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La Calavera Catrina

Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 07.12.2025
Kang, Minyoung

Plant Lady


sehr gut

Yu-hee hat mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht. Entweder waren sie respektlos, manipulativ, zeigten keine Ehrfurcht vor dem Leben ihrer Pflanzen, die ihr seit Kindertagen das Liebste auf der Welt sind oder Schlimmeres. Ihr eigener Pflanzen-Shop erfreut sich im Viertel immer mehr Beliebtheit, weil die Inneneinrichtung zum Verweilen einlädt und sich Yu-hee mit ihrer sorgfältigen Pflanzenberatung einen Namen gemacht hat - aber auch, weil sie Frauen hilft, Probleme loszuwerden…

Es sollte ursprünglich eine Kurzgeschichte werden, was erklärt, warum sich die fünf Kapitel aneinanderreihen und wie Kurzgeschichten wirken, weil es in jeder von ihnen um eine andere Pflanze und auch um andere Kundinnen geht, die Yu-hee begegnen. Auch aus ihrer Sicht wird erzählt. Wie die Schülerin Min-ha, die staunend durch den Pflanzen-Shop stöbert und der Yu-hee eine Pflanze schenkt. Alle Frauen haben gemeinsam, dass sie ihren Männern, Vätern oder Freunden schutzlos aufgeliefert sind und nach Hilfe suchen. Yu-hee kümmert sich eigenmächtig darum. Natürlich bleibt das Verschwinden der Männer nicht ohne Folgen: Der Polizist Do-kyung ermittelt und beweist ein gutes Gespür. Das macht es spannender, denn letztlich ist Yu-hee eine solidarische Rächerin, deren Motive authentisch dargestellt werden und sich die Frage stellt, ob sie damit durchkommen wird.

Ich habe mitgefiebert, obwohl es kein Thriller ist, mochte den klaren Schreibstil, der Distanz wahrt, den Bezug zu Pflanzen und natürlich den schwarzen Humor. Ein Roman, der gleichermaßen unterhält und zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 07.12.2025
McDonnell, C. K.

Ring the Bells (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Wenige Tage vor Weihnachten tun sich für die Stranger-Times-Mitglieder Weltuntergangsprobleme auf. Ein grausiger Dreifachmord in der Bibliothek ist erst der Anfang. Während die Redaktion Opfer eines Cyber-Angriffs wird, durchstreift ein zerstörerischer Gott besitzergreifend London, bis er den Glauben wiedergefunden hat.

Autor C. K. McDonnell erzählt gewohnt abstrus und witzig in verschiedenen Handlungssträngen und Erzählperspektiven. Seine gleichbleibend originelle Qualität und seine skurrilen Figuren und schwarzhumorigen Dialoge sorgen für weit mehr als nur ein Schmunzeln. Rasant und abwechslungsreich sucht man hier vergeblich langweilige Wiederholungen, und kann trotzdem mögliche Wissenslücken aus den vorherigen Büchern schließen. Neben all den altbekannten Figuren, gibt es auch Neuzugänge, wobei für alle was dabei ist: vom ekelerregendem Kotzbrocken bis zu Herzen gehender Weihnachtsfreude in Person. Hier hat mich C. K. McDonnell positiv überraschen können, denn seine ernsten Töne sitzen ebenso treffsicher, wodurch «Ring The Bells», ganz im weihnachtlichen Sinne, auch etwas fürs Herz ist. Mit so einer emotionalen Achterbahn hätte ich jedenfalls nicht gerechnet, aber das Familienchaos eines Stranger-Times-Mitglieds beschert eben ein Weihnachtswunder der besonderen Art. Alles andere als normal nämlich! Wer die kleinen Details auf dem Cover entdeckt, wird sich auf die wunderlichen Gestalten freuen, die diesmal die Bühne betreten. Übersetzer André Mumot hat großartige Arbeit geleistet und «Ring The Bells» ist wieder ein wunderbares Lesevergnügen. Ein Ende noch nicht in Sicht!

