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Benutzername: Katjuschka
Wohnort: Gießen
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Bewertungen

Insgesamt 42 Bewertungen
Bewertung vom 19.06.2018
Zwischen dir und mir das Meer
Herzog, Katharina

Zwischen dir und mir das Meer


sehr gut

Lena lebt seit der Trennung von ihrem Freund Ole bei ihrer Oma Hilde auf Amrum. Ihre Mutter Mariella ist beim Baden im Meer vor einigen Jahren verstorben, der Vater hat sich seit deren Tod sehr zurückgezogen.

Zu ihrer Schwester Zoe, die als echte Globetrotterin in der Welt unterwegs ist, hat sie kaum Kontakt.

Auf dem Heimweg von ihrer Arbeit im Hospiz trifft Lena eines Tages auf den Italiener Matteo Forlani, der ihr irgendwie bekannt vorkommt.

Als sie ihn am Tag darauf noch einmal sprechen will, hat er Amrum schon verlassen. In seinem Hotelzimmer ist eine Mappe zurückgeblieben in der sich Bilder einer jungen, strahlenden Mariella befinden!

Wie kommt Matteo an diese Fotos? 

Spontan beschließt Lena an die Amalifiküste zu fahren - die Heimat ihrer Mutter. Vielleicht kann sie dort endlich etwas über die Vergangenheit erfahren, über die Mariella immer geschwiegen hat.

Kurzentschlossen schließt sich Zoe der Fahrt an und die unterschiedlichen jungen Frauen haben vielleicht sogar die Möglichkeit einen alten Streit zu beenden.

An der Amalifiküste erfährt Lena nach und nach immer mehr über Mariella und ihren Vater, der für Salvatore Forlani gearbeitet hat.

Und auch über die Geschwister Forlani: Francesca und Alfredo, genannt Alfi.

Gemeinsam mit Matteo kann Lena ein Geheimnis der Freundinnen Mariella und Francesca lüften. Auch kommt ein tragisches Ereignis der Vergangenheit ans Tageslicht und erklärt den plötzlichen Weggang Mariellas aus Italien 


"Zwischen dir und mir das Meer" ist nicht ausschließlich die sommerleichte Liebesgeschichte, die man erwartet. Es geht zwar vorrangig um Liebe und Freundschaft - aber auch immer wieder um Verlust und Tod.

Der Schreibstil ist sehr angenehm leicht und man kann das Buch im Prinzip in einem Rutsch durchlesen (und dabei einen Limoncello genießen!).

Die Beschreibungen der Amalifiküste mit ihren schon nach Urlaubsträumen klingenden Orten (Salerno, Ravello, Scala, Positano....) lädt einen geradezu ein, diese wunderschöne Gegend zu besuchen.

Man riecht förmlich die Zitronen, hört das Meer rauschen!

Die Personen sind gut und bildhaft beschrieben. Lena war mir ab und an etwas zu steif, Zoe zu cool - und dadurch manchmal gedankenlos.

Leider muss ich sagen, die Geschichte hätte auch ohne Zoe funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Folgeband mir ihr als Hauptperson geben wird!

Die Vergangenheit rund um Mariella und Francesca fand ich, gerade zum Ende hin, sehr spannend.

Gefallen hat mir das halboffene Ende, welches Raum für eigene Überlegungen lässt....

1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.06.2018
Das weiße Blut der Erde
Haigh, Tara

