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Israelfreund

Bewertungen

Insgesamt 413 Bewertungen
Bewertung vom 28.11.2025
Scheller, Anne

Wem gehört eigentlich der Weltraum?


ausgezeichnet

Ich werde auch Astronaut
Mein Enkel fasste es nach dem letzten Kapitel zusammen: „Jetzt will ich noch viel mehr über den Weltraum wissen!“ Ein Astronaut ist geboren.
Schon das Cover des Buches macht sofort neugierig. Kinder fliegen auf einer Rakete durchs All, sitzen auf einem kleinen Planeten oder schweben schwerelos neben einer Raumstation. Die warmen Farben, die spielerischen Illustrationen und der große, einladende Titel zeigen gleich, dass hier ein riesiges Thema verständlich und mit viel Fantasie erklärt wird. Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem 9-jährigen Enkel gelesen und wir waren beide begeistert. Das Kindersachbuch schafft es, komplexe Fragen rund um den Weltraum so aufzubereiten, dass man staunt, lacht und viel lernt, ohne jemals erschlagen zu werden. Besonders gefallen hat uns die Mischung aus echten Fakten, anschaulichen Beispielen und kleinen Denkanstößen, die immer wieder zum Gespräch einladen. Ein Thema hat uns besonders überrascht: „Müll auf dem Mond“. Mein Enkel konnte kaum glauben, dass dort wirklich die ersten Müllsäcke liegen und dass man im Weltraum nicht einfach alles „verglühen“ lässt. Dieser Abschnitt hat uns beiden gezeigt, wie wichtig Verantwortung und Nachdenken über die Zukunft des Weltraums sind. Genau das leistet das Buch. Es öffnet Augen und regt an, weiterzufragen. Auch die Erklärungen zu GPS, Liveübertragungen oder Wettervorhersagen sind kindgerecht, aber keinesfalls oberflächlich. Anne Scheller findet einfache Worte für große Themen und die Illustrationen von Julia Christians unterstützen das perfekt. So liebevoll und aussagekräftig. Hier ist ein gutes Team am Werk.

Bewertung vom 27.11.2025
Dragnic, Natasa

Affenliebe


ausgezeichnet

Eine so wunderbare Metapher
Affenliebe ist ein warmherziger, kluger und überraschender Roman über die Rätsel der Liebe und die kleinen Abgründe des menschlichen Herzens
Schon das Cover von Affenliebe hat mich sofort neugierig gemacht. Da ist ein junger Affe, der inmitten alter Bücher versunken ein Blatt betrachtet. Alles in einem warmen Licht, sanften Farben und einen Hauch Melancholie. Es wirkt zugleich verspielt und tiefgründig, genau wie die Geschichte selbst. Das Bild lädt dazu ein, über die Verbindung zwischen Intellekt, Instinkt und Gefühl nachzudenken und damit greift es das zentrale Thema des Romans wunderbar auf. Im Mittelpunkt steht Maximilian Kaiser, ein 64-jähriger Literaturprofessor, dessen Leben durch einen einzigen Brief aus der Bahn gerät. Eine mysteriöse Frau, ein ebenso mysteriöses Affenfoto und eine ungeahnt obsessive E-Mail-Korrespondenz bilden den Auftakt zu einer tragikomischen, zugleich schmerzlich ehrlichen Suche nach Nähe, Identität und den Irrwegen der Liebe. Dragnić lässt ihren Protagonisten nicht nur der geheimnisvollen Monika nachjagen, sondern auch seiner eigenen Vergangenheit. Besonders stark sind die Passagen, in denen Maximilian sich mit seiner Kindheit, seinem Vater und dem unausgesprochenen Erbe seiner Mutter auseinandersetzt. Die Autorin schafft es, humorvolle Momente mit tiefen emotionalen Fragen zu verbinden. Und immer wieder blitzt ein feiner, literarischer Humor durch, der ganz typisch für sie ist. Die Affenmetapher zieht sich klug und vielschichtig durch den Roman. Sind wir wirklich so rational, wie wir denken? Oder folgen wir letztlich doch unseren uralten Sehnsüchten nach Verbindung, Nähe und Bestätigung? Dragnić spielt mit diesen Fragen, ohne jemals platt zu werden. Der Roman ist leichtfüßig erzählt, aber nie seicht; verspielt, aber nie trivial. Man schwankt mit Maximilian zwischen Hoffnung, Verwirrung, Leidenschaft und Selbsttäuschung und erkennt vielleicht mehr über die eigene Suche nach Liebe, als man erwartet hätte. Ein faszinierender Roman.

