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Sylvias-Lesezimmer
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Ingelbach

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Insgesamt 511 Bewertungen
Bewertung vom 01.11.2020
Lüders, Fenja

Der Glanz der neuen Zeit / Speicherstadt-Saga Bd.2


ausgezeichnet

Schwierige Nachkriegszeit
„Der Glanz der neuen Zeit“ ist der 2. Band der Speicherstadt Saga von Fenja Lüders.
Seit dem Ende des 1. Band „Der Duft der weiten Welt“ sind einige Jahre vergangen. Der 1. Weltkrieg ist vorbei und die Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde hat, im Gegensatz zu einigen anderen Importeuren die Jahre überstanden.
Doch die Zeiten sind schwierig, an den Import von Kaffee ist nicht zu denken.
Mina, die seit dem Tod ihres Vaters die Firma leitet muss sich etwas einfallen lassen wenn das Kontor weiter überleben soll.
Kurzendschlossen schreibt sie ihrem Schwiegervater Paul Lohmeyer, der eine Kaffeeplantage in Guatemala besitzt.
Der Gedanke scheint von Erfolg gekrönt. Paul Lohmeyer reist nach Hamburg um geschäftliches mit seiner Schwiegertochter zu besprechen und seine Enkeltochter Elle kennenzulernen.
Mina ist noch erwachsener geworden. Sie hat die Verantwortung für das Kaffeekontor und somit für die Versorgung der Familie übernommen.
Da Mina als Frau die Firma nach außen nicht alleine leiten kann und auch nicht an der Kaffeebörse handeln darf ist sie die Ehe mit Frederik eingegangen.
Allerdings regelt ein Ehevertrag die Besitzverhältnisse und die Höhe einer Apanage die Frederik monatlich zusteht.
So sympathisch Mina ist, so unsympathisch ist Frederik.
Er lebt über seine Verhältnisse, braucht ständig Geld und wenn er einen Wutausbruch hat sucht man besser das Weite.
So ahnt der Leser bald wie es dazu kam, dass Mina trotz allem eine Tochter hat.
Die kleine Elle ist ein süßes Mädchen und ähnelt in ihrem festen Willen jetzt schon ihrer Mutter.
Natürlich gibt es in der Geschichte noch einige nennenswerte Charaktere.
Paul Lohmeyer ist so ganz anders als sein Sohn Frederik.
Er ist ein netter und herzlicher Charakter den ich schnell ins Herz geschlossen habe.
Auch Agnes die Schwester von Mina und ihre Großmutter Hiltrud haben eine große Entwicklung durchlebt.
Agnes ist erwachsen geworden und hat ihre eigenen Pläne. Hiltrud, die immer strenge und auf Etikette bedachte Frau entwickelt sich immer mehr zu einer lieben und verständnisvollen Frau.
Fenja Lüders erzählt die Geschichte mit viel Herz.
Sie hat einen wunderbaren Schreibstil der mich von der ersten Seite an gefangen genommen hat. Die Autorin hat die Gabe die Dinge so zu beschreiben, dass man sie vor dem geistigen Auge sehen kann. Auch die Charaktere die sie erschaffen hat, hat sie mit ihren Worten Leben eingehaucht.
Einzig das Ende hat mich etwas die Stirn runzeln lassen. Die Geschichte hat einen Zeitsprung gemacht und mir fehlten ein paar Hintergrundinformationen. Gerne hätte ich mehr über die Geschehnisse (die ich hier nicht nennen möchte) erfahren.
Darauf muss ich jetzt bis zum nächsten Band warten.
„Der Traum von Freiheit“ soll im Sommer 2021 erscheinen und ich freue mich schon darauf.

