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Benutzername: Caren L.
Wohnort: Bad Berleburg
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Bewertungen

Insgesamt 84 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2018
So bitter die Rache
Berg, Eric

So bitter die Rache


ausgezeichnet

Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite

Inhalt:
Ellen Holst, 42 und frisch getrennt, möchte nach einem bisher unsteten Leben als Diplomatengattin endlich einen endgültigen Wohnsitz beziehen. Mit ihrem Sohn Tristan kauft sie ein Haus in einer Wohnanlage in Heiligendamm. Kurz nach ihrem Einzug erfährt sie, dass vor sechs Jahren ausgerechnet in ihrem Haus ein grausames Verbrechen stattgefunden hat. Drei Menschen wurden ermordet, ein Täter wurde nie dingfest gemacht. Anfangs interessiert sie das eigentlich nicht, nach und nach wird sie aber von dem damaligen Geschehen eingeholt.

Meine Meinung:
Das ist wieder so ein Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte. Von der ersten Seite an war ich gefesselt und mitten in der Geschichte. Der Autor erzählt abwechselnd in zwei Zeitebenen: Zum einen Ellens Geschichte im Jahr 2016, zum anderen die Ereignisse im Jahr 2010, in dem das grausame Verbrechen geschah. Der Leser erfährt häppchenweise, wie und warum es zu den Morden kam.
Ein dritter Handlungsstrang spielt in Albanien. Anfangs kann man diese Geschichte überhaupt nicht einordnen, nach und nach fügt sich das Puzzle zusammen und alles ergibt einen Sinn. Die Spannung baut sich langsam auf und steigert sich bis zum Schluss, durch den ganzen Krimi zieht sich eine unterschwellig düstere Stimmung.
Das Ende ist überraschend aber stimmig, es bleiben keine Fragen offen. Auf dem Weg dahin führt uns Eric Berg immer wieder auf falsche Fährten, es gibt überraschende Wendungen, die alle Spekulationen über den Haufen werfen.
Am besten gefallen hat mir die Darstellung der Protagonisten. Die Charaktere sind facettenreich und differenziert gezeichnet. Von jedem einzelnen wurde ich immer wieder überrascht, keiner ist nur gut oder nur böse.
Schließlich sei noch die liebevolle und detaillierte Beschreibung der wundervollen Ostseeküste erwähnt. Ich habe Lust bekommen, in unser Wohnmobil zu steigen und hin zu fahren.

Fazit:
Ein spannender, intelligent konstruierter Krimi mit genial gezeichneten Protagonisten. Mein Highlight 2018!

Bewertung vom 24.04.2018
ESCAPE
Laurin, Nina

ESCAPE


gut

Dünne, vorhersehbare Story

Inhalt:
Laine wurde im Grundschulalter entführt und jahrelang misshandelt. Hochschwanger gelingt ihr die Flucht. Ihr Baby muss sie zur Adoption freigegeben. Zehn Jahre später wird wieder ein Mädchen entführt (ihre Tochter?) und sie soll dazu beitragen, das verschwundene Kind zu finden.

Meine Meinung:
Wer hier einen Psychothriller erwartet, der wird enttäuscht. Wir begleiten Laine auf ihrem Weg zurück ins Leben, der ihr mehr oder weniger gut gelingt. In meinen Augen besteht die Geschichte aus einer Aneinanderreihung von Szenen des Lebens einer drogenabhängigen, psychisch kranken jungen Frau. Ich bin mit ihr nicht warm geworden, ihr Handeln und Denken konnte ich in keiner Weise nachvollziehen. Auch manch andere Protagonisten waren für mich nicht wirklich überzeugend. Der Ermittler, der für den aktuellen Entführungsfall zuständig ist der, der und der auch Laine damals aufgefunden hat. Seine Tun und Lassen ist wenig realistisch. Die (Adoptiv-) Eltern des entführten Mädchens sind natürlich verzweifelt und versuchen alles, um ihre Tochter zurückzubekommen. Aber auch ihr Handeln ist manchmal unlogisch und schwer nachvollziehbar. Der gelungene Showdown am Ende lässt ein bisschen Spannung aufkommen. Trotzdem bleiben noch Fragen offen und es gibt einige Ungereimtheiten. Außerdem weist die Übersetzung Schwächen auf. Der Satz „prallt der Wagen .... irgendwo gegen“ ist grammatikalisch mindestens fragwürdig.