Bewertung vom 26.11.2025
von Arenberg, Amia;Zierden, Malte;Oßkar

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge


ausgezeichnet

Ein leuchtendes Buch
Schon das Cover von „Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge“ ist ein kleines Kunstwerk: In zarten Lila- und Rosatönen sitzen Malte und sein großer Taubenfreund Oßkar in einer magischen Dämmerung. Es ist eine Szene voller Wärme, Nähe und Geheimnis. Man spürt sofort, das hier eine besondere Reise beginnt. Die Geschichte erzählt behutsam von Freundschaft, vom Loslassen und vom Erinnern. Malte und Oßkar geraten nach einem Unfall in eine wundersame, schwebende Welt. Das ist eine Welt, die glüht, flimmert und tröstet. Dabei gelingt es Amia von Arenberg und Malte Zierden, große Gefühle kindgerecht und poetisch auszudrücken. Die Sprache ist sanft, ehrlich und liebevoll. Die Illustrationen sind so atmosphärisch, dass man in ihnen versinken möchte.
Dieses Buch spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Es tröstet, ohne zu beschönigen, und zeigt, dass Liebe und Erinnerung bleiben, auch wenn sich die Dinge verändern. Es ist ein leises, warmes Buch, das wie das Abendlicht auf dem Cover nachleuchtet, noch lange, nachdem man die letzte Seite umgeschlagen hat.

Bewertung vom 23.11.2025
Guibert, Emmanuel

Ariol 19


ausgezeichnet

Ariol der liebevolle Esel
Schon das Cover von „Ariol - Wie die Nachtigallen“ macht gute Laune. Es zeigt eine ganze Schar von Tieren, die singen, lachen und feiern. Und mittendrin Ariol, der kleine blaue Esel mit Brille. Genau so ist auch das Buch. Es ist bunt, quirlig, liebevoll und wurde mit ganz viel Herz erzählt.
In zwölf neuen Geschichten erleben wir Ariol und seine Freunde im ganz normalen Grundschulalltag. Mit allen kleinen Dramen, die Kinder so gut kennen. Da wäre das Abschreiben im Unterricht oder peinliche Auftritte, Träume von der großen Liebe und Opa-Abenteuer mit Ischias. Besonders schön ist, dass diesmal die Musik eine große Rolle spielt. Ariol bekommt sogar ein Lied geschenkt, ein Lied nur für ihn! Doch natürlich ist es gar nicht so einfach, das vor der ganzen Klasse zu singen.
Die Zeichnungen von Marc Boutavant sprühen vor Farbe und Witz. Man entdeckt auf jeder Seite kleine Details, die die Figuren lebendig machen. Emmanuel Guibert erzählt mit viel Humor und Wärme. Es ist so, dass Kinder sich wiedererkennen und Erwachsene schmunzeln.
Ein rundum fröhliches Buch über Freundschaft, Mut und das das kleine und große Leben so herrlich wie das Cover verspricht!

Bewertung vom 23.11.2025
Jan Cucco

TRIO INFERNALE


ausgezeichnet

Rasantes Spiel aus Rache, Macht und Geheimnissen
Ein spannender, überraschender und sehr filmreifer Thriller. Ich habe jede Seite gern gelesen!
Dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Geschichte startet mit einer interessanten Auktion und entfaltet sich dann zu einem cleveren Rachefeldzug, bei dem Estelle Samedy die Fäden zieht. Der Thriller ist souverän, gefährlich und mit einer Tiefe, die mich überrascht hat. William Fox ist ein Gegenspieler, der jede Skrupellosigkeit verkörpert, während Caravage als geheimnisvoller Strippenzieher im Hintergrund für zusätzliche Spannung sorgt. Die Schauplätze, von der Karibik über den Kongo bis nach Europa, verleihen dem Buch eine internationale Dynamik, die perfekt zu der hochkarätigen Intrige passt. Besonders gefallen hat mir die Mischung aus Wirtschaftskrimi, persönlicher Vendetta und den unerwarteten Wendungen rund um Caravages Erfindung. Man merkt dem Buch die Erfahrung des Autors an. Diese Welt wirkt real, dreckig, pulsierend. Ich freue mich schon auf weitere Bücher und hoffentlich auf eine Verfilmung.

