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Benutzername: Bella von www.bellaswonderworld.de
Wohnort: Karlsruhe
Über mich: Ich bin 30 Jahre alt und mein größtes Hobby ist das Lesen. Ich verschlinge alle möglichen Titel querbeet durch die verschiedensten Genres. Meine Leseleidenschaft teile ich mit anderen Lesebegeisterten auf meinem Blog www.bellaswonderworld.de
Danksagungen: 361 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 757 Bewertungen
Bewertung vom 16.11.2018
Der Blumensammler
Whitehouse, David

Der Blumensammler


sehr gut

Beschreibung

Peter Manyweathers führt ein zurückgezogenes Leben in New York und geht in seiner Arbeit als Putzkraft für besonders schwere Fälle vollkommen auf. Eines Tages entdeckt er bei der Arbeit eine hübsche Blume, um mehr über sie zu erfahren beginnt er in einer Bibliothek zu recherchieren, wobei ihm ein alter Liebesbrief mit Notizen über äußerst seltene Blumen in die Hände fällt. Seine Neugier ist geweckt und als er mit dem Dänen Hens Berg einen Gleichgesinnten findet, begibt er sich auf abenteuerliche Reisen um die seltenen Pflanzen zu suchen.

Viele Jahre später wird der junge Mann Dove von seltsamen Visionen geplagt, die mit starken Kopfschmerzen einhergehen und die Erinnerungen eines anderen Mannes offenbaren. Als Dove bei seiner Arbeit in der Notrufzentrale von einem alten Herren erfährt, der mit niemanden spricht und fast den ganzen Tag nur die Blumen vor dem Pflegeheim anstarrt, stattet er diesem einen Besuch ab. Dove wird immer stärker in die Erinnerungen von Peter Manyweathers gesogen und wandelt nun auf den Pfaden des Blumensammlers.

Meine Meinung

“Der Blumensammler” ist mein erster Roman von David Whitehouse und ich muss sagen, dass mich die ersten Seiten recht verwunderten. Wollte dieses erste Tiefseekapitel in dem Professor Cole bei einer Expedition fast ertrunken wäre, der dann aber mit dem Leben und der erfolgreichen Bergung eines Flugzeugschreibers davon kommt, überhaupt keine Richtung zu einem Blumensammler erkennen lassen.

Meine Neugier war also entfacht! Wie würde David Whitehouse diesen gewagten Bogen spannen? In den kommenden Kapiteln präsentiert der Autor häppchenweise die einzelnen Puzzlestücke aus dem Leben des Blumensammlers Peter Manyweathers, aus dem Leben des jungen Dove und ein paar Einzelheiten über den bereits erwähnten Professor, bis sich zum Schluss die einzelnen Teilchen zueinander finden und sich die ganze Farbenpracht und Schönheit des Puzzles offenbart. Dabei bewegt sich Whitehouse auf unterschiedlichen Zeitebenen, in einem Handlungsstrang begleitet der Leser Peter Manyweathers in den 80er Jahren und in einem anderen Strang scheint sich Dove in der Gegenwart zu befinden. Bei dem letzten und am wenigsten bedachten Teil der Geschichte konnte ich die Ebene zeitlich nicht so richtig einordnen, aber ich denke die Geschichte von Professor Cole ist auch in der Gegenwart festzulegen.

"Das machen wir Menschen immer mit Dingen, die wir nicht ansatzweise begreifen können. Wir verleihen ihnen einen Zauber, und dadurch werden sie dann selbst zur Magie." (Der Blumensammler, Seite 164)

Für mich kam der Roman einer Schnitzeljagd gleich, die Zusammenhänge lassen sich erst langsam zusammensetzten und deshalb benötigte ich auch etwas Zeit um in die Geschichte richtig eintauchen zu können. David Whitehouse hat mich mit seiner Erzählkunst und seiner bildhaften Schreibweise, die sich vor allem durch tolle Metaphern hervorhebt, förmlich an seinen Lippen kleben lassen.

“Der Blumensammler” hat mich wirklich überrascht, denn ich hätte niemals mit einer solch eigenartigen und kuriosen Geschichte gerechnet. Von der Leidenschaft zu Blumen über die Freundschaft hin zu einer tiefen Liebe, über Verlust und die Suche nach der eigenen Herkunft, haftet dem Roman bis fast zuletzt kein Kitschhaftigkeit an. Die Auflösung zu dem am Anfang gefundenen Liebesbrief empfand ich dann allerdings doch als etwas zuviel des Guten.

"Wenn man eine Milliarden Jahre alte Vergangenheit zwischen den Zehen spürt, dann ist das eine sehr passende Erinnerung daran, wie flüchtig und unbedeutend das Leben doch letztendlich ist. Vielleicht kann ja die Erkenntnis, dass wir nichts als Sandkörner am Strand der Geschichte sind, unsere Trauer um das Ende des Lebens ein wenig lindern." (Der Blumensammler, Seite 338)

Fazit

Eine außergewöhnliche Geschichte über drei Männer und die Kuriosität des Schicksals.

Bewertung vom 16.11.2018
Miss Gladys und ihr Astronaut
Barnett, David M.

