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Benutzername: sueorange
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Bewertungen

Insgesamt 101 Bewertungen
Bewertung vom 17.07.2011
Ohrenzeugen
Streng, Wildis

Ohrenzeugen


ausgezeichnet

Ermordet inmitten großer Ohren...

Rudolf Weidner, ein Hohenloher Bauer, hält als passionierter Kleintierzüchter 25 Deutsche Riesenschecken. Als er nach dem Stammtisch noch einmal nach seinen Kaninchen sieht, wird ihm aufgelauert. Eine Axt beendet jäh sein Leben. Eine Taschenuhr, mit eingraviertem Datum, die bei seiner Leiche gefunden wird, gibt Rätsel auf.

Heiko Wüst und Lisa Luft ermitteln im Milieu der Hohenloher Kleintierzüchter. Aber nicht nur seine Stammtischkumpanen sind verdächtig. Auch seine Witwe gerät ins Visier der Beamten, die Ehe war nicht mehr in Ordnung und neben dem Alkohol, dem er gerne zusprach, war Rudolf zuletzt nur noch an seinen Hasen interessiert.

Wo liegt denn eigentlich Hohenlohe? Das habe ich mich erst einmal gefragt. Obwohl ich selbst im schönen Badener Land aufgewachsen bin, war es mir noch kein Begriff. Crailsheim gehört dazu und Schwäbisch Hall liegt in der Nähe. Und natürlich besteht zwischen den beiden Städten eine alte Fehde. Hohenlohe scheint eine Ansammlung von vielen kleinen Ortschaften zu sein.

Der Krimi enthält eine große Portion Lokalkolorit und bekommt dadurch eine besondere Farbe. In die Dialoge lässt die Autorin manchmal den Hohenloher Dialekt einfließen, dabei spielt sie auch mit den Verständnisschwierigkeiten, die manche Sätze hervorrufen und den Missverständnissen, die sich daraus ergeben und dieses macht so manchen Absatz herrlich komisch. Aber auch die Kriminalkommissarin Lisa Luft muss sich an die Hohenloher Mundart noch gewöhnen, da sie selbst gerade erst aus Nordrhein Westfalen dazu gezogen ist, aus dem Norden kommend, sozusagen, da alles nördlich vom Saarland in den Augen der Hohenloher zu Norddeutschland gehört.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir unglaublich gut. Die Dialoge wirken authentisch, direkt aus dem Leben gegriffen und lockern die Handlung auf. Das Kriminalgeschehen ist spannend und das Miträtseln kommt nicht zu kurz. Auch das Ermittlergespann erweckte schnell meine Sympathie. Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und Crailsheim beherbergt das ein oder andere kauzige Orginal. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen dem Privatleben ihrer Protagonisten und der Kriminalhandlung gut.

In mir wurden Erinnerungen geweckt an längst vergessene Ausdrücke. Wildis Strengs feiner Humor hat mich sehr begeistert, und ich kann mir gut vorstellen Heiko Wüst und Lisa Luft auch bei weiteren Fällen über die Schultern zu schauen. JA und so einen Deutschen Riesenschecken, wie den Alfred, den hätte ich auch gerne...

Eine kurzweilige Krimiunterhaltung - nicht nur für Liebhaber südlicher Mundart oder passionierte Kaninchenzüchter!

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.05.2011
Herr der Krähen
Hutchison, Barry

Herr der Krähen


sehr gut

Kyle fühlt sich noch ordentlich gebeutelt von seinem letzten Abenteuer, in das er durch die Fantasyfreundin eines Klassenkameraden geraten ist. Ein Versteckspiel auf Leben und Tod würde das Ganze vielleicht treffender beschreiben. Nachdem Mr Mumbles und Caddie aus dem Weg geräumt sind, sollte doch nun erst einmal Ruhe einkehren. Jedoch findet Kyle einfach keine Entspannung und auch seine Mutter und Ameena bekommen es mit der Angst zu tun. Sie befürchten, dass diese Monster wieder erscheinen, wenn Kyle unentwegt an sie denkt. Deswegen entschließt sich Kyles Mutter, ihn, zu ihrer aller Schutz, ein paar Wochen zu seiner Tante Marion aufs Land zu schicken. Diese ist kinderlos und deswegen sei nicht zu befürchten, dass dort irgendwelche Fantasyfreunde auftauchen könnten.

