-11%
23,99
Bisher 27,00**
23,99
Alle Preise in Euro, inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Bisher 27,00**
23,99
Alle Preise in Euro, inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
Als Download kaufen
Bisher 27,00**
-11%
23,99
Preis in Euro, inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Abo Download
9,90 / Monat*
*Abopreis beinhaltet vier eBooks, die aus der tolino select Titelauswahl im Abo geladen werden können.

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Einmalig pro Kunde einen Monat kostenlos testen (danach 9,90 pro Monat), jeden Monat 4 aus 40 Titeln wählen, monatlich kündbar.

Mehr zum tolino select eBook-Abo
Jetzt verschenken
Bisher 27,00**
-11%
23,99
Preis in Euro, inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
0 °P sammeln

  • Format: PDF


Die Vorhersage eines Jahrhunderts Ehe ich ins Detail gehe und die künftigen Kriege sowie demografische und technologische Entwicklungen beschreibe, möchte ich etwas zu meiner Methode sagen und die Frage beantworten, wie ich all diese Entwicklungen vorhersagen kann. Ich erwarte nicht, dass Sie die Einzelheiten des Kriegs wörtlich nehmen, den ich für die Jahrhundertmitte vorhersehe. Ich hoffe jedoch sehr wohl, dass Sie einige andere Prognosen ernst nehmen - etwa hinsichtlich der generellen Art der Kriegsführung; der Vormachtstellung der Vereinigten Staaten; der Konfrontation mit Ländern, die…mehr

