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Nourea
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Straubing

Bewertungen

Insgesamt 103 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2026
Heinrich, Finn-Ole;Zipfel, Dita

Aali muss los


ausgezeichnet

Aali, ein kleiner Aal, lebt schon seit zwanzig Jahren im Nord-Ostsee-Kanal und verbringt dort seine Tage mit seinem besten Freund Frank, einer Brasse. Aber eines Tages ist alles anders, denn Aali spürt eine unerklärliche Veränderung in seinem Körper und den starken Impuls, Frank und sein bisheriges Zuhause zurückzulassen und sich auf eine Reise zu begeben, von der er nicht weiß, wohin sie ihn führt. Aalis Körper braucht nun keine Nahrung mehr, seine Augen und Flossen haben sich vergrößert. Auf seiner Reise trifft er nun einige Tiere, die ihm einen Teil seiner Fragen beantworten oder ihn eine Weile begleiten. Nur das letzte Stück seiner Reise in die Sargassosee muss Aali alleine bewältigen. Und da müssen wir ihn dann auch verlassen, da niemand weiß, wie das Leben eines Aales dort weitergeht oder endet.
Das Buch ist einfach nur toll. Aali wächst einem wirklich ans Herz und gleichzeitig erfährt man so viele interessante Dinge über Aale, die richtig spannend sind. Die Illustrationen sind sehr beeindruckend und wunderschön.

Bewertung vom 16.01.2026
Hau, Kerstin

Obacht!


sehr gut

Im Bilderbuch „Obacht!“ von Kerstin Hau liegt ein großes Tier vor der Stadt und versperrt den Zugang zu dieser. Die Einwohner sind geschockt und haben Angst, mit Ausnahme von Mienchen, die neugierig auf das große Wesen ist. Alle Versuche, das furchteinflößende Tier zu bedecken oder durch eine schnell gebaute Brücke bzw. Straße zu umgehen, scheitern. Mienchen nimmt ihren Mut zusammen und beschließt mit dem großen Tier zu reden. Und siehe da, schon gibt es eine ganz einfache Lösung.
Die Bewohner der Stadt haben alle sehr ungewöhnliche Namen, was die Kinder beim Vorlesen bestimmt lustig finden werden. Die Geschichte zeigt in eindrücklichen Bildern, dass man die Angst vor einem Fremden oder etwas Unbekanntem ganz einfach überwinden kann, wenn man darauf zugeht.

Bewertung vom 16.01.2026
Coudert, Sonia

Na und?


ausgezeichnet

In dem Bilderbuch „Na und? Wir lassen uns nicht ärgern“ werden verschiedene Kindergartenkinder von dem als grimmiges Krokodil dargestellten Bosse verbal attackiert. Er greift sie aufgrund ihres Aussehens, ihres Geruchs, ihrer Geschicklichkeit usw. an und macht sie lächerlich. Auch wenn es der Erzieherin auffällt, dass das jeweils gemobbte Kind bedrückt und schweigsam ist, bekommt dieses dennoch von dieser Seite keine Hilfe, dass es sich nicht traut, gegen Bosse vorzugehen. Alles ändert sich, als Pauline neu in den Kindergarten kommt und auf Bosses verbalen Angriff nur mit einem „Na und?“ reagiert und ihm dabei furchtlos in die Augen schaut. Bosse ist geschockt, aber die anderen Kinder sind so beeindruckt, dass sie Paulines Vorgehen schnell übernehmen. Das Ende des Buches gibt einen Eindruck, warum Bosse so ein Fiesling ist und dass es nun auch für ihn einen Ausweg und andere Verhaltensweisen gibt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Kinder sind alle als Tiere dargestellt. Und es gibt sehr viel auf den einzelnen Seiten zu entdecken. Meiner Meinung nach gehört das Buch in jede Kita und auch in jedes Zuhause.