Bewertung vom 01.12.2025
Kurisu, Hiyoko

Der Laden in der Mondlichtgasse


sehr gut

Nur Menschen, mit großen Sorgen, die ihr Leben in ein gefährliches Ungleichgewicht bringen, können das Jenseits betreten und den Weg zur Mondlichtgasse überhaupt sehen. Dort befindet sich die Confiserie Kohaku, die handgefertigte Süßigkeiten mit Zauberkräften verkauft. Der kauzige Inhaber ist der Fuchsgeist Kohaku, der Menschen für amüsante Kreaturen hält, die er studieren möchte.

Erst dachte ich, es würde sich nur um Kurzgeschichten handeln, aber das letzte Kapitel erzählt, wie es zur der „Confiserie Kohaku – lassen Sie sich von uns verzaubern!“ eigentlich kam und diese Geschichte mochte ich am liebsten, weil sie alles miteinander verbindet und ich gleich mehr über Kohaku wissen wollte. Fünf ganz unterschiedliche Menschen besuchen die Confiserie Kohaku und erzählen aus der Ich-Perspektive von ihren Erfahrungen. Dort kaufen sie sonderbares Naschwerk namens Wechselglück-Karamell, Offenherz-Kastanienmonaka oder einen Zauberschein-Liebesapfel, weil sie sich nach Liebe, Selbstbewusstsein, Ehrlichkeit oder Klarheit sehnen. So auch Chika, die gerade Mutter geworden ist und die Liebe ihres Mannes Itsuki vermisst, weil sich seit der Elternschaft vieles verändert hat. Alles Figuren mit glaubhaften Problemen, mit denen man sich identifizieren könnte. Umso wichtiger, dass klar wird, dass es nicht unbedingt Magie braucht, um Erkenntnis zu erlangen. Ein schönes Buch für zwischendurch, bei der mir die Idee mit Potenzial und die angenehme Erzählweise gefallen haben. Am liebsten mochte ich den Fuchsgeist Kohaku oder die Geschichte um den Zauberschein-Liebesapfel und Chikas wunderschönes Leuchten.

Bewertung vom 01.12.2025
Milán, Greta

Stay With Me in Willow Falls / Willow Falls Bd.2


sehr gut

Zu Paige Freundeskreis in in dem kleinen idyllischen Städtchen Willow Falls gehören auch Ahornfabrikinhaber Jared und Blumenladenbesitzerin Cassie - das Paar, um das es im ersten Band «Take Me Home to Willow Falls» ging. Nicht nur deshalb stellt sich beim Lesen schnell ein heimeliges Gefühl ein. Die verschworene Clique und der Zusammenhalt sind mit das schönste an der Reihe. Auch die erste Szene enthielt bereits so viele berührende Willow Falls Vibes. Allerdings kann der zweite Band auch unabhängig vom ersten gelesen werden. Paige ist ähnlich liebreizend wie Cassie. In ihrer eigenen Holzwerkstatt namens Woody´s kann sie sich kreativ ausleben und auch sonst hat sie einen klugen, ehrlichen und sanftmütigen Charakter. Ihr Love interest ist Miles Chamberlain, der sich nur vorübergehend wieder in Willow Falls aufhält und damit alte Wunden aufreißt. Denn Paige, ihr Bruder Reese und sein ehemals bester Freund Miles haben eine schmerzhafte Erinnerung gemeinsam. Deshalb geht es in der Story auch um die Bruder-Schwester-Beziehung der beiden. Miles wird daraufhin in Willow Falls nicht freudig empfangen, denn diese eingeschworenen Gemeinschaft ist ziemlich nachtragend. Die Kapitel aus Miles Sicht lassen aber schnell darauf schließen, dass er diesen Groll nicht verdient hat und Paige verzweifelte Suche nach einer geeignet Partner bald vorbei sein wird. „Warum zur Hölle fand ich keinen netten, sympathischen Mann, der sich auch in mich verlieben konnte?“ Es ist eine romantische Geschichte über Schuldgefühle, Versöhnung, Vergebung, Freundschaft und die große Liebe. Ich hätte mir etwas mehr Humor gewünscht und ingesamt hat mir «Take Me Home to Willow Falls» besser gefallen - dort kam auch mehr Herbstatmosphäre auf. Am Ende wurde es mir zu langatmig und der dramatische Teil war mir zu gewollt und vorhersehbar, aber ich wurde über weite Strecken gut unterhalten und vergebe 3,5 Sterne. Was auch immer da zwischen Owen und Reese nach den vielen Andeutungen ist - es ist ziemlich offensichtlich, dass sich ein dritter Teil um die beiden anbahnt.

Bewertung vom 27.11.2025
Evans, Virginia

Die Briefeschreiberin


ausgezeichnet

Die 73-jährige Sybil van Antwerp gibt eine ganz hervorragende Hauptfigur ab, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen. Sie hat einen nicht ganz umgänglichen Charakter, ist streitlustig und eigenbrötlerisch, vor allem aber klug, nachdenklich und sie schreibt so galant formuliert, dass ich selbst gern Briefe von ihr erhalten würde. Deshalb habe ich den Briefroman sehr genossen, zumal ich eine Faible für diese Literaturform habe.

„Schreiben fiel mir leichter als Sprechen. Das ist bis heute so geblieben.“

Wie ein Puzzle setzt die Autorin Virginia Evans das Bild von Sybil und ihrem Leben zusammen. Dabei weckt sie nicht ganz unabsichtlich die eigene Lust zum Briefeschreiben, da Sybil schwärmerisch das geschriebene Wort huldigt und viele gute Gründe aufzählt, die ich selbst an der „ursprünglichsten Formen des gesitteten Austauschs“ schätze.
Ich bin vom Hörbuch (ganz großartig gesprochen von Beate Himmelstoß) auf das Buch umgestiegen, da ich besser damit zurecht kam, die Briefe vorzublättern, um zu sehen, wer sie verfasst hat, wenn sie nicht von Sybil stammten. Über drei Jahre Korrespondenz - und es ist erstaunlich, wie viel man den Briefen und Mails entnehmen kann und wie gut diese Erzählweise funktioniert, die ganz ohne Szenen, Dialoge oder Begegnungen auskommt. An einigen Stellen hat mich Virginia Evans auch neugierig gemacht und eine angenehme Spannung erzeugt. Wer ist der anonyme Schreiber mit dem Kürzel DM, der Sybil zunehmend ängstigt? Dann ist da noch die drohende Blindheit und der damit verbundene Verlust ihrer bevorzugten Kontaktpflege. Dieser Satz lässt ahnen, wie sie damit umgeht: „Ich werde wohl eingehen wie ein Fisch, den man aus dem Teich gezogen und auf dem Steg in der prallen Sonne vergessen hat.“ Dann hat mich noch neugierig gemacht, wem Sybil die besonders tiefgründigen und ehrlichen Zeilen schreibt, die sie dann nicht abschickt. Es erweckt den Eindruck eines Tagebuchs und es gibt es auch Geheimnisse in ihrem Leben. Ganz besonders mochte ich allerdings die vertrauensvollen Briefe an ihren Adoptivbruder, den sie sehr schätzt und dessen Antworten von Humor gezeichnet sind. Auch ihre Vorliebe, Autoren zu schreiben, fand ich vorzüglich, weil es ihre Leseleidenschaft aufnimmt und ihre klugen Leseeindrücke eine Freude sind. Die Korrespondenzen sind vielfältig und zeigen viele Facetten. Mir wurde jedenfalls nicht langweilig. Die Avancen des Nachbarn haben mich schmunzeln lassen und all das zeigt vermutlich schon, wie sehr ich «Die Briefeschreiberin» geliebt habe. Ein Jahreshighlight für mich, dem ich eine große Leserschaft wünsche, die ganz besondere Bücher mit Herz und Humor entdecken möchte.