Produktbeschreibung
Die Vorhersage eines Jahrhunderts Ehe ich ins Detail gehe und die künftigen Kriege sowie demografische und technologische Entwicklungen beschreibe, möchte ich etwas zu meiner Methode sagen und die Frage beantworten, wie ich all diese Entwicklungen vorhersagen kann. Ich erwarte nicht, dass Sie die Einzelheiten des Kriegs wörtlich nehmen, den ich für die Jahrhundertmitte vorhersehe. Ich hoffe jedoch sehr wohl, dass Sie einige andere Prognosen ernst nehmen - etwa hinsichtlich der generellen Art der Kriegsführung; der Vormachtstellung der Vereinigten Staaten; der Konfrontation mit Ländern, die diese Machtposition in Frage stellen; sowie hinsichtlich der Länder, die als mögliche Herausforderer in Frage kommen. Die Vorstellung einer Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko wird bei den meisten Lesern Zweifel aufkommen lassen, doch ich will erklären, warum und wie ich diese Behauptungen aufstellen kann. Wie bereits erwähnt, hilft der gesunde Menschenverstand in der Regel nicht weiter, wenn es darum geht, Prognosen über die Zukunft zu treffen. Stattdessen muss das alte Motto der Linken "sei praktisch, verlange das Unmögliche" abgewandelt werden in "sei praktisch, erwarte das Unmögliche". Genau darauf basiert meine Methode. Ein anderer, etwas anspruchsvollerer Terminus für diese Methode ist "Geopolitik". Geopolitik ist mehr als ein vollmundig klingender Begriff für "internationale Beziehungen". Es handelt sich um eine Methode, die es uns erlaubt, gegenwärtige Ereignisse zu beschreiben und Prognosen über die Zukunft zu treffen. Wirtschaftswissenschaftler verwenden das Schlagwort der "unsichtbaren Hand" und meinen damit die eigennützigen und kurzfristigen Handlungen der Menschen, die schließlich das hervorbringen, was Adam Smith den "Wohlstand der Nationen" nannte. Geopolitik überträgt die Vorstellung der unsichtbaren Hand auf das Verhalten von Nationen und anderen internationalen Akteuren. Wenn Nationen und ihre politischen Führer eigennützige und kurzfristige Ziele verfolgen, dann ist das Resultat zwar nicht unbedingt der Wohlstand der Nationen, doch zumindest ein vorhersehbares Verhalten. Dies wiederum ermöglicht es, auch zukünftige Entwicklungen des internationalen Gefüges vorherzusehen. Die Geopolitik und die Wirtschaftswissenschaften gehen davon aus, dass die Akteure rational, will sagen, ihrem kurzfristigen Eigeninteresse gemäß handeln. Da es sich um rationale Akteure handelt, lässt ihnen die Wirklichkeit verhältnismäßig geringe Entscheidungsspielräume. Menschen und Nationen verfolgen ihr Eigeninteresse zwar nicht unbedingt, ohne dabei Fehler zu begehen, doch man kann davon ausgehen, dass sie nicht willkürlich handeln. Ihr Verhalten lässt sich mit einem Schachspiel vergleichen. Rein theoretisch hat jeder Spieler die Wahl zwischen zwanzig möglichen Eröffnungszügen. In der Praxis sind es jedoch erheblich weniger, denn die meisten dieser Züge sind so schlecht, dass sie schnell zur Niederlage führen. Je besser ein Schachspieler, desto klarer sieht er seine Optionen und desto weniger Eröffnungszüge stehen ihm zur Verfügung. Je besser ein Schachspieler, desto vorhersagbarer sind also seine Züge. Ein Großmeister spielt mit absolut vorhersehbarer Präzision - bis zu dem einen, brillanten und unerwarteten Schlag. Nationen verhalten sich nicht anders. Die Möglichkeiten der Millionen von Einwohnern einer Nation werden von der Wirklichkeit vorgegeben. Sie bringen Führungspersönlichkeiten hervor, die nie dorthin kämen, wo sie sind, wenn sie sich irrational verhielten. Es kommt selten vor, dass sich Narren an die Spitze eines Staats setzen. Führungspersönlichkeiten verstehen, welche Züge ihnen zur Verfügung stehen, und sie führen sie, wenn nicht fehlerfrei, so doch ganz ordentlich aus. Gelegentlich wird ein genialer Politiker einen brillanten Schachzug durchführen, doch meistens besteht die Regierungskunst ganz einfach darin, den nächsten logischen Schritt zu gehen. Das gilt für Innen- wie für Außenpolitiker. Stirbt ein politischer Führer oder wird er abgewählt, rückt ein anderer nach und setzt mit großer Wahrscheinlichkeit die Politik seines Vorgängers fort. Ich behaupte nicht, dass Politiker Genies, Gelehrte oder auch nur anständige Leute sind. Sie verstehen vielmehr zu führen, sonst wären sie keine Politiker geworden. In jeder Gesellschaft sind Politiker Zielscheibe des Spotts, und natürlich machen sie ihre Fehler. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass diese Fehler selten das Ergebnis ihrer Dummheit sind. Meistens wurden sie ihnen durch die Umstände aufgezwungen. Wir glauben gern, dass wir beziehungsweise unser Kandidat niemals derart dumm gehandelt hätten. Doch das stimmt nur in den seltensten Fällen. Die Geopolitik interessiert sich daher genauso wenig für einzelne Politiker, wie sich die Wirtschaftswissenschaften für einzelne Unternehmer interessieren. Beide sind Akteure, die es verstehen, die Abläufe ihres jeweiligen Spiels zu lenken, die aber nicht in der Lage sind, dessen strikte Regeln zu sprengen. Politiker sind also in den seltensten Fällen freie Akteure. Ihre Entscheidungen werden ihnen durch die jeweiligen Umstände vorgegeben. Politik ist ein Resultat der Wirklichkeit, nicht des politischen Willens. Im Kleinen können einzelne Entscheidungen natürlich sehr wohl etwas bewirken. Doch selbst der brillanteste isländische Politiker wird es nicht schaffen, sein Land in eine Supermacht zu verwandeln, während selbst der dümmste Politiker des antiken Rom nicht in der Lage gewesen wäre, die Macht des Römischen Reichs in ihrem Fundament zu beschädigen. Geopolitik