Miss Gladys und ihr Astronaut


ausgezeichnet

Beschreibung

Thomas Major hat die Nase von den Menschen gestrichen voll, da passt es ihm ganz gut, dass er die Chance bekommt, mit einem One-Way-Ticket auf den Mars zu fliegen. Auf dem Weg dorthin ruft der Astronaut bei seiner Ex-Frau an. Die Nummer ist mittlerweile allerdings neu vergeben und so lernt er Miss Gladys kennen. Die ältere Dame kämpft mit den Problemen der Altersdemenz, doch ihre Enkel Ellie und James haben noch weitaus größere Sorgen. Während ihr Vater eine Haftstrafe im Gefängnis verbüßt, droht der Verlust ihres Zuhauses. Der Astronaut arbeitet an einen Plan um der Familie Ormerod aus ihrer Notsituation heraus zu helfen.

Meine Meinung

David M. Barnett hat in seinem ersten Roman “Miss Gladys und ihr Astronaut” eine Geschichte erschaffen, die zum mitfiebern und träumen einlädt. Das in den Farben schwarz und violett bzw. magenta gehaltene Buchcover zeigt eine altmodische Teetasse in der ein Astronaut ein Fähnchen hisst. In meinen Augen passt die Abbildung sehr gut zum Roman, da die Story voller Fantasie steckt und von eine guten Portion Kuriosität gekrönt wird.

Beeindruckt haben mich die facettenreichen Charaktere, die der Autor mit feinen Pinselstrichen gezeichnet und zum Leben erweckt hat. Da wäre z. B. der mürrische und misanthropisch gesinnte Einsiedler Thomas Major, der seinem Leben und vor allen Dingen der Menschheit entfliehen möchte. Mit seiner Reise zum Mars ist er auf gutem Weg den Menschen endgültig den Rücken zu kehren, lediglich seine geliebte Musik begleitet ihn. Im Gegensatz dazu stehen die Ormerods, bei ihnen wird Zusammenhalt und Familie groß geschrieben.

Durch einen Zufall gerät Thomas Major auf dem Weg zum Mars mit der über 70-jährigen Miss Gladys in Kontakt, die sich verlaufen hat und auf deren Gedächtnis einfach kein Verlass mehr ist. Durch die Hilfe des Astronauten findet Gladys jedoch den Weg nach Hause, in dem sie bereits ihre fünfzehnjährige Enkelin Ellie und ihr jüngerer Bruder James erwarten. Die Familie steckt in einer schwierigen Situation, denn die beiden Kinder haben nur noch Gladys, die sich aufgrund ihrer schlimmer werdenden Altersdemenz nicht mehr richtig um sie kümmern kann. Somit übernimmt Ellie neben der Schule einige Jobs um die Familie über Wasser zu halten. Doch schon bald drohen Ellies Schultern unter der zentnerschweren Last der Verantwortung für ihren kleineren Bruder und Gladys nachzugeben.

Obwohl die Grundstimmung des Romans durch die einschneidenden Probleme der Familie Ormerod niedergedrückt wird, schafft es David M. Barnett das Ganze durch eine Prise schwarzen Humor und eine Messerspitze Sarkasmus aufzulockern. Das Ergebnis ist ein fabelhafter Roman über Menschlichkeit, Freundschaft und familiärer Zusammenhalt.

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman mit der perfekten Mischung aus Humor und Tiefsinn.

Bewertung vom 12.11.2018
Die Burgen des Chaos / Die Chroniken von Amber Bd.5
Zelazny, Roger

Die Burgen des Chaos / Die Chroniken von Amber Bd.5


sehr gut

Beschreibung

Nachdem Corwins Vater Oberon sein Versteckspiel beendet hat, eröffnet sich die brenzlige Lage um das Königreich Amber zum ersten Mal in Gänze. Die Geschwister schließen sich im Kampf gegen Brand mit ihrem Vater zusammen und Corwin erhält den wohl schwierigsten Auftrag. Während Oberon versucht das Urmuster zu retten, begibt sich Corwin auf die Reise zu den Burgen des Chaos. Die Lage wird immer aussichtsloser und so sieht sich Corwin gezwungen ein neues Muster zu erschaffen, welches, so hofft er, im Notfall die Sicherheit Ambers garantiert.
Meine Meinung

“Die Burgen des Chaos” ist mit 222 Seiten der kürzeste und sogleich der finale Band der High-Fantasy Reihe “Die Chroniken von Amber” von Roger Zelazny. Auch hier ist wieder einer der Prinzen von Amber auf dem Cover abgebildet und der Buchschnitt hat eine tolle violette Farbe. Die Romane stellen durch ihre hübsche Gestaltung und die verschiedenfarbigen Buchschnitte vor allem nebeneinander im Regal eine wahre Augenweide dar.

