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haberlei
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Begeisterte Leserin von Krimis, Thrillern, Humorvollem, historischen (Frauen-)Romanen, Biografien

Bewertungen

Insgesamt 379 Bewertungen
Bewertung vom 26.11.2025
Sandmann, Elisabeth

Wir dachten, das Leben kommt noch


sehr gut

Englische Agentinnen im französischen Widerstand

„Wir dachten, das Leben kommt noch“ von Elisabeth Sandmann (erschienen 2025) beleuchtet ein Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das wohl wenigen geläufig ist: den Einsatz von englischen Agentinnen in Frankreich zur Unterstützung der Résistance. Es ist dies ein Folgeroman zu „Porträt auf grüner Wandfarbe“. Zwar sind dies eigenständige Romane, dennoch denke ich, dass man Gwens Umfeld besser überblickt, wenn man Band eins gelesen hat.

Elisabeth Sandmann erzählt eine fiktive Geschichte, basierend auf historischen Fakten, die im Anhang nachzulesen sind. Die Handlung verläuft einerseits in zwei Handlungssträngen, andererseits in zwei Zeitebenen – in der Gegenwart (1998) und während des Zweiten Weltkriegs (1942). In der Gegenwart stehen zwei Personen im Mittelpunkt: die BBC-Reporterin Gwen, die den Auftrag erhält, ein Buch über jene Frauen zu schreiben, die seinerzeit der von Winston Churchill ins Leben gerufenen geheimen Spezialeinheit SOE (Special Operations Executive) als Agentinnen angehört haben, und Pat, die von Gwen bezüglich eines Interviews kontaktiert wird, und eine jener Agentinnen ist, die in Frankreich im Einsatz waren.

An und für sich ist der Schreibstil flüssig und bildhaft, viele Details unterstützen das Kopfkino. Der Lesefluss leidet jedoch ein wenig durch die abrupten Perspektiven- bzw. Ortswechsel und Zeitsprünge. Ich fühlte mich immer wieder unsanft aus dem Paris des Jahres 1942 herausgerissen, wo mich Emmas Schicksal gerade gefangen hielt, um plötzlich bei Gwens Familienleben in der Gegenwart zu landen. Letzeres empfand ich eher als nebensächlich und hie und da auch als zu ausufernd geschildert.

Der Handlungsaufbau ist eigentlich geschickt arrangiert, auch wenn man sich anfangs in der Vielzahl der Personen etwas verirrt – aber da ist das Personenverzeichnis am Ende des Buches recht hilfreich (fände ich am Anfang übrigens sinnvoller). Denn all die scheinbar in keinem Zusammenhang mit Pats/Emmas Einsatz stehenden Szenen, wie die Aufzeichnungen von Gwens Großmutter Ilsabé, deren Ersuchen, Lilou zu finden, die Gespräche mit Nebenpersonen, sind Puzzlesteinchen, die so nach und nach die Fäden verknüpfen, zu überraschenden Wendungen führen und zu einem schlüssigen Ende.

Ich fand den Roman interessant, wissenserweiternd, aber nicht spannend in dem Sinn, dass man sich um Pat/Emma geängstigt hätte. Sie gerät zwar in etliche brenzlige bis lebensgefährliche Situationen, die sie bewundernswert cool meistert, aber es ist zu ruhig, zu distanziert erzählt. Ein bisschen mehr Dramatik, Action und vor allem spürbare Emotionen hätten diese Szenen lebendiger gemacht.

Was die Charaktere anbelangt, so bleiben einige der zahlreichen Nebenfiguren ziemlich blass. Der Haupttenor liegt auf Pats Entwicklung, zunächst vom unscheinbaren Mädchen, im Schatten der hübscheren und energiegeladenen Schwester stehend, zur mutigen, sich in einem riskanten Umfeld bewährenden Agentin Emma, um danach wieder in Unscheinbarkeit zu versinken, denn die Leistungen der Agentinnen gingen seinerzeit unter. Erst als über 70-Jährige, nachdem sie ihre Schuldgefühle aus der Spionagezeit aufgearbeitet hatte, verwandelte sie sich zu einer wieder lebensbejahenden, für Neues offenen Frau. Gwens Wesen offenbart sich eher nur oberflächlich. Sie kämpft mit den Problemen jeder alleinerziehenden Mutter: Beruf und Zeit für das Kind unter einen Hut zu bringen. Sie liebt ihre Selbstständigkeit, ihren Beruf. Sie liebt wohl auch Balthasar, den Vater ihrer Tochter, zu dem freundschaftlicher Kontakt besteht. Aber er ist ebenso fest verwurzelt in Bayern wie sie in London. Eine schillernde Persönlichkeit ist Gwens Großmutter Ilsabé, reich, selbstbewusst und unabhängig, wirkt sie mitten in Kriegszeiten mit ihrem hochherrschaftlichen Stil etwas aus der Zeit gefallen.

