24,00 €
inkl. MwSt.
Versandkostenfrei*
Sofort lieferbar
payback
0 °P sammeln
  • Gebundenes Buch

Der Gesang der Bäume, ihr lebendiges Gedächtnis, erzählt von einer Lebensgemeinschaft, einem Beziehungsnetzwerk. Als Menschen sind wir Teil der Gemeinschaft und der Erzählung.David G. Haskell hat ein Dutzend Bäume in verschiedenen Weltgegenden und ihre Verbindungen mit Pilzen, Bakterien, Tieren und anderen Pflanzen erforscht. Ein Kapokbaum im Amazonasgebiet macht das reiche Ökosystem in einem tropischen Urwald, aber auch die Gefahren, die von nahe gelegenen Ölfeldern ausgehen, sichtbar. Tausende von Kilometern davon entfernt, in Kanada, überleben die Wurzeln einer Balsamtanne in kargem Boden…mehr

Produktbeschreibung
Der Gesang der Bäume, ihr lebendiges Gedächtnis, erzählt von einer Lebensgemeinschaft, einem Beziehungsnetzwerk. Als Menschen sind wir Teil der Gemeinschaft und der Erzählung.David G. Haskell hat ein Dutzend Bäume in verschiedenen Weltgegenden und ihre Verbindungen mit Pilzen, Bakterien, Tieren und anderen Pflanzen erforscht. Ein Kapokbaum im Amazonasgebiet macht das reiche Ökosystem in einem tropischen Urwald, aber auch die Gefahren, die von nahe gelegenen Ölfeldern ausgehen, sichtbar. Tausende von Kilometern davon entfernt, in Kanada, überleben die Wurzeln einer Balsamtanne in kargem Boden nur in Partnerschaft mit Pilzen. An fossiler Holzkohle, die von Eiszeitmenschen hinterlassen wurde, und versteinerten Redwoods in den Rocky Mountains zeigt Haskell, wie sich das Klima durch das Netzwerk der Bäume, der Bodenorganismen und der Atmosphäre entwickelt hat. Haskell erforscht aber auch Bäume in von Menschen dominierten Räumen - einen Pfirsichbaum in Manhattan, einen Olivenbaum in Jerusalem, einen Bonsai in Japan - und macht klar, dass kein Geschöpf ohne die wilden biologischen Verflechtungen leben kann. Diese vernetzte Sicht auf das Leben bereichert unser Verständnis von Biologie, menschlicher Natur und Ethik. Wenn wir Bäumen, den großen Netzwerkern der Natur, zuhören, lernen wir, wie wir Beziehungen leben können, die dem Leben Substanz und Schönheit verleihen.
Autorenporträt
David G. Haskell lehrt als Professor für Biologie an der University of the South und lebt in Sewanee, Tennessee. Neben wissenschaftlichen Arbeiten hat er Essays und Gedichte veröffentlicht. Für Das verborgene Leben des Waldes erhielt er 2013 den Best Book Award der National Academies und war Finalist beim Pulitzerpreis.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 30.01.2018

Hört doch die Stimmen der Bäume

Geduldige Netzwerker: Der Biologe David G. Haskell reist um die Welt, um den Lebensgeschichten von außergewöhnlichen Bäumen zu folgen.

Viele Biologen dürften sich überrascht die Augen reiben, wenn sie die Titel oder Untertitel einer Reihe von neuen, manchmal ungemein erfolgreichen Büchern sehen: "Netzwerke" sind ohnehin in Mode, aber sie sollen auch noch "verborgen" oder, wie im vorliegenden Buch, "geheim" sein. Dabei ist der ökologische Diskurs in Deutschland schon mindestens vierzig Jahre alt, und es gibt wohl kaum ein prominenteres Motiv in ihm als die Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit aller Lebensformen. Viele Biologen widmen der Aufgabe, solche Netzwerke aufzudröseln und zu quantifizieren, ihre gesamte Karriere, aber auch jeder Hobbygärtner dürfte sich dessen bewusst sein, dass Pflanzen, Boden und Tiere in einem komplexen Wechselspiel verbunden sind.

David Haskell nimmt in seinem ungewöhnlichen Buch Themen auf, die die Biologie seit dem späten achtzehnten Jahrhundert begleiten. Wissenschaftshistoriker debattieren seit Jahrzehnten darüber, ob Darwin sich für seine Theorie von der romantischen Naturphilosophie inspirieren ließ. Wie auch immer die Antwort darauf genauer ausfällt: Es ist kaum zu leugnen, dass in vielen Arbeiten Darwins ästhetische Erfahrung eine wichtige Rolle spielt. Am Ende seines Tagebuches der Reise auf der "Beagle" fasst Darwin seine Erfahrungen in ästhetische Begriffe. Für Darwin sind ästhetisches Urteilsvermögen, die Empfänglichkeit für das Sinnliche und Erhabene der Natur eine Voraussetzung wissenschaftlichen Beobachtens; und grundlegend sind auch die Verflechtungen, die Organismen untereinander eingehen, für seine Theorie.

Bei David Haskell kommt noch die akustische Erfahrung der Natur dazu. Für sein Buch besuchte Haskell über mehrere Jahre hinweg ein Dutzend außergewöhnlicher Bäume zu verschiedenen Jahreszeiten und unter verschiedenen Bedingungen. Jeder dieser Bäume - vom gigantischen Kapokbaum im Regenwald Ecuadors bis zur heimischen Hasel und einem Birnbaum im Zentrum New Yorks - steht im Mittelpunkt eines Kapitels, jeder Baum hat sein eigenes "Lied" und seine eigene Lebensgeschichte.

Vogelkundler sind gewöhnt, die Welt akustisch zu erleben. Für Pflanzen ist Haskells Herangehensweise neu, und er zeigt überzeugend, dass diese besondere Aufmerksamkeit sich lohnt. Gleichzeitig sind Bäume für Haskell auch Repräsentanten für die Vernetzung allen Lebens. In jedem Kapitel rekonstruiert er Schritt für Schritt die Netze, in denen die Bäume oft als große Verbindungsknoten fungieren.

Ein wesentliches Motiv der romantischen Naturforscher des achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts war es, dem Verhältnis zwischen der natürlichen Außenwelt und dem Innenleben des Subjekts nachzugehen. Für einen zeitgenössischen Wissenschaftler wie David Haskell spielt das keine Rolle mehr. Mit allen Sinnen die Natur und ihre Vernetzung zu erfahren, ist für ihn zu allererst ein Weg, Schranken zwischen Menschen und der übrigen Lebensgemeinschaft niederzureißen und auf diese Weise eine nachhaltige ökologische Ethik zu etablieren.

Wie immer man zu diesem Versuch stehen mag, dem Autor gelingt es jedenfalls, den Leser neugierig zu machen. Manchmal klingt das zwar zu sehr nach New-Age-Befindlichkeiten, aber Haskell verlässt doch nie den Boden der empirischen Forschung. Er macht aus den natürlichen Netzwerken nicht etwa grenzenlose Harmonie, sondern betrachtet sie, wie es sich für einen Biologen gehört: als evolutionäre Ergebnisse eines Wechselspiels von Konkurrenz und Kooperation.

THOMAS WEBER

David G. Haskell: "Der Gesang der Bäume". Die verborgenen Netzwerke der Natur.

Aus dem Englischen von Christine Amman. Verlag Antje Kunstmann, München 2017.

320 S., geb., 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr