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Benutzername: Feenfeuer - Fantasy Blog
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Bewertungen

Insgesamt 120 Bewertungen
Bewertung vom 27.02.2011
Die Dame vom See / The Witcher Bd.5
Sapkowski, Andrzej

Die Dame vom See / The Witcher Bd.5


ausgezeichnet

Mit Die Dame vom See ist das siebte Buch und der fünfte Roman um den Hexer Geralt von Riva erschienen und verleiht der preisgekrönten Reihe einen grandiosen Abschluss. Ciri, das Löwenjunge und Prinzessin von Cintra, stellt sich dem alten Blut in ihren Adern. An einem verwunschenen See trifft sie einen Ritter aus dem Gefolge König Arthus, des Herren von Camelots und erzählt ihm ihre Geschichte, von Krieg, Flucht, Verschwörungen und der Vorhersehung aus Ithlinnes Prophezeiung.
Von der Wiedergeborenen, aus dem Hen Ichaer, dem ausgesäten Samenkorn, das nicht keimen, sondern in Flammen ausbrechen wird.

Intrigen und Machtkämpfe haben sich zugespitzt, die Würfel fallen, Nilfgaard schwemmt mit einem gewaltigem Heer in den finalen Schlachtzug gegen die nördlichen Königreiche, ein taktisch organisiertes Massaker, das als Die Schlacht von Brenna in die Annalen eingehen soll. Vilgefortz hat seinen Plan Ciri zu entführen noch nicht aufgegeben und so unternimmt der Zauberer einen ausgeklügelten Versuch der jungen Hexerin habhaft zu werden. Folterkammern und ein Labor stehen für Ciri schon bereit. Doch ist der machthungrige Magier nicht der einzige, der Ciri in das Zentrum seiner Pläne gestellt hat.
Geralt, der Vampir Regis, Cahir, Angoulême und die Jägerin Milva machen sich auf, Ciri zu retten, bevor sich die Schlinge, der verschiedenen Intriganten und Rachsüchtigen, um ihren Hals schliesst. Und auch Rittersporn muss sich, in den sanften Armen von Wieselchen, einem seiner grössten Abenteuer stellen.

Mit Die Dame vom See hat Andrzej Sapkowski ein spannendes und vielschichtiges Finale für seine Saga, um den Hexer Geralt von Riva, erschaffen. Das Buch erfordert ein durchaus konzentriertes Lesen, bündelt Sapkowski doch alle bisherigen Handlungsstränge und führt sie in ihr, teilweise parallel laufendes, Ende. Mit zahlreichen Ortwechseln, in sogar verschiedenen Welten, beschreibt der Autor detailliert und eindrucksvoll die Geschehnisse um Geralt, Ciri, die Loge der Zauberinnnen und einer Vielzahl von weiteren Figuren.
Gekrönt wird dieser fulminante Roman durch die gewaltige Schlacht von Brenna, welche nur als ein absolut begeisterndes Leseerlebnis beschrieben werden kann. Neben diversen gekonnt inszenierten Perspektivwechseln, kommen unterschiedlichen zeitlichen Blickwinkeln, auf die Ereignisse der Geschichte, eine grössere Bedeutung zu, als in den vorherigen Büchern. So hat Andrzej Sapkowski ein facettenreiches Gesamtbild aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geformt, das sowohl die Leiden der kriegsgeplagten Bevölkerungen, als auch die letzten Schachzüge der Fädenzieher aufzeigt. Hier kann man von einer wirklich guten und ausgeglichenen Mischung, aus charakterlichen und weltlichen Entwicklungen, sprechen, die absolut zu beeindrucken und zu überzeugen wissen.

Romantisch, sarkastisch, kriegerisch, abenteuerlustig, mal bitterböse, dann feinfühlig, sozialkritisch und politisch, heldenhaft, tiefgründig, actionreich und gefühlvoll ist der finale Hexer Roman geworden, der noch einmal die Ausnahmestellung dieser Fantasy Reihe verdeutlicht und doch den Leser mit Wehmut zurück lässt. Sapkowski hat mit den Büchern um seinem Hexer Geralt ein einmaliges Werk geschaffen, das durch diesen Band ein Finale erfährt, das typischer für Sapkowski nicht sein könnte und den Leser bis zur letzten Seite fest in seinen Bann zieht.