Bewertung vom 16.01.2026
Bohlmann, Sabine

Was wäre, wenn ...


sehr gut

In ihrem ersten Bilderbuch für Erwachsene „Was wäre, wenn“ stellt Sabine Bohlmann viele kurze, zum Nachdenken anregende Fragen, die von stimmungsvollen Illustrationen begleitet werden. Letztendlich fragt sie danach, was wäre, wenn wir alle freundlicher, fröhlicher, respektvoller, friedlicher, fürsorglicher usw. wären. Wäre es nicht schön für uns alle, wenn wir in einer Welt lebten, die von Zusammenhalt, füreinander Dasein und Teilen des Glücks gekennzeichnet wäre? Ja, das wäre es.

Bewertung vom 22.10.2025
Engelmann, Julia

Himmel ohne Ende


ausgezeichnet

Die 15jährige Charlie kommt nicht wirklich gut zurecht im Leben. Alles, was sie erlebt, scheint bei ihr etwas tiefer zu gehen als bei anderen. Sie denkt sehr viele nach, ist introvertiert, weint schnell und hat es auch nach acht Jahren noch nicht verkraftet, dass ihr Vater von einem Tag auf den Anderen die Familie verlassen hat. Somit gibt es jetzt nur noch sie und ihr Meerschweinchen Markus. Als sich dann auch noch ihre beste und einzige Freundin Kati von ihr abwendet, verliert Charlie jeglichen sozialen Rückhalt. Das ändert sich erst, als ein neuer Schüler in ihre Klasse kommt, Kornelius, genannt Pommes. Er sieht hinter Charlies spröde, oft abweisende Fassade und kann zu ihr durchdringen. Wie Charlie weiß auch er, was es heißt, einen großen Verlust zu erleiden und nicht verarbeiten zu können.
Mir hat das Buch inhaltlich und sprachlich sehr gut gefallen. Man hört immer wieder Julia Engelmanns lyrische Begabung heraus, die sie ja schon in mehreren Poetry-Slam-Büchern gezeigt hat. Charlie mag keine typische Jugendliche sein, aber für mich vertritt sie einen Typus Mensch, den es tatsächlich so gibt und der oftmals von seiner Umwelt nicht verstanden oder überhaupt wahrgenommen wird. Das Buch zeigt auch, dass es mithilfe eines anderen Menschen, der sich nicht von der äußeren Fassade abschrecken lässt und ohne Beurteilung Kontakt sucht, möglich ist, dass große Veränderungen und Entwicklungen angestoßen werden.

Bewertung vom 22.10.2025
Lowry, Lois

Unvergesslich, Sophie


ausgezeichnet

Die 11jährige Sophie liebt ihre gleichnamige Nachbarin, die bereits 88 Jahre alt ist, sehr und besucht sie fast täglich zum Teetrinken, Spielen und mehr. Aber es entgeht dem Mädchen nicht, dass die ältere Sophie zunehmend vergesslich wird und durchaus auch gefährliche Dinge tut. Da Sophies Sohn Aaron das ebenfalls bemerkt, möchte er seine Mutter in einem Heim in seiner Nähe unterbringen, weit weg von dem Kind Sophie. Diese denkt sich allerhand Tests aus, um zu beweisen, dass ihre ältere beste Freundin doch immer noch bei klarem Verstand ist und alleine leben kann. Da die Tests aber leider nicht so gut ausfallen, muss die jüngere Sophie der Tatsache ins Auge sehen, dass Sophie vielleicht doch mehr Hilfe braucht. Einer ihrer Tests besteht darin, der alten Sophie drei Begriffe zu nennen, die sie nach einer gewissen Zeit der Ablenkung wiederholen muss. Da die alte Frau das nicht kann, lässt die kleine Sophie ihr zu jedem der drei Begriffe „Baum, Tisch, Buch“ eine Geschichte erzählen. Und was für Geschichten das sind. Ist doch die alte Sophie in Polen aufgewachsen und hat dort den Holocaust überlebt. Und so wird das Mädchen zu einem Gedächtnisspeicher für zutiefst berührende Erzählungen aus der Vergangenheit ihrer besten Freundin.
Das Buch ist sehr liebevoll, tiefsinnig, aber auch durchaus humorvoll geschrieben. Das Thema Holocaust wird nur ganz leicht angedeutet; das verwundert auch nicht, denn die Zielgruppe kann mit diesem historischen Ereignis ja noch gar nichts anfangen. Aber die Geschichten der älteren Sophie gehen unter die Haut. Hier wird auf einfühlsame Weise gezeigt, dass Demenz einen Menschen zwar sehr verändert und ihn auf Hilfe angewiesen sein lässt, aber dass dennoch von seiner Persönlichkeit und seinen weiter zurückliegenden Erlebnissen viel erhalten und unvergessen bleibt.

