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La Calavera Catrina

Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 02.06.2025
Blum, Nora

Radikale Freundlichkeit


ausgezeichnet

Freundlichkeit kann zur Gewohnheit werden, denn Toleranz, Empathie und Hilfsbereitschaft lässt sich üben. Darum geht in diesem Buch und es werden vielfältige Gelegenheiten besprochen: Wie reagiere ich auf Unfreundlichkeit? Wie bleibe ich freundlich, wenn Gespräche heikel werden? Wie bleibe ich freundlich, wenns mal stressig wird? Was macht radikal freundliches Handeln aus? Die Vielfalt ist ausreichend und der Schreibstil ansprechend. Die Autorin Nora Blum zeigt an anschaulichen Beispielen aus dem Alltag, wissenschaftlichen Erkenntnissen und eigenen Erfahrung, wie das geht. Am Ende jedes Kapitels gibt es dann konkrete Tipps zur Umsetzung. Die vierzehn Kapitel kann man auch portionsweise gut lesen.

Das Buch funktioniert am besten, wenn in der eigenen Werkzeugkiste die Voraussetzung zur Bereitschaft vorhanden ist, den Blick nach Innen zu richten und die eigenen Filter besser zu verstehen. Achtsamkeit hilft, um die Situation aufmerksam wahrzunehmen und Impulskontrolle, um den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen.

Es ist interessant, klar und übersichtlich aufgebaut. Bietet Mehrwert um zu reflektieren und dadurch bewusst mehr Freundlichkeit nach Außen (und Innen) zu tragen. Ein wertvoller Beitrag. Davon profitieren beide Seiten und letztlich alle. Sehr empfehlenswert.

Bewertung vom 02.06.2025
Kempton, Beth

Kokoro


sehr gut

Autorin und Japanologin Beth Kempton findet Trost und Orientierung in der japanische Lebensart und ihrem Kokoro. Um den Tod ihrer Mutter und eine persönliche Krise zu bewältigen, reist sie durch Japan. Dabei favorisiert sie keine Religion oder Orte, sondern begegnend mit Neugier ihren Erfahrungen und führt viele Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen. In drei Teilen geht es um die achtsame Begegnung mit dem präsenten Dasein, die Akzeptanz ihrer Vergänglichkeit und schließlich auch um die Schönheit des Lebens, Begegnungen und die Liebe. „Die wichtigste Aufgabe ist es vielleicht, das Leben in vollen Zügen zu leben.“

Mit «Kokoro» möchte Beth Kempton die "Japanischen Weisheiten" vermitteln und erzählt, wie es ihre Lebenseinstellung geprägt hat. Ihre persönlichen Anekdoten, Erkenntnisse und Eindrücke geben Anregung, die eigene Lebensweise zu hinterfragen und zeigen einen Reisebericht aus Japan, der besonderen Art, mit abschließenden Reisetipps. Ihr Schreibstil fügt sich hervorragend ins Thema ein und besticht durch Präsens, schöne Beschreibungen und einen Hauch Poesie.

Der Begriff Kokoro hat viele Gesichtet. Es ist das intelligente Herz und Orientierungshilfe für ein gelungenen Leben. Mediation und Achtsamkeit sind unter anderem Methoden, um sich auf das Kokoro einzustimmen. Die Kokoro-Übungen, zum Ende jedes Kapitels, bestehen aus Reflexionsfragen und wird mit einer Weisheit abgeschlossen. Das geht manchmal sehr tief und bedeutet viel Eigenarbeit, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Ich hatte den Eindruck, es sich an eine Zielgruppe richtet, die in der Lebensmitte angekommen ist. Für Neulinge würde ich das Buch nicht empfehlen, aber jenen, die sich für Japan, Lebensweisheiten und persönlichen Erfahrungsberichte interessieren, die einen Mehrwert bieten.