Bewertung vom 22.11.2025
Funke, Cornelia

Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk (Band 5) - Mit 8 illustrierten Farbseiten


ausgezeichnet

Das neue Abenteuer legt ein flottes Tempo vor, denn die Familie Tomsky wird mitten in der Weihnachtsvorbereitung von einer besonders perfiden Spukerscheinung überrascht, welches äußerst einfallsreich und erbarmungslos vorgeht. Für Tom, der Weihnachten eh schon nicht leiden kann, beginnt ein Albtraum. Die Bekämpfung des WBS (WeihnachtsBaumSpuk) erweist sich, aufgrund fehlender Forschungsergebnisse, als besonders schwierig. Kann Kümmelsaft & Co. unter solchen Bedingungen das Weihnachtsfest überhaupt noch retten?

Cornelia Funke ist es gelungen, an all die vergangen Abenteuer der beliebten Gruselreihe anzuknüpfen und die Faszination für die Gespensterjagd wieder neu zu entfachen. Gespensterjäger-Expertin Hedwig Kümmelsaft, Gespensterjäger-Naturtalent Tom Tomsky und das mittelmäßig unheimliche Gespenst Hugo sind zurück, als wären sie nie weggewesen. Es fühlt sich vertraut an und gleichzeitig gibt es genug kleine Hinweise, die keinen Zweifel daran lassen, in welcher Zeit wir uns befinden. Ein ganz besonderes Gefühl, wenn man die alten Bücher noch kennt oder gerade wieder entdeckt hat. Es ist aber auch anders, als die bisherigen Bücher. Diesmal wird es sehr persönlich und Tom begegnet seiner größten Angst.

Humorvoll geschrieben, durchgehend spannend, wunderbar gruselig und natürlich weihnachtlich lässt der Weihnachtsspuk kaum einen Wunsch offen. Ich habe jedenfalls sehr mit Kümmelsaft & Co. mitgefiebert. Die dialogreiche Geschichte lebt vom aufregenden Jagdeifer und den sympathischen Charakteren, die nicht die Hoffnung verlieren und als unschlagbares Team zusammenhalten.

Der mittlerweile fünfte Band der Gespensterjäger-Reihe kann von Groß & Klein mit oder ohne Vorwissen gelesen werden. Es ist die ideale Unterhaltungsmischung aus Halloween und Weihnachtsfreude. Spannend, gefährlich und gruselig! Als Schmankerl enthält das Buch einige Illustrationen und sogar acht farbige Seiten von der Künstlerin Franziska Blinde. Ein tolles Weihnachtsgeschenk für alle Gruselfans.

Bewertung vom 22.11.2025
Suppiger, Tanja

Rauhnächte - Reguliere dein Nervensystem und schaffe die Basis für persönliches Wachstum


ausgezeichnet

„Denn nicht die Rauhnächte sind magisch, sondern unser Bewusstsein, mit dem wir sie durchschreiten […]: Sie bringt uns zurück in den Moment.“

Es liest sich wie eine verlockende Einladung, die meine Sehsucht nach einer wohlverdienten Pause und Rückverbindung noch verstärkt hat. Deswegen empfand ich das erste Drittel mit allen Grundlagen ansprechend und als gute Vorbereitung für die Umsetzung ab dem 8. Dezember. Mehr über die Bedeutung der Wintersonnenwende zu erfahren oder die Speernächte, die als Rückblick und Vorbereitung für die Neuorientierung in den Rauhnächten genutzt werden können, war einen neue Ergänzung für mich, mit der ich mich noch nicht beschäftigt hatte.

