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Hanne2
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Langenargen

Bewertungen

Insgesamt 59 Bewertungen
Bewertung vom 22.06.2025
Ruthe, Ralph;Flix

Frag Ferdinand: Natur und Tiere


ausgezeichnet

"Frag Ferdinand" ist ein niedlicher Comic über den rasenden Reporterhund Ferdinand. Immer unter Zeitdruck und oft scharfer Kritik durch seinen grummeligen Vorgesetzten ausgesetzt verfasst er blitzschnell vor Ablauf der Deadline seine Artikel zu Themen aus der Tierwelt/Natur/Evolution. Diese doppelseitigen Geschichten sind skurril, informativ und in jedem Fall sehr, sehr lustig. Meine beiden Kinder (8 und 11 Jahre) lieben die Geschichten. Und auch uns Großen hat das Durchlesen und die witzigen Illustrationen mit vielen kreativen und liebevollen Details viel Spaß gemacht.
Auch wenn durchaus wissenswerte Fakten vermittelt werden, steht die Freude an der Komik in den einzelnen Szenen eindeutig im Vordergrund. Die Illustrationen sind ausreichend groß gestaltet. Mit der Schrift hatte unser 8 Jähriger Leseanfänger stellenweise noch etwas Mühe, was vermutlich an den verschiedenen Schriftarten lag, in die er sich erst etwas "einkucken" musste.
Manch einer kennt vielleicht Ferdinand schon von den einseitigen Comicseiten im Spiegel. Für uns war er eine wunderbare Neuenentdeckung und meine Kinder waren sich beide unisono sofort einig - 5 Sterne für einen sehr unterhaltsamen Comic. Sollte es Folgebände geben, würden wir auf jeden Fall wieder zugreifen.

Bewertung vom 14.06.2025
Ben Saoud, Amira

Schweben


sehr gut

Die Protagonistin, die sich selber nicht mehr an ihren Namen erinnert, nimmt im Rahmen ihres Berufes immer neue Identitäten an, um die Rolle der Schwester, Tochter, Freundin zu übernehmen. Das Setting spielt in der Zukunft. Menschen leben in einer abgeschotteten Siedlung. Nach "draußen" zu gehen ist mit dem sicheren Tod assoziiert. Nach der Vergangenheit zu forschen, "mehr" zu wollen, nach Entwicklung zu streben, ist untersagt. Insbesondere die Jugendlichen leiden darunter. Aber insbesondere auch die Frauen sind überwiegend müde und erschöpft, antriebslos.
Die Dystopie eröffnet gedanklich einen Raum für philosophische Gedankenexperimente - inwieweit gibt das Wissen um unsere Herkunft und ein Streben nach Weiterentwicklung uns Halt, inwieweit lässt sich die Metapher des Schwebezustandes (insbesondere bei den Jugendlichen) auf unsere Gesellschaft übertragen, was hat es mit Erschöpfungssyndrom bei den Frauen auf sich.
Allerdings fand ich die Figuren nicht ganz ausgemalt und hätte mir an mancher Stelle noch mehr Tiefe gewünscht. Viele Themen werden reingebracht und angeschnitten. Gerade die Schilderung der toxischen Beziehung hätte es meiner Meinung nicht unbedingt gebraucht und ging für mein Empfinden zu Lasten der eigentlich interessanten Fragen des Buches. Es bleibt ein Gedankenexperiment, was aber für mein Empfinden an der Oberfläche bleibt.

Bewertung vom 03.06.2025
Reid, Taylor Jenkins

Atmosphere


ausgezeichnet

Eigentlich zählt ja mehr der Inhalt, hier hat mich aber auch das Cover positiv überrascht. Nicht unbedingt der Schutzumschlag, sondern vielmehr die wunderschön gestalteten Buchdeckel sind ein echter Augenschmaus. Wie von der Autorin gewohnt ist man schnell von der Geschichte eingenommen. Diese erzählt von Joan Godwin, die bei der NASA eine Ausbildung zur Astronautin macht, zudem ihre Schwester und deren kleine Tochter unterstützt. Letztendlich ist eine Liebesgeschichte, enthält aber philosophische Elemente. Dabei ist das Wissen über die Abläufe bei der NASA, aber auch verschiedene Fakten zu Sternen und Universum umfassend recherchiert. Manchmal erschlagen einen die Abkürzungen für die verschiedenen Fachbegriffe fast ein bisschen. Gleichzeitig macht es die Geschichte auch irgendwie authentisch. Taylor Jenkins Reid schafft es wie wenige Autoren mich emotional wirklich anzusprechen. Nicht nur einmal hatte ich Tränen in den Augen. Manchmal waren mir die Protagonisten vielleicht etwas übertrieben zu dauerempathisch... Nichtsdestotrotz habe ich mitgefiebert, so dass mir beim Lesen gerade zum Ende hin der Atem gestockt ist. Insgesamt ist es für mich ein in sich absolut rundes Buch, das ich mit etwas Abstand sicher noch einmal lesen werde. Achja, und dieses Ding mit Raum und Zeit hab ich dank der Autorin auch etwas besser verstanden ;)

