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Benutzername: Milli11
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Bewertungen

Insgesamt 71 Bewertungen
Bewertung vom 04.12.2018
Der Apfelbaum
Berkel, Christian

Der Apfelbaum


gut

Lange zwiespältige Familiengeschichte

Christian Berkel, den ich bislang nur als Schauspieler kannte, hat in diesem Buch seine durchaus verzwickte Familiengeschichte beschrieben. Seine Eltern stammen aus ganz unterschiedlichen Milieus, sein Vater aus einer sehr armen Berliner Prekariats-Familie, in der Hunger, Gewalt und Misshandlungen selbstverständlich waren. Otto muss schon sehr früh lernen, dass er nur mit ebensolcher rohen Gewalt und darüber hinaus auch mit einer guten Portion Schläue überleben kann.

Berkels Mutter Sala hingegen kommt aus einer eher gutgestellten Intellektuellen-Schicht mit einem Hang zum Exzentrischen. Die Mutter, eine Jüdin, hat die kleine Familie und das Land für einen sehr viel jüngeren Mann verlassen, der Vater ist bisexuell und lebt dies auch offen vor seiner Tochter aus. Und dann treffen diese beiden so unterschiedlich sozialisierten jungen Menschen aufeinander und erleben zusammen die erste große Liebe. Und so könnte alles sehr schön sein, wenn das alles sich nicht gerade in der Nazizeit abspielen würde. Sala muss Deutschland und Otto verlassen, der 2. Weltkrieg beginnt und so treffen sich die beiden nur alle jahrelang einmal, verlieben sich in andere Menschen und trennen sich von diesen, finden, verlieren, verletzen und enttäuschen sich immer wieder.

Dazwischen springt der Autor zwischen den Zeiten, schreibt über seine eigene Kindheit, sein Verhältnis zur Mutter in der Kindheit und in der Gegenwart, spürt auch seinen polnisch-jüdischen Urgroßeltern nach und spannt einen ganz großen Bogen
.
Trotzdem ich historische Familienromane liebe, hat mich dieses Buch nicht so richtig gepackt, ganz untypisch hatte ich nicht den richtigen Drang, immer weiter und weiter lesen zu wollen. Ich empfand seine Mutter Sala als sehr selbstmitleidig und ständig unzufrieden, sicherlich auch aus ihrer Lebensgeschichte heraus bedingt, aber mir nicht unbedingt sympathisch. Auch der Vater Otto bleibt mir relativ blass, und trotz der ganzen widrigen Umstände und der schwierigen Zeiten, in der die Personen lebten und überlebten, kann ich nicht so richtig Gefühl für diese Geschichte entwickeln, so dass ich bei diesem Buch nur auf 3 Sterne komme.

Bewertung vom 30.10.2018
Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste
Schwenke, Philipp

Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste


sehr gut

Betrüger? Lügner? Träumer?

Natürlich sind mir die May’schen Figuren Old Shatterhand, Winnetou und Kara ben Nemsi geläufig und natürlich habe ich die Winnetou-Filme gesehen und dabei auch herzlich geheult.
Über den Autor wusste ich bislang nicht viel mehr, als dass er in Sachsen gelebt und in Radebeul in einer schönen exotisch hergerichteten Villa gewohnt hatte. Und dass er wohl auch ein durchaus begabter Aufschneider war, der seinen Mitmenschen das Blaue vom Himmel sehr überzeugend vorlügen konnte und sich damit nicht unerheblichen Ärger eingehandelt hatte. Aber was das für ein Mensch ist, der so viel Phantasie und Einfallsreichtum für unzählige Romane und ganz unterschiedliche Buch-Gestalten entwickeln konnte, dafür habe ich mich nicht wirklich interessiert.

Der Autor Phillip Schwenke bringt mir nun die Person Karl May sehr nahe, er beginnt mit der absolut ärmlichen Kindheit, der Karl durch ein Lehrerstudium entkommen kann, allerdings schafft Karl es immer wieder, sich durch kurzsichtige Aktionen richtig in tiefste Scheiße zu reiten und alles mühsam Erreichte zunichte zu machen. Und das zieht sich nun wirklich durch sein gesamtes Leben.