Das weiße Blut der Erde


sehr gut

1898 macht der Adoptivvater der jungen Ella, ein ehemaliger Seemann, auf dem Sterbebett Äußerungen, die darauf hindeuten, dass sie nicht aus einem Waisenhaus, sondern aus dem fernen Malaja stammt.
Auch andere Dinge aus der Vergangenheit scheinen nicht der Wahrheit zu entsprechen.
Kurz entschlossen reist sie mit Rudolf, einem Freund der Familie,  auf einem Schiff nach Asien um die wahren Umstände ihrer Geburt zu erfahren und nach ihrem biologischen Vater zu suchen.
Auf der Kautschuk-Plantage der Fosters scheint sie der Lösung um ihre Herkunft näher zu kommen und mit Heather, der Tochter des verstorbenen Richard Foster, scheint von Beginn an eine besondere Beziehung zu bestehen.
Ist dieser Richard Foster Ellas Vater und Heather somit ihre Halbschwester?
Nicht jeder ist ihr wohlgesonnen und es scheint Menschen zu geben, die das Geheimnis um Ellas Geburt kennen und die versuchen ihre Nachforschungen zu blockieren.
Aber sie lernt auch Menschen kennen, die ihr helfen wollen und die sie unterstützen. So z.B. den deutschen Kaufmann Otto oder die chinesische Pensionswirtin Lee.
Ella trifft auf der Suche nach ihrer Vergangenheit zufällig auf einen jungen Einheimischen und verliebt sich fast sofort in ihn.
Amar arbeitet auf der Plantage und mit ihm lernt sie Malaja von einer ganz anderen Seite kennen - und lieben!
Durch Amar kommt Ella mit dem beginnenden Widerstand der Malayen gegen die britischen Besatzer in Kontakt.
Und als ein vermeintlicher Freund sich als Betrüger herausstellt, der sie belogen und ausgenutzt hat, wird es dramatisch für Ella und Amar.

Mir hat "Das weiße Blut der Erde" sehr gefallen.
Die Geschichte handelt nicht nur von Ellas Suche nach Vorkommnissen aus der Vergangenheit, sondern auch von der Aufdeckung eines Familiengeheimnisses, zwei ungeklärten Todesfällen, einer Liebesgeschichte und gibt dazu noch, zumindest kleine, Einblicke in die Geschichte Malaysias.
Das alles macht es zu einem spannenden Lesegenuss!
Auch wenn sich für mich schon recht früh die Lösung um Ellas Familie abzuzeichnen begonnen hatte, gab es noch genügend offene Fragen über den genauen Hergang der vergangenen Geschehnisse, um das Buch zu einem Pageturner zu machen.
Ella wird als forsche junge Frau beschrieben und war mir von Anfang an sympathisch. Manche Handlungen schienen mir für die damalige Zeit dann aber doch schon sehr, sagen wir, fortschrittlich. Eine Kombination aus naiv, mutig und selbstbewusst!
Mich hat etwas gestört, wie einfach Ella ihre Vergangenheit (und die Beziehung zur Adoptivmutter) hinter sich gelassen hat und sich alles nur noch um ihr Leben in Malaja zu drehen schien.

Nach "Weit hinterm Horizont", ein weiterer wunderbarer Roman über eine junge Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln vor historisch interessanter Kulisse!
Bitte mehr davon!

Bewertung vom 30.04.2018
Die Fäden des Glücks
Fischer, Julia

Die Fäden des Glücks


ausgezeichnet

Carlotta ist die älteste von drei Töchtern der alleinerziehenden Mimi, Gewandmeisterin an der Oper in Turin.

Umgeben von schönen Stoffen aller Art ist es geradezu selbstverständlich für sie Schneiderin zu werden. 

Carlotta ist etwas molliger als es das vermeintliche Schönheitsideal des 21. Jahrhunderts verlangt. Aber das ist ihr egal. Sie steht selbstbewusst zu ihren Rundungen.

In ihrem Laden Cenerentola (Aschenputtel), den sie mit ihren Schwestern gemeinsam betreibt, schneidert sie Kleider, die ihren Trägerinnen einen ganz besonderen Zauber verleihen.

Vielleicht weil sie kleine individuelle Botschaften, versteckt unter dem Futter, in ihre Werke einstickt....?


Mit 18 erbt Carlotta die Weberei ihres bis dahin unbekannten Vaters und trifft fast zur gleichen Zeit ihren Freund Daniele aus Kindertagen wieder. Fast vergessene Gefühle werden wach...

Danieles Vater Vincenzo möchte Carlotta die Weberei abkaufen und ein Museum daraus machen. Er plant dazu außerdem noch, das Familiengeschäft an Daniele zu übergeben, der die Zentrale nach Mailand verlegen wird.

Ist Daniele der richtige Mann für Carlotta? Will sie ihre Heimatstadt Turin wirklich verlassen und mit ihm nach Mailand gehen?

Was wird aus ihren Träumen die Welt zu bereisen?


Der Roman besticht durch seinen gefühlvollen, fast schon poetischen Schreibstil und die bildhaften und farbenprächtigen Beschreibungen der Stadt Turin. 

