Paulus - Lohse, Eduard
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Paulus ist die alles überragende Gestalt der frühen Kirchengeschichte. Obwohl man über ihn mehr weiß als über viele andere Schriftsteller der Spätantike, gibt er Anlaß zu immer neuen Kontroversen über seine Persönlichkeit und seine Theologie. Eduard Lohse führt in diesem Buch allgemeinverständlich in die facettenreiche Theologie des Paulus ein und zeigt, was Paulus aus der jüdischen Theologie seiner Zeit und aus dem griechischen Denken übernimmt. Nicht zuletzt erzählt er auch den äußeren Lebensgang des Apostels vom Christenverfolger Saulus über seine Bekehrung und die zahlreichen Missionsreisen bis hin zu seinem Märtyrertod in Rom.…mehr

Produktbeschreibung
Paulus ist die alles überragende Gestalt der frühen Kirchengeschichte. Obwohl man über ihn mehr weiß als über viele andere Schriftsteller der Spätantike, gibt er Anlaß zu immer neuen Kontroversen über seine Persönlichkeit und seine Theologie. Eduard Lohse führt in diesem Buch allgemeinverständlich in die facettenreiche Theologie des Paulus ein und zeigt, was Paulus aus der jüdischen Theologie seiner Zeit und aus dem griechischen Denken übernimmt. Nicht zuletzt erzählt er auch den äußeren Lebensgang des Apostels vom Christenverfolger Saulus über seine Bekehrung und die zahlreichen Missionsreisen bis hin zu seinem Märtyrertod in Rom.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1520
  • Verlag: Beck
  • 2., durchges. Aufl.
  • Seitenzahl: 334
  • Erscheinungstermin: 2. Quartal 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 125mm x 23mm
  • Gewicht: 326g
  • ISBN-13: 9783406585845
  • ISBN-10: 3406585841
  • Artikelnr.: 26138679
Autorenporträt
Prof. Dr. Eduard Lohse leistete von 1942 - 1945 seinen Militärdienst als Schnellbootkommandant in der Kriegsmarine ab. Von 1945 bis 1949 studierte er Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel und an der Georg-August-Universität Göttingen. Von 1950 bis 1953 war er als Konviktsinspektor an der Kirchlichen Hochschule in Hamburg, als Vikar und Hilfsprediger tätig. 1953 habilitierte er sich an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und war dort Privatdozent für Neues Testament. Von 1956 bis 1971 war er Professor für Neues Testament, zunächst an der Universität Kiel (bis 1964), von 1964 bis 1971 an der Georg-August-Universität Göttingen und später auch deren Rektor. 1971 wurde er (bis 1988) Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, 1988 auch Präsident des Weltbundes der Bibelgesellschaft. Von 1979 - 1985 war er auch Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In seine Zeit als Vorsitzender des Rates der EKD und der Deutschen Bibelgesellschaft fiel die Revision der Lutherbibel. 2007 erhielt Dr. Eduard Lohse den Dr. Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 01.10.1996

Sparen am Heiligen Geist
Eduard Lohses Paulus-Biographie hält maß / Von Klaus Berger

Paulus-Forschung in Deutschland, dem Kernland der Reformation, das war ein Stück Weltgeschichte, das könnte eine spannende Sache sein, das ist ein Ausbund von Gelehrtheit, Abgehangensein und ökumenischem Frieden. Gleich vier voluminöse Gesamtdarstellungen des streitbaren Völkerapostels haben uns die letzten sieben Jahre beschert: Nach Jürgen Beckers "Paulus der Apostel der Völker" (1989) und Eugen Bisers "Paulus - Zeuge, Mystiker, Vordenker" (1992) und Joachim Gnilkas "Paulus von Tarsus. Zeuge und Apostel" (1996) ist nun von Eduard Lohse "Paulus. - Eine Biographie" erschienen.

Lohses Publikation hat mit den anderen drei Büchern so viel gemeinsam, daß man einzelne Kapitel fast austauschen könnte. Alle vier Bände sind leserfreundlich, alle sind fleißig recherchiert und auf der Höhe eines betonartig festen internationalen Konsenses, der eigentlich keine Fragen offenläßt. Alle Verfasser waren bei Fertigstellung ihres Werkes zwischen 55 und 75 Jahre alt, Senior-Chefs der Forschung also.

Man darf fragen: Was wäre, wenn ein jüngerer Mensch, etwa jemand in dem Alter, in dem Luther seinen Paulus entdeckte, mit 32 also, heute den Mut hätte, ein Paulus-Buch zu schreiben? Sähe es auch so aus, rundum abgesichert, für niemanden gefährlich, tröstlich und in jeder Zeile unanfechtbar? Daß Gnilka etwa katholisch ist, Lohse evangelisch, merkt man nicht bei der Lektüre. Das hat sein Gutes, denn Paulus ist nun schon lange nicht mehr Munitionsdepot für konfessionelle Schlachten. Es hat auch seine Schattenseiten: Denn über allen Wipfeln ist nun Ruh.

Bei jedem "Biographie" genannten Buch ist zu fragen: Was hat der Biograph gemeinsam mit dem, dessen Leben er erzählt? Was hat also Eduard Lohse, ein pensionierter lutherischer Landesbischof aus Hannover, zugleich professor emeritus und evangelischer Zisterzienser-Abt in Loccum, als solcher Träger von Mitra und Stab, gemeinsam mit Paulus, dem Juden und Märtyrer, dem Möchtegernapostel von kümmerlichem Auftreten?