Der Roman ist historisch informativ, würdigt die Leistung der Frauen im Zweiten Weltkrieg, die Protagonistinnen wirken authentisch und sympathisch. Auf jeden Fall ein Buch für jene, die gerne Bücher über starke Frauen lesen.

Bewertung vom 23.11.2025
Navarro, Fabian

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis


ausgezeichnet

Ein Katzenkrimi – witzig und spannend

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro (erschienen 2025) ist bereits der dritte Band der Cosy-Krimi-Reihe mit der Katzendetektivin.

Ich kannte Vorgängerbände zwar nicht, fand aber sofort in die Geschichte hinein und überblickte problemlos den relevanten Kreis der tierischen Protagonisten. Außerdem gibt es ja im Umschlag hinten eine Bildgalerie der im Hotel lebenden Tiere. Im Prinzip ist wohl jedes Buch für sich abgeschlossen, doch glaube ich, dass man diesen Band noch besser versteht und genießt, wenn man auch die Einzelheiten von Miez Marples Vorleben kennt.

Es ist einfach ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Das Umfeld, ein Luxushotel für Tiere, ist so anheimelnd beschrieben, dass man am liebsten selbst dort Urlaub machen möchte. Exzellentes Service, von geräumigen, bestausgestatteten Zimmern über Fellpflege bis zum Hauben-Dinner. Die zwei- und vierbeinigen Protagonisten sind jeder für sich ein Original, köstlichst beschrieben, was deren Eigenschaften und Eigenheiten anbelangt, sehr menschliche Charakterzüge weisen sie auf. Und dann die fantasievollen Namen, die Bezüge zu realen Personen - wie Florian Silberschweif, ein Schlagersänger, oder Gabriel zu Grundel, eine im Börsengeschäft versierte „Stockente“. Dazu kommt der sprachliche Faktor, die auf die Tierwelt angepassten Wortschöpfungen – so tappt die Katze nicht im Dunkeln, sondern sie tapst, und die Stockente handelt nicht mit Bitcoins sondern mit Bitcorns, u.v.a.m. Man kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus, insbesondere auch darüber, wie Katzen uns Menschen sehen, wie sie uns belächeln.

So amüsant es sich liest, die Spannung kommt dabei nicht zu kurz. Es geht Mysteriöses vor in dem Hotel. Mit dem Mord ist es nicht getan, es folgen Mordanschläge. Wer hat ein Motiv? Die tierischen Hotelgäste scheinen alle irgendetwas zu verbergen. Wirken alle verdächtig. Als Leser tendiert man mal zu jenem, mal zu einem anderen als Täter. Auch Miez Marple erkennt lange nicht die Zusammenhänge, bis sie eine überraschende Entdeckung macht und sich letztlich hinaus wagt aus dem sicheren Hotelgelände, um den Täter zu stellen. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, der Showdown ist wahrlich voller Dramatik.

Ich habe das Buch richtig genossen – die Ideenvielfalt, den Wortwitz, die fantasievollen auf die Tierwelt abgestimmten Begriffe, Redewendungen, aber natürlich auch die facettenreichen, sehr menschlichen Charakterisierungen der Tiere und last but not least den geschickt und sehr spannend aufgebauten Kriminalfall. Ich werde die beiden Vorgängerbände demnächst nachlesen und freue mich schon auf Miez Marples nächstes Abenteuer.

Eine unbedingte Leseempfehlung mit 5 Sternen!

Bewertung vom 20.11.2025
Herbst, Helen

Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet


ausgezeichnet

Mord in englischer Gartenidylle

„Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet“ von Helen Herbst (erschienen 2025) ist der erste Krimi der Autorin, ein Wohlfühlkrimi im britischem Stil.

