Ich mag diese Autorin sehr (auch wenn ich mir nie merken kann, wie man ihren Vornamen nun richtig ausspricht) und habe schon viele Bücher von ihr gelesen. Zum ersten Mal aber hat sie nun eine Fortsetzung zu einem ihrer Romane geschrieben, nämlich zu "Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt". Wir treffen also Edie wieder, und überraschenderweise auch Elliot Owen, den Schauspieler aus Nottingham der über Nacht ein kleiner Superstar wurde, weshalb leider auch aus der beginnenden Romanze mit Edie nichts wurde.
Nun steht er aber wieder vor ihrer Tür und bittet um eine zweite Chance. Die Rahmenbedingungen haben sich allerdings nicht geändert: sie wohnen immer noch auf unterschiedlichen Seiten des Atlantiks, er ist immer noch ein begehrter Schauspieler und seine privatesten Dinge finden ihren Weg in die Boulevardmedien, sie ist immer noch unsicher wieso er so ein normales Mädel wie sie möchte wo er doch jede haben könnte.
Ich denke man sollte bei diesem Buch möglichst den ersten Band auch gelesen haben, ansonsten hat man wahrscheinlich immer wenn es um die "Background"-Story von Edie geht ein paar Fragezeichen im Kopf. Die Sache von vor einem Jahr wird zwar immer wieder erwähnt, aber nicht zur Gänze erklärt.
Mein Kritikpunkt an diesem Buch ist einzig, dass bei den Szenen zwischen Edie und Elliot gefühlt immer wieder ähnliche Diskussionen stattfinden, das fand ich dann im letzten Drittel des Buches schon etwas langatmig. Statt ihren ewig gleichen Gesprächen zu folgen hätte ich lieber was erlebt mit den beiden, ein paar süße Dates oder so etwas. Dafür hat mich dann das Ende doch ein bisschen überrascht, das hatte ich zu dem Zeitpunkt dann schon gar nicht mehr in der Form erwartet.
Meine Erwartungen an das Buch, nachdem ich den Klappentext schnell mal überflogen hatte: der spätere Fussball-Weltmeister Christoph Kramer erzählt hier vom Sommer 2006, in dem er 15 Jahre alt war und mit seinen Freunden die Ferien im Freibad verbringt, das Sommermärchen und die Reise seiner Fussballhelden verfolgt und auch schon mal nach den Mädchen schielt.
Doch das Buch war dann doch ganz anders. Zuerst einmal: Fußball kommt eher nur am Rande vor. Es wird erwähnt, dass die Hauptfigur Christoph Kramer Fußball spielt (übrigens, laut Disclaimer zu Beginn des Buches sind alle Personen sowie die Handlung frei erfunden, die Namensgleichheit und andere Parallelen zum Autor sind also reeeeeiiiiin zufällig *zwinker zwinker*). Aber hauptsächlich dreht es sich um die erste große Liebe und all die Gefühle, die damit verbunden sind. Im positiven wie im negativen Sinne. In zweiter Linie geht es auch noch um Freundschaft, und ich fand es total toll, dass die Freunde von Chris ihn 100% unterstützen und nicht auslachen wenn er von seinem Schwarm erzählt. Das ist ja nicht selten ganz anders in dieser Altersklasse.
Im letzten Drittel des Buches hab ich mich dann ein bisschen gefühlt als ob ich einen Roman von John Green lese, und das ist ein Kompliment im positiven Sinne. Ich habe mich so ein bisschen an "Margos Spuren" erinnert gefühlt.
Insgesamt begleiten wir Chris nur für 48h, also leider nicht den ganzen Sommer. Doch diese 48 Stunden waren sehr einschneidend und auch wegweisend für ihn. Ein kurzer Epilog kommt dann noch, und vor allem das Nachwort ist sehr lesenswert und wichtig um ein vollständiges Bild der Geschichte zu kriegen.
Ich für meinen Teil war sehr zufrieden mit dem Ende, und überhaupt mit dem ganzen Buch. Auch überrascht, wie toll Christoph Kramer tatsächlich schreiben und beschreiben kann. Als Fussballprofi kenn ich ihn tatsächlich nur wegen der Auswechslung im Finalspiel 2014, als TV-Experte habe ich ihn aber schon mehrfach gesehen und da war er sehr sympathisch und kompetent. Also er kann auch mit Worten umgehen!
Man erhält hier zwei Romane zum Preis von einem. Denn sowohl die Memoiren von Margaret Ives, die wir häppchenweise erzählt bekommen, als auch das Geschehen im Hier und Jetzt rund um Alice und Hayden (aber ausschließlich aus der Perspektive von Alice erzählt) ist für sich genommen eine komplette Geschichte.
Interessierter war ich persönlich ja an der zweiteren Geschichte: wie geht es Alice, wird sie den Job bekommen, was passiert in ihrem Privatleben, wie entwickelt sich die Sache mit Hayden, was für ein Verhältnis hat sie zu ihrer Mutter...
