Geschichte der Astrologie - Stuckrad, Kocku von
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Dieses glänzend geschriebene Buch beschreibt den langen Weg der Astrologie von den ersten Anfängen sternkundlichen Nachdenkens im Alten Orient bis zur psychologischen Astrologie der Gegenwart. Es stellt die Grundlagen der Horoskoperstellung dar, geht den Ursprüngen der Sternbilder nach und erklärt die Rolle der Astrologie in unterschiedlichen philosophischen Systemen, in den großen Religionen sowie in Politik und Alltag. Ein "Muß" für alle, die sich für die Geheimnisse der Sterndeutung interessieren.…mehr

Produktbeschreibung
Dieses glänzend geschriebene Buch beschreibt den langen Weg der Astrologie von den ersten Anfängen sternkundlichen Nachdenkens im Alten Orient bis zur psychologischen Astrologie der Gegenwart. Es stellt die Grundlagen der Horoskoperstellung dar, geht den Ursprüngen der Sternbilder nach und erklärt die Rolle der Astrologie in unterschiedlichen philosophischen Systemen, in den großen Religionen sowie in Politik und Alltag. Ein "Muß" für alle, die sich für die Geheimnisse der Sterndeutung interessieren.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1752
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 412
  • Erscheinungstermin: 15. Februar 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 126mm x 29mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783406547775
  • ISBN-10: 340654777X
  • Artikelnr.: 20934545
Autorenporträt
Kocku von Stuckrad, geboren 1966, lehrt am Institut für die Geschichte der hermetischen Philosophie an der Universität von Amsterdam und war zuvor Professor für Religionswissenschaft an der Universität Bayreuth. Buchveröffentlichung über die Einführung in die Religionswissenschaft.
Rezensionen
Besprechung von 26.08.2003
Vielleicht ist ja doch was dran
Wer heilt, hat recht: Kocku von Stuckrad schaut in den Murmeltierschmalztopf und befreit die Astrologie vom Verdacht des Humbugs

Wir Zwillinge glauben nicht an Astrologie. Das hat schon der Logiker und Philosoph Raymond Smullyan zu unserer Verteidigung vorgebracht. Aber bekanntlich stimmen Horoskope auch, wenn man nicht daran glaubt. Wenn ein Autor seine ehrliche Meinung über die Astrologie oder Teilaspekte davon unverblümt sagt, egal ob pro oder contra, hat er schon die Hälfte seiner potentiellen Leser verloren. Kocku von Stuckrad macht diesen Fehler in seiner "Geschichte der Astrologie" nicht. Er faßt das Thema mit Samthandschuhen an. Dieses Buch kann man jedem verkaufen, der sich für das Thema interessiert. Man kann es neben Martin Gardner oder neben Thorwald Dethlefsen ins Regal stellen, ohne rot zu werden, es paßt zu beiden.

Ein aussagekräftigerer Titel für das Buch wäre "Geschichte der westlichen Astrologie". Es geht nur um unsere vertraute Astrologie, die mit dem Tierkreis, dem Aszendenten, den Häusern, den Aspekten et cetera und um ihre Vorläufer. Vieles verliert sich natürlich im Nebel der Vergangenheit, wenn man nur weit genug zurückgeht. Was sich in Stonehenge wirklich abgespielt hat, werden wir wohl nie erfahren, aber es gehört wohl doch noch in diesen Zusammenhang. Systeme wie die Astrologie der Maya oder der Inder hingegen werden ausdrücklich nicht betrachtet.

