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Athen und Sparta - Dreher, Martin
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Athen und Sparta sind die beiden bekanntesten griechischen Stadtstaaten. Ihre äußere und innere Machtentfaltung und ihre gegensätzlichen Strukturen beeinflußten und beeindruckten bereits die gesamte griechische Welt. Aber wo lagen ihre grundsätzlichen Unterschiede? Wie entwickelte sich ihr Staats- und Gesellschaftsaufbau - hier Demokratie, dort Aristokratie? Wer waren die politisch und militärisch maßgeblichen Persönlichkeiten in diesem Prozeß? Welche geschichtlichen Ereignisse sind für die beiden Städte von prägender Bedeutung gewesen, wie sah ihre imperiale Politik aus? Warum brachte Athen…mehr

Produktbeschreibung
Athen und Sparta sind die beiden bekanntesten griechischen Stadtstaaten. Ihre äußere und innere Machtentfaltung und ihre gegensätzlichen Strukturen beeinflußten und beeindruckten bereits die gesamte griechische Welt. Aber wo lagen ihre grundsätzlichen Unterschiede? Wie entwickelte sich ihr Staats- und Gesellschaftsaufbau - hier Demokratie, dort Aristokratie? Wer waren die politisch und militärisch maßgeblichen Persönlichkeiten in diesem Prozeß? Welche geschichtlichen Ereignisse sind für die beiden Städte von prägender Bedeutung gewesen, wie sah ihre imperiale Politik aus? Warum brachte Athen ein blühendes Kulturleben hervor - und wie äußerte es sich -, während Sparta zunehmend kulturell verarmte? Welche Bedeutung kam dem Kult in beiden Städten zu? Und wieso war die Stellung der Frauen in beiden Gesellschaften so verschieden? Martin Drehers moderne Einführung in die Geschichte Athens und Spartas gibt auf diese und viele andere Fragen erste Antworten, nennt die maßgeblichen Quellen
und weist den Weg zu weiterführender Literatur.
  • Produktdetails
  • C.H. Beck Studium
  • Verlag: Beck
  • 2., aktualis. Aufl.
  • Seitenzahl: 223
  • Erscheinungstermin: März 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 141mm x 22mm
  • Gewicht: 335g
  • ISBN-13: 9783406633676
  • ISBN-10: 3406633676
  • Artikelnr.: 35065253
Autorenporträt
Martin Dreher, geb. 1953, lehrt als Professor für die Geschichte des Altertums an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte der griechischen Antike vorgelegt.
Rezensionen
Besprechung von 04.01.2002
Soldaten nach Sparta heißt Keulen nach Athen tragen
Der Demokratie stand kein Militärstaat gegenüber: Martin Dreher vergleicht die beiden Hauptmächte des alten Griechenland

Der Dualismus zwischen Athen und Sparta war lange Zeit die Dominante nahezu jeder Griechischen Geschichte. Doch in den vergangenen Jahrzehnten kam es hier zur Priorität neuer Perspektiven: Parallel zur Verlagerung der archäologischen Arbeit und zur Konjunktur der Stadtforschung rückten lokal- und regionalgeschichtliche Ansätze in den Vordergrund, das "Dritte Griechenland und seine Staatenwelt" (Hans-Joachim Gehrke), die Welt der nahezu sechshundert selbständigen griechischen Poleis.

Die Konzeption des Magdeburger Althistorikers Martin Dreher mag daher zunächst überraschen: In seinem systematischen Vergleich der beiden griechischen Hauptmächte Athen und Sparta steht die Erfassung der gesellschaftlichen und politischen Grundstrukturen im Mittelpunkt; Religion und Kultur werden nur knapp erwähnt. Dank dieser Konzentration tritt die Eigenart der beiden Staaten, deren Ausstrahlung große Teile des Mittelmeerraumes erfaßte, besonders deutlich hervor. Die Untersuchung der bilateralen Kontakte zeigt zugleich die Wechselbeziehungen zwischen äußerer und innerer Politik in der Griechischen Geschichte.

