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Benutzername: Isabel von Belles Leseinsel
Wohnort: Mainz
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Bewertungen

Insgesamt 585 Bewertungen
Bewertung vom 02.11.2015
Das dunkle Herz der Welt
Le Hingrat, Liliana

Das dunkle Herz der Welt


ausgezeichnet

Der balkanische Rosenkrieg

Als Vladislav Draco, Sohn des ehemaligen Fürsten der Walachei, in den Drachenorden aufgenommen wird, verlässt er den Hof von König Sigismund von Luxemburg und zieht nach Schäßburg, wo er fortan für die Sicherheit der walachischen Grenzen zu Transsylvanien verantwortlich ist. Doch sein eigentliches Ziel ist der Fürstenthron der Walachei, den sein Halbbruder Aldea innehat. Am Hofe von König Sigismund lernt Vlas vor seiner Abreise die junge Clara kennen, in die sich auch sein Waffenbruder Janos Hunyadi verliebt. Vlas‘ Affäre mit Clara zerstört die Freundschaft der Waffenbrüder. In Schäßburg angekommen, gelingt es Vlas bald, als Fürst der Walachai gekrönt zu werden. Doch im Verborgenen bereitet Hunyadi bereits den Sturz des Fürsten vor, durch dessen Ränkespiele sinkt mit der Zeit das Ansehen von Vlas im Christenland immer mehr, zudem gerät der Fürst in einen Konflikt zwischen den Königen von Polen und Ungarn, die ihren eigenen Anwärter auf den walachischen Thron sehen möchten. Wären dies nicht genug Probleme, rückt die Streitmacht des Omanischen Reiches immer näher auf die Walachei zu.

Vladislav Basarab Draco (1395 – 1447) wächst als Geisel am Hofe von König Sigismund von Luxemburg, dem späteren römisch-deutschen Kaiser, auf. Seinen Vater hat Vlas kaum gekannt, doch ist sein Ziel, diesen auf den walachischen Thron zu folgen. Die Entmachtung seines Halbbruders gelingt und als Fürst regiert Vlas umsichtig und auf das Wohl seines Volkes bedacht. Als Mitglied des Drachenordens hat er sich verpflichtet, das Christentum gegen die Heerscharen des Osmanischen Reiches zu verteidigen. Doch um die Walachei zu schützen, geht er bald schon ein Bündnis mit den Türken ein und begleitet zeitweise das von Murad II. geführten Heers. Dieses Vorgehen verschärft die Feindschaft mit dem mittlerweile zum Ritter geschlagenen und schwerreichen Janos Hunyadi noch weiter, der alles daran setzt, Fürst Vlas vom walachischen Thron zu stürzen, um seine eigenen Interessen weiter voranzubringen.

Wer bei Vladislav Draco bzw. Vlad Draco und Transsylvanien an Bram Stocker‘s Dracula denkt, liegt nicht ganz verkehrt. Fürst Vladislav Draco war der Vater von Vlad III. Draculea, dessen Leben in Verbindung mit Bram Stoker’s Roman gebracht wird. Doch mit Vampiren oder ähnlichem hat der vorliegende Roman absolut nichts zu tun. Ganz im Gegenteil.


Liliana Le Hingrat schildert die stellenweise recht komplizierten Ereignisse am Vorabend der ersten Türkenkriege anschaulich und vor allem gut verständlich, vorwiegend anhand des aufregenden wie gefährlichen Lebens von Vladislav Basarab Draco. Hierbei geht die Autorin abwechslungsreich vor und lässt auch immer wieder andere Handlungsstränge mit einfließen, sodass man einen guten Einblick in die politische Lage der damaligen Zeit erhält, bei den verschiedensten Ränke- und Machtspielen dabei ist, die eine oder andere Schlacht verfolgt und das Privatleben der Protagonisten gut kennenlernt. Somit erhält man ein absolut rundes Bild über die Geschehnisse der damaligen Zeit.

Abgerundet wird dies durch den farbenprächtigen, bildhaften und kraftvollen Schreibstil der Autorin. Liliana Le Hingrat gelingt es mühelos, die Geschichte packend und spannend wiederzugeben und sich dabei eng an die geschichtlichen Vorgaben zu halten. Und da das Leben von Vlas‘ Sohn Vlad III. Draculea, der in dem Roman auch eine Nebenrolle inne hat, ja auch nicht gerade ereignislos war, kann man hoffentlich mit einer Fortsetzung rechnen.

