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Benutzername: Sago


Bewertungen

Insgesamt 91 Bewertungen
Bewertung vom 09.02.2019
Der Klang der Täuschung / Die Chroniken der Hoffnung Bd.1
Pearson, Mary E.

Der Klang der Täuschung / Die Chroniken der Hoffnung Bd.1


sehr gut

Mit „Klang Der Täuschung“ bietet sich noch einmal die Chance in die Welt der „Chronik der Verbliebenen“ zurückzukehren, diesmal im Rahmen eines Zweiteilers, wodurch der typische handlungsarme Mittelteil hoffentlich vermieden werden kann. Im ersten Teil erfährt man erfreulicherweise, wie es den Hauptakteuren der ersten Reihe weiter ergangen ist.
Der vorliegende erste Teil des Zweiteilers setzt einige Jahre später ein und präsentiert mit dem Clanführer Jase Ballenger und der Diebin Kazi zwei neue Hauptcharaktere. Ich habe ein Weilchen gebraucht, um mit beiden warm zu werden, denn auch wenn Kazi, nachdem sie von Königin Lia aus ehemaligem Elend errettet wurde, nun in ihrer Garde dient, kann sie doch von Diebereien nicht lassen. Jase, nach dem Tod seines Vaters frisch zum Anführer ernannt, wirkt zu Beginn eher verlottert. Als beide von Sklavenhändlern entführt werden, fliehen sie schließlich aneinander gekettet und kommen sich gegen ihren Willen näher. Was Jase nicht weiß: Kazi wurde von der Königin in sein Territorium entsandt, um ihn auszuspionieren und einen berüchtigten Kriegsverbrecher dingfest zu machen.
Während das Worlbuilding der Autorin immer mehr überzeugt, findet sie leider über weite Strecken nicht zur Raffinesse des Verwirrspiels in „Kuss der Lüge“ zurück. Nicht nur das Aneinanderketten der Hauptdarsteller ist ein Ladenhüter. Auch der Auftritt von Rafe aus den Vorgängerbänden, auf den ich lange gewartet habe, wirkte auf mich eher seltsam und unangenehm kindlich-putzig. Mit dem kurzen letzten Kapitel wird dann aber glücklicherweise ein mehrdeutiger Cliffhanger geliefert, der mich doch nägelkauend auf den nächsten Band warten lässt!

Bewertung vom 03.02.2019
Die Vereinten / Rain Bd.2
Brinkmann, Caroline

Die Vereinten / Rain Bd.2


sehr gut

Ich habe mich gefreut, wieder in Rains dystopische Welt zurückzukehren. Wie würde es wohl weitergehen nach dem Anschlag auf Grey und dem Tod von Rains Ziehmutter? Ich war wirklich neugierig, wie es Rain und ihrer kleinen Fuchsmanguste in Aventin ergehen würde.

Es handelt sich um den zweiten Teil einer Serie, die ausnahmsweise mal nicht wie in Serien anderer Autoren zur Triolgie aufgeblasen wird. Schon dadurch kann ein spannungsarmer Mittelteil vermieden werden. Die Autorin wartet erneut mit innovativen Ideen auf und hält mit der Einführung der sog. Vereinten den Spannungsbogen weiter hoch. Leider wird es dadurch technischer, was meinen persönlichen Geschmack etwas weniger getoffen hat als im ersten Teil. Ich hätte stattdessen gern vel mehr über die Mutationen in dieser Welt und mehr Einzelheiten über die im ersten Band vorgestellten perfekten Gesegneten erfahren.

Während sich Rain immer mehr zu einer faszinierenden Protagonistin mausert und auch die Nebencharaktere zu begeistern wissen, wurde der männliche Hauptdarsteller Lark für mich leider immer blasser und auch unsympathischer. Allein deswegen hat mich das Ende auch nicht so zufrieden gestellt, wie es das wahrscheinlich bei vielen anderen Leserinnen und Lesern tun wird. Denn rund und folgerichtig ist das Ende allemal. Auch wenn ich mich eigentlich noch gar nicht von meinen Lieblingsfiguren verabschieden mag!

Bewertung vom 01.02.2019
Agathe
Bomann, Anne C.

Agathe


sehr gut

Eines vorweg: Indem der Verlag das kleinformatige, nur 155 Seiten währende Büchlein als Roman bezeichnet, tut er der Geschichte Unrecht und weckt falsche Erwartungen. Meiner Meinung nach haben wir es hier mit einer Novelle zu tun, wie sie ab dem 19. Jahrhundert definiert wurde.
Der namenlose Protagonist, ein 71jähriger Psychiater, praktiziert Ende der 40er Jahre in einem Pariser Vorort noch immer. Am Leben nimmt er wenig Anteil und zählt die noch verbleibenden Therapiegespräche ungeduldig rückwärts. Doch wie es im Ruhestand weitergehen soll, davon hat er keine Vorstellung. Seine Vergangenheit bleibt zu großen Teilen im Dunkeln. Selbst seine Sekretärin Mme Surrugue, die seit Jahrzehnten für ihn arbeitet, ist ihm fremd geblieben. Als Mme Surrugue gegen seinen Willen einer weiteren Patientin, der 38jährigen Agathe, Termine einräumt, wird wie von Zauberhand ein Prozess eingeleitet, der das Leben des Protagonisten von Grund auf auf den Kopf stellt.
Der dänische Autorin, ebenfalls Psychologin, gelingt das Kunststück, in schwebend-leichten Sätzen Wehmut und Melancholie wachzurufen. Wer wie ich die Geschichte als Novelle liest, wird dies genießen können und sich zum Nachdenken über das Leben anregen lassen. Wer die Tiefgründigkeit und Detailvielfalt eines Romans in der Geschichte sucht, wird sie unweigerlich vermissen müssen.

Bewertung vom 22.12.2018
Ein Reif von Silber und Gold / Die Königs-Chroniken Bd.3
Rother, Stephan M.

Ein Reif von Silber und Gold / Die Königs-Chroniken Bd.3


ausgezeichnet

Was für ein ungewöhnlicher Fantasyroman! Optisch passt der Abschluss der Trilogie "Die Königschroniken" wunderbar zu den Vorgängern und gefällt mir äußerlich gleichzeitig am besten. Die ersten beiden Bände sollte man unbedingt vorher gelesen haben, auch wenn einem als Kenner durch kurze Zusammenfassungen der Widereinstieg leicht gemacht wird.

Im finalen Band rücken die starken Frauenfiguren Leykken und Sölva in den Focus des Geschehens. Wobei sich dieses Geschehen absolut unerwartet gestaltet: Es wird viel philosophiert, diskutiert, imaginiert und mit Worten kunstvoll gespielt... Über weite Strecken hatte ich zudem das Gefühl, einem Theaterstück zu folgen. Dieser kammerspielartige Charakter dürfte nicht jedem gefallen. Meinen Geschmack hat er hingehen getroffen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, mehr über so ineressante Kreaturen wie Seelensauger und Schaudermänner zu erfahren.

Die Seiten flogen dahin und ich habe mich zum Ende hin zunehmend gefragt, wie diese epusche Geschichte so schnell einen runden Schluss finden soll. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass der Reihe ein vierter Band gut getan hätte, konnte Stephan Rother mich wieder einmal positiv überraschend. Im innovativen letzten Kapitel lässt er seine Protagonisten sich quasi über ihr eigenes Schicksal erheben. Ein Ende, das seines gleichen sucht.

Bewertung vom 16.12.2018
Herbststurm / Kommissär Reitmeyer Bd.3
Felenda, Angelika

Herbststurm / Kommissär Reitmeyer Bd.3


ausgezeichnet

Hier haben wir nun den dritten Teil aus der Serie um Kommissär Reitmeyer, der im München der nur vermeintlich Goldenen Zwanziger ermittelt. Meiner Meinung nach sollte man die ersten beiden Bände unbedingt gelesen haben, um das volle Vergnügen beim Lesen zu erreichen.

1922 galoppiert die Inflation und Reitmeyers Freund, der Anwalt Sepp Leitner, nimmt einen Auftrag einer reichen Exilrussin an, nach ihrer verschwundenen Tochter Anna zu suchen, um seine Kanzlei über Wasser zu halten.

Reitmeyer dagegen bekommt es mit dem Mord an zwei Männern zu und, die beide mit einer russischen Kriegswaffe erschossen wurden. Beide Fälle scheinen sich bald auf raffinierte Weise zu überschneiden, obwohl Reitmeyer die Spur zu gewaltbereiten und dubiosen rechten Bünden führt. Auch Korbinian Rattler spielt wieder eie wichtige Rolle. So manches Mal ermittelt er auf eigene Faust, vor allem nachdem er die schöne, geheimnisvolle Russin Larissa kennengelernt und sich in sie verliebt hat. Steht sie ebenfalls mit den Ereignissen in Verbindung?

Während Reitmeyers Freundschaft zu Caroline sich endlich weiter entwickelt, entfalten rechte Kreise immer mehr Macht. Auch Hitlers steigender Einfluss jagt so machen Schauer über den Rücken. Doch Reitmeyer wäre nicht er selbst, wenn er sich einschüchtern und seinen Idealen nicht treu bliebe.