Andrzej Sapkowski: Die Dame von See – Das siebte Buch und der fünfte Roman, um den Hexer Geralt von Riva, ist ein brillantes Finale der Reihe geworden und offenbart eine Geschichte mit fesselnder Spannung. Anspruchsvolle Fantasy mit grossen Bildern, grandiosen Charakteren, facettenreichen Handlungen und einem begnadetem Weltenbau. Ein unvergessliches fantastisches Leseerlebnis, mit meisterlicher Feder geschrieben.

Bewertung vom 17.02.2011
Tod in Neverland
Malfi, Ronald

Tod in Neverland


ausgezeichnet

Nach Jahren ohne Kontakt zu ihrer Familie, kehrt Kelly in den abgelegenen Ort Spires zurück. Ihre jüngere Schwester wurde in den dichten Wäldern um die Ortschaft von einem Unbekannten angefallen und schwer verletzt. Ihre Arbeit an einem Filmprojekt lässt Kelly zurück, ebenso ihren Assistenten Josh und die greise Rollstuhlfahrerin Nelly Worthridge. Während Kellys körperliche Verfassung auf der Reise nach Spires immer schlechter wird, erleidet die Alte einen Schlaganfall.
Am Bett der Bewusstlosen wird der angehende Vater und Krankenhausarzt Mendes Zeuge einer Prophezeiung über den Tod seine ungeborenen Sohns…

Mit Tod in Neverland hat Ronald Malfi einen schaurigen Mystery Thriller erschaffen, der mit einer düsteren Note moderner Märchen daherkommt und auf klassische Gut / Böse Bilder verzichtet. Die mysteriöse Geschichte um Kelly und ihre Verbindung zu der alten Nelly, dem elterlichen Anwesen in Spires und besonders dem dichten Wald, enthüllt sich als ein spannendes Abenteuer, mit schaurigen Schauplätzen und einer feinen Gothic-Horror Atmosphäre.
Der Handlungsstrang um Kelly spielt in der Gegenwart, lässt jedoch beständig Bruchstücke ihrer Erinnerungen mit einfliessen und formt so das groteske Gesamtbild ihrer Persönlichkeit. Pendelnd zwischen Gegenwart und Kindheit arrangiert Ronald Malfi die mysteriöse Geschichte eines allein gelassenen Mädchens und deren, aus Verzweiflung geborenen, naiven Taten. Hier weiss der Autor zu glänzen, indem es ihm einfühlsam gelingt zunächst ganz typisch wirkende Momente einer jeden Kindheit, wie das Erdenken unsichtbarer Freunde und das Erschaffen kleiner Geheimwelten in einem Waldstück, zu erschaffen und aus diesen dann eindrucksvolle Schatten empor wachsen zu lassen.

Den zweiten Handlungsstrang bilden Kellys Filmassistent Josh, die alte Nelly Wortridge und Dr. Mendes. Beginnend mit seltsam verzerrten Bildern der Filmaufnahmen von Nelly, über deren Kindestod Prophezeiung von Dr. Mendes ungeborenem Sohn, bis zu erschütternden Ereignissen, die selbst ein Poltergeist nicht besser verursachen könnte, zeichnet Ronald Malfi hier eine spannende Parallelgeschichte und ein gelungenes Spiel mit düsteren Vorahnung, Andeutungen und übernatürlichen Phänomenen. Mit Ronald Malfis Version einer alten Hexe hat er den phantastischen Grundstein gelegt, um Josh und Dr. Mendes in einen Strudel aus Depressionen zu ziehen, der spannende Charakterentwicklungen garantiert und zu fesseln weiss.

Mit einer sehr gekonnten aber eigenständigen Inszenierung von klassischen Schauplätzen und Momenten des Mystery / Horror Genres, wie die bedrückende Mädchenpsychiatrie, einen dunklen Wald, wie von Gespensterhand geöffnete Fenster und verschlossene Türen, merkwürdige Einsiedler und Wohnräume, deren Inventar, in Spukgeschichtenmanier in Bewegung gerät, hat der Autor einen bizarren Blumenstrauss des Schaurigen geflochten, aus dem es nach nackter Angst duftet.