Es gibt verschiedene Gründe, warum man vielleicht mehr über die Geschichte der Astrologie wissen will. Erstens kann man ja einfach zu den Gläubigen gehören. Oder man hat zumindest einen bohrenden Verdacht, daß vielleicht doch etwas an den Horoskopen dran ist. Zweitens kann man Astrologie für unfreiwillig komisch halten. Wer das Ministry of Silly Walks von Monty Python liebt, findet es vielleicht auch faszinierend, daß der Neptun beschuldigt wird, wenn der Opel ein Problem mit der Zylinderkopfdichtung hat. Drittens studiert man vielleicht gerne die Dummheit seiner Mitmenschen, die an Murmeltierschmalz, geriebenes Rhinozeros-Horn oder Voodoo-Puppen glauben und dafür gewissenlosen Scharlatanen bereitwillig gutes Geld geben. Viertens kann man den gleichen Sachverhalt ja auch positiver sehen. Astrologie mag ein Placebo sein, aber ein Placebo kann durchaus auch heilen. Wer heilt, hat recht. Wenn man gerade miterlebt hat, wie Schulmediziner eine alte Dame mit Rohypnol zum Junkie gemacht haben, dann wünscht man sich, daß sie statt dessen zum Heilpraktiker mit seinen zwölf Sorten Kräutertee gegangen wäre. Fünftens gab es ja durchaus eine kontinuierliche Entwicklung von der "Wissenschaft" Astrologie zur Wissenschaft Astronomie. Man darf sich nicht wundern, daß unsere Vorfahren vor ein paar tausend Jahren von der Sonne, dem Mond und den Planeten völlig verwirrt wurden. Warum diese Himmelskörper sich auf ihren seltsamen Bahnen bewegen, dafür haben Kopernikus, Kepler und Newton schließlich eine relativ einfache Erklärung gefunden, aber es war eine gewaltige kollektive Leistung, so weit zu kommen. Auch die Chemie, die Medizin und die Biologie haben völlig analog mit einem großen Anteil von Hokuspokus angefangen und sind heute mehr oder weniger respektabel.

Alle diese Möglichkeiten, wie man die Astrologie sehen kann, werden von dem Buch ein Stück weit unterstützt. Kocku von Stuckrad schildert Fakten, aber es bleibt uns überlassen, was wir damit anfangen. Lobenswert ist, daß er die Dinge nicht aus unserer heutigen Sicht beschreibt. Man kann von einem Babylonier schließlich nicht erwarten, daß er Karl Popper gelesen und verstanden hat. Aber vielleicht ist der Autor doch manchmal auf sehr selektive Art zu tolerant. Er bemüht sich immer um Verständnis für die Astrologen, zumindest, wenn sie "anspruchsvolle" Astrologie betreiben.

Ihre Gegner hingegen werden eher etwas zu negativ dargestellt. Ein Beispiel: "Wirft man einen Blick auf die juristischen Sprachspiele des vierten Jahrhunderts, so zeigt sich eine Tendenz, völlig verschiedene Disziplinen und religiöse Traditionen in einen Topf zu werfen und alle zusammen als Irrlehren zu verdammen." Das mag ja völlig den Tatsachen entsprechen, aber dieses "in einen Topf werfen" klingt auf subtile Art vorwurfsvoll. Zugegeben, es war nicht gerade eine Sternstunde der Zivilisation, daß man damals alle Astrologen zum Tode verurteilt hat, aber zumindest hat man ausnahmsweise einmal Humbug mit einer gewissen Trefferquote als Humbug erkannt. In den Topf hätte vermutlich noch viel mehr gehört. Einer Geschichte der Astrologie würde es nichts schaden, wenn sie sich genauso liebevoll auch mit der Anti-Astrologie beschäftigte, dann könnte man das Thema besser einordnen.

Aber jetzt Schluß mit der Kritik. Das Buch ist gut zu lesen und enthält viel interessantes Material. Im Grunde beschreibt es die Entstehung unserer Kultur von den Anfängen in Mesopotamien bis heute einmal mehr, nur aus einer besonderen Perspektive. Als Laie - und an die richtet sich das Werk erklärtermaßen auch - lernt man viel Neues. Wir denken bei der Astrologie natürlich in erster Linie an ein Geburtshoroskop einer Einzelperson. Damit verdienen Astrologen heute wohl den Löwenanteil ihres Einkommens. Daß das Individuum bei uns - auch in anderen Zusammenhängen - so im Vordergrund steht, ist aber Ergebnis einer Entwicklung, die erst in der Renaissance begonnen hat. Astrologie war früher in größerem Maße auch Mundanastrologie, die sich mit allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder medizinischen Entwicklungen befaßte. Das Horoskop eines Königs zum Beispiel machte letzten Endes weniger Aussagen über diesen selbst als über die künftigen Geschicke seines Landes.