Der Schreibstil ist flüssig, locker und bildhaft. Das britische Ambiente, der adelige Lifestyle, die das Herrenhaus umgebende Natur, der prachtvolle, weitläufige Garten ist gut vorstellbar beschrieben. Die Handlung spielt in der nicht näher festgelegten Gegenwart im englischen Surrey.

Das geruhsame Leben, das Lady Agnes Blackwood mit ihrem Butler Henderson und ihrer Köchin Grace auf Rosewood Manor zurückgezogen führt, wird jäh gestört, als eines Morgens der Gärtner mit einer Gartenschere erstochen im Rosenbeet liegt. Von Kommissar Edward Sterlings Kompetenz nicht wirklich überzeugt, beschließt Lady Agnes, selbst zu ermitteln. Gemeinsam mit Henderson interessiert sie sich für das Umfeld des Gärtners, verfolgt Spuren, erfährt so manches über ihren Angestellten, was sie zuvor nicht wusste. Und genau diese Details tragen zur Spannung bei, machen die Handlung interessant, geben Rätsel auf und laden zum Mitraten ein.

Wie stets, so wird auch dieser Cosy Krimi von vorwiegend liebenswürdigen Protagonisten bevölkert. Deren Wesen, Eigenarten und charakterliche Entwicklung macht neben der Mördersuche den Reiz dieses Romans aus. Denn vor dem Mordfall herrschte auf Rosewood Manor die in diesen Kreisen übliche Distanziertheit zwischen dem Adel und dem Personal. Doch je mehr sich Lady Agnes aus ihrer Komfortzone hervor und unter die Menschen wagt, desto persönlicher und emotionaler werden die zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch der Kommissar, der eigentlich nur als Nebenfigur agiert, ist ein spezieller Typ, der sich ebenfalls wandelt.

Die Ermittlungen sind lange Zeit nicht von Erfolg gekrönt. Die von Lady Agnes verdächtigten Personen erweisen sich als unschuldig. Erst nach einer überraschenden Entdeckung wendet sich das Blatt, kommt so einiges ans Tageslicht, was sich der Gärtner zuschulden kommen ließ. Auch die Menschen auf Rosewood Manor kommen sich näher, offenbaren einander ihre Probleme, finden gemeinsam Lösungen. Als Lady Agnes schließlich den wahren Mörder erkennt, gerät sie in höchste Gefahr. Nach einem dramatischen Finale landet der Täter hinter Gittern und auf Rosewood Manor brechen neue Zeiten an.

Helen Herbst ist ein wunderbar stimmiger, gleichsam auch spannender Cosy-Krimi gelungen, dessen Wendungen immer wieder überraschen, mit originellen Protagonisten, die man einfach mögen muss. Ich hoffe sehr, dass sich hier eine neue Reihe entwickelt. Denn ich würde gerne wissen, wie es zwischenmenschlich weitergeht auf Rosewood Manor und welche Fälle Lady Agnes noch zu lösen hat.

Leseempfehlung für alle, die englische Wohlfühlkrimis lieben!

Bewertung vom 18.11.2025
Franz, Franziska

Tatort Kettenhofweg


ausgezeichnet

Wie sich ein grausames Verbrechen auf das Umfeld auswirkt

„Tatort Kettenhofweg“ von Franziska Franz (erschienen 2025) basiert auf einem wahren Mordfall, harmonisch eingebettet in eine fiktive Geschichte, die erzählt, wie die Menschen im unmittelbaren Umfeld eines Tatortes das Geschehen wahrgenommen haben könnten.

Es handelt sich um das bislang grausamste Verbrechen, das in Frankfurt am Main verübt wurde. In einer noblen Gründerzeitvilla, einem geheimen Bordell, am Kettenhofweg 124a wurden am 15. August 1994 sechs Personen brutal ermordet. Vier Tage später kam es zur Verhaftung eines Ehepaares, das mordete, um die Zeugen ihres Raubüberfalls zu beseitigen. Abgesehen davon, dass dieser Mordfall bereits 1994 geschah, ist er mir als Österreicherin nicht wirklich in Erinnerung. Umso interessanter las sich die Geschichte für mich. Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert, im Stadtarchiv, in der Stadtchronik und diverse Medienberichte. Kontakte zu Experten, dem damaligen Oberstaatsanwalt und Anwohnern haben das Bild abgerundet. Im Nachwort erfährt man konkret, was Fakt und was Fiktion ist.