Tod in Neverland setzt nicht auf Action und literweise Blut, sondern schleicht sich mit düsteren Bildern in die Gedanken der Leser und entfacht eine packende Geschichte um die seelischen Abgründe seiner Figuren. Feinster Horror, der mit den Klassikern seine Genres kokettiert und spannend für Gänsehaut sorgt. Was als harmloses „Wünsch dir was“ beginnt, führt Ronald Malfi in eine schaurige Erfüllung mit eindrucksvollen Bildern.

Ronald Malfi: Tod in Neverland – Eine packende Geschichte zwischen feinstem Horror, grotesker Märcheninszenierung, spannender Mystery und einem abgründigen Psycho Thriller. Schaurig, mysteriös und umschlungen von einer Atmosphäre unheimlicher Bedrohungen jenseits des rationalen Verstandes, sorgt dieses Buch für düstere, fesselnde Lesestunden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.02.2011
Die Bürde des Blutes
Pinborough, Sarah

Die Bürde des Blutes


ausgezeichnet

Mit Die Bürde des Blutes legt die Mystery und Horror Autorin Sarah Pinborough, die 2009 für die World Fantasy Awards nominiert war, den Auftakt zu einer dunklen, phantastischen Trilogie vor, die im London nach einer verherenden Finanzkrise angesiedelt ist.
Der Auftaktband beginnt direkt im Geschehen der Mordermittlungen. Die Hauptfigur Cass Jones entpuppt sich als abgeklärter Bulle, der 24 Stunden pro Tag arbeitet, sich am Wochende mal eine Line Koks gönnt und sich nach Feierabend in das emotionslose Heim seiner brüchigen Ehe schleppt. Cass Jones ist ein Graudenker, seitdem vor Jahren sein Gut-Böse Bild innerhalb von wenigen Sekunden zerstört wurde. Er verfolgt Kriminelle und kauft von ihnen ein paar Stunden Rausch, tauscht Gefälligkeiten und lässt sich seine Bonuszahlungen bei einem Bier in schummerigen Nachtbars, mit belebten, verrauchten Hinterräumen auszahlen. Hier hat die Autorin einen wunderbaren Schnüffler geschaffen, der sich weitab von strahlenden Cops und Gerechtigkeitskämpfern bewegt, ein heruntergekommener Ermittler, auf dessen Seele einige tiefe Wunden unter harten Narben pochen. Neben den spannenden Entwicklungen in der Verfolgung des Serienmörders, der Cass Jones offenbar zu seinem persönlichen Liebling erklärt hat, offenbart Sarah Pinborough ein faszinierendes soziales Netz innerhalb der Polizeibehörde, in welchem wahre Freundschaft längst durch Konkurrenz und Karrieredenken verdrängt wurde.

Die Anzahl der Akteure in Die Bürde des Blues ist gut gewählt, so das Unübersichtlichkeiten vermieden werden und alle Figuren in ihrer Charakteristika zur Geltung kommen. Nach und nach entblättert die Autorin in ihrer düsteren Kriminalgeschichte mit phantastischen Hauch ein Geflecht aus Morden und mysteriösen Hintermännern, das bis zu Cass Jones persönlich führt und sich mit Spannung liest. Obwohl der phantastische Aspekt des Romans eher zurückhaltend gestaltet ist und sich behutsam in der Welt der Menschen eingenistet hat, ist dieses Buch ein schauriger Thriller mit Horror Note, der das Dunkle in sich brillant zur Geltung bringt.
Aus dem Sumpf von Cass Jones kaputten Privatleben führt ein zwielichtiger Ermittlungsweg in Die Bank und wird von eindrucksvoll gezeichneten Abgründen umringt. Mit tollen Antagonisten und ihrem undurchsichtigen Spiel, ist dieser Roman ein sehr durchdachtes und atmosphärisch fein gewobener dunkler Lesegenuss geworden. Der Schreibtstil von Sarah Pinborough ist recht simpel gehalten und hat stellenweise sein Potential nicht voll ausgeschöpft, allerdings wird dies von dem genial entwickelten Geflecht aus Morden, Mysterien und Verschwörungen auf fesselnde Weise überdeckt. Gleiches gilt für ihre Welt nach der Finanzkrise, welche bis auf die allmächtige Bank und ihre Machenschaften kaum Unterschiede zu der Heutigen aufweist, aber es sehr schön schafft die schmutzigen und hässlichen Seiten der Londoner Gesellschaft zu zeigen.
Mit einem erschreckend gelungenen Faible für die Abgründe der menschlichen Psyche hat Sarah Pinborough mit Die Bürde des Blutes einen düsteren Roman erschaffen, der sich zwischen Mystery Thriller, leichtem Horror und einem phantastischen Krimi bewegt.

