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Viddl
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Bitburg

Bewertungen

Insgesamt 342 Bewertungen
Bewertung vom 02.01.2026
te Marveld, Saskia

Blutwild


sehr gut

Ich habe Blutwild mit wachsender Beklemmung gelesen. Von der ersten Seite an liegt eine düstere, kalte Stimmung über der Geschichte, die mich sofort gepackt hat. Anka ist keine typische Thrillerheldin, sondern eine verletzte, glaubwürdige Figur, deren Angst und innere Zerrissenheit sehr spürbar sind. Gerade das macht die Geschichte für mich so intensiv. Die Rückkehr zu ihrem Trauma fühlt sich brutal und unausweichlich an, ohne reißerisch zu wirken.

Besonders eindrücklich fand ich die Wald- und Hüttenszenen – sie erzeugen eine klaustrophobische Atmosphäre, die lange nachhallt. Die makabren Funde sind nichts für schwache Nerven, werden aber sinnvoll eingesetzt und dienen der Spannung, nicht dem Selbstzweck. Der Thriller lebt weniger von Tempo als von psychologischem Druck, was mir gut gefallen hat.

Blutwild ist kein leichter Krimi für zwischendurch, sondern ein harter, emotionaler Thriller über Angst, Überleben und die Frage, ob man seiner Vergangenheit je entkommen kann. Mich hat das Buch noch eine ganze Weile beschäftigt.

Bewertung vom 02.01.2026
Hong Gyun, Yoon

Deinen Selbstwert bestimmst nur du


sehr gut

Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich gemerkt habe, wie stark mein eigenes Wohlbefinden davon abhängt, was andere über mich denken. "Deinen Selbstwert bestimmst nur du" ist ruhig, klar und wohltuend unaufgeregt geschrieben. Dr. Yoon Hong Gyun erklärt verständlich, wie Selbstwert entsteht und warum wir ihn so oft an Leistung, Anerkennung oder Erwartungen knüpfen. Besonders gefallen hat mir, dass er nicht belehrt, sondern Zusammenhänge erklärt und kleine, umsetzbare Denkanstöße gibt.

Das Buch ist kein schneller Motivationsratgeber, sondern eher eine Einladung, die eigene Haltung zu sich selbst ehrlich zu hinterfragen. Vieles wirkte vertraut, manches hat mich innehalten lassen. Die Beispiele sind alltagsnah und lassen sich gut auf das eigene Leben übertragen.

Ich habe aus der Lektüre keine Patentlösung mitgenommen, aber mehr Verständnis für mich selbst – und das Gefühl, dass Selbstwert etwas ist, das wachsen darf, statt ständig bewiesen werden zu müssen.

Bewertung vom 02.01.2026
Nesbø, Jo

Minnesota


ausgezeichnet

„Minnesota“ hat mich von der ersten Seite an in eine kalte, harte Stimmung gezogen, die gut zur inneren Verfassung von Ermittler Bob Oz passt. Er ist kein Held, sondern ein gebrochener Mann, dessen Trauer über den Tod seiner Tochter in jeder Szene spürbar ist. Das macht ihn für mich glaubwürdig und nahbar, auch wenn er oft abweisend und ruppig handelt.

Der Fall selbst ist spannend aufgebaut: Ein Täter, der gezielt Verbrecher jagt, wirft moralische Fragen auf, ohne einfache Antworten zu liefern. Ich mochte besonders, dass Nesbø sich Zeit nimmt, um Atmosphäre und Figuren zu entwickeln, statt nur auf schnelle Action zu setzen. Minneapolis wirkt dabei fast wie eine eigene Figur – kalt, rau und voller Schatten.

Nicht alles ist überraschend, manches wirkt vertraut für Nesbø-Leser*innen, aber genau das hat für mich auch den Reiz ausgemacht. „Minnesota“ ist ein düsterer, intensiver Thriller, der weniger durch Tempo als durch psychologische Tiefe überzeugt und lange nachhallt.