Man könnte die Gegend als idyllisch bezeichnen, wenn da nicht diese vielen dunklen Vögel wären. Nach einem ruppigen Kennenlernen scheint Marion auch ganz umgänglich zu sein. Kyle könnte es fast als eine Art Urlaub betrachten, wenn da nicht die Krähen wären, die sie sogar attackieren. Zwar hat Marion keine Kinder, aber an ihre Kindheit erinnert sie sich noch gut, ihr fällt auch ihr immer zu Späßen aufgelegter Freund von damals wieder ein: Joe Crow. Und auch der Herr der Krähen möchte nicht in Vergessenheit geraten.

Auch der dritte Band der Jugend- Horror-Reihe lädt wieder zum Mitgruseln ein. Zeitlich schließt die Fortsetzung fast nahtlos an das letzte Buch an. Der Prolog berichtet von beängstigenden Geschehnissen, die Geschichte, um die es dieses Mal geht, hat sich jedoch neunzehn Tage zuvor ereignet. Der Schreibstil ist jugendlich und einfach, seinen Charakteren verleiht der Autor dennoch Tiefe. Fantasievoll gestaltet er besonders die Bewohner der Dunkelsten Ecken aus. Von der Dramatik und Gefährlichkeit aus betrachtet, hat sich das Ganze bisher von Band zu Band gesteigert. Somit wurde auch bei diesem Teil nicht an Actionszenen und allerhand Ekligem gespart. Nach wie vor gehört Ameena zu meinen Lieblingsfiguren und ich fand es schön, dass sie trotz Kyles "Landurlaub" nicht außen vor bleibt. Ich denke, dass vor allem 13 oder 14 Jährige Gefallen an Kyles und Ameenas grausigen Abenteuern finden könnten.

"Invisible Fiends 03 - Herr der Krähen" - zum Gruseln mit der Taschenlampe unter der Bettdecke geeignet!

Bewertung vom 09.05.2011
Gegen die Zeit / Magierdämmerung Bd.2
Perplies, Bernd

Gegen die Zeit / Magierdämmerung Bd.2


ausgezeichnet

London 1897. Nachdem Lord Victor Mordred Wellington widerrechtlich den Platz von Lordmagier Albert Dunholm eingenommen hat, befindet er sich nun mitsamt seinen Anhängern an der Spitze der Macht. Doch weiterhin schwelt der Konflikt zwischen den beiden Magierfraktionen des Silbernen Kreises. Die Gefolgsleute des ermordeten Lordmagiers, zu denen auch Jonathan Kentham gehört, befinden sich in der Hand des Usurpators. In einem Kerker, hinter magisch verstärkten Türen, hält er sie gefangen. Jedoch konnte der neue Erste Lordmagier nicht alle Aufständler in seine Gewalt bringen. Randolph, Grigori und Sedgewick konnten mit McKellen, Kendras Großvater, der sich in einem sonderbaren tiefen Magieschlaf befindet, fliehen, und auch eine Geisel aus den Reihen des Neuen Morgens nehmen. Wird es ihnen gelingen rechtzeitig ihre Freunde zu befreien? Ein Magispector des Ordens ist ihnen bereits auf der Spur! Und nicht nur aus diesem Grund ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Wahre Quelle der Magie sprudelt und sprudelt und diese mächtigen Ströme bleiben nicht ohne Folgen. Sie muss wieder verschlossen werden und Wellington wird dies mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.

