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Benutzername: Isabel von Belles Leseinsel
Wohnort: Mainz
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Bewertungen

Insgesamt 585 Bewertungen
Bewertung vom 16.09.2015
Verschwörung / Millennium Bd.4
Lagercrantz, David

Verschwörung / Millennium Bd.4


sehr gut

Ein eingespieltes Team

Anfang November in Stockholm: Professor Frans Balder reist aus den USA zurück, um sich um seinen autistischen Sohn August zu kümmern. Seine Rückkehr ist aber auch eine Flucht vor seinem Job dort, den er kurzerhand gekündigt hat. Bei der NSA herrscht Krisenstimmung: Ein genialer Hacker ist in ihr Intranet eingedrungen, seine Spur lässt sich nicht zurückverfolgen. Journalist Mikael Blomkvist steckt in einer Schaffenskrise und auch die Zeiten von Millenium waren einmal besser. Da erhält Blomkvist einen Anruf von Frans Balder, kurz davor hat der Journalist erfahren, dass auch Lisbeth Salander Interesse an dem Wissenschaftler zeigt. Blomkvist lässt sich auf ein Treffen mit dem Forscher ein.

Mehrere lose Fäden, die sich im Verlauf des Krimis zu einer schnörkellosen, intelligenten und packenden Geschichte zusammenfügen. Auch trifft man einige alte Bekannte wieder, vorneweg natürlich Erika Berger. Deren Charaktere entwickelt David Lagercrantz geschickt und glaubwürdig weiter wie auch deren Beziehungen zueinander.

David Lagercrantz gelingt es mühelos, einen sofort in den vierten Band eintauchen zu lassen, sich wieder „zu Hause“ zu fühlen. Schon nach wenigen Seiten steckt man mitten in der Geschichte, fiebert mit, rätselt mit und fragt sich, wie diese unterschiedlichen Handlungsstränge sich zusammenfügen sollen. Die mitreißende Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sodass man hierdurch einen guten Überblick erhält und der Story problemlos folgen kann.

Natürlich ist der Schreibstil von David Lagercrantz ein ganz anderer als der von Stieg Larsson, aber keineswegs ein schlechterer. Manche Charakterzeichnungen sind Stieg Larsson einfach besser, leichtfüßiger gelungen und auch komplexe wissenschaftlicher Erklärungen wurden von ihm informativer und interessanter vermittelt. Hier tut sich David Lagercrantz etwas schwer und man neigt bei solchen Passagen, diese nur quer zu lesen. Wobei der Autor aber sehr feinfühlig auf das Thema Autismus eingeht und auch den kleinen August in seinem Verhalten absolut überzeugend wiedergibt.

Stellenweise war mir die Geschichte aber etwas zu „hoch“ angelegt. Die NSA und die Duma spielen in der Story eine entscheidende Rolle. David Lagercrantz beantwortet zwar im Verlauf des Krimis alle wichtigen und entscheidenden Fragen, einiges lässt aber auf eine Fortführung der Geschichte schlussfolgern. Nur fragt man sich, was dann noch kommen soll, welchen Skandal Lisbeth und Blomkvist dann noch veröffentlicht sollen? Und auch die stellenweise Darstellung von Lisbeth als fast schon Überfrau war nicht ganz nachvollziehbar. Lisbeth wird im Verlauf des Krimis schwer verwundet und die körperlichen Leistungen, welche sie mit dieser Verletzung vollbringt sind selbst bei ihrer hervorragenden Kondition eher unglaubwürdig.

Und den letzten Satz des Romans hätte man wirklich streichen sollen, dieser passt so gar nicht zur Millenium-Reihe!