Bewertung vom 22.11.2025
Banga, Patrik

Ich war wütend auf die ganze Welt


ausgezeichnet

Radikal ehrlich und offen
Ein starkes, mutiges Buch, das den Blick öffnet und unbedingt gelesen werden sollte. Mich hat es berührt.
Dieses Buch hat mich tief bewegt und teilweise auch erschüttert. Patrik Banga erzählt seine Geschichte mit einer radikalen Offenheit, die man selten in autobiografischen Texten findet. Viele Passagen taten beim Lesen richtig weh. Nicht, weil sie übertrieben wären, sondern weil sie so ehrlich, direkt und real wirken. Besonders eindrucksvoll fand ich, wie klar Banga zeigt, was es bedeutet, als Roma in Tschechien aufzuwachsen: die ständigen Demütigungen, die Gewalt, das Misstrauen von außen aber auch die Zerrissenheit im eigenen Inneren. Seine Wut ist verständlich, seine Versuche, einen Weg nach vorn zu finden, sind berührend. Und gerade die Momente, in denen er scheitert, machen die Erzählung so glaubwürdig und menschlich. Ich wusste vorher nur wenig über den Alltag der Roma in Prag, aber dieses Buch hat meinen Blick erweitert und ehrlich gesagt auch beschämt. Wie oft man wegsieht, wie schnell man urteilt, ohne die Lebensrealität anderer wirklich zu kennen. Bangas Sprache ist klar, direkt und ohne jede Schutzschicht. Gerade dadurch entsteht eine Kraft, die lange nachwirkt. Für mich ist dieses Buch nicht nur ein wichtiger Beitrag zur tschechischen Gegenwartsliteratur, sondern auch ein Appell: hinzuschauen, zuzuhören, auszuhalten und die eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Für mich ein überraschend berührendes Buch.

Bewertung vom 22.11.2025
Black, Uli

Amokalarm


ausgezeichnet

Lässt mich nachdenklich zurück
Ein berührendes, intensives Buch, das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Und eines, das zeigt, wie wichtig Zuhören und echte Nähe sind.
Amokalarm hat mich stärker beschäftigt, als ich vorher gedacht hätte. Schon nach wenigen Kapiteln hatte ich das Gefühl, ganz dicht an H.C. dranzustehen. Ich erkannte sein Zweifeln, seine Wut, seine Sehnsucht danach, einfach verstanden zu werden. Der Roman zeigt sehr eindringlich, wie schnell ein junger Mensch zwischen Erwartungen, Trauer und Orientierungslosigkeit ins Rutschen geraten kann. Was mich besonders berührt hat, war die Verletzlichkeit hinter H.C.s Fassade. Er wirkt auf den ersten Blick stark und talentiert wie in Mathe. Und doch merkt man in jeder Zeile, wie tief die Risse gehen. Seine Versuche, Halt zu finden, und gleichzeitig die Angst, wieder enttäuscht zu werden, haben mich richtig mitgenommen. Auch Keira als Figur fand ich spannend: Sie ist nicht die „Retterin“, die man vielleicht erwarten würde, sondern jemand, der das Gefüge eher ins Wanken bringt. Das fühlt sich real an, weil Beziehungen im echten Leben eben nicht immer klar sind, sondern oft ambivalent. Der Schreibstil hat mich positiv überrascht. Er ist direkt, ehrlich und ohne künstliches Pathos. An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Autor wirklich versteht, wie Jugendliche denken und fühlen, und wie überfordernd Schule, Familie und das eigene Innenleben manchmal werden können. Für mich ist Amokalarm kein typischer Spannungsroman, sondern ein Buch, das nachhallt. Man legt es nicht einfach zur Seite, sondern denkt darüber nach, wie viele Jugendliche sich vielleicht genauso hilflos fühlen ohne dass es jemand mitbekommt.

Bewertung vom 21.11.2025
Bartel, Dorrit

Der Äthiopier


ausgezeichnet

Genau so war es
Es ist ein so wichtiges Buch über Freiheit, Identität, Glauben, Mut und darüber, wie man immer wieder aufsteht. Mich hat vieles erinnert.
Ein intensiver, warmherziger Roman und für mich auf vielen Ebenen persönlich berührend. So habe ich oft vor mich hingemurmelt „Genau so war es“. Schon die ersten Seiten haben mich tief hineingezogen. Dorrit Bartel erzählt Adanes Lebensweg mit einer Wärme und erzählerischen Dichte, die man selten findet. Besonders angesprochen hat mich, wie Adane zwischen Kulturen, Ideologien und inneren Kämpfen seinen Weg sucht. Dass ein Mensch erst zum Christen wird, dann zum Kommunisten und schließlich alles wieder ablegt, um endlich selbst zu entscheiden, das wirkt im Buch weder widersprüchlich noch konstruiert, sondern zutiefst menschlich. Und genau hier wurde das Buch für mich sehr persönlich. Ich bin selbst ein DDR-Kind, und vieles, was im Roman beschrieben wird, kam mir erschreckend vertraut vor: die Ideologien, die Erwartungen, das Gefühl, nicht wirklich frei zu sein. Auch Adanes Erfahrung, erst später im Leben zum Glauben zu finden, hat mich an meine eigene Geschichte erinnert. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, zwischen den Zeilen meinem eigenen früheren Ich zu begegnen. Die politischen und historischen Ereignisse, die Dorrit Bartel beschreibt, in Äthiopien wie in der DDR, wirken so lebendig, weil sie sich nie wie reine Fakten anfühlen. Sie sind mit Adanes persönlichem Ringen verwoben, mit seinen Verlusten, mit seiner Sehnsucht nach einem eigenen, freien Weg. Genau das macht das Buch so stark. Ich persönlich liebe es.

