To Cage a Wild Bird hat mich positiv überrascht und daran erinnert, wie stark dystopische Geschichten sein können, wenn sie ein klares, düsteres Konzept verfolgen. Die Idee eines Gefängnisses, in dem Inhaftierte nicht nur ihrer Freiheit beraubt werden, sondern zur Unterhaltung der Reichen gejagt werden können, ist schockierend und gleichzeitig erschreckend greifbar.
Raven als Protagonistin hat mir gut gefallen. Sie ist hart, entschlossen und bereit, moralische Grenzen zu überschreiten, um ihren Bruder zu schützen. Gerade dieser innere Konflikt macht sie interessant. Ihre Entwicklung hin zu mehr Vertrauen und ersten Bindungen innerhalb einer Gruppe fand ich glaubwürdig umgesetzt. Auch Vale als Gegenpart bringt Spannung in die Geschichte, vor allem durch seine ambivalente Rolle und die Dynamik zwischen Pflicht und Mitgefühl. Die romantische Ebene funktioniert für mich solide, auch wenn sie nicht der stärkste Aspekt der Geschichte ist.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten fliegt. Die Handlung ist größtenteils temporeich und hält die Spannung konstant hoch. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen mehr Hintergrund zum World Building gewünscht. Die gesellschaftlichen Strukturen, die Entstehung des Systems und die größere politische Dimension bleiben noch recht oberflächlich, was stellenweise Fragen offenlässt.
Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch gut unterhalten. Die Brutalität wird nicht beschönigt, die Ungerechtigkeit des Systems klar aufgezeigt, und das Ende macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung.
Insgesamt ein spannender Auftakt mit einer starken Hauptfigur, düsterem Setting und viel Potenzial nach oben.
Mond-Fieber ist ein richtig gelungenes Kinderbuch, das sowohl beim Vorlesen als auch beim Selberlesen viel Freude macht. Die Geschichte ist spannend, humorvoll und kindgerecht erzählt, ohne dabei zu überfordern. Besonders gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel und die gut verständliche Sprache, die sich ideal für Kinder ab etwa sechs Jahren eignet, die schon etwas sicherer lesen.
Die Figuren sind liebevoll gestaltet und schnell ins Herz geschlossen. Leo ist neugierig, mutig und ein toller Identifikationscharakter. Seine Tante Agnetha ist herrlich erfinderisch und bringt viel Witz in die Geschichte. Ein absolutes Highlight ist Haushaltsroboter Albert, der mit seiner Art immer wieder für lustige Momente sorgt. Auch kleine Nebenfiguren fügen sich schön in das Abenteuer ein.
Was das Buch besonders macht, ist die Mischung aus Unterhaltung und Wissen. Ganz nebenbei lernen Kinder etwas über den Mond, die Raumfahrt und historische Mondmissionen, ohne dass es sich belehrend anfühlt. Die Informationen sind gut dosiert und passend in die Handlung eingebettet.
Ein großes Plus sind außerdem die farbigen Illustrationen. Sie sind detailreich, witzig und unterstützen das Textverständnis sehr gut. Dadurch bleibt die Geschichte lebendig und motiviert auch weniger lesebegeisterte Kinder zum Dranbleiben.
Insgesamt ist Mond-Fieber ein rundum gelungenes Kinderbuch mit viel Humor und Spannung. Ideal für den Übergang vom Erstlesebuch zu längeren Geschichten und eine klare Empfehlung.
"Die Wut war tröstlich. Wie eine freundliche Erinnerung" - S. 16
Das Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste. Entsprechend gespannt war ich auf die Geschichte, zumal mich auch die wunderschönen Neuauflagen der Reihe sofort angesprochen haben. Inhaltlich und optisch hat mich The Wrath and the Dawn größtenteils überzeugt.
Die Geschichte ist von 1001 Nacht inspiriert und verbindet orientalisches Setting mit Romantik, Intrigen und Magie. Besonders gefallen hat mir die Atmosphäre. Die Beschreibungen der Paläste, Gärten und Nächte wirken sehr bildhaft und schaffen eine fast märchenhafte Stimmung. Der Schreibstil ist stellenweise poetisch und angenehm zu lesen, sodass ich das Buch innerhalb von vier Tagen beendet habe.