Fazit: Gelungene Fortsetzung der Millenium-Reihe – komplexe, packende Story, die auf eine Weiterführung der Reihe hoffen lässt.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.09.2015
Finderlohn / Bill Hodges Bd.2
King, Stephen

Finderlohn / Bill Hodges Bd.2


sehr gut

Peter und der Wolf

Der amerikanischer Schriftsteller John Rothstein hatte in den 1960er Jahren die berühmte Läufer-Trilogie veröffentlicht und lebte danach weitab jeglichen Trubel. Seitdem sind auch keine Romane mehr von ihm erschienen. In den 1970er Jahren entschließt sich der junge Morris „Morrie“ Bellamy den großen Schriftsteller in seinem einsam gelegenen Zuhause zu überfallen und sich für dessen „Verrat“ an seinem Romanhelden Jimmy Gold zu rächen. Bei dem Mord fallen Morrie neben Geld auch viele Notizbücher von Rothstein in die Hände, welche unveröffentlichte Romane beinhalten. Morrie vergräbt alles in einem Koffer und wird kurz darauf wegen eines anderen Verbrechens zu lebenslanger Haft verurteilt. Rund 30 Jahre später wird Bellamy entlassen und gräbt als erstes den Koffer aus, doch dieser ist leer.

Mit dem Überfall und Mord an John Rothstein und der späteren Verhaftung von Morrie Bellamy beginnt Stephen King den zweiten Band der Trilogie, der nur ganz lose an „Mr. Mercedes“ anknüpft und problemlos als Einzelroman gelesen werden kann.

Der Autor lässt sich Zeit, seine Geschichte aufzubauen und seinen Charakteren ein Gesicht zu geben. Dabei legt Stephen King wieder viel Wert auf kleine Details, sei es bei Orts- Lebens- oder Personenbeschreibungen, was einem als Leser „mitleben“ lässt und eine entsprechende atmosphärische Dichte schafft, die einen regelrecht an das Buch fesselt.

Nach dem Ausflug in die Vergangenheit kehrt Stephen King recht bald in die Gegenwart zurück und zum überraschenden Fund des Koffers mit dem Geld und den Notizbüchern durch den jungen Peter Saubers. Dumm nur, dass Bellamy aus der Haft entlassen wird und Pete recht schnell auf die Spur kommt. Der besessene Ex-Häftling hat nur ein Ziel: Er muss die Notizbücher zurückbekommen und erfahren, wie die Geschichte um Jimmy Gold weitergeht.

Die überzeugenden Schilderungen des Alltags von Pete mit den massiven Geldproblemen seiner Eltern durch die Wirtschaftskrise und dem Unfall des Vaters sind eher noch gemächlich und ruhig angelegt. Auch die schwierigen wie gewalttätigen Jahre von Morrie im Gefängnis sind jetzt nicht unbedingt als spannungsgeladen zu bezeichnen. Dennoch gelingt es Stephen King problemlos, hier schon eine gewisse Grundspannung und auch Erwartungshaltung ob der weiteren Geschehnisse aufzubauen.

Als es dann zur Entlassung von Bellamy kommt und auch Ex-Detective Bill Hodges samt Holly und Jerome die Bühne betreten, entwickelt sich die Story dann zu einem hochspannenden und stellenweise auch blutrünstigem Thriller. Da nimmt man es dann gerne in Kauf, das der Ausgang des Buches jetzt nicht gerade für große Überraschungen sorgt und sich die Story genau so entwickelt wie man es sich gedacht hat. Aber einen kleinen Gruselschocker kann sich Stephen King dann am Schluss doch nicht verkneifen.

Fazit: Spannende Geschichte mit charismatischen Protagonisten und einer überzeugenden Story, wenn auch ein wenig vorhersehbar.

Bewertung vom 01.09.2015
Die Betrogene / Polizistin Kate Linville Bd.1
Link, Charlotte

Die Betrogene / Polizistin Kate Linville Bd.1


ausgezeichnet

Nur Lug und Trug?

