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Benutzername: Brilli
Wohnort: Hagen
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Danksagungen: 15 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 90 Bewertungen
Bewertung vom 12.01.2015
Veilchens Winter / Valerie Mauser Bd.1
Fischler, Joe

Veilchens Winter / Valerie Mauser Bd.1


ausgezeichnet

Ein Wiener Veilchen in Tirol.
Die besten Eindrücke von ihrer neuen Wahlheimat Tirol hatte die erfolgreiche Kommissarin Valerie Mauser im Augenblick noch nicht. Man hatte sie aus Wien hierher ans LKA nach Innsbruck gerufen, weil es einen verzwickten Fall zu lösen gab. An diesem Morgen jedoch, als ein Anruf ihrer Mutter sie ziemlich verkatert aus dem Bett holte, hatte sie einen feucht-fröhlichen Einführungsabend mit Hubertus Freudenschuss, dem Landeshauptmann, hinter sich und startete etwas lädiert in ihren ersten Arbeitstag. Der Fall war sehr brisant, es ging um eine Kindesentführung. Lizah, bei der es sich ausgerechnet um die fünfjährige Tochter des Oligarchenpaares Boris und Janette Marinov handelte, war nach einem Skikurs entführt worden, und die ersten Verhaltensmaßregeln mit Lösegeldforderung war bereits eingegangen.

Die Marinovs waren in der österreichischen High Society bekannt, man behandelte sie auf Grund ihres außergewöhnlichen Vermögens als hochwillkommene Gäste und wertvolle Bereicherung der Tiroler Touristik-Szene. So erhielt Valerie die Order, alle Ermittlungen in absoluter Geheimhaltung und unter dem Siegel lückenloser Verschwiegenheit durchzuführen. Dass solche Methoden in dieser Gesellschaftsschicht nicht absolut erfolgreich sind, sondern statt dessen Vieles verschwiegen wird, was zur Lösung des Verbrechens beitragen könnte, erfuhr die ehrgeizige Ermittlerin recht schnell. Valerie, von ihrem alten Wiener „Mitstreiter“ Stolwerk liebevoll „Veilchen“ genannt, legte sich mit Unerschrockenheit, Intelligenz und schlagfertigem Witz ins Zeug, um Licht in den russischen Sumpf zu bringen. Was dabei zwischen Polizeirevier und Pathologie zu Tage kam, überraschte eine Menge Leute – nicht nur den Leser.

Joe Fischler hat hier sein flüssig geschriebenes Debüt vorgestellt. Wenngleich auch die Geschichte nicht von einer übermässigen Spannung des eigentlichen Kriminalfalls dominiert wird, so bringt doch die authentische, detaillierte Schilderung der Protagonisten und ihr Zusammenwirken absolutes Lesevergnügen. Sei es nun Valeries Mutter Pauline, die, verwitwet und standesbewusst, sich gern noch mit dem Doktortitel des Vaters schmückt und ihre Tochter als „ meine Tulpe“ bezeichnet, sei es der blonde, wuschelhaarige Computerfachmann Jens Schmatz oder der langjährige Freund Manfred Stolwerk, der in hünenhafter Zuverlässigkeit eigentlich immer da ist, wenn man ihn braucht, oder auch eine gewisse Souffleuse, die einen „Stammplatz“ hat und sich gern mit Kritik und Selbstironie in Valeries Angelegenheiten mischt.

So ist der komplette erste Fall des Oberleutnants Mauser, wie Veilchens korrekte Bezeichnung lautet, hervorragend besetzt und lässt absolute Regional-Stimmung aufkommen. Ein Alpenkrimi, dessen Action nicht atemlos macht, der aber zum vergnüglichen Genießen einlädt.

Ich denke, dass diese Tiroler Impressionen Zukunft haben und neue Ermittlungen folgen werden.

Die Freunde des Genres werden Veilchen im Auge behalten.