Sarah Pinborough: Die Bürde des Blutes – Ein ungewöhnlicher und düsterer Roman, um den langsam beginnenden Verfall einer Gesellschaft und ein undurchsichtiges Spiel aus Morden und rätselhaften Botschaften eines Serientäters, dem die Fliegen Untertan sind. Horror und Krimi gehen hier eine gelungene Verbindung ein und enthüllen einen düsteren, geheimnisvollen Triologie Auftakt, der spannend zu unterhalten und erschrecken weiss.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.01.2011
Schweigt still die Nacht
Yovanoff, Brenna

Schweigt still die Nacht


ausgezeichnet

Gentry, eine Kleinstadt in der amerikanischen Provinz. Hier lebt der schüchterne Mackie Doyle und versucht Tag für Tag ein angepasstes Leben unter den Menschen zu führen. Mackie stammt nicht aus der Oberwelt, mit ihren hübschen Häusern, deren Fenster und Türen mit Talismanen verhangen sind.
In Gentry verschwinden Kinder. Dies ist für das Örtchen wie ein Naturgesetz, kaum eine Familie weißt in ihrem Stammbaum keine Lücken auf und doch zieht sich eine Mauer des Schweigens um die verlorenen Kinder und das, was als Tausch für sie in den Wiegen gefunden wurde. Mackie wurde gefunden und überlebte, doch jetzt ruft ihn das dunkle Reich, tief unter der Stadt…

Brenna Yovanoff legt mit Schweigt still die Nacht ihren ersten Roman vor und präsentiert in ihm eine spannende und finstere Geschichte, zwischen gruseligem Jugend Horror und Urban Fantasy Thriller. Mackie entpuppt sich schnell als sympathischer Jugendlicher und tragische Figur in dem engen Gefüge einer Kleinstadt, über der die Angst wie eine lähmende Glocke hängt. Angst vor Wesen wie Mackie. Er selbst wurde im Babyalter gegen den leiblichen Sohn der Doyles ausgetauscht und einzig der Liebe seiner grossen Schwester ist es zu verdanken, das Mackie am Leben blieb und nicht in dem kleinen Kinderbettchen starb, wie so viele der „Anderen“.
Der blasse Junge, dem jede Berührung mit Eisen schmerzhafte Verbrennungen auf der Haut verursacht, hat sich in die Lebenswelt der Menschen eingefügt. Angestrengt versucht er bloß nicht aufzufallen, nicht anders zu wirken und so werden Unauffälligkeit und Normalität zu seinem Credo. Doch in Mackie nagt die Gewissheit ein Ausgestoßener zu sein, ein Fremder und ein Wesen das den Hass der Menschen auf sich ziehen könnte. Dann beginnt der Junge schwächer zu werden. Der Kontakt oder nur der Geruch von Eisen lässt ihn in Ohnmacht zusammenbrechen und wie ein Kranker das Bett hüten. Aus den Tiefen des Schlackeberges prophezeit ihm ein, plötzlich in seinem Leben auftauchender, Fremder seinen baldigen Tod.

Der Autorin ist es gelungen eine wirklich interessante Hauptfigur zu erschaffen, die sowohl ein exotisches phantastisches Element in sich trägt, als auch dem Leser sehr nah kommt und in seinem unmutigen Vorgehen und jugendlichen Unsicherheiten höchst nachvollziehbar und -empfindbar handelt. Mackie Doyle wächst dem Leser schnell ans Herz und behält gleichzeitig eine geheimnisvolle, mysteriöse Seite. Als dann die kleine Schwester von Tate, einem eher unauffälligem Mädchen in seiner Schulklasse, verschwindet, muss Mackie eine Entscheidung treffen, die seinem bisherigen Leben völlig zuwider läuft.
Neben einer wirklich sehr schönen, kitschfreien Liebesgeschichte gewährt Brenna Yovanoff einen Einblick in die düstere Parallelwelten unter der Stadt. Hier spielt sie gekonnt mit bewährten Horrorelementen, wie dem jungen Mädchen mit Puppe und nadelspitzen Zähnen, interpretiert diese jedoch auf sehr interessante Weise neu und formt ein eigenständiges, mysteriöses Schattenreich. Dieses hätte neben sehr schönen skurrilen Figuren und grotesken Erscheinungen etwas mehr Tiefe vertragen können, dürstet es den Leser doch mehr zu erfahren über die Geschichte seiner Bewohner und noch tiefer in das Dunkel zu tauchen.

