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Benutzername: EmiliAna
Wohnort: Fulda
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Bewertungen

Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 17.06.2017
Der englische Botaniker
Vosseler, Nicole C.

Der englische Botaniker


ausgezeichnet

Der aus Schottland stammende Botaniker Robert Fortune wird im Jahre 1843 von der englischen Horticultural Society mit minimaler Ausstattung aber klarem Auftrag nach China geschickt!
Er soll in Europa noch nicht heimische Pflanzen suchen, beschreiben und nach England schicken.
Besonderen Wert legt die Society dabei auf die Päonie - und die Teepflanze, die nach Fortunes Expedition ihren Siegeszug in die ganze Welt antreten wird.
Die Reise gestaltet sich nicht nur abenteuerlich sondern auch sehr gefährlich - denn es ist streng verboten, die Teepflanze aus China zu exportieren.
Dass es ihm dennoch gelingt, verdankt der Botaniker, der übrigens den realen Robert Fortune zum Vorbild hat, nicht zuletzt den Menschen, die ihm in dem unbekannten, exotischen Land zur Seite stehen und die ihn darüberhinaus viel lehren über das Land, seine Bewohner und in nicht geringem Maße auch über das Leben und über sich selbst.
Als veränderter Mensch wird er nach England zurückkehren....

Dieser wunderschöne Roman voller Zartheit und Poesie mit seinen unvergesslichen Charakteren hat mich, je weiter ich las, immer stärker in seinen Bann gezogen. Er hat mich auf eine Weise berührt, wie kaum ein Buch vorher. Und wenn ich mich frage, warum das so ist, komme ich zu dem Schluss, dass dies vor allem der Sprache zu verdanken ist, mit der sich Nicole Vosseler direkt in mein Herz schreibt, mit der sie ein Land malt, das von geradezu märchenhafter Schönheit ist, Personen erschafft, die man nicht mehr loslassen möchte, die nachklingen und die mich noch lange begleiten werden!
Die Sprache mutet an wie die Seide Chinas - zart, transparent, alle Sinne umschmeichelnd, die Seele streichelnd!

Demgegenüber steht die harte Realität Chinas als auch Englands Mitte des 19. Jahrhunderts, die die Autorin kenntnisreich und klar umreißt, stehen unbarmherzige Konventionen hier wie dort, die gerade den Frauen einen Platz zuweisen, die keinerlei selbstständiges Denken und Handeln gestatten und die kaum jemand zu durchbrechen wagte.
Die beiden weiblichen Protagonistinnen des Romans aber tun genau das!

Da ist einmal Roberts Frau Jane in England, die während der Abwesenheit ihres Mannes, mit ihren beiden kleinen Kindern allein auf sich gestellt, zu einem selbstbestimmten Leben findet, ohne jedoch jemals von ihrer Loyalität dem fernen Ehemann gegenüber abzuweichen.
Und in China ist es das freiheitsliebende Schwertmädchen Lian, das sich einem grausamen, von den Traditionen vorherbestimmten Schicksal widersetzt hat und geflüchtet ist, und das nun ganz alleine durch die Lande zieht und die so gewonnene Unabhängigkeit trotz aller Einsamkeit nie mehr aufgeben wird.

Mit den Augen der beiden mutigen, dem Leser Respekt und Bewunderung einflößenden Frauen, aus ihrem jeweiligen Blickwinkel, genauso wie aus dem des Botanikers, der zwischen beiden Frauen steht, lässt die Autorin die Handlung ihres Romans sich entwickeln und voranschreiten, wodurch sie ihre Leser tief in die drei Hauptfiguren, ihre Gedanken, Erwartungen, Hoffnungen, inneren Konflikte und Zwiespälte hineinblicken und dadurch besser verstehen lässt.

So ist ein unvergleichliches, tiefgründiges Buch von hoher Qualität entstanden, an dem anspruchsvolle Leser und Liebhaber historischer Romane nicht vorübergehen sollten!

Bewertung vom 15.06.2017
Ponts de Paris (Mängelexemplar)
Ferr, Mara

Ponts de Paris (Mängelexemplar)


ausgezeichnet

Marie lebt seit acht Jahren als Obdachlose unter den Brücken von Paris.
Ihr Mann, ein Schönheitschirurg, hatte ihr nach seinem Tod einen Berg Schulden hinterlassen und Marie verlor buchstäblich alles, was ihr Leben bis dahin ausgemacht hatte und sah sich zu guter letzt mittellos mit einem Leben auf der Straße konfrontiert, ohne Aussicht, dem je wieder entfliehen zu können.
Doch eines Tages erhält sie ein Angebot, dessen Tragweite sie erst langsam begreift. Sie soll dem Bordell eines reichen Geschäftsmannes vorstehen, der ihr sehr bald klarmacht, dass nicht nur ihr eigenes Leben keinen Pfifferling mehr wert ist, wenn sie sich nicht seinen Anordnungen beugt, sondern dass auch ihr Sohn und dessen Familie sterben müssen.
So fügt sich Marie vorerst; doch ersinnt sie allmählich Wege, ihrem Gefängnis und den tödlichen Machenschaften ihres Auftraggebers zu entkommen....

