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Benutzername: yesterday
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Bewertungen

Insgesamt 102 Bewertungen
Bewertung vom 03.10.2018
Ins Dunkel
Harper, Jane

Ins Dunkel


sehr gut

Dieser Thriller entwickelt seine Spannung weniger aus einem klassischen Mord oder einer Gräueltat heraus sondern vielmehr aus der intensiven Betrachtung menschlicher Gefühle in extremen Situationen. Eine Gruppe von fünf Frauen wandert (gezwungenermaßen) durch den australischen Urwald. Während langsam aber sicher immer mehr Kleinigkeiten in ihrem Plan scheitern, erlebt der Leser den langsamen Verfall von höflichem, engagiertem Verhalten hin zu nackter Panik ums Überleben.

Was die Sache noch pikanter macht: die fünf sind keine homogene Freundinnen-Gruppe, sondern Arbeitskolleginnen, somit besteht noch eine Hierarchie zwischen ihnen, die zwar etwas verschwimmt, je länger sie unterwegs sind, aber unterschwellig immer Bestand hat. Sie müssen sich ja noch in die Augen sehen können, wenn sie aus dem Dschungel herauskommen…

Auch wenn grobe Punkte der Geschichte schon vorher zu erraten sind, ist der Thriller so gut geschrieben, dass man die Abschnitte (die gegen Ende deutlich kürzer werden) nur so verschlingt. Die kleinen Schwächen fallen nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr beschäftigt man sich nebenbei noch mit einigen Fragen.

“Was, wenn mir das passieren würde?” “Wie würde ich mich gegenüber … verhalten?” “Würde ich abwarten oder versuchen einen Weg zu finden?” “Wie viel Mut hätte ich tatsächlich in einer fast ausweglosen Situation?”

Hinten auf dem Buchcover steht ganz oben ein Satz: “Grausamer als die Natur ist nur der Mensch.” Das ist soweit keine Überraschung, dennoch fasst er das Buch eigentlich sehr gut zusammen und zeigt schon, wo der Fokus liegt. Es ist keine blutrünstige Grausamkeit im Spiel, sondern in erster Linie psychische, verbale. Und die kann viel schlimmer sein.

“Ins Dunkel” ist der zweite Teil der Serie um Polizist Aaron Falk aus Melbourne.

Bewertung vom 26.09.2018
Bluthaus / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.2
Fölck, Romy

Bluthaus / Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn Bd.2


sehr gut

Fall zwei für Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn führt die beiden an einen der nördlichste Zipfel Deutschlands. Wo die Möwen kreischen und die Dänen grüßen scheint der Schlüssel zu Haverkorns aktuellem Fall zu liegen. In der Elbmarsch, nicht weit von Fridas Elternhaus, wird eine Frau erstochen aufgefunden. Die Polizei tappt im Dunkeln, bis sie auf den Beruf der Toten stoßen...

Wie schon bisher verknüpft Romy Fölck Ereignisse aus der Vergangenheit mit der Gegenwart und wechselt die Abschnitte unregelmäßig. Das gibt der Geschichte immer wieder neuen Zündstoff und wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden.

Die zwischenzeitliche Ratlosigkeit unserer Helden ist direkt greifbar. Beiden engagieren sich aus unterschiedlichen Gründen auch privat wieder sehr stark in den Ermittlungen. Diese Gefühle und Beweggründe sickern förmlich zwischen den Zeilen hervor und erfassen den Leser eindringlich.

Fast alle liebgewonnenen Charaktere aus Band 1, “Totenweg”, bekommen auch hier wieder ihren Auftritt. Man kann beide Bände völlig unabhängig voneinander lesen, also auch in “falscher” Reihenfolge, was ein großer Pluspunkt ist. Die Privatleben von Frida und Bjarne gehen natürlich weiter, bekommen aber eigene Episoden und Überraschungsmomente.

Mit diesen kann der Krimi vielleicht etwas weniger punkten als erwartet, was die reine “Story” angeht, fand ich “Totenweg” besser. Der aktuelle Band ist nicht viel schlechter, aber das eine oder andere Detail, die eine oder andere Erklärung gegen Ende ist - für mich - nicht ganz stimmig. Dennoch kann sich jeder, der Lokalkrimis aus Deutschland schätzt, hier auf gute Unterhaltung und eine solide Portion Spannung freuen - und sich auch an die geplante Fortsetzung wagen.