Fazit: Bestens recherchiert schildert die Autorin packend und mitreißend das aufregende Leben von Vladislav Draco, dem Fürst der Walachei.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.10.2015
Trügerische Nähe
Kliem, Susanne

Trügerische Nähe


sehr gut

Der Traum vom idyllischen Landleben wird zum Alptraum

Zwei Paare Mitte Vierzig erfüllen sich ihren Traum und ziehen auf einen Hof vor den Toren Berlins. Liebevoll restauriert genießen Marlis, Johannes, Nora und Alexander mit Sohn Lukas das beschauliche Leben auf dem Land. Bis auf kleinere Reibereien läuft das Zusammenleben der beiden Paare scheinbar problemlos, bis Livia auf dem Hof erscheint. Marlis Tochter aus erster Ehe studiert eigentlich in München Schauspiel, doch anscheinend gab es einen Vorfall, welchen die junge Frau veranlasst hat, kurzfristig Urlaub bei ihrer Mutter zu machen. Schnell ist es mit der Idylle vorbei, denn die äußerst attraktive Livia versucht geschickt, die beiden Paare gegeneinander auszuspielen, hinzu kommt, dass der 16-jährige Lukas hoffnungslos in Livia verliebt ist und auch die beiden Männer nicht ganz immun gegenüber Livias Reizen sind. Eifersucht, Misstrauen und Verdächtigungen gehören bald zur Tagesordnung. Dann wird im nahegelegenen Wald eine Leiche gefunden und der Täter kann nur vom Hof kommen.

Die Idylle vom trauten Landleben trügt, das stellt man als Leser schnell fest. Denn zwischen den beiden Paaren herrscht beileibe kein trautes Miteinander. Zwischen Johannes und Alexander, die sich seit Studienzeiten kennen, aber all die Jahre aus den Augen verloren hatten, brodelt es unterschwellig. Und auch die Freundschaft zwischen Marlis und Nora ist nicht frei von Konflikten. Aber beide Paare sind bemüht, sich ihr Leben auf dem Land so angenehm wie möglich zu gestalten und sie hätten auch durchaus eine Chance, sich zusammenzuraufen, wenn da nicht Livia unerwartet auf dem Hof erscheinen würde.

Der Roman ist weniger ein Kriminalroman, sondern mehr ein fein gezeichnetes psychologisches Drama. Ruhig und fast schon beschaulich lässt es Susanne Kliem angehen, schildert das Landleben und das Miteinander der beiden Paare. So bekommt man ein gutes Gefühl für die einzelnen Protagonisten, lernt ein wenig ihre Stärken und Schwächen kennen, ihre Vorlieben, ihre Macken wie auch ihre Beziehungen zueinander. Es dauert nicht lange, da erscheint auch schon Livia auf der Bildfläche und mit ihrer Ankunft verändert sich das Klima zwischen den Paaren zunehmend, der Ton wird rauer, Verdächtigungen werden ausgesprochen und das Misstrauen nimmt zu. Geschickt spielt Livia mit den beiden Paaren, doch was bezweckt die junge Frau wirklich?

Geschickt offenbart Susanne Kliem, dass es mit der Harmonie bei den Hofbewohnern nicht weit her ist, der äußere Schein eigentlich bei allen trügt, sie ihre kleinen oder größeren Geheimnisse voreinander haben und die Grundzüge von Eifersucht und Neid bereits vor der Ankunft von Livia vorhanden waren. Die Ankunft der jungen Frau ist der Auslöser für den Ausbruch dieser Gefühle, zu den denen sich schnell noch Misstrauen und schlussendlich auch Hass gesellen. Spannung ist anfangs wenig vorhanden, die Geschichte ist mehr subtil, emotional, atmosphärisch dicht und nachdenklich angelegt. Doch durch die Inhaltsangabe weiß man bereits, dass irgendjemand zu Tode kommt. Mit der Zeit bekommt man eine Vermutung ob der Identität des Opfers, doch wer der Täter sein soll, dies lässt Susanne Kliem bis zum Schluss offen. Denn kurz vor dem Mord eskalieren die Emotionen und jeder hätte ein Motiv für die Tat.

Fazit: Psychologisch ausgereiftes Drama, welches erst zum Ende hin kriminalistische Züge annimmt. Überzeugend und eindringlich erzählt.