Bei der von Margaret Ives erzählten Geschichte hatte ich anfangs doch einige Probleme, mir die vielen Namen der Familienmitglieder zu merken und vor allem in welcher Generation wir uns gerade befinden und in welcher Beziehung die ganzen Leute zueinander stehen. Da ich das Buch als Hörbuch gehört hab, konnte ich auch nicht mal schnell zurückblättern und Seiten nochmal überfliegen um diese Informationen aufzufrischen, sondern musste mehrmals Kapitel suchen und nochmals anhören.
Interessanter wurde es dann aber, als es schließlich um Margaret selbst ging und nicht mehr um ihre Vorfahren. Da kamen dann auch Parallelen zum Buch "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" auf, aber nur von den formalen Gegebenheiten her (eine alte Dame der High Society gibt ein Interview über ihr aufregendes Leben). Ihre Lebenswege selbst waren doch deutlich anders, und zum anderen fand ich bei "Evelyn Hugo" war der Fokus auch ganz eindeutig auf dem Leben der Titelfigur, während ich bei diesem Buch von Emily Henry den Fokus stärker bei der jungen Journalistin Alice gesehen habe.
Abgesehen von der Schwierigkeit, dass man eben nicht mal kurz zurückblättern kann, fand ich das Buch als Hörbuch aber sehr gut. Vor allem weil auch die Sprecherin ihre Sache sehr gut machte und den Charakteren individuelle Stimmen verpasste. Wieso allerdings die männliche Hauptrolle Hayden - wie öfter mal bei weiblichen Sprecherinnen - so klingt wie ein raubeiniger Bad Boy klingen muss, weiß ich nicht. Das ist er nämlich gar nicht.
Auf dem Buchumschlag steht ganz groß die Frage: Was würdest du tun, wenn du wüsstest, wann und wie du sterben wirst?
Meine erste Reaktion, als im Buch die "Todesdame" im Flieger von Reihe zu Reihe geht und ihre Prophezeiungen den Passagieren mitteilt war: oh bitte nicht, bitte sag es nicht, ich würde das nicht wissen wollen.
Andererseits: was ist, wenn das 'Schicksal' vielleicht nicht in Stein gemeißelt ist, sondern man dadurch die Chance erhält, noch etwas zu ändern oder zu beeinflussen?
Und das ist eben auch genau die Frage, die sich der Leser/Leserin im Verlauf der Lektüre stellt, klarerweise ganz besonders bei den Personen, denen ein recht baldiger Tod vorausgesagt wurde. Diese begleiten wir in den Monaten nach dem Flug, in unregelmäßigen Abständen und durchaus auch in unterschiedlich hoher Intensität. Dadurch lernt man einige Personen natürlich auch etwas besser kennen, aber ich muss sagen dass ich wirklich mit jedem "mitgefiebert" habe und hoffte, dass die Prophezeiung nicht wahr wird. Oder wird sie sich erst recht dadurch erfüllen, dass man eben um seine Lebenserwartung und Todesursache nun weiß und dieses um jeden Preis vermeiden möchte?
Am häufigsten aber sind die Kapitel über die "Todesdame" selbst, die mir tatsächlich anfangs am wenigsten interessant erschien. Wo ich viel lieber weiter über Passagier X oder Y gelesen hätte, kam immer wieder ein Kapitel über Cherry, die hier praktisch ihre gesamte Lebensgeschichte erzählt. Und mit der Zeit ist sie mir dann doch auch ans Herz gewachsen und ich fand sie ebenso interessant wie die restlichen Figuren.
Dass Liane Moriarty großartige Romane mit außergewöhnlichen Themen und einem hervorragend gezeichneten Figurenensemble schreiben kann, weiß ich schon länger. Vor knapp 20 Jahren hat mich ihr Roman "Drei Wünsche frei" bereits begeistert, später kamen noch "Truly Madly Guilty", "Big Little Lies" und "Nine Perfect Strangers" hinzu. Die "Vorsehung" reiht sich hier perfekt ein, das Buch ist genauso spannend wie ein Thriller, es ist gleichzeitig aber auch die Lebensgeschichte der eigentlich recht unscheinbaren aber dann doch wieder sehr bemerkenswerten Cherry sowie ein Zeugnis dessen, wie Menschen auf eine derartig erschütternde Vorhersage reagieren.
P.S. Eine Verfilmung als Mini-Serie kann ich mir auch bei diesen Buch SEHR gut vorstellen!
Daphne weiß - aufgrund kleiner Nachrichten - immer genau wie lange ihre Beziehungen dauern werden. Eine Nacht, drei Wochen oder sechs Monate - sie kann sich darauf einstellen, die Zeit so wie sie ist genießen ohne viele Gefühle zu investieren und meist tut ihr der Abschied dann auch nicht so weh. Meist.