Das Schwierigste an einer Trilogie ist es sicherlich, den Mittelteil zu gestalten: die Spannung des ersten Teiles muss gehalten, vielleicht sogar noch etwas ausgebaut werden und trotz dessen sollte noch genügend Raum für ein noch folgendes Finale verbleiben. Ich denke, der Autor hat diese Aufgabe gut gelöst. Thematisch schließt "Magierdämmerung, Bd 2: Gegen die Zeit" nahtlos an den Vorgängerband an, selbst die Kapitelzählung geht nach einem sogenannten Zwischenspiel, einfach weiter. Neue Personen werden eingeführt und geben der Handlung zusätzlichen Schwung. Zu dem Schauplatz im viktorianischen London kommt noch als neuer Handlungsort, Rom, dazu. Die Charaktere sind sehr einprägsam und bei den vielen unterschiedlichen Personen findet jeder Leser jemanden, auf dessen Spuren er gerne durch die Geschichte wandert. Sehr glücklich war ich darüber, dass dieses Mal Watson, der Geisterkatze des eigensinnigen magiekundigen Holmes, eine bedeutende Rolle zugedacht wurde. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, ein wenig altmodisch aber nicht staubig, erfüllt er die vergangene Zeit mit neuem Leben. Ab und zu gibt es auch kleine, humorvolle Szenen, jedoch deutlich weniger als im letzten Teil, daran merkt man, dass das Zeitalter für die Magier, durch die letzten Vorfälle, um einiges härter und düsterer geworden ist. Sehr einfallsreich finde ich den Umgang damit, zu zeigen, welche Auswirkungen die geöffnete Quelle und das Einwirken der magischen Kraft auf so manches eigentlich Unbelebte hat, dies birgt so manche Überraschung. Kreativ gestaltet Perplies seine magische Welt und macht es dem Leser somit leicht, gebannt darin zu versinken.

Zu der Aufmachung kann man nur sagen, dass das Buch wieder genauso schön und verspielt gestaltet wurde wie der Vorgänger. Mit der Europakarte von 1897 und dem Stadtplan Londons zur damaligen Zeit auf den Innenseiten der Buchdeckel, erhält man die Möglichkeit, die Aufenthaltsorte der Charaktere bildlich zu verfolgen. Die alten Zeitungsausschnitte, die jeweils einem neuen Kapitel vorangehen, tragen ebenfalls dazu bei, in der viktorianischen Zeit abtauchen zu können.

"Magierdämmerung, Bd. 2: Gegen die Zeit" - ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, atmosphärisch und spannend. Ich freue mich schon unbändig auf das Finale.

Bewertung vom 09.05.2011
Wernievergibt / Kea Laverde Bd.5
Schmöe, Friederike

Wernievergibt / Kea Laverde Bd.5


ausgezeichnet

Im fünften Teil ihrer Krimireihe um die Ghostwriterin Kea Laverde, dürfen wir diese, zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Juliane nach Georgien begleiten. Kea erhielt von ihrer früheren Agentin Lynn Digas den Auftrag eine Reportage über den Tourismus in dem Land zu schreiben. Um Juliane etwas abzulenken, deren Schwester Dolly nach längerer Krankheit verstarb, nimmt sie diese kurzerhand mit auf die Reise. Lynn hatte auf Kea zurückgegriffen, da ihre Reporterin Mira sich seit sie in Georgien ist, nicht mehr gemeldet hat. Als Kea Kontakt zu Mira aufnehmen möchte, muss sie feststellen, dass von dieser jede Spur fehlt. Auch die deutsch-georgische Mezzosopranistin Clara Cleveland wird vermisst. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass die Reportage über den Tourismus erst einmal in den Hintergrund tritt und Kea und Juliane mal wieder mitten in einem aufregenden Abenteuer stecken.

Dieses Mal ist Kea nicht als Ghost tätig, aber die Geschichte lässt trotz dessen an Spannung keine Wünsche offen. Zuerst fiel es mir etwas schwerer als zuvor, in die Geschichte einzutauchen, da die vielen fremdklingenden Namen und Orte mich verwirrten, aber nachdem ich mich ein wenig eingelesen hatte, habe ich mich auch daran gewöhnt. Neben der Kriminalgeschichte lernt man auch Land und Leute näher kennen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Juliane, die in den letzten Romanen nur ganz am Rande vorkam, dieses Mal sehr präsent war. Friederike Schmöes Schreibstil ist gewohnt blumig, mit manchen Sätzen bestückt, die so schön sind, dass man sie sich gerne merken möchte. Durch mehrere unterschiedliche Handlungsstränge bekommt man häppchenweise Einblick ins Geschehen, doch erst allmählich fügt sich manches wieder zusammen.