In einem ersten Hauptteil werden zunächst Entstehung und Entwicklung der beiden Staaten bis zum Ende der archaischen Epoche vermittelt; die Darstellung setzt dabei jeweils mit den Problemen der Besiedlung und Staatsbildung ein. Im Falle Athens wird betont, daß die frühe Siedlung keine Monarchie kannte. Die ausführlich besprochenen solonischen Reformen sind zwischen 580 und 570 vor Christus angesetzt; die Bedeutung der Tyrannis der Peisistratiden wird reduziert. Für Sparta ist die Auswertung der Dichtungen des Tyrtaios als Quelle der Messenischen Kriege ebenso eindrucksvoll wie die Schilderung des spartanischen "Kosmos". Das Wirken eines Lykurg wird zu Recht in Frage gestellt, die frühe spartanische Verfassung durch eine Interpretation der "Großen Rhetra", eines von Plutarch überlieferten delphischen Orakelspruchs, vergegenwärtigt. Im Anschluß an die neuere Forschung rühmt auch Dreher die Kulturblüte des archaischen Sparta. Für dessen Machtbildung wird die Formierung des Peloponnesischen Bundes hervorgehoben. Ein prägnanter Vergleich rundet die Beschreibung der beiden Staaten ab.

Ausführlicher werden die Ereignisse des fünften Jahrhunderts vor Christus besprochen, als sich die athenische und die spartanische Geschichte denkbar eng verschränkten. Den tiefen Gegensatz zwischen den beiden Mächten sieht Dreher "durch die Andersartigkeit der inneren Ordnung" ebenso bestimmt wie "durch die machtpolitische Konkurrenz". Der Gegensatz sollte deshalb auch in der Folgezeit immer wieder durchbrechen.

Die kleisthenischen Reformen sind für den Autor mit dem "Beginn der Demokratie" identisch. Nach einer Darstellung der Perserkriege insistiert er auf den Rückwirkungen dieser Kämpfe: dem Aufstieg Athens zur Großmacht mit Hilfe des Delisch-Attischen Seebundes und dessen einseitiger Umwandlung in ein Herrschaftsinstrument hier, den Folgen des schweren Erdbebens von 464 vor Christus und des anschließenden großen Helotenaufstandes dort. Dieser Aufstand gab Drehers Ansicht nach den entscheidenden Impuls zur verschärften politischen Reglementierung in Sparta sowie zum systematischen Ausbau des gesamten Erziehungswesens, das auf eine umfassende Integration des einzelnen in den Staat abzielte.

Unter den Schlagworten "Freiheitliche Demokratie hier - geschlossener Gehorsamsstaat dort?" werden die demokratischen und oligarchischen Elemente der beiden Verfassungen, Gesetze und Gerichtswesen, die Privatsphäre der Bürger, Kulte und Kultur, die sozialen Gruppen jenseits der Vollbürger, dabei insbesondere auch die "Mythen" über die jeweilige Stellung der Frauen besprochen. Der traditionellen Auffassung Spartas als "Militärstaat" tritt Dreher entschieden entgegen.

Der Schlußteil behandelt konzentriert die Phänomene des vierten Jahrhunderts vor Christus, Spartas Vorherrschaft und den folgenden Wiederaufstieg Athens, den Machtverlust beider Staaten zwischen 371 und 338, eine Entwicklung, welche in Athen durch "demokratische Stabilität", in Sparta durch "soziale Destabilisierung" gekennzeichnet war. Im Gegensatz zu den Wertungen von Mogens Herman Hansen hält Dreher fest: "Wirklich fundamentale Differenzen zwischen der Demokratie des Perikles und der des Demosthenes existieren nicht." Der Anhang bietet in seinem Anmerkungsteil Belege und Hinweise auf die neueste Spezialliteratur sowie ein umfangreiches bibliographisches Verzeichnis. Neben dem Register und den fünf Karten wäre eine Zeittafel nützlich gewesen.

Insgesamt gibt der Verfasser einen zuverlässigen Querschnitt durch die derzeitige wissenschaftliche Diskussion. Angesichts des begrenzten Umfangs ist es verständlich, daß Drehers Darstellung mit dem konventionellen Datum von 338 vor Christus abbricht. Doch auf Grund der jüngsten Studien zur Entwicklung der beiden Städte in hellenistischer und römischer Zeit - erinnert sei nur an Christian Habichts herausragende Monographie von 1995 über das hellenistische Athen - wäre eine Erweiterung sinnvoll gewesen. In einer neuen Auflage sollte daneben auch die Rezeptionsgeschichte und damit die Bedeutung Athens und Spartas für die euro-amerikanische Kultur berücksichtigt werden, im Hinblick auf den gesteigerten Rechtfertigungsdruck auf die Alte Geschichte wohl keine überflüssige Aufgabe.