Man möchte durch die Strassen und Parks der Stadt streifen, in die Oper gehen, oder in einem der zahlreichen Cafés einen Bicerin trinken - die traditionelle Kaffeespezialität Turins.

Hervorzuheben ist unbedingt eine bemerkenswert detaillierte Recherche in der Welt der Stoffe und der Welt der Oper! Die Schilderungen waren faszinierend!

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was den Erzählfluss noch lebendiger macht und einem gleichzeitig die Protagonisten noch näher bringt. 

Die selbstbewusste, liebenswerte Carlotta muss man sofort ins Herz schließen!

Angetan haben es mir aber auch Mimi, ihre eher unkonventionelle Mutter, und ihr langjähriger Verehrer Gino. Und natürlich Pasquale, der Butler des reichen Vincenzo Giordano.

In Vincenzo selber habe ich mich sogar (fast) sofort verliebt!


Gefallen hat mir auch der Epilog, beantwortet er noch offene Fragen (z.B.: "Was wird aus Pasquale" und "Wer ist die Dame im maigrünen Kleid"?)


Ich habe mich beim lesen nach Turin geträumt, denn die Autorin erzeugt mit ihren Worten eine zauberhafte, warmherzige Geschichte, die einen umhüllt wie ein zart gewebter Plaid.

Bewertung vom 15.04.2018
Die Insel der Zitronenblüten
Campos, Cristina

Die Insel der Zitronenblüten


sehr gut

Die aus Mallorca stammende Marina lebt mit ihrem deutschen Freund in Äthiopien - beide arbeiten bei "Ärzte ohne Grenzen". Seit einem Streit mit ihrem schrecklichen Schwager vor 14 Jahren, bei dem ihre Schwester Anna ihr nicht beigestanden hatte, hat sie mit dieser keinen Kontakt mehr.
In dieser Situation erben die Schwestern gemeinsam ein Haus, eine Getreidemühle und eine Bäckerei von der ihnen völlig fremden Maria Dolores.
Marina kehrt nach Mallorca zurück um die Umstände der Erbschaft zu ergründen und dabei vielleicht auch das Verhältnis zur Schwester zu verbessern.

Marina und Anna sind sehr unterschiedlich. Auch sind sie sehr verschieden groß geworden.
Anna war immer das Lieblingskind der Mutter - Marina dagegen wurde sogar auf ein Internat "abgeschoben".
Anna heiratet (den unsympathischen) Armando, bekommt Tochter Anita, ist aber eigentlich immer mehr oder weniger unglücklich.
Marina hat nie ein wirkliches Zuhause gefunden und reist rund um die Welt zu den Kriesenherden der Welt. Irgendwann begleitet von ihrem Lebensgefährten Mathias. Sie ist im Prinzip zufrieden, aber rastlos.

Die Beschreibungen der Lebensumstände der beiden Schwestern sind sehr detailliert und bildhaft beschrieben.
Man erlebt sowohl die Gluthitze und die teils dramatischen Situationen von Marina in Äthiopien, als auch den traurigen, ja trostlosen Alltag von Anna, hautnah mit.
Nach Marinas Ankunft in Valdemossa taucht man in die ruhige Schönheit Mallorcas ein.
Beim lesen kann man die Bäckerei direkt vor Augen sehen, das frisch gebackene Brot riechen!

Die Charaktere sind realistisch beschrieben, die Handlung ist in einem eher ruhigen Erzählstil geschrieben.
Das ist passend zur Geschichte, in der Marina langsam hinter das Geheimnis von Maria Dolores und ihrer ganzen Familie kommt.

Das Ende ist etwas traurig, denn Anna stirbt (wie man bereits im allerersten Absatz des Buches im Prolog erfährt).
Marina aber hat ihr persönliches Zuhause gefunden - auch wenn sie es sich in der Vergangenheit so wahrscheinlich in der nie vorgestellt hatte....

Bewertung vom 27.03.2018
Töchter der Lüfte
Jenoff, Pam

Töchter der Lüfte


sehr gut

"Töchter der Lüfte" erzählt von zwei Frauen, die zur Zeit des 2. Weltkrieges zufällig aufeinandertreffen und die, trotz ihrer Unterschiede, gemeinsam für sich und andere stark sein müssen.

