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haberlei
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Begeisterte Leserin von Krimis, Thrillern, Humorvollem, historischen (Frauen-)Romanen, Biografien

Bewertungen

Insgesamt 379 Bewertungen
Bewertung vom 18.09.2023
Zellner, Ingrid

Rattenweihnacht


ausgezeichnet

Weihnachten mit einer Fremden

„Rattenweihnacht“ von Ingrid Zellner ist ein Krimi mit etwas Weihnachtsflair, aber vor allem mit einer außergewöhnlichen Geschichte, spannend und überraschend.

Das Cover mit der Ratte im Schnee, die die Distel schmückt, unterstreicht stimmig den Titel. Das Buch erschien 2023, auch die Handlung spielt im Dezember dieses Jahres. Die Kapitel in angenehmer Länge sind exakt datiert. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sehr atmosphärisch.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, macht zunächst einmal mit den agierenden Personen und der Dorfgemeinschaft bekannt, verbreitet schneereiche vorweihnachtliche Stimmung beim Weihnachtsmarkt mit Bratwürsten und Glühwein. Man spürt Herzenswärme und Nächstenliebe. Doch hinter dieser liebenswerten Kulisse lauert etwas, etwas noch Unbekanntes. Aber vorerst ist man von dem Rätsel um Maria gefangengenommen. Ihr Schicksal berührt. Es muss furchtbar sein, nicht zu wissen, wer man ist. Gebannt verfolgt man die Versuche der Dorfbewohner, ihrem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Die Polizei ist zwar sowohl mit der Suche nach einer verschwundenen Dorfbewohnerin, ominösen Drohbriefen und mit den Nachforschungen bezüglich der unbekannten Frau betraut, agiert jedoch eher erfolglos nur am Rande. Die Handlung wird immer interessanter. Je mehr Geheimnisse, auch Untaten, ans Tageslicht kommen, desto mehr wandelt sich das Weihnachtsflair zu einem Krimi mit unerwarteten Erkenntnissen, verbrecherischen Taten und gefährlichen Momenten. Die zahlreichen Fragen sowie in die Irre führenden Spuren geben viel Raum zum Mitraten. Die Spannung hält sich auf diese Weise kontinuierlich bis zum dramatischen, alles klärenden, verblüffenden Ende - ja, und dann erst versteht man den Titel des Krimis - Rattenweihnacht!

Sehr anschaulich ist die Dorfatmosphäre dargestellt, die Neugier und das Interesse an der Fremden, der kursierende Dorftratsch. Es ist ein Dorf, wo noch jeder jeden kennt, wo man sich auch umeinander noch kümmert. Wo es aber auch Außenseiter gibt wie die beiden arbeitsscheuen Brüder. Die Personen wirken lebendig und sind gut vorstellbar.

„Rattenweihnacht“ hat mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt. Man will das Buch gar nicht zur Seite legen, selbst wenn man irgendwann zu ahnen beginnt, welche Richtung das Ganze nimmt. Ein besonderer Krimi, den ich gerne weiterempfehle!

Bewertung vom 17.09.2023
Eichbaum, Anja

Inselspiel


ausgezeichnet

Höchst dramatischer Jahreswechsel

„Inselspiel“ von Anja Eichbaum, Band 6 der Reihe mit Ruth Keiser und Martin Ziegler als Protagonisten, spielt auf Norderney und entpuppte sich für mich als Pageturner.

Das Cover mit der goldgelben Abendstimmung sticht ins Auge, macht aufmerksam, verrät aber noch nicht, welche Dramatik einen erwartet. Das Buch erschien 2023, die Handlung spielt in der Gegenwart und erstreckt sich über einen Zeitraum von rund einem Monat (Ende Dezember bis Ende Jänner). Die Kapitel sind datiert, Abschnitte tragen auch Ortsangaben, was die Orientierung bei den Perspektivenwechseln erleichtert. Die Länge der Kapitel und Abschnitte variiert entsprechend der Tagesereignisse.

Der Schreibstil ist flüssig, liest sich locker, bildhaft. Sowohl menschliche Stimmungen wie landschaftliche Eindrücke werden gut vorstellbar beschrieben, auch Lokalkolorit kommt zum Tragen, so manche Sehenswürdigkeit der Region wird erwähnt, macht neugierig, Norderney und das nahe Festland einmal zu bereisen.

Auch ohne die Vorgängerbände zu kennen, überblickt man den relevanten Personenkreis problemlos, wobei auch die vorhandenen Personenregister das Ihre dazu beitrugen. Dennoch, ich glaube, die Charaktere der Protagonisten, ihre Entwicklung und warum sie so sind, wie sie sind, versteht man sicher noch besser, wenn man die Reihe von Beginn an gelesen hat. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, das nachzuholen. Der Fall an und für sich steht jedenfalls für sich alleine.

