Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Suska


Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 02.01.2017
Das Lazarus-Syndrom (eBook, ePUB)
Breuer, Guido M.

Das Lazarus-Syndrom (eBook, ePUB)


sehr gut

Der Chirurg Joe ist seit dem Unfalltod seiner Frau Birgit ein gebrochener Mann. Gefangen in seiner Alkoholsucht und ohne Perspektive verschwendet er seine Fähigkeiten in einem Organentnahmeteam. Früher war er es, der die Transplantationen durchgeführt hat, heute ist er dazu nicht mehr in der Lage. Nur seine Katze und seine Freundin Uli halten im (noch) die Treue. Doch Joe fallen immer mehr Ungereimtheiten auf. Die Zahl der Organspender ist sprunghaft angestiegen. Als auch noch sein alter Kommilitone ermordet wird, beginnt Joe nachzuforschen. Und gerät in die skrupellosen Machenschaften einer Organmaffia, die sein eigenes Leben gefährden.

Ich durfte das Buch bereits vor Veröffentlichung im Rahmen einer Leserunde lesen. Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die ein schnelles Lesen ermöglichen. Hier wechseln die Perspektiven ab und an, die die Spannung erhöhen. Joes Charakter ist sehr gut ausgearbeitet, auch wenn ihn das nicht viel sympathischer macht. Auf seiner Suche nach Antworten gerät er immer weiter in Gefahr, was ihn anfangs allerdings überhaupt nicht stört. Er geht eher grob vor bei seiner Suche nach Antworten. Der Leser bekommt den einen oder anderen Hinweis auf die Personen, die hier mit drinhängen, tappt aber meist im Dunkeln. Bis zum Schluss habe ich verschiedene Personen verdächtigt, oft allerdings die falschen.

Das zentrale Thema Organspende und Organhandel ist sehr heikel. Denn dass viel mehr Menschen auf ein Spenderorgan warten als es Spender gibt, ist kein Geheimnis. Umso brenzliger ist nun das Thema Organhandel bzw. Organmaffia, denn es spielt mit den Ängsten der Menschen, früher als nötig hirntot erklärt zu werden, um an die wertvollen Organe zu kommen.

Ein lesenswerter Thriller.

Bewertung vom 24.10.2016
Flawed - Wie perfekt willst du sein? / Perfekt Bd.1
Ahern, Cecelia

Flawed - Wie perfekt willst du sein? / Perfekt Bd.1


gut

Celestine hat ein durch und durch perfektes Leben. Gute Noten in der Schule, einen Freund, den sie liebt, und ganz genaue Zukunftspläne. Sie lebt in einer Welt, in der es genau darum geht: Perfektion. Wer nicht perfekt ist und falsche Entscheidungen trifft, wird als Fehlerhaft gebrandmarkt und aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Überwachung, Einschränkung uns Isolation sind die Folge. Als sie eines Abends mit ansehen muss, wie ihre Nachbarin, die sie für einen grundauf guten Menschen gehalten hat, verhaftet und gebrandmarkt wird, gerät ihr Weltbild ins wanken. Es kommt wie es kommen muss: kurze Zeit später muss sie sich entscheiden: gegen das System oder gegen die Menschlichkeit.

Cecilia Ahern kennen wir eigentlich als erfolgreiche Autorin für Liebesromane, die regelmäßig auf die Bestsellerlisten klettern. Nun hat sie sich an einem All Age Roman versucht und eine Dystopie geschrieben. Ein für sie völlig neues Genre, was man leider auch an der einen oder anderen Stelle merkt.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich schnell und gut lesen. Mir fehlte aber schon hier emotionale Tiefe in den Charakteren Besonders mit der Hauptfigur Celestine konnte ich nicht ganz warm werden, ihr Charakter war für mich schwer greifbar. Es wird immer wieder betont, dass sie Logik liebt und Dinge durchdenkt – handelt aber regelmäßig ganz und gar unlogisch.
Sehr gut gefallen haben mit die kurzen Kapitel, die einen schnellen Lesefluss ermöglichen und auch mal Pausen erlauben, ohne dass man das Gefühl hat, beim Weiterlesen nicht wieder reinzukommen. Hier zeigt sich auch, dass das Buch eher auf ein jugendliches Publikum ausgerichtet ist.