"Ihre eigenen Tränen drohten eine verräterische Spur auf Shahrzads Wangen zu zeichnen" - S. 15
Shahrzad ist eine starke Protagonistin mit Ecken und Kanten, was sie für mich glaubwürdig gemacht hat. Auch Khalid bleibt lange rätselhaft, und genau dieses langsame Offenlegen seiner Geschichte sorgt für Spannung. Die Entwicklung zwischen den beiden hat mir insgesamt gefallen, auch wenn mir manche Aspekte etwas zu schnell gingen und ich mir an einigen Stellen mehr Tiefe gewünscht hätte.
Nebenfiguren wie Despina oder Jalal bringen zusätzliche Dynamik in die Handlung und runden das Gesamtbild gut ab. Nicht alles ist perfekt, vor allem das World Building und die magischen Elemente hätten für meinen Geschmack stärker ausgearbeitet sein dürfen, aber die Geschichte hatte trotzdem einen Sog, der mich bis zum Ende gefesselt hat.
Insgesamt ist The Wrath and the Dawn ein schöner, atmosphärischer Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. Nach diesem ersten Buch freue ich mich definitiv darauf, noch weitere Werke der Autorin zu lesen und auch der Fortsetzung eine Chance zu geben.
Eine stimmungsvolle Romantasy mit kleinen Schwächen, aber viel Gefühl und einer tollen Grundidee. Von mir gibt es klare 4 von 5 Sterne.
"Das Spiel mit Magie war ein Spiel mit dem Feuer, und am Ende verbrannte sich immer jemand" - S. 27
Ich bin mit großen Erwartungen in diese Geschichte gestartet, vor allem wegen des düsteren Settings und der rivalisierenden Gilden. Beim Lesen hatte ich auch durchaus Spaß, dennoch hat mich The Dagger and the Flame nicht ganz so mitgerissen, wie ich es mir erhofft hatte.
Der Schreibstil ist schön flüssig und sorgt dafür, dass man schnell in die Handlung hineinkommt. Ich wollte das Buch nach der Leseprobe daher auch direkt weiterlesen. Besonders die Dialoge und das Wortgefecht zwischen den Figuren haben mir gefallen und geben der Geschichte Tempo. Bei der Stadt Fantome habe ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht, denn das World Building wirkt insgesamt sehr klein und wenig durchdacht. Oft hatte ich das Gefühl, dass außerhalb der beiden Gilden kaum etwas existiert, was die Welt für mich weniger lebendig gemacht hat.
Seraphine mochte ich als Hauptfigur überraschend gern. Sie ist neugierig, mutig und bringt eine gewisse Leichtigkeit in die Geschichte. Ihre Perspektive hat für mich deutlich besser funktioniert als die von Ransom. Seine innere Zerrissenheit ist zwar interessant angelegt, blieb für mich in der Umsetzung aber etwas unbefriedigend und wirkte stellenweise unvollständig.
Die romantische Spannung zwischen den beiden gehört zu den stärkeren Aspekten des Buches. Das Enemies-to-Lovers-Element macht Spaß, vor allem durch das Katz-und-Maus-Spiel. Gleichzeitig verliert die Handlung für mich in der zweiten Hälfte an Spannung. Auch die Nebenfiguren hätten mehr Raum gebraucht, um wirklich Eindruck zu hinterlassen.
Am Ende hat mich die Geschichte zwar gut unterhalten, aber nicht so sehr gepackt, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Das Interesse an der Fortsetzung ist da, hält sich für mich aber eher in Grenzen.
Ein unterhaltsamer Auftakt mit flüssigem Schreibstil und gelungener Dynamik, dem es jedoch an Tiefe fehlt. Vielleicht kann Band zwei mehr überzeugen.
Memories So Golden Like Us von Gabriella Santos de Lima ist der zweite Band der Reihe Blue Eternity. Ich kannte Band eins nicht, hatte beim Lesen jedoch keinerlei Verständnisprobleme, da sich die Geschichte problemlos unabhängig lesen lässt.
Im Mittelpunkt steht Blair, eine junge Künstlerin, die nach dem Tod ihres Bruders völlig den Halt verloren hat. Alkohol, Affären und das Londoner Nachtleben sind ihr Versuch, den Schmerz zu betäuben. Die Öffentlichkeit begegnet ihr mit gnadenloser Härte, während ihre Familie versucht, sie aus diesem Strudel herauszuholen. An der britischen Küste soll Blair an einem neuen Kunstprojekt arbeiten und wird dabei ausgerechnet von Connor begleitet, dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders und ihrer heimlichen Jugendliebe.
