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S.W.
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Berlin

Bewertungen

Insgesamt 25 Bewertungen
Bewertung vom 27.08.2023
Scott, Lia

Das Versprechen einer neuen Zeit / Sturmjahre Bd.2


sehr gut

Ohne den ersten Teil der "Sturmjahre" zu kennen, fand ich mich schnell in die Geschichte, die im schottischen Foxgirth und in Glasgow spielt, ein. Vika, alleinerziehende Mutter des vierjährigen Arch, liebt seit vielen Jahren Archie. Archie wiederum liebt seit vielen Jahren Vika, so weit so gut. Doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen und hat Archie, ohnehin ein schwieriger Charakter, noch härter werden lassen. Dennoch finden die beiden in einer Liebesnacht zusammen. Doch dann verhält sich Archie sehr egoistisch, was Vika dazu veranlasst, Hals über Kopf mit ihrem Kind das Haus zu verlassen und nach Glasgow zu ziehen, wo sie schwere Arbeit und große Armut erwarten. Dann merkt sie, dass die Nacht mit Archie Folgen hat...

Ich finde die Charaktere von Vika und Archie, die in jeweiligem Perspektivenwechsel dargestellt werden, sehr gut gezeichnet. Beide sind auf ihre Art dickköpfig und stolz und setzen dafür ihre große Liebe aufs Spiel. Gerade Vika ist dabei manchmal schwer zu verstehen, denn alleinerziehend zu sein, bedeutete ja um 1920 noch etwas ganz anderes als heute. Während Archie sein Auskommen hat, wählt Vika jedoch eine ungewisse Zukunft in Armut in den Gorbals in Glasgow, obwohl sie Archie liebt und er ihr meines Erachtens ja auch nichts Schlimmes angetan hat, sondern ihren Sohn rettete. Nur eben auf seine Art. Sicher hat es in der damaligen Zeit nur sehr wenige Frauen gegeben, die so gehandelt hätten.

Das Ende des Buches ist leicht vorhersehbar, doch es kommt so, wie man es sich als Leser:in wünscht. Es ist so spannend geschrieben, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann und unbedingt vom Happy End erfahren will. Schließlich hat man mit beiden Protagonisten Seite für Seite mitgelitten und wünscht sich, dass ihre Qualen ein Ende haben.

Insgesamt sehr schön zu lesen. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil.

Bewertung vom 20.08.2023
Freund, René

Wilde Jagd


ausgezeichnet

Spannende Geschichte mit überraschendem Ende
Dieses spannende Buch von René Freund hat mich von der ersten Zeile an gepackt. Der flüssige Schreibstil aus der Sicht des Erzählers, dem 53-jährigen Quintus, der in einem verfallenen Haus in den Bergen seinen wunden Fuß, seine angeschlagene Seele und seinen Alkoholkonsum pflegt, hat mich nicht losgelassen, so dass ich das Buch an einem Wochenende ausgelesen hatte. Zwischen Pragmatismus und Esoterik gelingt es dem Autor, einen roten Faden zu spinnen. Von Seite zu Seite fragt man sich, wie sich nun alles verhält. Ist Pflegerin Angelika ermordet worden und warum? Wo ist ihre Leiche abgeblieben? Wer steckt dahinter? Und wird es Quintus und Evelina, die sich auf Mördersuche begeben und dabei ihre Nasen in unliebsame Angelegenheiten stecken, auch treffen? Am faszinierendsten fand ich das Ende, bei dem sich auf einmal alles ganz anders als erwartet gestaltet. Eine großartig durchdachte Geschichte. Die Charaktere wurden fein gezeichnet, besonders der des Quintus mit all seinen Befindlichkeiten, seinen Gedanken, seinem Alkoholkonsum, seinem Liebesleben. Das Buch ist nicht einen Moment langatmig, sondern es wird im flotten Galopp erzählt, es passiert immer etwas. Ich fand es großartig und kann es nur weiterempfehlen!

