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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
raschke64
Wohnort: 
Dresden

Bewertungen

Insgesamt 610 Bewertungen
Bewertung vom 25.07.2022
Die Nachricht des Mörders / Fräulein vom Amt Bd.1
Blum, Charlotte

Die Nachricht des Mörders / Fräulein vom Amt Bd.1


sehr gut

Alma arbeitet beim Telefonamt. Es ist das Jahr 1922 und das Ganze spielt in Baden-Baden. Während sie ein Gespräch vermittelt, hört sie zufällig mit, wie eine eigenartige Nachricht übermittelt wird. Wenig später kann sie zuordnen, dass es um eine ermordete Industriellen-Frau ging. Das Ganze lässt ihr keine Ruhe und so forscht sie weiter nach.

Das Buch ist unterhaltend. Es ist kein Krimi, auch wenn er viel davon hat. Es ist allerdings als Roman betitelt und als solcher sehr gut lesbar. Für mich interessant waren vor allem die Arbeits- und Lebensverhältnisse junge Frauen in den 1920er Jahren. Ihre Probleme und Schwierigkeiten und ihre ungeheure Lebenslust. Als Krimi hätte ich das Buch als unspannend bezeichnet. Aber so war es eher eine genaue Kennzeichnung der damaligen Zeiten. Verschiedene Klassen werden vorgestellt und so hat man einen guten Einblick in die damalige Zeit. Ich kenne Baden-Baden nicht und konnte daher mit den wirklichen Gegebenheiten nicht so viel anfangen. Aber die Beschreibungen erschienen mir sehr realistisch. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.
Auch das Cover finde ich passend und gelungen.

Bewertung vom 25.07.2022
Schmelzpunkt
Harlander, Wolf

Schmelzpunkt


gut

In der Arktis werden Unmengen toter Fische, Robben usw. gefunden, das Eis ist brüchig und dünn, die Gletscher schmelzen und beim Abbruch riesiger Mengen Eises gibt es einen Tsunami, der ein Inuit-Dort fast vollständig vernichtet. Wissenschaftler untersuchen das Ganze bzw. versuchen es, denn immer wieder gibt es Anschläge auf sie. Geheimdienste mischen mit und diverse Länder sind beteiligt.

Das Buch ist hochaktuell und beschreibt die Veränderungen in der Arktis und die Auswirkungen auf die gesamte Erde. Das ist wichtig. Allerdings fand ich es insgesamt schwächer als die Vorgänger. Ich hatte oft das Gefühl, dass mir ein erhobener Zeigefinger aus dem Buch entgegenragt und vieles plakativ war. Dagegen ist an sich nichts zu sagen – allerdings in einem Thriller sollte es einfach besser verpackt sein. Hier war es mir oft zu viel, auch was die handelnden Personen angeht. Die waren zum größten Teil einfach extrem schwarz/weiß und wirkten zum Teil fast als Karikatur, die ich nicht ernst nehmen konnte. Das ist schade, denn eigentlich ist das Buch gut lesbar und verpackt wichtige Sachen. Und bis etwa zur Mitte war es auch richtig gut, danach allerdings ging es eher in Richtung James-Bond-Abklatsch.

Bewertung vom 18.07.2022
Susanna
Capus, Alex

Susanna


gut

Susanna wird in der Schweiz geboren und wächst in einer Stadt mit calvinistischem Hintergrund auf. Das Leben der Familie, der Eltern, der Brüder, ist vorgezeichnet und wird bis ans Lebensende keine Veränderungen haben. Doch da kommt für einige Zeit ein ehemaliger Armeekamerad des Vaters auf eine Art Dauerbesuch, denn er musste aus Deutschland fliehen. Als er nach Amerika auswandert, folgt ihm nach einiger Zeit die Mutter und nimmt nur Susanna mit. So wächst sie in Amerika auf und verdient mit der Malerei Geld. Mehr oder weniger wird sie ihr ganzes Leben lang unkonventionell bleiben.

