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raschke64

Bewertungen

Insgesamt 46 Bewertungen
Bewertung vom 19.03.2025
Vor hundert Sommern
Fuchs, Katharina

Vor hundert Sommern


gut

Erzählt wird eine Familiengeschichte über 100 Jahre, beginnend in der Mitte der 1920er Jahre. Erzählt wird sie vor allem über die Geschichte der Frauen der Familie. Da ist Clara, die als Flaschenspülerin in einer Brauerei angefangen hat und es später zu einem Hundesalon bringt, da ist ihre Tochter Elisabeth, die jetzt als 94-jährig in ein Seniorenheim gekommen ist, wiederum um deren Tochter Anna, die als Bibliothekarin in der Verwaltung arbeitet und deren Töchter Annabel und vor allem Lena, die ihr Studium schmeißen will.

Ich lese gerne solche Familienromane. Hier wird die Geschichte aus drei Perspektiven erzählt, Clara, Anna und Lena. Ich hatte kein Problem, mich hineinzufinden. Allerdings konnte ich mich emotional nur schwer an die Figuren annähern. Da war Clara noch diejenige, mit der ich am meisten mitfiebern konnte. Anna war für mich zumindest in den Kapiteln verständlich, als sie Familie völlig überlastet hat. Es gab dann immer Lösungen, die plötzlich auftauchten. Für die beiden jüngeren Annabel und Lena fehlte mir oft das Verständnis, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin alle aktuellen Probleme irgendwie mit unterbringen wollte und das wurde einfach zu viel, weil ich oft mich oft irgendwie belehrt fühlte. Das Buch war gut und flüssig lesbar, aber für mich war es irgendwie nicht das Richtige

Bewertung vom 19.03.2025
Ein ungezähmtes Tier
Dicker, Joël

Ein ungezähmtes Tier


sehr gut

Sophie und Arpad haben scheinbar alles, was man sich wünscht. Gute Jobs, zwei gesunde Kinder, eine Luxusvilla in Genf und Sophies Vater, der mehr Geld hat, als er ausgeben kann. Doch die scheinbar so heile Welt hat mehr als nur einen Riss und mehr als nur ein Problem, Doch das merkt erstmal niemand

Ich mag die Bücher von Dicker. Allerdings fand ich dieses schwächer als die Vorgängerbücher. Ich mochte am Anfang den ständigen Wechsel der Kapitel durch die verschiedenen Erzähler und die unterschiedlichen Zeiten nicht zu sehr, weil ich das sehr anstrengend zu lesen fand. Erst ab dem zweiten Drittel des Buches ging das wesentlich flüssiger und die verschiedenen Zeitebenen waren besser für mich verständlich. Insgesamt überrascht der Autor natürlich wieder mit vielen Wendungen, teilweise völlig unerwartet. Und zum Ende hin wird es richtig spannend, auch wenn mir das letztendliche Ende nicht wirklich gefallen hat. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Insgesamt gibt es von mir allerdings doch eine Leseempfehlung

Bewertung vom 07.03.2025
Der große Riss
Henríquez, Cristina

Der große Riss


gut

Beim Bau des Panamakanals treffen verschiedene Interesse und verschiedene Menschen aufeinander. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Gesellschaftsschichten, aus weißen und farbigen Familien und benötigen das Geld oder wollen einen gesellschaftlichen Aufstieg. Das Buch erzählt die Geschichten dieser verschiedenen Menschen.

Mich lässt das Buch etwas unentschlossen zurück. Zum einen hatte ich mir etwas mehr zur Geschichte des Panamakanals vorgestellt. Zum anderen werden die verschiedenen Personen in eher kurzen Episoden vorgestellt. Das miteinander und ineinander Verwobene ist zwar wunderbar konstruiert, aber die vielen Menschen und die Kürze der Geschichten hinterlassen bei mir keinen bleibenden Eindruck. Ich konnte mich irgendwie nicht darauf einlassen und hatte immer im Hinterkopf, dass für mich weniger mehr gewesen wäre. Also weniger Leute und dafür die Geschichte intensiver. Der Schreibstil ist zwar gut aber irgendwie kann ich mich mit dem Buch nicht richtig anfreunden. Daher gibt es von mir keine Leseempfehlung, aber auch kein Abraten.

Bewertung vom 07.03.2025
Die Allee
Anders, Florentine

Die Allee


ausgezeichnet

Das Buch erzählt die Geschichte des berühmten Architekten Hermann Henselmann und seiner Familie. Speziell geht es um Hermann, seine Frau Isi und seine Tochter Isa. Alle anderen Kinder und Enkel kommen zwar vor, werden aber relativ kurz erwähnt. Es geht auch um die Geschichte berühmter Bauten in der DDR.