Bewertung vom 13.10.2015
Racheherbst / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.2
Gruber, Andreas

Racheherbst / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.2


sehr gut

Der Skorpion

In Leipzig wird die Leiche einer jungen Frau angespült. Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst ist als Erster am Tatort und nimmt den Fall auf. Schnell ist die Identität der Toten geklärt und Pulaski weiß, dass der Mord an der Prostituierten von seinen Kollegen nicht als Priorität Nummer 1 gehandhabt wird. Deswegen ermittelt Pulaski auf eigene Faust, bald an seiner Seite die Mutter von Nathalie, die den Tod ihrer Tochter rächen und gleichzeitig ihre jüngere Tochter Dana finden will. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Zur selben Zeit nimmt die Rechtsanwältin Evelyn Meyers in Wien einen brisanten Fall an. Es geht dabei um einen brutalen Frauenmord und alle Indizien deuten auf ihren Mandant als Täter hin.

Nach einem anfangs etwas rätselhaften Prolog steigt Andreas Gruber sehr zügig in seinen zweiten Band um das Ermittlerduo Walter Pulaski und Evelyn Meyers ein und beginnt den Thriller gleich mit der Auffindung von Nathalies Leiche in der Elbe. Da Pulaski der Mord keine Ruhe lässt, ermittelt der zynische Kommissar mal wieder auf eigene Faust und lernt dabei auch die sehr eigenwillige, starrköpfige Mikaela kennen, die Mutter von Nathalie. Ihre beiden Töchter sind vor einiger Zeit zusammen von Berlin nach Leipzig gezogen und Mikaela befürchtet nun, dass auch Dana in Lebensgefahr schwebt. Ohne Skrupel oder gar Angst um sich selbst verfolgt die resolute Berlinerin noch die kleinste Spur und bringt Pulaski damit fast an den Rand der Verzweiflung. Nicht nur einmal muss der Kommissar Mikaela aus einer Gefahrensituation retten, in den sich die besorgte Mutter kopflos gestürzt hat.

Währenddessen nimmt Evelyn Meyers in Wien einen Fall an, vor dem ihr jeder abrät und auch ihre Intuition sagt ihr eher, die Finger von dem Fall zu lassen. Allerdings überwiegt bei Evelyn die Neugier, zumal ihr Lebensgefährte Patrick als Privatdetektiv im Umfeld ihres Mandanten ermittelt.

Anfangs gestaltet sich die Geschichte recht verwirrend, zumal man nicht ahnt, wie die beiden Fälle in Wien und Leipzig in Zusammenhang stehen sollen, doch dies verrät Andreas Gruber dann recht zügig. Was einem jedoch auch nicht in der Frage Motiv und Täter weiterhilft, der in einigen Sequenzen im Verlauf der Story auch selbst in Erscheinung tritt. Geschickt lässt der Autor einige Hinweise einfließen, führt seine Leser aber auch immer wieder auf falsche Fährten und präsentiert im Verlauf den einen oder anderen Verdächtigen.

Durch die wendungsreiche Geschichte, die ziemlich unvorhersehbar bleibt und durchweg spannend und temporeich erzählt wird, ist bis zum Schluss beste Thrillerunterhaltung garantiert. Ein Plus sind bei dem Roman auch wieder die ausgefeilten Charaktere, die Ecken und Kanten haben, oftmals sehr undurchsichtig bleiben und durchweg authentisch agieren.

Fazit: Auch im zweiten Band um die Ermittler Pulaski und Meyer ist wieder eine wendungsreiche, spannende Story garantiert.

Bewertung vom 06.10.2015
Mörderischer Freitag / Frieda Klein Bd.5
French, Nicci

Mörderischer Freitag / Frieda Klein Bd.5


sehr gut

Friedas schwerster Fall

Der Ausflug nach London endet für die 5-jährige Kitty dramatisch. Was das kleine Mädchen anfänglich für einen Wal in der Themse gehalten hat, entpuppt sich als Leiche. Beim dem Toten handelt es sich um Sandy Holland, dem Ex-Lebensgefährten von Dr. Frieda Klein, der ein Patientenarmband von Frieda am Handgelenk trägt. DCI Sarah Hussein und DC Glen Bryant werden mit dem Fall betraut und gerade Hussein wird vom Polizeichef Crawford entsprechend gebrieft was Frieda angeht. Crawford ist der festen Überzeugung, dass Frieda ihren Ex-Partner ermordet hat. Als Frieda eine Anklageerhebung wegen Mordes droht, taucht sie ab und ermittelt auf eigene Faust nach dem Mörder von Sandy.