Bewertung vom 28.05.2025
Schmidt, Nicola

Das artgerecht Gespräche-Buch: Zehn wirklich wichtige Gespräche, die Kinder und Eltern wachsen lassen


ausgezeichnet

Nicola Schmidt sagte mir bereits etwas durch ihre artgerecht-Bücher. Dieses war jetzt das erste Buch, dass ich von ihr gelesen habe. In verschiedenen Kapiteln widmet sie sich der Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern hinsichtlich besonders herausfordernden Situationen oder Themen, sei es im Kleinkind- oder im Teenageralter. Die Quintessenz lässt sich eigentlich in wenigen Worten zusammenfassen: 1. Kleinkinder in ihren Gefühlen achtsam begleiten. 2. Teenagern aufmerksam zuhören, Fragen stellen, keine Tipps geben. Das klingt jetzt vielleicht etwas vereinfacht, dabei war das Buch beim Lesen tatsächlich sehr bereichernd. Vor allem die lebendigen Beispielsätze helfen sehr, wie bestimmte Themen angesprochen werden können. In den einzelnen Kapiteln geht Nicola Schmidt auf Themen wie Sterben, Sexualität, ungute Freundschaften und noch viele weitere ein. Manche Kapitel waren für mich weniger wichtig, da ich hier meine, doch schon einiges intuitiv umzusetzen. Bei anderen Themen bin ich mir eher unsicher und war sehr dankbar über die einzelnen Formulierungshilfen. Sicherlich gibt es auch mal Beispiele, über die ich eher schmunzeln musste und die bei uns nicht funktionieren würden. Aber hier kann ja jeder für sich schauen, was passt für seine Familie oder eher weniger. Insgesamt ein toller Ratgeber für Familien, um besser mit schwierigen Themen umgehen und darüber kommunizieren zu können.

Bewertung vom 13.05.2025
Pásztor, Susann

Von hier aus weiter


gut

Marlene bleibt nach dem Suizid ihres Partners alleine zurück und muss ihr Leben irgendwie neu sortieren. Während sie noch überlegt, ob und wie sie weiterleben kann, stolpert Jack, ein ehemaliger Schüler in ihr Leben, bekocht sie und ist zusammen mit Ida, einer jungen Hausärztin, aufmerksam und zurückhaltend an ihrer Seite. Beim Lesen gibt es immer wieder ein warmes Gefühl des Trostes, wenn Menschen in einer schweren Krisenzeit zusammenrücken und Unterstützung erleben. Und trotz des schweren Themas ist der Roman eher leicht, zum Teil mit trockenem Humor geschrieben. Für meinen Geschmack plätscherte er jedoch so vor sich hin und außer einem "achja, ganz nett", konnte mich keine der Figuren wirklich berühren oder mitreißen. Immer wieder gab es irritierende Momente beim Lesen, die nicht aufgeklärt wurden und von meinem Gefühl auch nichts zur Handlung beigetragen haben. Zum Ende hab ich eher etwas lustlos zu Ende gelesen und mir sind keine Szenen tiefer als Bilder in Erinnerung geblieben. Zwischendrin hat mich das Buch von der Stimmung her etwas an "Was man von hier aus sehen kann" erinnert, wobei mir letzteres deutlich besser gefallen hat. Das Buch ist nicht schlecht, hat aber bei mir keinerlei Nachhall gehabt.