Bewertung vom 31.12.2025
Slimani, Leïla

Trag das Feuer weiter


ausgezeichnet

Ich habe "Trag das Feuer weiter" als stilles, sehr persönliches Buch erlebt. Leïla Slimani erzählt ruhig und konzentriert von Mia, die nach Marokko zurückkehrt, weil ihr Gedächtnis sie im Stich lässt – und dabei viel mehr findet als nur Erinnerungen. Mich hat besonders berührt, wie eng Gegenwart und Vergangenheit miteinander verwoben sind: Kindheit, Familie, Erwartungen und das langsame Herauslösen daraus.

Die Kapitel über Mias Kindheit und das Verhältnis zu ihrer Schwester zeigen fein, wie unterschiedlich Wege verlaufen können, selbst innerhalb derselben Familie. Ohne große Dramatik, aber mit viel Gefühl, beschreibt Slimani das Fremdsein – im eigenen Körper, in der Familie, zwischen zwei Ländern. Die Themen Identität, Freiheit und Selbstbestimmung ziehen sich leise, aber konsequent durch den Roman.

Das Buch ist nicht laut und nicht schnell. Ich musste mich darauf einlassen, wurde dafür aber mit einer nachdenklichen, warmen Geschichte belohnt, die lange nachwirkt. Für mich ein Roman über das Weitertragen innerer Kraft – auch wenn der Weg dorthin brüchig ist.

Bewertung vom 19.12.2025
Ridzén, Lisa

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen


ausgezeichnet

Ich habe dieses Buch sehr still gelesen, fast vorsichtig. Bo ist 89, und seine Einsamkeit war für mich von der ersten Seite an spürbar. Seine Frau lebt im Pflegeheim, der Sohn meint es gut, hört aber nicht wirklich zu, und der Hund Sixten ist Bos letzter Halt im Alltag. Gerade diese Beziehung hat mich sehr berührt. Es geht nicht nur um einen alten Mann und seinen Hund, sondern um Selbstbestimmung, um Würde und darum, ernst genommen zu werden – auch im Alter.

Während Bo auf sein Leben zurückblickt, tauchen Erinnerungen auf, die mal schmerzen, mal trösten. Das Buch ist ruhig erzählt, mit feinem Humor und viel Wärme. Nichts ist laut oder dramatisch, und genau das macht es so stark. Ich habe gelächelt, geschluckt und an einigen Stellen auch Tränen in den Augen gehabt. Für mich ist es ein Roman, der lange nachhallt und daran erinnert, wie wichtig Nähe, Zuhören und Mitgefühl sind.

Bewertung vom 18.12.2025
Herron, Mick

Down Cemetery Road


ausgezeichnet

Das ruhige Oxford mit seinen Vororten wirkt zunächst harmlos, doch Mick Herron legt Schicht für Schicht frei, wie viel Dunkles darunterliegt. Besonders gefallen hat mir die Figur Zoë Boehm: eigenwillig, direkt und angenehm ungeschönt. Sie ist keine klassische Ermittlerin, sondern jemand, der aneckt und gerade dadurch glaubwürdig wirkt.

Die Geschichte entwickelt sich eher ruhig als rasant, lebt aber von einer stetigen Spannung und dem Gefühl, dass nichts so ist, wie es scheint. Das Verschwinden des Kindes, die Explosion und die vielen Geheimnisse haben mich beim Lesen immer weitergezogen. Ich mochte auch, dass die Perspektive von Sarah Tucker Raum bekommt – ihre Unruhe und ihr Bedürfnis nach Wahrheit sind gut nachvollziehbar.

Kein Hochglanz-Krimi, sondern eine düstere, intelligente Geschichte mit trockenem Ton und starken Figuren. Für mich ein gelungener Auftakt, der neugierig auf mehr Fälle mit Zoë Boehm macht.

Bewertung vom 16.12.2025
Winning, Josh

Verbrenn das Negativ


sehr gut

Ich bin ohne große Erwartungen an Verbrenn das Negativ herangegangen und war schnell mittendrin. Die Grundidee – ein verfluchter Horrorfilm, der die Vergangenheit der Hauptfigur wieder einholt – hat mich sofort neugierig gemacht. Besonders gut gefallen hat mir die Perspektive von Laura, die als Erwachsene gezwungen ist, sich einem Trauma aus ihrer Kindheit zu stellen. Das fühlte sich stellenweise unangenehm nah und glaubwürdig an.