Prinzipiell hat mir das Buch gut gefallen. Ich bin zu einer Zeit geboren, als die meisten Bauten von Hermann Henselmann schon standen. Und ich gebe zu, mich hat bisher nie interessiert, wer der Architekt hinter diesen berühmten Straßen, Plätzen oder auch dem Fernsehturm war. So habe ich durch das Buch sehr viel Neues gelernt. Die Beschränkung auf die drei Mitglieder der großen Familie kann ich nachvollziehen, weil sonst das Buch wahrscheinlich zu sehr ausgeufert wäre. Das Leben in der DDR kann ich gut nachvollziehen, auch wenn die Familie weit über dem normalen Durchschnitt lebte und in anderen Kreisen verkehrte, als der übliche DDR-Bürger. Das Einzige, was mir nicht ganz so gut gefiel, war der Schreibstil. Er ähnelte eher einem Sachbuch als einer Familiengeschichte und mir fehlte persönlich ein wenig der emotionale Zugang zu den Personen. Trotzdem gibt es von mir eine Leseempfehlung

Bewertung vom 07.03.2025
Von hier aus weiter
Pásztor, Susann

Von hier aus weiter


ausgezeichnet

Marlenes Mann ist gestorben. An einer schweren Krankheit und durch Selbstmord. Doch das ist noch nicht alles. Marlene verschließt sich vor der Welt, bleibt in ihrem Haus und will nur ihre Ruhe. Anrufe werden nicht entgegengenommen, Freunde und Familie nicht hereingelassen. Erst als es ein handwerkliches Problem gibt, ruft sie einen Klempner. Nicht ahnend, dass der bei ihr einziehen wird.

Das Buch ist sehr schön. Das beginnt mit dem passenden Cover und geht weiter mit dem wunderbaren Schreibstil. Außerdem verbreitet es trotz des sehr schweren Themas unheimlich viel Hoffnung. Die Wandlung von Marlene in den verschiedenen Phasen der Trauer und Wut ist nachvollziehbar. Auch gibt es einige Überraschungen und sehr humorvolle Ereignisse. Das alles macht das Lesen zu einem Erlebnis und von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 25.02.2025
Kummersee
Schwarz, Iver Niklas

Kummersee


ausgezeichnet

Lena ist 9, als ihr Bruder im eigentlich verbotenen Kummersee ertrinkt. Allerdings ist sie der Meinung, dass eine Art Monster daran schuld ist. Niemand glaubt ihr. 30 Jahre später kehrt sie an den See zurück, weil sie als Polizistin ein Vermesserteam begleitet, das den See als mögliche Atomendlagerstätte prüfen soll. Die Nachbarn und Umweltaktivisten versuchen, die Arbeit zu verhindern. Als ein Kollege ermordet wird, versucht Lena, dem Geheimnis auf dem Grund zu gehen. Doch viele wollen das verhindern.

Was für ein Debüt! Das Buch enthält alles, was ein guter Thriller haben muss. Eine vielschichtige Geschichte mit unheimlich viel Spannung und verschiedenen Lösungsmöglichkeiten. Dazu ein guter geradliniger Stil und eine nicht einfache, aber insgesamt sympathische Ermittlerin. Als Leser hat man zunächst gar keine Ahnung, wohin sich alles entwickeln wird, und es gibt immer wieder Wendungen und auch Überraschungen. Das Ende ist dann gleich ein wenig heftig, aber immer noch glaubhaft.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 25.02.2025
Die Garnett Girls
Moore, Georgina

Die Garnett Girls


gut

Die Garnett-Familie ist schon etwas Besonderes. Die Mutter Margo genießt ihr Leben: mit jugendlichen Liebhabern, Partys und dem Verbot, Richards Namen zu erwähnen. Richard war ihre große Liebe und der Vater ihrer drei Töchter. Er hat die Familie verlassen. Die Töchter Rachel, Imogen und Sasha halten sich an die Vorgaben, an die alten Regeln von Margo und haben in ihren eigenen Beziehungen ebenfalls mehr oder weniger große Probleme.

Das Buch ist eine Familiengeschichte über eine sehr besondere Familie. Anfangs war ich regelrecht begeistert über den Stil und habe die Seiten fast fliegend gelesen. Doch je weiter die Geschichte vorwärts ging - der Stil bliebt gleich gut - fing ich mehr und mehr an, mich etwas zu langweilen. Was vor allem daran lag, dass ich zu den Personen so gut wie keine Beziehung aufbauen konnte. Sie blieben irgendwie blass und hatten für mich einfach zu wenig Tiefgang. Ich konnte die Geschichte an jeder Stelle unterbrechen und war überhaupt nicht mehr begierig darauf, weiterzulesen. Erst gegen Ende der Geschichte änderte sich das wieder. Das ist schade, weil das Buch an sich nicht schlecht ist.

Daher spreche ich keine Leseempfehlung aus, würde aber auch niemand vom Lesen abhalten wollen.