Bewertung vom 28.10.2020
Woolf, Julia

Marigolds Töchter


ausgezeichnet

Wenn im Kopf Nebel aufzieht
Marigold ist gerne für die Familie da. Sie ist glücklich, wenn sie gebraucht wird, versorgt liebevoll ihren Mann, ihre 2 Töchter und ihre Mutter.
Dazu führt sie noch einen kleine Laden in dem die Dorfbewohner die Dinge des täglichen Bedarfs kaufen können und ist in einigen Komitees tätig.
Sie ist einfach immer für alle da.
Doch dann fängt sie an Dinge zu vergessen, fühlt sich müde und antriebslos.
Marigold schiebt es aufs Alter und überspielt die Gedächtnislücken geschickt.
Es dauert lange bis ihr Umfeld merkt, dass es Marigold immer schlechter geht.
In ihrem Roman „Marigolds Töchter“ behandelt Julia Woolf ein Thema mit dem immer mehr Menschen konfrontiert werden. Die Demenz.
Julia Woolf zeigt das Empfinden der Demenz aus verschiedenen Perspektiven auf.
Einmal aus der Sicht der Betroffenen, also Marigold. Sie erklärt sich ihre Vergesslichkeit mit dem Alter. Sie fängt an sich alles zu notieren, doch oft vergisst sie dann in ihr Notizheft zu schauen.
Sie ist sehr darum bemüht, dass ihr Umfeld nichts bemerkt.
Auch der Arzt tut es bei ihrem ersten Besuch mit dem Alter ab. Also weitermachen und das Ganze nicht so ernst nehmen.
Doch im Inneren merkt sie, dass etwas nicht stimmt. Man liest über ihre Ängste vor dem was kommt, vor dem Unbekannten.
Ihre Töchter Daisy und Suze merken schon, dass die Mutter vergesslich wird und immer mehr Notizen macht. Auch sie schieben es aufs Alter.
Suze ist ein etwas egoistischer Charakter, mehr mit sich beschäftigt als das sie bemerkt wie schlecht es ihrer Mutter manchmal geht.
Daisy schiebt es darauf, dass sie 6 Jahre in Mailand gelebt hat und ihre Mutter nicht oft gesehen hat. Dass es ihr deswegen so vorkommt als baue ihr Mutter rapide ab.
Nan die Mutter von Marigold will es gar nicht wahrhaben. Schließlich ist sie ja schon über 90 und steht mit einem Fuß schon im Grab.
Dennis, ihr Mann liebt und vergöttert sie. Er nennt sie immer liebevoll Goldie.
Er bekommt am wenigsten davon mit. Mir schien es als verschließe er aus Angst seine Frau zu verlieren die Augen.
Trotz dem ernsten Thema ist „Marigolds Töchter“ eine schöne Familiengeschichte mit wunderbaren Charakteren.
Julia Woolf beschreibt die schöne Umgebung des kleinen Küstenorts in England recht bildhaft.
Sie lässt den Leser am Familienleben und der Dorfgemeinschaft teilhaben.
Ja und auch der Humor fehlt nicht, es gibt durchaus das eine oder andere mal etwas zum Schmunzeln.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.10.2020
Dorweiler, Ralf H.

Die Gabe der Sattlerin


sehr gut

Eine Geschichte mit vielen historischen Persönlichkeiten
Es ist das Jahr 1781, die junge Sattlerstochter Charlotte flüchtet am frühen Morgen kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Amtmann Julius Magnus Lenscheider.
Charlotte kann sich die Ehe mit dem viel älteren Amtmann plötzlich nicht mehr vorstellen.
Unterwegs fällt sie in die Hände einer Räuberbande. Der Räuberhauptmann Hannikel schmiedet einen Plan.
Charlotte soll auf dem Gestüt Marbach ausspionieren wann die nächste Geldlieferung eintrifft, dann ist sie frei, ansonst sind ihre Schwestern in Gefahr.
Auf dem Gestüt angekommen gibt sie sich unter falschem Namen als Sattlerin aus und bekommt die Aufgabe einen Sattel für den Herzog Carl Eugen anzufertigen
Auch der junge Friedrich Schiller wird als Pferdedoktor zum Gestüt Marbach geschickt.
Dort behandelt er als Regimentsarzt die Kranken und Invaliden des Regiments, dass die Räuber aufspüren soll und kümmert sich um die edlen Zuchtpferde des Gestützt.
Wenn es seine Zeit erlaubt überarbeitet er sein Theaterstück „Die Räuber“ das in Mannheim aufgeführt werden soll.
„Die Gabe der Sattlerin“ ist der neue Historische Roman von Ralf H. Dorweiler.
Es ist die Geschichte einer jungen und starken Frau die sich nicht in eine Ehe drängen lässt, die mit ihrer Hände Arbeit für sich selber sorgen möchte.
Es ist die Geschichte des jungen Friedrich Schiller der als Regimentsarzt ein Regiment aus Alten und Invaliden betreut. Die Kassen des Herzogs sind leer, Friedrich hat schon lange keinen Sold mehr gesehen.
Und es ist die Geschichte des verschwenderischen Herzog Carl Eugen.
Eine vielseitige Geschichte mit verschiedenen Handlungssträngen und mit vielen tollen Charakteren.
Zu Beginn ist ein Personenregister vorangestellt. Schon da hat mich begeistert, dass so viele historische Persönlichkeiten in die Handlung eingewoben wurden.
Der Leser erfährt einiges über den verschwenderischen Lebenswandel des Herzogs Carl Eugen.
Auch wenn er das Geld mit vollen Händen ausgab wurde er mir im Laufe der Geschichte immer sympathischer.
Auch über die Herstellung eines Sattels und die verschiedenen Lederarten erfährt man etwas.
Und als Leser ist man hautnah dabei wie der junge Friedrich Schiller seine Räuber überarbeitet.
Auch die Räuberbande mit ihrem Anführer Hannikel ist historisch überliefert genauso wie das Regiment, dass aus Alten und Invaliden besteht.
Ralf H. Dorweiler erzählt die Geschichte sehr kurzweilig und anschaulich. Man kann sich alles sehr gut vorstellen. Das Gestüt Marbach gibt es ja heute noch.
Der Autor baut so einige überraschende Wendungen ein und auch der Humor kommt nicht zu kurz, so einige Male habe ich schon schmunzeln müssen.
„Die Gabe der Sattlerin“ ist ein historischer Roman mit einigen überlieferten Persönlichkeiten, den ich gerne weiterempfehlen möchte.

