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Schoko_und_buch
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Friedberg

Bewertungen

Insgesamt 107 Bewertungen
Bewertung vom 26.09.2025
Erdmann, Kaleb

Die Ausweichschule (eBook, ePUB)


sehr gut

Der Amoklauf am Gutenberg Gymnasium in Erfurt im Jahr 2002 hat das Land erschüttert. So etwas gab es doch nur in den USA. Und so ist es nicht verwunderlich, das auf diese Situation keiner vorbereitet war. Der Autor, Kaleb Erdmann, hat die Geschehnisse damals als Fünftklässler live miterlebt. Und so möchte er versuchen, dies beim Schreiben zu verarbeiten. Dabei steht er auch mit dem „Dramatiker“ in Kontakt, welcher dies als Theaterstück auf die Bühne bringen möchte. So wechselt die Geschichte zwischen heute und dem Austausch mit dem Dramatiker, aber auch Szenen aus der Vergangenheit fließen mit ein. Der Autor bezieht sich auf Berichte der Kommission, der Psychologen und eigene Erinnerungen.
Es steht die Frage im Raum, wie nah man eigentlich beteiligt sein musste, um traumatisierte zu sein (Hausmeister)? Oder wie stark man den „Helden“ spielen darf (Lehrer Heise)?
Ich selbst kann mich aus den Medien noch gut daran erinnern und an den Schock. Das Bild Robert Steinhäusers war sofort wieder präsent. Ein Ereignis, was ein Land nahezu in Schockzustand versetzt hat. Erschreckend zu lesen, wie danach auch damit umgegangen wurde. Klassenarbeiten? Das Knallen des Lineals… ich mag mit nicht ausdenken, wie die Betroffenen damals traumatisiert waren. Der Autor geht nochmal zurück in die Zeit, ohne dabei auf Sensation, Schuldzuweisung oder einfach nur „Story“ zu zielen. Er lässt uns teilhaben, auch an dem, was so ein Ereignis mit einem Menschen macht.

Bewertung vom 26.09.2025
George, Nina

Die Passantin (eBook, ePUB)


sehr gut

Jeanne Patou ist eine gefeierte Schauspielerin. Doch sie kommt bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben, oder zumindest lässt sie es die Welt glauben. Der Zufall spielt ihr in die Hände, so dass sie ihren eigenen Tod vortäuschen kann und so ihrem bisherigen Leben entfliehen kann. Denn Jeanne gibt es eigentlich gar nicht, sie wurde von ihrem Mann Bernard ins Leben gerufen. Und so taucht sie in den Straßen Barcelonas unter, findet zurück zu sich selbst in d hat so die Kraft auch wieder ins Leben zu treten. Als Passantin begegnet sie ihrem Mann über 4 Jahre später wieder, aber nicht mehr als Jeanne.

Das Buch ist aus Sicht von Jeannes eigentlichem Ich erzählt. Anfangs fand ich dies verwirrend, doch dranbleiben lohnt sich. Manchmal überwältigt einen das Leben und man wünscht sich, nicht mehr da zu sein, dem anstrengenden zu entfliehen. So geht es Jeanne. Doch leider kann man nicht nur einen Teil abbrechen, wen man einen solchen Schritt geht. Und so treibt sie die Liebe zu ihren Töchtern an, wieder zurück ins Leben zu finden in d sich dem Mann entgegen zu stellen, der Jeanne erschaffen hat und gleichzeitig kaputt gemacht hat, innerlich. Gewalt in der Partnerschaft, der Weg, sich selbst zu finden und die Rolle von Frauen werden hier thematisiert und auf den Punkt gebracht. Teils mit sehr direkter Sprache, aber ohne Schnickschnack hat mich dieses Buch doch sehr bewegt. Ein toller Roman, den ich gern weiterempfehle.

Bewertung vom 26.09.2025
Bentow, Max

Rabenland / Nils Trojan Bd.13


gut

Daniels Zwillingsschwester Lilly ist vor einem Jahr verschwunden. An ihrem gemeinsamen Geburtstag taucht sie schwerverletzt wieder auf, ist jedoch total verstört und kann sich an nichts erinnern. Ihre Mutter erdrückt sie fast mit ihrer Fürsorge. Nur von Raben erzählt Lilly oft. Als die Erinnerung langsam zurückkehrt, wird Lilly ermordet aufgefunden. Und auch die Ermittlungen gestalten sich für die Kommissare bedrohlich.

