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Aarany
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Passionierte Leseratte

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Insgesamt 197 Bewertungen
Bewertung vom 01.12.2025
Fast, Brooke

To Cage a Wild Bird (eBook, ePUB)


sehr gut

Überlebenswille


Cover & Klappentext
Das Buch wäre mir beinahe entgangen, weil ich aufgrund des Covers einen anderen Eindruck vom Inhalt des Buches hatte. Da half auch die Signalfarbe nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass es zum Inhalt passt und mir durchaus gefällt.
Letztendlich waren es der Titel und der Klappentext, die meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben.


Meinung
In Dividium gibt es für jedes Verbrechen nur eine Strafe, lebenslange Haft. Ein beliebter Sport der Oberschicht besteht darin, ausgewählte Insassen zu jagen und zu töten.
Als Ravens Bruder verhaftet wird, simuliert sie einen Diebstahl, um ebenfalls nach Endlock zu kommen. Ihr Ziel: Jed befreien. Doch ist das alles andere als leicht, da sie als Kopfgeldjägerin viele der Insassen zu verantworten hat. Unerwartete Hilfe erhält sie von einem der Wärter, der schnell ihre Gefühle durcheinanderbringt. Dabei kann sie keine Ablenkung gebrauchen, ist ihr Leben in Endlock doch rund um die Uhr in Gefahr.

Aus der Sicht von Raven wird man durch das Geschehen geführt. Das macht es einfacher, sie zu verstehen. Das ist notwendig, denn sie ist ein komplexer Charakter. Aufgewachsen im unteren Sektor war sie schnell allein für ihren Bruder verantwortlich und hat sich deshalb als Kopfgeldjägerin verdingt. Eine Tätigkeit, die das Essen bezahlt, aber ihr ansonsten nur Verachtung entgegenbringt. Aus diesem Grund macht sie einen eher härteren Eindruck. Ihre wahren Gefühle versteckt sie hinter Sarkasmus.

Der Einstieg ist mir recht leichtgefallen, denn man wird sofort ins Geschehen geworfen. Und so ging es auch im Verlauf weiter.
Die Autorin hat ein überwiegend schnelles Tempo gewählt, um die spannenden Szenen zu befeuern. Das machte das Buch zu einem wahren Pageturner. Allerdings gab es auch sanftere Szenen, die andere Emotionen vermittelten.
Diese wurden besonders zwischen Raven, ihrem Bruder und anderen Insassen deutlich. Doch auch Vale, einer der Wärter, lässt ihre Maske fallen. Wobei ich hier nicht unbedingt von Enemies-to-Lovers sprechen würde. Ja, sie gehören unterschiedlichen Schichten an, aber die Zuneigung hat stets über die Abneigung gesiegt.

Der Schreibstil ist temporeich, geschmeidig und plastisch. Manchmal verlor sich die Autorin ein wenig in Erklärungen, sodass es zu einigen Längen kam, aber die sind zu vernachlässigen. Auch über die meiner Meinung nach etwas konstruierte erste Begegnung zwischen Raven und Vale lässt sich ignorieren, denn in Endlock geht es richtig zur Sache. Es ist nichts für zarte Gemüter.
Für den zusätzlichen Kick sorgen ein paar überraschende Wendungen, wobei ich sagen muss, dass hier Potenzial verschwendet wurde. Vieles war zu vorhersehbar, was nicht hätte sein müssen.

Der Band endet mit einem kleinen Cliffhanger, aber auch ohne wäre ich gespannt, wie es weitergeht.

Insgesamt ist dieses Buch eines meiner Lesehighlights. Nicht nur, weil es mir beinahe entgangen wäre. Es überzeugt schlichtweg. Nicht nur Raven und Vale konnten bei mir punkten. Es sind auch die anderen Charaktere, die keineswegs nur blass und farblos blieben. Es sind die Kleinigkeiten. Es ist der Überlebenswille, der in diesem Fall Ravens wahres Ich zum Vorschein bringt. Es ist die Freundschaft. Es ist die Zuneigung. Es ist die Hoffnung. Es ist der Mut.
Ja, die Charaktere straucheln, aber sie stehen immer wieder auf.


Fazit
Dieser dystopische Fantasy-Roman mit den Hunger-Games-Vibes ist pure Unterhaltung.
Für einen ersten Band überzeugt er durch seine Handlung. Man muss nicht lange darauf warten, bis etwas passiert, sondern wird sofort mitgerissen. Widerstand zwecklos.

Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 28.11.2025
Ross, Rebecca

Wild Reverence (eBook, ePUB)


gut

Atmosphärisch

Cover & Klappentext
Das Cover ist ein wahrer Blickfang. Die Nähe der beiden Hauptprotagonisten ist hier schon spürbar. Kurzum, ein Traum und passend zur Story gestaltet.

Der Klappentext war der ausschlaggebende Punkt, das Buch zu lesen.


Meinung
Das Buch ist das Prequel zu DIVINE RIVALS, deswegen bin ich das Risiko eingegangen, diesen Band zu lesen, obwohl ich die zuvor erschienene Dilogie nicht kenne. Jetzt, nach dieser Story, bin ich nicht sicher, ob ich mich damit auseinandersetzen werde.