KARL CHRIST.

Martin Dreher: "Athen und Sparta". Verlag C.H. Beck, München 2001. 221 S., 5 Karten, br., 19,43 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 22.12.2001
Ein stinknormales Griechennest namens Sparta
Wanderer, kommst du in die Buchhandlung, frage, wo die Alte Geschichte steht: Martin Drehers Einführung in die Geschichte zweier gegensätzlicher Städte sollte unbedingt dabei sein
„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.” Schillers berühmtes Epigramm weist zurück in das Jahr 480 v.Chr., als ein griechisches Aufgebot, das unter dem Befehl des spartanischen Königs Leonidas stand, an dem Thermopylen-Pass in Mittelgriechenland ein persisches Invasionsheer aufzuhalten versuchte. Doch die feindlichen Truppen konnten das Hindernis auf einem Bergpfad umgehen. Als Leonidas die Nachricht von der Wendung des Schlachtenglücks erhielt, entließ er die Verbündeten und stellte sich allein mit einer Handvoll Getreuer dem Feind, den sicheren Tod vor Augen.
Grausame Herrenmenschen
Gehorsam, Pflichterfüllung und Vaterlandsliebe hieß für nachfolgende Generationen die Botschaft dieser Niederlage. Die Episode schien zu bestätigen, dass Sparta ein idealtypischer Militärstaat war, in dem sich der einzelne bedingungslos dem Dienst der Gemeinschaft unterwarf. Grausam unterdrückten die spartanischen Herrenmenschen die Heloten, und argwöhnisch schotteten sie sich von der Außenwelt ab. Literatur und Kunst hatten hier keinen Platz. Demgegenüber erstrahlte das Bild des kosmopolitischen Athen um so heller: Die erste Demokratie der Weltgeschichte war Ort der größten Dichter und Denker der Zeit, war Hort der Freiheit und der Bürgerrechte.
Die traditionellen Wahrnehmungsmuster der beiden bekanntesten griechischen Stadtstaaten sind durch die altertumswissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte in vielfacher Hinsicht revidiert worden. Martin Dreher, Althistoriker aus Magdeburg, hat nun den Versuch unternommen, die Ergebnisse der gelehrten Diskussion für ein breites Publikum zusammenzufassen. Dabei verdient sein Buch aus mehreren Gründen besonderes Lob: Es gelingt Dreher zum einen, Ereignis- und Strukturgeschichte überzeugend zu verbinden. Sicher führt er den Leser von der Frühzeit der beiden Poleis bis in das 4. Jh. v.Chr. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der Entwicklung der jeweiligen politischen Institutionen sowie der athenischen und spartanischen Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit. Anschaulich skizziert Dreher den gemeinsamen Sieg über die Perser, Athens Aufstieg zur Großmacht, die Entstehung des athenisch-spartanischen Dualismus, die athenische Niederlage im Peloponnesischen Krieg und die Phase der spartanischen Hegemonie, die mit Spartas „Waterloo” bei Leuktra 371 v.Chr. endete.
Zum anderen zeigt Dreher ein feines Gespür für die zentralen Fragen des wissenschaftlichen Diskurses. Wo die Überlieferung keine sichere Antwort erlaubt, begnügt er sich mit einem Hinweis auf konkurrierende Erklärungsversuche. Das Buch reflektiert die oft schwierige Quellenlage und dokumentiert den aktuellen Stand der althistorischen Forschung. Dies ist besonders verdienstvoll für die spartanische Geschichte, für die es bisher – im Gegensatz zu Athen – noch keine überzeugende deutschsprachige Synthese gab, die sich auch als Lektüre für Einsteiger empfiehlt. Dreher weist mit Nachdruck darauf hin, daß das archaische Sparta im gesamtgriechischen Kontext in vielerlei Hinsicht als eine „normale” Polis gelten darf. Im 7. und 6. Jh. v. Chr. standen Kunst und Kultur in dem vermeintlichen Militärlager in voller Blüte. Der häufig beschworene spartanische Sonderweg, der zur Militarisierung des Gemeinwesens, zu verfassungspolitischen Veränderungen, zur öffentlichen Kontrolle der Erziehung und zum Rückgang der Kunstproduktion führte, war keineswegs das Ergebnis der gesetzgeberischen Tätigkeit des sagenhaften ‚Staatsgründers‘ Lykurg. In den sozialen und politischen Umwälzungen spiegeln sich vielmehr komplexe Entwicklungen, die sehr wahrscheinlich durch neue außenpolitische Anforderungen und Ziele ausgelöst wurden und die frühestens in der zweiten Hälfte des 6. Jh. v.Chr. einsetzten und weit in das 5. Jh. v. Chr. hinreichten.