Man könnte meinen, nicht viel Neues mehr zu erfahren, wenn man einen Kriminalroman aufschlägt. Unzählige sind geschrieben worden, die Themen scheinen erschöpft und wiederholen sich in den unterschiedlichsten Variationen.
"Ponts de Paris" jedoch wartet mit einem Stoff auf, der überraschend neu und in eine Handlung verwoben ist, die aufmerken lässt ob ihrer Originalität!

Dieser Stoff ist ein grausamer, beschäftigt sich mit den, im wahrsten Sinne des Wortes, Niederungen und Abartigkeiten, mit der die Spezies Mensch ihre vermeintliche Vorrangstellung als "Krone der Schöpfung" ad absurdum führt und starke Zweifel an das Gute aufkommen lässt.

Wäre da nicht Marie, die alleinige Hauptfigur des gewandt geschriebenen, sehr spannenden und psychologisch ausgefeilten Kriminalromans, der in einem den meisten Touristen unbekannten Paris angesiedelt ist, dem Paris der Armen, der von einer satten, gutbürgerlichen Gesellschaft Ausgestoßenen.
Marie, die ohne Verschulden auf der niedrigsten Stufe der sozialen Skala gelandet ist, bemüht sich darum, dennoch ihre Würde zu bewahren und anständig zu bleiben. Weder verfällt sie dem Alkohol oder den Drogen noch verkauft sie ihre Seele dem Teufel.
Sie bleibt mitleidend und mitfühlend - und als sie gar nicht mehr weiterweiß, stellen sich ihr zwei imaginäre "Helfer" zur Seite, deren Stimmen nur sie alleine hören kann, mit denen sie lebhafte Diskussionen führt und die sie davor bewahren, den Verstand zu verlieren und dazu ermutigen, ihre logischen Fähigkeiten und ihren Einfallsreichtum zu reaktivieren und schließlich eigenständig zu gebrauchen.

Marie überlebt dank dieser Helfer, die in Wirklichkeit Teil ihrer selbst sind, die tief aus ihr heraus kommen, aus dem Menschen, der sie vielleicht einmal war oder eigentlich ist, und zu dem sie wieder zurückzufinden lernen muss.

Mara Ferr ist in der Tat ein außergewöhnlicher Kriminalroman gelungen!
Sie hat Marie so liebevoll und feinfühlig und doch so realistisch gezeichnet, dass ihr mein Herz sofort zuflog, dass ich ihren beschwerlichen und mutigen Weg, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, nicht nur als Zuschauer verfolgte, sondern bis zum Ende des Buches mit ihr ging, - um die Hoffnung auf das kleine Glück bangend, die Marie während der ganzen Zeit, die sie für ihren Arbeitgeber, diesen Teufel in Menschengestalt tätig sein musste, aufrecht hielt, die ihr half, nicht aufzugeben.

Möge sich ihr Traum von einem Häuschen auf dem Land, weitab von Paris, das ihr nie zur Heimat wurde, nicht werden konnte, schließlich erfüllen!

Bewertung vom 15.06.2017
Bitterer Calvados / Kommissar Leblanc Bd.3
Simon, Catherine

Bitterer Calvados / Kommissar Leblanc Bd.3


ausgezeichnet

In "Bitterer Calvados" gibt es ein spannendes Wiedersehen mit Kommissar Jacques Leblanc aus Deauville in der Normandie.
Hier findet alljährlich das Krimifestival "Mord am Meer" statt, das in diesem Frühling mit einer besonderen Attraktivität aufwartet: Jean-Paul Picard, kurz JPP genannt, seines Zeichens Bestsellerautor einer Reihe von brisanten Kriminalromanen und Frauenschwarm, hat sein Erscheinen angekündigt!
Doch unglücklicherweise wird er bereits kurz nach seiner aufsehenerregenden Lesung tot im Hotelzimmer gefunden, ermordet, wie es schnell offensichtlich wird, durch Zyankali, das ihm mit einem Glas Calvados, seinem bevorzugten Getränk, verabreicht wird...
Auf Kommissar Leblanc und seine Assistentin Nadine kommen sich mühsam gestaltende Ermittlungen zu, in deren Verlauf sich eine Szenerie aus Habgier, Neid, Skrupellosigkeit und Rache entfaltet, die den Leser bis zur Auflösung zum Mitdenken und Miträtseln auffordert.

"Wer Erholung von blutig-düsteren Schweden-Krimis braucht, findet sie in der Normandie" liest man auf dem Klappentext!
Eine treffende Charakterisierung des Romans, wie ich zu meiner Freude bald feststellen konnte!
Der Fall, mit dem es der lebensfrohe Jacques Leblanc zu tun hat, entbehrt dabei keineswegs der Spannung, was wieder einmal beweist, dass ein guter Kriminalroman auch durch andere Elemente fesseln kann als durch blutige, möglichst grausame Details und irre Mörder, deren kranke Phantasie auf mich persönlich eher abstoßend wirkt.