Die Geschichte nimmt in diesem Abschlussband schnell an Fahrt auf und führt auf unerwartete Pfade. Besonders gut gefallen hat mir an diesem Band, dass die Seitenverhältnisse in einem geklärten Licht erscheinen und man sich somit voll und ganz auf die Reise mit Corwin einlassen kann. Zusätzlich zu den kaleidoskopartigen Höllenritten lenkt Zelazny das Augenmerk auf Corwins Weg zu sich selbst. Auf der Reise zu den Burgen des Chaos begegnet er dem Baum Yggdrasil, der ihm einen Ast als Wanderstock leiht, dem Vogel Hugi mit dem er philosophische Fragen diskutiert und er gerät in die Fänge von trinkfesten Zwergen die ihn von seinem Weg abbringen wollen. Zu guter Letzt möchte ihn auch noch ein Schakal in die Irre locken, doch Corwins Charakter hat sich auf eine wunderbare Weise weiterentwickelt, so dass er guten Gewissen allen Prüfungen gegenübertreten kann.

Die Ereignisse um Corwins Reise stecken voller Mystik und konnten mich so sehr an die Seiten fesseln, dass ich gar nicht bemerkte wie schnell der alles entscheidenden Showdown nahte. Bei den Burgen des Chaos entscheidet sich schließlich die Schlacht um Amber, wobei es eigentlich gar keine richtige Kampfszenen gibt. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt – zu gerne hätte ich eine epische Abschlussschlacht gelesen! Zelazny hingegen lässt seine Chroniken in etwas sanfteren Fahrwasser ausgleiten.

Fazit

Ein überraschend tiefsinniger Abschlussband der mit packender Mystik besticht.

Bewertung vom 12.11.2018
Die Hand Oberons / Die Chroniken von Amber Bd.4
Zelazny, Roger

Die Hand Oberons / Die Chroniken von Amber Bd.4


sehr gut

Beschreibung

Als Corwin mit seinem verbündeten Bruder Random und seinem Gefolgsmann Galenon einen Weg sucht um das Unheil der schwarzen Straße zu beenden, finden sie eine bisher unbekannte Karte auf einer Kopie des »Musters«. An genau dieser Stelle weist das »Muster« durch vergossenes Blut eine Beschädigung auf, was den Eindruck nahe legt, dass der junge Mann auf der Karte, Randoms Sohn Martin, in Schwierigkeiten steckt.

Während sich Random auf die Suche nach seinem Sohn begibt, kommt Corwin den verworrenen Machenschaften seines Bruders Brand auf die Schliche. Dieser setzt alles daran, das Muster völlig zu zerstören und damit der Existenz von Amber ein Ende zu bereiten. Diesen Plan will Corwin um jeden Preis durchkreuzen.
Meine Meinung

“Die Hand Oberons” ist der vierte Band aus Roger Zelazny’s High Fantasy Reihe “Die Chroniken von Amber” und eignet sich auch als Einstiegspunkt für neue Leser, denn der Autor webt zu Beginn einen zusammengerafften Rückblick über die Ereignisse aus den ersten drei Bänden mit ein. Für einen besseren Überblick bezüglich der Charaktere und deren Beziehungen zueinander würde ich allerdings empfehlen alle Bände zu lesen.

In diesem Band der Chroniken von Amber stellt Roger Zelazny die Weichen für das nahende Finale. Während sich die Verstrickungen von Allianzen und Zielen der unterschiedlichen Parteien zu entwirren beginnen, macht Corwin als Hauptprotagonist noch einen Schritt in seiner Entwicklung durch und wird mir dabei noch ein Stückchen symphatischer. Der einstweilige Gedächtnisverlust ist längst Geschichte und auch Corwins Drang auf die Besteigung des Throns hat sich nach Erics Tod und die damit einhergehende Auflösung des Bruderzwistes relativiert.

Gemeinsam mit seinen Verbündeten setzt Corwin seine ganze Kraft in die Vereitelung des Planes der gegnerischen Partei, die das Muster vollkommen zerstören will. Besonders spannend fand ich die Irrungen und Wirrungen die sich bezüglich der unterschiedlichen verbündeten Parteien ergeben. Hier hatte Zelazny einige Fallstricke ausgelegt und so einiges erscheint nach Lektüre dieses Bandes in einem ganz anderen Licht.

In “Die Hand Oberons” hat Zelazny wieder sein gutes Händchen für bildhafte Fantasy gepaart mit spannungsreichen Verstrickungen und Verwirrungen bewiesen. Vor allem die imposanten Handlungsorte und die fast schon psychedelisch anmutenden “Höllenritte” haben bei mir einen großen Eindruck hinterlassen. Lediglich die Zusammenfassung der ersten drei Bände sind für Leserinnen und Leser, die die Reihe am Stück lesen, nicht unbedingt erforderlich und ziehen somit die Handlung etwas in die Länge.

Fazit

Eine fesselnde und fein gezeichnete Einleitung in das Finale der Chroniken von Amber.

Bewertung vom 05.11.2018
Jane Austen - Jagd auf das verschollene Manuskript
Flynn, Kathleen

Jane Austen - Jagd auf das verschollene Manuskript


sehr gut

Beschreibung

Rachel und Liam wurden für ein ganz spezielles Projekt ausgewählt: das Jane Austen Projekt. Durch fortschrittliche Technologie reisen der Schauspieler und die Ärztin nach London in das Jahr 1815 zurück. Ziel ihrer Mission ist es, sich über Henry Austen seiner berühmten Schwester und Schriftstellerin Jane anzunähern um das verschollene Manuskript “Die Watsons” sowie Janes Briefe an ihre Schwester Cassandra zu retten.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in der Regency-Zeit finden Rachel und Liam tatsächlich Zugang zur Familie Austen. Als ihre Freundschaft zu Henry, Jane und Cassandra sich zu vertiefen beginnt, gerät die Mission jedoch in Gefahr.