beschäftigt sich also nicht damit, ob eine bestimmte politische Entscheidung richtig oder falsch ist, oder ob Politiker ehrenhaft oder unehrenhaft handeln, und sie interessiert sich nicht für weltpolitische Debatten. Geopolitik beschäftigt sich mit den großen, überpersönlichen Kräften, die Nationen und Menschen einen Handlungsrahmen vorgeben und sie zwingen, in der einen oder anderen Weise zu handeln. Um die Wirtschaft verstehen zu können, muss man wissen, dass jede Handlung ungeplante Folgen hat. Maßnahmen, die Menschen in ihrem eigenen Interesse ergreifen, haben Auswirkungen, die sie weder absehen können noch intendieren. Das ist in der Geopolitik nicht anders. Es ist kaum anzunehmen, dass die Bewohner des kleinen Dorfes Rom zu Beginn ihrer Expansion im siebten vorchristlichen Jahrhundert bereits die Blaupausen für die Eroberung des Mittelmeerraums fünf Jahrhunderte später in der Tasche hatten. Doch die ersten Maßnahmen, die sie gegen die Nachbardörfer ergriffen, setzten einen Prozess in Gang, der durch die Wirklichkeit vorgegeben und von ungeplanten Folgen begleitet wurde. Das Römische Reich war nicht geplant, doch es war keineswegs ein Zufallsprodukt. Die geopolitische Analyse basiert auf zwei Annahmen: Erstens, dass sich Menschen zu größeren Gruppen zusammenschließen und daher politisch tätig werden müssen. Menschen empfinden eine natürliche Loyalität für Strukturen, in die sie hineingeboren werden, etwa für ihre Heimatregion oder ihre Nation. Die nationale Zugehörigkeit spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Geopolitik lehrt uns, dass das Verhältnis zwischen Nationen eine entscheidende Dimension im menschlichen Leben darstellt, was wiederum zur Folge hat, dass Kriege allgegenwärtig sind. Zweitens geht die geopolitische Analyse davon aus, dass der Charakter einer Nation und das Verhältnis zwischen Nationen zu einem guten Teil durch die Geografie vorgegeben werden. Der Begriff Geografie wird dabei weit gefasst und beinhaltet nicht nur die physischen Eigenschaften einer Region, sondern auch die Auswirkungen einer bestimmten Örtlichkeit auf Menschen und Gesellschaften. So waren beispielsweise die Differenzen zwischen den antiken Stadtstaaten Sparta und Athen in der Hauptsache auf die Unterschiede zwischen einer Stadt im Binnenland und einer Seemacht zurückzuführen. Athen war reich und weltoffen, Sparta arm, provinzlerisch und zäh. Zwischen Spartanern und Athenern lagen politisch und kulturell Welten. Ausgehend von diesen Prinzipien können wir uns große Bevölkerungen vorstellen, die durch menschliche Bande zusammengehalten werden und sich innerhalb fester geografischer Räume in einer ganz bestimmten Art und Weise verhalten. Die Vereinigten Staaten sind die Vereinigten Staaten und müssen sich daher in einer klar definierten Art und Weise verhalten. Dasselbe gilt für Japan, die Türkei und Mexiko. Wenn wir uns diejenigen Kräfte genauer ansehen, die eine Nation formen, dann stellen wir fest, dass jede nur eine eng begrenzte Auswahl von Spielzügen zur Verfügung hat. ? Das 21. Jahrhundert unterscheidet sich nicht von allen vorangegangenen. Es wird Kriege und Armut, Siege und Niederlagen, Tragödien und glückliche Entwicklungen geben. Die Menschen werden arbeiten, Geld verdienen, Kinder bekommen, sich verlieben und hassen. Das sind die unabänderlichen Bedingungen des Menschseins. Doch das 21. Jahrhundert wird sich in zweierlei Hinsicht von der Vergangenheit unterscheiden: Erstens stehen wir am Beginn eines neuen Zeitalters, und zweitens erleben wir die Herrschaft einer neuen Weltmacht. Das kommt nicht allzu oft vor. Wir leben heute im Amerikanischen Zeitalter. Um dieses Zeitalter zu verstehen, müssen wir die Vereinigten Staaten verstehen, nicht nur, weil sie die mächtigste Nation sind, sondern auch, weil ihre Kultur die Welt durchdringen und prägen wird. So wie Franzosen und Briten zur Zeit ihrer Vorherrschaft die Welt mit ihrer Kultur definiert haben, wird nun die amerikanische Kultur, so jung und barbarisch sie ist, der Welt vorgeben, wie sie zu denken und zu leben hat. Wer sich mit dem 21. Jahrhundert beschäftigt, muss sich damit zwangsläufig auch mit den Vereinigten Staaten auseinandersetzen. Wenn ich das 21. Jahrhundert in einer Aussage zusammenfassen sollte, dann würde ich sagen, das Europäische Zeitalter ist zu Ende, das Amerikanische Zeitalter hat begonnen, und der nordamerikanische Kontinent wird für die nächsten hundert Jahre von den Vereinigten Staaten dominiert werden. Die Ereignisse des 21. Jahrhunderts drehen sich um die Vereinigten Staaten. Das bedeutet nicht, dass diese notwendig gerecht und moralisch handeln werden. Und es bedeutet schon gar nicht, dass sie eine reife Zivilisation sind. Es bedeutet nur, dass die Geschichte des 21. Jahrhunderts in vielerlei Hinsicht die Geschichte der Vereinigten Staaten sein wird.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in D, A ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 292
  • Erscheinungstermin: 02.03.2009
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783593413761
  • Artikelnr.: 37172536
Autorenporträt
Dr. George Friedman ist Gründer und Leiter des weltweit führenden privaten Informationsdienstes Stratfor. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zu den Themen Sicherheitspolitik, Nachrichtenwesen und Technologie veröffentlicht. Als renommierter Experte für internationale Geopolitik ist er regelmäßig in führenden US-Medien wie auch international präsent, unter anderem im Fernsehen, im Time Magazine, im Wall Street Journal und im New York Times Magazine.
Inhaltsangabe
Inhalt