Wie schade, dass es nur vier Jahreszeiten gibt. Ich hoffe, der nächste Teil, der den Frühling im Titel tragen wird, ist nicht schon der Abschlussband dieser hervorragenden Serie, bei der ich ganz nebenbei immer noch etwas Geschichtliches dazulerne.

Bewertung vom 09.12.2018
Wunder warten gleich ums Eck
Pachl-Eberhart, Barbara

Wunder warten gleich ums Eck


sehr gut

Wie Einstein bemerkte, gibt es zwei Wege, durchs Leben zu gehen: Als wäre nichts ein Wunder oder als wäre alles ein Wunder. Natürlich ist Letzteres weitaus schöner, und dafür möchte sich auch die Autorin mit dem vorliegenden Buch einsetzen. Dabei ist das wahre Wunder, dass sie noch so positiv fühlt, da sie Mann und Kinder bei einem Unfall verlor. Anstatt dauerhaft in der Depression zu versinken, hat sie mit neuem Partner und neuem Kind ein zweites Lebensglück gefunden. Dabei geholfen hat ihr ihr christlicher Glaube, das Schreiben und nichts mehr für selbstverständlich zu nehmen.
In zahlreichen kleinen Alltagsbegegnungen vermag sie das Wunderbare zu entdecken. Daher strahlt das Buch große Wärme aus und man fühlt sich schon durchs bloße Lesen besser. Der Leser erhält viel Einblick in den Alltag von Frau Pachl-Eberhart. Das war für mich manchmal etwas verwirrend, da mir ihre Biographie vorher nicht geläufig war und ich manchmal raten musste, ob sie von ihrer ersten oder ihrer zweiten Familie spricht. Das Christentum nimmt im Buch keinen allzu großen Raum ein, aber es hilft sicher, wenn man an eine irgendwie geartete höhere Macht glaubt, um sich an manchen Begebenheiten nicht zu reiben. Insgesamt sind die geschilderten Begebenheiten sehr kinderlastig, was viele Frauen ansprechen dürfte, aber manchmal etwas beliebig und leicht klischeehaft wirkt. Etwas mehr Originalität hätte mich hier mehr berührt. Einen Wunder-Theorieteil sucht man vergebens, denn es handelt sich nicht um einen Ratgeber. Mich hat das Buch vor allem angeregt, meine Augen noch mehr für das alltägliche Glück offenzuhalten. Und das ist schon viel wert.

Bewertung vom 02.12.2018
Als das Leben vor uns lag
Santos, Care

Als das Leben vor uns lag


ausgezeichnet

Auf diesen preisgekrönten spanischen Roman war ich sehr neugierig. Ich kann sagen, dass er meine Erwartungen noch übertroffen hat.

Zunächst zeichnet er sich durch eine äußerst raffinierte Konstruktion aus. Wir begegnen den fünf Klosterschülerinnen Julia, Nina, Lola sowie den Zwilligen Olga und Marta 1950. Während eines kindlichen Pfänderspiels werden Grenzen übertreten und die Wege der Mädchen trennen sich kurz darauf. Doch was genau vor allem Julia damals widerfahren ist, darüber tappen wir lange im Dunkeln.

Dreißig Jahre später kommt Olga auf Anregung ihres Mannes auf die Idee, im Restaurant ihrer Schwester Marta ein Treffen der alten Mädchengruppe zu veranstalten. Bis es zu dieser Begegnung kommt, erfahren wir in verschiedenen Kapiteln aus Sicht der nun reifen Frauen, wie es ihnen bis zu diesem Tag ergangen ist, wobei auch durchaus unerwartete Verknüpfungen der Lebenswege zum Vorschein kommen.

Endlich ist der Abend da, und wieder erfolgt das Pfänderspiel. Bis alle Geheimnisse der Vergangenheit und Gegenwart gelüftet sind, überschlagen sich die Ereignisse und es gilt, nicht nur Affären, einen Unfall und eine Geburt zu verkraften.

Die Autorin punktet mit faszinierenden Frauenfiguren, lebensklugen Wahrnehmungen und einer stets durchdachten Handlung, die den Roman zu einem wahren Vergnügen machen.