Meine Meinung

Bereits das florale Cover von Kathleen Flynns Debütroman “Jane Austen – Jagd auf das verschollene Manuskript” konnte bei mir punkten. Die Kurzbeschreibung hatte mein Interesse dann völlig geweckt. Zeitreisen und Jane Austen – das musste ich einfach lesen! Schließlich schlägt mein Herz für Jane Austens wundervolle Romane und ihre spitze Zunge schon seit Jahren, und die Kreuzung mit einem Zeitreiseabenteuer klingt mehr als verlockend.

Kathleen Flynns Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen, so dass ich keine Probleme hatte in die von ihr erschaffene Welt einzutauchen. Die Hauptprotagonisten Rachel und Liam stammen aus einer Zukunft, in der es den Menschen möglich ist durch die Zeit zu reisen. Durch diese tolle Errungenschaft erschließen sich der Menschheit unzählige Möglichkeiten, und so entstand das Jane Austen Projekt. Unter vielen Bewerbern wurde der Schauspieler Liam und die Ärztin Rachel auserkoren in das Jahr 1815 zu reisen um die Familie Austen zu infiltrieren und die Chance zu nutzen, das verschwundene Manuskript “Die Watsons” zu retten. Nachdem die Zukunft aus der Liam und Rachel stammen kurz umrissen wurde geht das Regency-Abenteuer auch gleich los.

Mit viel Liebe zum Detail lässt Kathleen Flynn die Epoche zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebendig werden und fängt dabei die Atmosphäre in den unterschiedlichsten Situationen ein. Teegesellschaften, Einladungen zum Dinner oder Bewerbungsgespräche mit Hausbediensteten werden genauso fein gezeichnet wie die Persönlichkeiten die in diesen Szenarien wandeln. Die Geschichte wird aus Rachels Sichtweise erzählt, wodurch man einen guten Einblick bekommt, wie sich die Rolle der Frau in den letzten Jahrhunderten verändert hat. Kaum zu glauben wie mühsam es Frauen in so manchen Belangen hatten und wie gut es doch ist, als Frau im 21. Jahrhundert leben zu dürfen.

Besonders aufgeregt habe ich der Begegnung mit Kathleen Flynn’s Jane Austen entgegengefiebert. Zugegebenermaßen hatte ich etwas Angst davor, mir könnte die von der Autorin entworfene Jane nicht zusagen. Doch als es dann soweit war, und die Zeitreisenden tatsächlich der berühmten Autorin begegneten, lösten sich meine Vorbehalte in kürzester Zeit in Wohlgefallen auf.

Der Buchtitel verspricht eigentlich eine Jagd, doch wer darauf hofft wird enttäuscht werden. Passend zur beschaulichen Regency-Zeit schreitet der Handlungsverlauf eher gemächlich als nervenaufreibend spannend dahin. In meinen Augen passt der englische Originaltitel “The Jane Austen Project” um einiges besser zum Inhalt. Ich selbst habe den an Austen angelehnten Stil jedoch sehr genossen und das hat die fehlende “Jagd” auch sogleich wieder wett gemacht.

Der größere Teil des Romans spielt sich in der Regency-Zeit ab und wurde wirklich wunderbar von der Autorin ausgearbeitet. Die Details über Rachel und Liams Herkunftszeit bleiben jedoch recht schwammig und so fühlte ich mich in den abschließenden Kapiteln nicht mehr so recht zu Hause. Die beiden Zeitreisenden kehren nämlich von ihrer Mission in eine Welt zurück, deren Beständigkeit und Funktionsweise sich mir nicht erschloss. Aufgrund dieses fraglichen Romanendes ziehe ich einen Punkt in meiner Bewertung ab und vergebe 4 von 5 Grinsekatzen.

Fazit

Ein vergnüglicher wie auch kreativer Zeitreiseroman.

Bewertung vom 05.11.2018
Clockwork Princess / Chroniken der Schattenjäger Bd.3
Clare, Cassandra

Clockwork Princess / Chroniken der Schattenjäger Bd.3


sehr gut

Beschreibung

Bald sollen die Hochzeitsglocken für Tessa Gray läuten. Anstatt die Vorfreude auf dieses Ereignis genießen zu können, werden die Londoner Schattenjäger jedoch von Mortmains riesiger Armee aus Klockwerk-Kreaturen auf Trab gehalten. Die Schattenjägergemeinschaft ist sich über die Führungsqualitäten von Charlotte Branwall als Leiterin des Londoner Instituts nicht sicher und ihrer Warnung bezüglich Mortmains Aktivitäten wird nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Als schließlich das Schlüsselstück zur Vollendung von Mortmains schrecklichen Plan in dessen Hände fällt, ist es an Will das schlimmste zu verhindern.