Bewertung vom 21.11.2025
Flemming, Heiko

Verkohlte Balken


ausgezeichnet

Ein packender Polit-Thriller mit Herz
Für mich ist Verkohlte Balken ein Thriller, der mehr bietet als Nervenkitzel. Er ist spannend, nachdenklich und voller starker Bilder.
Schon das Cover von Verkohlte Balken hat mich sofort neugierig gemacht. Die verbrannten Holzbohlen vor dem hellen Hintergrund wirken fast wie ein Symbol für Davids Vergangenheit: dunkel, schwer, voller Schuld und doch nicht vollständig zerstört. Dieses starke Bild passt unglaublich gut zur Stimmung des Romans. Die Geschichte selbst hat mich schnell in ihren Bann gezogen. David ist eine Figur, deren innere Zerrissenheit man auf jeder Seite spürt. Er hat Fehler gemacht, er hat Schuld auf sich geladen und er weiß es. Genau diese Mischung aus Vergangenheit, Angst und Verantwortung macht ihn zu einem spannenden Protagonisten. Als er nach Südamerika zurückgerufen wird, beginnt nicht nur eine gefährliche Mission, sondern auch eine intensive Reise zu sich selbst. Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman Spannung, politische Themen und emotionale Tiefe miteinander verbindet. Die Situation der bolivianischen Bauern, die Konflikte, die Ungerechtigkeiten und der Mut, den die Menschen aufbringen müssen all das wirkt trotz fiktionaler Handlung sehr real und greifbar. Man merkt, dass der Autor sich von wahren Ereignissen inspirieren ließ. Was das Buch auszeichnet, ist sein moralischer Kern: Freundschaft, Loyalität, Mut und die Frage, welche Konsequenzen unsere Entscheidungen haben. Das fühlt sich weder aufgesetzt noch belehrend an, sondern sehr menschlich.

Bewertung vom 19.11.2025
Schmelzenbart, Adrian

Lilly Red Corvette


ausgezeichnet

Ein Wien-Krimi, der nachhallt
Für mich ist das ein Thriller, der mehr bietet als Blut und Spannung. Er stellt Fragen, die man auch nach dem Lesen nicht schnell vergisst.
Schon das Cover hat mich sofort gefesselt. Da ist die einsame Parkbank, die rote Rose, das Blutrot, das sich gegen das Schwarz-Weiß des Hintergrunds abhebt. Es wirkt gleichzeitig poetisch und bedrohlich und genau diese Mischung spiegelt die Atmosphäre des Romans perfekt wider. „Lilly Red Corvette“ hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Idee einer Serienkillerin, die Männer tötet, die Frauen Gewalt angetan haben, klingt provokant und der Autor macht daraus einen Thriller, der nicht nur spannend, sondern auch moralisch herausfordernd ist. Lilly Martens ist keine simple Rächerin, sondern eine komplexe Figur, die man gleichzeitig verstehen und fürchten kann. Genau das macht sie so unvergesslich. Auch Chefinspektorin Betty-Tulli Navratil hat mich beeindruckt. Ihr innerer Konflikt zwischen Pflicht, Gerechtigkeit und persönlicher Verletzlichkeit verleiht der Geschichte Tiefe. Besonders gelungen fand ich, wie der Roman zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Opfer, Täter, Schuld und Verlangen sein kann. Der Wiener Schmäh, der schwarze Humor und die manchmal bissige Gesellschaftskritik geben dem Krimi eine besondere Handschrift. Es ist ein düsteres Buch, aber nicht hoffnungslos, sondern eher ein Spiegel für Themen, über die viel zu oft geschwiegen wird. Und genau das macht ihn zu einem echten Highlight.