Bewertung vom 07.08.2023
Berg, Ellen

Alles muss man selber machen


ausgezeichnet

Witzig und spannend bis zum Schluss
Dies war nicht das erste Buch von Ellen Berg, das ich gelesen habe. Von der ersten Stunde an war ich Fan ihrer lustigen Bücher, in denen die weiblichen Protagonistinnen meist in der Patsche sitzen und sich dann doch auf geniale und spannende Weise alles in Wohlgefallen auflöst. "Alles muss man selber machen" ist eines der Besten! Ich hätte mir beim Lesen manchmal am liebsten vor Lachen auf die Schenkel geklopft. Herrlich, in einer Zeit, wo es oft nur noch wenig zum Lachen gibt, ein solches Buch zu schreiben, einfach großartig. Oft dachte ich, wo nimmt Ellen Berg nur immer diese wunderbaren Ideen für die weitere spannenden Entwicklung her. Und dann dieser herrliche Wortwitz, diese spitzfindigen Redewendungen, einfach köstlich. Ein tolles Buch für alle, die einmal auf wirklich humorige Art unterhalten werden wollen. Mag die Geschichte auch banal sein - Alleinerziehende gerät mit zwei Freundinnen, die ebenfalls in Geldnöten sind, in leicht kriminelle Machenschaften - so muss es doch einfach nicht immer ernst zugehen im Leben und in der Literatur. Ich habe mich wunderbar unterhalten und amüsiert und dafür danke ich Ellen Berg von Herzen.

Bewertung vom 27.07.2023
Beck, Michaela

Das Licht zwischen den Schatten


ausgezeichnet

In diesem mehr als 800 Seiten starken Mammutwerk hat die Autorin Michaela Beck die Fäden einer Familie in verschiedenen Epochen dargestellt und sie auf interessante Art miteinander verstrickt. Begonnen wird im Jahr 1919 in Berlin, als Konrad und Fritz im vierten Hinterhof an der Schönhauser Allee in höchst ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Viel kann man auch über das Leben in der damaligen DDR, insbesondere Ostberlin, den Leistungsdruck im Wassersport und die Vorgehensweisen der Staatssicherheit erfahren. Am Ende laufen - wie vermutet - alle Fäden zusammen.
Die Autorin hat alle geschichtlichen Ereignisse des Romans sehr gut recherchiert. Mich haben besonders die detailgetreuen Beschreibungen des damaligen Ostberlins, in dem auch ich aufgewachsen bin, gefreut. Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich, man kommt gut mit und verliert trotz unterschiedlicher Protagonisten und ausladendem Umfang den Faden nicht. Das Buch ist sehr gut dramaturgisch durchkonstruiert, eine großartige Leistung und ein wertvolles Stück deutsche Zeitgeschichte!

Bewertung vom 25.04.2023
Winkler, Franziska

Träume aus Eis


gut

Zuallererst haben mich das wunderschöne Cover und der Titel angesprochen. Was mochte sich wohl dahinter verbergen? Da ich sehr gern Bücher aus der Zeit um die 1920-/1930-er Jahre lese, war ich sehr gespannt.
Die Geschichte ist von den wahren Fakten her sehr interessant und war mir so auch vorher nicht bekannt - schon 1930 gab es das erste Eis am Stiel, und eines der ersten war das JOPA-Eis, erfunden von Josef Pankofer. Um ihn und seine Familie dreht sich auch der Roman. Sie betreiben ein kleines Eiscafé in München, leider wirft der Laden nicht viel ab, so dass es gerade zum Überleben reicht. Doch dann kommt die großartige Idee mit dem Eis am Stil auf... Doch im Roman geht es auch um die Lieben der beiden Töchter, die (fast) im heiratsfähigen Alter sind...
Alles in allem sehr nett und flüssig geschrieben, man kann das Buch gut und schnell durchlesen. Allerdings war die Geschichte für meine Begriffe etwas banal und vorhersehbar, es mangelte mir persönlich etwas an Spannung. Nichts destotrotz ein gelungener Roman, sehr nette Unterhaltung, süß und schmelzend wie ein Vanilleeis am Stil...