Catherine Simon erzeugt Spannung auf eben jene subtile Art, die ich an einem guten Krimi besonders schätze - auf psychologischer Ebene nämlich!
Leblanc möchte vor allem verstehen, was für eine Art Mensch der Ermordete war und was seinen Mörder veranlasste, ihn zu töten.
Dabei durchleuchtet er JPPs Umfeld, schaut in seine Vergangenheit, geht jeder nur möglichen Spur nach, von denen nicht wenige im Sande verlaufen, beginnt wieder von Neuem...
Als wenig spektakuläre akribische Kleinarbeit möchte ich seine Vorgehensweise bezeichnen.

Und genau so kommt er schließlich zur Lösung des Falles, nicht durch einen wenig glaubwürdigen Zufall, wie man das normalerweise von Kriminalromanen gewohnt ist.
Leblanc ist ein Arbeiter, kein Super-Ermittler, kein Detektiv mit fortwährenden Geistesblitzen - und gerade deshalb realistisch!
Jemanden wie ihn kann man bei der Polizei des öfteren antreffen!

Kein Zweifel - der Kommissar Leblanc ist die eigentliche Hauptfigur des Krimis! Die Handlung dreht sich um ihn, seine Persönlichkeit, seine Befindlichkeiten, seine Beziehungen zu den Menschen in seinem Umfeld.
Auch als Person ist Leblanc angenehm durchschnittlich, doch gleichzeitig sympathisch mitsamt dem Wirrwarr in seinem Gefühlsleben, dem schwierigen Verhältnis zu seiner exzentrischen Mutter, seiner Unentschlossenheit in Bezug auf Frauen und Bindung.
Wie wohltuend, es mit einem so alltäglichen Charakter zu tun zu haben!

Das Stück Erde, in der der Roman spielt, die Normandie, unspektakulär im Vergleich zur Provence, aber mit einem ganz eigenen Zauber, trägt schließlich in nicht geringem Maße dazu bei, dass man gerne in Deauville, bei Leblanc und seinen Freunden verweilen möchte!
Angenehm zurückhaltend, beinahe beiläufig und ohne Zuhilfenahme der Superlative, die oft gebraucht werden, wenn Schriftsteller das besondere Flair Frankreichs zu beschreiben versuchen, gelingt es Catherine Simon dennoch mühelos, genau dieses Flair dem Leser zu vermitteln und Bilder zu erzeugen, die mich mitnehmen an die raue Atlantikküste und zum Bleiben einladen.
Ein schöner, empfehlenswerter Kriminalroman, - fürwahr!

Bewertung vom 11.06.2017
Die Mädchen von der Englandfähre / Nora Sand Bd.1
Theils, Lone

Die Mädchen von der Englandfähre / Nora Sand Bd.1


gut

Die Dänin Nora Sand ist Journalistin mit Leib und Seele!
Sie arbeitet in London für eine dänische Zeitung und berichtet auch aus aktuellen Krisengebieten.
Außer für ihre Leidenschaft, das Kickboxen, hat sie kaum Zeit außerhalb ihrer Arbeit.
Eines Tages fällt ihr bei einem Trödler ein alter Koffer in die Hände, in dem sie später eine Reihe von Photos junger Frauen entdeckt, auf denen sie zwei Mädchen wiedererkennt, die vor dreißig Jahren von der Fähre zwischen Dänemark und England spurlos verschwanden und bis heute nicht wieder aufgetaucht sind.
Wurden sie die Opfer des Serienmörders Hix, der inzwischen im Gefängnis sitzt?
Fasziniert von dem Rätsel stellt Nora Nachforschungen an, die sie zwischen England und Dänemark hin und her pendeln lassen und die sich sehr mühsam gestalten.
In gleichem Maße schwierig wird Noras Privatleben, nachdem sich Andreas, ihr bester Freund aus der Schulzeit, den sie damals abblitzen ließ, nach vielen Jahren wieder bei ihr meldet und ihre Gefühle Purzelbäume schlagen lässt.
Als Nora, anstatt mit der Polizei und Scotland Yard, die ebenfalls brennendes Interesse an dem nie gelösten Fall haben, zusammenzuarbeiten, im Alleingang mit ihren Ermittlungen vorankommt, merkt sie, als es beinahe schon zu spät ist und sie einem zu allem entschlossenen Killer gegenübersteht, in welche Gefahr sie sich begeben hat....

Kein Zweifel, Lone Theils Erstlingswerk ist spannend! Und gut geschrieben ist es auch! Die Dänin, Journalistin wie ihre Hauptfigur Nora, versteht ihr Handwerk.
Ihr Kriminalroman soll den Auftakt bilden zu einer Serie, in deren Mittelpunkt die wackere, jedoch zu sturem, unüberlegtem Handeln tendierende Nora Sand steht.
Das erklärt vielleicht, warum die Autorin noch sehr verhalten ist, was die Protagonistin und mit ihr alle anderen Charaktere, die zu ihrem Lebens- und Arbeitsbereich gehören, betrifft.
Man bekommt, während die Handlung voranschreitet, immer stärker den Eindruck, dass besagte Figuren nur angerissen sind, dass man ihnen nie richtig nahe kommt, sie eigentlich nicht wirklich kennenlernt und somit auch nicht versteht.