Für mich war es eine der spannendsten Geschichten um Kea Laverde, auch wenn mir Nero Keller ein wenig gefehlt hat und ich mich sehr freuen würde, wenn dieser im nächsten Buch wieder eine größere Rolle spielen würde.

Bewertung vom 09.05.2011
Vladimir Tod hat Blut geleckt / Vladimir Tod Bd.1
Brewer, Heather

Vladimir Tod hat Blut geleckt / Vladimir Tod Bd.1


ausgezeichnet

Vladimir Tod ist anders als seine Mitschüler, kein Wunder, durch ihn fließt Vampirblut. Ansonsten besucht er ganz normal die Junior Highschool. Um sein Geheimnis wissen seit dem Tod seiner Eltern nur noch Tante Nelly, die beste Freundin seiner Mutter und sein bester Freund Henry. Da Nelly als Krankenschwester arbeitet, kann sich Vlad von Blutkonserven ernähren, die sie ihm, verbotenerweise, mitbringt. Plötzlich verschwindet ein Lehrer spurlos und auch Vlads Geheimnis scheint in Gefahr, gelüftet zu werden.

Heather Brewer spricht mit ihrer Pentalogie über den Halbvampir Vlad sicher sowohl Jungs als auch Mädels an. Mit einer guten Brise Humor würzt sie ihre Geschichte, besonders gefällt mir dabei, wie Vlad sein Vampirsein kaschiert und sich somit in die Schulgemeinschaft einfügt, er benutzt Sunblocker um seine Haut vor der Sonne zu schützen, ißt Brötchen, in denen er Blutkapseln versteckt und meint er hätte eine Knoblauchallergie, herrlich. Die einzelnen Charaktere haben Tiefgang und die Sprache ist nicht zu sehr an den Jugendslang angepasst. Die Aufmachung des Buches gefällt mir auch sehr gut, Kapitelanfänge sind in weißer Schrift auf schwarzem Grund verfasst und auf der Titelseite ist Vlad in schwarz/weiß mit Kapuzenpulli zu sehen, nur ein roter Vampirsmiley setzt einen Farbakzent.

Die Autorin vereint typische Teenagerprobleme mit der außergewöhnlichen Jugend eines Halbvampirs, kombiniert mit dem Abenteuer eines Gejagten, dem seine Sippe im Nacken sitzt.

Ich kann es nicht erwarten endlich weiterlesen zu können, denn Vladimir Tod hat eines, nämlich Suchtcharakter!

Bewertung vom 09.05.2011
Die Ludwig-Verschwörung
Pötzsch, Oliver

Die Ludwig-Verschwörung


ausgezeichnet

Erst betritt ein seltsamer Besucher das Antiquariat von Steven Lukas und dann findet der Bücherliebhaber auch noch ein verwittertes Holzkästchen zwischen seinen Büchern. Das Kästchen enthält ein Geheimnis ungeahnten Ausmaßes: das über hundert Jahre alte Tagebuch eines Vertrauten von König Ludwig II., verfasst in einer Geheimschrift. Möglicherweise kann man mit dieser Schrift endlich hinter das Mysterium der Todesumstände des bayrischen Märchenkönigs kommen. Steven brennt sofort für diese Geschichte, jedoch wird ihm schnell klar, dass er nicht der Einzige ist, der Interesse am Inhalt des Buches hat. Hilfe bekommt Steven von der Kunstdetektivin Sara Lengfeld, jedoch werden die beiden alsbald von geheimnisvollen Kapuzenmännern verfolgt und auch ein Fanatiker hat es auf das Tagebuch abgesehen und schreckt vor nichts zurück.