Fazit:
Wer gerne Drogentrips einer jungen Frau erleben möchte, für den ist dieses Buch gut geeignet. Die versprochene Spannung fehlt leider und von einem Psychothriller ist „Escape“ weit entfernt.

Bewertung vom 15.04.2018
Schweigegelübde / Emma Vaughan Bd.2
Bierach, Barbara

Schweigegelübde / Emma Vaughan Bd.2


sehr gut

Ein unterhaltsamer Irland-Krimi

Inhalt:
Emma Vaughan, Ermittlerin bei der Mordkommission in Sligo, wird bei ihrem zweiten Fall von der Vergangenheit eingeholt. Ihr nicht gelöster erster Fall droht ihr beruflich das Genick zu brechen. Zu allem Überfluss schickt ihr Boss sie zu einem Drogenscreening ins Krankenhaus. Bei dem Gespräch mit dem Chefarzt erfährt sie, dass ein „Todesengel“ in der Klinik sein Unwesen treibt. In letzter Zeit sterben auffällig viele Patienten an der selben „Krankheit“ . Emma beginnt zu ermitteln, aber niemand scheint ihr Auskunft geben zu können oder zu wollen. Als es zu einem weiteren Mord kommt, ist Emma überzeugt, dass ein Zusammenhang zu ihrem alten Fall besteht.

Meine Meinung:
Den ersten Band der Reihe („Lügenmauer“) kenne ich nicht. Daher habe ich anfangs die zahlreichen Anspielungen auf die Vergangenheit nicht verstanden. Im Lauf der Geschichte wird noch vieles erklärt, so dass man den ersten Band quasi „mitgelesen“ hat.
Der flüssige, lockere und bildhafte Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere in diesem Buch sind sehr überzeugend dargestellt. Allen voran Emma, die ist mir ans Herz gewachsen ist. Als alleinerziehende Mutter hat sie es nicht leicht, trotzdem übt sie ihren Beruf als Ermittlerin mit Leib und Seele aus. Ihre privaten Probleme machen ihr schwer zu schaffen. Ihr Exmann Paul sitzt in Untersuchungshaft, weil er angeblich für die IRA tätig war. Eigentlich könnte er ihr ja egal sein, aber ihrem fünfzehnjährigen Sohn zuliebe engagiert sie einen Anwalt. Nach einem schweren Autounfall hat sie starke Schmerzen und ist mittlerweile abhängig von ihren Tabletten. Als Frau, die zwar irische Eltern hat, aber in den USA aufgewachsen ist, hat sie es in der Männderdomäne Polizei nicht gerade leicht. Immer noch gibt es Vorbehalte gegenüber Ausländern. Aber sie beißt sich durch und löst den aktuellen Fall - wenn auch mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden und unerlaubten Alleingängen.
Das Team, mit dem sie zusammenarbeitet, ist nicht wirklich teamfähig. Mein Eindruck war, dass jeder für sich arbeitet und dem / der anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnt. Nur ihr Kollege James bildet da einen Ausnahme.
Mir war schon recht früh klar, wer der Todesengel sein könnte, es hat sich später bestätigt. Die Handlung ist teilweise etwas vorhersehbar, doch dadurch, dass es zwei Handlungsstränge gibt, bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten.
Am Ende muss Emma die Konsequenzen aus ihrer Medikamentensucht ziehen. Ich hoffe, dass wir im nächsten Band erfahren, wie es mit ihr weitergeht.
Der Autorin ist es gut gelungen, den geschichtlichen Hintergrund in den Krimi einzubauen. Im Jahr 2005, in dem die Geschichte spielt, sind die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken und auch die Machenschaften der IRA noch sehr gegenwärtig. Auch die typische Atmosphäre Irlands hat sie wunderbar eingefangen.