Gerade Noras Handlungsweise ist oft kaum nachvollziehbar. Das mindert zwar nicht die Spannung des Krimis, lässt ihn aber leider verflachen und viele Unstimmigkeiten und Unglaubwürdigkeiten ins Auge fallen, über die man, würde man Nora und ihre Lebensumstände vor und während ihrer Zeit in London besser kennen, womöglich hinweggelesen hätte. Schade!

Auch das Auf und Ab ihrer Gefühle, ihr pubertäres Verhalten, das so gar nicht zu dieser investigativen Journalistin und selbständigen Person passt, ihre unklare Beziehung mit dem Schulfreund und schließlich die - vorläufige - Auflösung kann nicht wirklich überzeugen! Doch scheint mir dieser Handlungsstrang durchaus ausbaufähig in weiteren Bänden.

Der Roman rast schließlich auf ein doch recht unerwartetes, aktionsreiches, gleichzeitig für meinen Geschmack viel zu konstruiertes Ende zu, das den Leser tiefer in die Abgründe der rabenschwarzen Seele eines eiskalten, perversen und entmenschlichten Mörders blicken lässt, als der eine oder andere sich gewünscht hätte, und das mich entsprechend unzufrieden und mit einer Reihe unbeantworteter Fragen und nicht verknüpfter Handlungsfäden zurückließ.
Und aus eben diesem Grunde verspüre ich auch nicht das Verlangen, die Bekanntschaft mit Nora Sand in etwaigen Folgebänden fortzusetzen!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.06.2017
Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor
Bell, Darcey

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor


schlecht

Stephanie umgibt sich gerne mit Geheimnissen!
Immer wieder erzählt sie dem Leser, dass man niemandem vertrauen darf, weil man niemanden wirklich kennt. Und dennoch tut sie genau das Gegenteil: sie vertraut ihrer schicken Freundin Emily, glaubt, sie zu kennen und erweist ihr jeden Gefallen, um den diese sie bittet!
Und als Emily sie eines Tages fragt, ob Stephanie an ihrer Statt den kleinen Sohn Nicky aus der Vorschule abholen kann, erfüllt sie ihr natürlich diese Bitte.
Doch Emily taucht weder an diesem Abend noch am nächsten bei Stephanie auf, sie ist wie vom Erdboden verschwunden! Stephanie ruft in ihrem Blog alle Mütter - denn diese soll der Blog ansprechen - auf, nach ihrer Freundin Ausschau zu halten, während sie selbst sich derweil um Nicky kümmert, der zum Glück der beste Freund ihres eigenen Sohnes Miles ist, sowie auch um Nickys Vater Sean, in den sie sich alsbald schon verliebt.
Und damit nimmt eine Kette von Verwicklungen ihren Lauf, die niemand vorhersehen konnte....

So weit, so gut! Ein Stoff, aus dem durchaus ein spannender Thriller hätte entstehen können, mag man denken!
Doch weit gefehlt! Bis zum Ende habe ich mich gefragt, warum um alles in der Welt die Autorin ihrem Erstling, einem langweiligen, verworrenen, mühsam konstruierten, unendlich öden und deshalb ärgerlichen Roman die Bezeichnung "Thriller" gegeben hat!
Er gleicht eher dem hilflosen Versuch eines Psychogramms einer Handvoll herzlich unsympathischer, komplett verrückter, irrealer und zudem noch saft- und kraftloser Charaktere, die absurde, nicht nachvollziehbare Dinge tun und viel unsinniges, überflüssiges, wirres Zeug daherreden.

Vor allem Stephanie, die eine der Hauptfiguren im Roman ist, die sich Mom-Bloggerin nennt und deren Blog-Einträge sich unseligerweise durch den größten Teil des misslungenen Werkes ziehen, ist ein einziges Ärgernis! Sie sieht sich gerne als kompetente Über-Mutter, die für alles Verständnis hat, die allen Müttern auf der Welt direkt in die Seele schauen kann, und maßt sich an, Ratschläge zu erteilen!
Ausgerechnet sie, die an Dummheit und Einfalt kaum zu überbieten ist ...
Beim Lesen habe ich mir ständig gesagt, dass so blöde doch niemand sein kann, dass da noch etwas kommen muss, dass Stephanie, die zu dem Leser neben ihrem Blog auch noch direkt spricht, besser gesagt ihn vollblubbert, uns an der Nase herumführt und dass da gewiss noch etwas Unerwartetes, Überraschendes kommen wird...
Aber nein! Sie ist genau diejenige, als die sie sich darstellt: eine unerträgliche Nervensäge, die sich, unter dem durchlässigen Deckmäntelchen der Bescheidenheit, als das Zentrum des Universums ansieht!

Nicht besser sind die übrigen Figuren, die ich auch bei gutem Willen nicht als Charaktere bezeichnen kann, und die ich als rückgrat- und charakterlos, feige, boshaft, intrigant, mörderisch beschreiben möchte, und deren Handlungen ich bis zum herbeigesehnten Ende verständnislos gegenüberstehe!