Was mir sehr gefallen hat, ist die Art, wie Trauer dargestellt wird. Blairs Schmerz ist spürbar, roh und oft schwer auszuhalten. Kleine Auslöser werfen sie immer wieder zurück und machen deutlich, wie allgegenwärtig der Verlust für sie ist. Auch die eingestreuten Online Artikel und Kommentare haben mich beeindruckt, weil sie schonungslos zeigen, wie grausam und frauenfeindlich öffentliche Wahrnehmung sein kann. Diese Elemente verleihen der Geschichte Tiefe und eine bedrückende Authentizität.
Der Schreibstil transportiert Emotionen sehr intensiv, teilweise vielleicht sogar zu intensiv. Über weite Strecken bleibt Blair stark in ihrer Trauer gefangen, was realistisch ist, sich für mich als Leserin jedoch stellenweise zäh angefühlt hat. Ihre Entwicklung verläuft lange fast auf der Stelle und wirkt zum Ende hin dann überraschend schnell. Gerade der kreative Prozess und das angekündigte Filmprojekt rückten dabei mehr in den Hintergrund, als ich es mir gewünscht hätte, obwohl die Kunst eigentlich ein zentraler Teil von Blairs Identität ist.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Blair und Connor hat mich nicht vollständig abgeholt. Die Nähe zwischen den beiden ist da, ebenso die gemeinsame Vergangenheit, doch emotional fehlte mir etwas Tiefe. Connor blieb für mich insgesamt zu blass und hätte mehr Raum gebraucht, um greifbarer zu werden. Die körperliche Anziehung nimmt hingegen viel Platz ein, was Geschmackssache ist, für mich aber nicht immer zur emotionalen Entwicklung der Beziehung beigetragen hat.
Trotz dieser Kritikpunkte hat mich das Buch nicht kaltgelassen. Es ist schwer, traurig und konfrontierend und setzt sich intensiv mit Themen wie Verlust, Selbstwert und öffentlicher Verurteilung auseinander. Leichte oder hoffnungsvolle Momente sind rar, was die Lektüre stellenweise belastend macht, aber wohl auch genau so gewollt ist.
Insgesamt ist Memories So Golden Like Us ein emotional starkes, aber nicht durchweg ausgewogenes Buch, das mich zwiegespalten zurückgelassen hat. Für mich reicht es daher für solide drei Sterne. Leserinnen, die intensive Geschichten über Trauerbewältigung mögen und den Stil der Autorin schätzen, werden hier dennoch viel Gefühl und Nachhall finden.
Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in der Geschichte und wollte Sunny nicht mehr verlassen. Dieses Buch erzählt eine rasante, warmherzige Detektivgeschichte, die Spannung, Humor und eine starke Botschaft wunderbar miteinander verbindet.
Sunny ist blind, mutig, schlagfertig und unglaublich selbstsicher. Sie weiß genau, was sie kann, und lässt sich von niemandem unterschätzen. Dass sie sich selbst als Sachen-Sucherin bezeichnet, passt perfekt zu ihr, denn sie nutzt ihre geschärften Sinne mit beeindruckender Leichtigkeit. Als sie Ben begegnet, der etwas verloren hat und sich damit sichtlich schwertut, entsteht zunächst ein ungleiches Duo. Ben ist ruhig, verschlossen und unsicher, doch Sunny begegnet ihm offen und ohne Vorurteile. Genau daraus entwickelt sich eine besondere Freundschaft, die von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Zusammenhalt lebt.
Die Suche nach dem verlorenen Gegenstand ist spannend aufgebaut und bietet viele kleine Wendungen, die zum Miträtseln einladen. Dabei bleibt die Geschichte jederzeit kindgerecht und leicht verständlich. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Erzählung zwischen Sunnys und Bens Perspektive wechselt. So bekommt man nicht nur einen tollen Einblick in Sunnys Wahrnehmung der Welt, sondern lernt auch Bens Gedanken und Unsicherheiten besser kennen. Das macht beide Figuren greifbar und sehr sympathisch.
Der Schreibstil ist humorvoll, flott und angenehm zu lesen. Die Kapitel sind überschaubar, die Sprache klar und die Schriftgröße ideal für Kinder ab etwa acht Jahren. Die farbigen Illustrationen lockern den Text zusätzlich auf und unterstreichen viele Szenen mit witzigen Details, die zum Schmunzeln einladen. Auch optisch ist das Buch sehr gelungen und das Cover spiegelt die fröhliche, lebendige Atmosphäre der Geschichte perfekt wider.