Bewertung vom 02.05.2025
Bracht, Helene

Das Lieben danach


ausgezeichnet

Helene Bracht, selber Psychotherapeutin, schreibt in dem Buch über den eigenen als junges Mädchen erlebten sexuellen Missbrauch und wie dieser ihr späteres Beziehungs- und Liebesleben in ihrem eigenen Denken, Fühlen und Handeln zum Teil subtil, oft sehr massiv beeinflusst hat. Das Cover passt sehr gut zum Inhalt - eine wunderschöne und üppige Blüte, möglicherweise eine Pfingstrose, bei der man erst auf den 2.Blick erkennt, da stimmt was nicht, da ist doch etwas beschädigt, abgeknickt. Helene Bracht schreibt lebendig, klug und reflektiert. Großartig wenn man dazu bedenkt, dass es sich um ein Debut handelt. Dabei bleibt es immer ihre Geschichte. Sehr persönlich begibt sie sich auf Spurensuche. Anekdotisch erzählt sie von Liebes- und Beziehungsversuchen, angereichert mit einem enormen Wissen zu sexualisierter Gewalt und deren Auswirkung auf die Psyche der Betroffenen. In der Darstellung des Erlebten hätte ich mir gewünscht, dass es vielleicht stellenweise weniger explizit beschrieben wird. Nicht aus Scham, der Täter hat allen Grund sich zu schämen, auch wenn er vermutlich längst tot ist!! Sondern aus dem Wunsch heraus, die Autorin möge sich etwas mehr selber schützen. Aber möglicherweise versteht man gerade die hochambivalenten Gefühle und Verhaltensweisen im Anschluss nur durch das Vorwissen über das Erlebte besser. Spannend fand ich den Seitenstrang, in dem Helene Bracht über ihre Mutter, deren Bezug zur Sexualität, aber auch deren Befreiung schreibt. Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, für das zumindest ich immer wieder Pausen gebraucht habe. Vom SRF gibt es in der Philosophieserie "Sternstunde Philosophie" eine Folge mit ihr, die ich ergänzend sehr weiterempfehlen kann.

Bewertung vom 09.04.2025
Lugbauer, Eva

Schwimmen im Glas


sehr gut

In dem Roman geht es um Lore, die in kleinen Sequenzen aus ihrer Kindheit erzählt. Ländlich aufwachsend in den 90er Jahren in Österreich, zwischen Eltern- und Großelternhaus pendelnd. Es gibt keine Unterteilung in größere Kapitel. Nur Absätze markieren die gedanklichen Wechsel. Beim Lesen stellt sich schnell ein Fluss ein. Vieles bleibt aus dem kindlichen Verständnis und dessen unschuldigen Betrachtung heraus offen und unerklärlich. Und dennoch begleitet einen als Leser eine Ahnung, was der Großvater wohl erlebt haben mag, wie die Beziehungsqualitäten zwischen den Erwachsenen sein mögen, welche Rollenbilder Männer und Frauen in sich tragen. Schwimmen im Glas - ein poetischer Ausdruck über die Begrenztheit der Lebens- und Erlebensmöglichkeiten vor allem von Frauen in einem patriarchalem Umfeld. Ich mochte den leisen, feinfühligen Ton der Autorin, wie die Fragezeichen in der Luft hängen bleiben, vieles nicht ausgesprochen wird. Letztendlich waren es mir manchmal fast etwas zu viel Fragezeichen und Verbleiben in der Vorahnung beim Lesen. Dennoch ein lesenswertes Buch vor allem für diejenigen, die eine teilweise poetische Sprache schätzen.

Bewertung vom 08.04.2025
Decker, Anika

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben


gut

Die Leseprobe hatte mich für das Buch eingenommen und mich neugierig gemacht. In witzigem und kurzweiligem Ton erzählt die Autorin von Nina, die auf der Gartenparty ihres Ex-Mannes den deutlich jüngeren David kennenlernt und sich schneller als sie sich versieht, Hals über Kopf in ihn verliebt. Ich mag den Humor, die etwas skurrile Figurenzeichnung und die scharfe Beobachtungsgabe von Anika Decker sehr und hätte mir auch anfangs den Roman super als unterhaltsame Verfilmung vorstellen können. Gekonnt erzählt sie von Klischees und Erwartungen im Gruneberger Milieu, von Rollenbildern angesichts verschiedener Themen wie Liebe und Altern. Eine herzerwärmende Geschichte zum Abtauchen? Nicht ganz. Leider ist diese Geschichte letztendlich mehr um das Thema Me-Too/Gewalterfahrung bzw. Ungerechtigkeit gegenüber weiblichen Darstellern in der Filmbranche herumgestrickt. Vermutlich ein Thema, das der Autorin, die mehrere Drehbücher geschrieben hat, selber sehr wichtig ist. Ich würde behaupten, dass ich eine gewisse Toleranz für Unerwartetes in Romanen habe bzw. es auch schätze, wenn Geschichten nicht vorhersehbar sind. Für mich ging letztendlich die Wendung trotzdem nicht auf. Vielleicht weil ich mich schon sehr auf Nina und David gedanklich eingelassen hatte, diese aber mehr zum Sidekick wurden und ich mich dann fast etwas gelangweilt durch den Rest des Romans gequält habe immer auf der Suche nach den beiden. Vielleicht aber auch weil das Me-Too-Thema dann doch zu sehr an der Oberfläche behandelt wurde, so dass es mich emotional gar nicht richtig berührt hat bzw. in mir beim Lesen kein richtiger Raum für das Thema entstand.