Im Mittelpunkt der erfundenen Geschichte stehen zwei ältere Anrainer, nämlich Helga Lindemeyer und Albert Lehmann, die nicht nur im Vorfeld der Tat das Treiben in der benachbarten Villa beobachten, sondern sich auch nach der Tat weiter intensiv damit befassen, indem sie die Zeitungsberichte verfolgen. Geschickt hat die Autorin die Fakten mit den fiktiven Eindrücken verwoben, auch chronologisch – die Kapitel sind exakt datiert - gut nachvollziehbar.

Durch die Schilderung von Helga Lindemeyers und Albert Lehmanns Alltag, ihrer Beobachtungen, Eindrücke, Mutmaßungen und Ängste wirkt das Geschehen sehr lebendig. Man wird in den Fall hinein gesogen, zwar wissend, worauf es hinausläuft, dennoch gebannt. Die Perspektivenwechsel gestalten die Handlung abwechslungsreich und geschickt gesetzte Spannungsmomente sorgen für gewisse Dramatik. Die private Story ist berührend, man kann Helgas Einsamkeit und Furchtsamkeit nachempfinden, auch ihr Bedürfnis, mehr über die Hintergründe zu erfahren, ihren Gerechtigkeitssinn. Das Streben der beiden alten Leute nach mehr Information treibt die Handlung voran und offenbart gleichsam sukzessive die Fakten, vom Tathergang bis zu den Verurteilungen.

Die Charaktere sind einfühlsam beschrieben. Helga, seit kurzem verwitwet, lebt alleine mit ihrem geliebten Dackel. Sie vermisst ihren Mann, ihre Stütze im Alltag. Sie wirkt anfangs noch sehr naiv, ein bisschen weltfremd, ängstlich und hilflos, doch sie entwickelt eine unerwartete, an Sturheit grenzende Energie, zunächst das Treiben in der Villa zu erkunden und letztlich möglichst viel über Täter und Tathergang zu erfahren. Alberts Motivation für die Nachforschungen hat zwar andere Gründe, doch das gemeinsame Ziel macht die beiden zu Verbündeten.

Mir hat dieser True-Crime-Fall sehr gut gefallen, vom Schreibstil ebenso wie vom Inhalt her. Einerseits sind die Informationen zu den Fakten sehr umfassend, ohne sich in blutige Details zu verlieren. Anderseits kann man sich gut in die Situation und Gefühlslage der Menschen im Umfeld des Tatorts hineinversetzen. Ich spreche eine eindeutige Leseempfehlung aus und vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 16.11.2025
Weiß, Sabine

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

DNA – Eindeutiger Schuldbeweis !?

„Die Chemie des Verbrechens“ von Sabine Weiss ist der gelungene Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe der Autorin.

Das Buch erschien 2025, die Handlung spielt im Jahr 2025 mit Rückblenden zu den Vorkommnissen im Jahr 2007 in Norddeutschland, vorwiegend in Hamburg. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sowohl die Menschen als auch deren Umfeld sind gut vorstellbar beschrieben.

Ruben Rickleffs führt ein Unternehmen, das sich mit Ahnenforschung befasst. Als Grundlage dient jeweils die DNA der Menschen. Auch er hat seine DNA in die Datenbank eingespielt. Vor 18 Jahren wurde die Schülerin Ute P in Kirchwerder ermordet. Die Tat konnte nie aufgeklärt werden. Als die Eltern des Mädchens von dieser Datenbank erfahren, lassen sie einen Schal untersuchen, den sie all die Jahre aufbewahrt hatten und den Ute trug, als sie getötet wurde, und der DNA-Spuren des Täters an sich hat, und geben vor, Verwandte zu suchen. Die Untersuchung ergibt eine Übereinstimmung mit Rubens DNA. Für die Polizei ist dies ein eindeutiger Beweis seiner Schuld. Er kommt in Untersuchungshaft.

Die junge Strafverteidigerin May Barven ist promovierte DNA-Forsensikerin. Durch ihr Fachwissen ist sie die Einzige, die Ruben Rickleffs helfen kann. Doch ihre Argumente, mit denen sie diese Eindeutigkeit der Schuld abstreitet, genügen nicht. Sie ist überzeugt, dass es einen weiteren Menschen geben muss, auf den dieselben DNA-Merkmale zutreffen.