Bewertung vom 18.10.2020
Berkel, Christian

Ada


ausgezeichnet

Von Abschied und Schweigen
In seinem großen Erfolgsroman „Der Apfelbaum“ erzählte Christian Berkel die Geschichte seiner Mutter Sala.
In seinem neuen Roman „Ada“ führt er die Geschichte mit Ada, der Tochter von Sala fort.
Die Geschichte beginnt an dem Tag des Mauerfalls. Ada sitzt im Theater, ihr Bruder steht auf der Bühne. Sie hatte ihren Bruder 5 Jahre lang nicht mehr gesehen, sie hat keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie.
Als die Grenzöffnung verkündet wird verliert sie ihren Bruder aus den Augen.
Ada beschließt eine Therapie zu machen um mit sich ins Reine zu kommen, mit der Vergangenheit abzuschließen.
Ab hier erinnert sich Ada rückwirkend an ihre Kindheit und Jugend.
Im Herbst 1954 kehren Sala und Ada aus Buenos Aires nach Deutschland zurück.
Das Land kommt Ada schmutzig vor, zu sehr sind noch die Kriegsauswirkungen zu sehen.
Von Hamburg reisen die Beiden weiter nach Berlin wo sie sich niederlassen.
Im Leben ihrer Mutter gibt es 2 Männer, Hannes und Otto.
Sala heiratet Otto und so werden sie eine kleine Familie.
Nur ist Otto auch wirklich ihr Vater? Darüber herrscht Schweigen wie über so vielen Dingen.
Ada versucht immer wieder mehr von Sala zu erfahren doch über der Vergangenheit liegt der Schleier des Schweigens.
Auch von Abschied wird das Leben von Ada beherrscht. Abschied von Buenos Aires, Abschied von ihrer Freundin Uschka, Abschied von ihrer ersten Liebe und Abschied von ihrer Familie.
Christian Berkel erzählt die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Adas Sicht.
Der Autor findet eindrucksvolle Worte und vermittelt dem Leser das Gefühl mitten in der Geschichte zu sein. Als höre er Ada zu, als erzähle sie ihm persönlich ihr Leben.
In der Erzählung ist auch sehr viel Zeitkolorit enthalten. Sei es das 1. Konzert der Rolling Stones auf der Waldbühne in Berlin oder die Aufstände der 68er Revolution. Auch diese Szenen erlebt der Leser hautnah mit.
„Ada“ ist ein beeindruckender Roman von Christian Berkel und kann unabhängig vom ersten Buch gelesen werden.
Es wird noch einen 3. Band geben, wird da vielleicht der Bruder von Ada, den alle immer Sputnik genannt haben im Mittelpunkt stehe?
Ich freue mich schon jetzt darauf.

Bewertung vom 09.10.2020
Klüpfel, Volker;Kobr, Michael

Funkenmord / Kommissar Kluftinger Bd.11


ausgezeichnet

Klufti ist Kult
Mit „Funkenmord“ haben die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr bereits den 11. Band der Kluftinger Reihe veröffentlicht.
Immer noch ist Klufti Kult und ich freue mich über jeden neuen Band.
In der Handlung ist zwischen dem 10. und 11. Band nicht viel Zeit vergangen, nur ein paar Wochen.
Kluftingers Kollegen Maier und Hefele sind immer noch damit beschäftigt die Täter des Überfalls auf Kluftinger im Wald zu finden.
Kluftinger selbst will den Fall „Funkenmord“, den Mord an der Lehrerin Karin Kruse im Jahre 1985 neu aufrollen. Immerhin hat er dem sterbenden Mendler versprochen den wahren Mörder zu finden.
Auch fühlt Kluftinger sich dafür verantwortlich, dass Mendler viele Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hat.
Dabei unterstützt ihn die neue Kollegin Lucy Beer die gar nicht so recht in das Team zu passen scheint
Lucy ist jung und hat ein vorlautes Mundwerk, auch ihre Ausdrucksweise stößt bei den Kollegen auf Ablehnung.
Dazu kommt noch, dass Lucy ja den Kollegen Strobel ersetzten soll, der im letzten Band zu Tode kam und von den Kollegen schmerzlich vermisst wird.
Auch privat hängt Kluftinger die Bedrohung und der Überfall noch nach. Seine Frau Erika leidet seither unter starker Migräne und Antriebslosigkeit.
So muss Kluftinger einen Teil der Hausarbeit übernehmen, wobei die Wäsche ihn schon überfordert.
Auch in den Genuss seine so geliebten Käsespatzen kommt er zurzeit nicht.
Wie gewohnt enthält auch dieses Buch wieder viel Lokalkolorit, auch der Humor den man von den beiden Autoren kennt kommt in diesem Buch nicht zu kurz.
Die Protagonisten haben oft ihre kleineren oder größeren Macken und viele sind in all den Jahren etwas wie Freunde geworden auf die man sich von Band zu Band freut.
Normalerweise sage ich, man kann mit jedem Band in die Kluftinger Reihe starten, da die Bücher immer in sich abgeschlossen sind.
Bei diesem Buch ist das anders, ich empfehle auf jeden Fall Band 10 vorher zu lesen, da Band 11 eine Fortsetzung der Geschichte ist.
Jetzt heißt es wieder warten bis irgendwann Band 12 erscheinen wird.
Ich hoffe, dass Kommissar Kluftinger noch nicht zu bald in Rente geht.

Bewertung vom 07.10.2020
Oetker, Alexander

Baskische Tragödie / Luc Verlain Bd.4


ausgezeichnet

Vom Jäger zum Gejagten

An den Stränden der Aquitaine werden Drogenpäckchen angespült.
Ein kleiner Junge, der von dem weißen Pulver genascht hat fällt ins Koma.
Commissaire Luc Verlain setzt alles daran um den Fall zu lösen.
Doch dann erreicht ihn eine Nachricht aus dem Baskenland und er macht sich auf den Weg nach Biarritz.
Dort wird er verhaftet, ihm wird Drogenschmuggel und Mord vorgeworfen.
Luc kann fliehen und wird vom Jäger zum Gejagten.
„Baskische Tragödie“ ist mittlerweile schon der 4. Aquitaine Krimi von Alexander Oetker.
In diesem Krimi reist der Leser ins Baskenland. Erst nach Biarritz und dann nach San Sebastian in Spanien. Der Autor behauptet San Sebastian sei eine der schönsten Städte der Welt.
Ich habe auf jeden Fall die Beschreibungen von Alexander Oetker genossen und bin sehr neugierig geworden auf diese Stadt.
Wer die Krimis von Alexander Oetker kennt, weiß wie intensiv seine Beschreibungen der Landschaft und dem Essen sind.
Der Kriminalfall ist diesmal etwas anders aufgebaut als man es von dem Autor gewohnt ist. Es ist ein sehr persönlicher Fall für Luc der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Luc bekommt ja schon seit dem 1. Krimi rätselhafte Postkarten und Nachrichten. In diesem Buch wird nun das Rätsel gelöst.
Der smarte und sympathische Luc Verlain wird im Baskenland in eine Falle gelockt und wird selbst zum gejagten.
Ihm wird Mord und Drogenhandel vorgeworfen und die gesamte Baskische Polizei sucht nach ihm.
In diesem Buch habe ich des Öfteren um Luc gebangt und mit ihm gezittert.
Der Schreibstil von Alexander Oetker ist fesselnd, seine Krimis haben Spannung die sich durch das ganze Buch zieht.
Auch „Baskische Tragödie“ ist wieder eine glatte Leseempfehlung.