Nun aber steht auf ihrem Zettel nur ein Name - ohne Zeitbegrenzung. Ist er derjenige "für immer"? Worüber viele Menschen sich freuen würden - endlich dem Menschen zu begegnen, mit dem man den Rest des Lebens teilt - macht Daphne aber auch ein bisschen Angst. Zumal die kleinen Zettelchen auch noch eine 2. Bedeutung für Daphne haben, die wir LeserInnen allerdings erst in der Hälfte des Buches erfahren.
Und dann ist da ja auch noch ihr bester Freund Hugo, bei dem ich immer das Gefühl hatte dass er "der eine" ist, wenn sie von ihren Treffen und sonntäglichen Ritualen spricht. Sie waren auch mal zusammen, aber leider stand auf dem Zettel mit seinem Namen lediglich '3 Monate', obwohl sich Daphne in diesem Fall gern mehr Zeit gewünscht hätte.
Ich fand die Romanidee unglaublich spannend (würde sowas aber selbst wohl nie wissen wollen). Genau so etwas gab es in einer Folge der TV-Serie "Black Mirror" auch mal. Die Frage hierbei ist ja, ob das Schicksal wirklich alles schon vorher bestimmt hat, oder ob sich in dem Fall Daphne so verhält, wie es auf dem Zettel steht und somit die Prophezeiung erst zur Realität werden lässt.
Von der Autorin habe ich bereits ein anderes Buch gelesen - "In fünf Jahren" - das ebenfalls einen Ausblick in die Zukunft zum Thema hat. Schon das Buch gefiel mir sehr gut, und auch hier hat mich Rebecca Serle nicht enttäuscht. Ich habe Daphne sehr gerne begleitet, und obwohl sie und ich ja wussten was auf dem letzten Zettel stand, war der Verlauf dieser Beziehung spannend.
Passend zum Titel habe ich das erste Viertel des Buches im Freibad gelesen. Der Beginn versprüht auch richtige Sommer-Vibes, und zu diesem Zeitpunkt - 1956 - ist das Leben der Freundinnen auch noch weitgehend unbeschwert. Der Krieg rückt langsam in die Ferne, die Menschen haben wieder genug zu essen und die Kinder können in die Schule gehen und von einer glücklichen Zukunft träumen.
Zeitsprung zu 1960: aus den Mädchen sind Teenager geworden, die von Jungs schwärmen oder sich ausmalen, was sie einmal werden wollen. Doch so langsam wird ihr Leben und auch das Buch immer ernster. Die Repressalien, die einige DDR-Bürger schmerzlich zu spüren bekamen, wurden am Beispiel von Clara auf bedrückende Art und Weise geschildert. Ihre Familie will sich nicht gleichschalten lassen, weshalb ihr Vater nicht in der Partei und sie nicht in der Jugendorganisation FDJ ist. Bei jeder Gelegenheit lässt man sie spüren, dass das eine falsche Entscheidung ist. Bei all der Gängelung, die sie dadurch von Schule und Stasi erfährt, ist es ja kein Wunder dass so viele Menschen dieses Land verlassen, dachte ich mir. Man kann doch nicht jemand die komplette Lebensgrundlage wegnehmen, und dann erwarten dass er das einfach so hinnimmt. Zumindest nicht, solange es noch eine Alternative gibt wie vor dem Bau der Berliner Mauer im August 1961.
Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen, habe in den 80ern aber gänzlich andere Erfahrungen gemacht als die drei Freundinnen in diesem Buch. Sicherlich weil die Situation lockerer geworden ist (es wurde niemand mehr 'gejagt' weil er West-Fernsehen geschaut hat), andererseits auch weil hier im Buch komplette Extreme dargestellt wurden. Eine Stasi-Familie mit Walter Ulbricht Foto an der Wohnzimmerwand und eine, die sich aus allem staatlichen raushalten will und dafür geächtet wird. Und mittendrin eine Mutter, die sich mittels Alkohol dem Alltag und seinen Sorgen entzieht.
Mir waren keine dieser Lebensstile persönlich bekannt, und ich fände es ein bisschen schade, wenn viele LeserInnen nach dem Buch glauben würden, es hätte ein 'normales' Leben in der DDR gar nicht gegeben sondern nur diese Extreme. Dem war glücklicherweise nicht so, allerdings hätte ich gern meiner Mutter - die ebenfalls in den 50ern und 60ern aufwuchs - das Buch zum Lesen gegeben und sie nach ihren Erfahrungen von damals befragt. Schade, dass das nicht mehr geht.
Mein Fazit: Es ist unbestritten ein spannender Roman, auch wenn man viele Dinge weit im vorhinein erahnen kann (die Geheimnisse, die Martha 'aufdeckt' oder auch Bettys Geheimnis gegen Ende hin). Dennoch will man natürlich wissen, wie sich die Dinge für die drei Mädchen fügen werden, denn ich fand alle drei sympathisch und hatte sie schnell in mein Herz geschlossen. Und der Berliner Dialekt war für mich ein netter Bonus, der lockert selbst in ernsten Situationen einiges auf und ich finde es immer schön, meinen Heimatdialekt zu lesen.
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