DC Kate Linville reist nach Yorkshire, um endlich Klarheit über ihre Zukunft und auch über den Mord an ihrem Vater zu erlangen. Der hochrangige Polizist wurde vor mehreren Monaten grausam in seinem Haus ermordet, der Täter ist bis heute nicht gefunden und die zuständigen Ermittler finden keine neue Spur zu dem rätselhaften Mordfall. Nun versucht Kate auf eigene Faust den Fall zu lösen und muss erkennen, dass ihr Vater ihr all die Jahre etwas vorgespielt hat. Zeitgleich entschließt sich das Ehepaar Jonas und Stella Crane mit ihrem kleinen Sohn Sammy Urlaub auf einer entlegenen Farm in den Hochmooren von Yorkshire zu machen.

Kate arbeitet bei Scotland Yard, lebt sehr zurückgezogen und einsam. Ihr einziger Halt war ihr Vater und Kate steht nun vor der Entscheidung, ihr Leben in London fortzuführen oder nach Yorkshire zu ziehen. Um sich hierüber klar zu werden und um endlich die Ermittlungen voranzutreiben, reicht Kate kurzerhand Urlaub ein und zieht in ihr Elternhaus. Den zuständigen Ermittler DCI Caleb Hale kommt Kate mit ihren Eigeninitiativen immer wieder in die Quere, doch die introvertierte, schüchterne Frau lässt sich selbst von einem drohenden Disziplinarverfahren nicht davor abschrecken, selbst nach dem Mörder ihres über alles geliebten Vaters zu suchen. Doch bald schon muss Kate feststellen, dass Richard Linville ein geheimes Leben geführt hat, von dem seine Tochter nicht das Geringste geahnt hatte.

Stella und Jonas führen eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern ihres 5-jährigen Adoptivsohns Sammy. Da Jonas als Drehbuchautor kurz vor einem Burnout steht, entschließen sich die Cranes kurzentschlossen, die einsam gelegene Farm eines Arbeitskollegen für Ferien zu nutzen. Fernab von Fernsehen, Internet, Festnetz und Handyempfang hofft Jonas, dass er wieder zu sich selbst findet. Doch dann kommt alles vollkommen anders und die kleine Familie muss um ihr Leben fürchten.

Wie gehören diese zwei so völlig unterschiedlichen Geschichten zusammen? Diese Frage stellt man sich lange Zeit, denn es sind einfach keine Verbindungen erkennbar. Charlotte Link gelingt es wieder einmal gekonnt, lose Fäden mit der Zeit geschickt zu einer schlüssigen und vor allem sehr komplexen, nachvollziehbaren Geschichte zusammen zu weben.

Immer abwechselnd erzählt die Autorin die Geschehnisse rund um Kate und ihren ermordeten Vater und der Familie Crane weiter. Hierbei holt Charlotte Link weit aus, lässt den Geschichten Zeit, sich zu entwickeln und baut hierdurch eine packende Atmosphäre auf, die einen schnell an den Kriminalroman bindet. Die Spannung präsentiert sich eher unterschwellig, fast schleichend und steigert sich im Verlauf der überaus fesselnden Geschichte stetig.

Immer wieder nimmt die Story neue Wendungen an und Charlotte Link überrascht ein ums andere Mal damit, wie sie die losen Fäden logisch und nachvollziehbar verbindet. Ein großes Plus der Geschichte sind aber auch die detailreich und vor allem sehr lebendig agierenden Personen des Romans, die Ecken und Kanten haben dürfen, Fehler machen und stellenweise undurchschaubar bleiben, wodurch sie natürlich in ihren Handlungen ebenfalls für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Fazit: Äußerst komplex angelegte Kriminalgeschichte, die mit facettenreichen Charakteren und einer packenden, unvorhersehbaren Story überzeugt.

