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Benutzername: PeLi
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Bewertungen

Insgesamt 53 Bewertungen
Bewertung vom 07.05.2019
Mein Leben als Sonntagskind
Visser, Judith

Mein Leben als Sonntagskind


ausgezeichnet

Jasmijn ist ein stilles Mädchen, das schon im Alter von 3 Jahren Lesen und Schreiben kann. Sie redet nur mit Menschen, die ihr vertraut sind, also mit ihren Eltern, den Großeltern und ihrem Bruder Emiel . Kommt Besuch von Verwandten , sitzt Jasmijn lieber alleine in ihrem Zimmer und bringt es nicht fertig, auch nur "Hallo" zu sagen oder gemeinsam mit ihnen zu essen. Der meist gesagte Satz ihrer Mutter, wenn Leute sich über die , in ihren Augen, abweisende und unhöfliche Art ihrer Tochter beschweren, "So ist sie eben".

Als Jasmijn in die Vorschule kommt, fällt erst richtig auf, wie anders sie ist. Sie erträgt den "Lärm" der anderen Kinder nicht, sie braucht Wochen, um überhaupt mal ein Wort mit der Lehrerin zu sprechen und nur, wenn sie sich mit ihrem Buch, das sie extra von Zuhause mitgebracht hat, in eine, möglichst stille Ecke verzieht, übersteht sie die Stunden, bis zum Schulende , einigermaßen.

Ihre beste und einzige enge Freundin, ist Senta, ihre Hündin, mit der sie am liebsten jede Minute des Tages verbringen würde. Im Laufe der Jahre, lernt Jasmijn, mit ihren ganz persönlichen Tricks , halbwegs gut durch den Tag zu kommen. Doch neue Situationen, auf die sie sich vorher in Gedanken nicht erst einmal vorbereiten konnte, überfordern sie so sehr, dass sie ganz schlimme Migräneanfälle bei ihr auslösen.

Und weil sich anscheinend nie jemand wunderte über ihr, doch recht auffälliges Verhalten, wurde auch nie untersucht, an was es denn eigentlich lag, dass sie von ganz alltäglichen Dingen, so überfordert war. Jasmijn selbst merkte schon, dass sie nie so war wie ihre Mitschülerinnen, die sich für Schminke , Mode und Jungs interessierten, die feierten und tanzten und Shoppingbummel liebten. In ihrem Tagebuch war Jasmijn auch so wie diese Mädchen, dort erlebte sie in ihrer Fantasie all das, was für sie im echten Leben , unerträglich war. Und zum Glück gelang es ihr doch wenigstens immer mal wieder Personen zu finden, mit denen sie so etwas wie eine einigermaßen "normale" Freundschaft führen konnte und die ihre Eigenheiten akzeptieren konnten, auch wenn sie sie nicht nachvollziehen konnten.

Dieses Buch fand ich so fesselnd, dass ich es wirklich kaum aus der Hand legen konnte und trotz der 600 Seiten kam niemals Langeweile auf. Manches war sehr traurig und ich dachte mir so oft, warum denn ihre Eltern oder Großeltern nie mit einem Arzt oder Psychologen gesprochen haben . Jasmijn hat es zwar schon gut verstecken können im Laufe der Jahre, aber es gab doch trotzdem so viele Vorfälle, die eigentlich hätten auffallen müssen. Aber vielleicht war man damals ja einfach noch nicht so sensibilisiert für dieses Thema. Jedenfalls tut es mir für Jasmijn ( und damit eigentlich für Judith Visser, die Autorin des Buches , denn "Mein Leben als Sonntagskind" ist ein autobiographischer Roman und sie selbst hat wohl auch erst im Erwachsenenalter die Diagnose "Asperger Syndrom" bekommen), dass sie während ihrer ganzen Kindheit und Jugend immer nur für seltsam gehalten wurde und keiner auf die Idee kam, dass es einen medizinischen Grund dafür gab. Vielleicht wäre ihre Schulzeit weniger schlimm gewesen, wenn man gewusst hätte, warum sie so war.

Das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, das fand ich doch etwas abrupt und ich hätte noch so viele Fragen gehabt, die leider nicht beantwortet wurden. Aber trotzdem war das für mich ein absolutes Lesehighlight.

Bewertung vom 17.03.2019
Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1
Pohl, Alex

Eisige Tage / Seiler und Novic Bd.1


sehr gut

Dies ist der erste Fall für Kommissarin Johanna Seiler und ihren ziemlich eigenbrötlerischen Kollegen Milo Novic. Die beiden sollen den Tod eines Anwalts untersuchen, der in seinem Auto regelrecht hingerichtet wurde. Was den Fall besonders brisant macht, ist die Tatsache, dass sie bei der Leiche sehr verdächtiges Material finden, unter anderem ein Foto, auf dem ein , seit einer Woche vermisstes, junges Mädchen in anzüglicher Weise zu sehen ist.
Und wie die beiden Ermittler bei ihren weiteren Recherchen herausfinden, ist das nur der Beginn eines riesengroßen Sumpfs aus organisierter Kriminalität, Mädchenhandel und Brutalität unter Bandenmitgliedern.