Bereits nach wenigen Seiten, wo man die Protagonisten kennenlernt, beschäftigen Böllerexplosionen die Polizei auf Norderney. Dass es sich um keine Jugendstreiche handelt, wird nur allzu bald offensichtlich. Die dramatischen Ereignisse nehmen ihren Lauf, die den Inselpolizisten Martin Ziegler an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Mehrere Protagonisten agieren parallel. Die stetigen Perspektiven- und Ortswechsel gestalten die Handlung extrem tempo- und abwechslungsreich. Es kristallisiert sich schließlich heraus, dass die Motivation für die Tat in der Vergangenheit des Opfers zu suchen ist, was immerhin eine Reihe von Verdächtigen liefert. Was Raum zum Miträtseln und Aufstellen eigener Theorien öffnet. Und man leidet mit. Mit dem fieberhaft Suchenden und dem Opfer. Immer wieder enden Kapitel mit einem Cliffhanger, wodurch man das Buch kaum noch aus der Hand legen will. Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel, je mehr Fakten ans Tageslicht kommen, desto mehr Einblick man auf das Los des Opfers erhält, bis letztlich in einem dramatischen Showdown der Täter gefasst werden kann.

Die Figuren sind tiefgehend gezeichnet. Insbesondere der im Mittelpunkt stehende Inselpolizist ist ein schwieriger Charakter, psychisch angeschlagen, für einen Menschen dieser Profession extrem emotional und labil. Nicht nur er ist mit Stärken und Schwächen behaftet dargestellt, auch die übrigen Protagonisten, auch Nebenfiguren, wirken authentisch und lebendig, offenbaren Gedanken und Gefühle. Neben Martin und Ruth sind vor allem auch Martha, Daniela und Frank Sympathieträger, ich fand sie herzerwärmend in ihrer Besorgnis und verantwortungsvollen Freundschaft.

„Inselspiel“ hat mich schlichtweg begeistert. Spannung vom Anfang bis zum Ende. Dramatisch. Packend. Facettenreiche Charaktere. Ein Lesegenuss, der den Wunsch nach weiteren Werken der Autorin weckt. Ein 5-Sterne-Krimi, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Bewertung vom 14.09.2023
Marmulla, Rüdiger

Das Novellen-Quartett


ausgezeichnet

Glaube im Wandel der Jahrhunderte

„Das Novellen-Quartett“ vereinigt vier thematisch sehr unterschiedliche Geschichten von Rüdiger Marmulla, die aber alle eines gemeinsam haben: sie berühren. Denn seine kleinen Geschichten haben eine ganz eigene Ausstrahlung. Er hat einen extrem minimalistischen Schreibstil. Einfache Sätze, wenig Details. Und trotzdem gelingt es ihm stets, Gefühle hautnah zu vermitteln, das Kopfkino anzukurbeln. Und stets stehen der Glaube und das Gottvertrauen im Mittelpunkt.

„Westwärts leuchten die Sterne“ ist eine Antikriegsnovelle. Man erlebt hautnah die Realität eines jungen Soldaten inmitten des zweiten Weltkriegs, die Sinnlosigkeit des Kriegs, der reihenweise junge Menschenleben auf beiden Seiten der Schützengräben forderte. Dieses kleine Büchlein hat der Autor posthum seinen Eltern gewidmet. Er schildert sehr einfühlsam, wie sich seine Eltern, sehr jung noch, mitten im Krieg, kennenlernten, sich jahrelang Briefe schrieben, auch einige Schlüsselerlebnisse seines Vaters während des Krieges, bis er als Versehrter heimkehrte.
Obwohl diese Szenen nur kurz sind, wirkt alles sehr lebendig, macht sehr bewegend die Lebenssituation der Menschen von damals begreiflich. Man spürt die Kraft der Liebe, die Zuversicht und Hoffnung, das Gottvertrauen und das Verantwortungsbewusstsein, das ihnen die Kraft gab, ihr Schicksal zu bewältigen.

„harmonia mundi“ widmet sich den Erkenntnissen von Johannes Kepler. Im Rahmen von Gesprächen zwischen dem sterbenden Astronomen und einem einfühlsamen Steinmetz wird einerseits wissenschaftlich fundiert, anschaulich mit Zeichnungen ergänzt, dargelegt, was Kepler über die Gestirne, deren Laufbahnen etc. herausfand, andererseits werden auch Glaubensfragen erörtert. Bestimmt eine sehr lehrreiche Novelle, doch für einen Menschen wie mich, der mit Mathematik und Physik stets auf Kriegsfuß stand, war der Stoff mühsam und schwer verständlich.

„Mit den Augen der Odile“ basiert auf einer Legende aus dem Elsass. Sehr gefühlvoll und lebendig wird das Leben des etwa im Jahr 660 blind geborenen Mädchens erzählt, das der Vater verstößt, das in einem Kloster aufwächst, bei seiner Taufe wieder sehend wird, später heimkehren darf und letztlich nach dem Tod ihrer Eltern ein Kloster gründet und des Äbtissin wird.

„Rückkehr nach Regensburg“ ist eine bewegende, sehr realistisch wirkende Liebesgeschichte, die einem nebenbei auch mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt Regensburg vertraut macht. Die Handlung wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen den Besichtigungen der Stadt und den wesentlichsten Ereignissen aus Richards Leben, der ersten Liebe, seinem Studium und den Ehejahren. Die Geschichte berührt und nimmt den Leser gefangen.
Diese Novelle ist im Übrigen der erste Teil einer Trilogie.

„Das Novellen-Quartett“ ist ein Buch für besondere Lesestunden, für Momente, wo man ein wenig versinken kann in einer Atmosphäre von Ruhe und Beschaulichkeit, emotional und nachdenklich.

Bewertung vom 14.09.2023
Freund, René

Wilde Jagd


ausgezeichnet

Die Hellseherin und der Philosoph

„Wilde Jagd“ von René Freund ist ein niveauvoller, facettenreicher Roman, spannend und unterhaltsam in einem.

Kurz zum Inhalt:
Der Philosophieprofessor Quintus Erlach kehrt in sein Heimatdorf zurück, verlassen von Frau und Tochter. Dort lernt er die slowakische Pflegerin Evelina kennen, die ihm von ihrer verschwundenen Vorgängerin erzählt, es war ihre Schwester Angelika. Sie ersucht ihn um Hilfe bei der Suche nach ihr.

Das Cover stilisiert stimmig das abgeschiedene Dorf in den Bergen und die Szene, als der Professor bei einem Spaziergang mit seinem Hund Evelina kennenlernt. Der Roman erschien 2023. Die Handlung spielt im Sommer 2018 und umfasst einen Zeitraum von rund zwei Wochen, exakt datiert; ein Tag gliedert sich jeweils in mehrere kurze Kapitel. Dass er u.a. Philosophie studierte, verdeutlicht sich durch den Protagonisten.

Zwischen Prolog und Epilog, die quasi die Rahmenhandlung bilden, erzählt Quintus Erlach rückblickend aus seiner Sicht, also in Ich-Form, was er in den vergangenen zwölf Tagen Ungewöhnliches erlebt hat; auch Dinge, die er erst später erfahren hat, gemutmaßt oder rekonstruiert hat, fließen in seinen Bericht ein. Der Schreibstil ist nicht nur flüssig, sondern besticht durch eine harmonische Mixtur von niveauvollen Dialogen, philosophischen Gedanken, die aus dem Munde eines Philosophen vollkommen authentisch wirken, ohne zu belehrend zu sein, übersinnlich, mysteriös bis gruselig anmutenden Szenen und humorvollen Alltags-Situationen. Die Handlung hat eine eigene Spannungs-Dynamik. Es ist kein Krimi im üblichen Sinn, fesselt dennoch sehr.

Quintus ist ein vielschichtiger Charakter. Einerseits ist er ein Intellektueller, sehr gebildet, andererseits ist er ein eher unpraktischer Mensch, ein bisschen der sprichwörtlich zerstreute Professor. Mit Alltagsproblemen fühlt er sich immer wieder überfordert, mit dem desolaten Haus, mit den Verhandlungen mit Professionisten. Er leidet unter der Trennung von seiner Frau und Tochter, ist zum Alkoholiker geworden und neigt dazu, sich zu vernachlässigen. Durch den übermäßigen Alkoholkonsum einerseits, wie auch durch seine recht weltfremde Art andererseits, gerät er immer wieder in prekäre Situationen. Hilfsbereit und naiv, ist er ein ideales Opfer für Evelina, die ihn geschickt manipuliert, aber auch dazu beiträgt, dass sich Quintus seinen Schwächen stellt und zum Positiven hin weiterentwickelt. Die übrigen Figuren wirken ebenfalls lebendig, verfügen über spezielle Eigenarten, markante Wesenszüge, teils amüsant anmutende, teils unsympathische. Last but not least trägt der Hund Machtnix zu Schmunzelmomenten bei, allein schon des Namens wegen.

Die Handlung ist ein harmonisches Zusammenspiel von Gegensätzen. Von Unerklärlichem, von Esoterik, Mystik, Übersinnlichem, und der wissenschaftlichen Sichtweise des Professors, der sich eher an physikalischen Gesetzen orientiert. Bald vermengt sich für ihn das Unwahrscheinliche mit der Realität. Nicht nur für ihn, auch für den Leser. Höchst verblüffend, wie sich letztlich alles klärt.