Fazit:
Ein spannender, unterhaltsamer Krimi, der Lust macht auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 07.04.2018
Mehr als nur ein Traum
Büchle, Elisabeth

Mehr als nur ein Traum


ausgezeichnet

„I have a dream“

Inhalt:
„Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“
Dieses Zitat von Martin Luther King ist der Titelgeber für das wunderbare Buch „mehr als nur ein Traum“, das kurz vor dem 50. Todestag des Bürgerrechtlers erschienen ist.
Die junge Fotografin Felicitas Jecklin hat als Jüdin den Krieg überlebt. Nun erbt sie völlig überraschend ein Haus in den USA. Naiv und blauäugig wie sie ist, macht sie sich auf den Weg nach Mississippi. Dort findet sie ein herrliches Anwesen außerhalb einer Kleinstadt vor. Schnell hat sie Kontakt zu den Bewohnern des Ortes. Trotz aller Warnungen freundet sie sich mit ihren schwarzen Nachbarn an - und gerät dadurch ins Visier des Ku-Klux-Klan. Der Deputy Landon Brown kümmert sich um sie; er birgt allerdings irgendein Geheimnis und verhält sich reichlich merkwürdig. Welchem ihrer neuen Nachbarn kann sie trauen?

Meine Meinung:
Ich habe alle Bücher von Elisabeth Büchle gelesen, es hat mich keines so berührt wie dieses! Wir erleben die 60er Jahre in Mississippi. Die Rassendiskriminierung sorgt in den Südstaaten der USA immer wieder für Unruhen. Es ist einfach unmenschlich, was den Schwarzen angetan wird. Felicitas will das nicht wahrhaben und freundet sich trotz einiger Warnungen mit den schwarzen Bewohnern des Ortes an. Ihr Charakter ist herrlich dargestellt. Sie ist naiv, gutgläubig und schrecklich tollpatschig, wodurch sie sich immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Ihre Gutgläubigkeit lässt sie leider so manches mal an die falschen Leute geraten. Was mich gewundert hat: Felicitas hat so viel Schlimmes erlebt und glaubt immer noch an das Gute im Menschen. Sie geht offen und vorurteilsfrei auf andere zu - von dieser Sorte Mensch bräuchten wir mehr!
Auch alle anderen Charaktere sind sehr authentisch und überzeugend gezeichnet. Besonders gut gefallen hat mir, dass es nicht per se den „bösen Weißen“ und den „guten Schwarzen“ gibt. Auf beiden Seiten gibt es die unterschiedlichsten Charaktere, die mich allesamt überzeugt haben. Der KKK ist beängstigend und grausam. Schockierend finde ich, dass „ganz normale“ Leute wie du und ich sich derart radikalisieren.
In einem zweiten Erzählstrang wird der Vietnamkrieg thematisiert, was nicht weniger bedrückend ist wie die Apartheid. Trotz der traurigen und bedrückenden Szenen habe ich das Buch zu jeder Zeit gerne gelesen und es ungern aus der Hand gelegt. Humorvolle Personen und Szenen sowie eine Liebesgeschichte mit happy end lockern das bedrückende Geschehen etwas auf.

Fazit:
Eine absolute Leseempfehlung! Unterhaltung auf hohem Niveau. Trotz der bedrückenden Thematik habe ich das Lesen genossen.