So spannend und faszinierend kann die Historie sein, wenn sich der richtige Erzähler ihrer annimmt. Oliver Pötzsch gelingt es schon nach wenigen Seiten den Leser mit demselben Virus zu infizieren, der auch seinen Protagonisten befallen hat: man möchte einfach Zeile um Zeile wissen, was in diesem Tagebuch geschrieben steht. Und während diese Tagebuchgeschichte nach und nach entschlüsselt wird, befindet man sich mit Steven und Sara auf der Suche nach dem Geheimnis und auf der Flucht vor ihren Widersachern. Außerdem wechselt man immer wieder die Zeitebene, mal erlebt man die Vergangenheit zu König Ludwig II. Lebzeiten und dann befindet man sich wieder in der Gegenwart. Der Schreibstil ist mitreisend, die Dialoge wirken echt und die einzelnen Charaktere glaubhaft. Der eigenbrötlerische Antiquar war mir gleich sympathisch.

Dieser historische Thriller lädt dazu ein die Märchenschlösser des vergangenen Königs mal genauer unter die Lupe zu nehmen und für den nächsten Ausflug dorthin, bekommt man in diesem Buch auch Standortkarten der Schlösser und den Grundriss von Schloss Neuschwanstein mitgeliefert. Im Nachwort erfährt der Leser auch, welche Inhalte den Tatsachen entsprechen und was dazu geflunkert war und für alle, die so richtig auf den Geschmack gekommen sind, gibt es noch ein kleines Glossar für Verschwörungstheoretiker.

Sehr schön finde ich auch das Buchcover, das auf mich, durch die Farb- und Motivwahl, märchenhaft blutig wirkt. Und ein wenig vergriffen und geheimnisumwoben, wie das Tagebuch...

Bewertung vom 14.03.2011
So unselig schön / Kommissar Dühnfort Bd.3
Löhnig, Inge

So unselig schön / Kommissar Dühnfort Bd.3


ausgezeichnet

Einen Großteil ihrer Jugend verbrachte Vicky Senger in einem Kinderheim und zeitweise sogar auf der Straße. Vor kurzem hat sie die Chance erhalten, eine Ausbildung in einem Reisebüro zu machen. Pünktlichkeit zählt nicht wirklich zu ihren Stärken und auch ihr ganz eigener Kleidungsstil, bestehend aus der Kombination von Shorts mit Gummistiefeln, stößt bei ihrer Chefin Clara nicht immer auf Wohlgefallen. Aber diese mag das aufmüpfige Mädchen und möchte ihr beim Einstieg ins Berufsleben behilflich sein.
Vicki hat eine besondere Leidenschaft, sie fotografiert in verfallenen Gebäuden und Industrieruinen. Sie zählt sich zu einer Gruppe von Stadtromantikern, die sich Urban-Explorer nennen und ihre Fotos auch im Internet veröffentlichen. Als sie in einer leerstehenden Brauerei im Münchner Süden ihrem Hobby nachgeht, macht sie eine erschreckende Entdeckung.

Kommissar Konstantin Dühnfort und sein Team ermitteln in diesem Fall und bald erkennen sie Ähnlichkeiten zu einem Mord, der sechs Jahre zuvor in Düsseldorf verübt wurde. Damals verdächtigte man einen Studenten der Kunsthochschule. Heute trägt dieser statt seines bürgerlichen Namens den Künstlernamen Carne und versucht sein Kindheitstrauma in seinen Bildern zu verarbeiten. Da Ölfarbe an der Frauenleiche sichergestellt wurde, vermuten die Ermittler den Mörder im Künstlermilieu. Dabei bleibt der Maler nicht der einzige Verdächtige.

Vicki fällt bei ihren Fotos aus der Brauerei etwas auf, das mit dem Mordgeschehen in Verbindung stehen könnte und so fängt sie an selbst Nachforschungen zu betreiben. Je tiefer sie gräbt, desto mehr begibt sie sich in Gefahr.

"So unselig schön" ist der dritte Band der Dühnfort-Reihe. Man muss die anderen Teile nicht unbedingt kennen, um die Handlung verstehen zu können, den Hauptpersonen fühlt man sich aber sicher näher, wenn man sie gelesen hat. Neben Tino sind auch Gina, Alois und Agnes wieder mit von der Partie. Mit ihren Protagonisten hat Inge Löhnig tiefgründige Charaktere geschaffen, die natürlich und nachvollziehbar wirken. Durch Vicki ist in diesem Roman eine Person dazugekommen, die einem rasch ans Herz wächst. Ihre erfrischende, trotzige Art ist sofort sympathisch.

Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet die Autorin das Geschehen und der Leser bleibt lange im Ungewissen, wer der Täter ist. Wie auch bei den Vorgängerromanen steht die Krimihandlung zwar im Mittelpunkt, aber das Leben der Protagonisten fließt auch mit in die Handlung hinein.
Tino Dühnfort hadert immer noch in Liebesdingen. Er hatte sich von Agnes getrennt, da sie seinen Wunsch nach Familie nicht teilt, trotz dessen sind weiterhin Gefühle für sie vorhanden. Auch zu Gina ist sein Verhältnis schwierig. Sie bringt ihm starke Gefühle entgegen und auch er nimmt sie längst nicht mehr nur als Kollegin wahr, aber um die Freundschaft und auch die Zusammenarbeit nicht zu gefährden, verhält er sich mehr und mehr wie ein Holzklotz. Dühnforts Liebesleben ist und bleibt spannend.

Der Schreibstil ist emotional und eindringlich. Der Ausflug in die Welt der Künste gibt der Geschichte eine besondere Nuance. Nachdem ich nun in Windeseile diesen Band verschlungen habe, warte ich jetzt schon wieder sehnsüchtig auf den Nächsten und zu meiner Freude wird er noch in diesem Jahr erscheinen!

"So unselig schön" - durchgehende Spannung, die die Zeit in Vergessenheit geraten lässt, fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.02.2011
Blinder Instinkt
Winkelmann, Andreas

Blinder Instinkt


ausgezeichnet

Mit den Augen eines Jägers…

Aus einem Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche verschwindet ein achtjähriges, blindes Mädchen. Mitten in der Nacht wurde Sarah aus ihrem Bett gerissen und nun fehlt von ihr jede Spur. Franziska Gottlob ermittelt zusammen mit Paul Adamek, bald erkennen sie Parallelen zu einem Fall der zehn Jahre zurückliegt. Damals verschwand Sina, die kleine Schwester von Max Ungemach spurlos. Auch sie war erst acht Jahre alt, rothaarig und von Geburt an blind. Die Kommissarin hofft, dass Max, mittlerweile ein Boxchampion, ihr helfen kann. Auch ihn quält immer noch der Verlust seiner Schwester und er möchte endlich wissen, was an dem Sommertag vor zehn Jahren mit ihr geschah.

Der Täter scheint ein Beobachter zu sein, ein Jäger. Jedoch ahnen die Ermittler nicht, auf welche perfide Weise er seine Opfer quält und was sie selbst erwartet, je näher sie ihm kommen.

Der Prolog, der eine Rückblende zu einem vergangenen Ereignis darstellt, ist verstörend und zieht einen sofort mitten ins Geschehen hinein. Andreas Winkelmann ist es wieder gelungen, mich das Gruseln zu lehren. Es sind diese kleinen profanen Dinge, mit denen er spielt, und eine ganze Bandbreite an Emotionen heraufbeschwört. Besonders die Dunkelheit, die das Opfer durch seine Blindheit umgibt und die dadurch geschärften anderen Sinne, machen das Albtraumszenario, das der Täter entworfen hat, noch schlimmer. Die einzelnen Charaktere wirken echt und in sich stimmig. Dieses Mal lässt der Autor den Leser längere Zeit darüber im Unklaren, wer der Täter ist, die Spannung bleibt aber auch später noch erhalten. Die kurzen Kapitel und der temporeiche Schreibstil tragen dazu bei, dass man Seite um Seite durch das Buch fliegt. Durch die verschiedenen Sichtweisen der Protagonisten und die Perspektivwechsel, erhält man die Möglichkeit an den Gedanken teilzuhaben und fühlt sich nahe am Geschehen. Rückblenden schärfen den Blick auf die Gegenwart. Wie auch schon die anderen Bücher von Andreas Winkelmann, wird auch dieses einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Vielleicht begegne ich den Kriechtieren im Keller nun mit anderen Augen…

"Blinder Instinkt" – ein Albtraum auf acht Beinen, der dem Leser jedes Härchen im Nacken einzeln aufstellt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.