Frei von übermäßig blutigen Momenten ist Brenna Yovanoff mit Schweigt still die Nacht ein düsterer Stern am Horror Jugendbuch Himmel gelungen, der sich spannend liest, durch liebevoll gezeichnete Figuren besticht und mit seiner bedrückend düsteren Atmosphäre ein schauriger Lesegenuss ist.

Brenna Yovanoff: Schweigt still die Nacht – Das eindrucksvoll und gefühlvoll geschriebene Debüt einer vielversprechenden Autorin, das mit einer feinen düsteren Atmosphäre, einem altersgerechten Schreibstil, wundervollen Figuren und einer schaurig-schönen Geschichte besticht.
Ein gruseliger Page Turner und spannendes phantastisches Jugendbuch.

0 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.01.2011
Bartimäus - Das Amulett von Samarkand, Graphic Novel
Stroud, Jonathan; Sullivan, Lee

Bartimäus - Das Amulett von Samarkand, Graphic Novel


ausgezeichnet

Plötzliche Eiskälte. Schwefeldampf-Tentakel lecken wie hungrige Zungen in die Luft. Und dann zwei gelbe stechende Augen… Bartimäus, legendärer Dschinn des Fantasy Jugendbuch Segments, ist zurück, als Graphic Novel gestaltet von Lee Sullivan. Und der 5000 Jahre alte Dämon ist wenig begeistert als er von dem Zauberschüler Nathanael in dessen Zimmer beschworen wird.
Bartimäus, Errichter der Mauern von Prag, Uruk und Karnak, Diener König Salomons, Wächter des alten Simbabwes und bekannt als Sakhr Al-Dschinni, N´Gorso der Mächtige und Die silbergefiederte Schlange, Erbostheit über den Dreist des Naseweis wird noch mürrischer als er an einen halsbrecherischen Auftrag gebunden wird…

Bartimäus soll zum Räuber werden und Minister Simon Lovelace das magische Amulett von Samarkand entwenden. Mit Witz und Tücke macht sich der Dschinn unfreiwillig auf den Weg, sich mit einem der mächtigsten Zauberer Englands anzulegen…

Die weltweit verkaufte und preisgekrönte Geschichte um den gerissenen, vorlauten und kein Risiko scheuenden Dämon Bartimäus, welche Millionen Leser in ihren Bann geschlagen hat, wurde nun erstmals als Graphic Novel aufgelegt. Für Fans des quirligen Dschinns ein Muss und absolut lohnenswertes I-Tüpfelchen in jeder Jonathan Stroud Sammlung, für Neugierige ein sehr schöner Einstieg in das flotte und witzige Abenteuer des selbstverliebten Dämons.
Lee Sullivan ist es erstaunlich gut gelungen den über 500 Seiten umfassenden Roman auf Comic Format herunterzubrechen, ohne das die Geschichte merklich leiden musste. Die Extravaganz von Bartimäus Charakter, sein dämonischer Charme und Witz sind erhalten geblieben, ebenso wie der bedrohlich-düstere Flair einer putschistischen Verschwörung in den Reihen der Magier.

Wo Jonathan Stroud andeutete und eher wage blieb, musste Lee Sullivan konkret werden. So bekommen die, sich zahlreich um ihre Meister tummelnden, Kobolde eine interessante, durchaus überraschende, aber sehr gelungene Gestalt, ebenso wie eine gewisse Monstrosität namens Ramuthra, die wirklich beeindruckend wirkt.
In edlem Paperback und auf 144 farbenfrohen Seiten liegt hier eine gekonnt umgesetzte Comic Adaption der irrwitzigen Geschichte um Bartimäus und das legendäre Amulett von Samarkand vor.