Meine Meinung

Mit “Clockwork Princess” findet Cassandra Clares phantastische Young Adult Reihe um “Die Chroniken der Schattenjäger” ihren Abschluss. Wie gewohnt knüpft der Band an die Ereignisse des vorhergehenden Romans an, jedoch lädt Cassandra Clare zuerst auf einen Blick in die Vergangenheit ein. So erfährt man wie Jem als kleiner Junge ins Institut kam und mit Will Freundschaft schloss.

Beim vorherigen Titel “Clockwork Prince” vermisste ich weitere Informationen und größeren Einbezug der namengebenden Klockwerk-Kreaturen, deshalb hat es mir sehr gut gefallen, dass die Autorin hierfür endlich etwas mehr Platz einräumt. Ein weiterhin großer Teil der Geschichte ist für die Dreiecksbeziehung Jem-Will-Tessa reserviert. Mittlerweile habe ich mich an diese Beziehungskonstellation gewöhnt und habe einfach mit allen Charakteren mitgefiebert und mitgelitten. Immerhin haben auch noch andere schöne Pärchenbildungen ihren Auftritt wie z. B. Gideon und Sophie. Am meisten hat micht mal wieder Cassandra Clares Kunst, ihren Figuren eine beeindruckende Entwicklungsbahn zu schaffen, begeistert. Dies ging sogar so weit, dass ein bisher ungeliebter Charakter immer mehr Symphatiepunkte sammelte bis ich ihn sogar mochte!

Der Erzählstil hat, wie bereits in den vorherigen zwei Bänden, sehr gut zum Handlungszeitraum gegen Ende des 19. Jahrhunderts gepasst. Dieses Mal hat Cassandra Clare dem ganzen allerdings noch mehr Authentizität verliehen, in dem sie mehrere briefliche Konversationen z. B. zwischen Charlotte und dem Konsul in das Buch mit einfließen lässt.

Cassandra Clare ist mit “Clockwork Princess” ein in sich stimmiger Abschlussband der Chroniken der Schattenjäger gelungen der keine Fragen mehr offen lässt und ein richtiges Hollywood Happy End liefert. Der Epilog führt die Geschichte der Hauptprotagonistin Tessa noch etwas tiefgehender aus und setzt dem ganzen die Krone auf. Manches geriet dabei jedoch eine Spur zu kitschig und übertrieben, daher von mir gute 4 von 5 Grinsekatzen.

Fazit

Ein explosives Finale der Schattenjäger Chroniken!

Bewertung vom 30.10.2018
Das Geheimnis der Muse
Burton, Jessie

Das Geheimnis der Muse


ausgezeichnet

Beschreibung

London, 1967. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin reiste Odell Bastien von Trinidad nach England um sich ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, zu erfüllen. Zunächst müht sie sich mit der Arbeit in einem Schuhgeschäft ab, doch dann wird sie von Mrs. Quick als Schreibkraft an der Skelton Kunstgalerie angenommen. Nachdem ihr Freund ein Bild seiner verstorbenen Mutter in die Kunstgalerie gebracht hat, um mehr über seine Herkunft und seinen Wert in Erfahrung zu bringen, erweckt Mrs. Quicks Reaktion auf das Gemälde Odells Neugierde. Die geheimnisvolle Herkunft des Gemäldes, dass in 1930er Jahre in Andalusien entstand, verbirgt eine spannende Geschichte über Revolution und die Liebe.

Meine Meinung

Jessie Burtons Roman “Das Geheimnis der Muse” ist durch das detailverliebte Cover ein wahrer Blickfang. Eine von Schlangen, Pinseln, Blumen und Parfumflakons umrahmte Schreibmaschine deutet bereits auf eine kunstvolle Geschichte hin, und zwei Revolver versinnbildlichen die nötige Spannung.

"Die Meinung, dass nur ein Mann zur wahren Kunst berufen sein konnte, war so weit verbreitet, dass Olive es manchmal sogar selbst glaubte." (Das Geheimnis der Muse, Seite 74/75)

Der Roman ist in zwei Handlungsstränge aufgespalten die sich während des Hadlungsverlaufes einander stetig annähern. Zum einen wird die Geschichte der Immigrantin Odell, die in den Swinging Sixties in England einwanderte, um dort als Schriftstellerin Fuß zu fassen erzählt. Zum anderen begleitet man in den 1930er Jahren die junge Künstlerin Olive Schloss mit ihren Eltern nach Andalusien wo sich der spanische Bürgerkrieg anbahnt und sich ihr die Gelegenheit bietet einzigartige Bilder zu erschaffen.

Gleich auf Anhieb haben mir diese zwei außerordentlich starken Protagonistinnen imponiert. Beide kämpfen Sie für ihre Leidenschaft in einer von Männern bestimmten Welt. Während Olives künstlerisches Talent von ihrem Vater, der selbst als Kunsthändler tätig ist, keine Anerkennung findet, benötigt Odell mehr Selbstvertrauen um ihre Schreibkunst an die Öffentlichkeit zu bringen.