Bewertung vom 02.04.2018
Barfuß im Sommerregen
Schwarzhuber, Angelika

Barfuß im Sommerregen


sehr gut

Alles wird gut

Inhalt:
Romy ist verzweifelt. Sie lebt mit ihrem fünfjährigen Sohn Tommi in München und verliert in Kürze ihre Wohnung. Im Supermarkt entdeckt sie eine Annonce: „Kostenloses Wohnen auf dem Bauernhof. Gegenleistung: Unterstützung unseres noch rüstigen Onkels Alfred.“ Sie bewirbt sich und wohnt kurze Zeit später auf dem Land. Der „rüstige Onkel Alfred“ möchte sie und Tommi am liebsten schnell wieder los werden.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist ein locker flockig geschriebener Wohlfühlroman ohne viel Tiefgang. Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen, die Autorin hat sie überzeugend gezeichnet. Romy hat in ihrem Leben viel Schlimmes erlebt. Ihren Traumberuf hat sie aufgegeben und sich seit der Geburt ihres Sohnes mit Gelegenheitsjobs herumgeschlagen. Jetzt landet sie bei dem kauzigen Bauern, Alfred, der von ihrer Anwesenheit anfangs wenig begeistert ist. Doch durch ihre herzliche Art und ihre Zielstrebigkeit schleicht sie sich nach und nach in das Herz des Alten. Er mausert sich vom griesgrämigen Opa zum guten Freund.
Sein Neffe Hannes, von dem Romy erst gar nichts wissen will, spielt auch eine nicht unerhebliche Rolle auf dem Weg zu ihrem Glück.
Tommi ist ein witziger, aufgeweckter Bursche, dessen
Entdeckerlaune von seiner Helikoptermutter ausgebremst wird.
Der lockere und humorvolle Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Das Leben auf dem Dorf mit seinen Höhen und Tiefen wird gut dargestellt. Die Dorfbewohner haben alle ihre Eigenheiten und wirken sehr menschlich und authentisch.
Kurze Ausflüge in die Jugendzeit von Alfred und auch von Romy machen klar, welches Päckchen jeder zu tragen hat.
Am Ende wird alles gut.

Fazit:
Eine leicht zu lesende Geschichte über Freundschaft, Vergebung und Liebe. Meiner Ansicht nach ein bisschen zu viel „heile Welt“, trotzdem eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.

Bewertung vom 28.03.2018
Solange es hell ist
Kui, Alexandra

Solange es hell ist


ausgezeichnet

Auf der Suche nach DEM Leuchtturm

Inhalt:
Die fünfzehnjährige Mika macht mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern Urlaub im Harz. Eine ganz normale Familie. Oder doch nicht? Eines Morgens packt Mika ihre Schwester Penny und ihren Bruder Elias und fährt mit ihnen in einem alten Polo nach Dänemark. Eine abenteuerliche Reise von Leuchtturm zu Leuchtturm beginnt.

Meine Meinung:
Obwohl ich mit über 50 nicht zur Zielgruppe dieses Jugendbuchs gehöre, hat es mich sofort in seinen Bann gezogen. Was veranlasst Mika, die erst 15 ist, ihre beiden Geschwister einzupacken und mit dem Auto der Mutter, für das sich natürlich keinen Führerschein hat, loszufahren in Richtung Dänemark? Die Beweggründe für diese Reise erfahren wir so nach und nach. Mika lässt uns teilhaben an ihren Gedanken. Sie bezeichnet sich selber als „wandelnden Widerspruch“. Sie macht Dinge, die eigentlich gegen ihr Gewissen sind, in diesem Moment aber überlebenswichtig. Sie ist ein tolles Mädchen, das aber tatsächlich widersprüchlich ist! Zum einen ist sie sich der Verantwortung für ihre beiden jüngeren Geschwister bewusst, denkt und handelt wie eine Erwachsene, zum anderen ist sie ein pubertierender Teenager mit ambivalenten Gefühlen. Dass sie sich auch noch verliebt, macht ihre Gefühlswelt nicht unbedingt einfacher.
Was die drei auf ihrer abenteuerlichen Reise erleben, geht unter die Haut! Ich habe mit ihnen gehofft und gebangt, gelacht und geweint. Trotz aller Sorgen und scheinbar unüberwindlicher Hindernisse geht Mika der Humor nicht verloren („das Schicksal hat Humor, definitiv.“). Sie meistert alle Hürden mehr oder weniger perfekt.
Ihre Geschwister sind auch herzallerliebst! Penny steht mit ihren elf Jahren am Anfang der Pubertät, aber man merkt ihr die Liebe zu ihren Geschwistern an. Obwohl schon mal die Fetzten fliegen, halten die drei bombenfest zusammen. Das Nesthäkchen Elias (6) weiß gar nicht so recht, wie ihm geschieht, er ist einfach zuckersüß.
Am Ende wird es nicht ganz so, wie Mika es sich erträumt hat, aber es wird alles gut.
Neben der eigentlichen Geschichte haben mich als Nordsee-Fan auch die Landschaftsbeschreibungen begeistert. Da ich einige Orte (und Leuchttürme!) kenne, die hier eine Rolle spielen, habe ich mich sofort heimisch gefühlt.