Jonathan Stroud: Bartimäus 1 – Das Amulett von Samarkand (Graphic Novel) – Eine gelungene, amüsante und eindrucksvolle Umsetzung des ersten Bartimäus Romans, die den Witz und skurrilen Charme des waghalsigen Abenteuers in einem spritzigen, rasanten Lesegenuss mit faszinierenden Bildern umsetzt und den markanten Buchcharaktere ein passendes Gesicht verleiht.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.01.2011
Scherbenmond / Ellie & Colin Trilogie Bd.2
Belitz, Bettina

Scherbenmond / Ellie & Colin Trilogie Bd.2


ausgezeichnet

Nachdem Bettina Belitz in 2010 für reichlich Furore mit ihrem Romandebüt Splitterherz sorgte und zu Recht als neuer deutscher Star am Jugendbuchhimmel gefeiert wurde, legt die Autorin zum Jahresanfang 2011 ihren Fortsetzungsroman um Ellie Sturm und den Nachtmahr Collin vor. Schon auf den ersten Seiten gelingt es Bettina Belitz den Leser erneut in ihre Mahrewelt zu ziehen und an die Seite von Ellie Sturm zu führen. Hierbei kann die Autorin ein Gefühl erzeugen, welches in dieser Intensität nur selten gelingt und es heisst ‘Endlich wieder zu Hause’.
Sollten dem einen oder anderen Leser zwischenzeitlich einige Details aus Splitterherz entfallen sein, stellt dieses überhaupt kein Problem für den Wiedereinstieg in die neue Geschichte dar. Unglaublich schnell und zartfühlig führt Bettina Belitz in bekannte Gefilde und ihre tolle Hauptfigur in das Herz des Lesers. So wird Scherbenmond zu einem freudigen Wiedersehen mit liebgewonnen Charakteren, welche sich im Laufe ihres zweiten Abenteuers sehr feinfühlig und absolut nachvollziehbar entwickeln. Ellie ist reifer geworden, musste es werden, hat aber ihren jugendlichen Charm bei weitem nicht verloren und kämpfte immer noch mit unzähmbaren Locken, passender Unterwäscheauswahl und dem Gefühlschaos einer unwirklichen Liebe. Collin erhält in Scherbenmond eine deutlich zwielichtigere Rolle, als im Reihenauftakt. Sein Dasein als Opfer seiner rachsüchtigen Mutter wendet sich in das gnadenlose Gegenteil und doch bleibt er ein Herzenbrecher und Verführer, wie ihn nur Bettina Belitz zeichnen kann.

Vor einer bedrohlichen Kulisse und düsteren Schicksalsschlägen entspinnt die Autorin gekonnt eine mitreissende, gefahrenvolle und mysteriöse Atmosphäre, die sich dicht durch den gesamten Roman zieht. Die fein gezeichnete Romantik aus dem ersten Band erhält neues Leben und treibt sogar prickelnde erotische Blüten, mit dem richtigen Rezept aus grossen Liebesszenen und den Aufregungen authentischer jugendlicher Unsicherheiten. Neben diesem sehr schönen und turbulenten roten Faden der Liebe zwischen Ellie und Collin, dürften vor allem männliche Leser ihre wahre Freude an Tillmann haben.
Ellie Sturms unerschütterlicher Gefährte erweist sich nicht nur erneut als absolut nachvollziehbar in seinen Gedanken und Handlungen, er ist auch ein Garant für waghalsige Pläne und durch seine undurchschaubare Tiefgründigkeit auch eine Figur, der man im dritten Roman nur eine noch zentralere Rolle wünschen kann.

Bettina Belitz hat mit Scherbenmond erneut gezeigt, das sie nicht nur eine begnadete Autorin ist, die stets hautnah am Leser schreibt, sondern auch das ihre Nachtmahre sämtliche Vampire aktueller Urban Fantasy Veröffentlichungen mit Leichtigkeit in den Schatten stellen. Hier wird eine feine Fantasy Note in ein gefühlvolles und spannendes Abenteuer gewebt, das zu Recht schon vor Abschluss der Reihe Erfolgsgeschichte geschrieben hat.

Bettina Belitz: Scherbenmond – Der brillante Splitterherz Nachfolger mit einer spannenden Geschichte, toll gezeichneten Figuren und -entwicklungen, sowie einem erweiterten Einblick in die Parallelwelt der Nachtmahre. Ein Stern am Jugendbuchhimmel, der Leserherzen einfach erfreuen muss.