Besonders interessant sind für uns natürlich Informationen oder Anekdoten, die uns im Gymnasium oder in der Konfirmandenstunde vorenthalten wurden. Wenn Hammurabi an Astrologie glaubt, dann reagieren wir darauf mit einem Schulterzucken. Aber wenn wir lesen, daß Luther sein Geburtsjahr erst mit 1483, später jedoch mit 1484 angab, weil letzteres sein Horoskop beeindruckender machte, dann raubt uns das doch einige Illusionen. Überhaupt haben Vertreter aller großen christlichen Kirchen zeitweilig die Sterndeuterei wesentlich in ihr Glaubenssystem einbezogen. Man war der Meinung, daß Gott künftige Ereignisse mit spektakulären Himmelserscheinungen ankündigte. Der Stern von Bethlehem legte diese Sichtweise ja auch nahe.

Viele Wissenschaftler, die auch nach heutigem Verständnis Unbestreitbares geleistet haben, zum Beispiel Kepler, Galilei, Newton, konnten ihre naturwissenschaftlichen und ihre esoterischen Interessen gut miteinander vereinbaren. Der Nobelpreisträger Wolfgang Pauli ("Pauli-Prinzip" der Quantentheorie) arbeitete eng mit dem Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung zusammen, der auch die Astrologie in sein Gedankengebäude eingebaut hatte. Überhaupt ist die "seriöse" Astrologie inzwischen eher psychologisch ausgerichtet. Es werden weniger konkrete Vorhersagen gemacht, vielmehr erarbeiten der Astrologe und sein Klient gemeinsam ein Bild von der Persönlichkeit des letzteren. Dieses Verfahren entzieht sich weitgehend einer wissenschaftlichen Überprüfung, aber wenn es der Wahrheitsfindung dient, soll es uns recht sein.

Das Buch enthält auch eine "allgemeinverständliche" (Schutzumschlag), aber viel zu kurze Einführung in die Grundlagen der Horoskoperstellung, eine Zeittafel, ein Glossar und eine Liste der üblichen astrologischen Symbole. Als Beispiel eines Geburtshoroskops wird das des Widders und Außenministers Joschka Fischer abgedruckt, aber leider nicht weiter erläutert. Aus aktuellem Anlaß würde uns hier natürlich brennend die Bedeutung des Chiron im siebten Haus (Partnerschaft und Ehe) interessieren. Der verletzliche Kentaur symbolisiert doch eigentlich, daß der edle Geist des Menschen (oben) den ungestümen Trieb des Pferdes (unten) überwunden hat. Kürzlich hieß es übrigens in einer Zeitung, daß Joschka Fischer den Neptun im siebten Haus hat. Die Zeitung zieht daraus brillante Schlüsse. Laut von Stuckrad und anderen Quellen (zum Beispiel www.horoskopeparadies.de/horoskop/fisjop.htm) ist es aber das sechste Haus. Auch die besten Astrologen sind nicht immer gegen Irrtümer gefeit.

ERNST HORST

Kocku von Stuckrad: "Geschichte der Astrologie". Von den Anfängen bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag, München 2003. 413 S., 11 Abb., 1 Karte, geb., 24,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Obwohl der Name "Geschichte der westlichen Astrologie" treffender wäre, findet der Rezensent Ernst Horst, dass das an Laien gerichtete Buch gut zu lesen ist und "viel interessantes Material" enthält. Er lobt, dass die Vorstellung eines Laien von der Astrologie, die sich in der Regel auf das Geburtshoroskop einer Einzelperson beschränkt, durch eine andere Perspektive auf die Entstehung unserer Kultur erweitert wird. Dabei stößt der Rezensent auf für ihn viel Unbekanntes und Desillusionierendes. Dennoch kommt ihm für ein geschlossenes Bild die Geschichte der "Anti-Astrologie" zu kurz. Außerdem bemängelt er die "viel zu kurze" Einführung in die Grundlagen der Horoskoperstellung, wie zum Beispiel. das sehr knapp erläuterte Geburtshoroskop von Joschka Fischer, was die Neugierde des Rezensenten nicht erschöpfend befriedigt. In jedem Fall resümiert Rezensent Horst, dass man dieses Buch, "ohne rot zu werden", ins Regal stellen kann, weil der Autor "das Thema mit Samthandschuhen anfasst". Und schließlich: "Vielleicht ist ja doch was dran".

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