Schließlich ist der Vergleich der beiden Stadtstaaten sehr aufschlußreich, weil er den Blick für Gemeinsamkeiten und Unterschiede schärft. In beiden Poleis war der Bürgerstatus die Voraussetzung der politischen Partizipation, von der der größte Teil der Bevölkerung: Frauen, Sklaven und Fremde, grundsätzlich ausgeschlossen wurde. Doch während in Athen sehr viele Bürger an den politischen Aktivitäten beteiligt waren und in freier Diskussion alle wesentlichen Entscheidungen treffen konnten, herrschte in Sparta die Oligarchie der Vollbürger (der Spartiaten), deren Zahl durch sozialökonomische und politische Veränderungen ständig abnahm. Die Freiheiten, die Athen seinen Bürgern zugestand, waren im Vergleich zu Sparta durchaus beachtlich, wo der individuelle Lebensraum durch eine straff organisierte militärische Ausbildung und die gemeinschaftlichen Rituale der Männerbünde begrenzt wurde. Die Entwicklung Spartas, die hin zu einer verstärkten Kontrolle des einzelnen durch ‚staatliche‘ Institutionen führte, wurde deshalb „eingeschlagen, um die innere und äußere Macht der Spartiaten teils zu erhalten, teils aber auch zu vergrößern.”
Entstehung eines Mythos
Es bleibt das prinzipielle methodische Problem, daß wir die Geschichte des klassischen Sparta eigentlich nur aus athenischer Perspektive schreiben können, da unsere Kenntnisse fast durchweg auf den Werken athenischer Autoren des 5. und 4. Jh. v.Chr. oder auf späteren Schriftstellern beruhen, die von den früheren Quellen direkt oder indirekt abhängig sind. Diese überlieferungsgeschichtliche Crux hätte Dreher ausführlicher reflektieren können. Maßgeblich an der Entstehung des Mythos Sparta war zudem die Propaganda der hellenistischen Reformer des 3.Jh. v. Chr., die ihre weitreichenden Veränderungen der spartanischen Ordnung durch den Bezug auf eine angeblich uralte Tradition legitimieren wollten und damit erst das vielbeschworene „lykurgische” Sparta kreierten, das so viele spätere Betrachter in seinen Bann geschlagen hat. Deshalb wäre es lohnend gewesen, die Geschichte dieser Zeit eingehender zu behandeln.
Der Bedarf an einführenden Studienbüchern ist auch in den Altertumswissenschaften während der letzten Jahre sprunghaft gestiegen. Viele Verlage haben inzwischen einschlägige Titel in ihr Programm genommen. Man wünschte sich, daß alle das wissenschaftliche Niveau von Drehers „Athen und Sparta” erreichten.
STEFAN REBENICH
MARTIN DREHER: Athen und Sparta. C. H. Beck Verlag, München 2001. 221 Seiten, 38 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die Vorurteile, die lange Zeit auch Urteile der Geschichtswissenschaft waren, sind bekannt: Sparta war der "idealtypische Militärstaat" des antiken Griechenland. Dieses Bild ist mittlerweile "in vielfacher Hinsicht revidiert worden", stellt Stefan Rebenich in seiner Rezension fest, und Martin Dreher fasst den aktuellen Forschungsstand im Städtevergleich mit Athen zusammen. Gerade der vergleichende Blick ermögliche es, die "Gemeinsamkeiten und Unterschiede" zwischen Sparta und Athen herauszuarbeiten. Es gelingt Dreher dabei, und dafür verdient er, wie Rebenich findet, "besonderes Lob", die Verbindung von "Ereignis- und Strukturgeschichte". Zugleich bleibt die Komplexität der Forschungslage, die besonders mit der problematischen Quellensituation zusammenhängt, stets gewahrt. Einzig die zentrale Crux, dass die Kenntnis Spartas fast ausschließlich athenischen Quellen zu verdanken ist, hätte, wie der Rezensent leise anmerkt, etwas "ausführlicher reflektiert" werden können. Dies aber ist der einzige Kritikpunkt an einem Buch, für das Rebenich sonst nur Lob kennt.

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