Schwenke springt dabei immer zwischen unterschiedlichen Zeiten, einmal begleitet er Karl auf seiner ersten Reise in den Orient, als dieser auf der Suche nach den Orten, Menschen und der Atmosphäre seiner Romane ist und feststellen muss, dass in Wirklichkeit weder der Orient noch er selbst den Schilderungen seiner Bücher entspricht und zum anderen begleitet er Karls Leben nach seiner Rückkehr nach Deutschland, als sich doch langsam die Erkenntnis verbreitet, dass Karl May weder 800 Sprachen spricht noch 15.000 Apachen befehligt und somit ein großer „Shitstorm“ beginnt.

Was für Karl May nun selbst Wahrheit, Fiktion oder vielleicht doch eine sehr schöpferische Schizophrenie ist, bleibt dabei offen und auch der Meinung des Lesers dabei selbst überlassen.

Bewertung vom 30.10.2018
Alchimie einer Mordnacht
Black, Benjamin

Alchimie einer Mordnacht


sehr gut

Krimi und Sittengemälde im mittelalterlichen Prag

Ich kenne Prag schon sehr lange und finde die Stadt sehr schön, dazu liebe ich noch historische Romane, so dass dieses Buch perfekt zu meinen Leseinteressen passen sollte. Und in weiten Teilen ist dem auch so. Die Schilderungen der Zustände am Hof des habsburgischen Kaisers Rudolf um 1600 sind sehr farbig und spannend beschrieben, die diversen Ränke und Intrigen, Machtspiele, Lügen und Verwicklungen, denen sich offenbar kein Mensch am Hof entziehen konnte.

Und in diese Welt kommt der junge Christian Stern, gerade ausstudiert in Regensburg, mit vielen ehrgeizigen Ideen und Illusionen, die ihm recht schnell vergehen. Schon am Abend seines Ankunftstages stolpert er über eine Leiche und genauso zufällig wird er in die Welt am Herrscherhof gerissen. Ich habe das Gefühl, das er eigentlich kaum versteht, um was es hier geht, wer mit wem zusammen- und gegeneinander arbeitet und in dieser ganzen verworrenen Welt soll er auf Geheiß des Kaisers den Mörder der toten Frau finden, die nicht ganz überraschend dem Kaiser recht nahe stand.

Und das ist nahezu unmöglich: er kennt weder das Umfeld der Frau, ist fremd in der Stadt und am Hof, hat auch keine Erfahrungen mit Ermittlungen, daher lässt er sich aus meiner Sicht eher passiv treiben, unter anderem auch von einer Frau zu nächsten. Und auch das ist alles andere als ungefährlich für ihn.

Der Krimiteil ist daher für mich eher der schwächste Part des Buches, allerdings liegt für mich darin auch nicht unbedingt das Hauptaugenmerk, der ist eindeutig doch auf die sehr gelungene Beschreibung der Sitten und Zustände des Prager Mittelalters gerichtet und dafür vergebe ich sehr gern 4 Sterne.

Bewertung vom 24.09.2018
Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1
Ullberg Westin, Gabriella

Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1


sehr gut

Ein furchtbares Weihnachten in der schwedischen Provinz
Der Kommissar Johan Rokka tritt seinen neuen Posten in einer Kleinstadt in der schwedischen Provinz an und bevor er überhaupt seinen ersten Umzugskarton leeren kann, wird er zum Schauplatz eines grauenhaften Mordes zitiert. Henna, die Frau des berühmten Fußballstars Mons wird am Weihnachtsabend vor den Augen ihrer beiden Kinder erschossen, während der Vater noch zu letzten Besorgungen unterwegs ist.
Er hat somit ein Alibi, aber ist das stichhaltig? Und der massive Schneefall am Weihnachtsabend deckt buchstäblich alle Spuren zu.

Und nun ist Rokka am Ermitteln, das wird nicht einfacher dadurch, dass er neu im Team ist und seine Mitarbeiter erst kennenlernen muss und es sich andererseits um die Frau eines alten Jugendfreundes handelt. Die Ermittlungen erstrecken sich natürlich auch in dessen Freundeskreis, den Rokka aus alten Jugendzeiten ebenfalls mehr oder weniger gut kennt.