Was will uns die Autorin sagen mit diesem ihrem Werk?
Gar nichts, fürchte ich!
Wenn sie uns in Spannung halten, uns unterhalten möchte, dann möge man ihr doch anraten, einige echte Thriller von den Meistern ihres Fachs zu lesen, einfach bei ihnen in die Lehre zu gehen.
Auf dass weitere "Thriller" aus ihrer Feder, so sie solche denn zu schreiben gedenkt, denn auch wirklich diese Bezeichnung verdienen mögen!

Bewertung vom 26.05.2017
Das Haus der schönen Dinge
Rehn, Heidi

Das Haus der schönen Dinge


ausgezeichnet

Der Roman beginnt im Jahr 1897 mit der Eröffnung des fiktiven Kaufhauses Hirschvogl im Herzen von München und führt den Leser bis in die Nachkriegszeit ins Jahr 1952.
Er erzählt die wechselvolle Geschichte dreier Generationen der jüdischen Familie Hirschvogl vor dem historischen Hintergrund des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik bis hinein in die Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem unaufhaltsamen Weg in den Zweiten Weltkrieg.
Drei Frauen vor allem sind es, die die Geschicke des Kaufhauses über die Jahre lenken: Thea, ihre Tochter Lily und ihre Enkelin Edna. Drei starke Frauen, die mit Phantasie, Tatkraft und einer gehörigen Portion Geschäftssinn das Hirschvogl zum ersten Haus am Platz machen und es auch über schwere Zeiten hinweg erhalten - bis es schließlich, wie alle jüdischen Geschäfte, ein Opfer der bösen braunen Zeit wird...

Mit fundiertem Hintergrundwissen ausgestattet beschreibt Heidi Rehn die Welt der Kaufhäuser, der Häuser "der schönen Dinge" und ihrer Anfänge. Fasziniert lässt sich der Leser durch die Konsumtempel von einst führen, die exzellente Warensortimente von hoher Qualität zum Kauf anboten oder auch nur zum Schauen einluden.
Die Autorin schildert dies so anschaulich und verführerisch, dass bei so manchem Leser der Wunsch geweckt werden mag, eine Zeitreise in die so liebevoll eingerichteten Märkte von damals zu unternehmen, für die das Hirschvogl stellvertretend ist und die so gar nichts mit den Kaufhäusern heutzutage gemein haben, um sich staunend dem Sinnesgenuss hinzugeben.

Aber es ist nicht nur die schillernde Welt der Warenhäuser, die den Roman so reizvoll macht, - es sind vor allem auch die Charaktere, die Heidi Rehn zeichnet und an deren Schicksal ich bis zur letzten Seite lebhaft Anteil genommen habe, die mich bewegten, anrührten, beschäftigten, ob ich sie und ihre so unterschiedlichen Handlungsweisen nun mochte oder nicht. Und da die Sprache der Autorin so prägnant ist, bedarf es nicht vieler Worte, um sich ihre Figuren auf das Lebhafteste vorstellen zu können!

Von Tragödien bleiben weder die Hirschvogls noch deren treue oder weniger treue Freunde verschont - wie denn auch, in einer Zeit, als den Deutschen jüdischen Glaubens das Leben zunehmend erschwert wurde, sie nicht nur den Schikanen eines unmenschlichen Systems sondern auch unzähliger ihrer Mitbürger ausgesetzt waren.
Als Leser kann ich hier nicht bloß Zuschauer sein! Man ist, ob man das nun möchte oder nicht, unwillkürlich mittendrin, ist entsetzt, voll ohnmächtigem Zorn und voller Trauer.
Dies umso mehr, als man weiß, dass das, was den Hirschvogls zugestoßen ist, keine Fiktion ist, dass es tausendfach so oder so ähnlich geschehen ist.

Auch was die Vorgänge in Hitlerdeutschland anbelangt, erweist sich die Autorin als genaue Kennerin der Materie!
Als Schriftstellerin von hohem Niveau lässt sie sich zu keinem Zeitpunkt zu Sentimentalitäten hinreißen, ihre Sprache ist immer klar und sachlich, ihre Aussagen sind präzise. Und sicher übt ihr Roman gerade auch deshalb eine so nachdrückliche Wirkung auf mich als Leser aus.
Sie zerredet nichts. Vieles lässt sie ungesagt, lässt sie zwischen den Zeilen erahnen. Sie überlässt dem Leser so manche Schlussfolgerung, gibt ihm Raum zum Nach- und Weiterdenken, Raum auch für eigene Interpretationen.
Gerade das ist es, was für mich den Roman so besonders macht, denn es hebt ihn ab von der Flut der Bücher, die in der gleichen Epoche angesiedelt sind und die mit ausführlichsten Schilderungen der Dinge angefüllt sind, die keiner Erwähnung mehr bedürfen, weil hinlänglich bekannt ist, wie Nazideutschland mit der jüdischen Bevölkerung umsprang...

So gesehen ist "Das Haus der schönen Dinge" ein wenig spektakulärer, ein leiser Roman, der gerade deshalb so eindringlich ist, so berührend, dass man ihn nach dem Lesen nicht einfach beiseite legen und rasch vergessen kann.
Mir selbst wird er, bedrückend und verstörend, aber nachhaltig, im Gedächtnis bleiben!