Bewertung vom 17.09.2020
Follett, Ken

Der Morgen einer neuen Zeit / Kingsbridge Bd.4 (12 Audio-CDs)


ausgezeichnet

Wie alles begann
Der Bootsbauer Edgar ist der Erste der die Gefahr bemerkt. Die Wikinger nähern sich mit ihren Drachenbooten.
Er versucht alles um die Bewohner von Combe zu warnen sich in Sicherheit zu bringen.
Doch es ist zu spät. Viele sterben und das Dorf steht in Flammen.
England ist im Umbruch, überall wird um Reichtum, Macht und Ansehen gekämpft. Da ist Bischof Wynstan, der Mönch Aldred und die Grafentochter Ragna.
Auch Edgars Schicksal ist mit diesen Menschen verbunden.
Die Zeit ist im Wandel, es ist der Beginn des Mittelalters und so entsteht eines Tages aus einem kleinen Weiler der Ort Kingsbridge.
Seit „Die Säulen der Erde“ ist der Ort Kingsbridge wohl jedem Liebhaber Historischer Romane bekannt.
Ken Follett geht in seinem neuen Roman „Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit“ um 200 Jahre zurück und erzählt von der Entstehung des Ortes Kingsbridge.
Noch herrscht eine dunkle Zeit voller Gewalt.
Edgar ist einer der wichtigsten Charaktere in diesem Roman.
Seine Eltern und Brüder bekommen nach der Zerstörung der Bootswerft einen Bauernhof in einem kleinen Weiler. Edgar, der sich nie als Bauer gesehen hat wird zum Baumeister.
So baut er auch im Auftrag des Königs eine Brücke um die Überquerung des Flusses zu ermöglichen.
Der kleine verschlafene Weiler erwacht und wird zu einem kleinen Städtchen mit Namen Kingsbridge.
Ein weiterer wichtiger Charakter ist die Grafentochter Ragna.
Ragna stammt aus der Bretagne und hat am Hof ihres Vaters ein selbstständiges Leben geführt, ja sie hat sogar im Namen des Vaters Recht gesprochen:
Als Ehefrau des Ealdorman of Shiring kommt sie nach England wo sie ein untergeordnetes Leben führen muss. In der Familie ihres Mannes stößt sie auf Ablehnung.
In diesem Roman stehen nicht die Mächtigen und Adligen im Vordergrund, es sind die normalen Bürger die, die Geschichte ausmachen.
Die Sprache ist zum Teil recht derb und es herrscht viel Gewalt.
Ken Follett gibt dem Leser einen guten Einblick in das Leben und Werken der Bevölkerung zu dieser Zeit.
Seit „Die Säulen der Erde“ weiß der Leser, dass Ken Follett für seine Romane sehr lange und ausführlich recherchiert und viele Details an seine Leser weitergibt.
So entsteht beim Lesen ein gutes Gesamtbild und man wird beim Lesen förmlich in die Geschichte reingezogen.
Am Ende wird der Leser Zeitzeuge als das Mittelalter beginnt und aus dem kleinen Weiler das Städtchen Kingsbridge entsteht.
Da ich die Hörbuchfassung gehört habe noch einige Anmerkungen zum Sprecher.
Tobias Kluckert ist ein erfahrener Hörbuchsprecher der schon die ungekürzten Fassungen von „Die Säulen der Erde“, „Die Tore der Welt“ sowie „Das Fundament der Ewigkeit“ gelesen hat.
Seine klare und ruhige Stimme passt sich der Handlung und den Charakteren wunderbar an.
„Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit“ ist eine ganz klare Leseempfehlung für alle Kingsbridge-Fans und alle die es werden wollen.