Isa ist eine junge Holländerin, die von einem Soldaten der deutschen Wehrmacht schwanger wird. Ihre Eltern werfen das "gefallene" Mädchen aus dem Haus, sodass Isa plötzlich auf sich gestellt ist.
Über dramatische Umwege landet sie im Zirkus Neuhoff und wird dort Trapez-Artistin.
Johanna ist Mitte 30, stammt aus einer jüdischen Zirkusfamilie, lebt aber mit ihrem Ehemann in Berlin. Als dieser sich aufgrund der Rassengesetze von ihr scheiden lässt, kehrt sie in die Welt des Zirkus zurück.
Nachdem von ihrer Familie niemand mehr da zu sein scheint, wird sie unter dem neuen Namen Astrid Mitglied des Zirkus Neuhoff und arbeitet auch dort wieder am Trapez.


Der Roman lebt von den unterschiedlichen Charakteren der beiden Frauen.
Isa ist zu Beginn ein naives junges Mädchen. Erst nachdem man ihr das neugeborene Kind weggenommen hat und sie kurz darauf ein (öffentlich jüdisches) Baby vor dem Tod rettet, ändert sich das. Viel zu schnell muss sie erwachsen werden und für sich und den kleinen Theo sorgen. Dafür braucht sie viel Kraft und Mut und sie wächst nach und nach über sich hinaus.
Astrid lebt in ständiger Angst entdeckt zu werden. Dabei braucht sie nicht nur am Trapez das Vertrauen der anderen. Aber gerade das fehlt ihr ab und zu, denn zu oft wurde sie schon enttäuscht!


Mit "Töchter der Lüfte" hat Pam Jenoff einen spannenden und flüssig zu lesenden Roman geschrieben, der mir einen kleinen, und bis dahin unbekannten, Einblick in die Welt und die Probleme des europäischen Zirkus zur Zeit der Nazis gewährt hat.
Ungewöhnlich ist, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Isa und Astrid in der jeweiligen Ich-Form erzählt sind. Dies verstärkt umsomehr die Identifikation mit den zwei Frauen, da man von beiden die Gedanken und Gefühle sehr intensiv miterlebt.
Mir haben aber auch die "Nebencharaktere" sehr gefallen. Gerade das vorurteilsfreie Miteinander im Zirkus fand ich beeindruckend.
"Töchter der Lüfte" ist ein Roman über Freundschaft und über Vertrauen in Zeiten des Krieges und der Verfolgung. Wir könnten alle davon lernen....

Bewertung vom 15.03.2018
Der Mitternachtsgarten
Fox, Victoria

Der Mitternachtsgarten


sehr gut

In "Der Mitternachtsgarten" reist die junge Engländerin Lucy spontan in die Toscana um dort als Haushälterin zu arbeiten.
Sie lässt eine zunächst nicht näher beschreibene persönliche Katastrophe hinter sich.
In dem alten und abgeschiedenen Castillo Barbarossa trifft Lucy zuerst nur auf die Assistentin ihrer mysteriösen Auftraggeberin, der ehemals berühmten Hollywood-Diva Vivien Lockhart.
So richtig zur Ruhe kommt die junge Frau aber nicht, zu sehr halten die vergangenen Geschehnisse sie noch gefangen.
Nach und nach erfährt der Leser Einzelheiten sowohl aus Lucys, als auch aus Viviens Vergangenheit.
Vivien stammt aus einem gläubigen Elternhaus und leidet unter ihrem selbstgerechten, strengen und leider auch brutalen Vater.
Über Umwege macht sie, nachdem sie sich seinem Zugriff entziehen konnte, Karriere in Hollywood und verliebt sich dort in den attraktiven italienischen Arzt Giovanni.
Als die beiden Amerika verlassen um in der Nähe von Florenz in der Familienvilla der Morettis zu leben, reisen die beiden nicht allein. Sie werden von Isabella, der stummen Schwester von Gio begleitet.
Die scheint ein dunkles Geheimnis zu haben, aber Giovanni will davon nichts hören, haben die Geschwister doch ein sehr inniges Verhältnis zueinander - und so entfernen sich Vivien und ihr Mann immer mehr voneinander!
Nachdem Lucy ein altes Tagebuch von Vivien findet kommt ein großes Familiengeheimniss und das ganze Ausmaß einer Tragödie ans Tageslicht!
Und auch Lucy kann sich von den Fesseln ihrer eigenen Vergangenheit befreien.