„Wilde Jagd“ war mein erstes Buch dieses Autors und hat Lust auf weitere seiner Werke ausgelöst. Ich bin begeistert von dem gleichzeitig anspruchsvollen als auch amüsanten Schreibstil, dem ungewöhnlichen Plot und der überraschenden Lösung. Es waren spannende und unterhaltsame Lesestunden. Das Buch sollte man sich nicht entgehen lassen! 5 Sterne!

Bewertung vom 07.09.2023
Major, Kevin

One for the Rock


ausgezeichnet

Mord oder Unfall?

„One for the Rock“ von Kevin Major ist ein Neufundland-Krimi, in dem sehr harmonisch eine spannende Handlung mit wunderbaren, sehr anschaulichen Landschaftsbeschreibungen der Insel kombiniert wurde.

Kurz zum Inhalt:
Sebastian Synard führt ein kleines Tourismusbüro und bietet exklusive Touren für Neufundlandbesucher an. Er zeigt ihnen die wilde, ungezähmte Natur, Eisberge und Wale vor der Küste, aber auch städtische Sehenswürdigkeiten und kulinarische Besonderheiten. Doch als einer seiner Teilnehmer während einer Wanderung verunglückt, vermutet die Polizei einen Mord und verdächtigt die übrigen der Gruppe. Sebastian soll sie im Auftrag der Polizei unauffällig beobachten und befragen, doch das bleibt nicht unbemerkt und bringt Sebastian letztlich in Lebensgefahr …

Bereits das Cover vermittelt einen Eindruck von Neufundlands Landschaft. Der Autor wurde auf Neufundland geboren und lebt dort. Dass er seine Heimat beschreibt, aus eigener Erfahrung, wo er quasi jeden Winkel kennt, die Geschichte, den speziellen Dialekt, gibt dem Roman eine besondere Note, eine ganz eindeutige Authentizität. Die Originalausgabe erschien unter demselben Titel bereits 2019, die deutsche Erstausgabe 2023. Die Kapitel sind kurz gehalten, ohne Zeit- oder Ortsangaben. Die Handlung spielt in der Gegenwart. In St. John’s, der Hauptstadt Neufundlands, bzw. in deren Umgebung. Dieser Roman ist der Auftakt zu einer neuen Serie. Es ist der erste Fall für Sebastian Synard und die Geschichte wird auch aus seiner Sicht erzählt, ohne Perspektivenwechsel. Der Schreibstil ist flüssig, die jeweiligen Landschaftsbeschreibungen sind bildhaft. Der Autor hat auch einen Blick für Details und ein gutes Gefühl für Stimmungen. Alles wohl dosiert, es gibt keine Längen.

Der Einstieg macht gleich mit dem Opfer bekannt, mit seinen tödlichen Verletzungen. Doch bevor man die Umstände seines Ablebens erfährt, lernt man zunächst die Protagonisten kennen: Sebastian und seine Familie, inklusive Gaffer, den Hund, man erfährt seinen Werdegang, seine Vorlieben und seine Probleme. Die buntgewürfelte Wandergruppe wirkt auf den ersten Blick sympathisch und harmlos. Erst nachdem ein Teilnehmer verunglückt und Sebastian sich näher mit den einzelnen Personen beschäftigt, werden sie zusehends verdächtiger. Wunderbar zum Miträtseln. Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel, die Lage spitzt sich zu, actionreich, bis zum höchst dramatischen Showdown.

Die Personen wirken generell authentisch und lebendig, wobei vor allem Sebastians Charakter am umfassendsten ausgearbeitet ist. Durch die Ich-Form lernt man ihn besonders gut kennen, auch seine Gedanken, Gefühle, Sorgen und Ängste, seine Stärken und Schwächen. Er ist ein sympathischer Mensch, der auch über Humor verfügt. Berührend seine Liebe zu seinem Sohn und zu dem Hund Gaffer. Doch auch die Nebenfiguren weisen markante Eigenschaften auf, zeigen Emotionen, sodass sie alle gut vorstellbar sind.

„One for the Rock“ ist ein vielversprechender Beginn einer neuen Reihe, besticht vor allem auch durch das Neufundland-Flair. Ich fand den Roman nicht nur spannend, sondern auch unterhaltsam. Gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 05.09.2023
Mona Frick

Mord in der Manege


ausgezeichnet

Raub und Mord unter dem Zirkuszelt

„Mord in der Manege“ von Mona Frick ist der elfte Band der Kurzkrimi-Reihe rund um Oberkommissar Schäfer.
Worum geht es?
Schäfer und das mit ihm befreundete Ehepaar Bromstetter besuchen eine Zirkusvorstellung. Prompt sind sie wieder mit einem Toten konfrontiert. Vor ihren Augen wird ein Clown getötet. Schäfer, wenn auch pensioniert, ermittelt mit seinem Nachfolger Florian. Hängt der Mord mit dem kürzlich gemeldeten Diebstahl eines kostbaren Diadems zusammen, das dem Zirkusdirektor bzw. dessen Tochter gehörte?