"Nicht jeder erhält am Ende, was er verdient." (Das Geheimnis der Muse, Seite 13)

Jessie Burton hat einen angenehmen Schreibstil. Man möchte sich einfach nur in ihre dicht verwobene Geschichte fallen lassen und träumt sich schnell an andere Orte und vergangene Zeiten. Die Hitze Andalusiens ist beim Lesen genauso spürbar wie die Atmosphäre der pulsierenden Stadt London zu den 60er Jahren. Clubs, Musik und der Aufbruch in ein neues Zeitalter. Besonders beeindruckt hat mich die geheimnisvolle Figur von Mrs. Quick, die so viel Selbstvertrauen ausstrahlt und Odelle sogleich unter ihre Fittiche nimmt. Nicht jeder Mann und schon gar nicht jede Frau hätte eine Immigrantin die Chance auf solch einen Job gegeben.

“Das Geheimnis der Muse” setzt sich aus vielen kleinen Puzzleteilchen zusammen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen genauso wie um familiäre Banden und natürlich die Liebe, Inspiration und schicksalhafte Umstände die das Leben lenken. Der Roman ist so vielseitig, dass man ihn auch getrost lesen kann, ohne einen Bezug zu Kunst und Gemälden zu haben.

"[…]je länger sie schwieg, desto schwerer fiel es mir, zum Telefon zu greifen. Alles was ich sagen wollte, war, dass sie mir fehlte. 2 (Das Geheimnis der Muse, Seite 55)

Die Dynamik der zwei einzelnen Ebenen hatte etwas mitreißendes und lebendiges an sich. Vor allem der spannenden Plot um Olive Schloss hat mir stellenweise den Atem genommen. Daher kann ich für diesen Roman nur eine dringende Leseempfehlung aussprechen!

Fazit

Ein prächtiger Roman über zwei starke Frauen auf dem steinigen Weg zur Emanzipation.

Bewertung vom 23.10.2018
Jack
McCarten, Anthony

Jack


ausgezeichnet

Beschreibung

Der Schriftsteller Jack Kerouac wurde durch seinen Roman “Unterwegs” (engl. Originaltitel: ” On the road”) einst zum Idol einer ganzen Generation und prägte den Begriff Beatniks neben anderen Autoren wie Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Bob Kaufman, Harold Norse usw.

Als Kerouac nur noch ein schwaches Abbild seiner selbst ist und der Alkohol ihn fast in den Tod getrieben hat, steht die junge Literaturstudentin Jan vor seiner Tür. Sie möchte nichts weniger als die bewegende Biographie über den berühmten Schriftsteller und Mensch zu verfassen. Gemeinsam mit Jan reist Jack in seine Vergangenheit.

Meine Meinung

Der neuste Roman des neuseeländischen Schriftstellers Anthony McCarten trägt den Titel “Jack” und handelt von keinem geringeren als Jack Kerouac, der mit seinem Roman “Unterwegs” die Beat Generation nach dem zweiten Weltkrieg prägte. Als Vorlage für den Hauptprotagonisten des Werkes, Dean Moriarty, diente Kerouacs bester Freund Neal Cassady – der aufgrund des Buches von der Polizei bezüglich seines Drogenhandels verhaftet wurde. Die Last seinem literarischen Ich zu entsprechen wurde Cassady zu schwer und er verstarb frühzeitig durch Alkohol- und Drogenmissbrauch.

"Aber das Leben ist nicht die Geschichte dessen, was man vermieden hat; es handelt hauptsächlich von den Dingen, die uns unaufgefordert in die Hände fallen, die uns über den Weg laufen, ohne dass wir nach ihnen suchen, die uns die unschuldige Nase blutig schlagen und uns das Unvermeidliche aufdrängen." (Jack von Anthony McCarten, Seite 19)

Anthony McCarten nährt sich seinem eigenen Idol Jack Kerouac äußerst kreativ in dem er mit Jan Weintraub einen Charakter erschaffen hat, der als perfekter Gegenpol zu Jack Kerouac dient. Ist Kerouac selbst ein wandelndes Chamäleon, dass seine Identitäten wie Kleidungsstücke wechselt, so hat Jan dieses Spiel perfektioniert. Das Setting, junge Literaturstudentin bzw. angehende Biographin trifft auf zurückgezogenes und verbrauchtes Idol der Beat Generation und knackt dessen harten Panzer, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Gerade, weil hinter dieser Situation so viel mehr steckt als man zu Beginn glauben mag.

Obwohl ich bisher noch keine Bücher aus der Feder eines Beatniks gelesen habe, so auch noch keines von Jack Kerouac, konnte mir Anthony McCarten einen ausgesprochen guten Start in diesen Bereich bereiten. Gut verständlich legt er den Grundstein um Zugang zu dem berühmten Autor Jack Kerouac und der Beat Generation zu erhalten. Die fiktive Begebenheit des Aufeinandertreffens von Jan Weintraub und Jack und vor allem der weitere Verlauf bietet dem Leser eine Explosion an Emotionen dar. McCartens fesselnder und flüssig zu lesender Schreibstil haben ihr übriges getan um mich an die Seiten zu bannen und dem Ende entgegenzufiebern.

