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München ist berühmt für seine Architektur, für den Kunstsinn und die Lebenskunst seiner Bürger,für Bierseligkeit und Gemütlichkeit. Warum wurde ausgerechnet dieses vielgepriesene "Isar-Athen"zum Geburtsort des Nationalsozialismus? David Clay Large schildert Münchens Weg in das Dritte Reich und seine schillernde Karriere als "Hauptstadt der Bewegung". Sein glänzend erzähltes Buch beschreibt die Stadt als Mikrokosmos der Kräfte und Ideologien, die in Deutschland zur Herrschaft der Nationalsozialisten geführt haben. Es zeigt, wie München zu einer einzigartigen Bühne für Genies,Exzentriker und…mehr

Produktbeschreibung
München ist berühmt für seine Architektur, für den Kunstsinn und die Lebenskunst seiner Bürger,für Bierseligkeit und Gemütlichkeit. Warum wurde ausgerechnet dieses vielgepriesene "Isar-Athen"zum Geburtsort des Nationalsozialismus? David Clay Large schildert Münchens Weg in das Dritte Reich und seine schillernde Karriere als "Hauptstadt der Bewegung". Sein glänzend erzähltes Buch beschreibt die Stadt als Mikrokosmos der Kräfte und Ideologien, die in Deutschland zur Herrschaft der Nationalsozialisten geführt haben. Es zeigt, wie München zu einer einzigartigen Bühne für Genies,Exzentriker und Verbrecher und zum Schauplatz für den ersten Akt der deutschen Katastrophe wurde.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Paperback
  • Verlag: Beck
  • Originaltitel: Where Ghosts Walked. Munich's Road to the Third Reich
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: 12. Oktober 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 142mm x 35mm
  • Gewicht: 633g
  • ISBN-13: 9783406725128
  • ISBN-10: 3406725120
  • Artikelnr.: 52045778
Autorenporträt
David Clay Large ist heute Professor für Geschichte an der University of San Francisco und Senior Fellow am Institute of European Studies, Berkeley. Davor war er u. a. Professor an der Montana State University und an der Yale University. Bei C.H.Beck ist von ihm lieferbar: «Berlin. Biographie einer Stadt» (2002).
Inhaltsangabe
INHALT

Einleitung: "Isar-Athen"

I. Die deutsche Bohème

II. Der große Schwindel

III. Rotes München

IV. Die Geburtsstätte des Nationalsozialismus

V. Der Marsch zur Feldherrnhalle

VI. "Die dümmste Stadt in Deutschland"

VII. Hauptstadt der Bewegung

VIII. Babylon an der Isar

IX. Götterdämmerung

X. Leben mit Geschichte in der "Weltstadt mit Herz"

XI. Höchste Zeit! Münchens Erinnerungskultur am Beispiel Königsplatz, Stolpersteine, NS-Dokumentationszentrum und Haus der Kunst

Anhang

Danksagung

Anmerkungen

Quellen und Literatur

Ergänzungen 2018

Abbildungsnachweis

Personenregister
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.11.1998

Sehnsucht nach Bierdunst
Ein amerikanischer Historiker sieht Hitler als unheilvolles Erzeugnis der Stadt München

David Clay Large: Hitlers München. Aufstieg und Fall der Hauptstadt der Bewegung. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber. Verlag C. H. Beck, München 1998. 515 Seiten mit 66 Abbildungen und zwei Karten. Leinen, 49,80 Mark.