Das farbenfrohe Cover mit der den Zirkusdirektor darstellenden Badeente passt wieder stimmig zur Reihe und zum Inhalt. Diesmal gibt es sogar auf der Rückseite noch eine zweite Badeente, die arabische Prinzessin symbolisierend, deren Krönchen jenen Edelstein enthält, um dessen Raub es im Roman geht. Der 2023 erschienene Kurzkrimi ist mit rund 190 Seiten bislang der umfangreichste der Reihe. Die Handlung spielt in der Gegenwart. Die Kapitel sind datiert, was den chronologischen Ablauf sehr überschaubar dokumentiert. Obwohl es natürlich einen roten Faden gibt, ist dieser Krimi problemlos ohne Kenntnis der Vorgängerbände verständlich. Ein paar Hinweise zu früheren Ereignissen sind eingestreut. Trotzdem, ich empfehle, mit Band 1 zu beginnen.

Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Die Zirkusatmosphäre ist sehr anschaulich dargestellt, sowohl die Aktionen bei der Vorstellung, als auch das unstete Leben der Akrobaten und deren Zusammenhalt. Signifikant für diese Serie ist der urige schwäbische Dialekt von Oberkommissars i.R. Schäfer, der der spannenden Handlung einen humorvollen Anstrich gibt. Die Perspektivenwechsel gestalten die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern bieten durch den Blick auf die Aktivitäten der Täterseite der Leserschaft einen Informationsvorteil gegenüber der Polizei. Miträtseln ist angesagt, immerhin kristallisieren sich im Zuge der Ermittlungen einige Verdächtige heraus. Letzten Endes wird man dann doch überrascht, nach allerlei dramatischen Entwicklungen.

Für tiefgehende Charaktere bleibt in einem Kurzkrimi zu wenig Raum. Dennoch sind markante Wesenszüge und Eigenarten erkennbar. Die Personen wirken authentisch und lebendig, ihre Aktionen sind nachvollziehbar. Obwohl mittlerweile außer Dienst, steht Schäfer nach wie vor im Mittelpunkt, voller Energie und begeistert darüber, mitten im Geschehen zu sein, ermitteln zu dürfen. Im Prinzip wirken alle Figuren sympathisch, selbst die Täter.

Verglichen mit den Vorgängerbänden fand ich, dass die Fälle immer besser konstruiert sind, immer mehr Fleisch auf die Rippen bekommen. In diesem Fall in Form der Vorgeschichte der Zirkusleute. „Mord in der Manege“ war spannend, humorvoll, getragen von liebenswerten Protagonisten, hat mich bestens unterhalten. Ein wunderbarer Wohlfühlkrimi, den man locker in einem Zug auslesen kann, einfach zwischendurch, unterwegs. Wohlverdiente 5 Sterne!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 31.08.2023
Korten, Astrid

Overkill - Tod der Schwalben


ausgezeichnet

Das aktuelle alltägliche Grauen

„Overkill – Tod der Schwalben“ von Astrid Korten ist der dritte Band der Reihe mit Hauptkommissarin Mo Celta als Protagonistin.

Worum geht es?
In der Ukraine wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden. Es handelt sich um den Sohn des Ex-Ministers Kanyukov. Sowohl die ukrainische Polizei, Hauptmann Felix Bojko und die deutsche Austausch-Kommissarin Mo Celta, als auch der russischer Polizist Alexander Markow, der vom Vater des Ermordeten angeheuert wurde, begeben sich unabhängig voneinander in die verbotene Zone Tschernobyl, um den Mörder zu fangen. Und immer wieder finden sie präparierte Tiere, vorrangig Schwalben – quasi die Signatur des Mörders.

Das Cover versinnbildlicht durch Stacheldraht die gesperrte Zone, die Schwalbe im Mittelpunkt unterstreicht deren Bedeutung im Roman. Der Thriller erschien 2023. Die Handlung spielt knapp nach Ausbruch des russischen Angriffskrieges. Die Kapitel sind mit Ortsangaben übertitelt, exakte Zeitangaben sind nicht vorhanden; die angenehm kurzen Kapitel sind auch noch thematisch in Abschnitten zusammengefasst. Dass ich die ersten beiden Bände dieser Reihe noch nicht kannte, hatte keinerlei Belang. Es steht wohl jeder Roman für sich.