Bewertung vom 30.03.2025
Lunde, Maja

Für immer


sehr gut

Maja Lunde geht in diesem Roman der Frage nach, was macht es mit Menschen, wenn plötzlich die Zeit stehen bleibt. Es stirbt niemand mehr, Babies werden nicht mehr geboren, Krankheiten kommen zum Stillstand. Jedes Kapitel widmet sich jeweils einer Figur, was die Perspektiven auf das Thema erweitert - die todkranke Fotografin und Mutter Jenny, der Rentner Otto usw. Mit der Zeit verweben sich einzelne Biografien, treffen Figuren aufeinander. Besonders nachgegangen ist mir die Figur des Außenseiters Philip, der "es in seinem Leben nicht leicht gehabt" hatte, vernachlässigt und oft sich selber überlassen gewesen war, seinen Selbstwert aus einer vermeintlichen "angeborenen inneren Stärke" zieht und gleichzeitig eine massive innere Unruhe und tiefe Unsicherheit und Verlorenheit spürt. Dessen kontraphobischer Krisengewinn, Vergemeinschafterung mit Pseudo-Gleichgesinnten und Radikalisierung mit der Möglichkeit sich nun endlich erfolgsorientiert präsentieren zu können, hat mich zeitweise auf eine beklemmende Art an die Coronazeiten erinnert. Auch die Figur der Fotografin Jenny hat mich sehr berührt mit der Frage, was bleibt, wenn ein Mensch geht. Ein bisschen mehr Tiefe in der philosophischen Auseinandersetzung mit der Frage des gesellschaftlichen Zeitstillstandes hätte mich sehr gereizt. Alles in allem ist aber in jedem Fall ein gut lesbarer Roman, bei dem jeder Leser vermutlich auf seine Art Figuren findet, denen er sich näher fühlt bzw. andere, die ihn möglicherweise weniger erreichen.

Bewertung vom 25.02.2025
Pélissier, Jérôme

Das Erwachen des Drachen / Kleine Hexe Nebel Bd.1


ausgezeichnet

Nach einigen Comics, die so "najaa" waren, ist hier die Begeisterung für die kleine Hexe Nebel wirklich übergeschwappt. Unglaublich niedlich, frech und "radikal selbstbewusst", mit ganz viel Sturheit und Entdeckerlust präsentiert sich das kleine Hexenmädchen. Dieser Band ist der erste von insgesamt 3 Bänden über die kleine Hexe Nebel, welche das französische Illustratoren-Paar Jérôme Péllisier und Carine Hinder während der Lockdown-Zeit zurückgezogen in einem pittoresken französischen Dorf geschrieben hat. Ein bisschen erinnert die Kulisse und der Aberglaube der Dorfbewohner an die Asterix-und-Obelix-Comics. Nebel lebt als Findelkind bei dem Dorffischer und möchte so gerne eine Hexe sein. Die alte Hexe des Dorfes Naia ist leider seit einiger Zeit verschwunden und irgendwer muss ja den Job machen... An ihrer Seite sind das schlaue Schweinchen Hubert, welches heimlich im Hintergrund die Fäden zieht, sowie ihr bester Freund Hugo, der ihr treu ergeben ist. Wir haben beim Anschauen und Lesen öfters schmunzeln müssen und besonders das Schweinchen sehr ins Herz geschlossen. Durch die witzigen Dialoge lassen sich auch kleine muffelige Leseanfänger gut hinter dem Ofen hervorlocken. Ein wirklich toller und witziger Comic über ein kleines Mädchen, das fest an sich glaubt und ein großes, ehrliches Herz hat. Wir freuen uns schon sehr auf die nächsten beiden Bände.