„Rabenland“ erzeugt eine recht düstere Stimmung, mysteriös, so wie die Tiere selbst. Einige Stellen sind sehr rasant, Schreckmomente inklusive. Leider hat mich das Buch in Gänze aber nicht ganz abgeholt. Das Ende kam für mich nicht völlig überraschend und wirkte in Summe etwas konstruiert. Zudem habe ich mich irgendwie damit scher getan, wie die Kommissare Lilly bedrängt haben. In Summe eine spannende Story, die man gut zwischendurch lesen kann. Für mich aber leider kein Highlight.

Bewertung vom 27.08.2025
Maaß, Laura

Was du siehst (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Schauplatz ist ein kleines Dorf an der Grenze zu Westdeutschland. 1967 findet Ruth hier bei ihrem Onkel ein Zuhause. Ruth ist hochschwanger. Der Vater des Kindes ist über Nacht verschwunden, vermutlich seinem Vater in den Westen gefolgt. Ruths Vater schmeißt Ruth aus dem Haus und so kommt Ruths Tochter Jule in dem kleinen Dorf auf die Welt.
Nur kurze Zeit später erblickt auch Andi im gleichen Dorf das Licht der Welt. Die beiden wachsen zusammen auf, sind unzertrennlich und schmieden Zukunftspläne. Doch dann erfährt Jule mehr über ihre Herkunft und begibt sich auf eine lange Reise. Für Andi gibt es keine andere Frau. Doch Jule kann nicht eher Ruhe finden, als bis sie ihr Ziel erreicht hat.

Mit der Geschichte wurde ich zum Teil zurück in die Wendezeit katapultiert. Es war wunderschön zu lesen und mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben, aus der trotzdem eine weise und vertrauensvolle Lebensweisheit rührte. So, als musste es genauso passieren und gäbe gar keinen Zweifel an dem Geschehen. Zwischendurch habe ich mit den Charakteren gehadert. Andi, der jahrelang sein eigenes Leben zurücksteckt, um auf Jule zu warten. Vergeblich? Ich hätte ihn gern manchmal geschüttelt. Und zeitgleich finde ich es bemerkenswert, wie tief die Gefühle sein müssen. Und Jule, schon immer ein kleiner wilder Freigeist, die den treuen Andi einfach warten lässt, statt gemeinsam mit ihm loszuziehen. Und doch gleichzeitig auch verständlich. Der Erzählstil ist sehr angenehm, ein wenig wie ein Geschichtenerzähler oder gar ein Märchenerzähler für Erwachsene. Eine wesentliche Rolle spielt „Ich sehe was, Was Du nicht siehst“ - und darauf folgen tolle Farben und Geschichten. Welche Rolle? Lest es selbst. Der Kreis schließt sich wunderbar mit klaren Bildern. Mich hat das Buch berührt und gegen Ende musste ich mir ein paar Tränchen verdrücken.

Bewertung vom 27.08.2025
Holbe, Julia

Man müsste versuchen, glücklich zu sein (eBook, ePUB)


sehr gut

Das Buch hat alles erfüllt, was mich anspricht: Cover, Titel und Story:
Flora hat mit dem Tod ihrer Eltern noch nicht ganz abgeschlossen. In das Elternhaus mag sie nicht zurück aus Angst, von Erinnerungen eingeholt zu werden. Und ihre „blöde Schwester“ Millie glänzt durch Abwesenheit. Zumindest anfangs, denn dann steht sie plötzlich in der Tür. Und gemeinsam setzen sichtbare Erinnerungen wieder zusammen Indonesien begeben sich auf eine Reise, ihre Eltern zu finden.