Fazit:
„Solange es hell ist“ ist ein berührendes Buch, absolut lesenswert, nicht nur für Jugendliche.

Bewertung vom 27.03.2018
Die Kamelien-Insel / Kamelien Insel Saga Bd.1
Bach, Tabea

Die Kamelien-Insel / Kamelien Insel Saga Bd.1


ausgezeichnet

Grandioses Kopfkino !

Inhalt:
Sylvia ist eine erfolgreiche Unternehmensberaterin, verheiratet mit Holger, einem Immobilienberater. Die beiden leben nebeneinander her, haben alles, was sie zum Leben brauchen, wenn man es auf das Materielle beschränkt. Die Liebe in der Beziehung ist irgendwo auf der Strecke geblieben. Eines Tages erbt Sylvia eine - laut Holger - heruntergekommene Gärtnerei in der Bretagne. Er überzeugt sie davon, dass es das Beste sei, die Insel zu verkaufen. Sylvia stimmt zu, fährt aber dann spontan trotzdem in die Bretagne. Was sie dort vorfindet, ist eine traumhafte Kamelien-Insel. Sie setzt nun alles daran, den Verkauf rückgängig zu machen. Ob es ihr gelingen wird?

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt. Obwohl mir der „High-Society-Lebensstil“ von Sylvia und Holger eher zuwider ist, war ich sofort mitten im Geschehen. Ich habe mit Sylvia und den Bewohnern der Kamelien-Insel gehofft und gebangt. Die Landschaft in der Bretagne und besonders die Kamelien-Insel hat Tabea Bach so anschaulich und wunderschön beschrieben, dass man als Leser wirklich mittendrin ist.
Die Charaktere sind sehr realitätsnah und authentisch gezeichnet. Sie alle besitzen individuelle Eigenschaften und wirken aufgrund dessen überzeugend und sehr menschlich. Sylvia ist eine sympathische Frau, die die letzten Jahre beruflich sehr erfolgreich war. Ihre Ehe ist dabei auf der Strecke geblieben, sie lebt mit Holger zusammen, ohne ihn richtig zu kennen und einschätzen zu können. Sie vertraut ihm blind, was sich als großer Fehler herausstellt. Holger ist ein Egoist, der für seinen Vorteil über Leichen geht. Besonders gefallen hat mir Sylvias Freundin Veronika. Sie genießt ihr Leben, hat das Herz am rechten Fleck und ist eine wirkliche Freundin, die Sylvia sofort zu Hilfe eilt, als es nötig ist. Die Bewohner der Kamelien-Insel sind typische Bretonen, ein bisschen verschlossen und stur. Sie sind Sylvia gegenüber erst misstrauisch. Als sie sie aber ins Herz geschlossen haben, erweisen auch sie sich als gute Freunde.

Fazit:
„Die Kamelien-Insel“ ist ein wunderschöner Roman, bei dem es um Vertrauen, Verrat, Geldgier, Betrug, Freundschaft und nicht zuletzt um Liebe geht. Brilliantes Kopfkino, das den Alltag vergessen lässt.