Bewertung vom 30.11.2014
Limbi
Küstenmacher, Werner 'Tiki'

Limbi


ausgezeichnet

Mein Limbi - das nicht mehr unbekannte Wesen.
Vielleicht geht es vielen Lesern so wie mir. Bisher habe ich mich für alles, was mit mir im Leben passierte, selbst und allein verantwortlich gefühlt. Es sei denn, dass bei genauer Analyse auch das sogenannte "Schicksal" noch eine Rolle spielte, das konnte ich gelten lassen und nahm damit eine gewisse "Unabänderlichkeit" der Dinge nicht gerne aber zwangsläufig hin. Ich lernte mit meinen Emotionen zu leben, sie mehr oder weniger erfolgreich mit meinem Verstand zu koordinieren, was manchmal klappte, viel öfter auch nicht, war hin und her gerissen zwischen Lust und Pflicht, zwischen "du musst" und "du möchtest", schuf meist Situationen, deren Lösung Bergsteiger-Qualitäten von mir forderte und endete oftmals erschöpft im Chaos, total frustriert durch mangelnde Erfolgserlebnisse, unlustig und antriebslos, mit nur einer absolut sicheren Erkenntnis: Dieser Highway ist eine Sackgasse.

Wie sollte ich vor der Lektüre dieses Buches ahnen, dass es "Limbi" gibt, den liebenswerten Helfer in allen Situationen, der mitten in meinem Gehirn, im limbischen System, sein Domizil eingerichtet hat und versucht, aus mir einen glücklichen Menschen zu machen? Eine phantastische Position - ganz oben - somit hat er alles im Blick. Das ist schon ein Punkt für seine Klugheit, und seine Vielseitigkeit ist unbeschreiblich.

Ganz gleich, ob er mir hilft, die Zeit einzuteilen oder das Geld, ob er mir zur Seite steht, wenn ich meine "Laster" ablegen will oder die hundertmal geplanten "Aufräumaktionen" in der Wohnung durchführen möchte. Er hilft, den Alltagstrott in ein Serotonin spendendes Hamsterrad zu verwandeln und weiß Rat, wenn ich Ordnung in meine Liebesbeziehung bringen muss - Limbi ist da. Auch in der Beziehung zu Freunden und solchen, die es leider nicht sind, zeigt dieser pfiffige kleine Kerl seine Stärken, denn in allen wohnt natürlich ebenfalls ein Limbi, mit dem er kommunizieren kann.

Limbi hat mein Leben verändert. Ich habe Hilfe, ich bin nicht mehr allein, wenn's Probleme gibt, ich kenne nun Mittel und Wege, mir mein Limbi nutzbar zu machen und muss nur dann einmal eingreifen, wenn er vielleicht beginnt, mir auf dem Kopf herumzutanzen - so kann er natürlich auch ab und zu mal sein, und das ist ja nur allzu menschlich, oder?

Werner Tiki Küstenmacher hat ein wunderbares Buch geschrieben. Man weiß nicht, welches Genre es bedient, weil es so Vieles in Einem ist. Man wird aufs Amüsanteste unterhalten, vergnügt sich an humorvollem, intellektuellem Witz, ist verzaubert von den liebenswerten "Limbi"- Darstellungen, die in zahlreichen gekonnten Skizzen über alle nahezu vierhundert Seiten die verschiedensten Situationen anschaulich gestalten. Ebenso aber hat dieses Werk wirklichen Sachbuch-Charakter, in dem es eine Unmenge praktischer Tipps zur Alltagsbewältigung und Erläuterungen zu menschlichen Verhaltensweisen aufzeigt. Dies ist so ein Buch, das neben uns auf den Tisch gehört, mit einer Menge Lesezeichen ausgerüstet sein sollte, sodass man schnell bei den wichtigsten Punkten nachschlagen kann, wenn man wieder einmal kopfschüttelnd vor sich (oder seinem Limbi) steht.

Von mir eine absolute Leseempfehlung und ein humorvoll gemeinter Vorschlag für die Ärzteschaft: Vielleicht hilft es einigen Patienten schon, wenn man ihnen dieses Buch verschreibt.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.10.2014
Kaiser, Kraut und Kiberer
Loibelsberger, Gerhard

Kaiser, Kraut und Kiberer


ausgezeichnet

Grenzenlose Mordgeschichten.
Die neuen Mordgeschichten des Autors Gerhard Loibelsberger, die einen Zeitbogen über die ersten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts schlagen, spielen sich diesmal recht "international" ab - die Ermittlungen führen nicht nur ins alte Wien sondern ebenso nach Freiburg und ins romantische Venedig. Wieder einmal lässt er seine spannenden Kriminalstorys mit viel Lokalkolorit vor interessanten Hintergründen ablaufen, eingebunden in interessante Milieustudien, die mit vielen typischen Wiener Ausdrücken untermalt sind und daher ungemein authentisch wirken. Natürlich hat er - eingedenk des Lesers Unkenntnis - ausreichend Fußnoten angefügt und ein Glossar hintangestellt, sodass dem Verständnis der deftigen Sprache nichts im Wege steht.

Der Kommissar Joseph Maria Nechyba ist eine wunderbar charaktervolle Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, mit einer glücklichen Beziehung zu seiner geliebten Aurelia und einer Vorliebe für landestypische Gerichte, die er sich genussvoll und ausführlich zu Gemüte führt, nicht ohne sie mit den dazu passenden, köstlich-frischen Getränken zu flankieren.

Seine Ermittlungsmethoden sind ausgefallen, nicht zimperlich in der Ausführung und ungemein erfolgreich in ihrer Wirkung. Ganz gleich, ob er in einer Einbruchssache beim Juwelier Löwenstein ermittelt und über der Suche nach dem Mörder des Bernhardiners Max seine Krautrouladen im Ofen vergisst oder aus dem Fenster seines Lieblingscafés Aloysius von Schönthal-Schrattenbach erblickt. Da hält den Polizisten Nechyba gar nichts mehr. Nicht seine Freunde Leo Goldbach, Scharfrichter Lang oder der Cafétier Kratochwilla, noch seine geliebten Tarock Karten. Hier ruft die Pflicht und lässt ihn hinterher eilen. Auch wenn er den Täter dank widriger Transportmittel nicht zu fassen bekommt, und die Fluten des Donaukanals das Urteil über Aloysius sprechen müssen - seinen Hut stromabwärts strudeln zu sehen kann auch Genugtuung für einen Polizisten sein. Selbst die verspätete Hochzeitsreise nach Venedig lässt den mitreisenden Leser schmunzeln, wenn mitten am Rialto zwei Wiener auf zwei Berliner treffen, mit denen man zwar keine Buletten aber "Nudeln mit Tunke" essen kann. Originell und "loibelsbergerisch".

In Nechyba zeichnet er hier einen einmaligen, ausgefallenen "Kiberer", den der Leser so schnell nicht vergessen wird - ebenso wenig wie die ihn umgebenden Protagonisten, die ausnahmslos typvoll und authentisch wirken.

Dynamik und Lokalkolorit machen solche Wiener Impressionen zu einer besonderen "Krimi-Delikatesse".

Wieder möchte ich - ebenso wie für den "Todeswalzer" - gerne alle Sterne vergeben und mich für den exzellenten wienerischen Lesegenuss bedanken.

Bewertung vom 13.10.2014
Die Reise des Elefantengottes
Rösler, Beate

Die Reise des Elefantengottes


ausgezeichnet

Alle Antworten liegen in deinen Wurzeln.
Beinahe vierzig Jahre alt musste Priyanka werden, bevor sie die Heimat ihrer Mutter Asha kennenlernen durfte. Es war eine Reise zu ihren Wurzeln, zu ihrer unbekannten indischen Herkunft, in das Land ihrer Familie, die laut Erzählungen ihrer Mutter bei einer Epidemie ums Leben gekommen war. Ihr Ehemann Marc hatte ihr damit ein Geburtstagsgeschenk gemacht, von dem sie nicht recht wusste, ob sie sich darüber freuen sollte. Sie trug Ängste und Vorbehalte in sich, zögerte, den Flug in die fremde Welt allein anzutreten, da weder Ihr erwachsener Sohn Felix noch ihr Ehemann Marc sie begleiten würden. Auch ihre Freundin Julia wollte daheim bleiben, um zurück in ihre Ehe zu finden. Nur Ganesha, der Elefantengott, ein Glücksbringer, der ihre Mutter Ende der 60ziger Jahre begleitete, als sie mit Priyankas Vater Karl nach Deutschland kam, würde die Reise mit ihr antreten. Karl war als Student einige Zeit in Indien gewesen, hatte sich dort in Asha verliebt und sie mit nachhause genommen. Asha hatte nie viel über ihre Heimat gesprochen, sie war depressiv und in sich verschlossen seit Karl viel zu früh verstorben war und sie mit der erst vierzehn Jahre alten Tochter allein blieb. Priyanke kümmerte sich liebevoll um die Mutter, vermochte jedoch nie zu entschlüsseln, was die Mutter belastete und unglücklich machte, viele Fragen, die sie hatte, fanden keine Auflösung in deren Schweigsamkeit. Auch ihre Ehe mit Marc hatte die erfüllende Intensität verloren und war nicht mehr der Brunnen, aus dem sie neue Kräfte schöpfen konnte und auf eine ernüchternde Weise hatte ihre Zweisamkeit den Glanz verloren.

So reiste sie mit ihrem Flugticket in eine Welt, die sowohl Vergangenheit als auch Zukunft für sie sein konnte. Mit offenen Augen, sehnsüchtiger Wissbegier und empfindsamer Seele begegnete sie dieser geheimnisvollen Fremde, die so bunt und vielfältig auf sie wartete und Einblick in andere Kulturen, Gesetze und moralische Aspekte gab. Neu-Delhi mit seiner quirligen, gewürzgeschwängerten, heiß pulsierenden Atmosphäre nahm sie gefangen und veränderte ihr Wesen, erschreckende Machenschaften, die sich ihr offenbarten, halfen ihr, zu erstarken, machten sie selbstbewusst und frei, fähig, sich den Geheimnissen ihrer Familie zu stellen und ihre eigenen Probleme zu lösen.

Würde sie nach Deutschland zurückkehren und mit Marc einen neuen Weg beschreiten können oder lag ihre Zukunft im Land ihrer Vorfahren, in dem Ganesha die Menschen beschützt?

Vor mir liegt ein wunderbarer Debütroman von Beate Rösler. Ein rundherum stimmiges Werk, angefangen mit dem liebevoll gestalteten Cover über den flüssigen, reichhaltigen Sprachstil bis hin zu den authentischen Protagonisten und der faszinierend bunten Vielfalt eines geheimnisvollen, unbekannten Landes mit fremdem Brauchtum und anderer Kultur. Emotionell, spannungsgeladen und voll menschlicher Wärme, eingebunden in einen Rahmen landschaftlicher und politischer Informationen, erzählt Beate Rösler die Geschichte Ashas und ihrer Tochter Priyanka - zweier Frauen - deren beider Schicksal von den Schatten der Vergangenheit belastet wird, bis ein mutiger Schritt Priyankas Aufklärung bringt und die Chance für einen neuen Anfang schafft. Es ist eine Zeit der Wandlung, der Veränderung und Orientierung, eine Aufarbeitung von Versäumtem und Erlittenem, eine Besinnung auf sich selbst und alles was bedeutsam ist.

Mit engagierter Aufmerksamkeit und voller Empathie taucht der Leser ein in diesen gefühlvollen, berührenden Roman, der ihm eine ausgefallene Palette schriftstellerischen Könnens bietet, die ihn auf farbigen Flügeln in eine andere Welt zu tragen vermag.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.10.2014
Das Flüstern der Stadt / Ana Martí Bd.1
Ribas, Rosa; Hofmann, Sabine

Das Flüstern der Stadt / Ana Martí Bd.1


ausgezeichnet

Ana Marti, eine junge, engagierte Journalistin der Tageszeitung "La "Vanguardía" hat lange auf eine solche Chance gewartet, immer darauf gehofft, einen wichtigen Bericht unter eigenem Namen veröffentlichen zu dürfen, was meist nur ihrem etablierten Kollegen Carlos Belda vergönnt war, der - im Moment nicht einsatzfähig - diesmal unfreiwillig zurücktreten muss. So erhält Ana von ihrem Chef Mateo Sanvisens den Auftrag über den Tod Mariona Sobrerrocas zu berichten. Die augenscheinlich Ermordete ist die Ehefrau des vor zwei Jahren verstorbenen Arztes Jerónimo Garmendías und eine der glitzernden Gestalten der Gesellschaft Barcelonas, die nun blond und tot in ihrer prächtigen Villa am Tibidabo liegt. Selbstverständlich ist die Tote ein Begriff für Ana, gab es doch kaum ein Ereignis von Bedeutung, an dem Mariona nicht teilnahm, kaum einen gesellschaftlichen Bericht in der Presse, in dem sie nicht erwähnt wurde und eine strahlende Hauptrolle spielte - und nun wurde sie von ihrem Dienstmädchen Carmen Alonsa ermordet aufgefunden - stranguliert, den schönen Körper von Schlägen gezeichnet.
Nicht nur aus diesem Grund ist der Bericht über den Todesfall etwas Besonderes. Ein Ring von Verschleierung und Heimlichkeit legt sich um diesen Mord, von höherer Stelle scheint man an einer Vertuschung des Verbrechens interessiert zu sein und großen Wert darauf zu legen, das Tatmotiv und die Identität des Täters im Dunkel zu lassen. Hat man deshalb die "La Vanguardía" für einen Exclusiv-Artikel gewählt, weil man glaubt, die Berichterstattung hier manipulieren zu können?
Ana braucht Hilfe und wendet sich mit ihren Bedenken an ihre Cousine Beatriz, eine bekannte Philologin, der unter dem Franco-Regime Berufsverbot erteilt wurde. Deren Stärken in Literatur, Schrift - und Sprachenkunde erweisen sich als ungeheuer hilfreich, versteckten Hinweise zu folgen und auf eigene Faust Ermittlungen zu betreiben, die zur Aufklärung verbrecherischer Seilschaften führen könnten. Aber sie hat unbekannte Gegner, die über alles informiert sind, die gewissenlos und ohne Skrupel im Hintergrund agieren und nicht nur die beiden Frauen in tödliche Gefahr bringen....
Welcher dieser mächtigen Feinde hat soviel Angst vor Enthüllung, dass er zu kaltblütigen Morden fähig ist? Kommt er vielleicht aus ihren eigenen Reihen?

Die beiden Autorinnen Rosa Ribas und Sabine Hofmann haben einen interessanten, spannenden Roman geschrieben, der den Leser in die fünfziger Jahre, in die Zeiten des Franco-Regimes führt. Aufbauend auf einen spektakulären, undurchsichtigen Mord, der sich in einem der prachtvollen Herrenhäuser Barcelonas ereignet, entwickelt sich die Geschichte zu einem Zeitbild der Epoche mit interessanten Protagonisten. Ein ungewöhnliches Ermittler-Duo in Gestalt der Journalistin Ana und ihrer Cousine, der Philologin Beatriz, verfolgt mit Intuition und Intelligenz ungewöhnliche Spuren zur Entlarvung höchstangesiedelter, verbrecherischer Machenschaften in Barcelonas düsterem Zwielicht einer zweifelhaften Moral.
Faszinierend sind die atmosphärische Dichte und der stetig ansteigende Spannungsbogen des Buches, das die kriminalistischen Aspekte nahezu unterschwellig aber dafür umso nachhaltiger und klug umzusetzen vermag.
Meiner Meinung nach ist dies ein ungewöhnliches, aus dem Rahmen fallendes Buch, das ich mit dem allergrößten Vergnügen gelesen habe - und das nicht nur, weil ich eine Liebhaberin besonderer Kriminalfälle bin.
Das Zusammenwirken beider Autorinnen ist für mich ein literarischer Glücksgriff.

Bewertung vom 26.08.2014
Duden: Zi-Za-Zappelfinger Mein erstes Fingerspielbuch
Häfner, Carla

Duden: Zi-Za-Zappelfinger Mein erstes Fingerspielbuch


ausgezeichnet

Das kleine Buch für Senkrechtstarter.

Eine wunderschöne, kleine Neuerscheinung auf dem Büchermarkt ist
Zi-Za-Zappelfinger - ein Fingerspielbuch für die Kleinen, das 2014 beim Fischer Duden Kinderbuch im Fischer Verlag in Frankfurt erschienen ist.
Verantwortlich für die Illustrationen zeigt sich Martina Kohl, getextet hat Dr. Carla Häfner dieses Kinderbuch für den Lebensabschnitt vom 12. Monat an.

In strapazierfähiger Aufmachung, das heißt, mit festem glattem Karton, der auch patschende Kinderhände nicht verübelt und einem fröhlichen Cover, das schon sofort mit der ersten Finger - Zappelei aufwartet, findet dieses hübsche Spiel- und -Lernbuch seinen direkten Weg in die Kinderherzen und wird im Nu zur "Lieblingslektüre".

Die einfachen, schnell in Kinderohren nachklingenden Verse vermitteln erste Worte, die sich zur Wiederholung anbieten und die schwungvollen, farbenfrohen, aufs Wesentliche beschränkten Bilder lassen sich von Kinderaugen leicht und nachhaltig erfassen und mit den Texten und Aktionen verbinden.

Insgesamt ist hier aus allen Komponenten eine hervorragende Spiel - und Lerneinheit geworden, mit der sich ein Kind lange vergnüglich beschäftigen kann. Beim Spiel wird das Wissen um Formen, Farben und Namen erweitert als auch in sich steigernder Weise (von 1 bis 3) die geschickte Motorik der Finger trainiert.

Hier wurde in allen Belangen mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Für mich ist dies Buch eine empfehlenswerte Beigabe zum "Starterkit" in der Rubrik "Erste Lektüre"

Bewertung vom 30.06.2014
Mord & Schokolade
Zotzmann-Koch, Klaudia

Mord & Schokolade


sehr gut

Verführerische Düfte von frisch gebrühten Kaffee-Spezialitäten und phantasievollen Schokolade-Creationen, die aus dem "Bittersweet" herüberwehten, standen in krassem Gegensatz zu dem schrecklichen Fund, den Bischof Martin Anselm auf den Stufen zur Krypta seines prachtvollen Doms in Hildesheim gemacht hatte.

Christian Albert, der Leiter der Jugendgruppen und momentan auch emsiger Helfer auf der Dombaustelle, lag erschlagen am Boden. Verdächtige gab es genug. Durch die Ausgrabungen im Mariendom war täglich ein vielköpfiges Studenten-Team unter Leitung des Archäologen Professor Schmid zugegen, städtische Beamte und Angestellte des Klerus versahen ihren Dienst und beaufsichtigten die Arbeiten. Außerdem war es mit Christians Ehefrau Rita zu einem heftigen Streit gekommen, in dem sie ihm Ehebruch vorwarf und er sich vehement gegen ihre Scheidungsgedanken wehren musste. War eine Kurzschluss-Handlung die Folge oder wer hatte ein greifbares Motiv? Wilhelm Brandt, der Gerichtsmediziner und die Kommissare Brunner und Müller nahmen die Recherchen auf und stießen auf einen ungewöhnlichen Hinweis. In der Tasche des Toten steckte ein knisterndes Schokoladenpapier aus dem "Bittersweet", jenem kleinen Geschäft für Schokolade und Kaffee, das Paula Anders im traditionsreichen Fachwerkhaus, dem "Umgestülpten Zuckerhut" in bester Lage Hildesheims eröffnet hatte. So erhielt der ermittelnde Polizist Volker Müller, der seit wenigen Stunden auch geschiedener Exmann von Paulas Nichte Susi war, nicht nur wertvolle Infos über allerlei verführerische Köstlichkeiten sondern auch versteckte Hinweise zu Motiven und Tätern, die er nicht für möglich gehalten hätte. Und damit wurde klar, dass es nicht bei diesem einen Verbrechen bleiben würde, wenn man den Mörder nicht entlarvte, für den so viel auf dem Spiel stand. Und der würde erst Halt machen, wenn niemand mehr seine Identität verraten könnte. Nur - wer konnte es sein in diesem Verwirrspiel- denn Identititäts-Geheimnisse hat hier so mancher......

Die Autorin hat hier ein hübsches, ungewöhnliches Debüt geschrieben, in dem sie Spannung und Entspannung zu einer recht vergnüglichen Geschichte vermischt.

So eine Leiche auf den Stufen zur Dom-Krypta bringt natürlich ein bisschen Grusel herüber, der allerdings in einem duftenden Mix von kostbarem Kaffee und exotisch zubereiteten Kakao - und Schokoladekombinationen nur eine relativ unscheinbare Gänsehaut hervorruft. Die Geschichten um Paula und ihr Spezialitäten-Lädchen im alten Fachwerkhaus, um Dufterlebnisse und Geschmacksempfindungen oder ausgeklügelte Zubereitungstechniken dieser schokoladigen Seelentröster bilden meines Erachtens nach den Kernpunkt des Romans und werden auch durch den Blick auf einen abtrünnigen Priester und den hier wankenden Klerus nicht erheblich beeinträchtigt. Die kleine Truppe um Paula Anders ist sympathisch und authentisch, bewältigt die Unbillen des Schicksals mit zahlreichen "hauseigenen" Getränken und steuert dann versöhnt und erleichtert auf einem restaurierten "Coffee-Truck" in Richtung Zukunft.

Flüssig geschrieben, mit ein paar menschlichen Schwächen garniert, die so ins Licht treten, dass auch der Leser sie als "läßlich" bewertet, ist das Buch eine unterhaltsame Lektüre, die einige Stunden recht netten Lesespass verspricht, wobei es dem eingefleischten Krimileser mit hoher Spannungserwartung nicht unbedingt empfohlen sein sollte.

Bewertung vom 20.06.2014
Kiellinie / Kommissarin Sanders Bd.1
Svensson, Angelika

Kiellinie / Kommissarin Sanders Bd.1


ausgezeichnet

Grotesker konnte ein Auftakt zur berühmten Kieler Woche nicht sein als mit dieser Meldung über einen grausigen Leichenfund. Zwei Segler entdecken die junge Frau - brutal zusammengeschlagen und zu Tode getreten - zwischen Müllcontainern an der Kieler Förde.

Die Kriminalhauptkommissarin Lisa Sanders wird von einem Fall in Sylt abgezogen und mit den Ermittlungen betraut. Sie stellt beim Eintreffen in Kiel voll Entsetzen fest, dass es sich um Kerstin, die Tochter ihres ehemaligen Geliebten Horst Wiesner handelt. Aber wer kann das Mädchen so zugerichtet haben, was für ein Motiv kann einem so grausamen Mord vorangehen? Liegen die Ursprünge in der Vergangenheit, hängen sie vielleicht mit der Zeit zusammen, die Kerstin in den USA verbracht hat? Sie hatte als Zwölfjährige ihr Elternhaus verlassen und war erst vor kurzer Zeit zurückgekehrt.

Obwohl ihre Kollegen sie für befangen halten, nimmt Lisa Sanders die Ermittlungen auf und entdeckt im Laufe ihrer Recherchen unglaubliche Dinge, die sie nicht für möglich gehalten hatte. Der Oberstaatsanwalt Dr. Thomas von Ferbach, der selbst ein kompliziertes Privatleben führt und erst kürzlich seine Frau Eva verlor, begegnet ihr mit Arroganz und unkollegialer Schroffheit, sodass Lisa keinerlei Hilfe von ihm erwarten kann. Hat auch er ein Geheimnis, dass sich hinter seiner Unnahbarkeit versteckt? Je weiter die junge Ermittlerin kommt, desto mehr neue Fährten zeigen sich und führen wieder in die Irre, sodass sie letztendlich ein raffiniertes, kriminalistisches Puzzle vor sich hat, dessen Lösung Erschreckendes offenbart.

Angelika Svenssons Debüt ist ein turbulenter Kriminalroman. Er hat eigentlich von Vielem etwas, angefangen mit den interessanten Informationen zur Kieler Woche bis hin zur Fülle von ausgefallenen, originellen und besonderen Protagonisten mit "Komplikations-Hintergrund", die dem Roman Leben und Spannung verleihen. Recht viel Menschlichkeit ist dort eingebaut, wo sonst eigentlich nur berufliches Schema erwartet wird und markante Schwächen zeigen sich in Charakteren, deren Hauptmerkmale im Allgemeinen "coolness" und Stärke sind. Das macht die story persönlicher, bringt sie näher an den Leser heran, lässt die darin agierenden Personen schnell vertraut und unverwechselbar werden - obwohl es eine recht zahlreiche Besetzung ist, die man zur Erleichterung für den ein oder anderen Leser auch zusammengefaßt in einem Register hätte voranstellen können.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gewandt, der Spannungsbogen hält sich recht gut, wenn auch im Spagat zwischen Krimi und Roman, was sich hier allerdings nicht nachteilig auswirkt, da im Verlauf der Geschichte genug Potential eingearbeitet wird.

Ich empfinde dieses Debüt als recht gelungen und glaube, dass auch die Folge-Romane mit unterhaltsamer Lesekost aufwarten werden.

So weiß wie man sich die flatternden Segel der Kieler Woche vorstellt - so weiß bleibt hier manche Weste nicht - und darüber zu lesen war für mich entspannend und genussvoll.