Ein Schlagabtausch an Dialogen, der absolut lesenswert ist. Eine erzählende Schwester mit einer Menge Wut im Bauch und eine Schwester, die ihre Probleme durch Verdrängung meistert. Die Reise der Schwestern zu lesen, fand ich klasse und doch hat mir etwas gefehlt. So toll die Dialoge waren, so treffend die Zitate, hatte ich Mitte des Buches das Gefühl, es geht nicht voran. Mir hat ein wenig die Tiefe gefehlt, das Auseinandersetzen mit der scheinbar problematischen Vergangenheit. Stattdessen hatte ich das Gefühl, einem 60 jährigen Trotzkopf zuzusehen. Dennoch beschäftigt mich das Buch im Nachgang und lässt mich mit der Frage zurück, wie man selbst als Erwachsener mit der Enttäuschung über die eigenen Eltern umgeht. Wie lange „darf“ man enttäuscht sein und motzig und wann ist es an der Zeit loszulassen und Fehler zu akzeptieren? In Summe lesenswert, mit kleinen Schwächen hinsichtlich Längen und Tiefe.

Bewertung vom 24.08.2025

Marvel Enzyklopädie


ausgezeichnet

Wer kennt nicht die Helden aus dem Marvel-Universum? Bekannt aus Comics und inzwischen vor allem erfolgreichen Filmen kann man hier stets Spannung und Action erwarten. Das klassische „Gutes besiegt Böses“ mit starken Helden katapultiert einen für den Moment raus aus der Realität.

Und mit der „Marvel Enzyklopädie“ aus dem Hause @dkverlag kann man nun noch tiefer eintauchen in die Welt der Superhelden. Wer steckt hinter Sandman? Was verbirgt sich hinter der Geschichte von Iron Man alias Tony Stark? Welche Welten gibt es? Welche Verbindungen bestehen zwischen den Superhelden oder den Bösewichten?

Nach der Lektüre dieses Buches ist man hier definitiv schlauer, es sei denn man war vorher schon Fan der ersten Stunde und weiß das alles 😉 Im Stil eines Lexikons kann man in dieser Enzyklopädie auf jeweils (mind.) einer Doppelseite mehr zu den bekannten und auch unbekannteren Figuren des Marvel-Universums erfahren. Dabei lädt das immerhin über 500 Seiten umfassende Werk ein, zu stöbern und zu entdecken.
Nicht nur für Fans ein tolles Werk, in dem es viel zu entdecken gibt und was man definitiv mehr als 1 mal in die Hand nimmt.

Bewertung vom 24.08.2025
Allan, Sophie;Barker, Josh

Erstaunliches Universum


ausgezeichnet

Das Universum per se ist für mich erstaunlich und nicht zu fassen. Was da passiert und wie stark dies alles doch unseren Alltag beeinflusst (Uhrzeit, Jahreszeit usw.) übersteigt manches Mal meine Vorstellungskraft. Daher habe ich die Lektüre dieses Buches genossen. Die Themenfelder werden jeweils eingeleitet mir einer fast 2-seitigen, beeindruckenden Fotografie. Dann folgen Details, die jeweils in kurzen und gut verständlichen Abschnitten aufbereitet sind. So lädt dieses Buch absolut zum Stöbern und Entdecken ein. Wusstet ihr zum Beispiel, dass das finnische Wort für „Polarlicht“ übersetzt „Fuchsfeuer“ bedeutet? Die Finnen glaubten früher, dass die Lichter dadurch entstehen, dass ein Fuchs seinen Schweif über den Himmel schwingt. In dem Buch erfahren wir Wissenswertes über das Sonnensystem und die Planeten, aber auch über die Technik, die es ermöglicht, ins All zu reisen oder wie Sterne entstehen. Auch als Erwachsene habe ich jetzt bereits mehrfach seit Erhalt des Buches dazu gegriffen und geblättert. Ich kann mir aber auch sehr gut vorstellen, dass Kinder dies allein tun wollen oder aber auf jeden Fall gemeinsam mit den Eltern. Denn hier finden sich sicher interessante und bisher nicht allen bekannte Fakten. Begleitet werden diese mit atemberaubenden Fotos.