Bewertung vom 22.09.2018
Das Haus der Mädchen
Winkelmann, Andreas

Das Haus der Mädchen


sehr gut

Jens Kerner ist ein guter Polizist, der sich mit seiner Assistentin toll versteht und einen Oldtimer fährt. Er wäre gerne sportlicher als er ist und raucht zu viel. In “Das Haus der Mädchen” kommt er mit seinen klassischen Ermittlungsmethoden aber nicht allzu weit. Gut, dass es da ein Duo gibt, das ihm unter die Arme greift.

Dieses ungewöhnliche und durch Zufall zusammengeführte Duo bringt den Stein der Ermittlungen und Kerners Gedanken ins Rollen. Junge Frauen, die alleine nach Hamburg kommen, verschwinden auf sehr ähnliche Art und Weise. Eine Leiche wurde vor längerer Zeit gefunden. Kerner sucht nach Gemeinsamkeiten in den Fällen und wird stutzig. Zudem hat er noch die Leiche eines jungen Mannes als Akte auf seinem Tisch, die nicht recht zu den verschwundenen Frauen passen will.

Die Schlinge um den Täter zieht sich zu, doch an mehreren Ecken tauchen neue Verdächtige auf. Irgendwann verhält sich jede Hauptperson verdächtig und auch als Leser ist man sich nicht mehr ganz sicher, wem man nun glauben soll.

Am Ende ist das Motiv, die Auflösung im Kern vielleicht nicht zu 100 Prozent stimmig, der Weg dorthin aber unterhaltsam und mit viel Blut, Gewalt, Toten und leider auch einigen Schreibfehlern gepflastert. Dennoch lässt sich der Krimi sehr flott und ansonsten angenehm lesen.

Bewertung vom 29.07.2018
Der einsame Bote / Kommissar Tommy Bergmann Bd.3
Sveen, Gard

Der einsame Bote / Kommissar Tommy Bergmann Bd.3


sehr gut

Klassisch Gard Sveen könnte man sagen. “Der einsame Bote” mit Hauptdarsteller Tommy Bergmann hält was er verspricht und was die vorangegangenen Bände versprochen haben. Die Reihe ist auch wirklich als solche zu bezeichnen, weil nur wenig neue Charaktere auftreten und diese eher als Randnotiz. Der harte Kern von Ermittlern und Tätern bleibt konstant und jeder der nicht tot ist, ist auch wieder in der Geschichte aktiv.

Jeder der nicht tot ist? So ganz klären lässt sich dieser Sachverhalt hier nicht. Tommy jagt wie immer seinen ganz persönlichen Phantomen hinterher, egal ob diese (offiziell) tot oder lebendig sind. Für den Leser, der mehrere Bücher der Reihe kennt (vor 2018 erschienen: “Der letzte Pilger” und “Teufelskälte”) ist es ein interessantes Wiedersehen mit all den fein gestalteten Charakteren, so streitbar oder unberechenbar sie auch sind.

Als Einstieg in die Reihe könnte “Der einsame Bote” etwas zu sehr auf Vorwissen aufbauen, wen das aber nicht stört, der wird trotzdem mit einem spannenden Krimi samt Plottwist belohnt. In jedem Fall fliegt man nur so durch die 303 Seiten. Sveens Bücher wirken auch immer etwas nach, also auch nach dem Ende muss man noch einmal einige Passagen im Geiste durchgehen, kann nicht gleich abschalten.

Bewertung vom 23.07.2018
Die edle Kunst des Mordens / Clara Annerson Bd.1
Wagner, Alex

Die edle Kunst des Mordens / Clara Annerson Bd.1


sehr gut

Einen klassischen “Cosy Crime” legt Alex Wagner hier aufs Parkett des Kunsthistorischen Museums in Wien. Durch Zufall gerät Heldin Clara Annerson (die es hassen würde, so bezeichnet zu werden) in eben diesem Gebäude an den “Rudolfsbund”, eine Vereinigung von betuchten Kunstsammlern und allerlei illustren Charakteren (großteils toll ausgearbeitet), die gerne ein wenig so leben wie ihre historischen Vorbilder.

Clara, Autorin (ehemals Liebesromane, nun Krimis), findet sich ab sofort in einem möglichen zukünftigen Roman wieder, Leiche inklusive. Ihre Profession, gepaart mit Gerechtigkeitssinn und Neugier, bringen Clara dazu, nachzuforschen und dem farblosen Inspektor auf eigene Faust unter die Arme zu greifen. Ganz im Stil von Miss Marple, deren Schöpferin ja die selben Initialen wie Clara trägt.

Der Schreibstil ist unaufgeregt und lädt zum Schnelllesen ein. Die Abschnitte haben eine gute Länge, den einzelnen Verhören (pardon, Gesprächen) wird viel Raum gewährt. Der Leser erlebt hautnah mit, wie schwierig und zeitraubend private Ermittlungen sind. Und wie gefährlich sie für den Hobbydetektiv werden können.

Ein wenig zu “cosy” wird die Sache dann leider, als es um Claras (zukünftiges) Privatleben geht. Auch dieses bekommt viel Raum. Ein kitschiges persönliches Happy End ist - abseits von klassischen Liebesromanen - oft ein schwieriger Punkt. Mir hätte auch ohne Romantik nichts gefehlt, aber so bleibt zumindest Raum für einen großen Beziehungskrach im nächsten Band mit Clara Annerson.

Bewertung vom 20.07.2018
Sommernachtstod
Motte, Anders de la

Sommernachtstod


sehr gut

Dieses Buch ist für mich ein guter, netter (auch wenn das oft abwertender klingt als es gemeint ist) Schwedenkrimi. Die Geschichte hat viele klassische Zutaten: ein Verbrechen geschieht in einem kleinen Dorf, niemand hat etwas gesehen, niemand weiß etwas und gleichzeitig wissen alles etwas. Die Geschehnisse werden von Vorverurteilungen gelenkt. Die gebrandmarkten Familien gehen unterschiedlich damit um und dem vergraulten Ermittler lässt die Sache keine Ruhe, weil er sie nicht aufklären konnte.

Die Hauptfigur ist Veronica, eine zutiefst verletzliche Person, die auch damals von dem Verbrechen betroffen war und es nagt auch an ihr, dass es keine Aufklärung gab. Sie ist aus dem Dorf geflohen doch die Sache holt sie wieder ein. Ein junger Mann, ein Außenstehender, bringt alles ins Rollen und die beiden beschließen nach der Wahrheit zu suchen. Was passierte vor wirklich vor rund 20 Jahren?

Auch wenn Veronica durchaus “nervige” Momente hat und nicht jedes Detail schlüssig ist (ein Zettel lässt sich nach langer Zeit unter Wasser noch herzeigen?), lässt sich der Krimi flott lesen und unterhält gut. Für alle, die gerne etwas Spannung, aber keine Psychothriller mögen und auch auf allzu viel Blut verzichten können, bietet sich “Sommernachtstod” als flottes Buch für zwischendurch an.

Bewertung vom 25.06.2018
Wahrheit gegen Wahrheit
Cleveland, Karen

Wahrheit gegen Wahrheit


gut

Fokussiert auf eine klare Hauptperson erzählt dieses Buch davon, wie eine Karrierefrau und Mutter damit umgeht, dass ihre heile Welt auf einer Lüge aufgebaut ist. Sie stellt alles in Frage, analysiert in Gedanken die Vergangenheit und ist hin- und hergerissen zwischen Wahrheit und Lüge. Zu viel zu erzählen würde leider spoilern.

Manchmal spoilert aber auch das Buch selbst etwas. Gerade zu Beginn gibt es zwei große “Wendepunkte”, die man aber aufgrund der vorangegangenen Seiten und durch das Lesen vieler Krimis und Thriller schon erahnen kann.

Die Hauptfigur ist Vivian Miller. Sie hat vier Kinder und arbeitet beim CIA. Als ihre Familie in eine aktuelle Ermittlung hineingezogen wird, macht sie das angreif- und erpressbar. Gewissen gegen Leben, so scheint es. Da das Buch nur 350 Seiten hat, bitte nicht vorher den Klappentext lesen! Der erzählt zwar nur wenig, das macht aber schon mal die Hälfte der Geschichte aus.

Nachdem die ersten Wendepunkte erraten wurden, geht es zügig und teilweise spannend weiter. Das Buch liest sich wirklich flott, das lässt sich positiv herausheben. Auch die Abschnitte wo es um die Arbeit der CIA geht, lesen sich gut. Das sollte aber wohl auch so sein, denn die Autorin Karen Cleveland arbeitete selbst dort.

Mit dem Epilog konnte ich dann eher weniger anfangen, er stellt zu viel in Frage und fühlt sich zu sehr als gewollter Cliffhanger an, den ich daher nicht so recht spannend empfinde. Ich kann mir ein Wiedersehen mit den Romanfiguren nicht vorstellen.

Bewertung vom 25.06.2018
Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2
Gallert, Peter; Reiter, Jörg

Tiefer denn die Hölle / Martin Bauer Bd.2


sehr gut

Tief hinab - und das nicht nur metaphorisch - geht es in Martin Bauers zweitem Fall. Der evangelische Polizeipfarrer aus Duisburg mischt sich hartnäckig wie erfolgreich in Polizeiarbeit ein und bringt damit Gruppenleiterin Verena Dohr wieder einmal intern in Bedrängnis.

Dabei beginnt alles relativ harmlos, als Bauer seinem katholische Kollegen Vaals helfen will und in dessen Vergangenheit zu graben beginnt. Was er dabei zutage fördert, hat weitreichende Konsequenzen und bringt eine Reihe von Personen unmittelbar in Gefahr.

Auch wenn man als geübter Lokal-Krimi-Leser immer hoffen kann, dass solche Bücher im Grunde gut enden werden, ist es immer spannend zu erleben, was dem Autor zwischen Prolog und eben diesem Ende so alles einfällt. In diesem Fall sind es Autoren, Peter Gallert und Jörg Reiter, die einiges parat haben. Die Entwicklung des Krimis an sich ist spannend, nicht weniger langweilig werden die Beschreibungen und Intrigen auf der Polizeistation und ganz nebenher kann Martin Bauer - da evangelisch - auch mit Familienprobleme aufwarten.

Kurze Abschnitte lassen die knapp 400 Seiten nur so verfliegen und auch wenn sich zwischendurch manchmal ein Twist schon abzeichnet unterhält dieser Krimi sehr gut und macht Hoffnung auf einen dritten Teil. Hier im zweiten Band war für mich die reine Krimihandlung etwas geradliniger und vorhersehbarer als im ersten Teil (Glaube Liebe Tod), daher gefiel mit letzterer noch einen Tick besser.

Bewertung vom 14.06.2018
NACHTWILD
Phillips, Gin

NACHTWILD


ausgezeichnet

Spätestens nach der Geburt eines Kindes aktiviert sich ein gewisser Mutterinstinkt, so viel weiß fast jeder. Unter normale Umständen ist dieser auch so stark, dass die Mutter sich um das Baby kümmert, egal was vorher passiert ist oder noch passieren wird. Sie wird es beschützen, mit ihrem Leben verteidigen.

Das sagt sich leicht und liest sich auch gut. Doch welche Ausmaße Mutterliebe annehmen kann und muss, zeigt sich in Ausnahmesituationen am stärksten. Joan, Mutter von Lincoln, der bald zu schwer sein wird, um getragen zu werden, sieht sich mit so einer Situation konfrontiert.

Mit einer Intensität, die unter die Haut geht, lässt Gin Phillips den Leser miterleben, wie Joan nicht nur für sich lebenswichtige Entscheidungen treffen muss, sondern dabei auch ihr Kind berücksichtigt.

Wie auch Joan erfährt der Leser erst im Verlauf des Thrillers, wie die Situation tatsächlich aussieht und man überlegt ganz automatisch selbst, was das Beste wäre, formuliert in Gedanken Ratschläge für Joan und fiebert mit ihr mit, kann nichts tun außer die Mutter, die ihr Kind mit allem verteidigt, was sie hat, aus der Ferne zu beobachten. Eine mentale Achterbahnfahrt, nicht nur für Mütter.

Bewertung vom 14.06.2018
Krokodilwächter
Engberg, Katrine

Krokodilwächter


ausgezeichnet

Dieses so schlichte und doch sensationell tolle Cover umschließt einen Krimi, der sich von der Masse etwas abhebt. Aber Achtung! Den Umschlag bitte nur von vorne betrachten, denn der Text auf der Hinterseite bremst das Lesevergnügen leider enorm. Er verrät so viel, dass man die wunderbar geschriebene und durchdachte Einleitung in die Geschichte, die ersten rund 70 Seiten, gar nicht mehr genießen und nägelkauend mitraten kann.

Wer dies beherzigt, bekommt einen rundum spannenden Kopenhagenkrimi geboten, der sich mal in die eine, dann in die andere Richtung entwickelt und dessen Fäden am Ende doch nicht so zusammenlaufen wie man es sich zusammenreimt. Nicht komplett anders, dennoch gibt es überraschende Details. Der Fall, in dem Jeppe Kørner und Annette Werner ermitteln, ist gut aufgebaut, wohl durchdacht und in sich stimmig.

Neben der Jagd auf den Täter, der eine junge Frau tötet, bleibt auch noch Zeit, die Hauptpersonen etwas kennenzulernen. Aber auch andere zwischenmenschliche Episoden machen den Krimi zu einem rundum angenehmen Buch, wenn auch Blut fließt. Und sogar der ungewöhnliche Titel erklärt sich.