Anfangs verfolgt man die Ermittlungen von DCI Hussein, die von Polizeipräsident Crawford wie auch von Prof. Hal Bradshaw dahingehend beeinflusst wird, dass beide Männer sich nur sehr negativ über Frieda äußern. Besonders Crawford ist absolut von der Schuld Friedas überzeugt und auch Hussein ermittelt nach der Flucht von Frieda nur noch in eine Richtung.

Aber auch Frieda, aus deren Perspektive der Krimi erst nach einer Zeit erzählt, konzentriert ihre Nachforschungen auf Dean Reeve. Fest davon überzeugt, dass der Mörder auch den Tod von Sandy verschuldet hat, versucht sie, ihn auf die Spur zu kommen. Doch ist Frieda wirklich auf der richtigen Spur?

Ruhig, nachdenklich, detailreich … so präsentiert sich der mittlerweile 5. Band der Reihe, aber keineswegs langatmig. Das Autorenduo Nicci French versteht es wieder hervorragend, die Neugier ihrer Leser anzuregen, sie in das Leben von Frieda miteinzubeziehen, auch wenn lange Zeit kaum Spannung aufkommt. Diese hält sich mehr im Hintergrund, ist aber in gewisser Weise doch immer vorhanden.

Denn die Story entwickelt sich äußerst wendungsreich und undurchsichtig. Hinzu kommt, dass man bis zum Schluss nicht erfährt, wer denn nun für den Mord an Sandy verantwortlich ist, geschweige denn, warum Sandy auf so grausame Art sterben musste, noch warum er in den letzten Tagen seines Lebens unter regelrechten Angstattacken gelitten zu haben scheint.

Fazit: Gewohnt wendungsreich und dabei eher ruhig und nachdenklich gehalten, dabei aber keineswegs langatmig.

Bewertung vom 02.10.2015
Schwarzer Mann / Sabine Kaufmann Bd.2
Holbe, Daniel

Schwarzer Mann / Sabine Kaufmann Bd.2


gut

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann

Dieses alte Kinderlied wird Kommissar Ralph Angersbach bald keine Ruhe mehr lassen. Da im Kommissariat in Bad Vilbel zurzeit wenig Arbeit ansteht, wird Angersbach in die Wetterau verliehen. In der Provinz ist er auch gleich mit einem makabren Mordfall beschäftigt. Am historischen Dorfgalgen hängt ein Toter mit dem Kopf nach unten. Bald schon muss Angersbach feststellen, dass er persönlich mehr in den Fall involviert ist, als ihm lieb sein soll. Sabine Kaufmann versucht ihren Kollegen bei dem Fall zu unterstützen, doch ihre privaten Probleme und die Reibereien in ihrer Dienststelle lenken sie immer wieder ab und dann wird ihr Privatleben plötzlich auch in den Fall hineingezogen.

Es ist ein sehr persönlicher Fall für beide Kommissare, den es hier zu lösen gilt, aber ganz besonders für Ralph Angersbach. Dieser wird im Verlauf der Ermittlungen unweigerlich mit seiner unschönen Kindheit konfrontiert und muss Dinge über sich und seine Familie erfahren, welche er so nie geahnt hätte.

Thema des Buches ist teilweise der Deutsche Herbst, hier vornehmlich eine (fiktive?) Splitter- oder Randgruppe der RAF, welcher der Erhängte angehört haben soll und der wegen einer terroristischen Tat bis wenige Wochen vor seinem Tod noch im Gefängnis einsaß. Liegt dem Mord also ein Racheakt zugrunde? Angersbach und Kaufmann ermitteln in verschiedene Richtungen, gleichzeitig sind sie aber auch noch auf der Suche nach einem entführten Rentner, der seit mehreren Tagen vermisst wird.

Dreh- und Angelpunkt des 2. Bandes ist klar das Privatleben und hier besonders die Kindheit von Ralph Angersbach. Der terroristische Aspekt kommt durch die Vergangenheit des Mordopfers hinzu wie auch bald schon durch das Entführungsopfer. Denn hier weist Daniel Holbe klar auf ein Bild hin, welches im Jahr 1977 um die Welt ging und zu einem der grausamen Höhepunkte des Deutschen Herbstes gehörte.