Das Buch liest sich flüssig vom Schreibstil her, vom Inhalt her benötigt man des Öfteren Pausen, um das Gelesene sickern zu lassen. Denn nicht nur die fiktiven grausamen Morde schockieren, sondern was mich vor allem betroffen machte, sind die Zustände in der heutigen Ukraine. Die Recherchen der Autorin sind beachtenswert, sowohl was die Gegenwart anbelangt, als auch die detaillierten Beschreibungen des Reaktorunfalls 1986 und dessen Folgen. Ich persönlich hätte mir auch eine Landkarte der Ukraine, insbesondere des Gebietes rund um Tschernobyl, gewünscht, um besser nachvollziehen zu können, in welchen Regionen sich die Protagonisten in etwa bewegt haben.

Es ist der Autorin auf faszinierende Weise gelungen, die Fakten mit fiktiven Ereignissen zu verweben. Das Buch ist vom Beginn bis zum dramatischen Ende aufwühlend und packend. Nicht nur die Spannung beginnt ab der ersten Seite und hält bis zur letzten an, auch das Grauen zieht sich durch den gesamten Roman. Wobei es für mich nicht einmal so sehr die doch recht detailliert beschriebenen übel zugerichteten Mordopfer waren, die mich am meisten schockierten, denn letztlich waren es fiktive Morde. Sondern was ich als so erschreckend, so beklemmend empfand, waren die Schilderungen der Realität, dass nach wie vor Menschen an den Folgen der Strahlenbelastung erkranken und sterben, behinderte Kinder zur Welt kommen, des Weiteren die Zustände in dem radioaktiv verseuchten (Sperr-)Gebiet, wo tatsächlich wieder Menschen unter unzumutbaren Lebensbedingungen hausen, und dass kontaminierte Waren von dort in alle Welt gelangen. Und nicht nur das. Generell machen die Lebensumstände der Menschen, ob in Russland oder in der Ukraine, betroffen. Wie unfrei sie sind, wie Korruption vorherrscht, wie schlecht die Ausrüstung der Soldaten ist, u.v.a.m.

Im Prinzip sind es zwei sich erst gegen Ende vereinigende Handlungsstränge, einerseits der offiziell ermittelnde Hauptmann Bojko mit Mo Celta, andererseits Alexej, der über geheime Wege und mit Hilfe von Insidern ins Sperrgebiet gelangt. Zu welchen Erkenntnissen sie auch gelangen, als Leser verfügt man immer wieder über einen Wissensvorsprung. Durch die stetigen Perspektiven- und Ortswechsel wird die Spannung zusätzlich erhöht. Cliffhanger, dramatische Szenen tun ihr Übriges dazu, dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen möchte. Zudem ist so vieles rätselhaft – die Symbolik der Schwalben, die Zusammenhänge der aktuellen Mordfälle mit jenem alten Mordfall, der am Tag des Reaktorunfalls geschah. Die Spannung steigert sich von Abschnitt zu Abschnitt, bis in einem dramatischen Showdown die wahren Begebenheiten ans Licht kommen.

Die Charaktere der handelnden Personen sind sehr ausführlich und daher gut vorstellbar dargestellt. Sowohl Bojko als auch Alexej sind außergewöhnliche Menschen, schicksalsbehaftet, geprägt durch ihre Herkunft, ihren Werdegang, ihre familiäre Situation. Beide beweisen Stärke und Mut, indem sie in dem verseuchten Territorium tätig sind, sie wirken ehrenhaft und verlässlich, zeigen aber durchaus auch Schwächen; wirken dadurch authentisch und lebendig. Mo Celta wirkt kompetent, engagiert und strebsam, ist jedoch eher eine Nebenfigur.

„Overkill – Tod der Schwalben“ ist für mich der beste Thriller, den ich je gelesen habe, nicht der bestialischen Morde wegen, sondern aufgrund des höchst aktuellen Umfelds, in dem die Ereignisse spielen und der Art und Weise, wie umfassend darüber berichtet wird. Dieses Buch lässt einen nicht unberührt, macht nachdenklich und dankbar, dass man woanders leben darf.

Eine unbedingte Leseempfehlung und selbstverständlich 5 Sterne!

Bewertung vom 27.08.2023
Kramp, Ralf

Blaues Blut (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Unfall oder Mord?

„Blaues Blut“ von Ralf Kramp ist bereits der 11. Band dieser Reihe rund um Herbie Feldmann und seinen imaginären Freund Julius.

Worum es geht?
Herbie versucht bei einem Flohmarkt Luxus-Küchenmaschinen zweifelhafter Herkunft zu verkaufen und lernt ein Trödler-Ehepaar kennen, das einen Helfer für die Räumung einer Burg sucht. Der Burgherr ist jedoch, nicht wie Herbie angenommen hat, verstorben, sondern hat sich nach dem Tod seiner Partnerin aus Trauer zurückgezogen. Er ist überzeugt, dass sie keinen Unfall hatte, sondern jemand nachgeholfen hat, dass sie mit dem Wagen in den Abgrund stürzte. Herbie lässt sich engagieren, nachzuforschen.