„Möge dieses Buch Ihnen zur rechten Zeit dienen, wenn Sie es brauchen, und lange in Ihrer Obhut verweilen, während Sie sich auf all das, was geschehen mag, bereitwillig einlassen.“

Bewertung vom 02.12.2024
Moninger, Kristina

Neun Tage Wunder


gut

Dieser Roman erzähl von Anni aus Glückstadt, einer angehenden Liebesbeziehung vor zehn Jahren und ihrem gegenwärtigen Leben mit Ben.
«Neun Tage Wunder» ist für alle, die eine sehr leicht zu lesende Liebesgeschichte für Zwischendurch suchen, die tragisch, sehr romantisch und gefühlvoll ist. Es bereitet Vergnügen von all den Verstrickungen zu wissen, während sich Schriftsteller Ben ahnungslos mit Inspirationsquelle Lukas trifft, der ihr von Nika erzählt, und seine Anni nicht ahnt, dass ihr Freund unwissend ihre große Liebesgeschichte aufschreibt, die sie verheimlicht hat. Bis Ben schließlich Zusammenhänge zwischen Anni und Nika erkennt und fürchtet, sie für immer zu verlieren. Denn „mit Fehlern aus der Vergangenheit ist es vermutlich so wie mit Postern, die zu lange an der Wand hängen. Selbst wenn man sie endlich beseitigt, bleibt ein Abdruck zurück.“ Das ergibt eine abgerundete Geschichte ohne Ecken und Kanten, zugunsten der Wohlfühlatmosphäre. Das war eins der Dinge, die diese Erzählung eindruckslos an mir vorüberziehen ließ. Mir fehlte der Humor, der die Tragik abschwächt, die sich einfach zu ernst nimmt. Deshalb gefiel mir auch die Perspektive von Ben noch am besten, während Gegenwarts-Anni und Vergangenheits-Anni zwei andere Erzählstränge bildeten. Eher eine Romanze in einer Romanze zum Abschalten, die sicher ihren Anklang findet.

Bewertung vom 02.12.2024
Ota, Shiori

Das kleine Café der zweiten Chancen


gut

Hauptfigur ist Himari, die einst ein Wunderkind am Piano war, aber nach einem Unfall nicht mehr spielen kann. Die Enttäuschung ihrer Mutter ist groß. Sie setzt ihre Tochter unter Druck, ihr Talent nicht zu verschwenden und Himari fühlt sich Zuhause zunehmend unwohl. Auf ihrem Schulweg lernt Himari eine Frau kennen, die ihr Mut macht, am nächsten Tag jedoch verschwunden ist. Stattdessen findet sie das erwähnte Café am Rand eines wunderschönen Parks und die Wächterin der Zeit und Besitzerin Frau Hayari. Sie ermöglicht allen eine kurze Reise in die Vergangenheit, die ihr Café besuchen und eine Entscheidung in ihrem Leben bereuen. Himari lernt verschiedene Menschen und ihre Geschichten kennen, lernt guten Kaffee zu schätzen und erhält einige Lektionen. Als sie die Zwillinge Tsukko udn Ryuta kennenlernt, verändert sich ihr Leben.

Die Atmosphäre des Café ist wirklich gelungen. Frau Hayari ist wertschätzend und nachsichtig mit ihren Gästen, während Hund Mokka die Leute anzieht. Wenn man Kaffee liebt, dann werden die Beschreibungen richtig Lust auf die nächste Tasse machen. Die Geschichte war viel zu kurz und hörte leider abrupt auf. Zu einer Fortsetzung konnte ich jedoch nichts finden. Die eingebaute Bedeutung von Michael Endes Klassiker «Die unendliche Geschichte» fand ich richtig schön und auch Himaris Entwicklung, auch wenn die Vorstellung eines Kindes für mich an manchen Stellen nicht passte, profitiert von den Erfahrungen im Café. Hier fehlte mir allerdings ein passender Abschluss für Himari. Insgesamt blieb die Geschichte hinter meinen Erwartungen zurück. Die Idee und einige Details sind toll, aber die dramatische Umsetzung konnte mich gar nicht verzaubern.

Bewertung vom 02.12.2024
Sten, Viveca

Blutbuße / Hanna Ahlander Bd.3


sehr gut

«Blutbuße» entführt in ein winterliches Bergdorf in Schweden, wo Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog in einem Mordfall in einem Hochgebirgshotel ermitteln. Charlotte Wretlind wurde brutal getötet. Zurück bliebt ihr trauernder Sohn Filip und viele offene Fragen. Einige sind auch erleichtert, dass die unsympathische Immobilienentwicklerin mit ihren ambitionierten Plänen keine Unruhe mehr stiften kann.