12 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.09.2015
Anstich / Kommissar Pascha Bd.4
Turhan, Su

Anstich / Kommissar Pascha Bd.4


sehr gut

Nach der Wiesn ist vor der Wiesn

Die Wiesn ist vorbei, Aufräumen ist angesagt, doch was da in einem Müllhaufen hinter einer Bude liegt ist dann doch ziemlich makaber. Bei einer der drei Leichen handelt es sich ganz offensichtlich um einen ausländischen Staatsbürger, sodass Zeki Demirbilek und sein Migra-Team mit der Lösung des Falls betraut werden. Tatkräftige Unterstützung erhält das Team von Kriminalhauptkommissar Pius Leipold, der als Ur-Münchner und Oktoberfest-Experte geradezu prädestiniert ist, den Fall zu lösen. Aber nicht nur beruflich geht es etwas chaotisch für Kommissar Pascha zu, auch privat gestaltet sich die geplante Hochzeit von Sohn Aydin und Kollegin Jale Cengiz mehr als schwierig.

Auf der Theresienwiese herrscht noch Katerstimmung, als bereits die Aufräumarbeiten beginnen. Auch ein älteres Ehepaar ist auf der Wiesn frühmorgens unterwegs und schaut, was die Besucher so alles verloren haben. Dabei machen sie einen grausigen Fund. Eine Leiche mit einem Kaftan bekleidet und mit eindeutig arabischen Wurzeln ruft Sonderermittler Zeki Demirbilek und Isabel Vierkant auf den Plan. Pius wird von der Chefin auch noch kurzerhand der Migra zugeordnet und für Jale, die sich im Mutterschaftsurlaub befindet, verstärkt Serkan fortan das Team. Der Kaftanträger ist schnell identifiziert, doch wer sollte einen Grund gehabt haben, den offenbar wohlhabenden Mann zu ermorden? Das Team ermittelt in alle Richtungen, wobei Pius den Ermittlern zeitweise abhandenkommt.

Neben dem aktuellen Wiesn-Fall nimmt aber auch das Privatleben von Zeki Demirbilek viel Raum ein. Die Geburt von Jale und Aydins Kind steht kurz bevor wie auch die Hochzeit der Beiden. Jale hat extreme Stimmungsschwankungen, die Aydin und Zeki mit stoischer Ruhe zu begegnen versuchen, doch das ist meist einfacher gesagt als getan. So fliegen bei dem jungen Paar öfter die Fetzen und Zeki versucht zu vermitteln. Seine Beziehung zu Derya entwickelt sich, ein romantischer Kurzurlaub in Istanbul stand gerade an. Doch Zeki hängt immer noch an seiner Ex-Frau Selma, deren Rückkehr nach München zur Geburt des Enkelkindes ansteht.

Privatleben und Ermittlungen gehen wieder Hand in Hand bei dem aktuellen Fall von Kommissar Pascha und entsprechend kurzweilig, amüsant und unterhaltsam gestaltet sich der Krimi wieder. Wobei auch die Spannung nicht zu kurz kommt, auch wenn man sich doch recht früh zusammenreimen kann, wie denn der Mann im Kaftan zu Tode kam. Allerdings werden hierzu erst zum Schluss entscheidende Fragen geklärt und zudem überrascht Su Turhan seine Leser mit einigen unerwarteten Wendungen, wodurch sich die rund 300 Seiten durchweg wieder sehr packend gestalten.

Fazit: Ein neuer Fall für Kommissar Pascha … kurzweilige, fesselnde Story mit einem guten Schuss türkischem Lebensgefühl und Münchner Flair.

Bewertung vom 26.08.2015
Das Dornenkind / Nils Trojan Bd.5
Bentow, Max

Das Dornenkind / Nils Trojan Bd.5


ausgezeichnet

Mörderkinder

Binnen kürzester Zeit werden in Berlin drei Todesopfer mit seltsamen Ritzungen in der Haut aufgefunden. Alles deutet zwar auf Selbstmord hin, doch Kommissar Nils Trojan hat seine Zweifel. Und er soll Recht behalten, sein schlimmster Alptraum in Form des Federmanns wird wahr. Der Serienmörder ist zurück und mit ihm seine Tochter und der Serienmörder sinnt auf Rache.