Die Autorin hat das Buch systematisch aufgebaut. Das Buch startet mit der Schilderung der Gesellschaft, der Funktionsweise des Systems, wie es entstanden ist und was mit fehlerhaften Menschen passiert. Celestine ist anfangs komplett von diesem System überzeugt und beginnt erst darüber nachzudenken, als plötzlich ihre Nachbarin verhaftet wird, was auch dazu führt, dass sie selbst vor Gericht landet. Nach und nach wandelt sie sich vom Mitläufer zur Rebellierenden, allerdings stark beeinflusst von außen, von Personen, die sie für sich nutzen wollen. Das erinnert mich sehr stark an eine andere, sehr bekannte Dystopie. Einige Szenen sind sehr detailgetreu und brutal geschildert, sodass mir beim Lesen etwas mulmig wurde. Ich fand es zwar spannend, Celestine bei ihrem Wandel zu begleiten, hatte aber an mehreren Stellen das Gefühl, dass Cecilia Ahern das System nicht vollständig durchdacht hat, wodurch es einige Unstimmigkeiten gibt. Aber dieses System bietet dem Leser auch durchaus spannende Denkansätze. Heute wollen alle perfekt sein, höher, schneller, weiter kommen. Aber sind es nicht gerade Fehler, die uns am Ende ein bisschen perfekter machen? Denn wer aus Fehlern lernt, ist hinterher ein bisschen schlauer. In Aherns Konzept darf man jedoch nicht aus Fehlern lernen, denn macht man einen einzigen, wird man verstoßen. Wer legt das fest? Und warum akzeptiert ein Großteil der Gesellschaft dieses System? Dass das nicht lange gutgehen kann, wird recht schnell klar, und dass es einen Helden braucht, der unverhofft Großes bewegt, auch. Was das Ganze leider auch vorhersehbar macht.

Ich werde auch den zweiten Teil lesen, denn ich möchte wissen, wie es nun weiter geht. Ich finde aber, dass es bessere Dystopien gibt, die es sich zu lesen lohnt. Alles in allem findet man in diesem Buch viele Denkanstöße, die gerade für die jugendliche Zielgruppe spannend sind. Aufgrund der Vorhersehbarkeit und einigen Schwächen im Gesellschaftssystem kann ich aber nur 3 Sterne vergeben.

Bewertung vom 03.07.2016
Dark Memories - Nichts ist je vergessen (Restexemplar)
Walker, Wendy

Dark Memories - Nichts ist je vergessen (Restexemplar)


sehr gut

Die 15jährige Jenny Kramer wird auf einer Party Opfer einer grauenvollen Vergewaltigung. Im Krankenhaus entscheiden sich ihre Eltern dafür, ihre Erinnerungen an die Tat mit Hilfe eines Medikamentes auszulöschen. Jenny kann sich nun nicht mehr an die Vergewaltigung erinnern, weiß aber, dass sie passiert ist. Doch besser geht es ihr dadurch nicht, ihre Gefühle, Angst, Wut, Verzweiflung sind immer noch da, schwirren wie Geister durch ihren Körper und finden keine Erinnerungen, mit denen sie sich verknüpfen können. Nach einem Selbstmordversuch macht sie sich gemeinsam mit einem auf diesem Gebiet erfahrenen Psychologen auf die Suche nach ihren Erinnerungen. Dabei kommen auch viele Geheimnisse ihrer Eltern ans Licht. Geschickt manipuliert rasen alle Charaktere unaufhaltsam auf einen Abgrund zu….
Anders als es vom Klappentext zu erwarten ist steht in diesem Buch nicht unbedingt Jenny im Mittelpunkt. Die Geschichte wird durchgängig aus Sicht des Psychologen und aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Charaktere selbst kommen in Kursivschrift dann zu Wort, wenn der Psychologe Unterhaltungen mit ihnen schildert. Anfangs ist es mir nicht leichtgefallen, in diesen Erzählstil hinein zu finden. Gerade am Anfang des Buches wirkt er sehr nüchtern, distanziert und trocken. Erst im Laufe der Zeit wird der Stil durch vermehrte Dialoge aufgelockert und es kommt Spannung auf.
Spannend und sehr informativ sind die Einblicke in die menschliche Psyche, die der Psychiater immer wieder einfließen lässt. Es wird geschildert, wie Erinnerungen im menschlichen Hirn abgespeichert werden, wie sich Emotionen damit verknüpfen, was passieren kann, wenn die Emotionen da sind, die Erinnerungen aber nicht. Viel wird auf die Kindheit einzelner Charaktere eingegangen, in der häufig die Ursache des Verhaltens Erwachsener zu finden sind. Man dringt tief in die Psyche und Gedanken der Charaktere ein und findet die eine oder andere gut versteckte Emotion.
Durch die intensiven Schilderungen psychologischer Hintergründe, aber auch dem ständigen Abschweifen des Erzählers zu einzelnen Begebenheiten ist das Buch an vielen Stellen langatmig und schwierig zu lesen. Am Ende passen alle Informationen zusammen, zwischenzeitlich stehen sie aber in keinem Zusammenhang und man muss aufpassen, nichts zu überlesen, was am Ende noch wichtig werden könnte.
Der Täter am Ende kam durchaus überraschend, ebenso seine Beweggründe und das große Ganze, das sich entwickelt. Das macht einen guten Thriller ja aus. Der Leser wird mehrmals in die Irre geführt, versucht, aus den Informationen schlau zu werden, die genau zum Zwecke der Verwirrung eingestreut wurden. Trotzdem fehlte mir stellenweise die Spannung, die ich bei einem Thriller des Jahres (so die Ankündigung) erwarte. Trotzdem habe ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen, blieb am Ball und wollte nicht abbrechen. Einen Stern Abzug gibt es für die langatmigen Passagen.