Daumen hoch! 👍🏻

Bewertung vom 18.08.2025
Kvensler, Ulf

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit


ausgezeichnet

Isak und Madde leben in einer kleinen Wohnung in Smaland, nahe Isaks Großvater, bei dem Isak nach einem tragischen Familienunglück, aufwuchs. Kurz vor dem geplanten Urlaub mit Madde erhält Isak einen Anruf seines Vaters, der ihn bittet, sich mit ihm auszusöhnen bevor er sterben wird. Madde überzeugt Isak zu fahren und so brechen beide Richtung Gotland auf.

Die Geschichte wird aus Sicht Isaks erzählt in kurzen Kapiteln. Zwischendurch fließen Kapitel ein, die kurze Zeit in der Zukunft liegen. Die Geschichte findet am Ende aber zusammen. Ein nervenraubender Thriller, der Gänsehautmomente enthielt, aber insbesondere an die Psyche geht. Zwischendurch war mir nicht klar, wer die Wahrheit sagt oder wer wen manipuliert. Richtig klasse umgesetzt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und war nur binnen 2 Tagen mir den knapp 400 Seiten durch. Absolute Leseempfehlung

Bewertung vom 13.08.2025
Engelmann, Julia

Himmel ohne Ende


ausgezeichnet

Es ist die Geschichte von Charlie, eines 15 jährigen Mädchens, das geprägt ist von Selbstzweifeln. Charlie vermisst ihren Vater, der die Familie verlassen hat und kämpft mit dem Erwachsenwerden. Sie fühlt sich fehl am Platz, falsch wahrgenommen und wird in der Klasse eher gemieden. Als ihre Mutter ihr dann einen neuen Partner vorstellt, ist Charlies Unglück perfekt. Und dann kommt Pommes in die Klasse und wird ihr Sitznachbar. Er hat eine andere Sicht aufs Leben und doch genau die gleichen Fragen, wie Charlie. Er tut ihr gut und es entwickelt sich eine tolle Freundschaft.

Ich fand es besonders, Charlie auf ihrer Reise zu begleiten. Zart und einfühlsam greift Julia Engelmann die Stimmung einer Heranwachsenden auf und lässt dies zu einer emotionalen und bewegenden Reise werden. Ein tolles Buch, welches ich nicht aus der Hand legen konnte, weil es mich richtig in den Bann gezogen hat. Nicht zuletzt auch wegen des besonderen Schreibstils, der den Ton genau trifft und den Leser in Charlies Gefühlswelt hineinzieht.

Bewertung vom 09.08.2025
Kuhn, Yuko

Onigiri (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die Geschichte erzählt aus Akis Leben. Ihre Mutter Keiko ist als junge Frau von Japan nach Deutschland gezogen, traf dort ihren künftigen Mann und den Vater ihrer beiden Kinder Aki und Kenta. Inzwischen ist Keiko in einen Seniorenstift umgezogen und leidet an Demenz. Aki nimmt sie nochmals mit auf eine Reise nach Japan, um ihre Familie zu besuchen. Dabei werden immer wieder kleine Episoden aus dem Leben von Aki, aber auch von Keiko erzählt.
Aki verbindet wunderbar die Kultur Deutschlands mit der von Japan, fast schnell und zusammenhanglos gibt sie Begebenheiten wieder die typisch für eines der beiden Länder sind. In wenigen, ruhigen Worten, fast wie eine Aufzählung und doch fühlt man bei Lesen direkt, was gemeint ist. Akis Mutter hatte es nicht leicht und mit der Reise nach und nach findet Aki ihren Frieden mit ihr und beide finden wieder zueinander. Während Keiko in Japan ein einfaches Leben führte, stammt ihr Ehemann aus einer reichen Familie mit vielen Regeln und Erwartungen. Auch Aki kommt als Kind in Berührung mit dieser Welt.
Die Autorin erzählt diese Geschichte so unaufgeregt, mit wenigen Worten, die es aber genau treffen. Es ist einerseits eine Geschichte über Kulturen, aber gleichzeitig eine Familiengeschichte und auch das Thema Demenz nimmt einen greifbaren Raum ein. Absolut bewegend, tiefgründig und emotional und gleichzeitig zart, ruhig und sacht formen die Worte eine gewaltige Sprache, die einfach nur eine Bereicherung war. Dieses Buch hat mich tief berührt.