Bewertung vom 11.05.2017
Aimées geheimer Wunsch (eBook, ePUB)
Doust, Kelly

Aimées geheimer Wunsch (eBook, ePUB)


schlecht

"Eine unglückbringende Handarbeit"

Der Roman beginnt durchaus vielversprechend!
Im Jahre 1891 lernen wir eine junge Französin kennen, die von ihrem Vater wie eine Gefangene in dem weitläufigen Haus der Familie gehalten wird und die kurz vor der Verheiratung mit einem ihr weitgehend unbekannten Mann steht. Ängste vor der Zukunft nehmen sie völlig gefangen, sie möchte fliehen, wagt es aber nicht und ergibt sich so in ihr unvermeidliches Schicksal.
Doch vorher stickt sie noch etwas, dem Leser bis zum Ende des Buches Vorenthaltenes, in die Innenseite des von ihr kunstvoll mit Perlen angefertigten Kragens...
Dieser Handlungsstrang bricht mit dem Tag ihrer Heirat unvermittelt ab und die Engländerin Maggie aus der Gegenwart kommt ins Bild.
Sie ist eine überforderte junge Frau mit mannigfaltigen Problemen, die vergeblich versucht, Berufstätigkeit und ihre Rolle als Mutter miteinander zu vereinbaren.
Eben diese Maggie gelangt nun in den Besitz des Kragens, den sie aber nicht als solchen erkennt. Sie sieht in ihm ein Diadem....

Und nach diesen beiden Charakteren reißt der rote Faden ab!
In einer Aufeinanderfolge von weitgehend zusammenhanglosen Szenen erfährt man über einen Zeitraum von etwa hundert Jahren von den weiteren Besitzerinnen der Handarbeit, deren eigentliche Bestimmung aber allen unbekannt bleibt.
Eine Art Bindeglied zwischen diesen Frauen, denen der Besitz des Kragens fortwährend Unglück beschert, bleibt Maggie - eine blasse, blutleere, problembehaftete Person, die für mich niemals greifbar wurde, deren nicht nachvollziehbare Handlungsweise gepaart mit einem laufend sich verändernden Charakter entweder auf eine Persönlichkeitsstörung hinweist oder auf die Möglichkeit, dass die Autorin bis zum Schluss nicht wusste, wie sie ihre Hauptfigur anlegen sollte...

Der Roman selbst wirkt mühsam konstruiert, er ist überfrachtet mit unglaubwürdigen Personen und ebensolchen Schicksalen, an denen es mir unmöglich war, Anteil zu nehmen.
Die Verbindungen, die zwischen einigen wenigen der Handlungsstränge ebenso mühsam hergestellt wurden, erscheinen mir unbeholfen und ungeschickt.
Das gleiche gilt für die Entwicklung, die die Autorin ihren Protagonisten mit Gewalt aufdrückte und die ich als an den Haaren herbeigezogen beschreiben möchte.
Dabei bedient sie sich leider auch einiger abgegriffener Klischees, die das Niveau des Romans noch weiter senken, auf, so möchte ich fast sagen, Groschenheftniveau nämlich.
Dabei stecken in dem Buch jede Menge guter Ansätze!
Ein großer, ein begabter Erzähler hätte daraus womöglich einen großen Roman machen können...
Aber Kelly Doust konnte das nicht! Weniger wäre entschieden mehr gewesen! Denn hätte sie sich auf die Französin Aimee und Maggie als Protagonistinnen beschränkt, wäre sie gut beraten gewesen, und es hätte ihr vielleicht sogar gelingen können, eine glaubhafte, mitreißende Geschichte zu erzählen, denn ihre Art des Ausdrucks ist nicht schlecht, wobei ich nicht beurteilen kann, welchen Anteil die Übersetzerin daran hat.
Da sie das aber versäumt hat, ist ein Buch entstanden, das mich über weite Strecken gelangweilt hat und das ich persönlich nicht weiterempfehlen kann....

Bewertung vom 09.05.2017
El Gustario de Mallorca und das tödliche Elixier / Sven Ruge Bd.1
Lamberts, Brigitte

El Gustario de Mallorca und das tödliche Elixier / Sven Ruge Bd.1


ausgezeichnet

"Kulinarischer Reiseführer und Kriminalroman"

Sven hat den Auftrag, einen kulinarischen Reiseführer über Mallorca zu schreiben!
Für ihn, den passionierten Feinschmecker und Mallorcaliebhaber, geht damit ein Traum in Erfüllung. Nicht nur hat er die einmalige Chance, einige Monate auf seiner Lieblingsinsel zu verbringen, sondern er kann sich auch nach Herzenslust all den gastronomischen Genüssen hingeben, die die schöne Insel in überreichem Maße zu bieten hat.
Dass er dabei in ein kriminalistisches Abenteuer gerät, bei dem anstatt seines feinen Gaumens seine ermittlerischen Fähigkeiten, über die er als Journalist natürlich auch verfügt, gefragt sind, kann er, als er den Auftrag annimmt, freilich noch nicht ahnen!
Durch Zufall erfährt er von der Suche zweier Privatdetektive nach einem uralten Fläschchen mit einem Elixier, dem wunderbare Heilkräfte zugeschrieben werden und für das im Jahre 1441 sogar ein Mord begangen wurde.
Svens Neugierde ist geweckt und er beschließt, auf eigene Faust und dann mit der Hilfe neugewonnener mallorquinischer Freunde dem Geheimnis auf den Grund zu gehen und nach dem Verbleib des Fläschchens zu forschen.
Und so gerät er unversehens in ein gefährliches Abenteuer...