Eine Frau wird von einem Unbekannten verschleppt, in ein Haus gebracht, muss eine merkwürdige Handlung verrichten und wird danach wieder freigelassen. Doch vorher ritzt der Entführer der Frau noch eine seltsame Botschaft in die Haut. Kurze Zeit später ist sie tot. Was hat es mit diesen seltsamen Entführungen auf sich, welchen Zweck verfolgt der Entführer. Aber das sind nicht die einzigen Fragen, die man sich im Verlauf dieses äußerst packenden Psychothrillers stellt.

Bald schon nimmt auch Wendy am Geschehen teil. Ein junge Frau, ausgebildet in Kampfsportarten, die aus Kanada anreist, um sich um ihre kranke Großmutter zu kümmern. Wendy ist die Tochter des Federmanns, doch welche Ziele sie verfolgt, als sie mit Trojan Verbindung aufnimmt, ist lange Zeit unklar.

Geschickt spielt Max Bentow mit dieser Ungewissheit. Ist die junge Frau ihrem Vater, den sie noch nie gesehen hat, hörig oder will sie ihn entlarven, ihn der Polizei ausliefern? Die Ziele des Federmanns dagegen sind von Anfang an klar, die endgültige Vernichtung von Trojan und hierüber lässt er den Kommissar auch nicht lange im Unklaren. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Die Story bleibt bis zum Schluss absolut unvorhersehbar. Geschickt nimmt sie immer wieder neue, unerwartete Wendungen an, was neben dem packenden Erzählstil von Max Bentow zusätzlich für Spannung sorgt. Kontinuierlich baut der Autor diese Spannung weiter aus, steigert sie fast unmerklich und nimmt sich dennoch stellenweise ein wenig Zeit, auf das Privatleben seines Protagonisten einzugehen. Wobei dieses Mal allerdings ganz klar die Thrillerhandlung im Fokus steht.

Fazit: Hochspannend bis zur letzten Seite mit einer ausgefeilten, vielschichtigen Story und überzeugend agierenden Protagonisten.

Bewertung vom 25.08.2015
Berliner Blut / Emma Vonderwehr & Edgar Blume Bd.4
Lanfermann, Mechthild

Berliner Blut / Emma Vonderwehr & Edgar Blume Bd.4


ausgezeichnet

Mord in der Nationalgalerie

Die Radioreporterin Emma Vonderwehr wird zu einer Ausstellungseröffnung gerufen. Während dieser wurde die afrikanische Künstlerin Claire Elbar ermordet aufgefunden, Augenzeugen des Vorfalls lassen sich trotz der reichlich Anwesenden keine finden. Hauptkommissar Edgar Blume, Exfreund von Emma, ermittelt in dem Fall. Und auch Emma lässt der bizarre Fall keine Ruhe. Sie nimmt Kontakt zu Claires Ehemann Samuel auf und erfährt, dass die Künstlerin sich für eine Coltan-Miene im Kongo interessiert hatte und einen kleinen Jungen nach Deutschland schmuggeln wollte.

Eigentlich wollte der Berliner Radiosender, für den Emma arbeitet, nur über die neueste Ausstellung in der Nationalgalerie berichten, doch dann wird die afrikanische Künstlerin Claire Elbar vor ihrem Kunstwerk mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Emma macht sich sofort auf den Weg und noch während sie nach O-Tönen für ihre Reportage sucht, entdeckt sie einen Flüchtling in den angrenzenden Büschen. In gebrochenem Englisch versucht dieser ihr etwas mitzuteilen und flüchtet anschließend. Als sie dann noch erfährt, dass Claire sich für den Abbau von Coltan in Afrika interessiert hat, ist ihre Neugier geweckt. Sie muss unbedingt den Mörder der Künstlerin finden.