In "Hitlers München" ist der negative Hauptheld nicht der spätere Diktator, sondern die Stadt, in der er sich jahrelang aufhielt. Der Mann, so sieht es der amerikanische Historiker Large, ist ihr Geschöpf, ihr unheilvolles geistiges Erzeugnis. Nicht vorher Wien und erst recht nicht hinterher Berlin hätten den Österreicher geformt, sondern München, wo er sich als Künstler hatte betätigen wollen, wo er putschte und auffallend gnädig verurteilt wurde, wo ihm Manieren beigebracht wurden und er die beeinflußbare Masse kennenlernte. München erkor er zur "Stadt der Bewegung" und zum Entstehungsort des "Münchner Abkommens". Die Stadt wurde ein Jahrhundert lang mit Liebeserklärungen überhäuft - das Buch des Professors aus Montana ist zur Abwechslung keine. Prompt holte Large mündlich nach, was schriftlich zu tun er unterlassen hatte. "München", sagte er kürzlich, "ist mit Abstand meine Lieblingsstadt in Deutschland, obwohl Sie das meinem Buch nicht entnehmen können." Gegen die Schattenseiten des Charmes, die seiner Meinung nach noch heute aufzustöbern sind, fühlt sich der Autor offenbar nachhaltiger gefeit als jene Ausländer, die es noch während der Berliner Hitler-Herrschaft in München ganz lustig fanden, weil hier das Regime bestrebt gewesen sei, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen. Dachau, das erste deutsche Konzentrationslager, war zwar in der Nähe, aber außer Sichtweite. Das alte, das echte Schwabing, seine Liberalität und Libertinage, seine Freizügigkeit und Freigeisterei kommen auf plausible Weise schlecht weg. Wo Duldsamkeit und Schlendrian den Lebensstil prägen und jede Verrücktheit mit Nachsicht rechnen kann, gedeiht natürlich auch die allergefährlichste Verrücktheit. Die Münchner Boheme verliert bei Large die Unschuld kreuzfideler Zügellosigkeit. Der 1945 geborene Landsmann jener Amerikaner, die vor und nach dem Ersten Weltkrieg in München gern versumpften, entwickelt sich zum strengen Sittenrichter. Typisch für seine Art, Urteile zu fällen, ist das Kapitel über den "Simplicissimus", Deutschlands bisher berühmteste satirische Zeitschrift. War ihr wirklich nichts heilig gewesen? O doch, findet Large und entdeckt in vielen Unverschämtheiten, in all dem Hohn und Spott, der über Geistliche, Militärs, Politiker und Kaiser Wilhelm ausgegossen wurde, nur "den Wunsch, die Autorität des Staates vor dessen Repräsentanten in Schutz zu nehmen". In diesem Augenblick bedenkt der Autor nicht, daß unter der Autorität dieses lächerlich gemachten, aber doch wachsamen Staates ein Mensch wie Adolf Hitler seine spätere Karriere niemals hätte machen können. Dazu mußte erst die Weimarer Republik kommen. Zur Boheme paßte die antibürgerliche Einstellung des jungen Hitler, die gerade deutschen Lesern nahezubringen ein Verdienst des Amerikaners ist. In seiner Abneigung gegen die Spießer sowie in seiner Bereitschaft, jeden ordentlichen und gewissenhaften Bürger des Spießertums zu verdächtigen, ließ sich der Möchtegernmaler und Jungpolitiker so schnell von niemandem übertreffen. Daß er den braven Bürger verachtete, vertrug sich glänzend mit dem Vorsatz, ihn zu benutzen und schließlich zu beherrschen. So hielt er es letzten Endes auch mit den kleinen und vielleicht nicht mehr ganz so kleinen Rassisten, Antisemiten, Slawenhassern und Franzosenfeinden, mit den enttäuschten Patrioten und ressentimentgeladenen Nationalisten, die in "Hitlers München" sorgsam beschrieben werden. Es fehlen nicht die sogenannte Atmosphäre, die urbane Selbstgefälligkeit, die provinzielle Beschränktheit und der Mief. Large schildert, wie einige Münchner die Berliner Zentralregierung nicht mochten und die Moderne schon überhaupt nicht. Hitler jedoch war ein begeisterter Zentralist und nicht im mindesten gewillt, als Modernitätsverlierer in die Geschichte einzugehen. Welcher Gebrauch vom Rundfunk zu machen sei, einer damals neuen Errungenschaft, hat er rasch kapiert. Außerdem wollte er gründen, wofür es in München kein Vorbild gab, nämlich eine wirkliche Massenorganisation (oder Volkspartei) und nicht die soundsovielte Zielgruppenpartei. Schließlich blieb er von einer ewigen Münchner Leidenschaft völlig unberührt, von der mit tiefer Zufriedenheit gepaarten Seßhaftigkeit. Für Hitler bestand die weite Welt nicht aus dem Voralpenland, sondern aus dem Norden, Westen und Osten Deutschlands, wo zu agitieren er weder durch Heimweh noch durch die Sehnsucht nach "Bierdunst" gehindert wurde. Large sieht das auch so, vernachlässigt jedoch solche Gesichtspunkte zugunsten seiner These von der bedenklichen Formkraft der Münchner Käseglocke. Large präsentiert sich als Anhänger der Milieutheorie. Darin liegt ja der Reiz des Buches, das die Auffassung erhärten soll, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die bald keine reine Arbeiterpartei mehr sein wollte, hätte an keinem anderen Ort der Welt einen derart günstigen Nährboden vorgefunden wie an der Isar. Ist David Clay Large Determinist? Die Frage muß unbeantwortet bleiben, denn nicht immer wird klar, ob Umstände und Verhältnisse, die im Zusammenhang mit Hitler aufzuspießen sind, die Ursache der bekannten verhängnisvollen Entwicklung waren oder nur deren Voraussetzung, vielleicht sogar nur der Anlaß. Vor allem aber wird nicht deutlich, wieso München, und sei es noch so zweifelhaft, doppelbödig und hintergründig gewesen, ausgerechnet ein Scheusal habe hervorbringen müssen. Der Umgang mit Antisemiten vermag eine gehörige Portion Judenhaß zu erklären, nicht aber den Willen zur Ausrottung von Millionen Menschen. Die Lektüre chauvinistischer Schriften macht aus einem Menschen vielleicht einen routinierten Nationalisten, aber deswegen doch nicht unbedingt und unausweichlich einen Massenmörder. Schließlich kann eine Stadt wie München den Wunsch, allenfalls den Willen zur Macht wecken - aber auch jene fürchterliche Energie, die Macht zu ergreifen, festzuhalten und in welthistorischem Maßstab zu mißbrauchen?

ROSWIN FINKENZELLER

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