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3 Kundenbewertungen

Boys Urgroßvater ist der beste Geschichtenerzähler der Welt. In seiner alten Hummerbude drechselt er neben Drehkreiseln vor allem Gedichte für Kinder. Boy ist überglücklich, als er mal wieder eine Woche bei seinem Urgroßvater verbringen darf. Sieben Tage lang dichten und erzählen die beiden, was das Zeug hält. Endlich gibt es den beliebten Krüss-Klassiker auch als Hörspiel!…mehr

Produktbeschreibung
Boys Urgroßvater ist der beste Geschichtenerzähler der Welt. In seiner alten Hummerbude drechselt er neben Drehkreiseln vor allem Gedichte für Kinder. Boy ist überglücklich, als er mal wieder eine Woche bei seinem Urgroßvater verbringen darf. Sieben Tage lang dichten und erzählen die beiden, was das Zeug hält.
Endlich gibt es den beliebten Krüss-Klassiker auch als Hörspiel!
  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag, Dav
  • Anzahl: 2 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 164 Min.
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Erscheinungstermin: Januar 2010
  • ISBN-13: 9783898139601
  • Artikelnr.: 27976451
Autorenporträt
James Krüss wurde am 31. Mai 1926 auf der Nordseeinsel Helgoland geboren und wuchs dort auf. Er absolvierte anschließend auf dem Festland eine Lehrerausbildung, war aber nie in diesem Beruf tätig. Als James Krüss mit seinem Buch "Mein Urgroßvater und ich" dann 1960 den Deutschen Jugendbuchpreis gewann, bedeutete dies gewissermaßen den Durchbruch. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, Lesungen, Fernsehsendungen und Preisverleihungen folgten und sorgten für große Popularität. Seit 1966 lebte James Krüss auf Gran Canaria. Er starb am 2. August 1997.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.10.2005

Band 7
Zanthens Yacht Xanthippe schippert
James Krüss: „Mein Urgroßvater und ich”
Dunkle Sätze, kryptisch und unergründlich, aber man ahnt elementare Wahrheiten in ihnen, fühlt sich mit dem Leben selbst verbunden. Zum Beispiel, aus dem vorliegenden Buch: „Zanthens Yacht Xanthippe war völlig unberechenbar, trieb stets regelwidrig quer, prosperierte oft nicht mehr . . .” Das war es. Diese nicht recht prosperierende Yacht mit dem Namen Xanthippe - mit ihrer schlingernden Bewegung, auf ihrer Suche nach einem Kurs, den sie dann doch nicht würde halten können, schien sie irgendwie beispielhaft für den Lauf der Welt. (Auch wenn man damals, mit acht, zehn Jahren, nicht wirklich wusste, was sich hinter dem schillernden Wort prosperieren eigentlich verbarg. Gedeihen, vorankommen, gut gehen, erklärt uns, überflüssigerweise, der Duden.)
Zanthens Yacht schippert auf dem Meer der Imagination, in der Welt der Sprache. Eben diese Welt erforschten die Helden dieses Buches, der Knabe Boy und sein Urgroßvater. Die herrlichste Quarantäne der Welt lieferte den Anlass für diese Unternehmung - weil die Schwestern Masern haben, muss der zehnjährige Boy eine Woche zu seiner Großmutter, zur Obergroßmutter genauer gesagt, die auf dem Oberland, dem oberen Teil der Insel Helgoland, ihr Haus hat. Dort nimmt den Jungen besagter Urgroßvater, 84, unter die Fittiche, der schon lang nicht mehr zum Fischen ausfährt, sondern die meiste Zeit damit zubringt, Korken für die Fangnetze zu schnitzen - und dabei Geschichten aus aller Welt zu erzählen und ein wenig zu reimen. Genau das tut er dann auch mit seinem Enkel, sieben aufregende Tage lang, in der Hummerbude, unter den Augen der strengen Ledernen Lisbeth.
Dies ist ein großes Action-, ein tolles Abenteuerbuch. Eins der wenigen, in dem Autor und Leser sich als Kollegen wiederfinden. Die Arbeit der beiden Dichter begeistert und regt zum Nachmachen an, zum Selberdichten. Auch der Xanthippe-Satz oben ist natürlich aus einem Gedicht, einem der wundersamen ABC-Gedichte, die das Buch ausgiebig feiert - und zwar einem der schwierigen Sorte, von hintenher. Tausende solcher ABC-Gedichte, stelle ich mir vor, müssen in den Jahren seit Erscheinen des Buches 1960 in deutschen Jugendzimmern entstanden sein . . .
Auch das Dichten ist ein Handwerk, das hat uns James Krüss (1926-1997) mit diesem Buch gelehrt, auf Kiefernbretter und mit dicken Zimmermannsbleistiften, aber nur durch den Ernst des Handwerks kann man sensibel werden, um die Welt wirklich wahrzunehmen in ihrer Vielfalt. In der letzten Geschichte, am siebten Tag, kommt die Kraft der Dichter dann direkt zur Sprache. „Der Pavillon aus Porzellan” konfrontiert das stupide Bürgertum mit der Welt der Poesie - und sie haben nichts begriffen: „Mijnheer de Vilder bedauerte die armen Dichter aus dem Landhaus, denn er war davon überzeugt, dass ihnen die Welt immer so erschiene, wie sie eben den Reisenden erschienen war: mit glühenden, kreisenden Sonnenbällen, Mandolinenklängen und schwankenden Ufern. Petar, der Matrose, bemerkte hierzu, die Welt sei ewig in Bewegung. Die Dichter seien nur die einzigen, die es wüssten.” Zum Glück, muss man sagen, und den armen Mijnheer kräftig bedauern. Und hoffen, dass der Wirbel der Poesie weiter prosperieren mag.
FRITZ GÖTTLER
Aus Uropas Holz geschnitzt
Illustration: Heiner Rothfuchs
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.09.2002