Bewertung vom 21.03.2018
Der Preis des Todes
Eckert, Horst

Der Preis des Todes


ausgezeichnet

Aktuell und authentisch

Inhalt:
Sarah Wolf ist eine erfolgreiche Talkshow-Moderatorin. Sie ist heimlich liiert mit dem angesehenen Politiker Christian Wagner. Als man ihn tot auffindet (anscheinend Suizid), beginnt Sarah, der Sache auf den Grund zu gehen und sticht dabei in ein Wespennest. Schnell ergibt sich eine Verbindung zu dem Mord an einer jungen Frau, die sich für ein Flüchtlingslager in Kenia engagiert hat. Kommissar Paul Sellin hat sich in diesen Fall verbissen. Er ist schwer an Krebs erkrankt und möchte diesen Mord unbedingt noch aufzuklären.

Meine Meinung:
Für mich war dies das erste Buch von Horst Eckert. Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und unheimlich spannend! Trotz ernster und auch sehr trauriger Thematiken schafft es der Autor immer wieder, das Geschehen durch humorvolle Personen und Szenen aufzulockern. Wir tauchen ein in drei große Themenbereiche: Zum einen die Medienbranche, in der Sarah Wolf als Moderatorin einer Polit-Talkshow unter sehr großem Leistungsdruck steht.
Zum anderen lernen wir das politische Geschehen auf Bundesebene kennen. Christian Wolf war als Staatssekretär zuständig für die Fusion zweier Klinikkonzerne. Wir haben es mit organisiertem Verbrechen, Geldgier, Geltungssucht und Korruption zu tun.
Schließlich nimmt der Autor uns mit in ein Flüchtlingslager in Kenia. Die Zustände dort sind wirklich furchtbar und erschreckend! Was da mit Menschen gemacht wird, ist alles andere als menschenwürdig.
Mit (fast) allen Protagonisten konnte ich mich identifizieren. Allen voran Sarah, die das Herz am rechten Fleck hat. Sie ist beruflich sehr ehrgeizig, bleibt aber trotzdem bodenständig und sehr menschlich. Ihr Team, mit dem sie für die Sendungen recherchiert, ist sehr engagiert und loyal. Paul Sellin hat mich völlig überzeugt, er ermittelt gewissenhaft, stellenweise etwas unkonventionell, aber was hat er schon zu verlieren? Beruflich wie privat möchte er Ordnung in sein Leben bringen.
Für Christian Wolf konnte ich nicht viele Sympathien entwickeln. Auch die anderen Politiker, die tragende Rollen spielen, kommen nicht gut weg.
Das Ende ist leider nicht sehr tröstlich, aber durchaus logisch und stimmig.

Fazit:
Ein unbedingt empfehlenswerter Thriller, der auch ohne blutige Szenen überaus spannend ist.

Bewertung vom 10.03.2018
Totenweg / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.1
Fölck, Romy

Totenweg / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.1


sehr gut

Die Schatten der Vergangenheit

Inhalt:
Vor 18 Jahren übernahm Bjarne Haverkorn seinen ersten Fall als Leiter einer Mordkommission. Dass er damals den Mörder nicht finden konnte, macht ihm bis heute zu schaffen. Frida Paulsen, eine Freundin des damaligen Mordopfers, ist jetzt angehende Kripo-Beamtin und kehrt in ihr Heimatdorf zurück, weil ihr Vater überfallen und schwer verletzt wurde. Sie kümmert sich um den Betrieb ihrer Eltern. Der Mordfall von damals lässt auch ihr keine Ruhe. Als noch ein weiterer Mord geschieht, nimmt sie zusammen mit Haverkorn die Ermittlungen auf.