Durch die zuerst nur unklar umrissenen Umstände von Lucys Reise nach Italien bin ich etwas holprig in die Geschichte eingestiegen.
Lediglich Viviens Leben wurde durchgehend interessant und spannend beschrieben. Auch wenn ich viele ihrer Entscheidungen nicht nachvollziehen könnte, fand ich sie sehr faszinierend.
Die Handlung in Italien waren irgendwann fast wie ein Krimi und ich habe sehr oft mitgefiebert, was wohl als nächstes passiert!

Der Schreibstil war, nachdem ich in der Geschichte angekommen war, wirklich fesselnd - wobei ich Vivien um ein vielfaches interessanter fand als Lucy.
Die finale Auflösung, bei der Adalina, Viviens Assistentin, eine wesentliche Rolle zukommt, war überraschend!

Bewertung vom 05.03.2018
Die Klippen von Tregaron
Wilken, Constanze

Die Klippen von Tregaron


ausgezeichnet

Mit "Die Klippen von Tregaron" hat Constanze Wilken den fünften (in sich abgeschlossenen) Roman mit Schauplatz Wales geschrieben.
Zum wiederholten Mal schafft die Autorin es, den Leser in sehr kurzer Zeit durch Raum und Zeit in diesen rauen und faszinierenden Landstrich zu entführen.

Caron, eine gebürtige Waliserin, lebt und arbeitet als Glaskünstlerin in den USA, als sie Post von einem Anwalt erhält.
Von einem ihr unbekannten Erblasser erbt sie ein Gemälde und ein Cottage in Wales.
Caron reist in die ihr mittlerweile fremde Heimat um sich ihr Erbe zumindest anzuschauen und erlebt eine Überraschung, denn das mysteriöse Gemälde zeigt eine junge Mutter, die ihr verblüffend ähnlich sieht.
Wer ist diese Frau? Und vor allem: Wer ist dieser Brynmore Bowen, der ihr Cottage und Gemälde vererbt hat, ohne sie überhaupt zu kennen?
Auf der Suche nach den Hintergründen um das Gemälde erfährt sie nach und nach immer mehr aus der Vergangenheit der Familie Bowen, dem Maler Lloyd Pierce und seinem Modell, der jungen Selma.
Innerhalb der Familie Bowen, seit mehreren Generationen Bewohner des Herrenhauses zu dem Tregaron House gehört, scheinen ihr aber nicht alle wohlgesonnen.
Gibt es ein, oder gar mehrere Geheimnissse, die nicht ans Tageslicht kommen sollen?
Caron lässt nicht locker, denn sie spürt, es gibt eine Verbindung von ihr und ihrer Familie zu Tregaron House.
Ihr zur Seite steht der Landschaftsgärtner Ioan, zu dem sie sich von Anfang an hingezogen fühlt....

Lloyd Pierce, ein junger Maler, trifft im 19. Jahrhundert auf der walisischen Halbinsel Llýn auf die reiche Familie Bowen und bietet seine Dienste als Porträtmaler an.
Er lernt in dieser Zeit ein paar einheimische Fischer, sowie Arbeiter in den Minen von Lawrence Bowen kennen.
Das Leben ist hart in dieser kargen und rauen Umgebung. Die Arbeitsbedingungen sind oft grausam und die Menschen sind arm.
Lawrence Bowen, nur auf den eigenen Vorteil aus, ist ein ungerechter und launischer Mensch. Einziger Lichtblick für Lloyd ist Selma, Tochter eines Fischers und Zofe im Haus Bowen.
Als Lloyd dann den Umtrieben einer Schmugglerbande zu nahe zu kommen scheint, wird es gefährlich für das junge Paar....