Ich fand dieses Buch gut zu lesen, der Schreibstil ist eingängig und trotzdem hat mir persönlich noch ein winziger Rest gefehlt, um wirklich vollkommen gepackt zu werden. Die vielen Rückblenden und Wechsel der verschiedenen Handlungsstränge , hat es mir etwas schwer gemacht, ich musste einige Male überlegen, um was es in den einzelnen Kapiteln ging. Dass ich nicht restlos begeistert bin, liegt allerdings sicher auch daran, dass ich einfach nicht so gerne Bücher über organisierte Kriminalität lese. Aber im Großen und Ganzen war das ein guter Krimi, den ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.

Bewertung vom 05.03.2019
1793 / Winge und Cardell ermitteln Bd.1
Natt och Dag, Niklas

1793 / Winge und Cardell ermitteln Bd.1


ausgezeichnet

Wie Cover und Titel dieses historischen Debütromans von Niklas Natt och Dag schon verraten, befinden wir uns im Jahre 1793 und das Leben , ganz besonders für das einfache Volk, ist alles andere als leicht.

Armut, schlimme Krankheiten, Brutalität und Ungerechtigkeit gehören zum ganz normalen Alltag. Die Reichen bestimmen gnadenlos über die Armen und wer das Pech hat, in die Mühlen der Justiz zu geraten, der kann gleich mit seinem Leben abschließen, egal, ob schuldig oder unschuldig, denn die Wahrheit herauszufinden, daran hat keiner wirkliches Interesse.
Obwohl, so ganz stimmt diese Aussage doch nicht, denn einen gibt es, der positiv heraussticht aus diesem Sumpf aus Ungerechtigkeit und Niedertracht. Cecil Winge, ein Jurist der Stockholmer Polizeikammer , der sich als einziger auch dafür interessiert, was die Angeklagten zu sagen haben und der Zeit seines Berufslebens für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfte. Da er inzwischen an Tuberkulose erkrankt ist und sich bereits im Endstadium der Krankheit befindet, hat er beruflich allerdings keine großen Pläne mehr.

Doch dann finden spielende Kinder in der Stadtkloake eine Leiche. Sie laufen sofort in eine Spelunke, den dort kann man den Stadtknecht Mickel Cardell, so gut wie immer antreffen. Cardell ist ein traumatisierter Kriegsveteran mit einem Holzarm, der seine schlimmen Erinnerungen durch jede Menge Alkohol, zu betäuben versucht. Ausgerechnet er wird nun also von den Kindern geholt und zunächst noch recht widerwillig geht er schließlich mit, obwohl er annimmt, dass die Kinder ganz bestimmt keine richtige Leiche gesehen haben, sondern ihre Phantasie ihnen sicher einfach einen Streich spielte und es sich bei ihren Beobachtungen allerhöchstens um einen der vielen Tierkadaver in dem schmutzigen Gewässer handeln wird.

Doch leider handelt es sich nicht, wie von ihm angenommen, um ein halb verwestes Tier,sondern Cardell zieht tatsächlich eine grausam zugerichtete männliche Leiche aus der Kloake.Und der Zustand der Leiche, dreht sogar ihm, der schon einiges schlimme gesehen hat,den Magen um. Dem Toten fehlen nicht nur sämtliche Gliedmaßen, sondern auch Augen, Zähne und Zunge wurden entfernt . Und das, wie sich bald herausstellt, bereits vor seinem Tod.

Der todkranke Cecil Winge soll nun die Ermittlungen führen und da Mickel Cardell sich mit Amputationen , aus eigener leidvoller Erfahrung, gut auskennt, bittet Winge ihn um Unterstützung. Und so stürzt sich dieses ungewöhnliche Duo voller Eifer in die Arbeit und bei ihren Nachforschungen kommen Dinge ans Licht, die an Grausamkeit nicht mehr zu übertreffen sind.

Aufgeteilt ist dieses Buch in vier große Handlungsstränge, beginnend mit Herbst 1793 und dem Fund der Leiche und Beginn der Zusammenarbeit der beiden ungewöhnlichen Ermittler. In den nächsten beiden Kapiteln Sommer 1793 und Frühling 1793 lernt man dann noch zwei weitere Personen kennen, bei denen erst spät klar wird, was für eine Rolle sie in dem eigentlichen Fall überhaupt spielen. Abgeschlossen wird das Buch dann mit dem vierten Teil, Winter 1793 ,dort laufen sämtliche vorherigen Handlungsstränge zusammen und es bleiben am Ende, zum Glück, keine Fragen offen.

Da mir die Leseprobe schon sehr gut gefiel, hatte ich bereits ziemlich hohe Erwartungen an dieses Buch und ich kann nur sagen, sogar diese wurden noch übertroffen. Niklas Natt och Dag hat eine Art zu erzählen, die einfach fesselnd ist und bei der man sich fühlt, als wäre man wirklich mitten ins Jahr 1793 katapultiert worden.Wobei ich sehr froh bin, nicht wirklich in dieser Zeit gelebt zu haben. Dieses Buch hat in mir viele verschiedene Empfindungen ausgelöst, die detailreichen Beschreibungen waren teilweise richtig ekelerregend und trotzdem konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen und ich hoffe, dass noch viele weitere Bücher dieses Autors folgen werden.