6 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.09.2020
Glaesener, Helga

Das Erbe der Päpstin


ausgezeichnet

Toller und eigenständiger Historischer Roman
Freya lebt mit ihrer Schwester Asta und ihrer Mutter Gisla als Sklavinnen bei den Wikingern.
Gisla wird von Björn ermordet worauf hin Freya ihm die Kehle durchschneidet und mit ihrer Schwester flieht.
Die Schwestern wollen nach Dorstadt, wo ihre Mutter einst gelebt hat und ihren Großvater suchen.
Gerold, der Großvater ist inzwischen in Rom bei der Garde des Papstes.
Freya zieht es weiter nach Rom. Kurz nachdem das Mädchen in Rom ankommen ist findet eine Zeremonie statt bei er Gerold und der Papst getötet werden. Es stellt sich heraus, dass der Papst in Wirklichkeit eine Frau ist, noch dazu schwanger.
Freya will herausfinden wer hinter diesem Anschlag steckt und wird zur gejagten.
„Das Erbe der Päpstin“ ist ein toller Historischer Roman von der Autorin Helga Glaesener.
Helga Glaesener wurde für dieses Buch von dem Roman „Die Päpstin“ inspiriert und bekam von Donna W. Cross die Erlaubnis ihre Protagonistin für diesen Roman zu nutzen.
Ich schreibe wohlwollend nicht von einer Fortsetzung so, wie ich es schon oft gelesen habe.
Für mich ist „Das Erbe der Päpstin“ ein wunderbarer und eigenständiger Historischer Roman.
Die Protagonistin Freya gefällt mir ausgesprochen gut.
Sie ist anders als die Frauen zu dieser Zeit was man am Beispiel ihrer Schwester gut sehen kann, Asta möchte gefallen und lässt sich später auch von ihrem Ehemann unterdrücken.
Freya hingegen möchte ihre Freiheit. So begibt sie sich auch in Männerkleidung bis nach Rom und wird Zeuge bei der Ermordung von ihrem Großvater und der Päpstin.
Es gibt auch noch einige andere liebenswerte Protagonisten die ich hier nicht einzeln aufführen möchte
Der Leser begleitet Freya von den 850er Jahren bis zu den 880er Jahren und reist mit ihr an viele Orte.
Er ist spannend zu lesen wie die Menschen damals gelebt haben, welche Riegen die Mächtigen gesponnen haben, wie das Volk unterdrückt wurde.
Mir war auch nicht bewusst, dass die Dänen immer wieder nach Süden auf Raubzug gingen und wie gefährlich und skrupellos sie waren.
Das Ganze verpackt die Autorin in eine spannende und mitreisende Geschichte.
Helga Glaesener versteht die Kunst ihre Leser mit ihrem Schreibstil in eine andere Welt zu entführen. Schon nach kurzer Zeit hat man Bilder im Kopf und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
„Das Erbe der Päpstin“ ist eine 100% Leseempfehlung für alle Leser die Historische Romane lieben.

Bewertung vom 31.08.2020
Ziegler, Silke

Die Frauen von der Purpurküste - Julies Entscheidung / Die Purpurküste Bd.2


ausgezeichnet

Familiengeheimnisse suchen nach Auflösung
Nach dem Tod ihrer Mutter, der Trennung ihres Freundes und dem Verlust ihres Jobs ist Lara am Boden zerstört.
Als sie bei ihren Großeltern ein Bild ihrer Mutter mit einer Widmung auf der Rückseite findet, dass während ihrer Zeit als Au-Pair in Südfrankreich aufgenommen wurde ist sie sich sicher, dass das Bild ihr Vater aufgenommen hat.
Ihre Mutter hat Lara nie gesagt wer ihr Vater ist, es immer als unbedeutend abgetan.
Um ihre Wurzeln zu finden reist sie mit ihrer Großmutter Béatrice nach Collioure in deren Elternhaus.
Dort finden sie einen über 70 Jahre alten Abschiedsbrief von Julie, der Schwester von Beatrice.
Béatrice hat immer geglaubt, dass ihre Schwester gestorben war. Jetzt will sie versuchen die Hintergründe von Julies verschwinden zu rekonstruieren.
Die Frauen von der Purpurküste-Julies Entscheidung ist der 2. Band einer 3teiligen Buchreihe von Silke Ziegler.
Die Geschichte spielt in Collioure, einem Ort an der Côte Vermeille.
Die Hauptperson in diesem Buch sind Lara und ihre Großmutter Béatrice.
Auch Lara reist nach einem Schicksalsschlag nach Collioure um Antworten auf die Frage nach ihrem Vater zu finden.
Sie wohnen im Elternhaus ihre Großmutter in dem sich in der unteren Etage einmal ein kleines Café befunden hat.
Als sie dort angekommen sind ergeben sich noch mehr Fragen. Béatrice will Licht in das Familiengeheimnis um ihre Schwester Julie bringen.
Julie ist 1944 verschwunden, es ist so gut wie unmöglich noch irgendwelche Hinweise zu finden. Genauso schwierig scheint die Suche nach Laras Vater.
Zwischen dem einzelnen Kapitel sind immer wieder Auszüge aus einem Brief von Julie an Béatrice abgedruckt, in dem diese ihrer Schwester ihr Verschwinden erklären möchte. Der Leser erfährt also langsam die emotionalen Hintergründe von Julies verschwinden und ist damit den Protagonisten voraus.
Die Autorin hat ihren Charakteren wirklich Leben eingehaucht. Die Verzweiflung, die Hoffnung und die Hilflosigkeit von Lara und Béatrice bei der Suche nach Antworten sind in jeder Zeile zu spüren.
Der Schreibstil von Silke Ziegler zieht einen so in die Geschichte rein, dass schon nach wenigen Seiten ein Kopfkino einsetzt.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Jetzt habe ich das Buch beendet und kann es kaum erwarten, bis ich den 3. Band Die Frauen von der Purpurküste-Claires Schicksal in den Händen halten und noch einmal nach Südfrankreich reisen darf.