Das Buch lässt mich etwas unglücklich zurück. Es erzählt die Lebensgeschichte einer interessanten Frau, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Aufgrund des Buches habe ich angefangen, mich mehr mit ihr zu beschäftigen, was sehr faszinierend ist. Leider erfährt man im Buch davon nur Bruchstücke. Wenige Episoden sind sehr breit erzählen, danach folgen wieder ganz kurze Abschnitte, die mehr an ein Sachbuch oder einen Lexikoneintrag erinnern. Das alles ist zwar gut lesbar, hat aber für mich viel zu viele Lücken. Das Besondere im Leben von Susanne, nämlich die Begegnung mit Sitting Bull und ihr Eintreten für seine Interessen und die der „Indianer“/First Nation werden nur auf ganz wenigen Seiten beschrieben und das Buch endet sehr abrupt. Da hätte man meiner Meinung noch viel mehr draus machen können.

Bewertung vom 18.07.2022
Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2
Abel, Susanne

Was ich nie gesagt habe / Gretchen Bd.2


ausgezeichnet

Tom, Gretas Sohn, ist ein bekannter Fernsehmoderator und nach einem Zusammenbruch im Fernsehen schon gut vier Monate zu Hause. Er ist relativ frisch in eine Kollegin verliebt und beginnt, sein Leben zu ändern, als er mehr durch Zufall erfährt, dass er einen Halbbruder in Holland hat. Er heißt Henk und möchte alles über ihren gemeinsamen Vater Konrad wissen. Doch Tom kann ihm nicht wirklich weiterhelfen, denn der Vater ist bereits einigen Jahre tot und vorher hatte Tom sich mit ihm zerstritten. Auch seine Mutter Greta kann nicht berichten, denn sie ist seit gut zweieinhalb Jahren an Alzheimer erkrankt. Die Suche nach der Vergangenheit wird schwierig…

Das erste Buch, die Geschichte um Greta, war wunderbar und berührend. Es ist schwierig, nach einem solchen Buch einen etwa gleichwertigen Nachfolger zu schreiben. Doch der Autorin ist das, scheinbar mühelos, gelungen. Dabei wiederholt sie nicht einfach die Geschichte, sondern erzählt sie aus einer komplett anderen Perspektive und aus Sicht der sozusagen angeheirateten Familie von Greta. Dabei werden wieder viele wichtigen Themen angesprochen und trotzdem hat man nie das Gefühl, belehrt zu werden. Auch hier berührt die Geschichte wieder sehr. So gesehen kann ich das Buch absolut nur empfehlen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich jetzt gern noch die Geschichte der ersten Tochter von Greta, Marie, lesen wollen.

Bewertung vom 18.07.2022
Fischers Frau
Kalisa, Karin

Fischers Frau


gut

In Greifswald wird der Museumskuratorin Mia Sund ein pommersche Fischerteppich vorgelegt. Sie soll prüfen, ob dieser Teppich echt ist. Denn entgegen allen anderen bekannten Teppichen ist dieser in verschiedenen Grüntönen gehalten, was absolut ungewöhnlich ist. Die Prüfung geht soweit, dass Mia zum ersten Mal seit ewigen Zeiten eine Reise unternimmt…

Das Buch erzählt zumindest ein wenig die Geschichte der pommerschen Fischerteppiche. Ich hatte vorher noch nie davon gehört, obwohl ich sicherlich bei einem Museumsbesuch in Greifswald diese Teppiche auch gesehen habe. Aber ich konnte sie nicht zuordnen. So hat das Buch mir etwas Neues erzählt und ich habe inzwischen ein wenig mehr über diese speziellen Teppiche recherchiert. Ansonsten war vor allem der Beginn des Buches absolut und extrem zäh. Ich musste mich die ersten 50 – 60 Seiten regelrecht beim Lesen quälen und war immer öfter versucht, das Ganze abzubrechen. Danach nahm die Geschichte ein wenig Fahrt auf und war verständlicher und auch leichter lesbar. Doch insgesamt waren einfach viel zu viele Erzählstränge in dem Buch, die oft irgendwie offen blieben und teilweise verwirrend waren. Das fand ich sehr schade.

Bewertung vom 11.07.2022
Das Haus der stummen Toten
Sten, Camilla

Das Haus der stummen Toten


gut

Eleanor erholt sich nur langsam davon, dass sie ihre Großmutter Vivianne tot aufgefunden hat. Erstochen mit mehreren Stichen einer Schere. Monate später erfährt sie, dass sie von ihrer Großmutter einen Hof namens Solhöga geerbt hat. Darüber ist sie sehr erstaunt, denn niemals zuvor wurde in ihrer Familie über diesen Hof gesprochen. Zusammen mit ihrem Freund und ihrer Tante fährt sie mit einem Notar auf den Hof, um das Erbe zu katalogisieren. Doch die ganze Zeit fühlt sie sich beobachtet und es geschehen mehr und mehr eigenartige Dinge, bis sie die Leiche des Gutsverwalters und den Notar schwer verletzt finden.

