Bienlein.
Michel Serre, Jahrgang 1930, schrieb über die Wirkmacht von Hergés Bänden: „Wir wohnten in diesen Geschichten wie andere Kinder in ihren selbstgebauten Waldhütten.” Vielleicht zeigt dieses schöne Lob auch auf, warum Tim irgendwann unzeitgemäß wurde. In den Fünfzigern lernten viele durch Tintin die Welt kennen, spätestens ab Ende der Sechziger machte sich jeder 16-Jährige selbst auf Reisen. In „Tim und die Picaros” sieht Hergés Held denn auch nicht mehr aus wie der zeitlose Reporter; statt seiner Knickerbocker trägt er Jeans und fährt Motorrad ohne Helm. Darf man das als Hergés Wunsch, ihn verschwinden zu lasen, interpretieren? Jedenfalls fiel Hergé in späten Jahren die Arbeit an den Tim–Heften immer schwerer, er hatte Depressionen, und wenn er sich an ein neues Heft setzte, brach ein Ekzem aus. Auch deshalb hat er in den letzten Heften seinen Helden dekonstruiert: In „Die Juwelen der Sängerin” erweist sich der vermeintliche Kriminalfall, der Juwelen-Diebstahl, als Tat einer Elster; und in „Tim und die Picaros” verhilft sein bislang so untadeliger Pfadfinder einem Diktator an die Macht. ALEX RÜHLE
Eine Szene aus „Der blaue Lotus”, in der, wie Michael Farr in seinem wunderbaren Band „Auf den Spuren von Tim & Struppi” nachweist, Hergé bis in die Schriftzeichen hinein zeitgenössische China-Bilder wiedergibt . Abb.: Moulinsart/Hergé
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Thomas Binotto ist begeistert von Michael Farrs Einführung in Werk und Leben des "Tim & Struppi"-Zeichners Herge, das im gegenwärtigen Jubiläumsjahr sogar den Museumsbesuch zum Thema ersetzt. Lobenswert findet Binotto, dass Farr das Faszinierende an Herge herausarbeitet, ohne Fragwürdiges unter den Tisch zu kehren, dass er also "keine Denkmalpflege" betreibt. So verschweigt er beispielsweise nicht den "rassistischen Kolonialismus", der seine frühen Arbeiten ausmachte oder seinen unrühmlichen Opportunismus während der Kriegsjahre - Positionen, die Herge durch sein späteres Werk gerade rückte, für das er "ohne ideologische Scheuklappen durch die Welt" gezogen ist. Zudem zeigt die Monografie, die einen sehr schönen Bildteil hat, zu Binottos Freude, dass der Erzähler Herge dem Zeichner Herge ebenbürtig war - was nicht dem landläufigen Blick auf den Künstler entspricht.

© Perlentaucher Medien GmbH