Erstaunlicherweise hat der Ehemann recht wenig Wissen über das Innenleben seiner Frau und es stellt sich heraus, dass sie vor kurzem - nicht von ihm - schwanger gewesen war. Also ist die ganze privilegierte reiche Fußballer-Frauen-Welt nur eine Scheinwelt gewesen?

Wie sich dann ganz langsam doch erste Spuren auftun, Widersprüche entdeckt werden und Nachforschungen bis nach Venedig hin angestellt werden, liest sich sehr spannend und unterhaltsam.
Dazwischen gibt es immer wieder Briefeinträge der ermordeten Frau, die ebenfalls zarte Hinweise geben, aus welcher Richtung das Böse gekommen sein könnte.

Die Verknüpfung mit dem Schmetterling, gleichzeitig ja auch der Titel, hätte für meinen Geschmack nicht sein müssen, eine kleine Pirouette zu viel, aber ansonsten ein durchaus solider 4 Sterne-Schwedenkrimi, den man am besten zur Winterzeit lesen sollte.

Bewertung vom 24.09.2018
Vier Tage in Kabul / Amanda Lund Bd.1
Tell, Anna

Vier Tage in Kabul / Amanda Lund Bd.1


sehr gut

Betrug, Lügen und Korruption in Kabul und Stockholm
Die schwedische Ermittlerin Amanda Lund bekommt den Auftrag, nach 2 verschwundenen Angehörigen der schwedischen Botschaft in Kabul zu suchen. Obwohl deren Leben auf dem Spiel steht, hat sie den Eindruck, dass der Botschafter ihr nicht wirklich Unterstützung bei den Ermittlungen gibt und Informationen verschweigt.
Gleichzeitig wird in Stockholm ein toter Mann gefunden, auch er ein ehemaliger Mitarbeiter der schwedischen Botschaft in Kabul. Sollten diese beiden Fälle zusammenhängen?
Der Leser verfolgt die beiden Ermittlungen über 4 Tage hin und sieht, wie sich immer mehr Verknüpfungen in den beiden Fällen aufzeigen. Die Spannung steigt immer weiter, ob es Amanda gelingt, die beiden Schweden noch lebendig oder überhaupt zu finden. Dazu kommen die üblichen Missstände:
Ein schwedischer Polizist, der die einfachsten Regeln der Ermittlungsarbeit vernachlässigt, weil er keinen Bock auf seine Arbeit hat, Diplomaten, die sich den elementarsten Sicherheitsregeln in schwerkriminellen orientalischen Ländern verweigern (und dafür die Quittung bekommen), aber auch Ermittler, die sich gegen alle Widerstände durchbeißen und darüber ihre privaten Belange vernachlässigen.

Die Beschreibung der Verhältnisse in Kabul und drum herum ist nicht überraschend und bestätigt leider nur meinen Blick auf diese Region: Korruption, Kriminalität, Gewalt und Machtmissbrauch.
Viel widerlicher fand ich allerdings das Handeln der schwedischen Politiker, die gegen alle gesicherten Erkenntnisse und besseres Wissen die Beziehungen zu den kriminellen afghanischen Politikern hochleben lassen, aus Angst, dass der Öffentlichkeit und damit dem Steuerzahler klar wird, dass die vielen Millionen Kronen für die sogenannte „Entwicklungsarbeit“ in Afghanistan völlig sinnlos verpulvert sind und in der Regel wieder in den Taschen irgendwelcher korrupter afghanischer Verbrecher gelandet sind. Um dies zu verschleiern, wird sogar der Tod der eigenen Landsleute in Kauf genommen.

Leider ist die Geschichte an keiner Stelle unrealistisch oder übertrieben, ich denke eher, dass der europäische Politikstil noch viel schlimmer verschweigend und verfälschend ist, um nur ja keinen Zweifel an der praktizierten „Entwicklungspolitik“ aufkommen zu lassen. Parallelen zu den Politikern und Verhältnissen in anderen Ländern kann der Leser dann gern selbst ziehen.

Die Autorin dürfte wissen, wovon sie hier schreibt, da sie selbst als Ermittlerin gearbeitet hat.
Sehr realitätsnah, entlarvend und spannend, dafür 4 Sterne.

Bewertung vom 03.09.2018
Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1
Kellerhoff, Lutz W.