Das Buch konnte mich nicht wirklich in seinen Bann ziehen. Die Geschichte beginnt gut und auch spannend. Die Fortsetzung erfolgt in Form der Geschehnisse aus der Vergangenheit und der aktuellen Vorkommnisse. Dadurch hat man bald eine Ahnung, worum es sich handeln könnte. Aber so richtig spannend wird das ganze einfach nicht mehr. Das Ende ist zwar zum einen Teil überraschend, aber auch in meinen Augen unendlich konstruiert Und nach der langen Zeit auch nicht wirklich 100-prozentig nachvollziehbar. So bleibt das Buch für mich irgendwie blass und allenfalls Durchschnitt.

Bewertung vom 11.07.2022
Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. / Emer Murphy Bd.1
Getz, Kristine

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. / Emer Murphy Bd.1


sehr gut

Poppy ist etwas über 2 und während eines Besuches bei den Großeltern verschwindet sie Alle gehen von einer Entführung aus, denn nur wenige Wochen vorher ist es einem anderen Mädchen in dem Alter passiert. Dieses kommt allerdings noch 12 Stunden völlig ohne Verletzungen zurück. Die Polizei sucht nach Poppy, denn das kleine Mädchen ist aufgrund eines Bloggs ihrer Mutter Lotte überall bekannt. Doch sie wird nicht gefunden und stattdessen ergeben die Ermittlungen immer mehr Geheimnisse innerhalb der Familie.

Das Buch ist hochaktuell. In der heutigen Zeit versuchen immer mehr Leute, ohne große Arbeit mit ihren Bloggs viel Geld verdienen zu wollen, und geben alles von sich preis. Oft werden dafür auch die Kinder eingespannt, die in einem Alter sind, in dem sie sich nicht wehren können. Oder die Tragweite der Entscheidungen gar nicht einschätzen können. Die Gefährlichkeit dessen wird heruntergespielt. Das Buch zeigt sehr gut, welche Auswirkungen das haben kann. Das empfinde ich als großes Plus. Die eigentliche Geschichte ist dagegen nur bedingt spannend, denn spätestens ab Mitte des Buches hat man eine Ahnung davon, dass wohl die Familie mit ihren Geheimnissen nicht ganz unschuldig an den Geschehnissen ist. Das Ende war dann für mich nur zum Teil überraschend. Alles in allem gibt es trotzdem eine Leseempfehlung von mir, denn das Buch ist gut lesbar und zeigt ohne erhobenen Zeigefinger auf, was alles passieren kann. Also neben der reinen Unterhaltung gibt es dann ein Mehr.

Bewertung vom 07.07.2022
Gretas Erbe / Die Winzerin Bd.1
Engel, Nora

Gretas Erbe / Die Winzerin Bd.1


sehr gut

Greta lebt bei einer Winzerfamilie, denn ihre ledige Mutter ist bei ihrer Geburt verstorben. Familie Hellert hat Greta aufgezogen, allerdings gehörte sie nie richtig zum Familienkreis. Schon frühzeitig musste sie im Haushalt, später in den Weinbergen mitarbeiten und ersetzte so eine Arbeitskraft, ohne mehr als dafür Essen, abgelegte Kleidung und ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Obwohl sie alles tut, um dazuzugehören und damit auch die Launen und altmodischen Ansichten ihres Stiefvaters zu ertragen, stößt sie oft auf Ablehnung. Bis sich die Zeiten ändern…

Das Buch hat mir gut gefallen. Es spielt Anfang der 1970er Jahre in der Pfalz und zeigt viel von der damaligen Arbeit im Weinberg und bei der Weinherstellung. Daneben zeigt es aber genauso gut die Änderungen, die die Jugend erreichen will. Noch sind Frauen allenfalls in Küche, Kirche und bei Kindern gewünscht, als Arbeitskraft im Haushalt eingespannt. Aber selbstständig und den Männern gleichberechtigt – das ist alles noch in weiter Ferne. Die Zeit wird wunderbar anschaulich beschrieben und in die Familiengeschichte eingebettet. Und obwohl das Ende fast märchenhaft ist, ist die Geschichte an sich kein Märchen, sondern sehr gut gelungen. Von mir eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.07.2022
Die versteckte Apotheke
Penner, Sarah

