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Hans-Ulrich Wehler gibt in diesem Band einen souveränen Überblick über die Geschichte des Nationalismus von den Anfängen bis zu seinen heutigen Erscheinungsformen. Dabei stehen Europa und Nordamerika im Vordergrund, aber der Blick fällt auch auf die Ausprägungen des Nationalismus in der außereuropäischen Welt.…mehr

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Produktbeschreibung
Hans-Ulrich Wehler gibt in diesem Band einen souveränen Überblick über die Geschichte des Nationalismus von den Anfängen bis zu seinen heutigen Erscheinungsformen. Dabei stehen Europa und Nordamerika im Vordergrund, aber der Blick fällt auch auf die Ausprägungen des Nationalismus in der außereuropäischen Welt.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 122
  • Erscheinungstermin: 11.10.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406692710
  • Artikelnr.: 46609370
Autorenporträt
Hans-Ulrich Wehler, geb. 1931, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld.
Inhaltsangabe
Vorwort: Probleme mit dem Nationalismus

I. Der Nationalismus: Unikat des Okzidents

II. Entstehung und erste Entwicklung des Nationalismus

III. Der Ideenfundus des Nationalismus - Die Steigerung zur "Politischen Religion"

IV. Die neue Zielutopie: Die "Erfindung der Nation" und die historischen Traditionen der Ethnien

V. Soziale Trägerschichten des Nationalismus

VI. Wie und warum gelang die Ausbreitung des Nationalismus?

VII. Typologien des Nationalismus

VIII. Verlaufsgeschichten des Nationalismus

Der amerikanische Nationalismus
Der deutsche Nationalismus
Transfernationalismus in der nicht-westlichen Welt