Bewertung vom 25.02.2025
Die Brandung - Leichenfischer
Kliewe, Karen

Die Brandung - Leichenfischer


ausgezeichnet

In der Nähe von Flensburg werden sowohl auf deutschem wie auf dänischem Gebiet jeweils eine tote Frau gefunden. Sie liegen in einer Art Wikinger-Grab zusammen mit billigen Grabbeigaben. Auf beiden Seiten ermitteln die jeweiligen Polizeibehörden und Fria Svensson, die als Archäologen in einem Museum arbeitet, unterstützt beide Seiten. Doch die Suche nach dem Täter gestaltet sich als sehr schwierig

Das Buch ist der zweite Teil der Reihe. Ich kenne den ersten Teil (noch) nicht, werde ihn auf jeden Fall aber noch lesen. Allerdings ist der zweite Teil problemlos ohne Vorkenntnisse zu verstehen. Das Buch lässt sich sehr gut lesen, der Stil ist direkt und ohne große Schnörkel. Die handelnden Personen sind interessant, aber es geht in erster Linie um den Fall, was mir gut gefällt. Die Ermittlungen sind nachvollziehbar und für mich realistisch. Es ist eine sehr große Spannung vorhanden, weil man überhaupt keine Anhaltspunkte hat, wer der Täter sein könnte. Die Hinweise führen fast immer in die Irre und so bleibt man dann einfach an der Geschichte dran. Die Fortsetzung ist angekündigt und darauf freue ich mich. Von mir gibt es absolut eine Leseempfehlung

Bewertung vom 18.02.2025
Der Gesang der Seeschwalben / Die Bücherfrauen von Listland Bd.1
Engelmann, Gabriella

Der Gesang der Seeschwalben / Die Bücherfrauen von Listland Bd.1


sehr gut

Anna Ist Journalistin und hat mehrere Podcasts über Bücherfrauen veröffentlicht. Der beste davon war mit der 85-jährigen Bücherfrau Fenja von Sylt. Anna hat die Idee, daraus eine Bücherreihe zu schreiben. Der Verlag ist begeistert und Anna fährt nach Sylt, um Fenja von der Idee zu überzeugen. Doch Fenja ist spurlos verschwunden und ihre Tochter Elisa hat keine Ahnung, wohin sie ist. Beide begeben sich auf die Suche nach Fenja und gleichzeitig auf die Suche nach der Vergangenheit und der Familiengeschichte.

Das Buch ist auf zwei Ebenen erzählt. Ich mag solche Geschichten. Doch normalerweise finde ich die Geschichte in der Vergangenheit meist die bessere. Hier war es für mich eher die Geschichte in der Gegenwart. Was vor allem daran lag, dass ich am Anfang die Sprache, vor allem in der wörtlichen Rede, in der Vergangenheit einfach nur furchtbar gestelzt fand. Ich habe mehrfach nachgeschaut, ob die Geschichte wirklich 1937 und nicht 1837 spielt. Doch zum Glück änderte sich das bald und nach und nach wurde der Stil wieder normal und beide Geschichten gleich gut. Besonders gut hat mir allerdings die Beschreibung von Sylt, seiner Natur, dem Meer, den Tieren und Pflanzen gefallen. Man bekommt sofort Sehnsucht nach dem Meer. Unter anderem das ist eine große Stärke des Buches, für das ich eine Leseempfehlung ausspreche

Bewertung vom 18.02.2025
Coast Road
Murrin, Alan

Coast Road


sehr gut

Irland 1994. In das kleine Küstenstädtchen Ardglas hat nur ein Thema. Colette ist wieder da. Sie hatte ihre Familie verlassen, um in Dublin selbstständig mit ihrem Liebhaber zu leben und dort als Dichterin und Lektorin an der Uni zu arbeiten. Doch jetzt ist sie zurück und mietet ein kleines Cottage. Damit ist sie momentan die skandalträchtigste Person im Ort, denn Scheidung gibt es in Irland noch nicht und das, was sie sich herausnimmt, dürfen normalerweise nur Männer

Das Buch hat mich erschreckt. Erschreckt deswegen, weil mir nicht bewusst war, wie zeitlich nah das Geschehen in Irland eigentlich ist. Gerade mal 30 Jahre her, dass dort die Scheidung erlaubt wird und auch Frauen die Möglichkeit haben, sich von ihren Männern zu trennen. Das Buch zeigt anhand von verschiedenen Frauen, welche Möglichkeiten es damals gab bzw. wie gering die Möglichkeiten eigentlich waren. Das ist gut beschrieben und das Buch zieht einem in einen eigenartigen Bann. Ich war zwar mit der Person von Colette nicht einverstanden und habe einige ihrer Handlungen und Reaktionen nicht nachvollziehen können. Doch ihr Ende hat sie auf keinen Fall verdient. Mich hat „getröstet“, dass zwei Jahre später das Gesetz zu einer möglichen Scheidung auch in Irland angenommen wurde