Florentine heißt ein Kind
Wenn es mager ist und spinnt: James Krüss in neuer Edition

Kapitän Arnold Rickmers fuhr zur See, bis ihm ein Mast das linke Bein zerschlug. Da wurde er Leiter des Hamburger Hafens. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Reihenfolge festzulegen, in der die Schiffe in den Hafen einfuhren. Doch die Schiffsnamen auf den täglichen Listen gruppieren sich ihm bald unwillkürlich zu rudimentären Perioden: "Langsam wurde das Sätzebilden zur fixen Idee bei ihm, und das Spaßige war, daß er das gesamte Personal des Hamburger Hafens allmählich damit ansteckte. Als die großen Hebeschiffe ,Kraft', ,Macht', ,Wille' eines Tages auf der Werft repariert wurden, da riefen die Dockarbeiter lachend: ,Wille macht Kraft!'"

Doch die Umsetzung dieser Wortphantasien in lesbare Wirklichkeit scheitert naturgemäß an dem begrenzten Spektrum der Schiffsnamen. Ganze Sätze lassen sich erst bilden, nachdem Kapitän Rickmers durchgesetzt hat, daß Schleppdampfer und Beiboote auf so nützliche Namen wie "und", "ohne" und "am" getauft werden. Dann schlägt Rickmers' Stunde: Die Schiffe "Brunnen", "Zitronenbaum" und der norwegische Tanker "Tore Dastedt" werden von den vier Schleppdampfern "am", "vor", "dem" und "ein" so geschickt in den Hafen bugsiert, daß die erstaunten Zuschauer lesen können: "Am Brunnen vor dem Tore Dastedt ein Zitronenbaum."

Die Geschichte des Kapitän Rickmers hört der zehnjährige Knabe Boy von seinem Urgroßvater auf der Insel Helgoland. Es ist eine von vielen, alle haben sie mit Sprache zu tun, und alle dienen sie nur einem Zweck: Sie lösen Boy die Zunge und ermutigen ihn zu einem neugierigen, spielerischen Umgang mit den Worten, zum Verseschmieden ebenso wie zu der Erforschung von sprachlichen Zusammenhängen und Entwicklungen.

Die Welt, wie sie der Autor James Krüss in "Mein Urgroßvater und ich" (1959) und in anderen Büchern geformt hat, ist ein Labyrinth von Geschichten und Wortspielen, in denen die außersprachliche Wirklichkeit nichts zu suchen hat, wenn sie nicht in der Drechslerwerkstatt des Urgroßvaters oder in Tante Julies Haus erzählt werden kann, wenn sie sich nicht reimen läßt oder den Stoff für eine Geschichte nach vorgegebenen Anfangsbuchstaben abgibt. Dieser Kosmos ist bevölkert von Menschen, die nur darauf warten, der Sprache auf den Grund zu gehen, ABC-Gedichte zu verfassen oder den Charakteristika nachzuspüren, die mit dem Buchstaben "G" verbunden sind, um dann flugs die Geschichte von Graf Gustav von Gelderland zu erzählen, der all seinen Grund, sein Gut und Gold vererben will ("In Tante Julies Haus", 1969). Ganz selten kommt es zum Kontakt mit einer Sphäre, die sich darauf nicht einlassen will, und immer siegt das Spiel mit der Sprache. Die Isolation, in der erzählt wird, trägt nicht selten den Charakter der Verzweiflung. Der 1926 geborene Krüss, der gegen Ende des Krieges noch Soldat werden mußte, entwirft immer wieder Erzählsituationen, wo es ganz offen um Leben und Tod geht, etwa in "Adler und Taube" (1963) oder in dem düster-mystischen Nachlaßband "Im Krug zum grünen Walfisch" (1999). Solange erzählt wird, tut man sich kein Leid an - dies ist die Botschaft, die Krüss manchmal geradezu verzweifelt vorbringt.