Die Suche nach diesem Mr. X erweist sich als eine überaus packende Reise, bei der viel Wissenswertes über die Zuverlässigkeit von DNA-Spuren vermittelt wird, voll überraschender Wendungen und unerwarteter Enthüllungen. Einerseits gestalten die Perspektiven- und Ortswechsel die Handlung abwechslungsreich und offenbaren auch die Sicht des Umfeldes sowohl des Mordopfers als auch des Beschuldigten, andererseits vermitteln die Rückblenden auf jene Nacht, als ein paar Jugendliche einem Mitschüler eigentlich nur einen Streich spielen wollten, sukzessive, was noch alles geschah und wer involviert war. Die Spannung steigert sich, je mehr Informationen durch Mays und Tareks unermüdliche Recherchen ans Tageslicht kommen. Es bietet sich auch reichlich Möglichkeit zum Miträtseln. Erst nach einem dramatischen Finale ist der Fall geklärt, der Täter ermittelt.

Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren sind lebendig und mit markanten Wesenszügen gezeichnet. Das jeweilige Charakterbild wird durch Einblicke in den Alltag der Personen abgerundet, beruflich wie privat. Insbesondere May und der Privatdetektiv Tarek sind Menschen mit Ecken und Kanten, die über Stärken und Schwächen verfügen und Emotionen zeigen. May und Tarek, beide eher Einzelkämpfer, müssen sich erst zusammenraufen, arbeiten jedoch letztlich gut zusammen. Ob Rubens Erlebnisse und Gefühlsleben im Gefängnis oder die einschneidenden psychischen Folgen eines Mordfalls auf Utes Angehörige, Stimmungen und Emotionen sind exzellent eingefangen.

Ich fand die Thematik DNA faszinierend, der Fall war komplex, exzellent aufgebaut, packend und anschaulich geschildert. Der Roman macht eindeutig Lust auf weitere knifflige Fälle der jungen Strafverteidigerin. Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung und 5 Sterne.

Bewertung vom 09.11.2025
Teufl-Heimhilcher, Brigitte

Zwillinge in Dur und Moll


ausgezeichnet

Es ist nie zu spät, einen Neubeginn zu wagen

Schon seit längerem stand der 2018 erschienene Familienroman „Zwillinge in Dur und Moll“ von Brigitte Teufl-Heimhilcher in meinem Bücherregal. Da es demnächst eine Neuauflage mit dem Titel „Rosis Geheimnis“ und eine Fortsetzung mit dem Titel „Rosis Weihnachtspläne“ geben wird, nahm ich dies zum Anlass, das Buch endlich zu lesen.

Kurz zum Inhalt: Nach dem Tod der Mutter treffen sich die charakterlich total unterschiedlichen Zwillingsschwestern Roswitha und Vicky nach langer Zeit wieder. Rasch erkennt Vicky, dass Roswitha, die scheinbar alles hat, um glücklich zu sein, Familie, Job und ein großes Haus, total unzufrieden mit ihrem Leben ist.

Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr gerne. Er ist locker, flüssig und humorvoll. Ihre Romane bevölkern stets primär sympathische Menschen, und man findet rasch in die Geschichten hinein, überblickt den Personenkreis, wobei die Charaktere gut vorstellbar beschrieben sind. Zudem genoss ich den Schauplatz des Romans – denn er spielt in Wien, meiner Heimatstadt.

Im Mittelpunkt steht Roswitha, seit 30 Jahren verheiratet, drei Kinder. Sie managt seit Jahrzehnten routiniert Haushalt und Familie und arbeitet im gemeinsamen Immobilienunternehmen. Sie ist tüchtig, pflichtbewusst, eine Perfektionistin. Ihr Ehemann und die Kinder – die Söhne sind bereits erwachsen, die Tochter in der Pubertät - sehen alles, was sie macht, für selbstverständlich an. Roswitha fühlt sich zusehends ausgenützt und nicht als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen. Diese Ignoranz verletzt sie, macht sie unleidlich und reizbar. Roswithas Charakter offenbart sich sehr facettenreich, ihre Stärken und Schwächen, Ängste und Sehnsüchte. Ihre Zwillingsschwester Vicky, verwitwet, ist ein lebensfroher, optimistischer und positiv denkender Mensch, quirlig, stets gut gelaunt. Sie sind grundverschieden, haben aber einen guten Draht zueinander. Ihr gelingt es nicht nur, Roswitha ein großes Geheimnis zu entlocken, sondern sie hilft ihr auch, ihr Leben umzukrempeln.