Die Tote im Wannsee / Kommissar Wolf Heller Bd.1


sehr gut

Kriminelle Verwicklungen im Berlin der 60iger Jahre
Der junge Polizeikommissar Wolf Heller hat den Mord an einer jungen Frau aufzuklären und sticht dabei offensichtlich in ein Schlangennest. Er hat es dabei nicht nur mit unsympathischen Kollegen, unwilligen Zeugen und dem gewalttätigen Ehemann des Opfers zu tun, auch sein Vorgesetzter scheint an der Aufklärung des Falles wenig Interesse zu haben.
Das geht so weit, dass er feststellen muss, dass Beweisstücke manipuliert und Verdächtige sogar ermordet werden, um eine schnelle Lösung des Falles vorzutäuschen. Und doch kommt Heller langsam immer mehr auf die Spur des wahren Täters, die dann sogar bis nach Ost-Berlin führt.
Auch sein Privatleben ist alles andere als geordnet, er führt eine halbe Beziehung mit seiner Vermieterin, hat große Probleme mit seinem Vater und sucht immer noch verzweifelt nach einer Erklärung für den mysteriösen Tod seiner Mutter.
Dabei begegnet man in dem Buch immer wieder bekannten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte, die geschickt in die Handlung verwoben sind: z. B. den Anwälten Horst Mahler und Otto Schily, dem Polizisten Kurrass und vielen Protagonisten der sich radikalisierenden 68-iger Studentenbewegung. Dazu kommen viele Schilderungen des Berliner Lebens, die mich immer wieder ganz stark an die derzeitigen Zustände in dieser Stadt erinnern: unterbesetzte und schlecht ausgerüstete Polizei, überforderte Politiker und verschiedenste radikale Gruppierungen, die vom Sozialstaat leben, den sie schnellstmöglich aber abschaffen wollen und dabei keine Rücksicht auf die sie finanzierenden Steuerzahler nehmen.
Besonders nett fand ich die Beschreibungen des Lebens innerhalb der Kommune, die sich zwar theoretisch dem Kampf gegen alle Ungerechtigkeiten der Welt verschrieben hat, aber so profane Dinge wie Kochen und Putzen denn doch ganz eindeutig nur den weiblichen Kommunemitgliedern aufdrückt. Deren Selbstverwirklichung sah Mann dann doch viel lieber im freien und möglichst häufigen Wechsel der Bettgefährten.
Leider bleiben am Ende doch einige offene Fäden, die daraufhin deuten, dass Kommissar Heller wohl in weiteren Büchern ermitteln wird.
Trotzdem für alle Geschichts- und Berlin-Liebhaber eine eindeutige Empfehlung – dafür 4 Sterne.

Bewertung vom 03.09.2018
Der Horror der frühen Medizin
Fitzharris, Lindsey

Der Horror der frühen Medizin


ausgezeichnet

Ärzte und Krankenhäuser im 19. Jahrhundert
Wenn das Buch als Biographie von Dr. Lister ausgewiesen worden wäre, hätte mir der Name nichts gesagt und ich mich vermutlich nicht dafür interessiert. So bin ich ganz offen an die Leseprobe herangegangen und war ganz schnell begeistert.
Es beginnt mit einem kurzen und sehr deutlichen Abriss der medizinischen Zustände in der Mitte des 19. Jahrhunderts, zu der Zeit, als Joseph Lister geboren wurde und dann zum Medizinstudenten wurde.
In den Krankenhäusern herrschte ein unglaublicher Schmutz und Gestank, hygienische Grundregeln gab es nicht, medizinische Geräte wurden kaum einmal gereinigt geschweige denn desinfiziert. Die meisten Kranken starben nicht an ihren Krankheiten oder Verletzungen bzw. an den Operationen, sondern an den Keimen und Entzündungen, die sie sich im Krankenhaus direkt eingefangen hatten.
Zum Glück hat sich Dr. Lister mit den verheerend niedrigen Überlebensraten seiner Patienten nicht abgefunden, sondern nach genauen Beobachtungen, vielen Versuchen und Einbeziehung neuer Erkenntnisse aus anderen Wissenschaftsbereichen z. B. von Dr. Pasteur ein System zur Desinfektion und von hygienischen Grundregeln eingeführt. Dabei half ihm die Entdeckung, dass verdünnte Karbolsäure ein wunderbares Mittel zur Keimabtötung ist.
Sein weiteres Leben war einerseits ein Kampf gegen seine zahlreichen medizinischen Kollegen und Rivalen, die seiner Methode lange Zeit sehr feindlich gegenüberstanden und andererseits ein Ringen um immer weitere Verbesserungen in der Desinfektionsmethodik. Da er glücklicherweise ein großes Talent und Geschick im Umgang mit seinen Studenten hatte, verbreitete sich durch sie seine Methode immer weiter, nicht nur in England, sondern auch in Europa und schlussendlich auch in den USA.
Das alles wird sehr anschaulich, zum Teil auch recht deftig und deutlich erzählt, dabei mit vielen Anekdoten und durchaus humoristischem Unterton, so dass es für mich ein großes Vergnügen war, das Buch zu lesen. Und gleichzeitig habe ich große Dankbarkeit, in heutigen Zeiten zu leben, wo sowohl Betäubungsmittel, Desinfektion und aseptische Verhältnisse so viel weiterentwickelt sind.
Für alle Medizinstudenten ein absolutes Muss, für alle anderen mit einem Faible für Historie und Medizin eine unbedingte Empfehlung – daher 5 Sterne von mir.