Erzählerisch bekommt man viele Sichtweisen, wobei nicht bei allen klar ist, welche Rolle sie in dem Fall spielen. Es bleibt also mysteriös, unvorhersehbar und spannend, auch wenn sich erahnen lässt, in welche Richtung es gehen könnte. Da wäre beispielsweise Ida, die Lebensgefährtin von Daniel, die sich nicht mehr von ihm angezogen fühlt, Anton, der seine Homosexualität verheimlicht oder Aadas, die im Hotel arbeitet und der Polizei etwas verheimlicht, weil sie ihr nicht vertraut. In der Vergangenheit lernt man Monica kennen, die im Dezember 1973 stolz ihren neuen Job im Hochgebirgshotel in Storlien antritt. Mir hat gefallen, dass die Handlung vor dem Mord ansetzt und gleich zu Vermutungen einlädt. Das Finale ist hochspannend und zwischendurch gibt es immer wieder Ablenkungsmanöver.

Die gemütliche Winteratmosphäre, der schwedische Charme und die persönlichen Facetten der Hauptfiguren, machen den Krimi letztlich zu einer gelungenen Unterhaltung für die kalten Tage.

Bewertung vom 02.12.2024
Kingfisher, T.

The Hollow Places


sehr gut

«The Hollow Places» war mein erstes Buch von T. Kingfisher alias Ursula Vernon, aber sicher nicht mein letztes. Es beginnt beinahe cozy und nimmt sich Zeit Kara und ihre neue Lebenssituationen vorzustellen, bevor das schaurige Szenario sich seinen Weg bahnt. Denn diese Geschichte überrascht mit einigen Horror-Elementen, die ich am Anfang so nicht vermutet hätte.

Die 34-jährige Kara ist frisch geschieden, finanziell knapp bei Kasse und zieht bei ihrem Onkel Earl ins Wundermuseum ein. Nebenan verwöhnt sie der exzentrische Barista Simon mit gutem Kaffee und beide freunden sich an. Ihre humorvollen Dialoge schaffen eine Distanzierung zu schaurigen Momenten, die gerade denen hilft, denen es schnell zu gruselig wird. Dieser witzige und sehr flüssige Schreibstil, hat mich richtig mitgezogen, wenn es gruselig oder actionreich wurde. Manchmal war es nicht so leicht, dem, mitunter temporeichen Geschehen, zu folgen, aber Kingfischer ist es gelungen, ihren Figuren echtes Leben auf den Leib zu schreiben und eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die mir immer noch Schauer über den Rücken jagt. Deshalb mochte ich auch die ruhigen Passagen, weil im Hintergrund immer etwas Unheimliches war.
Die offenen Fragen, die schlussendlich bleiben, können unbefriedigend sein oder die eigene Fantasie beflügeln. Letztlich passt es sehr gut zum mysteriösen Ton des Buches. In jedem Fall hat mich das Finale gefesselt und berührt. War ich doch zeitweise etwas ahnungslos, in welche Richtung die Story möchte, als vorübergehend die Spannung dem Mysteriösen weichen musste. Das spricht sehr für die Unvorhersehbarkeit der Geschichte - wenn auch eine Sache die ganze Zeit klar schien. Kara wirkt nahbar und durchläuft ohne große Skills dieses Abenteuer. Sie beweist viel Stärke und geht auch mit den großen Veränderungen ihres Lebens anschließend selbstbewusster um. Es gab zwar Momente, wo ich Karas Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte, aber im Ganzen ist sie eine zutiefst menschliche Figur mit Entwicklungspotenzial. Zudem stellt sie in ihrer Gedankenwelt viele Fragen und versucht (mitunter verrückte und sarkastische) Antworten auf alles zu finden. Wer Spaß am Spekulieren und popkulturellen Bezügen hat, ist hier genau richtig. Es gab ein paar Punkte, die hätte ich mir anders gewünscht, aber ich kann damit leben, dass Kingfisher hier ihren eigenen Vorstellungen gefolgt ist, die dieses Buch besonders machen. Dazu gehört auch, dass man hier vergebens nach Romantik sucht, was ich sehr erfrischend fand.

Ich habe als Nervenbündel mitgefiebert, gruselte mich vor dieser verstörend rätselhaften Welt und erfreute mich an dem herrlich absurden Zusammenspiel von Kara und Simon, von dem ich mir gern noch mehr gewünscht hätte. Ich kann nur empfehlen, dieses Buch möglichst erwartungsfrei zu lesen und sich einfach mitziehen zu lassen. Es hat mich wirklich gut unterhalten und noch immer nicht ganz losgelassen.