So locker und leicht sich der Roman auch liest, behandelt er doch eine ernsthafte Lebenskrise, eine Entscheidung, die tiefgreifende Veränderungen nach sich zieht. Es kommt durchaus zum Ausdruck, wie schwierig es für Roswitha ist, einen Neuanfang zu starten, und für die Familie, ihren Entschluss zu verstehen und zu akzeptieren. Was die Lektüre so angenehm macht ist, dass das Miteinander durch sehr viel Verständnis, dem Willen zu verzeihen und Rücksichtnahme geprägt ist, durch respektvollen Umgang. Es gibt weder Böswilligkeit noch Rachegelüste.

Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen. Nach einigen sehr aufwühlenden, tragischen Romanen, tat es mir gut, eine Geschichte mit Happy-End zu lesen, die dennoch keineswegs oberflächlich und kitschig ist. Nun bin ich neugierig auf die Fortsetzung, darauf wie Roswitha ihr neues Leben meistert.

Gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 5 Sterne.

Bewertung vom 09.11.2025
Schier, Petra

Schneeflöckchen, Weißpfötchen / Der Weihnachtshund Bd.10


ausgezeichnet

Kein leichte Aufgabe für den Weihnachtsmann

Mit „Schneeflöckchen, Weißpfötchen“ ist Petra Schier wieder ein sehr stimmungsvoller und romantischer Weihnachtsroman gelungen. Schon das Cover, weihnachtlich verschneit, mit einem entzückenden weißen Schäferhund lässt Vorfreude auf die Advent- und Weihnachtszeit aufkommen.

Das Buch erschien 2025 und ist bereits der 10. Band der Reihe „Weihnachtshund“. Jeder Band kann aber unabhängig von den anderen gelesen werden, auch wenn die Protagonisten der Vorgängerbände als Nebenfiguren agieren. Kennt man bereits mehrere Bände, so fühlt man sich fast dazugehörig zur Dorfgemeinschaft.

Petra Schiers Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam. Insbesondere die Gedanken der von den früheren Besitzern ausgesetzten und nunmehr ein neues Zuhause suchenden Hündin Amara gehen ans Herz. Sehr einfühlsam versetzt sich die Autorin in die Gefühlslage der Protagonisten, ob Mensch oder Tier. Ob fröhliches Zusammensein der Freunde oder traute Gespräche unter vier Augen, es wirkt stets lebendig und authentisch. Ebenso die romantischen bis dezent erotischen Szenen.

Das Weihnachtsflair durchzieht den gesamten Roman, mit gemeinschaftlichem Keksebacken, Ambiente am Weihnachtsmarkt und last but not least durch die Szenen mit dem Weihnachtsmann, seinen Rentieren und der Elfenschar. Auch wenn ich längst erwachsen bin und schon lange nicht mehr an das Christkind oder den Weihnachtsmann glaube, ich ließ mich von diesem Ausflug ins Märchenhafte gerne verzaubern.

Ich habe die Harmonie und Liebenswürdigkeit, die die Handlung ausstrahlt, genossen, dieses Abgleiten in eine heile Welt mit lauter fröhlichen, freundlichen Menschen, die einander zugetan sind, die einander mit Respekt und Rücksichtnahme behandeln, einfühlsam und verständnisvoll sind, jederzeit bereit, den anderen zu helfen. Wahre Freundschaften und stete Hilfsbereitschaft. Ein wunderbares Umfeld, nach dem man sich sehnt, in der Realität jedoch leider kaum noch findet.

Im Mittelpunkt stehen vier junge Leute, die seit ihrer Kindheit befreundet und stets füreinander da sind: Ellie, Xander, Jelena und Arian. Offiziell ist der Reisejournalist und -fotograf Xander nach längerem Auslandsaufenthalt heimgekehrt, um endlich sesshaft zu werden und sich hierorts mit einem Fotostudio selbstständig zu machen. In Wahrheit trieb ihn die Sehnsucht nach Ellie nach Hause, in die er seit Schulzeiten verliebt ist. Doch Ellie weiß nichts von seinen Gefühlen, sieht in ihm nur ihren besten Freund, mit dem sie über alles reden kann, auf dessen Rat und Hilfe sie sich immer verlassen kann. Xanders größten Wunsch, dass Ellie seine Gefühle erwidern möge, kennt auch der Weihnachtsmann und so zieht er seine Fäden. Als Ellie Patrice kennenlernt, geraten seine Pläne in Schwanken, doch mit Hilfe der Hündin Amara, die bei Ellie und Xander ein neues Zuhause gefunden hat, gelingt das Happy-End.