Bewertung vom 20.07.2018
Wenn wir wieder leben
Roth, Charlotte

Wenn wir wieder leben


sehr gut

Die Frage nach der Schuld …


Das Buch behandelt 2 Zeitebenen, zum einen spielt es in Danzig und Zoppot an der Ostseeküste, dort lebt die kleine Gundi mit Ihrem Großvater Pop, der ihr trotz widriger Umstände und Familienverhältnissen eine sehr glückliche Kindheit und Jugend ermöglicht. Gundi kann weitgehend in den Tag hinein leben und sich mit ihren Freunden ihrem großen Hobby, der Musik widmen. Und eines Tages gelingt es ihr, für die gemeinsame Band an einen Hit zu kommen. Ab da verändert sich ihr Leben rasant, unter anderem bekommen die 4 auch feste Auftrittsmöglichkeiten auf dem nagelneuen KdF-Schiff „Wilhelm Gustloff“.

Zum anderen spielt das Buch in Berlin in den 60iger Jahren. Auf Anstoß eines Mitkommilitonen beginnt die junge Wanda, Fragen nach ihrer Herkunft und ihrer Familie zu stellen. Und setzt damit eine verhängnisvolle Kette an Ereignissen in den Gang.

Mir haben an dem Buch die Beschreibungen zu den Zeitepochen super gefallen, gerade das Aufkommen des Faschismus in Danzig, in dem bis dahin alle möglichen Nationalitäten weitgehend friedlich miteinander lebten, ist sehr gut beschrieben. Welche Beweggründe die einzelnen Personen hatten, sich entweder ganz aktiv für die Nazis zu engagieren oder aber als kleine Profiteure des neuen Systems über die sich abzeichnenden Verbrechen an z. B. den bisherigen Nachbarn hinwegzusehen und sich mit Bedingungen und Vorgaben der neuen Machthaber zu arrangieren. Auch die Atmosphäre an den Unis in den 60iger Jahren mit all ihren Fragen nach Schuld bzw. Wunsch nach Vergessen ist wirklich toll erfasst.

Dagegen blieb ein Teil der Personen für mich recht blass und ich kann ihr Handeln nicht nachvollziehen. Kann man wirklich so blauäugig wie Gundi durch die Welt gehen? Und braucht es Fragen einer fremden Person, um darauf zu kommen, dass die Geburtsstadt im heutigen Polen liegt? Vor allem, wenn man in einer liebevollen und behüteten Familie aufwächst, kommen da nicht auch ganz automatisch Fragen nach den fehlenden Familienmitgliedern? Und warum tut sich die Mutter von Wanda mit der Wahrheit so schwer?

Diesen Teil des Buchs empfinde ich leider als recht schwach, deshalb nur 4 Sterne, aber für historienbegeisterte Leser trotzdem auf jeden Fall eine Empfehlung.