Anfangs wirkt die Story sehr sperrig, die Dialoge hölzern, ein Zugang zur Geschichte ist kaum möglich. Doch irgendwann hatte man sich eingelesen, die Zusammenhänge der anfangs wechselnden Handlungsstränge verstanden und dann liest sich der Krimi flüssig und packend. Allerdings baut sich die Spannung nur recht zögerlich auf, eher wird die Neugier ob der Auflösung des Falls geweckt.

Daniel Holbe legt sehr viel Wert auf das Privatleben seiner beiden Protagonisten, in dem es mehr oder weniger drunter und drüber geht und welches bald schon eng mit dem Fall verbunden ist. Somit sind die Übergänge zu den Ermittlungen bald fließend. Den Krimi erzählt Daniel Holbe aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei auch der Täter stellenweise zu Wort kommt, ohne dass hierbei seine Identität preisgegeben wird. Sein Motiv erläutert Daniel Holbe zwar recht schlüssig, allerdings konnte man sich schon früh zusammenreimen, dass für den Mord und die späteren Handlungen des Täters nur diese eine Motivation zugrunde liegen konnte.

Fazit: Recht holpriger Start und zögerlicher Spannungsaufbau, was sich mit der Zeit jedoch legt und dann eine interessante Story bietet.

Bewertung vom 21.09.2015
Scherbenseele / Kronoberg Bd.1
Sund, Erik A.

Scherbenseele / Kronoberg Bd.1


sehr gut

„… Ich habe gelebt, also bin ich tot …“


Jugendliche in ganz Schweden begehen auf die grausamste Art Selbstmord. So unterschiedlich die Suizide auch sind, haben sie doch alle eine Gemeinsamkeit. Als Kommissar Jens Hurtig hierauf aufmerksam wird und die Suizide schließlich mit einer Mordserie an einflussreichen Männern in Verbindung bringt, wird ihm langsam das ganze Ausmaß des bizarren Falls bewusst.

Lose knüpft das Autorenduo Erik Axl Sund an die Victoria-Bergmann-Trilogie an. Jeanette Kihlberg ist seit dem Fall immer noch krankgeschrieben und so ermittelt Jens Hurtig ohne seine Kollegin im neuesten Fall. Hierbei handelt es sich zwar um den Auftakt einer neuen Reihe, die Geschichte ist aber in sich abgeschlossen und kann als Einzelroman gelesen werden.

Das Autorenduo beginnt den ersten Band der Kronoberg-Reihe eher ruhig und verhalten. Und im Gegensatz zu dem etwas distanzierten Schreibstil der Victoria-Bergmann-Trilogie ist der vorliegende Psychothriller bedeutend emotionaler gehalten. Die Psyche der einzelnen Protagonisten, ihre Gedanken, ihr Umfeld, ihre Gefühle stehen klar im Fokus. „Scherbenseele“ ist ein sehr bedrückender, düsterer Roman, der einem nicht weniger nahegeht wie die Trilogie.

Was sich die Jugendlichen einfallen lassen, um aus dem Leben zu scheiden, ist stellenweise äußerst brutal und Erik Axl Sund schrecken auch wieder nicht davor zurück, dies in einer Art zu beschreiben, bei dem das Kopfkino voll zum Einsatz kommt. Die Geschichte entwickelt sich bedächtig und das Autorenduo lässt sich viel Zeit, um diese aufzubauen. Die Beziehungen der Akteure zueinander stehen klar im Fokus, besonders das Verhältnis von Jens Hurtig zu den einzelnen Mitwirkenden.

Die Ermittlungen finden eher am Rande statt, Spannung baut sich lange Zeit auch kaum auf und dennoch gelingt es dem Autorenduo hervorragend, seine Leser mit ihrem eindringlichen Erzählstil an den Psychothriller zu binden. Auch wenn dieser erst zum Ende hin seinem Namen alle Ehre macht. Völlig undurchsichtig und wendungsreich gestaltet sich zudem die Story und in deren Verlauf lassen Erik Axl Sund ihre Leser mehr als einmal in die Abgründe der menschlichen Seele blicken.

Es ist kein einfacher Roman, mit Sicherheit vom Spannungspotential her nicht vergleichbar mit der Victoria-Bergmann-Trilogie, aber der Intensität, mit welcher das Autorenduo seine Geschichte erzählt, kann man sich nur schwerlich entziehen.