Und man schließt beglückt das Buch, wenn auch etwas traurig, weil die schöne Geschichte zu Ende ist. Allen, die romantische Weihnachtsgeschichten lieben, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Es tut der Seele wirklich gut!

Bewertung vom 09.11.2025
Jennar, C. K.

5 Cottages - Haus der dunklen Geister


ausgezeichnet

Wenn es in alten Gemäuern spukt …

„Haus der dunklen Geister“ von C.K. Jennar, 2025 erschienen, 125 Seiten, ist der Spin-Off-Band zur 5-Cottages-Serie und erwies sich als spannender Auftakt, mit wunderbarem Irland-Flair und sympathischen Protagonisten.

Bereits das Cover mit dem in Nebel eingehüllten alten Gebäude stimmt auf das Ambiente ein, auf ein bisschen Gruseln und spukende Geister. Und es schaudert einen gleich im ersten Kapitel – eine Leiche, viel Blut. Doch –ist das real!? Rätselhaft geht es weiter. Der Anwalt Robert Harrington erhält einen verlockenden, scheinbar unlösbaren Auftrag von einem mysteriösen Mandanten. Etwa zur gleichen Zeit bekommt auch die Journalistin Sarah O’Leary ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. Es geht um ein verhextes Haus, in dem ein Mord begangen wurde. Dessen Verkauf soll verhindert werden. Rob und Sarah beginnen gemeinsam zu recherchieren. Was sie letztlich herausfinden, ist überraschend und erschütternd für Rob.

Der Schreibstil ist flüssig und packend, vermittelt anschaulich die Atmosphäre, das Unheimliche. Die handelnden Personen sind gut vorstellbar gezeichnet, sympathisch und lebendig. Vor allem Robs aufrechter Charakter steht im Mittelpunkt, gestärkt und geprägt durch seine Kindheit und sein schwieriges Verhältnis zum Vater.

Ein gelungener Auftakt, der große Lust aufs Weiterlesen macht.
Eine unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung vom 08.11.2025
Winkelmann, Andreas

Entführung im Himmelreich / Mord auf Achse Bd.2


ausgezeichnet

Humorvoller Krimispaß

„Entführung im Himmelreich“ von Andreas Winkelmann (erschienen 2025) ist der zweite Band der Cosy-Krimi-Reihe des Autors.

Ich kannte den ersten Band zwar nicht, fand aber sofort in die Geschichte hinein und überblickte problemlos den relevanten Personenkreis. Die Handlung spielt auf dem tatsächlich existierenden Campingplatz Himmelreich bei Caputh, Brandenburg. Das Lokalkolorit ist harmonisch mit der Handlung verwoben und anschaulich beschrieben. Anhand der im Buchumschlag enthaltenen Landkarte fand ich mich optimal an den Schauplätzen zurecht.

Als Dauercamper und Ex-Schauspieler Björn Kupernikus und Annabelle, sein „Doktor Watson“, den verlassenen Lieferwagen des Bäckers am Ufer des Sees finden, liegt Selbstmord nahe, doch Kupernikus glaubt nicht daran. Noch dazu überschlagen sich die Ereignisse. Ein Einbruch auf einem Hausboot. Eine Leiche wird entdeckt, doch der Bäcker bleibt verschwunden. Der Fall entwickelt sich weitaus komplexer als geahnt. Perspektiven- und Ortswechsel gestalten die Handlung abwechslungsreich. Es ist zwar nicht prickelnd spannend und trotz Halloween-Ambiente nicht wirklich gruselig, aber die unerwarteten Wendungen und verblüffenden Erkenntnisse überraschten mich immer wieder. Bis zur finalen und schlüssigen Aufklärung der Zusammenhänge fragte ich mich, wie sich die einzelnen Details zum Ganzen formen werden.