Verzeichnis der Karten
Ein Wort vorab
Prolog: Der Anbruch einer neuen Ära
1. Das Amerikanische Zeitalter
2. Das islamische Beben
3. Kulturkampf und Technologie
4. Die neuen Gräben
5. China: Der Papiertiger
6. Russland: Die Revanche
7. Die Wirtschaft in der Krise
8. Eine neue Weltordnung
9. Der Aufmarsch
10. Am Vorabend des Kriegs
11. Der neue Weltkrieg: Ein Szenario
12. Ein goldenes Nachkriegsjahrzehnt
13. Der Kampf um das Zentrum der Welt
Epilog
Dank
Rezensionen
Besprechung von 11.03.2009
Welt, sieh mich an!
Ordnungsfragen: George Friedman liest die Zukunft

Es sei das anmaßendste Buch, das er je geschrieben habe. Aber was soll's, er mache das schließlich, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit dieser rhetorischen Geste greift George Friedman in der Deutschen Nationalbibliothek zu Frankfurt am Main nach dem Wohlwollen seiner knapp zweihundert Zuhörer. Vielleicht macht er das, weil der Gründer der in Austin/Texas beheimateten Denkfabrik Stratfor einem größeren Teil des Publikums zur Begrüßung mit der Einlassung vors Schienbein getreten hat, sein erstes Buch sei noch ganz im Geist der Frankfurter Schule geschrieben - aber es hätte besser gar nicht erscheinen sollen. So betritt der "konservative Republikaner", wie er sich selbst beschreibt, in der Heimat der Kritischen Theorie das Terrain, indem er es gleich selbst vermint.

"Wer die Welt vernünftig ansieht, den sieht sie auch vernünftig an" - Hegels Kalender-Gassenhauer als Motto hat Friedman seinem Buch "Die nächsten hundert Jahre", soeben bei Campus erschienen, vorangestellt. Auf der Bestsellerliste der "New York Times" rangiert es derzeit auf Platz zwölf. Wie man in den Prognosenwald hineinsieht, so sieht er zurück. So wird man also mit dem Futurologen behaupten, der Mensch neige generell dazu, zu sehr seinen Gefühlen zu vertrauen. Wer erinnert sich noch an die amerikanische Finanzkrise von 1982? Nach verlorenem Vietnam-Krieg und der Demütigung in Iran habe damals den Vereinigten Staaten niemand mehr viel zugetraut, eine grobe "Fehleinschätzung der Robustheit des Landes".