Der Roman lebt stark von seiner düsteren Atmosphäre und dem Hollywood-Setting. Man merkt, dass der Autor das Genre liebt: Anspielungen auf Horrorfilme der 90er, Dreharbeiten, Kulissen und dieses ständige Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Spannung baut sich langsam auf, zwischendurch hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, aber insgesamt bleibt man dran, weil man wissen will, ob der Fluch real ist oder nicht.

Kein reiner Splatter-Thriller, sondern eher eine Mischung aus Mystery, Horror und Vergangenheitsbewältigung. Für mich eine solide, stellenweise richtig unheimliche Lektüre, besonders für Fans von Meta-Horror und düsteren Stoffen.

Bewertung vom 12.12.2025
Elfgren, Sara B.

Die Insel meiner Schwester


ausgezeichnet

„Die Insel meiner Schwester“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Schon die Rückkehr auf die sturmumtoste Schäreninsel fühlte sich für mich an wie ein Schritt in ein altes, leicht unheimliches Fotoalbum. Ich habe Mirjams Unsicherheit und ihren Schmerz über die gescheiterte Beziehung deutlich gespürt, aber noch mehr die seltsame Spannung zwischen den Schwestern. Die Atmosphäre ist dicht, manchmal fast drückend – genau das mochte ich. Die Autorin versteht es, unterschwellige Konflikte langsam an die Oberfläche zu ziehen, ohne je laut zu werden. Während der aufziehende Sturm die Insel verwandelt, spürte ich selbst dieses Knistern, das ankündigt, dass etwas Unausweichliches bevorsteht. Am meisten beeindruckt hat mich, wie feinfühlig Sara B. Elfgren die Frage nach Loyalität stellt: Wie weit geht man für jemanden, der einem einmal alles bedeutet hat? Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen.

Bewertung vom 11.12.2025
Santos de Lima, Gabriella

Memories so Golden Like Us / Blue Eternity Bd.2


ausgezeichnet

„Memories So Golden Like Us“ hat mich emotional sofort abgeholt. Blair ist keine einfache Figur – sie stolpert verloren durchs Leben, wehrt Nähe ab und trifft Entscheidungen, die man nicht immer nachvollziehen kann. Und gerade das macht sie so glaubwürdig. Die Atmosphäre an der stürmischen Küste von St Ives bildet einen starken Kontrast zu ihrem Chaos innerlich wie äußerlich.

Die Dynamik zwischen Blair und Connor hat mich schnell in den Bann gezogen: viel unausgesprochene Vergangenheit, Schmerz, Wut – aber auch dieses leise Knistern, das man nicht wegreden kann. Gabriella Santos de Lima schreibt feinfühlig, bildhaft und mit einem Gespür für verletzliche Zwischentöne.

Für mich ist es eine Geschichte über Verlust, Selbstvergebung und die Frage, ob man trotz aller Fehler wieder zu sich selbst finden kann. Ein intensiver, atmosphärischer Roman, der nachhallt.

Bewertung vom 10.12.2025
Johann, Petra

Wem du traust


ausgezeichnet

Beim Lesen dieses Thrillers von Petra Johann wurde mir schnell klar, wie fragil ein scheinbar perfektes Familienleben sein kann. Eva wirkt anfangs wie jemand, der alles im Griff hat – bis Sofia verschwindet und plötzlich jede Gewissheit bröckelt. Ich mochte, wie sich die Spannung langsam, aber stetig aufbaut. Man spürt Evas Zweifel fast körperlich, besonders als der blutige Pullover auftaucht und Daniel immer mehr in den Fokus rückt.

Was mir gut gefallen hat: Die Atmosphäre ist dicht, die Figuren wirken real, und der Roman zeigt sehr glaubwürdig, wie Misstrauen eine Familie zersetzen kann. Gleichzeitig bleibt man als Leser ständig am Rätseln, wer hier wirklich die Wahrheit sagt. Für mich war es ein fesselnder Psychothriller, der weniger auf Schockmomente setzt, sondern auf das Unbehagen, wenn Vertrautes plötzlich bedrohlich wirkt.