Wenn historische Ereignisse ins Spiel kommen, werden sie leicht zu Reimereien aus dem Geist der Eselsbrücke: "Wilhelm von Oranien / Kämpfte gegen Spanien" heißt es einprägsam in "Mein Urgroßvater und ich", aber diese Merksprüche können auch unversehens eine bedeutend größere Dimension erhalten. In dem scheinbar harmlosen, tatsächlich aber abgründigen Kinderbuch "Florentine" (1961/62) eifert die Titelfigur, ein elfjähriges Mädchen, Boy und seinem Urgroßvater nach. Auch sie drechselt Verse (ihre Werke "stehen kreuz und quer auf einem riesigen Bogen Packpapier, den sie - vielfach gefaltet - unter einer alten Matratze auf dem Speicher aufbewahrt"), aber es fehlt das Gegenüber, das Boy im Urgroßvater besitzt, denn Florentines Eltern arbeiten beide, und das Mädchen sieht sie kaum. Ihre echolosen Werke haben nicht selten die Autorin selbst zum Gegenstand, und wenn auch sie "ABC-Gedichte" schreibt, findet sich beispielsweise unter "F" der Eintrag: "Florentine heißt ein Kind / Wenn es mager ist und spinnt" - eine ziemlich genaue Reproduktion der Außensicht auf das hyperaktive Mädchen, das aus lauter Einsamkeit durch die Großstadt wirbelt, Chaos stiftet und kaum einmal zu sich selbst findet, außer in seinen Reimereien. Auch hier ist die Literaturproduktion ein Mittel, die Welt auf Distanz zu halten.

Krüss starb vor fünf Jahren in seiner Wahlheimat Gran Canaria. Von 1978 an hatte er sein erzählerisches Werk geordnet, mit Zwischentexten versehen und zu einem Zyklus zusammengestellt: "Die Geschichten der 101 Tage" - auch dies, in Anlehnung an Scheherazade, ein Verweis auf die lebensrettende Macht des Erzählens - wurde 1986 abgeschlossen und ist bald darauf als siebzehnbändige Taschenbuchausgabe erschienen. Sie ist heute leider vergriffen. Dafür entsteht jetzt im Carlsen Verlag eine neue Werkausgabe, von der bislang zehn Bände vorliegen. Leider orientiert sie sich nicht an der Fassung der "101 Tage", sondern greift wieder auf die einzelnen Bücher zurück. Auch ist es schwer, den neuen Illustrationen dieser Ausgabe überhaupt etwas abzugewinnen; überdies sind sie manchmal so mickrig ausgefallen und wurden so lieblos in den Text gezwängt, daß sie von vornherein in ihrer Wirkung arg gemindert werden. Immerhin sind im gleichen Verlag auch einige Bilderbücher nach Texten von Krüss erschienen, etwa das von entfesselten Illustrationen begleitete "Es war einmal ein Mann". Proportionen werden dort lustvoll gesprengt, Perspektiven munter vermischt, so wie auch keine Logik, sondern einzig der Reim über den Verlauf der Handlung entscheidet: "Das Meer war ihm zu Blau / Da ging er auf die Au / Die Au war ihm zu grün / Da ging er nach Berlin", und wie sich der Versstrom weiter wälzt. Und daß es diese Werkausgabe überhaupt gibt, daß sie auf weiteres Wachstum angelegt ist: das ist ein großes Glück.

TILMAN SPRECKELSEN.

James Krüss: "Mein Urgroßvater und ich./Mein Urgroßvater, die Helden und ich". Mit Bildern von Sabine Wiemers. Carlsen Verlag, Hamburg 2001. 276 S., geb., 18,50 [Euro]. Ab 8 J.

James Krüss: "Florentine". Mit Bildern von Linda Wolfsgruber. Carlsen Verlag, Hamburg 2001. 170 S., geb., 9,50 [Euro]. Ab 8 J.

James Krüss, Jacky Gleich: "Es war einmal ein Mann". Carlsen Verlag, Hamburg 2002. 32 S., geb., 12,50 [Euro]. Ab 3 J.

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