Bewertung vom 22.10.2025
Arenz, Ewald

Katzentage


ausgezeichnet

„Katzentage“ von Ewald Arenz, einem meiner Lieblingsautoren, ist ein schmaler, nur knapp 130 Seiten umfassender Roman. Wir begleiten die Ärztin Paula und den Juristen Peter, die in der gleichen Hamburger Klinik arbeiten, sich auf einer gemeinsamen Tagung nähergekommen sind, und nun aufgrund eines Bahnstreiks für ein paar Tage in Würzburg stranden. Die beiden nutzen die geschenkte freie Zeit, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Stadt, die Weinberge oder die ländliche Umgebung um Würzburg zu streifen. Sie necken sich, kommen sich näher und entfernen sich auch wieder voneinander. Obwohl sie sich sehr mögen und zueinander hingezogen fühlen, bleiben sie auch im Unverbindlichen, da beide keine positiven Beziehungserfahrungen haben und davon ausgehen, dass auch jede weitere Beziehung scheitern wird. Dennoch möchte vor allem Peter wissen, wie es bei der Rückkehr nach Hamburg mit ihnen weitergeht. Paula möchte eher im Augenblick verweilen und das genießen, was jetzt gerade ist. Das wird auch von einer Katze widergespiegelt, denen die beiden begegnen und die ihnen dann immer zutraulich werdend folgt, indem sie einfach mit dem mitfließt, was gerade ist.
Sprachlich ist das Buch einfach ein Genuss. Man hat das Gefühl, selbst durch die herbstliche Landschaft um Würzburg zu streifen, den Wein zu schmecken, das glitzernde Band des Mains zu sehen und das Gefühl zu haben, dass einem eine Katze um die Beine schleicht.

Bewertung vom 22.10.2025
Bohlmann, Sabine

In meiner Welt


ausgezeichnet

Der kleine Bruno macht mit seinem Opa einen Spaziergang und erzählt ihm, dass er Weltererfinder werden möchte und in seiner Welt einmal alles anders machen wird. Es wird keinen Tod geben, aber auch keine weiteren Geburten, um der Überbevölkerung entgegenzuwirken. Damit es nicht nur alte Menschen gibt, wird die Zeit angehalten usw. Der Großvater kann seinem Enkel bei jeder Idee zeigen, dass dadurch auch viel Durcheinander oder gar Negatives entstehen würde, wenn man in den gegebenen Ablauf der Welt und des Lebens eingriffe. Am Friedhof angekommen macht er seinem Enkel begreiflich, dass es keinen Grund gibt, dem Welterfinder böse zu sein, weil die Großmutter gestorben ist, sondern dass es ein großes Geschenk war, sie gekannt und so viel Schönes mit ihr erlebt zu haben.
In kurzen, einfachen Sätzen erklärt Sabine Bohlmann den Lesern und Zuhörenden, dass das Leben, so wie es ist, gut und durchdacht ist und man dafür dankbar sein darf. Dies wird durch liebevolle und warmherzige Illustrationen untermauert. Das ganze Buch strahlt Ruhe, Frieden und Akzeptanz aus. Sehr schön.