Das Cover ist sehr stimmig – eine Burg in bläulich-nebliger Abendstimmung. Das Buch erschien 2023, die Handlung spielt in der Gegenwart. Die Kapitel sind angenehm kurz gehalten. Der Schreibstil ist nicht nur flüssig und bildhaft, sondern besticht auch durch witzige Dialoge. Mit etwas Lokalkolorit in Form von Landschaftsbeschreibungen, Dialekt und Gebräuchen, wie das Martinsfeuer, wird dem Leser auch so en passant die Eifel nahegebracht. Für mich war es das erste Buch dieser Krimiserie. Ich kam problemlos ohne Vorkenntnisse in die Geschichte hinein.

Man steigt in die Handlung mit einer Rückblende auf den Unfall ein und lernt so nach und nach die handelnden Personen kennen. Im Mittelpunkt agiert Herbie, meist fremdbestimmt, vielfach setzt er spontane, kaum durchdachte Aktionen, stets begleitet von dem „Geist“ Julius, der alles besser weiß und überall seinen ironischen Senf dazu gibt. Der Fall erweist sich als einigermaßen komplex und auch mysteriös. Da hätten etliche ein Motiv und es kristallisieren sich mehr und mehr Verdächtige heraus, sodass man bis zur erstaunlichen, schlüssigen Auflösung ausgezeichnet miträtseln und eigene Theorien aufstellen kann. Zusätzlich geben die dazwischen eingestreuten Textstellen aus einem alten Brief Rätsel auf. Gefährliche Situationen und Action halten die Spannung stets am Köcheln.

Die Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet, zeigen Stimmungen und Emotionen, Trauer, Mitgefühl, Aggressionen. Herbie ist einfach sympathisch und liebenswert in seiner gutmütigen, naiven Art. Aber er ist nicht dumm, einfallsreich und verfügt über eine gute Beobachtungsgabe. Stets hilfsbereit schlittert er in Situationen, die bestenfalls in einem Schlamassel enden, ihn aber manchmal auch in Gefahr bringen.

Mit Herbie und Julius hat der Autor zwei originelle Typen geschaffen, die mich blendend unterhalten und Lust auf weitere Abenteuer dieses Duos gemacht haben. Ich empfehle den Krimi gerne weiter und vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 27.08.2023
Nebl, Monika

Mords-Partie


sehr gut

Minnie geht der Mörder ins Netz

„Mords-Partie“ von Monika Nebl ist bereits der fünfte Band dieser Reihe, für mich war es nach Band 3 die zweite Geschichte mit Minnie.

Der Fall lt. Klappentext:
Eine Tote im bayrischen Himmelbett, undurchsichtige Angler. Alibis, die besser geheim bleiben sollten, und jede Menge Eifersucht. Minnie ermittelt zwischen Fischweihern und Bauernhöfen.

Ansprechend bunt und ins Auge stechend ist auch dieses Cover gestaltet, harmonisch zur Serie passend. Das Buch erschien 2023. Die Handlung spielt in der Gegenwart. Als Wasserburg-am-Inn-Regionalkrimi bietet das Buch selbstverständlich ausgiebig Lokalkolorit, sowohl landschaftlich, sprachlich, als auch von den bayrischen Typen her. Der Schreibstil ist flüssig, dialogreich und humorvoll. Die Kapitel sind übertitelt und von angenehmer Länge. Das Buch verfügt über ein Glossar zur Erklärung der Dialektausdrücke und einen skizzenhaften Plan von Wasserburg.

Ich kannte die Protagonisten ja bereits, aber ich glaube, ohne Vorkenntnis der Vorgängerbände ist es für Quereinsteiger anfangs, wo man ereignisbedingt mit einer Vielzahl von Personen aus dem Umkreis der Protagonistin konfrontiert wird, etwas schwierig durchzublicken, wer zu wem gehört und wie sie mit der Hauptpersonen in Verbindung stehen. Ich würde daher raten, die Bücher der Reihe nach zu lesen.

Die Personen sind recht anschaulich gezeichnet, gut vorstellbar. Sie wirken bodenständig und zum Umfeld passend, gut typisiert, urig. Minnie ist eine taffe, engagierte, lebhafte Person, die meist sagt, was sie denkt, sie ist sympathisch, unkonventionell und kreativ.

Wenn Minnie mit einem Todesfall, offensichtlich einem nicht natürlichen, konfrontiert ist, dann kann sie das Ermitteln natürlich nicht lassen. Neben Minnies Recherchen bzw. Befragungen nehmen allerdings die Hochzeitsvorbereitungen für ihre Freundin Toni und die bevorstehende Geburt von Tonis Baby etwas zu viel Raum ein, was der Handlung Spannung entzieht. Puzzlesteinchen für Puzzlesteinchen sammelt Minnie Informationen, durchschaut schließlich doch gewisse falsche Aussagen und das Motiv des Mörders. Das alles verläuft ziemlich unspektakulär, bis sich die Lage am Ende doch etwas zuspitzt und Minnie im wahrsten Sinne des Wortes tatkräftig dazu beiträgt, den Mörder zu fassen.

