Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. IV,2: Das Neue Bayern (eBook, PDF) - Spindler, Max
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Mit diesem Band wird die vollständige Neubearbeitung des von Max Spindler begründeten Handbuchs der bayerischen Geschichte abgeschlossen. In dem im Jahr 2003 erschienenen Teilband IV,1 wurde die politische Geschichte Bayerns im 19. und 20. Jahrhundert vorgestellt. Teilband IV,2 ist demgegenüber der inneren Entwicklung und dem kulturellen Leben von der Begründung des modernen neubayerischen Staates bis an die Schwelle unserer Gegenwart unter den Ministerpräsidenten Strauß, Streibl und Stoiber gewidmet. Die besten Kenner der bayerischen Geschichte der Neuesten Zeit behandeln in ausführlicher und…mehr

Produktbeschreibung
Mit diesem Band wird die vollständige Neubearbeitung des von Max Spindler begründeten Handbuchs der bayerischen Geschichte abgeschlossen. In dem im Jahr 2003 erschienenen Teilband IV,1 wurde die politische Geschichte Bayerns im 19. und 20. Jahrhundert vorgestellt. Teilband IV,2 ist demgegenüber der inneren Entwicklung und dem kulturellen Leben von der Begründung des modernen neubayerischen Staates bis an die Schwelle unserer Gegenwart unter den Ministerpräsidenten Strauß, Streibl und Stoiber gewidmet. Die besten Kenner der bayerischen Geschichte der Neuesten Zeit behandeln in ausführlicher und allgemeinverständlicher Form die wesentlichen Aspekte der inneren Geschichte Bayerns seit dem tiefen Einschnitt um 1800. Zur Darstellung gelangen im ersten Hauptabschnitt des vorliegenden Werkes folgende Themen: das Land und seine Bewohner, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerbe und Handel, die katholische und evangelische Kirche, die jüdischen Gemeinden, die Muslime. Der zweite Hauptabschnitt bietet einen Überblick über das kulturelle Leben: Schulwesen, Universitäten und Wissenschaftspflege, Publizistik und Medien, Literatur, Kunst und Musik. Die Beiträge wurden gegenüber der Erstauflage auf den heutigen Wissensstand gebracht und bis zur Wende zum dritten Jahrtausend fortgeführt. Die Abschnitte über die Verwaltung, die Muslime sowie die modernen Medien wurden gänzlich neu aufgenommen, um den jüngsten Tendenzen Rechnung zu tragen. In jeder Hinsicht wurde größtmögliche Aktualität angestrebt. Dabei wurde die Darstellung der bayerischen Entwicklung in den zugehörigen deutschen bzw. europäischen Rahmen integriert; auf diese Weise wird deutlich, daß Bayern ein wichtiger Faktor der nationalen und internationalen Geschichte war und ist.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 819
  • Erscheinungstermin: 14.02.2017
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406704567
  • Artikelnr.: 47602357
Autorenporträt
Alois Schmid lehrte als Ordinarius für Bayerische Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität, München, und war Vorsitzender der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.12.2017

Stolzer Stamm aus dunkler Zeit
Die Bayern, was sind die eigentlich? Der Historiker Alois Schmid gibt das „Handbuch der bayerischen Geschichte“ neu heraus – ein Lesegenuss
Jede Fach- und Liebhaberbibliothek beginnt links oben mit ihrem Grundlagenwerk. Für den Überblick. Und zum gelegentlichen Verifizieren. Immer griffbereit.
Ein exponiertes Werk eben, dem sich alle anderen Bücher unterordnen, seien sie noch so lesenswert. Links oben, da fängt die Bibliothek an, man kann diese Stelle auch als Ehrenplatz bezeichnen. In einer Bavarica-Bibliothek gebührt dieser Platz seit fünfzig Jahren dem „Spindler“. Der „Spindler“ hat seinerzeit den „Doeberl“ abgelöst, der wiederum den „Riezler“ ersetzt hatte. Alle waren mal Standardwerke der bayerischen Landesgeschichte. Künftig steht in gut sortierten Bavarica-Sammlungen der „Schmid“ links oben.
Der Münchner Landesgeschichts-Ordinarius Max Spindler hat im Jahr 1967 das „Handbuch der bayerischen Geschichte“ begründet. Sein Name entwickelte sich unter Historikern zu einer Marke wie „der Grotefend“ für sein Zeitrechnungsbüchlein und „der Gebhardt“ für das „Handbuch der deutschen Geschichte“. Generationen von Geschichtslehrern haben sich mit diesem Standardwerk auf ihr Staatsexamen vorbereitet. Nun hat Alois Schmid, Jahrgang 1945, Spindlers Doktorenkel und Nachnachnachnachfolger auf einem der beiden Münchner Landesgeschichtslehrstühle, die Mammutaufgabe mit in seinen Ruhestand genommen, das Handbuch völlig neu aufzubereiten.