Bewertung vom 22.10.2025
Schaudinn, Jasmin

Zwei sind eine Bande


ausgezeichnet

Kofi geht in die zweite Klasse, Lille ist noch im Kindergarten. Na und? Die zwei sind dennoch schon seit Jahren die allerbesten Freunde, die jeden Nachmittag gemeinsam verbringen. Als sie zu zweit beschließen, eine Bande zu gründen, sind sie vollauf damit beschäftigt, einen Namen dafür und ein Geheimversteck zu finden, und haben eigentlich gar keine Zeit, sich um die Streitereien zwischen den Erwachsenen aus ihrer Straße zu kümmern, die sich uneins darüber sind, ob der Baum vor dem Gemüseladen gefällt werden soll bzw. darf oder nicht. Aber zusammen mit anderen Kindern aus ihrer Nachbarschaft müssen sie einschreiten und den Erwachsenen zeigen, wie man auf kreative Weise Probleme so löst, dass alle mit dem Kompromiss leben können.
Schon „Päckchensommer“ von Jasmin Schaudinn hat mir sehr gut gefallen, weil es der Autorin gelingt, eine Geschichte auf äußerst warmherzige Weise aus der Sicht der Kinder zu erzählen. Das ist auch bei „Zwei sind eine Bande“ der Fall. Hier wird eine Kindheit gezeigt, in der die Kinder tatsächlich Platz und Freiraum haben, um Kind zu sein. Die Eltern stecken zwar den Rahmen ab, in dem sich die Kinder bewegen können, sind ansonsten aber erfreulich wenig präsent. Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahre oder zum Selberlesen ab 7 Jahre. Toll sind auch die vielen farbigen Illustrationen.

Bewertung vom 22.10.2025
Sassen, Erna

Such dir keinen besten Freund


ausgezeichnet

Der 17jährige Joshua, genannt „Rembrandt“, weil er ein begnadeter Maler ist, ist mir schon aus dem Buch „Ohne dich“ bekannt. In diesem tragischen Buch, das zwei Jahre zuvor spielt, musste er sich von seiner besten Freundin Zivan verabschieden, die in den Irak zurückkehrte, um ihren Cousin zu heiraten.
Zwei Jahre später hat Joshua nun in „Such dir keinen besten Freund“ tatsächlich drei neue Freunde gefunden. Zum einen sind das der dunkelhäutige Sergio, der kein Problem damit hat, als Sexarbeiter Geld zu verdienen, und der unter einer Aggressionsstörung leidende Dylan, der Pornos liebt, aber mit Sex im echten Leben nichts am Hut hat. Beide Jungs können zum Glück beim Kickboxen gehörig Dampf ablassen, da sie durchaus dazu neigen, gleich zuzuschlagen, wenn ihnen etwas nicht passt. Zum anderen gibt es da noch Lindsey, die sich in der Schule bewusst aufreizend und provozierend kleidet, womit sie alle Jungs in den Wahnsinn treibt, und davon träumt nach der Schule in der Pornoindustrie tätig zu sein.
Joshua ist sexuell unerfahren, weiß noch nicht einmal, ob er nicht vielleicht schwul ist. Aber was er weiß ist, dass er sich zu Lindsey hingezogen fühlt und dass sie viel komplexer und tiefsinniger ist, als es normalerweise den Anschein hat. Joshua beginnt Lindsey zu malen und lernt sie dadurch von einer ganz anderen Seite kennen. Aber wie geht das nun weiter mit dem Aufbau einer Beziehung?
Das Buch ist keine leichte Kost. Die Sprache ist oft sehr hart, Gewalt, Aggression, sexuelle Ausbeutung sind immer wieder Thema. Da ist aber auch eine Tiefe dahinter, die Unsicherheit und Sehnsucht von Joshua, die Trauer von Dylan über den Tod seiner Schwester oder Lindseys tiefes Leiden, weil niemand sie wirklich sieht. Klasse sind die vielen in den Text eingefügten Illustrationen.
Altersmäßig gehöre ich sicherlich nicht zur Zielgruppe für dieses Buch, aber es hat mich erreicht, und ich finde es sehr authentisch und tiefgründig. Gerne mehr von Erna Sassen.