“Jack” ist allerdings kein biographischer Roman, sondern ein fiktionaler Roman in den lediglich belegte Einzelheiten aus Kerouacs Leben eingewoben sind. Dennoch hat man das wundersame Gefühl dem längst verstorbenen Beatnik und dessen außergewöhnlichen Persönlichkeit etwas näher gekommen zu sein.

Der Reiz von McCartens Geschichte macht für mich die interessante Thematik über den Facettenreichtum der Identität eines Menschen aus. Dabei bedient sich der Autor an einer farbenfrohen Palette aus den unterschiedlichsten Persönlichkeiten die er in seinen Protagonisten vereinigt und diese mit ihren Identitäten jonglieren lässt. Einen weiteren wesentlichen Teil der Geschichte macht der Rückblick auf ein ereignisreiches Leben aus. Deutlich spürbar vermittelt McCarten wie sehr Jack mit seiner Vergangenheit (z. B. die Freundschaft mit Neal Cassady) hadert und wie wichtig es ist, mit sich selbst im reinen zu sein.

Fazit

Meisterhafte Erzählkunst! Anthony McCarten wird immer mehr zu einem meiner absoluten Lieblingsschriftsteller.

Bewertung vom 19.10.2018
Die Legenden der besonderen Kinder
Riggs, Ransom

Die Legenden der besonderen Kinder


ausgezeichnet

Meine Meinung

Ransom Riggs konnte mich bereits mit “Die Insel der besonderen Kinder”, dem Auftaktband zu seiner Trilogie um die besonderen Kinder, mit seiner ungewöhnlichen Welt insbesondere der außergewöhnlichen Persönlichkeiten gefangen nehmen. “Die Legenden der besonderen Kinder” bietet dem Leser nun eine Sammlung aus zehn unterschiedlichen Sagen aus dieser übernatürlichen Welt. Die besonders schöne und hochwertige Gestaltung des grün und golden schimmernden Buches erinnert sofort an Märchenbuchbände aus älteren Tagen. Der bezaubernde erste Eindruck setzt sich im Inneren mit stimmigen schwarz-weiß Illustrationen von Andrew Davidson fort, welche hervorragend mit den einzelnen Erzählungen abgestimmt sind.

In “Die edlen Kannibalen” reist man in der Geschichte bis zu den Ursprüngen der besonderen Kindern zurück, in der sich die Besonderen noch nicht in Zeitschleifen verstecken mussten und ein zurückgezogenes ländliches Leben führten. Bis zu dem Tag, an dem Kannibalen vom Weg abkamen und sich bei den Besonderen wiederfanden.

Die Geschichte “Die Prinzessin mit der gespaltenen Zunge” erinnert sehr an ein typisches Prinzessin sucht Prinzen Märchen. Dabei spielen die Äußerlichkeiten der besonderen Prinzessin eine tragende Rolle. Sie muss mit Zurückweisungen zurecht kommen, wobei ihre Güte und ihr Sinn für Gerechtigkeit keinen Schaden nimmt. Ihre auf den ersten Blick erschreckende Besonderheit wird ihr noch gute Dienste leisten.

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die über “Die erste Ymbryne”, denn hier werden Hintergründe zum Wesen dieser mächtigen Besonderen aufgedeckt und man erfährt auf spannende Weise von der Entstehung der Zeitschleifen.

“Die Geisterfreundin” ist eine sehr emotionale Geschichte bei der ich unglaubliche Gänsehaut bekommen habe. Die Themen Familie, Freundschaft und Tod hat Ransom Riggs mit viel dramaturgischem Geschick zu einer ganz besonderen Geschichte verwoben.

Die bunteste und kreativste Legende dieser Sammlung ist für mich mit Abstand “Cocobolo”. Unter diesem verrückten Titel kann man sich wahrlich nicht sonderlich viel vorstellen oder gar erwarten. Ransom Riggs zielt mit seiner Geschichte über eine besonders starke Verbindung zwischen Vater und Sohn über die Weiten des Ozeans und wie die Liebe zwischen Eltern und Kind Zeit und Entfernung überbrückt. Es liegt so viel Gefühl und vor allem eine große Portion Besonderheit in dieser Geschichte, die mir beim Lesen das Herz öffnete.

Nachdem mir die ersten Geschichten allesamt außergewöhnlich gut gefallen haben, waren “Die Tauben von St. Paul´s” nicht ganz nach meinem Geschmack. Vielleicht liegt das einfach daran, dass ich um diese gurrenden Tierchen am liebsten einen ganz weiten Bogen einschlage. Dennoch ist die Weisheit aus dieser Geschichte, in der verfeindete Parteien einen Kompromiss schließen der beiden Seiten zu einem besseren Leben verhilft, auf den Punkt getroffen.

“Das Mädchen, das Albträume zähmen konnte” hat mir ein schauriges Leseerlebnis bereitet, denn hier geht es um ein kleines Mädchen, dass allen Widerständen zum Trotz den Menschen helfen möchte. Die Gabe Albträume zu entfernen ist wahrlich mächtig und birgt große Risiken, so dass das Mädchen schon bald mit den Konsequenzen aus ihrem Handeln konfrontiert wird.