Allen, die einen actionreichen Kriminalroman oder gar Thriller vor der wunderschönen Kulisse der Urlauberinsel Mallorca erwarten, sei gesagt, dass es sich bei vorliegendem Roman nicht unbedingt um einen solchen handelt!
"El Gustario de Mallorca..." ist am treffendsten als Reiseführer durch die vielen ausgezeichneten Restaurants und Bars der Insel mit Krimielementen zu bezeichnen, - und wenn man das Buch unter genau dieser Prämisse liest, ist es ganz gewiss ein außergewöhnliches, informatives, gut geschriebenes Werk, das jedem geschichtlich und kulinarisch interessierten Leser, der sich zudem noch zu der schönen Insel im Mittelmeer hingezogen fühlt, zu empfehlen ist!

Die Autorin beschreibt mit großer Liebe zum Detail zum einen eine ganze Reihe von Orten und touristisch abseits gelegenen Plätzen auf Mallorca, die gleichzeitig auch in Beziehung zu den Nachforschungen des Protagonisten stehen. Sie tut das auf eine Weise, die durchaus bei dem einen oder anderen Leser Fernweh hervorrufen mag.
Alle diese Orte stehen zum anderen natürlich auch in Beziehung zu Svens Auftrag, da sie Spezialitäten anzubieten haben, die Sven dahinschmelzen lassen.
Auch hier wird die Autorin sehr detailliert und lässt den Leser auch einiges über die rechte Zubereitung der Gaumenfreuden wissen!
An dieser Stelle vielleicht eine Information für Vegetarier:
Sie werden weniger auf Ihre Kosten kommen! Was auch der typischen spanischen Küche geschuldet ist, die noch immer stark fleisch- und fischlastig ist...

Der Kriminalteil des Romans ist eingebettet in ein Ereignis aus der fernen Geschichte der Insel - und diese wurde ganz offensichtlich sehr genau von Brigitte Lamberts recherchiert! Sie nimmt den Leser mit in eine Zeit, die ihm, wie den meisten, die weder Mallorquiner noch Historiker oder Geschichtslehrer sind, unbekannt sein dürfte.
Und die einen differenzierten Blick auf die Baleareninsel ermöglicht, die - und das wird jedem am Ende des Romans klar - weit mehr zu bieten hat als Sonne, Strand und Sangria....

Bewertung vom 08.05.2017
Ein Dorf zum Verlieben
Böhme, Dorothea

Ein Dorf zum Verlieben


ausgezeichnet

"Richard muss weg"

Wanda ist Yogalehrerin. Sie lebt immer noch in dem fiktiven kleinen Ort Osterbüren im Münsterland, in dem sie aufwuchs, ist dort äußerst beliebt bei Jung und Alt und hilft, gute Seele, die sie ist, wo immer sie kann.
Aber ein geheimer Kummer nagt an ihr - und das schon seit vierzehn langen Jahren!
Der Kummer heißt Richard, ist ihre Jugendliebe, oder besser: die Liebe ihres Lebens, und eine Verkettung unglücklicher Ereignisse, die dem Leser bis zum Schluss unbekannt sind, hat sie vor all den Jahren von ihm getrennt. Das hat sie nie verwunden - und das ganze Dorf weiß nicht nur darüber Bescheid, sondern nimmt auch regen Anteil daran!
So ist es nicht verwunderlich, dass, als Richard, inzwischen Mediziner, eines Tages nach Osterbüren zurückkommt, um den örtlichen Hausarzt zu vertreten, ein aberwitziges Komplott geschmiedet wird, das darauf zielt, ihn zunächst einmal von Wanda fernzuhalten und ihn dann mit allen Mitteln aus dem Dorf zu vertreiben.

Dieses Komplott zieht sich durch den größten Teil des munteren Romans, der mit einer Anzahl schrulliger und zu allem entschlossenen Charaktere aufwartet, allen voran Wandas beiden Großmüttern, die unterschiedlicher nicht sein können. Sie sind in der Tat die Anführerinnen und schrecken vor nichts zurück, um ihre geliebte Enkelin vor dem vermeintlich treulosen "Bösewicht" Richard zu schützen. Dabei schießen sie nicht nur einmal gewaltig übers Ziel hinaus - sehr zum Amüsement der Leserschaft....

Der Roman ist spritzig und voll mit skurrilen Einfällen, wobei das Happy End natürlich vorprogrammiert ist!
Natürlich sind die Charaktere und ihre Aktionen überspitzt dargestellt, aber das macht auch ihren Reiz aus!
Und ganz nebenbei bekommt man einen nicht unrealistischen Einblick in die Strukturen des Dorflebens, die auch darauf basieren, dass lebhaft Anteil genommen wird an den Mitbürgern, was bis zur unwillkommenen Einmischung reichen kann - wie hier im Falle der Roman-Wanda.
Und wenn man sich von Anfang an darüber im Klaren ist, dass man mit Dorothea Böhmes Buch einen leichten, unbeschwerten Unterhaltungsroman vor sich hat ohne intellektuellen Anspruch, steht dem entspannten, heiteren Lesevergnügen nichts mehr im Wege!