Coltan wird in fast jedem Smartphone verwendet. Das Erz ist extrem hitzebeständig und begehrt. Der menschenunwürdige Abbau dieser sogenannten Blutmineralien in Afrika kam in den letzten Jahren immer mehr in Verruf, die großen Handyhersteller reagierten nur langsam auf die Missstände. Diesem Themas nimmt sich Mechthild Lanfermann in ihrem neuesten Emma-Vonderwehr-Krimi an und schildert die unzumutbaren Zustände der Minen im Kongo auf drastische und eindringliche Weise. Wie nebenbei fließen diese Informationen immer wieder in den außerordentlich packend erzählten Krimi mit ein.

Eine Schlüsselperson in dem Fall ist der Afrikaner und Kunstmäzen Henry O., der während der Ermittlungen immer wieder auftaucht und offensichtlich bei weitem mehr über den Todesfall weiß, als er zugibt. Aber auch Claires Ehemann Samuel, der als DJ in angesagten Berliner Clubs auflegt, gerät ins Visier der Polizei. Ihr nicht gerade konfliktfreies Verhältnis lassen Blume und Emma außen vor und arbeiten, soweit es ihr Job zulässt, wieder zusammen. Als Emma eine heiße Spur entdeckt, die sie nach Amsterdam führt, überschlagen sich die Ereignisse.

Von Beginn an spannend und sehr fesselnd schildert Mechthild Lanfermann den aktuellen Fall ihrer Protagonistin und beschreibt ihre eigensinnige, sture Radioreporterin wieder sehr lebendig und sympathisch. Die Story entwickelt sich äußerst wendungsreich und unvorhersehbar und ist zu jeder Zeit nachvollziehbar umgesetzt.

Fazit: Ein brisantes Thema hervorragend recherchiert in einem hochspannenden Krimi verarbeitet.

Bewertung vom 21.08.2015
Der Mädchenflüsterer / Maja Heuberger Bd.2
Fürst, Eva

Der Mädchenflüsterer / Maja Heuberger Bd.2


sehr gut

Der Waldmädchen-Mörder

Beim Spazierengehen mit seinem Hund entdeckt ein Mann einen menschlichen Knochen. Die herbeigerufene Polizei findet am Fundort noch weitere Skelettteile, die der Rechtsmedizinerin Maja Heuberger überstellt werden. Schnell findet Maja heraus, dass die Skelettteile drei verschiedenen Mädchen zuzuordnen sind. Zur gleichen Zeit erhält die Mutter eines seit mehreren Jahren verschwundenen Mädchens einen Brief, eindeutig geschrieben von ihrer Tochter, die in dem Brief um Hilfe fleht. Schnell ist für Kommissar Andreas Melzer der Zusammenhang zu den Skelettfunden hergestellt. Doch es sollen nicht die letzten Leichenfunde sein.

Der November ist kalt im Erzgebirge, der Winter steht praktisch schon vor der Tür. Für Susann Gärtner die schlimmste Jahreszeit, doch auch der Rest des Jahres kann die Mutter nicht mehr aus ihrer Schwermut reißen. Seit ihre Tochter Leah verschwunden ist, hat sie keinen Lebensmut mehr. Als eines Tages ein rosafarbener Brief in ihrem Briefkasten liegt mit dem Hilferuf ihrer Tochter, schöpft sie wieder Hoffnung.

Eva Fürst beginnt den neuen Fall der Rechtsmedizinerin Maja Heuberger mit der Auffindung des ersten Briefes, der jedoch nicht der letzte sein soll. Im Verlauf des Psychothrillers erhalten mehrere Eltern Briefe ihrer verschwundenen Töchter, nach Jahren der Verzweiflung ein Hoffnungsschimmer. Doch der Absender spielt ein äußerst perfides Spiel mit den Eltern und mit der Polizei.

Immer schneller tauchen nach den Skelettfunden weitere Leichen auf, ohne Kopf und Hände, was die Identifizierung erschwert. Maja und ihre Kollegen arbeiten auf Hochtouren und auch die Kripo rund um Andreas Melzer setzten eine Soko ein, um den Serienmörder so schnell wie möglich zu fassen. Doch es lassen sich keine brauchbaren Spuren finden, der Mörder scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein.