Die versteckte Apotheke


sehr gut

Caroline fliegt allein nach London. Eigentlich sollte es eine Reise zum zehnten Hochzeitstag werden, doch kurz vorher erfährt sie, dass ihr Mann sie betrügt. Dies ist der Anlass, über ihr bisheriges Leben und ihre Ehe intensiv nachzudenken. In London findet sie im Schlamm der Themse ein altes Apothekerfläschchen und als sie darüber recherchiert, findet sie heraus, dass es Ende des 18. Jahrhunderts eine Apothekerin gegeben hat, die auf sehr spezielle Weise Frauen geholfen hat. Entweder durch hilfreiche Arznei, aber noch mehr durch Gifte, mit denen die Frauen sich aus unmöglichen Situationen befreien konnten. Die Suche nach mehr Informationen bringt Caroline in eine gefährliche Lage.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Das Cover ist wunderbar anschaulich gestaltet und hat viele kleine Details, die zum Inhalt des Buches passen und die in der Buchhandlung Aufmerksamkeit erregen. Das Buch selbst ist gut lesbar und erzählt eine interessante Geschichte, über eine Frau im 18. Jahrhundert, die eigentlich eine Mörderin ist, für die man aber als Leser sehr viel Verständnis aufbringt. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzielt. Mir haben beide gefallen. Die Gegenwart wird geprägt von einer interessanten Recherche, die Vergangenheit wird gut beschrieben und man erfährt viel über die so genannten Arzneien im Detail. Als kleine Zugabe gibt es am Ende noch einige Rezepte. Völlig harmlos, würde ich sagen. Auf jeden Fall gibt es von mir eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.07.2022
Als das Böse kam
Menger, Ivar Leon

Als das Böse kam


sehr gut

Auf einer Insel irgendwo in Europas Norden lebt eine Familie (Mutter, Vater, 2 Kinder) völlig abgeschottet von der Welt. Einmal im Monat fährt der Vater auf das Festland, um die Einkäufe zu tätigen. Einmal die Woche kommt Onkel Ole, der Briefträger, vor dem sich die Kinder aber verstecken müssen. Ansonsten ist ihnen streng verboten, ins Wasser zu gehen oder das Boot zu benutzen oder das Arbeitszimmer des Vaters zu betreten. Widerspruch hat strenge Strafmaßnahmen zur Folge und immer mal wieder wird eine Art Übung durchgeführt, die die Kinder in einen Schutzraum treibt. Die Eltern warnen die Kinder immer wieder vor den Fremden, die sie töten wollen. Inzwischen ist die große Tochter Juno 16 geworden und beginnt, das alles in Frage zu stellen. Und auch ihr jüngerer Bruder Boy will gern die Insel verlassen. Da entdeckt Ole bei einem Besuch Juno und fotografiert sie, womit er etwas in Gang setzt, was nicht mehr aufzuhalten ist …

Das Buch ist ein tolles Debüt und ich habe es quasi in einem Zug durchgelesen. Die Geschichte packt einen und man weiß über lange Strecken nicht, wohin sich die Geschichte entwickelt. Die Kinder sind einfach zu bedauern, wie sie in Angst und Schrecken versetzt werden, um zu überleben. Das alles ist vor allem aus Sicht von Juno beschrieben und hat bei mir sofort bestimmte Bilder ausgelöst (ich denke, das Buch wird verfilmt werden). Also von daher eine absolute Leseempfehlung.

Warum ich trotzdem nicht die volle Punktzahl gebe? Bei der Auflösung fehlten mir persönlich einige Erklärungen. Obwohl bei de Eltern seit Jahren nicht arbeiten, schaffen sie es, Strom zu bezahlen, Lebensmittel usw. In der Richtung hätte ich weitere Fragen, die ich hier aber nicht stellen möchte, da ich damit viel zu viel spoilern und verraten würde. Daher nur eine Andeutung als Erklärung für meine Entscheidung.