10 von 29 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.01.2011
Jenseits des Karussells
Honisch, Ju

Jenseits des Karussells


ausgezeichnet

Dunkle Mächte, Wesen jenseits des Begreiflichen im aufgeklärten München des Jahres 1867, nisten in der Stadt der Denker, Forscher und Modernisierer. Die Creme de la Creme aus Wissenschaft und Kultur, Freigeister und Visionäre, verkehren im Hause des angesehenen Professor Lybratte, nach dem dieser sich neu vermählt hat. Eine hochexklusive Gesellschaft, in der es keinen Platz für Catty gibt. Die neue, allseits geliebte und geachtete, Dame an der Seite ihres Vaters überhäuft Catty mit Unterricht, Aufgaben und Verboten. Cattys Welt wird zusehend enger und schwärzer. Ihre Lebendigkeit bekommt ein Korsett verpasst, das Atmen unmöglich macht und an den Rändern ihres Blickfeldes bewegt sich etwas, lauernd und bedrohlich…

Das Königreich Bayern und sein vergleichsweise offener und moderner Staat sind Handlungsort in Ju Honischs phantastischem Meisterwerk Jenseits des Karussells. Schnell wird dem Leser deutlich das hier nicht beliebig ein Ort auserkoren wurde, sondern das die Autorin ihr München als sehr genau recherchiert hat und authentisch dargestellt. Sprachweisen, gesellschaftliche Normen und Tabus, Verhaltensweisen und Umgang in den höheren Kreisen, all dies ist Bestandteil einer faszinierenden Welt, die in diesem Roman beherrbergt ist und zum Anfassen detailgetreu und plastisch wirkt. Dementsprechend vielschichtig und stark entwickelt sich eine Atmosphäre in dem Buch, die zwischen dem Flair, einer Zeit der Aufklärung und der fortschrittlichen Gesellschaft und dem, für sie undenkbaren, düsterem Übernatürlichen, pendelt.

Was hier nicht geboten wird ist Hau Ruck Phantastik.
Ju Honisch vollführt ihre Geschichte in filigraner Weise und entspinnt ein vielfältiges Netz des Phantastischen, welches nur als höchst aussergewöhnlich beschrieben werden kann. Sämtliche Figuren in Jenseits des Karussells bestechen durch ein feinfühlig gestaltetes Höchstmass an Individualität und Tiefe, die den Leser einladen, das Abenteuer ihrer Lebenswege nachzuvollziehen. Wundervoll geschrieben ist Ju Honischs vierter Roman, eine Geschichte die sich in sämtlichen ihrer Facetten an der Perfektion versucht und nicht scheitert. Man mag Jenseits des Karussells als historische Urban Fantasy kategoriseren und wird ihm dadurch doch ungerecht, da dieser Definition häufig nicht die Möglichkeit zugesprochen wird auch wirklich grosse Literatur zu sein. Allen Skeptikern der phantastischen Literatur, allen Naserümpfern, die von ihrem hohen Ross der vermeintlich anspruchsvollen Gegenwartsliteratur auf die Phantastik hinab blicken, sei dieses Werk in die Hand gedrückt und ihr Erstaunen dürfte Gewissheit sein.

Mit Jenseits des Karussells liegt ein durchgehend spannender, brillant geschrieben und feinfühlig ausgearbeiteter Fantasy Roman vor, der sowohl Kammerspiel, als auch ein Abenteuer in den Weiten einer bedrohlichen Welt, jenseits der Unseren ist. Mit gekonnt gezeichneter Magie, grossen Gefühlen und schlichtweg begeisternden Charakteren ist dieser Roman eine der besten phantastischen Veröffentlichungen 2010 und es es kann nur mit Unverständnis auf den Umstand geblickt werden, das Jenseits des Karussells keinen Spitzenplatz in den Bestsellerlisten ergattern konnte.

Ju Honisch: Jenseits des Karussells – Historische Fantasy vom Feinsten, ungewöhnlich, gewitzt, ausdrucksstark, detailverliebt in seinen Handlungsorten, gefühlvoll in seinen Figuren und absolut genial und bedrohlich in seinen düsteren Wesen. Ein Ausnahmewerk.

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.