IX. Erfolge des Nationalismus - Unverdienter Ruhm des Nationalstaats

X. Das Ende des Nationalismus?

Kommentierte Bibliographie

Personenregister
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.02.2002

Auserwählt
Hans-Ulrich Wehlers meisterhafte
Darstellung des Nationalismus
Nach dem 11. September kamen in vielen westlichen Ländern Bücher über den Islam auf die Bestsellerlisten – ein Umstand, der zwar auch unsere bisherige Ignoranz, aber doch auch so etwas wie guten Willen verrät. Empfinden Leser aus der islamischen Welt einen vergleichbaren Informationsbedarf über den Westen? Wir wissen es nicht. In einer Liste nützlicher Bücher, die knapp, profund, und ohne propagandistische Schönfärberei über Grundtatsachen der westlichen Kultur und Politik unterrichten, könnte jedenfalls Hans-Ulrich Wehlers neues Buch über den Nationalismus eine prominente Stelle einnehmen. Nirgendwo wird man derzeit konziser über die staatlich-ideologische Form unterrichtet, die für die Organisation von Politik auf dem Erdball mittlerweile konkurrenzlos geworden scheint und die eine europäische Erfindung ist: die Nation. Wehler ist das Musterstück einer historischen Aufklärung gelungen, die scheinbar selbstverständliche Erscheinungen der Gegenwart begrifflich nimmt und verfremdet, in ihren langen kulturellen Vorläufen begreift und so gleichsam von außen sieht.
Dass Nation und Demokratie historisch zusammengehören, dass erst die Vorstellung eines in Sprache und Geschichte homogenen Volkes die Verlagerung der staatlichen Legitimität von der Spitze an die Basis erlaubt, dürfte allgemein bekannt sein. Wehler zeigt, dass solche Umgründungen verhältnismäßig gut integrierte Staaten bereits voraussetzen, dass den ersten Nationen in Westeuropa, also England und Frankreich, fortgeschrittene Fürstenstaaten vorausgehen mussten; erst ihre hoch entwickelte Infrastruktur erlaubte die nationale Durchdringung großer Territorien durch Verkehr, Schulwesen, Öffentlichkeit, nicht zuletzt eine gemeinsame Sprache. Wie wenig selbstverständlich das letztere ist, belegen Zahlen: Um 1789 sprachen nur 13 Prozent der Franzosen das moderne Französisch, in Italien war die Hochsprache zur Zeit der Einigung um 1861 bestenfalls 2,5 Prozent der Staatsangehörigen geläufig. Es bedarf erfolgreicher Vorläufer, damit sich das Modell solcher kompakt gewordenen Einheiten in der zwischenstaatlichen Konkurrenz auch anderwo durchsetzt.
Infrastruktur und Gottesbund
Woher aber kommt die geistige Form des Nationalismus, das Ideal einer nationalen, egalitären Gemeinschaft? Um einen Satz von Bertolt Brecht zu variieren: Sie werden lachen, aus der Bibel. Wehlers Nationalismusgeschichte blickt eher nach England und Amerika als nach Frankreich. Nicht Athen und Rom findet er an den Ursprüngen von Nation und Demokratie, sondern das alte Israel. Die alttestamentarische Idee des auserwählten Volks mit seiner Unmittelbarkeit zu Gott und einem ihm von diesem Gott zugewiesenen Land, in dem es für einen heilsgeschichtlichen Auftrag leben soll – den Bund mit Gott –, diese Idee bot den Revolutionären des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts die geistige Form für ihre unerhörten politischen Taten. Die modernen Nationalstaaten suchten sich also uralte Begründungen, nannten sich wie Amerika gar „Neues Jerusalem”, datierten sich jedenfalls zurück in ferne Vergangenheiten und erzeugten so jene Gemeinschaft der Lebenden mit den Toten, aus der nach einer berühmten Definition die Nation bestehen soll.
Den ersatzreligiösen Charakter dieser modernen Ideologien arbeitet Wehler mit Kälte – und in gewollter Distanz zu einer im Moment sehr angesagten, recht kuscheligen kulturalistischen Nationalismusforschung – heraus; für die Versuche der Mediävisten, die Nation schon in ihrem Rayon zu finden, hat er nur Spott übrig. Scharf benennt er auch die zerstörerischen Seiten des nationalstaatlichen Modells: die Feindbilderzeugung, den Innendruck der Homogenität, die Opferideologie, die Dynamik der Sezessionen und Säuberungen, welche von der Logik der „Selbstbestimmung” in Gang gesetzt wird. Diese Kosten sind keineswegs notwendige Übel: Es gibt Verfassungs- und Sozialstaaten auch ohne jene nationalideologische Zementierung, und es gibt wildgewordene Nationalismen, die es nicht einmal zu geordneten inneren Verhältnissen bringen.
Der interkulturelle Erfolg des Nationalismus, seine Übertragung in Gebiete, die seine staatlich-kulturellen Voraussetzungen nicht aufweisen, führt in jene chaotische Instabilität, die in weiten Teilen der ehemaligen Kolonialgebiete heute herrscht. Der Abschnitt über diesen „Transfernationalismus”, die Fallstudie über den amerikanischen Nationalismus bieten unmittelbar aktuelle politische Handreichungen ebenso wie die meisterhaft übersichtliche Darstellung des deutschen Nationalstaats – ein Muss für Leitkulturschwafler und historisch Ahnungslose vor allem im konservativen Lager.
Vielleicht ist Wehler, seinem schätzenswerten Temperament getreu, in manchen Wertungen zu hart. Inzwischen sind die nationalen Ideologien vielerorts am Verblassen, nur noch in rückständigen Gebieten schreiben Völker sich in allem Ernst religiöse „Missionen” zu. Die Säkularisierung ging weiter, und mittlerweile kann man in Nationalstaaten auch ohne Demogagogen und Mullahs ganz gut leben. Wehler erinnert an die explosiv kurze Geschichte und die lange jüdisch-christliche Vorgeschichte unserer Welt. Mit solchen Büchern braucht der Dialog der Kulturen kein leerer Wahn zu bleiben.
GUSTAV
SEIBT
HANS-ULRICH WEHLER: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen. C.H. Beck, München 2001. 122 Seiten, 7,50 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Autor Hans-Ulrich Wehler räumt mit manchem herrschenden Vorurteil darüber auf, wie Nationalismus entsteht und welche Wirkungen er bisher gehabt hat, stellt Rezensent Rudolf Walther angetan fest. Beispielhaft untersuche Wehler die Entwicklung des Nationalismus in den USA und in Deutschland. Für ihn sei die Geschichte des Nationalstaats keine Erfolgsstory, positive Entwicklungen hätten sich nicht wegen, sondern trotz 'nationaler Interessen' ergeben, wohingegen das 'nationale Selbstbestimmungsrecht' zu "Kriegen, Massakern und Vertreibungen" führte. Das alles ist für Walther nachvollziehbar, der die Studie nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch "glänzend geschrieben" findet.

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