Deswegen wertet Friedman die momentane Finanzkrise - ähnlich wie die Weltwirtschaftkrise von 1929 - keinesfalls als historischen Augenblick, sondern als einen im Kapitalismus vorgesehenen Systemschaden. Der Wunsch, etwas für nichts zu bekommen, habe die Spieler gereizt. Aber nicht die Zocker seien das Übel, sondern die konservativen Anleger, die plötzlich beschlossen hätten, ein Viertelprozent mehr Rendite haben zu müssen. Die faulen Kredite habe zwar Amerika erfunden und verkauft, aber gekauft habe sie auch Europa und gleich weiterverkauft an Osteuropa.

Das zwanzigste Jahrhundert aber definierten drei Entwicklungen: Verfall und Untergang des europäischen Imperialismus, die Vervierfachung der Weltbevölkerung und die technologische Revolution in Kommunikation und Transport, welche die Conditio humana vollkommen verändert habe. Friedman, in Amerika aufgewachsener Sohn ungarischer Holocaust-Überlebender, gibt den begeisterten Texaner. Auch intellektuell reitet er auf dem Cowboysattel. Ohne Manuskript streift er in vierzig Minuten durch die Zukunft. Seine geopolitische Plakatmalerei liebt die Farben Schwarz und Weiß, vor allem die weißen Flecken schimmern durch. In guter atlantischer Tradition von Kissinger bis Huntington unterschlägt er, was es auf der künftigen Landkarte nicht geben soll. Afrika und Südamerika fehlen, Russland ist zunächst Energielieferant, dann demographischer Krüppel. Indien und China traut er auch nicht sehr viel zu.

Das einundzwanzigste Jahrhundert wird ganz der Behauptung der amerikanischen Übermacht gehören. Der weltweite Rückgang der Geburtenraten und die Lösung des Energieproblems werde diese Rolle zementieren. Amerika kenne seit 1865 im Inland keinen Krieg, und es kontrolliere beide Ozeane: Land und Meer. Das eigene Land sei nachgerade unterbevölkert. Und wem eventuelle Zuwanderer nicht passten, der ziehe einfach weiter. Amerika sei eine "moralische Nation", auch wenn das nicht jedermann gern höre, sagt Friedman. Bush gleich böse, Obama gleich gut - Präsidentenwahlen seien zu vernachlässigende Phänomene. Denn Amerikas Macht komme aus dem Land selbst, aus seiner überragenden Wirtschaftsmacht, aus der Kontrolle des Weltraums, aus seiner Fähigkeit, nachwuchsfreudige Einwanderer zu integrieren.

Europa? Habe sich selbst zerfleischt, werde gerade so eben noch durch den Euro zusammengehalten. Der Nationalismus sei wieder da, im Finanzwesen, in der Politik. Die Nato sei ebenfalls so gut wie tot, was man in der Folge des russischen Einmarsches in Georgien 2008 habe studieren können. Immerhin: Kanzlerin Merkel habe begriffen, das Russland die Energie-Daumenschrauben angezogen habe, um sie nie mehr zu lockern. Die nächste Ausquetschung der Europäer würden dann die Amerikaner übernehmen, wenn sie mit Mikrowellentechnik die Sonnenenergie aus dem Weltall auf die Erde schickten. Japan, Polen und der Türkei räumt Friedman künftig Schlüsselstellungen ein, letzterer vor allem deswegen: Wenn sich die islamische Welt organisiert, werde die Türkei an der Spitze stehen, "wie sie das seit fünfhundert Jahren getan hat".

Zum Finale ein Aufruf zur Nüchternheit: Alle diese geopolitischen Parameter möge man bitte nicht durch irgendwelche "kulturellen Linsen" betrachten, rät der Futurologe, das amerikanische Zeitalter habe begonnen. Da spürten die mürben Alteuropäer im Saal ein Gruseln vor dem Ansturm einer solchen Moralbombennation. Noch ist das Kaffesatzleserei. Für den Lebensunterhalt.

HANNES HINTERMEIER

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Die nächsten 100 Jahre
"Provokante Antworten auf die großen geopolitischen Fragen der Zukunft." (Trend, 01.05.2009)