Bewertung vom 28.08.2020
Völler, Eva

Ein Gefühl von Hoffnung / Ruhrpott Saga Bd.2


ausgezeichnet

Es geht aufregend weiter
Jakob wird mittlerweile schon 7 Jahre. Nach dem Tod von Katharina hat Inge die Schule verlassen um mit Unterstützung von Oma Mine für Jakob und ihre jüngere Schwester Bärbel zu sorgen. Halbe Tage arbeitet Inge in einer Buchhandlung, was für die Buchliebhaberin ein Traum ist.
Inge hat stillschweigend die Verantwortung für Jakob übernommen, was ihr aber bei Jakobs Schulproblemen nicht hilft. Auf ihren Vater Karl kann sie nicht zählen. Seit seiner Kriegsverletzung hat er das Gemüt eines Kindes. Auch Johannes, der eigentlich der Vater von Jakob ist hat keine Rechte da der gesetzlicher Erziehungsberechtigte Karl ist.
Auch sonst wird das Leben im Ruhrpott nicht ruhiger. Das Zechensterben hat angefangen. Da die meisten Männer in den Zechen arbeiten haben viele Familien haben Angst um ihre Zukunft.
„Ein Gefühl von Hoffnung“ ist der Abschluss der Ruhrpott-Saga von Eva Völler.
Wie schon im 1. Band „Ein Traum vom Glück“ beschreibt die Autorin sehr gut das Leben im Ruhrpott das vom Bergbau geprägt ist.
Die Beschreibung der Menschen und deren Leben im Ruhrpott ist authentisch und lebendig. Staub und Ruß sind allgegenwärtig. Wäsche die zum Trocknen an der Luft hängt ist grau von Ruß, wenn der Wind dreht und sie nicht rechtzeitig reingeholt. Die Fenster sind ständig voller Schmutz und auch die Stube muss täglich gefegt werden.
Man kann sich bei der Beschreibung also richtig in das Leben im Ruhrpott hineindenken.
Vieles ist so visuell beschrieben, dass beim Lesen ein kleiner Film vor dem inneren Auge abgelaufen ist.
Durch immer wieder eingestreute Worte im Dialekt des Ruhrgebiets wird das Geschrieben noch authentischer.
Die Protagonisten sind von Eva Völler mit Liebe geschaffen worden. Auch sie wirken sehr authentisch und passen einfach alle in die Umgebung egal ob Hauptcharaktere oder einfach nur Nebendarsteller.
Besonders hat mir die Entwicklung und Verantwortungsbewusstsein von Inge gefallen. Völlig selbstlos hat sie, nach dem Tod ihrer Mutter ihre Zukunftspläne aufgegeben und sich ihren Geschwistern gewidmet.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und Unkompliziert. Das Buch hat mich oft gar nicht losgelassen.
Das Ende ist dann auf einer Seite traurig aber auch schön und passen.

Ich habe die Ruhrpott-Saga gerne gelesen. Die beiden Bücher vermitteln einen guten Einblick in das Leben im Ruhrpott der 1950er Jahre.