"Die Klippen von Tregaron" ist ein echter Pageturner!
Der fesselnde Schreibstil katapultiert einen sofort an die walisische Küste. Die Beschreibungen von Wales und der Landschaft dort sind so bildhaft - man vermag fast die Wellen des Meeres hören und den Wind spüren.
Die Protagonisten und ihre Lebensumstände sind sehr detailliert beschrieben und alles wirkt dadurch sehr authentisch.
Man kann sich wunderbar mit ihnen identifizieren und durch den jeweiligen Spannungsbogen in beiden Erzählsträngen fiebert man die ganze Zeit an ihrer Seite mit.
Hier ist übrigens nicht, wie in vielen anderen Romanen, der historische Teil der Geschichte interessanter. Beide Handlungen sind hier gleichermaßen atmosphärisch geschrieben und fesselnd zu lesen.
In diesem historisch wieder sehr gut recherchierten Roman geht es um Familie, die Liebe und um Geheimnisse aus der Vergangenheit.

Von mir ***** und eine ganz klare Leseempfehlung!

Ich hoffe nicht, dass "DIe Klippen von Tregaron" (wie angekündigt) der letzte Teil der Wales-Reihe von Constanze Wilken ist, denn selten weckt ein Buch nicht nur Reiselust, sondern schon fast Sehnsucht nach Ort und Land der Handlung.

Bewertung vom 25.02.2018
Nachts am Askanischen Platz / Leo Wechsler Bd.6
Goga, Susanne

Nachts am Askanischen Platz / Leo Wechsler Bd.6


sehr gut

Kommissar Leo Wechsler ermittelt wieder im historischen Berlin in den 1920er Jahren.
Diesmal geht es um einen unbekannten Toten auf einem Schulgelände, und um das in unmittelbarer Nähe angesiedelte Theater "Das Cabaret des Bösen".
Der Fall erweist sich als schwierig - wer ist das Opfer? Was geht im Theater vor sich? Und was wissen und verschweigen die Schüler?
Der sympathische Kommissar wird auch hier wieder tatkräftig von seinem Team unterstützt, allen voran der ruhige und besonnene Jude Jakob Sonnenschein!
Hinweise zu Opfer und Motiv scheinen in der Vergangenheit zu liegen und als sich die Lösung anbahnt wird es plötzlich gefährlich!
Aber auch in der Familie Wechsler geht es turbulent zu, denn Sohn Georg scheint mit der HJ zu sympathisieren. 

Auch wenn "Nachts am Askanischen Platz" der mittlerweile sechste Roman der Reihe ist, kann er aber trotzdem sehr gut allein gelesen werden.

Die Protagonisten sind allesamt sehr realistisch dargestellt.
Ihre Handlungen und Äußerungen sind dem zeitlichen Rahmen perfekt angepasst. Auch die Beschreibung der Polizeiarbeit zeugt von einer akribischen historischen Recherche und erzeugt ein wunderbares s/w-Kopfkino im Stil alter Kriminalfilme.
Das Miträtseln ist für den Leser wieder sehr spannend. Und auch wenn man einen Verdächtigen ausgemacht hat, ist die finale Auflösung eine kleine Überraschung.
Sehr gut gefallen hat mir, dass auch die vermeintlichen "Nebenfiguren" ein wichtiger Teil des Buches sind und zum stimmigen Gesamteindruck beitragen.

Es handelt sich hier um einen Krimi und der Mord steht natürlich im Vordergrund der Handlung. Aber eingebettet in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, liest sich der Roman auch ein klein wenig wie ein Stück Zeitgeschichte.

Da ich die Vorgänger alle mit Freude gelesen hatte, war es wieder wie ein Treffen mit guten alten Freunden.
Ich freue mich auf hoffentlich noch viele weitere Leo Wechsler - Bücher der sympathischen Autorin Susanne Goga.

Bewertung vom 09.01.2018
Das Mädchen aus dem Savoy
Gaynor, Hazel

Das Mädchen aus dem Savoy


sehr gut

Dorothy hat ihre große Liebe Teddy im Krieg verloren.
Aber nicht ihren Lebensmut oder ihre Hoffnung auf eine Karriere als Tänzerin auf den Theaterbühnen des Londoner West End.
Dolly, wie sie sich nennt, tritt daher 1923 eine Stelle als Zimmermädchen im glamourösen Hotel Savoy an.
Da, wo all die Stars und Sternchen regelmäßig logieren. Und dort wartet sie auf ihre große Chance. 

Sie antwortet aus einer Laune heraus auf eine Anzeige, in der ein Komponist eine Muse sucht.
So lernt sie Perry kennen, einen desillusionierten Musiker, der scheinbar nicht mehr in der Lage ist Hits für die großen Shows des West Ends zu schreiben.