Besonders wertvoll ist, wie selbstverständlich das Thema Blindsein in die Handlung eingebunden wird. Ohne belehrend zu wirken, vermittelt das Buch Empathie, Mut und Selbstständigkeit und zeigt, dass Einschränkungen kein Hindernis sein müssen, um stark, klug und unabhängig zu sein.
Für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight. Spannend, herzlich, inklusiv und voller Charme. Eine klare Leseempfehlung und absolut verdiente fünf von fünf Sternen.
Dieses Buch war mein erstes von Ruth Ware und entsprechend unvoreingenommen bin ich an die Geschichte herangegangen. Dass es sich um einen Thriller mit einer bereits bekannten Hauptfigur handelt, war für mich zunächst kein Problem, denn grundsätzlich lässt sich die Handlung auch ohne Vorkenntnisse lesen. Trotzdem hatte ich vor allem zu Beginn das Gefühl, dass mir an manchen Stellen Hintergrundwissen fehlt. Rückblicke und Verweise auf frühere Ereignisse bleiben recht vage und hätten für Neueinsteiger gern etwas klarer ausfallen dürfen.
Nach einem eher schleppenden Einstieg nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf. Lo Blacklock steht nach einer beruflichen Pause unter Druck und reist für einen Auftrag in ein luxuriöses Hotel in der Schweiz. Das Setting am Genfer See ist atmosphärisch und gut gewählt und bietet eine vielversprechende Bühne für einen Thriller. Sobald sich der zentrale Konflikt entfaltet, entsteht auch Spannung, die mich weiterlesen ließ.
Schwierigkeiten hatte ich allerdings mit der Hauptfigur. Lo trifft immer wieder Entscheidungen, die auf mich naiv und wenig nachvollziehbar wirkten. Sie lässt sich auf riskante Situationen ein, vertraut Fremden zu schnell und bringt sich damit selbst in gefährliche Lagen. Diese Handlungsweisen wirkten auf mich häufig konstruiert und nahmen der Geschichte an Glaubwürdigkeit.
Der Schreibstil ist insgesamt flüssig und gut lesbar. Die Autorin versteht es, eine gewisse Grundspannung aufzubauen und diese über weite Strecken zu halten. Dennoch fühlte sich vieles vorhersehbar an und einige Wendungen konnten mich nicht wirklich überraschen. Auch zum Ende hin blieb bei mir eher ein Gefühl von solider Unterhaltung als echter Begeisterung zurück.
Insgesamt war The Woman in Suite 11 für mich ein ordentlicher Thriller mit interessanter Kulisse, der jedoch nicht aus der Masse heraussticht. Mich konnte es nicht vollständig überzeugen, daher vergebe ich drei Sterne.
Dieses Buch hat mich stärker berührt, als ich es erwartet hätte. Auf den ersten Blick wirkt Botanic Hearts wie ein klassischer Wohlfühlroman, doch zwischen Pflanzen, Bücherregalen und provisorischen Lösungen steckt deutlich mehr Tiefe, als man zunächst vermutet.
Im Mittelpunkt steht Tansy, alleinerziehende Mutter und Leiterin einer öffentlichen Bibliothek, deren Leben durch einen Hurricane komplett aus den Fugen gerät. Nicht nur ihr Zuhause ist betroffen, sondern auch der Ort, für den sie brennt und den sie als Herzstück der Gemeinschaft versteht. Die Übergangslösung, die Bibliothek für mehrere Monate in einen botanischen Garten zu verlegen, bringt sie ausgerechnet mit Jack zusammen, der dort bald eine leitende Position übernehmen soll. Ihre erste Begegnung ist geprägt von Reibung, Missverständnissen und spürbarer Spannung, was die Ausgangslage sehr authentisch wirken lässt.
Besonders gefallen hat mir das Setting. Die Idee, Bücher zwischen Pflanzen, Gewächshäusern und Blumen unterzubringen, ist nicht nur originell, sondern auch atmosphärisch wunderschön umgesetzt. Man spürt förmlich die Ruhe, aber auch die Unsicherheit, die dieser Ort für beide mit sich bringt. Der Roman vermittelt ganz nebenbei, wie wichtig öffentliche Räume wie Bibliotheken oder Gärten für Gemeinschaft, Austausch und Heilung sein können, ohne dabei belehrend zu wirken.