In erster Linie hat mich der Krimi ausgezeichnet unterhalten – die humorvollen Dialoge, der flüssige und humorvolle Schreibstil, auch die originell gezeichneten Charaktere, die köstliche Situationskomik. Die durchwegs sympathisch gezeichneten Protagonisten, wie Kupernikus, Annabell, Kommissar Fass, die Rechtsmedizinerin Sabrina und last but not least die Hundedame Pinguin, sind gut vorstellbar dargestellt, wirken lebendig und authentisch. Zudem bevölkern auch noch etliche recht originell beschriebene Nebenfiguren die Handlung.

Mit einem Wort: es ist ein amüsanter Wohlfühlkrimi, der einfach Vergnügen bereitet und Lust auf weitere Fälle macht.

Bewertung vom 05.11.2025
Meyrick, Denzil

Der Tote im Kamin


ausgezeichnet

Mordermittlung kurz nach dem 2. Weltkrieg

„Der Tote im Kamin“ von Denzil Meyrick ist ein spannender Kriminalroman, dessen Handlung kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Yorkshire, Nordengland, angesiedelt ist.

Kurz zum Inhalt:
Dezember 1952. Inspector Frank Grasby wird in das kleine Dorf Elderby entsandt, um eine Diebstahlserie aufzuklären. Kaum hat er zu ermitteln begonnen, wird eine Leiche entdeckt. Und es bleibt nicht bei einem Toten …

Das Cover finde ich wunderschön, sowohl farblich, als auch stimmungsmäßig zum Inhalt passend. Überhaupt ist das Buch sehr edel ausgeführt, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Die Originalausgabe mit dem Titel „Murder at Holly House“ erschien 2023, die deutschsprachige Ausgabe, übersetzt von Sibylle Schmidt, im Jahr 2025.

Der Schreibstil ist flüssig, durchaus humorvoll, und sprachlich der Zeit angepasst. Das historische Flair ist deutlich spürbar. Einerseits die politische Lage nach Ende des Zweiten Weltkriegs, USA kontra UdSSR, die Bedeutung der Geheimdienste, andererseits die Nachwirkungen Kriegs, wie noch bestehender Mangel an Lebensmitteln. Die Männer sind durchwegs geprägt, auch traumatisiert durch ihre Kriegserlebnisse.

So einfach wie sich Grasby seinen Einsatz in Elderby vorgestellt hat, stellt sich dieser bei weitem nicht heraus. Nicht nur die Bewohner verhalten sich wenig kooperativ, auch von behördlicher Seite wird er nicht unterstützt. Der Geheimdienst schaltet sich ein, beschlagnahmt die Leichen, Grasby soll nur dem Schein nach ermitteln. Eine solche Vorgangsweise widerstrebt ihm aber. Er spürt, dass in dem verschlafenen kleinen Ort gefährliche Dinge am Laufen sind. Wem darf er vertrauen? Je mehr er sich auf Spurensuche begibt, desto gefährlicher wird es für ihn. Nur mit Glück entrinnt er so manchem Anschlag auf sein Leben.

Inspector Frank Grasby mochte ich auf Anhieb. Durchaus bemüht und tüchtig, ist er aber auch ein wenig ein Pechvogel, dem bei den Ermittlungen immer wieder ein Lapsus passiert. Er ist ein positiv denkender Mensch, der aus jeder Situation das Beste macht. Er ist humorvoll. Seine Äußerungen und Gedanken, ebenso wie seine Missgeschicke animierten mich des Öfteren zum Schmunzeln. Er wird von den anderen immer wieder unterschätzt, er ist nicht nur gebildet, sondern weiß sich auch sehr wohl durchzusetzen. Er agiert meist vorsichtig und überlegt, behält so manche Überlegung bei sich. Wenn er trotzdem in eine Falle getappt ist, gelingt es ihm immer wieder mit Glück oder einem rettenden Einfall, aus der Notlage zu entkommen. Grasby ist so eine Art Antiheld. Auch die übrigen handelnden Personen sind gut vorstellbar gezeichnet.

Mir hat der Krimi sehr gefallen. Das Zeitbild wurde anschaulich vermittelt, die Handlung war spannend, reich an überraschenden Wendungen, actionreich und insbesondere gefiel mir der Ermittler. Freue mich auf weitere Fälle. Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung mit 5 Sternen.