Autorin Tanja Suppinger gelingt es gut, die Neugier auf diese 24-tägige Selbsterfahrungsreise zu wecken. Sie macht Lust auf Veränderung, ohne den Fokus auf Ziele zu setzten, sondern auf die bewusste Erfahrung. Diesen sanften Weg ohne Überforderung zu gehen, macht diesen Ratgeber so ideal für Hochsensible und Feinfühlige. Tanja Suppiger ist selbst hochsensibel und hilft in ihren Coachings anderen feinfühligen Menschen ihr volles Potenzial zu leben. Der Ratgeber ist leicht verständlich geschrieben, sehr informativ, wobei Wiederholungen genutzt werden, um die Basis zu vertiefen. Mit Körperprozessen, Ritualen, Reflexionsfragen und Impulsen hilft Tanja Suppiger dabei, dem Körper zuzuhören, zu erfassen, was einen blockiert und sich mit Präsenz und Mitgefühl zu begegnen, neugierig auf das, was sich zeigt.

Ich sehe das durchaus als Herausforderung, in der überreizten Vorweihnachtszeit meinem Nervensystem die Erholung zu schenken, die es dringend benötigt. Deswegen gefällt mir besonders, dass die Übungen einfach und alltagstauglich sind. Alles was ich benötige ist in diesem Buch, das zudem schön aufgemacht ist und viele stimmungsvolle Bilder enthält. Es ist sogar möglich, ein kostenloses Onlineangebot zu nutzen.

Meiner Meinung nach ist der Ratgeber für alle, die wieder ins Fühlen kommen wollen, egal ob hochsensibel oder nicht. Gerade für Einsteiger eignet es sich besonders gut als wiederkehrender Begleiter durch die Sperr- und Rauhnächte.

Bewertung vom 02.06.2025
Kling, Marc-Uwe;Cronauer, Jan

Neon und Bor


ausgezeichnet

Neon und Bor sind Geschwister und sind superschlau. Neon ist Siefinderin, den sie ist ja kein Er, und ihr kleiner Bruder Bor ist nebenbei ein seriöser Softwareprogrammierer und nur optisch ein Kleinkind in Windeln. Nur Neon kann ihn verstehen, denn er spricht Babysch. Diese Tatsache macht das Hörbuch besonders spaßig. Hier werden Regeln gebogen und Dinge auf den Kopf gestellt. Gesprochen wird das Hörbuch übrigens von Autor Marc-Uwe Kling höchstselbst und dadurch passt es noch besser, das die Hörerinnen und Hörer direkt vom Erzähler angesprochen werden. Die Pointen sitzen und der Spaß ist dem Autor anzuhören.

Die Abenteuer und verrückten Erfindungen der Erfinderkinder sind sehr unterhaltsam, witzig, kreativ und trotzdem nah am Leben. Wie die „Total Intelligentes Maschine“, kurz TIM, die ungeliebte Aufgaben erledigen soll oder eine Zeitmaschine, die Neon den Wunsch erfüllt, von dem viele Kinder bestimmt schon geträumt haben. Absolut grandios ist die Hutze, die durch eine Uneinigkeit in der Familie bezüglich eines Haustiers und dem daraus entsprechendem Kompromiss entstanden ist. Und wer hat nicht schon mal eine Hausaufgabe vergessen und sich eine geniale Lösung dafür gewünscht. Da geht natürlich einiges schief. Viele Lacher sind garantiert, trotzdem ist es reich an schönen Botschaften und kleinen Eastereggs. Unbedingt reinhören, denn es lohnt sich.

Bewertung vom 02.06.2025
Suter, Martin

Wut und Liebe


ausgezeichnet

Zwei Menschen treffen sich in einer Bar und wollen ihre Sorgen ertränken, dabei ergibt sich die Gelegenheit, Rache zu üben und die Chance auf ein Vermögen.
Die 65-jährige Betty trauert um ihren vor drei Jahren verstorbenen Ehemann Pat und hat eine niederschmetternde Diagnose zu verkraften, als sie Noah kennenlernt. Der mittellose Künstler steht unmittelbar vor den Scherben seiner Beziehung. Seine Freundin Camilla will ein anderes Leben. Betty erzählt Noah von Pat und ihrer Wut auf den Mann, der Pat in ihren Augen getötet hat. Das Ableben dieses Mannes ist ihr eine Million Euro wert. Ob Noah diesen zweifelhaften Deal eingehen wird, um Camilla zurückzugewinnen? Und welchen Wert hat diese Liebe dann?