Paulus war von absolut fragwürdiger Legitimität nach Titel und nach Theologie, jedenfalls unter den Zeitgenossen - sein Biograph ist ein Mensch, dem man nahezu alle Ehren und Bestätigungen, die man in diesem Beruf erlangen kann, bereitwillig und nicht ohne Berechtigung verliehen hat. Das ist auch eine Temperamentsfrage: Paulus - ein streitbarer, schwieriger, in seinem Denken zum Hakenschlagen neigender Schreibriese -, Eduard Lohse ein ausgeglichener, abwägender, sorgfältiger, nach allen Seiten hin Frieden stiftender Lehrer und Hirte, der freundlichste und leutseligste Kollege weit und breit.

Hier steht der Doctor Martinus aus Wittenberg wohl in der Mitte zwischen beiden: dem Temperament nach eher wie Paulus, der Herkunft und Bildung nach nicht weit weg von Hannover, dem Stand nach gleichfalls Professor des Neuen Testaments. Und was Paulus und Lohse betrifft: Die Spannungen zwischen dem Apostel und Biographen sind nicht unfruchtbar geblieben. Denn diese Biographie nötigt immer wieder zu der Frage: Hatte Paulus nicht auch solche Seiten? Ist es Zufall, daß die Freundlichkeit bei Paulus unter den Gaben des Geistes die erste ist? Hat nicht auch Paulus als Kirchenleiter operiert, ausgleichend, kompromißfähig und -bereit?

Eine theologische Entwicklung bei Paulus - eines der wenigen verbliebenen Streitobjekte der Paulus-Forschung - wird von Lohse abgelehnt. Denn schon immer waren Kreuz und Auferstehung Jesu die Mitte der paulinischen Theologie. Damit ist die Rechtfertigungslehre eng verknüpft, denn sie ist gewonnen "aus der Verkündigung des gekreuzigten Christus". Abgewehrt wird damit der Vorschlag von E. P. Sanders, die Frage der Einheit und Gemeinsamkeit von Juden- und Heidenchristen zum Generalthema des Paulus zu machen.

Urprotestantische Abneigungen zeigt Lohse gegen Mystik und Wunder, gegen Apokalyptik, Rhetorik und ungeschützte Rede vom Heiligen Geist. Entgegen der von Albert Schweitzer ausgehenden Anregung sei Paulus kein Mystiker gewesen, weil eine Verschmelzung von Gott und Mensch bei ihm nicht vorkomme. Aber ist nur das "Mystik"? Von Wundern habe Paulus nicht viel gehalten, weil sie "das Wort" hätten verdrängen können. Wird hier nicht der hannoversche Mangel zur Tugend gemacht? Nach Lohse verstoßen Hochschätzung von Wunder und Geist-Erweis gegen "das Kreuz".

Zum Stichwort "Apokalyptik": Paulus bediene sich ihrer nur, aber sie sei nicht tragend. Sind solche Argumente vielleicht doch eher apologetische Manöver? Zum Beweis führt Lohse apokalyptische Vorstellungen auf, die Paulus nun sicher nicht hat. Apokalyptik wird mit "Spekulation" identifiziert. Ähnlich wie mit den Wundern ist es mit der Rhetorik: Paulus kann und darf sie nicht hochgeschätzt haben. Mit einer hellenistischen Rhetoren-Schule kam er deshalb nie in Berührung. Um so merkwürdiger, daß immer wieder mit Recht festgestellt werden kann: Paulus ist in seinen Briefen ein glänzender Rhetoriker. Aber die Aversion gegen Rhetorik besitzt eine lange kirchliche Tradition, insbesondere immer bei den besten Rednern, die damit ihre Spuren verwischen.

Seit dem Doktor aus Wittenberg prägt das Luthertum hin und wieder, man muß es schon so nennen, eine ausgewachsene Furcht vor dem Heiligen Geist. So gilt auch nach Lohse: Das disziplinarische Freiheitsgefühl der Korinther, mit denen Paulus sich herumschlägt, resultiert aus ihrer Erfahrung des Geistes. Zugunsten des "Kreuzes" wird daher die Pneumatologie in diesem Buch fast verschluckt. Daher gilt für Korinth unangefochten die alte Enthusiasten-Theorie weiter: Die Korinther hätten gemeint, Gottes Herrschaft sei schon da, und entsprechend hätten sie ein "überhöhtes Selbstbewußtsein" besessen.

Großartig ist die Deutung des Zwischenfalls in Antiochien, bei dem sich Petrus und Paulus beharkten: "Es stand gleichsam Einheit gegen Einheit - Einheit des Gottesvolkes Israel gegen Einheit der Kirche aus Juden und Heiden. Ließ sich beides miteinander verbinden?" Und immerhin wird gegenüber dem Tübinger Peter Stuhlmacher in wohltuender Offenheit über den politischen Ursprung der Metapher von der Versöhnung gesprochen.

Ansonsten gilt Harmonie: Der antiochenische Zwischenfall führte nicht zu einem dauerhaften Zerwürfnis zwischen Petrus und Paulus. Das las man auch beim Katholiken Gnilka so. Ungemein anregend für die Phantasie der Leser: In Korinth hätten sich "Vergnügungssucht und lockerer Lebenswandel" ausgebreitet. Paulus drückt sich da nicht so diplomatisch aus, aber das ist dann wieder eine Temperamentsfrage.

Eduard Lohse: "Paulus". Eine Biographie. C. H. Beck Verlag, München 1996. 334 S., Karte, geb., 58,- DM.

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