Bewertung vom 02.12.2018
Emotionale Stresskompetenz
Kundermann, Michaele

Emotionale Stresskompetenz


sehr gut

Dies ist keiner der poppig aufgemachten Ratgeber, die mit vielen Bildern und Kästchen locken. Vielmehr kommt er mit äußerst gehaltvollem Fließtext daher, für den man sich wirklich Zeit nehmen sollte. Fundiert wird hergeleitet, welchem Zweck die Erfahrung von Stress eigentlich dient und warum das menschliche Gehirn teilweise noch heute reagiert, wie es zu Urzeiten sinnvoll war.

Vor allem das lange Kapitel "Emotionales Wohlbefinden in die Hand nehmen" hat mich wirklich weitergebracht. Hier wird eine große Fülle von Techniken erläutert, so dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Auch ich habe schnell meine Lieblingsübungen gefünden, die ich mit Gewinn in meinen Leben integriert habe. Auch das Kapitel "Gesammelte Tipps für den Alltag" bringt komprimiert praxisnahe Tipps, gängige Stressfallen zu umschiffen. Nur das dritte Kapitel über die Berufswelt viel für meinen Geschmack zu kurz aus.

Ich bin mir sicher, dass ich das Buch noch oft zur Hand nehmen werde, um weiter auf dem Weg der Selbstberuhigung zu wandern.

Bewertung vom 25.11.2018
Die Melodie der Schatten
Peter, Maria W.

Die Melodie der Schatten


sehr gut

Es handelt sich hier um einen Roman, der im Laufe der Handlung immer vielschichtiger wird. Er beginnt mit düsterer Atmosphäre und jagt einem zunächst wie eine Gothic Novel wohlige Schauer über den Rücken.

Schottland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die behütetet aufgewachsene Richterstochter Lady Fiona reist nach dem Tod ihrer Mutter zum Anwesen ihrer Tante. Doch die Kutsche wird überfallen und nur Fiona überlebt. Zuflucht findet sie auf der Burg des Laird Aidan Thirstane. Nicht nur der übellaunige, unberechenbare Laird lässt das Anwesen unheimlich wirken. Fiona, von Kindheit an von Epilepsie und seltsamen Wahrnehmungen verfolgt, glaubt Schatten und Melodien wahrzunehmen, die sie sich nicht erklären kann.

Lange Zeit tappt man als Leser im Dunkeln, ob es sich hier um übernatürliche Erscheinungen handelt. Raffiniert bringt die Autorin immer mehr Elemente ins Spiel, die zudem noch historisch herausragend recherchiert sind. Schließlich entfaltet sich nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch ein komplexes Familiendrama, gewürzt mit einigen exotischen Anklängen.

Fiona macht eine überzeugende Entwicklung durch, von der unsicheren, ungeliebten Tochter zu einer jungen Frau, die für sich und andere einsteht. Aidan konnte mich als romantischer Held nicht ganz fesseln, auch wenn seine wenig liebenswürdige Art letztendlich wirklich überzeugend erklärt wird.

Ein atmosphärisch dichter Roman vor wild-romantischer schottischer Kulisse, der am besten rund um Halloween genossen werden sollte.

Bewertung vom 19.11.2018
Mörderische Renovierung
Cantero, Edgar

Mörderische Renovierung


sehr gut

Der Golkonda Verlag fällt mir nun schon zum dritten Mal durch ein ungewöhnliches Buch sehr positiv auf. In diesem Fall ist auch das Erzählkonzept innovativ, denn es besteht aus der Wiedergabe von Videoaufzeichnungen, Tonbandaufnahmen, Tagebucheintragungen, Briefen usw. Allerdings hat es der Autor hier meiner Meinung nach etwas übertrieben. Gern hätte ich mehr Tagebucheintragungen gelesen, in denen Erzählkunst aufblitzt, und weniger drehbuchartigen Sequenzen. Vielleicht merkt man hier doch ein wenig, dass der Autor erstmals nicht in seiner Muttersprache veröffentlicht hat.

Dennoch macht das Buch einfach Spaß. Der Protagonist A. und seine junge Freundin Niamh reisen von Großbritannien in die USA, wo A. von einem entfernten Verwandten Axton Haus, anscheinend ein wahres Spukschloss, geerbt haben soll. Sowohl sein Verwandter als auch dessen Vater haben sich durch einem Sprung aus dem Fenster selbst getötet. Bald beginnt auch A. den düsteren Sog von Axton Haus zu spüren. Und was hat es mit der Geheimgesellschaft auf sich, von der es heißt, dass sie sich jedes Jahr zur Wintersonnenwende auf Axton Haus trifft? Mit Spukeffekten, die mich so manches Mal an Lovecraft erinnerten, wird nicht gespart. Allerdings hat sich mir der Titel des Buches in keiner Weise erschlossen, denn renoviert wird hier wirklich nichts.