Fazit: Beklemmend, düster, nachdenklich, nahegehend … wenig Spannung und dennoch absolut fesselnd.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.09.2015
Die Frau, die Männer mochte
Hammesfahr, Petra

Die Frau, die Männer mochte


sehr gut

Das Waldschlösschen

Marisa Behrend führte äußerst erfolgreich ein Restaurant, indem die örtliche Politprominenz verkehrte. Nun ist Marisa tot und Hauptkommissar Rolf Wegener soll sehr diskret in dem brisanten Fall ermitteln. Doch die Tote hat für den Kommissar eine ganz besondere Bedeutung und so stürzt dieser sich regelrecht in die Aufklärung des Falls.

Dies ist der erste Roman von Petra Hammesfahr und wurde vom Verlag nun erstmalig nach 25 Jahren neu aufgelegt und um 100 Seiten erweitert. Diesen Hinweis findet man gleich auf der ersten Seite des Buches. Zudem wurde der Roman der heutigen Zeit angepasst und so finden Smartphones oder Laptops genauso regelmäßig Erwähnung wie auch beispielsweise das Rauchverbot in Gaststätten. Somit fällt in keiner Weise auf, dass die Geschichte im Jahr 1990 spielt.

Das Debüt von Petra Hammesfahr wird mit Recht vom Verlag als Roman bezeichnet (zumindest ist dies so auf dem Buch aufgedruckt), auch wenn die Geschichte durchaus kriminalistische Züge aufweist. Aber die Aufklärung des Falls um den Tod von Marisa Behrend ist eher zweitrangig, klar im Fokus steht hier das Gefühlsleben von Hauptkommissar Rolf Wegener.

Dieser muss erkennen, dass seine Ehe gescheitert ist, seine Frau sich von ihm abgewandt hat und er nur noch Demütigungen von ihr zu erwarten hat. Aber das ist Rolf Wegener gewohnt, schließlich kennt er dies nur zur Genüge aus seiner Kindheit. So verselbständigen sich auch seine Tagträume immer mehr, je besser er das Leben von Marisa Behrend kennenlernt. Jener Frau, die Männer mochte und diese ganz offensichtlich verstanden hat. So ist auch Wegener davon überzeugt, dass Marisa die Frau seines Lebens gewesen wäre, hätten sie sich nur kennengelernt.

Somit handelt es sich um einen sehr emotionalen, nachdenklichen, gefühlsbetonten Roman, in dem man einen Menschen kennenlernt, der eigentlich nur auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit ist und sein ganzes Leben mit Enttäuschungen, Erniedrigungen und Demütigungen zurecht kommen musste und es dennoch äußerst gut schafft, die Fassade eines erfolgreichen Kommissars aufrecht zu erhalten. Tja, bis Marisa in sein Leben tritt.

Die Ermittlungen gestalten sich recht schwierig, da klar ist, dass der Schuldige im Kreise der örtlichen Politprominenz zu finden ist. Entsprechende Diskretion bei dem Fall werden Wegener und seinem Kollegen Pauli auferlegt. Doch während Simon Pauli für alles offen ist, ermittelt Wegener mit Scheuklappen vor den Augen, scheint immer mehr die Bodenhaftung in dem Fall zu verlieren.

Petra Hammesfahr gelingt es sehr gut, einem das chaotische Gefühlsleben von Rolf Wegener glaubhaft zu vermitteln. Man lernt einen gestörten, innerlich zerrissenen, verzweifelten Menschen kennen, der wie manisch versucht, den Mörder der Restaurantbesitzerin zu finden. Und der dabei nicht nur einige Fehler begeht, sondern dabei auch seine eigene Karriere aufs Spiel setzt.

Die Geschichte ist emotional wie auch packend, unterhaltsam und oft auch ziemlich spannend angelegt. Zudem ist lange nicht ersichtlich, wer der Mörder von Marisa Behrend ist, hier präsentiert die Autorin einige Verdächtige mit glaubwürdigem Motiv. Gelungen beschrieben sind zudem bis in die kleinste Nebenrolle die Charaktere des Romans. Alle Mitwirkende agieren überzeugend und authentisch, haben Ecken und Kanten und der eine oder andere bleibt auch recht undurchsichtig. Allen voran ist Petra Hammesfahr die Darstellung ihres Protagonisten gelungen. Der psychische Absturz von Rolf Wegener schildert die Autorin absolut überzeugend und anschaulich.

Fazit: Ein Blick hinter die gutbürgerliche Fassade … ein gelungener Debüt-Roman mit kriminalistischen Zügen.