Eine spannende Ausgangslage, die sich bereits auf den ersten Seiten entwickelt und damit eine Reihe von Veränderungen anstößt, die sich nicht vorhersagen lassen. Dabei fliegt man nur so durch die kurzen Kapitel und szenenhaften Wechsel. Treffender könnte der Buchtitel jedenfalls nicht sein. Es fiel mir anfangs schwer, mich in Camilla hineinzuversetzen, die nicht mehr an den Erfolg von Noahs künstlerischer Arbeit zu glauben scheint, und ihn verlässt. Sie liebt ihn zwar, aber nicht das bescheidene Leben mit ihm, bei dem ihre Wünsche unerschwinglich bleiben. Sie ist eine durchaus vernünftige Frau, die von Martin Suter auch entsprechend gewürdigt wird, und es fasziniert mich immer wieder, wie es ihm als Autor gelingt, dass mich seine Charakter einnehmen, ohne dass er tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt abtaucht. Sein gleichbleibend klarer Schreibstil der wortgewandeten Art und die klugen Dialoge, lassen mich mittlerweile blind zu seinen Neuerscheinungen greifen. Auch «Wut und Liebe» hat mir gefallen. Jeder der drei Teile überraschte mich aufs Neue. Daher meine Empfehlung: ohne viele Vorkenntnisse lesen, genießen und überraschen lassen.

Bewertung vom 02.06.2025
Groh, Kyra

Breakups and Butterflies


sehr gut

Mara geht auf die dreißig zu und plant ihr Leben mit ihrem Verlobten Sebastian. Ihre Chefin Alex nutzt sie gnadenlos aus. Doch als Sebastian die Verlobung überraschend löst, geht für Mara die Welt unter. Aus dem Wohnung geworfen, wird ihr ihre Einsamkeit bewusst. Ihr bleiben nur wenige Optionen und so nächtigt sie in ihrem Büro, wo sie den jüngeren Marius kennenlernt. Wie soll es für sie jetzt weitergehen?

In dieser RomCom geht es um die Entfremdung von Maras queeren Bruder, ihren Freunden und sich selbst. Dabei kommt es zu einer unfreiwilligen Lovestory mit einem jüngeren Mann und vielen weiteren Veränderungen in Maras Leben.

Mara ist ein typischer People Pleaser. Sie lässt sich acht Jahre von einem Mann ausnutzen und isolieren. Sie verliert ungern die Beherrschung über ihre Emotionen und versucht es jedem recht zu machen - selbst ihre immer meckernden Mutter. Das sind Folgen ihrer Kindheit, denn nach dem Unfall des Vater vertauschten sich die Rollen und Mara wurde zur Versorgerin der ganzen Familie. Sie kümmerte sich um ihren kleinen Bruder, ihre depressive Mutter und den Vater im Rollstuhl, obwohl sie noch ein Kind war. Das wirkte sich nachhaltig auf ihr Leben und ihre Partnerwahl aus. Ihre Kindheit bekommt sie nicht zurück. Auch beruflich verkauft sich Mara unter Wert und ist davon überzeugt, mehr könne sie eben nicht. Doch dann ändert sich ihr ganzes Leben und der Roman zeigt, wie wertvoll Schicksalsschläge sein können, was Vergebung bewirken kann und das Mut sich immer auszahlt. Ein interessanter und inspirierender Entwicklungsprozess mit wichtiger Message.

Erzählt wird konsequent aus der Ich-Perspektive von Mara, weshalb man dem Handlungsverlauf gut folgen kann. Trotz der tiefgreifenden Themen bleibt es unterhaltsam seicht und humorvoll. Abgesehen von ein paar Längen mochte ich das Buch und das Ende. Mara wirkt authentisch und man fiebert mit ihr mit. Eine angenehme RomCom für Zwischendurch. Allerdings hat mir «Fake Dates and Fireworks» von Kyra Groh besser gefallen.