„Mords-Partie“ ist ein typischer Cosy-Regionalkrimi, nicht nur unblutig, sondern auch nicht gerade prickelnd spannend, aber mit vorwiegend sympathischen Protagonisten, die trotz mancher Divergenzen in einer Wohlfühlatmosphäre agieren, in einer idyllischen Umgebung und von reichlich Lokalkolorit geprägt. Ich fand das Buch ganz unterhaltsam, schon allein der Typen und der urwüchsigen Sprache wegen.

Bewertung vom 21.08.2023
Wacker, Florian

Die Spur der Aale / Ein Fall für Greta Vogelsang Bd.1


sehr gut

Wertvolle kleine Fische

„Die Spur der Aale“ von Florian Wacker ist der Auftakt einer neuen Reihe rund um die Staatsanwältin Greta Vogelsang.

Worum geht es?
Ein Zollfahnder, der einem Schmugglerring auf der Spur war, wird ertrunken aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen gehen von einem Unfall aus, doch Greta Vogelsang vermutet Mord, folgt ihrem Spürsinn und beginnt, obwohl offiziell nicht zuständig, auf eigene Faust zu ermitteln. Sie stösst auf Hinweise, dass großangelegt Schmuggel von Glasaalen betrieben wird. Und es bleibt nicht bei einem Toten …

Das Cover ist auffällig und farblich ins Auge fallend, offenbart jedoch wenig Bezug zur Thematik. Der Schreibstil ist eher einfach, aber flüssig, die Kapitel sind angenehm kurz, nummeriert und teilweise betitelt. Das Buch erschien 2023. Die Handlung spielt in der Gegenwart, in Frankfurt am Main und in Honkong. Abgesehen von etwas Lokalkolorit bietet der Krimi auch interessantes Wissen über Schmuggel und Artenschutz, insbesondere über Aale.

Greta Vogelsang ist als Staatsanwältin eigentlich nur für Umwelt- bzw. Artenschutzdelikte zuständig, nicht für Mord, doch sie kannte den ermordeten Zollfahnder und ist entgegen der Meinung ihrer Kollegen im Morddezernat überzeugt, dass er Verbrechern zu nahe kam. Der Fall ist einfach konstruiert, ohne in die Irre führende Spuren, ohne jegliche Verwirrungen. Anhand von drei Protagonisten – der Staatsanwältin sowie Mian und Paul, zwei Mitarbeitern der Bande - ist man als Leser in sämtliche Geschehnisse chronologisch mit eingebunden, lernt die handelnden Personen, ihr privates Umfeld, aber auch ihre Vorgeschichte kennen. Diese Perspektiven- bzw. Ortswechsel gestalten die Handlung abwechslungsreich und informativ. Dadurch, dass man auch die Aktionen der Schmuggler verfolgt, verfügt man stets auch über einen Wissensvorsprung gegenüber den polizeilichen Ermittlungen. Zum Miträtseln bietet dieser Krimi kaum Möglichkeiten, aber ein wenig zum Mitfiebern, wenn Protagonisten in prekäre, ja gefährliche Situationen geraten. Dennoch, wirklich prickelnde Spannung kommt nicht auf.

Greta Vogelsang ist eine sympathische und charakterlich interessante Protagonistin. Ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu hat sie geprägt. Sie musste sich immer durchkämpfen und gegenüber Menschen, die in besseren Verhältnissen aufwuchsen, durchsetzen. Eigenwilligkeit und Zielstrebigkeit sind neben ausgezeichnetem Spürsinn ihre markantesten Eigenschaften. Der Einblick in ihr Privatleben, sie umgibt ein verständnisvoller Partner, eine demenzkranke Mutter und ein überforderter Vater, lässt sie als Mensch wie du und ich und lebendig erscheinen. Auch die Nebenfiguren wirken authentisch. Menschen, wie die Chinesin Mian oder der Franzose Paul schlittern ungewollt aufgrund ihrer misslichen gesellschaftlichen Situation in solche Machenschaften.

„Die Spur der Aale“ ist ein angenehm und rasch zu lesender Wohlfühl-Krimi mit etwas Frankfurter Lokalkolorit und ist durch sein Artenschutzthema auch wissenserweiternd. Ich bin neugierig, wie es für Greta Vogelsang beruflich und privat weitergeht. Für mich war es ein gelungener, aber noch entwicklungsfähiger Auftakt: der Plot könnte noch etwas komplexer sein, ein bisschen mehr Spannung und Dramatik enthalten. Ich empfehle das Buch gerne weiter und vergebe 4 Sterne.