Meine Meinung:
Das Buch hat mich gleich am Anfang gefesselt. Romy Fölck gelingt es, den Leser in die düsterere und kühle Stimmung zu versetzen, die im Heimatdorf von Frida herrscht. Die Geschichte, die aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und immer wieder von Fridas Jugenderinnerungen unterbrochen wird, ist von Anfang bis Ende spannend. Die Autorin legt viele falsche Spuren, so dass man bis zum Ende rätselt, wer der Mörder war. Die Handlung ist sehr verwirrend, immer wieder kommen unerwartete Wendungen. Einiges kam mir persönlich unwahrscheinlich und unlogisch vor, manches war für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen und konstruiert. Das Ende allerdings war stimmig und überzeugend.
Die Charaktere sind größtenteils überzeugend gezeichnet. Haverkorn ist Ermittler mir Leib und Seele, wir erfahren auch, wie sein Privatleben darunter leidet. Die Region und deren Bewohner sind detailliert und liebevoll gezeichnet, sie haben mich allesamt überzeugt. Mit Frida bin ich dagegen bis zum Schluss nicht so richtig warm geworden. Schade, denn die ist ja die Hauptfigur. Aber ihr Handeln bzw. Nicht-Handeln konnte ich stellenweise nicht nachvollziehen. Für mich ist sie zu kühl und unnahbar. Sollte es einen Fortsetzungsband geben, bekommt sie aber noch eine Chance von mir.

Fazit:
Ein gelungenes Krimi-Debüt der Autorin mit viel Lokalkolorit und größtenteils überzeugenden Darstellern. Die Handlung weist einige Schwächen auf, trotzdem ist das Buch lesenswert

Bewertung vom 07.03.2018
Der Mann, der nicht mitspielt / Hardy Engel Bd.1
Weigold, Christof

Der Mann, der nicht mitspielt / Hardy Engel Bd.1


ausgezeichnet

Ganz großes Kino!

Inhalt:
Reinhard „Hardy“ Engel, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Deutschland, lebt in Hollywood. Er versucht sich als Schauspieler, das führt aber nicht zum gewünschten Erfolg. Deshalb macht er ein Büro auf, in dem er sich als privater Ermittler anbietet.
Sein erster Auftrag lässt nicht lange auf sich warten. Eine gewisse Pepper Murphy sucht nach ihrer angeblichen Mitbewohnerin Virginia Rappe. Hardy macht sich auf die Suche und gerät bei seinen Ermittlungen von einer Katastrophe in die nächste.

Meine Meinung:
Der Autor entführt uns in das Hollywood der frühen 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das Filmgeschäft ist geprägt von Gewalt, Lügen, Bestechung, Sex, Drogen und Alkohol (trotz Prohibition!). Echte Freundschaften sind eine Seltenheit. Wir erleben diese Szenerie durch die Augen des Hauptprotagonisten. Hardy ist ein schlauer und gewitzter Ermittler, der auf die verrücktesten Ideen kommt, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal hat er aber auch mehr Glück als Verstand.
Der Erzählstil ist humorvoll und pragmatisch. Schonungslos und mit scharfer Zunge erzählt der Ermittler, was er erlebt, wobei sich das Amüsement über die Wortwahl abwechselt mit dem Entsetzen über das, was geschieht.
Die Charakere sind hervorragend gezeichnet. Allen voran natürlich Hardy, aber auch seine Auftraggeber und die „High Society“ Hollywoods (und die, die gerne dazu gehören würden) ist herrlich zynisch und sarkastisch dargestellt. Es spielen auch Personen tragende Rollen, die es tatsächlich gegeben hat! Als Beispiel seien die Schauspieler Roscoe Arbuckle und Wallace Reid genannt, sowie der Regisseur Erich von Stroheim und der Politiker und Zensor William Hays.
Hardy Engels Bemühungen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, sind ein Kampf wie David gegen Goliath.

Fazit:
Dieses Buch hat mich durch seinen Schreibstil restlos begeistert. Die Handlung war teilweise verwirrend, was aber nicht gestört hat. Eine absolute Leseempfehlung!