Über Perry lernt Dolly auch dessen Schwester Loretta May kennen.
Sie ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Londons und ihr großes Idol. Sie scheint alles zu haben, wovon Dolly träumt!

Als Loretta die junge Dolly unter ihre Fittiche nimmt, um sie als ihre Nachfolgerin auszubilden, scheint das Glück zum greifen nah.
Und tatsächlich wird ihr Traum dann wahr, und sie schreitet über einen roten Teppich durch den Vordereingang des Savoy,  und nicht durch den Hintereingang.

Doch irgendwann merkt sie, dass man vorher nie genau sagen kann, was sich hinter der glitzernden Fassade alles verbergen kann.
Und als Teddy plötzlich wieder vor ihr steht, muss Dolly sich entscheiden.
Wie soll ihr Leben aussehen.... 


"Das Mädchen aus dem Savoy" ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich, auf sich allein gestellt, nicht von ihren Weg und ihrem Traum abbringen lässt.
Aber es ist auch ein Stück Zeit- und Milieustudie einer aufregenden Zeit der großen Musik-Theater.
Immer wieder tauchen Namen von real existierenden Personen auf, die damals tatsächlich den Zeitgeist geprägt haben.
Die im Anhang genannten Seiten im Internet von historischen Musikaufnahmen bilden ein wunderbaren akustischen Background!
Und bei den detaillierten Beschreibungen des Hotels, der Theater, vom historischen London, fühlt man sich ein bisschen in diese Zeit versetzt. 


Buch und Schreibstil haben mir gefallen. Auch wenn ich irgendwie eine andere Geschichte erwartet hatte.
Auch wenn Dolly die Hauptperson war, hat mir besonders Loretta gefallen ;-)

Bewertung vom 09.01.2018
Die Oleanderfrauen
Simon, Teresa

Die Oleanderfrauen


ausgezeichnet

Dies steht perfekt zu dieser unglaublich spannend geschriebenen Familiengeschichte.
Im Mittelpunkt steht die zu Beginn 17jährige Sophie. Die Liebe zu ihrem Freund aus Kindertagen scheint unmöglich, denn Sophie ist die Tochter des reichen Kaffeehändlers Friedrich Terhoven und Hannes "nur" der Sohn der Köchin.
Doch die beiden treffen sich heimlich und werden in der Zeit des aufstrebenden Nazi-Regimes ein Paar.
Der Leser erlebt diese bittersüße Liebesgeschichte genauso hautnah mit, wie den schleichenden Wandel der Zeit.
Die Lebensumstände, sowie die Emotionen der verschiedenen Protagonisten, werden sehr lebensnah und eindringlich vermittelt, ohne aufdringlich zu wirken.
Das betrifft auch "Nebencharaktere" wie z.B. Sophies Bruder Lenny, der sehr früh in die Fänge der HJ gerät, oder ihren besten Freund, den homosexuellen Malte, dessen Qualen mich besonders berührt haben.

Ich möchte auf noch so viel mehr eingehen, so sehr hat mich dieses Buch bewegt. Aber ich will den Lesegenuss nicht schmälern, denn gerade von den vielen grandios beschriebenen Personen und dem unglaublichen Spannungsbogen lebt das Buch!
Ich kann den Schreibstil nur als fesselnd beschreiben - und das ist schon fast untertrieben: Ich habe die Geschichte quasi inhaliert!

Umrahmt wird die Geschichte von Jule und Johanna.
Jule ist die Besitzerin eines kleines Cafés und betreibt dazu noch einen Service für Familienchroniken
Johanna ist eine ältere Dame, die auf dem Dachboden im Haus der verstorbenen Mutter ein altes Tagebuch findet.
Gemeinsam vertiefen sich die zwei Frauen in die gleichermaßen bewegenden, wie spannenden Seiten der Vergangenheit und entdecken Erstaunliches - und Gemeinsamkeiten!

Genau wie Jule und Johanna mag man sich kaum von den Seiten lösen, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergegangen ist!
Denn mit " Die Oleanderfrauen" ist Teresa Simon ein hervorragend recherchierter Roman gelungen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat!


Abgerundet wird das Buch durch ein historisches Nachwort und einige Rezepten aus Jules Café.