Der Einstieg in das Geschehen gelang mir ohne Probleme. Das Tempo ist recht gemächlich, was sich durch das gesamte Buch zieht. Dadurch wirkt es atmosphärisch, was sich auch im Schreibstil widerspiegelt. Er ist außergewöhnlich und hat mir auf Anhieb gefallen. Vielleicht muss sich der ein oder andere erst daran gewöhnen. Die Autorin setzt auf eine Mischung aus altertümlich, durchsetzt mit einer Nuance Leichtigkeit. Das passt toll zum Inhalt.

Mathilda ist eine Besonderheit. Sie wächst sehr behütet auf, weil ihre Macht als Heroldin kaum nennenswert ist. Deshalb wird sie von Balde ausgebildet.
Der Kontakt zu anderen Gottheiten ist eher eingeschränkt. Es gibt nur wenige, denen sie vertrauen kann.
Von Alva, der Göttin der Träume und Albträume, erhält sie Träume von Sterblichen. Darunter auch Vincent. Seine Träume haben sie besonders angesprochen, besonders als sie plötzlich darin auftaucht, obwohl sie sich noch nie begegnet sind.

Dieses Buch beinhaltet viele Charaktere, die erst einmal zugeordnet werden müssen. Vielleicht war ich im Nachteil, eben weil ich DIVINE RIVALS nicht gelesen habe, aber trotzdem kam ich klar. Leider weisen nicht alle ein starke Präsenz auf, obwohl es meiner Meinung nach teilweise notwendig gewesen wäre. Das trifft besonders auf Vincent zu, der ein wenig unterging. Damit ist die Zuneigung zwischen den beiden für mich weniger glaubwürdig gewesen, weil mir die Tiefe gefehlt hat.
Schade, denn die Idee hat mich sofort überzeugt.

Wie schon erwähnt, ist das Tempo eher langsam. Das ist regulär kein Problem, wenn man auf leise Töne setzt. Damit können intensive Emotionen übertragen werden. Obwohl das zurückhaltende Tempo toll zu Mathilda passt, hätte der Geschichte mehr Varianz gutgetan. So hätte man die Spannung verstärken können. Stattdessen kam es zu einigen Längen.

Insgesamt konnte mich Wild Reverence nicht so recht begeistern, was mich erstaunt, denn normalerweise entspricht der Inhalt genau meinem Geschmack.


Fazit
Eine interessante Geschichte mit außergewöhnlichen Göttern und einer schicksalbehafteten Romanze, die schöne Momente aufweist.
Ich gehe davon aus, dass all jene, die DIVINE RIVALS mochten, auch hier glücklich werden, aber man muss es nicht unbedingt kennen, ist also ohne Vorkenntnis lesbar.

Von mir gibt es drei von fünf Sternen.

Bewertung vom 28.11.2025
Doyle, Catherine

The Dagger and the Flame (eBook, ePUB)


sehr gut

Lightfire vs. Shade


Cover & Klappentext
Das Cover hat mich zwar auf das Buch aufmerksam gemacht, aber so richtig sagt es mir nicht zu, auch wenn die abgebildeten Komponenten zum Buch passen. Es ist eher ein Gefühl, was es vermittelt, das ich nicht ganz mit der Handlung in Zusammenhang bringe.
Dafür konnte der Klappentext bei mir punkten, obwohl in der Story weitaus mehr steckt, als er erkennen lässt.


Meinung
Das Buch ist in der personalen Erzählform geschrieben und wechselt zwischen den beiden Hauptprotagonisten Seraphine und Ransom. Um sie dreht sich das Geschehen, wobei der Fokus ein wenig mehr auf Sera liegt.
Der Einstieg gelingt recht leicht, weil die Autorin einen blumigen Schreibstil hat. Ihre Vergleiche transportieren Farben, die die düstere Stimmung, die im Verlauf oft vorherrscht, auflockert. Dabei bedient sie sich auch lebenslustigen Nebencharakteren. Das Word-Building hat mir sehr gefallen, weil es eine gewisse Leichtigkeit verleiht, sodass die schweren Emotionen einigermaßen erträglich waren. Außerdem passte das Tempo gut, sodass selten Längen entstanden.

Seraphine lebt mit ihrer Mutter in einer Talebene, wo sie Shade abfüllen. Mit diesem Pulver zementieren die beiden vorherrschenden, verfeindeten Gilden ihre Macht. Dagger und Cloaks. Während erstere ihr Leben mit Auftragsmorden verdingen, stehlen die Cloaks lediglich.
Als Seras Mutter ermordet wird, flieht sie zu den Cloaks und schwört Rache an dem Oberhaupt der Dagger. Daran kann auch Ransom nichts ändern, der auf sie angesetzt wurde, jedoch Gefallen an ihr findet.