Bewertung vom 29.05.2018
Bülent Rambichler und die fliegende Sau / Bülent Rambichler Bd.1
Bogner, Anja

Bülent Rambichler und die fliegende Sau / Bülent Rambichler Bd.1


sehr gut

Witziger türkisch-fränkischer Dorfkrimi

Im beschaulichen fränkischen Strunzheim wird eine nackte weibliche Leiche erst überfahren und dann gefunden. Die Tote ist die Fleischereifachverkäuferin Kerstin, die Geldwurscht-Pflunzn oder auch uncharmant Dorfmatratze genannt wird und besonders bei einem nicht unbeträchtlichen Teil der männlichen Dorf-Bevölkerung bestens bekannt ist.

Nun hat Erkan Rambichler, der liebend gern in den Stadtrat einziehen möchte, praktischerweise einen Sohn, der als Kommissar in Nürnberg wirkt (arbeiten wäre etwas zu hoch gegriffen). Und nun zieht Vater Erkan alle Strippen, um seinem Sohn Bülent diesen Fall zuordnen zu lassen, damit ihn auch wieder mal bei den Eltern zu sehen und nicht zuletzt genug Prestige abzustauben, wenn der Sohn den Fall selbstverständlich bravourös löst.

Ganz so einfach lässt sich allerdings die Aufklärung des Todessturzes nicht an, es tauchen alte, aber leider sehr verdächtige Freunde Bülents auf, seine vegane Assistentin Astrid bringt auch einiges im Dorf in Wallung – nicht zuletzt Bülents Eltern, die sich für Astrid durchaus mehr als nur die Assistentinnenstelle bei Bülent vorstellen können.

Das Ganze wird mit fröhlichem derben Humor beschrieben, der aber jederzeit einen sehr liebevollen Blick auf die Dorfbewohner bewahrt. Deshalb macht es viel Spaß, sich der Entwicklung und natürlich Lösung des Falles immer näher zu lesen – von mir sehr gute 4 Sterne!

Bewertung vom 04.05.2018
Wahrheit gegen Wahrheit
Cleveland, Karen

Wahrheit gegen Wahrheit


ausgezeichnet

Alles nur Lügen? Oder doch nicht?

Vivian Miller lebt ein ganz normales Leben als vollzeitarbeitende Mutter mit 4 Kindern, sie führt mit ihrem Mann eine glückliche Ehe und kämpft mit den alltäglichen Problemen wie Kinderkrankheiten, Zeit- und Geldmangel, aber im Großen + Ganzen ist sie glücklich. Nur ihr Arbeitsplatz ist etwas ausgefallener: Analytikerin bei der CIA, Spezialgebiet Russland.

Eines Tages entdeckt sie, dass ihr Mann Matt als Spion beim russischen Geheimdienst geführt wird, was er auch auf Anhieb zugibt. Und so bricht auf einen Schlag die gesamte Sicherheit ihres Lebenskonstruktes zusammen.

Liebt er sie wirklich? Seine gesamte Vergangenheit, seine Familie, alles was sie über ihn zu wissen glaubt: Lügen. Im Nachhinein wird ihr dann auch immer deutlicher, wie er sie subtil auf diesen Arbeitsplatz, der für die russische Spionage von großem Interesse ist, hingelotst und manipuliert hat.
Und noch schlimmer: wenn sie ihn offenbart und verrät, ist auch ihre Stelle und damit das Haupt-Familieneinkommen weg, die Krankenversicherungen, das auf Kredit gekaufte Haus wären dann alles verloren. Und so lässt sie sich auf eine Vertuschungsaktion ein, die Russen helfen gerne dabei und damit findet sie sich ganz schnell in einem Netz aus Erpressungen und Bedrohungen wieder.

Gelingt es ihr, mit oder gegen ihren Mann einen Ausweg aus dieser Lage zu finden?
Ich fand es unglaublich spannend, zu sehen, wie sich Vivian größte Mühe gibt, einen Weg zu finden, ihre Familie zu schützen und dabei doch nicht ihr Land zu verraten und zu sehen, wie der Sumpf an Verstrickungen immer tiefer wird. Die Autorin hat eine klare verständliche Sprache und die Handlungen von Vivian sind mir durchaus nachvollziehbar, das ist bei solchen Thrillern ja leider nicht immer so.
Ich habe jedenfalls sehr mitgefiebert und auch das Ende ist nicht ohne Tücke….

Eine ganz klare Empfehlung von mir mit 5 Sternen.