Ich habe den Roman bis zum Ende genossen, wie man einen schönen, unbeschwerten Sommertag genießt - und gelegentlich laut gelacht!
Eine erfreuliche Abwechslung vom Alltag - und für alle zu empfehlen, die einfach mal abschalten und nicht in jeder Geschichte einen tieferen Sinn finden wollen!

Bewertung vom 01.05.2017
Feuer der Leere
Corvus, Robert

Feuer der Leere


ausgezeichnet

"Spannende Reise im gnadenlosen Universum"

Zugegeben - unerfahren auf dem Gebiet der Science-Fiction Literatur, hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Roman vertraut zu werden! Wobei das Genre an sich nicht die Hauptschwierigkeit darstellte, sondern vielmehr die durchweg sehr detaillierten technischen und naturwissenschaftlichen Ausführungen.
Und ist man auf diesen Gebieten nicht ausreichend versiert, betrachte ich "Feuer der Leere" nicht unbedingt als ideales Einstiegswerk für Neulinge.

Doch hat es sich für mich gelohnt, mich, wenn auch mühsam, in die Materie und somit in den Roman hineinzudenken, was nicht zuletzt der hervorragenden Erzähltechnik eines Autors zu verdanken ist, dessen bildgewaltige Vorstellungskraft, überbordende Phantasie und fundierteste Sachkenntnisse mir das Lesen letztendlich zu einem fesselnden Abenteuer gemacht haben.
Ein Abenteuer auch deswegen, weil abgesehen von Technik und Naturwissenschaft die Protagonisten und ihre Interaktionen beim Leser zwangsläufig ein Nachdenken über grundlegende Fragen der Menschheit provozieren, das weit über die eigentliche Handlung hinausgeht und bei dem einen oder anderen nachhaltige, vielleicht sogar beunruhigende Wirkungen hat.

Die Handlung des Romans ist auf einige Monate begrenzt und konzentriert sich weitgehend auf eine Handvoll Protagonisten, die in dieser Zeitspanne allesamt einschneidende Erfahrungen machen, die ihr Leben grundlegend verändern werden. Am Ende des Buches haben sie nur noch wenig gemein mit denen, die sie zu Beginn der Reise durch die unermesslichen Weiten des gnadenlosen Weltraums waren, in den Robert Corvus den Leser bereits auf der ersten Seite seines beinahe 500 Seiten umfassenden Romans hineinwirft.
Er entwirft eine Welt, in der die Erde nicht mehr existiert und in der die, an der heutigen Bevölkerungszahl gemessen, wenigen überlebenden Menschen auf Großraumschiffen im Flottenverband durch die Unendlichkeit reisen, - auf der Suche nach Nahrung einerseits und auf der Flucht vor übermächtigen Feinden andererseits, die, wahre Tötungsmaschinen, die Menschen erbarmungslos jagen und die im Roman zwar zumeist unsichtbar, aber dennoch allgegenwärtig sind. Ein trostloses Leben, so mag es einem erscheinen, ein Leben, in dem es einzig ums Überleben geht, in der die Furcht vor dem Morgen ein ständiger Begleiter ist.

MARLIN, SQUID, ESOX - auf diese drei Großraumschiffe konzentriert sich die Haupthandlung; eine Nebenhandlung findet auf dem Planeten Cochada statt, der eine Atmosphäre besitzt und auf dem erdverwandte Lebensbedingungen herrschen. Auf dem aber auch seltsame Lebensformen, deren Herkunft vorerst im Dunkeln bleibt, ihr ebenso seltsames Leben fristen...
Sowohl auf dem Planeten als auch auf den Raumschiffen wird der Leser mit einer Art von Leben, vielleicht besser Existieren konfrontiert, das seine Vorstellungskraft übersteigt, das ihn verblüfft, erschreckt, in Erstaunen versetzt ob der technischen, heute - noch - undenkbaren Entwicklung oder in Entsetzen ob der Fremdartigkeit, angesichts derer er sich die Frage stellen mag, ob man hier überhaupt noch von Menschen sprechen kann. In besonderem Maße trifft dies auf das ungewöhnlichste der Raumschiffe, den lebenden Organismus SQUID zu, deren Bewohner körperliche Merkmale des Schiffes angenommen haben, das sie beherbergt...

Wie funktioniert ein Zusammenleben in der Zukunft, im Weltraum? Ist eine Koexistenz möglich mit all den Wesen, die das All bevölkern? Welche Wertvorstellungen sind unter so krassen Lebensbedingungen, in der Schwerelosigkeit, der Koexistenz und dem Überleben förderlich? Wie sieht das mit der emotionalen Ebene aus?
Immer wieder werden wir vor diese Fragen gestellt... Und es gibt keine einfachen Antworten...
So haben wir hier einen sehr komplexen Roman vor uns, der es dem Leser niemals leicht macht, der ihn aber auch bis zur letzten Seite nicht loslassen wird!