Sera wirkte anfangs auf mich ein wenig naiv, zumindest was ihre Mutter betrifft. In ihren Augen war sie ein guter Mensch und unfehlbar. Das ist aber nachvollziehbar, sehen doch die meisten Kinder in ihren Eltern Helden. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Nach deren Tod ändert sich einiges, so auch Sera. Ihr Wunsch nach Rache treibt sie an, trotzdem verliert sie sich nicht darin, was mich beeindruckt hat. Ihre Werte behält sie bei, ebenso ihr angenehmes Wesen. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht einstecken und austeilen kann. Kurzum, mir war mir sympathisch und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.
Bei Ransom herrscht das Verständnis vor. Man lernt ihn recht schnell kennen und erfährt, warum er bei den Dagger gelandet ist. Deswegen konnte ich persönlich darüber hinwegsehen, dass er als Assassine seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Die Idee hat mir sehr gefallen, obwohl sie klassisch aufgebaut ist. Gut gegen böse. Schatten gegen Licht. Die Gegensätze herrschen vor. Das macht in meinen Augen eine unterhaltsame Geschichte aus. Doch es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, was die Autorin auch nicht vergessen hat. Schon allein dafür verdient sie einen Stern.

Leider blieben andere Dinge etwas auf der Strecke. Überraschende Wendungen sind eher rar gesät, obwohl sie der Story gutgetan hätten. Des Weiteren wurden die Schlüsselszenen meiner Meinung nach nicht ausreichend ausgearbeitet. Dabei läuten sie unter anderem Wendungen ein, nehmen etwas das Tempo raus und verstärken Emotionen.

Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie es in Band zwei weitergeht.


Fazit
Ein unterhaltsamer erster Teil von Die Gilden von Fantome, in dem die Autorin mit interessanten Charakteren brilliert, die über sich hinauswachsen. Ihre Entwicklung war beispielhaft.
Während die Spannung beinahe permanent präsent war, gingen auch die zarten Gefühle zwischen den beiden Hauptprotagonisten nicht unter, die entsprechend der Handlung nur langsam erblühten. So wurde es umso glaubwürdiger.

Mich hat die Story überzeugt, weshalb ich vier von fünf Sternen gebe und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 28.11.2025
Safran, Annina

Bearbind Lyceum - Thilda (eBook, ePUB)


gut

Blutschande


Cover & Klappentext
Das Cover ist zu düster, um wirklich aufzufallen. Ja, die Darstellung und Farben passen gut zur Story, treffen aber nicht meinen Geschmack.
Dafür konnte der Klappentext bei mir punkten.


Meinung
Thilda wird gegen ihren Willen auf das Bearbind Lyceum geschickt, ein Internat, das ihre verhasste Stiefmutter einst besuchte. Anstatt dort willkommen geheißen zu werden, schlagen ihr nur Abneigung und Hass entgegen. Zudem erinnert der Ort an eine antiquierte Benimmschule, die sich zudem mit Hexerei beschäftigt. Und als wäre das alles nicht genug, offenbart sich Thilda ihr Schutzgeist, ein Dämon, der ihr schon seit Jahren hilfreich zur Seite steht.
Recht schnell erschließt sich Thilda, woher das ablehnende Verhalten aller Anwesenden kommt, doch ist sie wirklich so allein, wie sie zu sein glaubt?

Aus der Sicht von Thilda wird man durch das Geschehen geführt und findet sich auch recht schnell zurecht.
Der Anfang erinnert an Aschenputtel, was sich aber schnell verflüchtigt, als Thilda auf das Internat kommt, das stark überholt wirkt. Die Methoden dort sind teilweise brutal, sodass mein Mitleid mit Thilda überwog, obwohl ich Schwierigkeiten hatte, mit ihr warm zu werden. Mit ihren sechzehn Jahren ist sie ganz klar ein Teenager. Also ist es dem Autor beziehungsweise der Autorin überlassen, wie sie angelegt wird. Hier findet sich noch viel Naivität und Ängstlichkeit. Das ist nicht weiter schlimm, wenn ihre Veränderung, die unter diesen Umständen definitiv vonstattengeht, auch übertragen wird. Das ging bei mir etwas unter, wenn man bedenkt, wie wütend Thilda teilweise war. Und gerade in dem Alter regt sich vielleicht auch Trotz, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Den Schreibstil würde ich als solide bezeichnen. Er ist recht einfach gehalten, aber durchaus flüssig. Nur neigt die Autorin zu einigen Ausschweifungen, was diverse Längen begünstigte. Dazu kommt das eher gemächliche Tempo, was sich durch die gesamte Story zog. Natürlich finden sich auch Höhepunkte, die aber schnell abgehandelt wurden. In meinen Augen zu schnell. Andernfalls hätte das Spannungslevel erhöht werden können.

Überzeugt haben mich ein paar Nebencharaktere, sogar beeindruckt. Deshalb konnte ich über ein paar Ungenauigkeiten hinwegsehen.

Das Ende wiederum war für mich etwas zu abrupt und unbefriedigend, wenn auch verständlich.


Fazit
Trotz der erwähnten Punkte, unterhält die Geschichte durchaus. Aufgrund der Einzel-Sichtweise verbindet man sich stärker mit der Hauptprotagonistin und versteht ihre Handlungsweise. Ab dem Zeitpunkt, als die übernatürlich Faktoren ins Spiel kamen, tauchte ich tiefer in die Geschichte ein und fieberte mit Thilda mit.

Ich vergebe drei von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 25.11.2025
Fae, Layla

Devil's Deal / Jaga und der Teufel Bd.1 (eBook, ePUB)


gut

Ausgrenzung

Cover & Klappentext
Das Cover hat mich sofort für sich eingenommen. Es ist düster, unheilvoll und entspricht der Story.
Da ich von der Autorin noch nichts gelesen habe, war für mich letztendlich auch der Klappentext ausschlaggebend.


Meinung
Der Einstieg in das Geschehen ist recht geschmeidig. Besonders wegen Jagas Stimme, die der Story ihre Stimme leiht. Jaga wird in ihrem Dorf gemieden und ausgegrenzt. Die Ältesten lauern darauf, sie als Hexe zu entlarven. Aber allein im Wald, wo es unheilvolle Wesen gibt, will sie auch nicht leben. Trotz ihrer Ängste weiß Jaga, sich durchzusetzen. Sie lässt sich nichts gefallen, auch nicht von Woland, der sie für sich beanspruchen will.

Inspiriert von der slawischen Mythologie war ich anfangs etwas eingeschüchtert von den vielen Namen, deren Zuordnung nicht immer einfach war. Manchmal wurde es erklärt, manchmal war der Sinn ersichtlich, aber manchmal wurde es erst im Verlauf erklärt. Ich muss zugeben, dass ich unmittelbar nach dem Einstieg meine Schwierigkeiten mit der Geschichte hatte. Einiges wirkte auf mich etwas schräg und seltsam. Erst als ich richtig in der Handlung war, habe ich Gefallen an dem außergewöhnlichen Plot gefunden. Man muss sich wirklich darauf einlassen.

Der Schreibstil ist für mich ein deutlicher Kritikpunkt. Er ist recht einfach gehalten, was mich nicht stört, aber es gab einige Stolpersteine und ungünstige Formulierungen, weshalb ich immer wieder herausgerissen wurde. Allerdings lässt sich bei Übersetzungen selten sagen, wo genau etwas schiefgelaufen ist. Trotzdem ist der Schreibstil für mich ein wichtiger Punkt, der dafür sorgt, ob eine Geschichte punktet oder nicht. Hier mache ich aufgrund der Übersetzung Abstriche.

Mich hat Jaga sehr beeindruckt. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, weshalb die schrecklichen Dinge, die sie durchleiden musste, mich alles andere als kaltgelassen haben. Das war auch gerade zu Beginn der Grund, warum ich drangeblieben bin.
Woland, als Gegenpart, ist teils Mysterium, teils durchschaubar. Ihn erregt die Jagd und er will Jaga unbedingt für sich. Doch sie weigert sich. Wie oft sie ihn abgewiesen hat, kann ich gar nicht zählen. Das mag vielleicht eintönig wirken, doch dem war nicht so. Erst zum Ende wurde er zugänglicher, genau genommen sogar etwas weich. Es ist schwer, einzuschätzen, wie es zwischen den beiden im Folgeband weitergehen soll, denn zum Schluss ist die Situation nur noch verfahren.

Da dieser Teil erst der Einstieg war, kann ich darüber hinwegsehen, dass eine gewisse Tiefe fehlt. Ich gehe davon aus, dass sich die Entwicklung in den nächsten beiden Bänden noch steigern wird.


Fazit
Eine zugebenermaßen ungewöhnliche Geschichte, die den einen oder anderen vielleicht von sich überzeugen muss. Sie ist kein Selbstläufer. Aber wenn man sich darauf einlässt, vermag sie zu unterhalten und einen mitzuziehen.

Ich vergebe wegen der Entwicklung drei von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 25.11.2025
Dylan, Kate

Until We Shatter (eBook, ePUB)


gut

Die tödlichste Schattierung


Cover & Klappentext
Das graphische Cover ist gut gelungen und hat mich sofort angesprochen. Es passt toll zum Inhalt.

Der Klappentext wiederum hat den Ausschlag gegeben, das Buch zu lesen. Die Mischung aus Science Fiction und Fantasy klang sehr interessant.


Meinung
Aus der Sicht von Cemmy wird man durch das Geschehen geführt.
Der Einstieg gelingt leicht, weil man schnell mit diversen Informationen versorgt wird, die den Leser einen guten Eindruck über die erdachte Welt übermitteln. Dafür sorgt auch der Schreibstil, der im Großen und Ganzen solide wirkt. Manchmal verliert sich die Autorin zwar in Schachtelsätzen, die nicht immer geschmeidig aufgehen, aber das sind insoweit die einzigen Stolpersteine. Ansonsten fliegt man geradezu durch die Seiten, was an dem wirklich enormen Tempo liegt. Das bringt Vorteile sowie Nachteile mit sich. Zum einen kommt es kaum zu Längen, weil das Spannungslevel immer oben gehalten wird. Dafür bleiben die Emotionen auf der Strecke sowie Schlüsselszenen, die wichtig für die Handlung sind und den Protagonisten mehr Tiefe verleihen. Genau diesen Eindruck hatte ich hier.

Insgesamt ging mir alles zu schnell, sodass ich keine Möglichkeit hatte, mich mit Cemmy zu verbinden. Zwar verstand ich ihre Motive, habe aber keinen richtigen Zugang zu ihr gefunden. Dafür blieb sie zu blass, genau wie der Großteil der anderen Charaktere. Ein paar Nebenfiguren konnten mich mehr erreichen als Cemmy. Dabei sollte auf ihr als Hauptprotagonistin der Fokus liegen.
Also habe ich versucht, mich komplett auf den Plot zu konzentrieren. So sehr mir die Idee auch gefallen hat, die Umsetzung war in meinen Augen nicht immer gelungen. Ja, es ist durchgehend spannend und die Autorin konnte, wenn auch schwach, ein paar überraschende Wendungen einbauen, dennoch war es größtenteils vorhersehbar und lief sehr geradlinig ab. Ich hätte mir, nachdem Cemmy nur unzureichend präsent war, mehr Raffinesse gewünscht. Auch das Ende hätte ich nicht so abrupt eingeläutet. Aber das ist eher eine persönliche Präferenz. Ich mag es einfach, mich von den Charakteren verabschieden zu können.


Fazit
Für all jene, die einem Genre-Mix nicht abgeneigt sind und Jugendbücher bevorzugen, ist dieses Buch eine tolle Unterhaltung. Der Roman überzeugt durch ein starkes Tempo und einer interessanten Idee.

Ich vergebe drei von fünf Sternen.

Bewertung vom 25.11.2025
Hewlett, Rosie

Medea (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Launen der Götter


Cover & Klappentext
Das Cover ist ein wahrer Blickfang und gefällt mir ausnehmend gut. Es zog meine Aufmerksamkeit auf sich und hat unter anderem dafür gesorgt, dass ich das Buch gelesen habe.
Der andere Punkt war selbstredend der Klappentext, auch wenn mir der Mythos von Medea nicht unbekannt ist. Allerdings gibt es sehr viele unterschiedliche Varianten, dass ich gespannt war, was die Autorin daraus gemacht hat.


Meinung
Prinzessin Medea, von ihrer Mutter gemieden, von ihrem Vater und ihrem Bruder gequält, weil sie mit Magie gesegnet/verflucht ist, sehnt sich nach einem anderen, neuen, besseren Leben.
In Jason (normalerweise Iason), dem gut aussehenden jungen Helden, der mit den Argonauten gekommen ist, um das Goldene Vlies zu erringen, das von Medeas Vater beschützt wird, sieht sie ihre Chance auf Flucht vor ihrem machthungrigen Vater. Als sie ihm ihre Loyalität schenkt, begibt sie sich auf einen Pfad, der die Welt in die Knie zu zwingen droht.

Größtenteils aus der Sicht von Medea, abgesehen vom letzten Kapitel, wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg gelingt leicht, obwohl ich anfangs den Eindruck hatte, dass ihre Kindheit eher schneller abgehandelt werden sollte, damit man sich auf ihr späteres Leben konzentrieren kann. Zumindest vermittelte es die geradezu rasante Geschwindigkeit. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mit meiner Vermutung richtigliege, denn das Tempo wurde erst viel später gemäßigt, und zwar als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet habe. Das sorgte dafür, dass einiges an Emotionen auf der Strecke blieb. Da die Story in der Ich-Perspektive geschrieben wurde, glaube ich nicht, dass es Absicht war, sonst hätte man eine andere Perspektive gewählt, um eine gewisse Distanz aufzubauen. Womöglich war aber Medea zu dem Zeitpunkt schon so zerbrochen, dass ihre Empfindungen reduziert waren, aus Angst vor den permanenten Zurückweisungen, der Qual und der Schmerzen, die sie erleiden musste.

Als Leser ist man bestrebt, eine Verbindung mit dem Hauptcharakter aufzubauen. Trotz der Taten, die begangen wurden, Verständnis herzustellen. Zumindest geht es mir so.
Hier hatte ich teilweise meine Schwierigkeiten. Nicht immer, aber hin und wieder. Das lag besonders an der Schlüsselszene zum Ende hin, als Medea endlich klarsah. Wäre hier mehr Tiefgründigkeit herausgearbeitet worden, hätte es so ziemlich alles ausgeglichen.

Dennoch konnte mich diese Version von Medeas Geschichte begeistern. Sie hat mich derart mitgezogen, dass ich sie in einem Rutsch gelesen habe. Nicht zuletzt lag es an dem wirklich geschmeidigen Schreibstil, der, dank der einwandfreien Übersetzung, mit geschickter Wortwahl und einer angenehmen Ausgewogenheit glänzt.

Das Ende aus Chalkiopes Sicht soll vermutlich etwas versöhnen, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Denn Geschehenes lässt sich nicht ungeschehen machen. Die Vergangenheit prägt die Zukunft, und wenn man den falschen Weg beschreitet, verirrt man sich oft in Hass und Rachsucht.

Fazit
Die Autorin hat hier diverse Versionen um Medea genutzt und eine eigene Geschichte kreiert. Dieses Buch dürfte allen gefallen, die ein Faible für die griechische Mythologie haben und für die Medea deshalb keine Unbekannte ist, aber auch für jene, die keine oder kaum Vorkenntnisse besitzen. Vielleicht regt es Letztere an, sich mehr mit ihr zu beschäftigen, denn ihre Taten hinterlassen selbst in der brutalen Welt der Götter ihre Spuren.
Ich vergebe dreieinhalb Sterne, die ich auf vier aufrunde, und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 18.11.2025
Mae, Natalie

The Sweetest Betrayal (eBook, ePUB)


sehr gut

Rache versus Vertrauen

Cover & Klappentext
Das Cover wurde passend zu den vorherigen Teilen gestaltet, ist aber von der Farbgebung düsterer. Das entspricht auch dem Inhalt, weshalb es trotz oder auch wegen seiner Schlichtheit überzeugt.

Der Klappentext war für mich auch hier eher weniger von Bedeutung, denn die Autorin hatte mich schon mit dem ersten Teil von dieser Story überzeugt. Natürlich wollte ich wissen, wie es weitergeht.
Dennoch macht der Klappentext neugierig auf mehr.


Meinung
Ich habe mich auf das Finale gefreut und es gleichzeitig gefürchtet. Zum einen will man unbedingt erfahren, welche Verwicklungen es geben wird und ob ein gefälliges Ende möglich ist. Zum anderen muss man Abschied nehmen, was mir bei dieser Geschichte wirklich schwergefallen ist.


Aus der Sicht von Zahru, bis auf den ersten Epilog, wird man durch das Geschehen geführt. Dabei hatte ich befürchtet, Schwierigkeiten bei dem Einstieg zu haben, weil die Geschichte recht vielschichtig ist, doch das hielt sich in Grenzen. Nicht zuletzt, weil die Autorin mit geschickt eingewobenen Formulierungen die fehlenden Erinnerungen aus der Versenkung geholt hat.

Zahru hat sich drastisch verändert. Das wird besonders deutlich, wenn man sich den ersten Teil ins Gedächtnis ruft. Aus der bescheidenen Flüsterin, die als Opfer herhalten musste, ist die von den Göttern gesegnete Mestrah geworden. Doch ihre damit einhergehende Magie der Beeinflussung ist nicht nur furchterregend, sie birgt auch Risiken. Denn diese Macht funktioniert nur mit einem Gegengewicht.
Und obwohl ihr Rat nur aus Personen besteht, denen sie vertrauen kann, so ist genau dies ihr Problem. Kann sie das tatsächlich? Es geht zwar nicht so weit, dass sie paranoide Züge annimmt, aber viel fehlt nicht mehr. Dazu kommen ihre Gefühle für Kasta, der seit seiner Veränderung, die in Band zwei stattgefunden hat und an der Zahru nicht unschuldig war, noch anziehender auf sie wirkt. Was natürlich nur mit dem Göttermal zu tun hat, oder? Und mit dem sich anbahnenden Krieg wird der Druck einfach zu viel.

Obwohl ich in Band zwei das Gefühl hatte, mich immer weiter von Zahru zu entfernen, kam ich ihr im letzten Teil wieder näher. Ihr Misstrauen, die Intrigen, die Verantwortung, der Verrat … Ihre Zerrissenheit wurde toll dargestellt. Ja, man weiß, das kann unmöglich der richtige Weg sein, selbst so zu handeln, aber man bekommt den Eindruck, dass das Spiel im Palast und unter Herrschern so funktioniert. Und damit distanziert sich Zahru immer mehr von ihren Werten. Die Frage ist nun, ob sie den passenden Mittelweg findet.

Der Fokus liegt auch hier ganz klar auf Zahru, deren Entwicklung phänomenal ist. Aber auch ihre Freunde sind immer mindestens eine Seite entfernt. Auch sie haben sich verändert und sind keineswegs untergegangen.
Die vormals angekündigte Dreiecksgeschichte, die nie wirklich zum Tragen kam, hat sich in eine völlig andere Richtung entwickelt. Obwohl Jet mal ein großer Sympathieträger war, ist davon in meinen Augen nicht viel übrig geblieben. Ich persönlich stand ihm während des dritten Teils nur skeptisch gegenüber. Er schwächelt auch, im Gegensatz zu den anderen, was seine Präsenz betrifft. Doch das lässt sich verschmerzen, denn Kasta nimmt dafür einiges an Raum ein. Das Rätsel, was seine Gesinnung angeht, wird wohl nie ganz geklärt werden. Aber genau das macht seinen Charakter so interessant, zumindest in einem Buch, ganz weit entfernt, nicht im persönlichen Umfeld, rein fiktiv.

Der Schreibstil wird wie in den anderen Bänden zuvor von Schachtelsätzen dominiert, die manchmal nicht ganz aufgehen. Aber es gibt auch Abschnitte, die richtig geschmeidig sind, weswegen ich davon ausgehe, dass definitiv noch Potenzial nach oben ist. Nur diesmal wird das Tempo deutlich angezogen. Während in den ersten Teilen eine ausgewogene Mischung zwischen rasanten und etwas gemächlicheren Abschnitten vorherrscht, hatte ich hier den Eindruck, dass sich die Worte vor Geschwindigkeit überschlugen. Selbst die weniger rasanten Szenen waren immer noch schnell. Und obwohl sich dadurch einige Stolpersteine ergaben, wurde ich mitgezogen. Denn nach wie vor ist diese Geschichte ein wahres Abenteuer.


Fazit
Mit dem Finale entscheidet sich, ob eine Geschichte im Ganzen als gelungen oder ausbaufähig erachtet wird. Es steckt viel Erwartungsdruck dahinter.
Insgesamt ist der dritte Band ein würdiger Abschluss. Er brilliert durch fantastische Protagonisten, warnt vor Rachsucht und Macht, die korrumpiert, und setzt auf Vertrauen; darauf, nicht immer alles im Griff zu haben und loszulassen.

Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 06.11.2025
Hoch, Jana

The Jewel Secrets (1). Um dieses Spiel zu gewinnen, musst du dich in deinen größten Feind verlieben (eBook, ePUB)


sehr gut

Nichts ist, wie es scheint


Cover & Klappentext
Das Cover ist recht schlicht gehalten, trotzdem ist es mir aufgefallen, weil es mich an „The Ruby Circle“ erinnert. Cover und Autorin bilden damit eine gute Einheit.

Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Es verspricht einen hohen Unterhaltungswert, in der auch der Leser gefragt ist.


Meinung
Darcy Green hatte es bisher nicht leicht im Leben. Sie leidet unter Angstzuständen und lebt quasi von der Hand in den Mund. Dennoch erhält sie eine Einladung auf eine abgelegene Insel, weil sie angeblich eine Nachfahrin der verstorbenen Cordelia Seymour, eine reiche Künstlerin, ist. Ganz klar ein Irrtum. Aber da Darcy momentan keine Alternativen besitzt, beschließt sie, die Einladung anzunehmen und bei dem Erbschaftsspiel mitzumachen, an dessen Ende großer Reichtum wartet.
Das Schloss birgt viele Rätsel, die gelöst werden müssen, bevor die Zeit abläuft. Dafür müssen sich die Teilnehmer zusammentun. Doch wem kann man trauen, auch wenn die Liebe eine Grundvoraussetzung zu sein scheint, um gewinnen zu können?

Bis auf den Epilog leiht Darcy der Geschichte ihre Stimme und führt durch das Geschehen. Der Einstieg gelingt spielend leicht, nicht zuletzt aufgrund des locker-entspannten Schreibstils, der der Autorin zu eigen ist. Mit ihrer vorteilhaften Wortwahl und den atmosphärischen Szenen sorgt sie für einen wahren Lesegenuss. Einziger Kritikpunkt sind die gelegentlich vorkommenden Längen, bedingt durch das teilweise gemächliche Tempo.

Wie schon in „The Ruby Circle“ wurden hier romantische und Krimi-Elemente miteinander verknüpft, weshalb man automatisch miträtselt. Doch hier sorgt nicht nur die Handlung dafür, sondern auch die Charaktere. Einige mögen auf den ersten Blick leicht einzuschätzen sein, obwohl ich glaube, dass es täuscht. Andere sind nicht sofort durchschaubar, wie zum Beispiel Dorian, der bereit ist, jedes Risiko einzugehen, um zu gewinnen. Doch ausgerechnet er ist es, für den Darcys Herz höher schlägt.

Darcy ist als Hauptprotagonistin gut gelungen. Nein, sie bringt nicht von Natur aus Heldeneigenschaften mit, weshalb hier ihre Weiterentwicklung unter anderem im Fokus steht. Sie leidet unter Ängsten und ist traumatisiert. Das Leben hat es nicht gut mit ihr gemeint. Erst auf der Insel zeigt sie ihr Potenzial. Ihr Interesse an Kunst hilft ihr genauso wie das Talent zum Lösen von Rätseln. Mir war sie schnell sympathisch, eben weil sie authentisch wirkt.
Im Laufe der Handlung ist sie nach und nach aus sich herausgekommen, wobei der Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Mir ist es erst im Nachhinein wirklich aufgefallen, was für die Darstellung spricht.
Dorian wiederum ist anfangs schwer einzuschätzen. So wurde er angelegt, obwohl er schließlich zeigt, was in ihm steckt. Mich beunruhigt ein anderer Charakter. Denn ich suche immer nach einem Haken, wenn jemand zu perfekt erscheint. Aber was das angeht, muss ich auf die Fortsetzung warten.

Insgesamt ist der erste Band toll gelungen, womit ich gerechnet habe. Den Leser erwarten interessante Charaktere, ein mysteriöses Abenteuer auf einer abgelegenen Insel, in der die Teilnehmer zeigen, wie weit sie bereit sind zu gehen, wenn Ruhm und Reichtum auf sie warten, und jede Menge Emotionen, genau wie das von mir geliebte Spiel der Gegensätze.


Fazit
Wer „The Ruby Circle“ der Autorin bereits geliebt hat, wird auch hier grandios unterhalten werden, nicht zuletzt durch die Interaktion der Charaktere. Aber dieses Buch besticht nicht nur durch pure Unterhaltung, sondern setzt auf Hinweise, die dem Leser helfen können, das große Rätsel zu lösen.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 03.11.2025
White, Andrew Joseph

The Spirit Bares Its Teeth (eBook, ePUB)


sehr gut

Klarsicht


Cover & Klappentext
Rein optisch entspricht das Cover nicht meinem Geschmack, aber hier geht es weniger darum. Das Cover gibt schon indirekt preis, dass diese Geschichte keine seichte Kost wird. Es ist roh und pur. Bei dem Autor sollte man aber auch nicht davon ausgehen, dass er auf eine nette Lektüre setzt.
Das zeigt sich auch im Klappentext.
Nachdem ich „Hell Followed with us – Das Monster in uns“ gelesen hatte, was mir auf eine sehr unangenehme Art die Augen geöffnet hat, konnte ich hier nicht widerstehen.


Meinung
Jedem sollte klar sein, dass dieses Buch den Leser im Grunde einmal auf links dreht. Man wird aufs Brutalste aufgerissen und dann wieder zugenäht. Daher empfehle ich, die Einleitung des Autors zu lesen, denn man wird danach nicht mehr der- beziehungsweise dieselbe sein.

London, 1883. Der sechzehnjährige Silas Bell ist trans und würde sich lieber seine violetten Augen ausreißen, als eine gehorsame Speaker-Ehefrau zu werden. Doch es spielt keine Rolle, dass er ein Junge ist und nicht das Mädchen, das die Welt unbedingt in ihm sehen will. Nach einem gescheiterten Versuch, einer arrangierten Ehe zu entkommen, wird bei Silas die Schleierkrankheit diagnostiziert – eine mysteriöse Krankheit, die violettäugige Frauen in den Wahnsinn treibt – und er wird in das Braxton-Sanatorium verfrachtet. In dem Versuch, sich gegen die sogenannte Heilung zu wehren, stellt er rasch fest, dass dort unnatürlich viele Geister ansässig sind, die ihn anflehen, so schnell wie möglich zu fliehen. Doch es entspricht ihm nicht, alles woran er glaubt, im Stich zu lassen, während die Schule alles daransetzt, ihn zu brechen.

Aus der Sicht von Silas wird man durch das Geschehen geführt. Es ist nicht unbedingt leicht, in die Story zu finden, weil der Autor seinen eigenen Stil hat. Darauf muss man sich einlassen. Deshalb ist es mir erst nach der Hälfte gelungen, mich so richtig mit Silas zu verbinden.
Für diese Geschichte muss man offen sein. Es ist weit entfernt von dem, was man unter Umständen sonst kennt.
Gleichzeitig hat diese Art, die Handlung zu vermitteln, auch etwas an sich. Mich hat es fasziniert, was mich zum einen dranbleiben ließ. Der andere Grund war die ungeschönte, harte Wahrheit, die einem hier präsentiert wird. Dabei sei hier angemerkt, dass die hier beschriebenen Methoden, in dem Fall die sogenannte Schleierkrankheit zu behandeln, nicht das Einzige war, was Frauen damals angetan wurde.
Für seine unverblümte Sprache und Darstellung feiere ich den Autor. Das kann nicht jeder.
Genauso wenig wie dieses Buch für jeden ist. Wer zu zartbesaitet ist, der sollte sich an dieses Werk vielleicht besser nicht wagen.

Ich persönlich wurde, je länger Silas in Braxton verbleiben musste, immer mehr in die Story gesogen, sodass ich mitfieberte und vor Spannung das Buch kaum weglegen konnte. Doch so brutal alles erscheint, es gibt auch positive Gefühle, die den perfekten Ausgleich darstellen. Bei Daphne, die übrigens wie auch Silas sehr überzeugend dargestellt wurde, kann er sich gelegentlich fallen lassen und einfach nur er selbst sein. Dieses Spiel zwischen Licht und Dunkel, Hoffnung und Verzweiflung, wurde toll eingebettet.
Während sich die Handlung zuspitzt, zeigt Silas, was in ihm steckt. Sein Wille, nicht aufzugeben, auch wenn er strauchelt, hat mich beeindruckt.


Fazit
Zu behaupten, das Buch hätte mich unterhalten, trifft es nicht. Es gleicht eher einer psychischen Total-OP, nur um danach notdürftig zusammengeflickt zu werden. Wer „Hell Followed with us – Das Monster in uns“ bereits kennt, ist entsprechend vorgewarnt. Alle anderen sollten offen für Seltsames und Ungestelltes sein. Wer sich traut, wird nicht enttäuscht, denn dieses Buch ist eindringlich, schräg, düster, aufrüttelnd und vereinnahmend.

Ich vergebe vier von fünf Sternen.