Ganz im Gegensatz zu Peter, den etwas seltsamen Freund von Maja, der sich sehr für den Fall interessiert und auf eigene Faust ermittelt. Dass er dabei nicht immer legale Wege geht, ist Peter ziemlich egal. Maja selbst belastet der Fall sehr. Ist doch ihre Tochter Hannah vor Jahren ebenfalls spurlos verschwunden. Immer wieder plagen die Rechtsmedizinerin Alpträume und sich vom Alkohol fernzuhalten, fällt Maja immer schwerer.

Eva Fürst lässt im Verlauf ihres Thrillers immer wieder den Mörder zu Wort kommen, ohne hierbei anfangs dessen Identität preiszugeben. Aber selbst, als man diese kennt, hilft einem dies bei der Lösung des Falls nicht wirklich weiter.

Der Thriller vermittelt aufgrund der Jahreszeit und des Themas eher eine beklemmende Stimmung, der Erzählstil der Autorin ist jederzeit äußerst fesselnd, was auch ihren ausgereiften, authentisch agierenden Protagonisten geschuldet ist. Im Verlauf der Story wirft diese viele Fragen auf und wird wendungsreich erzählt, da nimmt man es gerne in Kauf, das Hochspannung hierbei ein wenig auf der Strecke bleibt. Und für den Schluss ihres Thrillers hat sich die Autorin noch eine absolut unvorhersehbare Überraschung einfallen lassen, die ihre Leser neugierig auf den nächsten Band der Reihe macht.

Fazit: Packende, komplexe Story mit lebendig und überzeugend agierenden Protagonisten.

Bewertung vom 30.07.2015
Um Leben und Tod
Robotham, Michael

Um Leben und Tod


ausgezeichnet

Wo sind die Millionen?

Einen Tag bevor Audie Palmer seine zehnjährige Haftstraße wegen eines bewaffneten Raubüberfalls abgesessen hat, flieht Audie aus dem Gefängnis und taucht unter. Bei dem damaligen Überfall wurden 7 Millionen Dollar gestohlen, bis heute ist das Geld unauffindbar und jeder glaubt, dass Audie genau weiß, wo sich die Beute befindet. Doch der Entflohene, der nicht nur vom FBI gejagt wird, ist nicht auf das Geld aus. Audie will ein Leben retten.

Warum bricht jemand einen Tag vor seiner Entlassung aus und was ist mit dem Geld geschehen, das bei dem damaligen Raubüberfall gestohlen wurde? Diese Fragen stellt man sich im Verlauf des äußerst komplexen und packend erzählten Thrillers ununterbrochen.

Durch regelmäßige Rückblenden lernt man mit der Zeit Audie und seine Vergangenheit und somit auch die Umstände kennen, welche zu seiner Inhaftierung geführt haben. Doch bis man die kompletten Hintergründe versteht, dauert es fast bis zum Ende des Romans. Was allerdings schnell klar ist, dass Audie der tragische Held der Story ist.

Äußerst wendungsreich, wobei die fesselnde Spannung eher ständig im Hintergrund schlummert, erzählt Michael Robotham die Geschichte seines sympathischen Antihelden. Verfolgt von diversen Polizeiapparaten und noch ganz anderen Leuten, die nicht unbedingt etwas Gutes von Audie wollen, verfolgt der Flüchtige fast schon stoisch sein Ziel. Währenddessen wechselt Michael Robotham aber auch immer wieder die Erzählperspektive und man erfährt hierdurch auch mit der Zeit die Beweggründe der anderen Verfolger kennen. Dabei merkt man recht schnell, dass bei dem oder der einen oder anderen durchaus der äußere Schein zu trügen scheint.

Fazit: Ein hochspannender Thriller voller überraschende Wendungen und Charakteren, die bis in die kleinste Nebenrolle absolut überzeugen.

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