Den ersten von rund vier Bänden hat Schmid nun selbst herausgegeben, wobei er erst einmal einen Sponsor suchen musste. Ausgerechnet im selbstbewussten Bayern fanden sich keine öffentlichen Mittel für dieses Projekt! Alois Schmid tat sich also mit dem Münchner Volkswirt Hans-Ulrich Wegener zusammen, einem geschichtsbegeisterten Finanzier, der das neue Handbuch mit einer fünfstelligen Summe aus seiner Privatschatulle unterstützte. In anderen Bundesländern gelten solche Standard-Geschichtswerke als wissenschaftspolitische Prestigeobjekte. Ihre Finanzierung würden sich die zuständigen Minister niemals nehmen lassen. Allerdings ist zur Ehrenrettung des zuständigen CSU-Politikers Ludwig Spaenle festzuhalten, dass die Entscheidung gegen die Finanzierung des Handbuchs unter seinem in kulturellen Dingen überforderten Vorgänger gefallen war, einem FDP-Mann und Zahnarzt.
Was macht nun Schmids Handbuch wichtiger, moderner, besser als die Vorgänger-Ausgabe von Spindler, nach deren Erscheinen Riezlers achtbändige „Geschichte Baierns“ aus dem 19. Jahrhundert und Doeberls 1906 begonnene „Entwickelungsgeschichte Bayerns“ in großen Teilen überholt waren? Aus einem reinen Arbeitsbuch ist ein Lese- und Arbeitsbuch geworden. Schon durch die optische Gestaltung liest es sich flüssiger, die gewaltigen Fußnoten-Apparate sind in den Anhang gewandert. Dadurch wirkt der Text sehr kompakt – auf 511 Seiten hat Schmids Autorenteam alles Wesentliche über dieses Land von der Vor- und Frühgeschichte bis zum ausgehenden 12. Jahrhundert abgehandelt.
Selbstverständlich musste die Geschichte Bayerns nicht neu geschrieben werden. Denn an der Quellenlage hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten wenig verändert. Mit den meisten Neuigkeiten wartet die Münchner Vor- und Frühgeschichtlerin Amei Lang auf, die sich auf Grabungsberichte aus den vergangenen zwanzig Jahren stützen kann. Der Boden birgt eindeutig mehr Enthüllungen über die Geschichte Bayerns als durch schriftliche Quellen erwartet werden darf. Denn wo soll heute noch eine mittelalterliche Chronik zum Vorschein kommen, die nicht längst bekannt und durchgeforscht ist?
Amei Lang verweist zum Beispiel auf die Kritzeleien in Höhlenablagerungen nahe Bamberg, die Forscher im Jahr 2011 entdeckten. Die Menschen der Älteren Steinzeit, wahrscheinlich waren es Jäger, ritzten als Fruchtbarkeitssymbole stilisierte Frauenfiguren in den Sinter. Für Lang erschließt sich aus der Art dieser Kleinkunst, dass es unter den Menschen schon 11  000 Jahre vor Christus über weite Teile des Kontinents hinweg Kontakte gab.
Besonders dankbar wäre die bayerische Landesgeschichte den Archäologen für weitere sachdienliche Hinweise zur Herkunft jenes Völkleins, das im frühen Mittelalter als Bajuwaren in die Geschichte trat. Dass ausgerechnet ihre Herkunft im Dunkeln liegt, ist den stolzen Bayern ein Graus. Der Mediävist Roman Deutinger räumt mit den Stammesmythen auf. Nachfahren der keltischen Bojer? „Nimmt heute niemand mehr ernst.“ Eingezogen aus Armenien und von Julius Caesar niedergerungen? „Eher eine gelehrte Konstruktion.“ Abkömmlinge eines älteren Germanenvolkes? „Rein spekulativ.“ Deutinger sieht dieses Gebiet als Einwanderungsland – als Ziel diverser Gruppen, die aber schon lange vor dem 6. Jahrhundert angekommen waren, aber dann eine „äußerlich erkennbare gemeinsame Identität“ entwickelten.
Schon früh war diese Kultur vom Christentum geprägt. Die Stammesführer engagierten charismatische Geistliche wie die Heiligen Korbinian, Rupert und Emmeram, um dieses Land zu ordnen. Für Korbinian, den sagenhaften Bärenbändiger und ersten Bischof von Freising, fand die Forschung indes Quellen, mit denen sich nun auch seine Lebensdaten feststellen ließen.
Es sind Details wie dieses, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren in die Geschichte fügten und nun im Handbuch Niederschlag finden. Die Texte lesen sich ausnahmslos flüssig, obwohl die Autoren einräumen, dass vieles „völlig im Dunkeln“ bleibe, „nahezu unmöglich zu bestimmen“ oder manche „Frage kaum zufriedenstallend zu beantworten“ sei. Der „Spindler“ beziehungsweise jetzt eben der „Schmid“ bleibt zuverlässiger als jedes Internet-Lexikon. Wikipedia etwa platziert Herzog Arnulfs Ruhestätte im Regensburger Kloster St.  Emmeram. Allein, schreibt Roman Deutinger, „das Grab ist unbekannt“. Bei einer Neuauflage in fünfzig Jahren könnte sich das ändern.
RUDOLF NEUMAIER
Alois Schmid (Herausgeber): Handbuch der bayerischen Geschichte. Band I, 1. Das Alte Bayern. Von der Vorgeschichte bis zum Hochmittelalter. Verlag C.H. Beck, München 2017. 726 Seiten, 49,95 Euro. E-Book 39,99 Euro.
Was andere Bundesländer als
Prestigeobjekt betrachten, bezahlt
hier ein Privatmann
Die zugewanderten Menschen
entwickelten im 6. Jahrhundert
eine gemeinsame Identität
Bären- und Bayernbändiger: Der heilige Korbinian wirkte im 8. Jahrhundert als christlicher Missionar.
Foto: privat
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