Tansy ist eine starke, glaubwürdige Protagonistin. Ihre Verantwortung gegenüber ihrer Tochter, ihrem Team und den Menschen, die auf die Bibliothek angewiesen sind, verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Auch Briar fügt sich organisch in die Handlung ein und gibt ihr zusätzliche Wärme. Jack wiederum bleibt lange eher verschlossen, entwickelt aber nach und nach Konturen, was gut zur ruhigen, langsamen Annäherung zwischen den beiden passt.
Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und sehr bildhaft, auch wenn er für mich nicht durchgehend herausragend war. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig und bewusst ohne große Dramen. An manchen Stellen hätte ich mir dennoch etwas mehr emotionale Zuspitzung oder Tempo gewünscht, da sich einige Passagen leicht gezogen haben.
Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Botanic Hearts ist ein warmherziger, ruhiger Roman über Neuanfänge, Zusammenhalt und die Kraft von Orten, die Menschen verbinden. Kein Buch für große Spannung, aber eines, das sich wie ein sicherer, grüner Rückzugsort anfühlt. Von mir gibt es dafür sehr gute vier Sterne.
Die Geschichte rund um Nhika und ihre Heartsooth-Gabe fühlt sich frisch, originell und ganz anders an als vieles, was man im Fantasybereich sonst liest. Die Verbindung aus Fantasy und medizinisch anmutender Wissenschaft ist nicht nur spannend, sondern auch erstaunlich detailreich und durchdacht.
Nhika ist eine Protagonistin, die man nicht so schnell vergisst. Ihre Einsamkeit, ihre Stärke und ihre Verletzlichkeit liegen dicht beieinander und machen sie unglaublich greifbar. Man leidet mit ihr, hofft mit ihr und fiebert Seite um Seite mit. Die Welt, in der sie lebt, ist technisch weit entwickelt und gleichzeitig gesellschaftlich hart und ungerecht, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.
Besonders gefallen haben mir die Beschreibungen ihrer Gabe. Die Art, wie Körper, Heilung und Schmerz geschildert werden, ist intensiv und teilweise schwer auszuhalten, aber genau das macht den Reiz aus. Dazu kommt eine sehr ruhige, langsame Liebesgeschichte, die sich im Hintergrund entwickelt, ohne jemals im Vordergrund zu stehen. Kein Spice, dafür echte Nähe und Bedeutung.
Die Handlung bleibt durchgehend spannend, überrascht mit Wendungen und steuert auf ein Ende zu, das mir wirklich nahegegangen ist. Selten hat mich ein Schluss so still getroffen und gleichzeitig so neugierig zurückgelassen.
Sonne und Regen ist ein ganz besonderes Kinderbuch, das nicht nur die Kleinen anspricht, sondern auch Erwachsene berührt. Schon das Cover macht deutlich, worum es geht: Gegensätze, Gefühle und die Erkenntnis, dass beides zusammengehört. Regen und Sonnenschein, Traurigkeit und Freude.
Die Geschichte begleitet Mama und Finn durch alltägliche Fragen, die Kinder beschäftigen. Warum sind wir manchmal traurig, warum streiten wir uns, obwohl wir uns lieb haben, und warum müssen wir uns ausruhen, obwohl wir lieber spielen würden. Die Antworten sind kindgerecht, ruhig und verständlich, ohne zu vereinfachen oder zu beschönigen. Es wird gezeigt, dass alle Gefühle erlaubt sind und ihren Platz haben und dass gerade die schwierigen Momente das Schöne im Leben sichtbarer machen.
Besonders schön finde ich die liebevollen Illustrationen. Auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken, was das Buch auch beim wiederholten Vorlesen spannend macht. Die stabilen Pappseiten sind ideal für kleine Hände und laden dazu ein, selbst zu blättern. Der Text ist kurz gehalten und passt perfekt zum Alter der Zielgruppe.
Dieses Buch eignet sich wunderbar, um mit Kindern über Gefühle zu sprechen und ihnen Sicherheit zu geben. Es vermittelt auf sanfte Weise, dass das Leben nicht immer nur leicht ist, aber genau darin seine Schönheit liegt. Ein Buch, das bei uns immer wieder aus dem Regal geholt wird und das ich von Herzen empfehlen kann.
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