Die Legenden sind sehr unterschiedlich gehalten und dennoch vereinen sie die wunderbare Sprache und Erzählkunst des Autors in sich. Nach dieser übernatürlichen Lektüre habe ich große Lust bekommen endlich zu den zwei weiteren Bänden aus Ransom Riggs Trilogie zu greifen.

Fazit

Jede Menge mysteriöse, spannende und skurrile Legenden die tief unter die Haut gehen.

Bewertung vom 15.10.2018
Die Abenteuer der Cluny Brown
Sharp, Margery

Die Abenteuer der Cluny Brown


ausgezeichnet

Beschreibung

Cluny Brown ist anders als andere junge Damen in ihrem Stand und in ihrem Alter. Sie wird nachmittags Tee trinkend im Ritz angetroffen oder verweilt einen ganzen Tag Orangen essend im Bett um eine Diät aus einer Zeitschrift auszuprobieren. Zum Ärger ihres Onkels, der tagtägliche seiner Arbeit als Klempner nachgeht und versucht die Erziehung von Cluny genauso gewissenhaft wie seine Arbeit zu erledigen, weigert sich Cluny ihren gesellschaftlichen Platz einzunehmen.

Nach einem weiteren Fauxpas wird die 20-jährige Waise Cluny von Onkel und Tante auf den Herrensitz Friars Carmel in Devonshire geschickt um dort die Stellung eines Dienstmädchens einzunehmen. Mit ihrer charmanten und kuriosen offenherzigen Art zieht Cluny nicht nur die Aufmerksamkeit der adeligen Familie Carmel auf sich. Auch der Dorfapotheker und ein polnischer Schriftsteller, der zur Zeit als Gast auf Friars Carmel logiert um den Gefahren des anstehenden Krieges zu entgehen, können nicht umhin die Einzigartigkeit Clunys zu bemerken.

Meine Meinung

Margery Sharps lebensfroher Roman über “Die Abenteuer der Cluny Brown” kann man getrost zu den Klassikern seiner Zeit zählen, denn die Autorin zeichnet in ihrer Geschichte das fein geschliffene Bild einer Gesellschaft die sich im Aufbruch in ein neues Zeitalter befindet. Der Roman, der in den 1930er Jahren handelt wurde 1944 veröffentlicht und darf Dank des Eisele Verlags nun in einer Neuübersetzung von Wibke Kuhn in neuem Glanz erstrahlen.

Die Tage der steifen und angestaubten Gesellschaftsstrukturen mit großen Herrenhäusern, Landsitzen und einem ganzen Bataillon an Bediensteten sind angezählt. Sir Henry, der Herr des Landsitzes Friars Carmel, mit seinem Müßiggang, der allerhöchstens mal ausreitet und dessen Dienerschaft im Verlauf der letzten Jahre sich auf ein das Nötigste reduziert hat, wird schon bald einer der letzten seiner Art sein. Dies macht sich vor allem auch bei seinem Sohn Andrew bemerkbar – bei ihm spürt man deutlich den Drang mehr zu tun als ein Haus zu verwalten. Er interessiert sich brennend für den nahenden Krieg und sieht sich dazu verpflichtet den polnischen Schriftsteller Adam Belinksi vor einer drohenden Verfolgung zu retten.

"»Die Schwierigkeit bei der jungen Cluny ist die«, erklärte Mr. Porritt, »dass sie anscheinend nicht weiß, wo ihr Platz ist.«" (Die Abenteuer der Cluny Brown, Seite 10)

Seele und Herzstück des Romans ist jedoch die niedrig gestellte Cluny Brown, die als Waise von Onkel und Tante aufgezogen wird und in ihrer verträumten Naivheit nicht einsieht, warum sie ständig zu hören bekommt sie solle endlich einsehen wo ihr Platz im Leben ist. Die Stellung als Dienstmädchen auf Friars Carmel scheint die beste Lösung für alle Beteiligten zu sein.

Cluny Brown schrulliger Charakter wächst einem mit all seiner Verrücktheiten schnell ans Herz und von Seite zu Seite fiebert man aufgeregter Clunys weiterem Lebensweg entgegen. Dabei hält Margery Shapr die ein oder andere Überraschung bereit! Mehr möchte ich zur Handlung nun aber nicht verraten – das muss man am besten selbst lesen.

"»Ich könnte mir vorstellen, dass Ihnen das ganze Universum offensteht«, wiederholte Mr. Belinksi bereitwillig. […] Doch Cluny interessierte sich nicht mehr für Mr. Belinski, nur noch für seine Worte. Sie wollte diesen magischen Satz mitnehmen und ihn in aller Ruhe sorgfältig untersuchen." (Die Abenteuer der Cluny Brown)

Mich hat Margery Sharps Schreibstil und ihre gesellschaftlichen Betrachtungen in “Die Abenteuer der Cluny Brown” verknüpft mit den lebendigen, mal erfrischenden, mal angestaubten Protagonisten vollkommen begeistert. Daher gibt es von mir 5 von 5 Grinsekatzen für diesen mindestens genauso stilvollen wie humorvollen Klassiker!

Fazit

Eine Gesellschaftsbetrachtung die den Umschwung der Zeit mit Stil und Humor wiederspiegelt. Dieser Klassiker berührt und überrascht – eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack!