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Benutzername: Suska


Bewertungen

Insgesamt 24 Bewertungen
Bewertung vom 20.03.2018
Der Fluchsammler
Karschnick, Ann-Kathrin

Der Fluchsammler


sehr gut

Die Streetworkerin Elisabeth lebt zurückgezogen in ihrer Wohnung. Denn sie ist mit einem Fluch belastet: Jeder, den sie berührt, stirbt kurz darauf. Eines Tages steht Vincent, der Fluchsammler, vor ihrer Tür und will ihr helfen. Aber kann Elisabeth ihm vertrauen? Und warum sammelt Vincent überhaupt Flüche, mit wem arbeitet er zusammen?

Das Buch hat mir gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Man taucht in die Gefühle und Gedanken der Protagonisten, vor allem in die von Vincent und Elisabeth, ein und fühlt mit ihnen. Das wird vor allem durch den Perspektivwechsel zwischen Vincent und Elisabeth unterstützt und macht das Buch sehr abwechslungsreich.

Die Idee eines Fluchsammlers, der versucht, Menschen von ihren Flüchen zu befreien, fand ich sehr spannend und auch gut umgesetzt. So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen. Und ein bisschen Liebe darf natürlich auch nicht fehlen.

Der Fluchsammler war für mich ein sehr unterhaltsames, kurzweiliges Buch, das ich vor allem jugendlichen Lesern weiterempfehlen würde.

Bewertung vom 20.03.2018
Nelkenliebe
Beyer, Anja S.

Nelkenliebe


gut

Katharina ist Mitte Dreißig, lebt mit ihrem Freund in Berlin und ist nach eigener Aussage noch heute ein „Papa-Kind“. Als ihr geliebter Vater ihr offenbart, dass er unheilbar krank ist und sie bittet, für ihn nach Portugal zu reisen und dort nach seiner Jugendliebe Marisa zu suchen, zögert sie nicht lange und mietet einen alten Camper von Surferboy Nuno. Ihr Freund ist von dieser Art des Urlaubs gar nicht so begeistert, kommt aber dennoch mit. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Marisa, die in den Wirren der Diktatur und der darauffolgenden Nelkenrevolution verschwand und erst später wieder auftauchte, um sich von Katharinas Vater zu trennen und ihn zurück nach Deutschland zu schicken. Eine abenteuerliche Reise durch Portugal beginnt und hält für alle Beteiligten so einige Wahrheiten und Überraschungen bereit.

Das Thema des Buches hat mich sofort interessiert. Ich war vor zwei Jahren selbst mit dem Mietwagen in Portugal unterwegs und bin noch immer verzaubert von diesem Land. Über die in den 70er Jahren noch herrschende Diktatur und die befreiende Nelkenrevolution wusste ich aber bis heute sehr wenig. Und so habe ich mir einige geschichtliche Hintergründe und eine schöne Fantasiereise in das wunderschöne Land erhofft. Diese Hoffnung wurde allerdings nur zum Teil erfüllt. Zwar habe ich einiges über die Geschichte erfahren, und besonders schockiert war ich über den Umgang mit Frauen und der allgemeinen Bevölkerung, die absichtlich klein und dumm gehalten wurde. Allerdings sind die geschichtlichen Hintergründe nur sehr oberflächlich beschrieben, mir fehlte es an Tiefgang und Details, die ich nicht in 5 Minuten googlen könnte. Schade, hier hätte es mehr Potential gegeben.

Sehr schön fand ich die landschaftliche Beschreibung des Landes, ich habe mich in meinen Urlaub zurückversetzt gefühlt. Ich hatte allerdings auch das Gefühl, dass so viel Landestypisches wie möglich eingebaut werden sollte, was jedem Touristen bei einem Besuch in Portugal zwangsläufig über den Weg läuft: die Puddingtörtchen Pasteis de Nata, Vinho Verde, Fado. Geheimtipps leider Fehlanzeige. Für das Portugalfeeling hat es aber gereicht.

Der Schreibstil war gut zu lesen. Sehr gut hat mir gefallen, dass die Perspektiven zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit gewechselt haben und dennoch gut miteinander verknüpft waren. Teilweise war mir der Schreibstil aber etwas zu einfach, die Protagonisten, vor allem Vater Gerd und Katharina, hatten Ausdrucksweisen, die ungewöhnlich sind für erwachsene Menschen. Auch für erwachsene Berliner. Das Ende war mir etwas zu heile Welt, zu viele Zufälle, es lief zu glatt.

Dennoch: Ein schönes Buch für alle, die sich noch nicht viel mit Portugal auseinandergesetzt haben, die ein wenig über das Land und die Geschichte lernen wollen. Nicht empfehlenswert für Menschen, die schnell an Fernweh erkranken, denn das kann das Buch: Sehnsucht nach Portugals Sonne wecken. Und nach Puddingtörtchen.

Bewertung vom 20.03.2018
Insel, Meer und Liebe: Teil 1 (eBook, ePUB)
Holm, Sina

Insel, Meer und Liebe: Teil 1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Die Schriftstellerin Lena Hoffmann hat ihr Leben in Berlin mit all den Mässergeschichten und Auftritten in der Klatschpresse satt. Auf einer kleinen Insel mitten in den schwedischen Schären versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen und endlich wieder schreiben zu können. Ihre 17 jährige Tochter Sophie ist davon natürlich alles andere als begeistert. In dem kleinen Haus auf der Insel gibt es anfangs ja noch nicht mal WLAN! Als Lena dem attraktiven Marko begegnet, drohen sich alle ihre guten Vorsätze in Luft aufzulösen…

"Insel, Meer und Liebe" ist der erste Teil eines Serienromanes. Abwechselnd wird auch Sicht von Lena und ihrer Tochter Sopie erzählt, was die Geschichte sehr abwechslungsreich macht und den Leser in die – sehr unterschiedliche – Gefühlswelt beider Protagonisten eintauchen lässt.

Leider ist der erste Teil sehr kurz. Gerade beginnt man, sich in Lena, die zugegebenermaßen ziemlich eigenwillig ist, einzufühlen, da ist der Teil auch schon wieder zu Ende. Das macht definitiv Lust auf mehr und auf die Fortsetzung. Ich bin gespannt, wie es auf der Insel weitergeht und wie Lena und Sophie die Tücken des Insellebens und deren Bewohner meistern.

Bewertung vom 20.03.2018
Insel, Meer und Liebe: Teil 4 (eBook, ePUB)
Holm, Sina

Insel, Meer und Liebe: Teil 4 (eBook, ePUB)


sehr gut

Ich habe Lena und Sophie auch im vierten Teil des Episodenromans „Insel, Meer und Liebe“ von Sina Holm auf ihrem Abenteuer in den Schären begleitet.

Nach einigen Rückschlägen rappelt sich Lena langsam auf uns beginnt, ihr neues Leben in die Hand zu nehmen. Das hat mir gut gefallen, denn in den letzten Teilen wollte ich Lena das eine oder andere Mal schütteln. Sie lernt einen neuen Freund kennen und versucht, sich der Männerwelt fern zu halten. Ob das wohl gut geht?

Auch für Sophie bleibt es spannend in ihrer neuen Welt. In der Schule kommt sie besser zurecht als erwartet, es ist jedoch nicht alles gold, was glänzt. Ich bin sehr gespannt, welches Geheimnis hier noch gelüftet wird. Aber das wohl erst im nächsten Teil. Und dann muss sie auch noch eine Enttäuschung überwinden.

Wie man es schon aus den vorhergehenden Teilen kennt wechselt die Perspektive zwischen Lena und Sophie. Das erfrischt, und gibt Einblicke. Und auch hier wieder: Ende offen. Wird Lena rückfällig? Das erfährt der Leser wohl erst im fünften Teil. Ich habe auf jeden Fall Lust, wieder mit auf die Schären zu kommen.

Bewertung vom 20.03.2018
Die Geschichte der Bienen
Lunde, Maja

Die Geschichte der Bienen


ausgezeichnet

Das Buch der norwegischen Autorin Maja Lunde erzählt sie Geschichte der Bienen in drei Handlungssträngen in drei Zeiten: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

1. 2098: Die junge chinesische Arbeiterin Tao muss gemeinsam mit vielen tausenden Arbeiterinnen und Arbeitern die Bäume von Hand bestäuben, denn Bienen gibt es nicht mehr. Die Welt versinkt in Armut und Nahrungsmittelknappheit. Eines Tages verünglückt ihr kleiner Sohn bei einem Ausflug und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war.

2. 2007: Der amerikanische Imker George wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Sohn Tom eines Tages seinen Hof übernimmt. Doch der will lieber Journalist sein. Ängstlich beobachtet er die Meldungen über das Bienensterben, fühlt sich aber noch nicht bedroht. Bis eines Tages auch seine Bienen nicht mehr zurückkehren.

3. 1852: Der englische Naturwissenschaftler William hat seinen Forschungsdrang für seine Familie geopfert und ist darüber in eine schwere Depression verfallen. Bis ihm eines Tages die Idee kommt, einen einzigartigen, neuen Bienenstock zu bauen, der es möglich machen soll, die Bienen zu zähmen und als Nutztiere zu halten.

Ich bin ein Fan von Büchern, die die Perspektiven wechseln. In diesem Buch begleitet man die drei Protagonisten abwechselnd und lernt dabei einiges über die Anfänge der Bienenzucht, deren Ausbeutung in der Gegenwart und der erschreckenden möglichen Zukunft, wenn die Bienen durch Landwirtschaft und Pestizide ausgestorben sind. Anfangs fand ich die Zukunft am spannendsten, doch im Verlauf der Geschichte wurden auch die beiden anderen Handlungsstränge sehr interessant. Denn es hängt alles zusammen. Das Ende des Buches fand ich sehr gelungen, denn hier erfährt der Leser, wie die Geschichten der drei Portagonisten zusammenhängen.

Die Message der Autorin ist eindeutig, denn das Bienensterben ist keine Fiktion, sondern eine Tatsache. Umso erschreckender ist die Zukunftsvision, die uns die Autorin zeigt. Ein Buch, das nachdenklich macht, und auch ein wenig Angst.

Ich freue mich schon auf das nächste Buch des „Klimaquartetts“, das die Autorin plant. „Die Geschichte des Wassers“ erscheint Ende März und auch bei diesem Buch bin ich sicher, es wird wieder fesseln. Und erschrecken.

Bewertung vom 20.03.2018
Der Zopf
Colombani, Laetitia

Der Zopf


sehr gut

Drei unterschiedliche Leben und doch miteinander verknüpft

„Der Zopf“ erzählt von drei starken Frauen auf drei Kontinenten, der Leben auf unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem miteinander verbunden sind.
Smita lebt in Indien und ist eine Dalit. Als „Unberührbare“ muss sie den Dreck der anderen wegmachen. Damit ihre Tochter es eines Tages besser hat als sie, verlässt sie ihr Heimatdorf.
Giulia arbeitet auf Sizilien in der Perückenfabrik ihres Vaters. Eines Tages muss sie entdecken, dass das Familienunternehmen vor dem Ruin steht. Sie fasst einen mutigen Plan.
Die kanadische Anwältin Sarah ist durch und durch auf ihre Karriere fixiert. Ihr Privatleben vernachlässigt sie. Als sie schwer erkrankt, zieht sich erst zurück und fasst dann neuen Mut.

Der Schreibstil ist flüssig und ermöglicht einen schnellen Lesefluss. Abwechselnd werden die Geschichten der drei Hauptfiguren in kurzen Kapiteln erzählt, wodurch der Leser animiert wird, zügig weiter zu lesen. Was mir direkt aufgefallen ist: es gibt keine wörtliche Rede im Buch, wohl aber redende Personen. Aber auch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, im Gegenteil, es ist irgendwie besonders.

Besonders spannend und erschreckend fand ich den Handlungsstrang um Smita aus Indien. Hier werden die gesellschaftlichen Unterschiede, die in dem Land noch heute herrschen, besonders deutlich gezeigt. Ist man in die falsche Familie, die falsche Kaste hineingeboren, gibt es keinen Ausweg, es hilft nur das Hoffen auf ein besseres Schicksal im nächsten Leben.

Das verbindende Element in dem Roman kommt nicht sonderlich überraschend, aber darum geht es auch nicht in diesem Buch. Neben ernsten Themen wie Krankheit, Diskriminierung, Familientraditionen und sozialen Ungerechtigkeiten geht es im Roman vor allem um starke Frauen, die kämpfen: Um ihren Familienbetrieb, um ein besseres Leben, um ihre Gesundheit. Und die es auch heute noch schwer haben, sich durchzusetzen. Weil sie Frauen sind, weil sie in der falschen Gesellschaftsgruppe sind.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und berührt. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihren geschickt verknüpften Handlungssträngen in den Bann zu ziehen. Ein schönes Debüt!

Bewertung vom 16.03.2018
Für immer ist die längste Zeit
Fabiaschi, Abby

Für immer ist die längste Zeit


ausgezeichnet

Maddy, Ehefrau und Mutter einer Teenagertochter, ist vom Dach der Bibliothek gestürzt. Ihr Umfeld, besonders aber ihre Tochter Eve und ihr Mann Brady können nicht verstehen, warum Maddy sich selbst das Leben nahm. Plötzlich sind sie auf sich allein gestellt und müssen lernen, ohne Maddy zurecht zu kommen. Dabei lernen sie viel über sich selbst, streiten sich, kommen sich näher. Und sie spüren: Sie sind nicht allein. Denn Maddy ist bei ihnen, sie beobachtet das Geschehen von oben und greift hier und da unterstützend ein, wenn es nötig wird.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Maddy, Eve und Brady erzählt. Ich finde einen Perspektivwechsel immer spannend, denn so kann man sich sehr gut in die Personen hineinversetzen und sieht die Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So auch hier. Leider ist der Schreibstil bei allen drei Sichten sehr ähnlich, sodass man schnell mal durcheinander kommen kann, aus wessen Perspektive denn nun erzählt wird. Trotzdem war diese Art der Erzählweise sehr interessant, zumal auch aus der Sicht der toten Maddy erzählt wurde. Ihre Beobachtungen, aber auch Rückblicke und Erinnerungen führten bei mir dazu, dass ich sehr lange gerätselt habe, warum Maddy sich in den Tod gestürzt hat. Die Auflösung kommt am Ende und war für mich an der Stelle nicht mehr so überraschend. Die Autorin schafft es aber, hier die Spannung und das Rästelraten um Maddys Beweggründe lange aufrecht zu erhalten. Auch wenn die Vorstellung, dass eine geliebte Person aus dem Jenseits zuschaut und sogar aktiv ins Geschehen eingreift, etwas befremdlich ist, so fand ich es auch tröstend.
Spannend war auch Eves Sicht. Der Teenager macht eine große Wandlung durch, der Tod ihrer Mutter hat bei Eve einige Denkprozesse angestoßen. Sie stellt ihr oberflächliches Teenagerleben immer mehr in Frage und wächst mit der Zeit an ihrer Trauer und ihren Gedanken. Eves Wandel hat auch einiges bei mir ausgelöst, denn sie reflektiert ihr Verhalten ihrer Mutter gegenüber, das –typisch Teenager – häufig sehr selbstbezogen war. Auch wenn ich lange aus dem Teenageralter heraus bin, habe ich mir aus dem Buch vor allem mitgenommen: ab und an die Perspektive wechseln tut allen Seiten gut. Und: Genieße den Moment.

Die Autorin sagt selber, dass sie in ihrem Roman aufgreifen wollte, wie Teenager mit Verlust umgehen, da sie selbst als Teenager einen geliebten Menschen verlieren musste. Ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen. Neben der Trauer und dem Verlust werden im Roman auch viele andere Themen angesprochen. Es geht um Depressionen, um Anerkennung, Oberflächlichkeit, Vergänglichkeit. Vieles, das zum Nachdenken anregt und nachwirkt. Für mich war dieser Roman ein wirkliches Lesevergnügen, der mir einige Impulse mitgegeben hat.

Bewertung vom 29.11.2017
Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben
Niedlich, Sebastian

Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben


sehr gut

Teufel Mephy (kurz für Mephistopheles, ja, wie bei Goethe) hat die Nase voll von seinem einsamen Leben in der Hölle und den Frauenseelen, die sich ihm nur an den Hals schmeißen, um Folterungen zu entgehen. Er möchte eine Frau, die ihn wirklich liebt, so wie er ist. Weil er die aber in Hölle nicht finden kann, bittet er seinen Chef, den Allmächtigen höchstpersönlich, um Urlaub auf der Erde. Der genehmigt ihm nach einiger Überzeugungsarbeit 66 Tage, um eine Frau zu finden. Für Mephy beginnt nun ein Abenteuer, in dem er nicht nur sehr viel über Onlinedating, Speeddating und Frauen im Allgemeinen und Besonderen lernt, sondern auch seine romantische, mitfühlende Seite entdeckt. Sein treuer Diener Azazel und die beiden Erdenbewohner Klaus und Suse helfen ihm dabei tatkräftig, müssen ihm aber auch das eine oder andere Mal den richtigen Weg aufzeigen. Und was passiert eigentlich, wenn Mephy der Frau seines Herzens sagt, wer er wirklich ist und wo er lebt?

Ich kannte vorher noch kein Buch von Sebastian Niedlich und war daher neben der vielversprechenden Geschichte sehr gespannt auf den Stil des Autors. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Sehr wortgewandt und witzig führt der Autor seinen Teufel durch die Irrungen und Wirrungen der Partnersuche. Mit viel Wortwitz begegnet der Leser Jesus, der gerne Stand Up Comdedian wäre, oder Petrus, der jetzt Petra heißt. Und was macht der liebe Gott eigentlic so den ganzen Tag? Aber es geht auch sehr emotional und tiefgründig zu. Die Mischung hat mir gut gefallen, und auch die Entwicklung, die Mephy während seiner Suche durchgemacht hat, fand ich sehr gut. Und neben Mephy war mein persönlicher Star sein Diener Azazel, der ebenfalls eine tolle Entwicklung durchmacht und endlich mal was für sich, statt immer nur für seinen Chef tut. Und am Ende dafür belohnt wird.

Ein humorvolles Buch für Zwischendurch, das so ziemlich alle Klischees zum Thema Partnersuche in der Neuzeit aufs Korn nimmt und nebenbei Einblicke in die Hölle bietet, die ich lieber nicht so genau wissen wollte. Und weil ich auch lieber nicht im Toaster landen oder dem Bungeehai begegnen möchte, werde ich ab jetzt wohl ein besserer Mensch.

Bewertung vom 17.11.2017
Kleine Stadt der großen Träume
Backman, Fredrik

Kleine Stadt der großen Träume


ausgezeichnet

Björnstadt ist eine kleine Stadt im Wald im Norden von Schweden. Die Winter hier sind lang und die Sommer kurz. Früher war hier mal mehr los, doch der Wohlstand und das soziale Leben schrumpfen immer weiter. Nur eines hält die Menschen hier zusammen und gibt ihnen Hoffnung: Das Eishockey. Und ganz besonders die Juniorenmannschaft rund um Mannschaftsstar Kevin, die bald im Halbfinale der Meisterschaften ihre große Chance hat und Björnstadt die Chance auf eine bessere Zukunft geben kann. Bis eines Nachts etwas passiert, das die Gemeinschaft zu zerstören droht.

Ich habe bisher alle Bücher von Backman gelesen und liebe sie. Bei diesem Buch war ich anfangs etwas skeptisch, denn mit Eishockey kann ich wenig anfangen. Aber wenn es natürlich auch ums Eishockey geht, steht es trotzdem nicht im Mittelpunkt des Buches. Es könnte auch jede andere Mannschaftssportart sein. Es geht um ein ganzes Dorf, das schon bessere Zeiten gesehen hat, in denen Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, aber auch harte Arbeit und Wohlstand nah beieinander liegen. Es geht um eine Dorfgemeinschaft, die Hoffnung hat, Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf Arbeitsplätze und Anerkennung. Und die diese Hoffnung plötzlich in Gefahr sehen und alles dafür tun, weiter träumen zu können. Die dafür auch zu weit gehen, die Augen verschließen und es nicht wahrhaben wollen. Und bald muss sich jeder Björnstädter fragen, auf welcher Seite er steht.

Backman versteht es in seiner für ihn so typischen Schreibweise eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt. Die einzelnen Charaktere sind ausführlich beschrieben und ausgearbeitet. Schnell kann man sich in die Personen hineinversetzen und entwickelt eine gewisse Bindung. Backman wiederholt häufig seine Schlüsselsätze, was absolut in seine Bücher passt und wodurch sich ein roter Faden durch den jeweiligen Abschnitt zieht.

Das Buch ist keine leichte Kost, die Sätze möchten aufmerksam gelesen, die Charaktere verstanden werden. Das Buch hat mich berührt, an vielen Stellen auch empört, und es hat mich auch mitfiebern lassen, sogar bei den Eishockeyspielen. Für mich ein Buch, dass sich in die Reihe der „unbedingt lesen“ Bücher einreiht.

Bewertung vom 23.01.2017
Alleine bist du nie
Mackintosh, Clare

Alleine bist du nie


sehr gut

Zoe Walker ist Mutter von 2 erwachsenen Kindern und lebt mit ihnen und ihrem Partner in London. Zu ihrem Job bei einer Immobilienvermittlung fährt sie jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Eines Tages entdeckt sie im „Metro“ Magazin eine Anzeige für eine Partnervermittlung – mit ihrem Bild! Zuerst unsicher, ob die Frau auf dem Foto wirklich sie ist, entdeckt sie nach und nach Zusammenhänge zwischen der Anzeige und Verbrechen an Frauen. Denn jeden Tag ist eine andere Frau in dieser Anzeige zu sehen. Zoe ist überzeugt, dass sie gemeinsam mit vielen anderen Frauen in Gefahr schwebt. Doch niemand will ihr so richtig glauben.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mal aus Zoes, mal aus Sicht der Polizistin Kelly, die noch immer mit einem Vorfall in ihrer Vergangenheit kämpft, Zoe aber unbedingt helfen möchte. Zwischendurch gibt es kursive Einschübe, die die Gedanken des Täters beschreiben. Dadurch baut sich nach und nach Spannung auf, die sich zum Ende hin entlädt.

Das Buch startet etwas langsam, wird aber immer rasanter. Der letzte Abschnitt hat es in sich, das Ende fand ich sehr gelungen. Inklusive Kopfkino.

Alleine bist du nie ist durchaus gelungen, leidet aber ein wenig unter dem gemächlichen Anfang. Das kann die Spannung und das unerwartete Ende aber durchaus wettmachen. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Thriller-Fans.