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meryl1949

Bewertungen

Insgesamt 26 Bewertungen
Bewertung vom 08.01.2026
Schirach, Ferdinand von

Alexander


ausgezeichnet

Demokratie kindgerecht erklärt

Wie wollen wir in der Gemeinschaft leben? Damit das Leben friedlich bleibt und es gerecht zugeht, braucht es Regeln. Diese Regeln werden in einem Staat per Gesetz festgelegt.

Ferdinand von Schirach bedient sich in seinem Buch "Alexander" der Geschichte des kleinen Prinzen, um die Prinzipien der Demokratie seinen jungen Lesern nahezubringen. Dadurch ist der Leser gleich mitten in der Geschichte, die sehr unterhaltsam und kurzweilig erzählt ist. Kinder und Jugendliche können diese so gut nachvollziehen. Der Leser scheint die Hauptfigur, den Jungen Alexander, zu begleiten, so lebendig werden dieser und seine Begegnungen geschildert.

Da die Geschichte in der Antike verortet ist, zeigt sie auch den zeitlichen Ursprung der Demokratie. Menschen haben sich entsprechend schon sehr früh für ein gutes und reibungsloses Zusammenleben interessiert und eingesetzt.

Das Buchcover ist ansprechend und anschaulich, die gelungenen Illustrationen vom Autor selbst lockern die Erzählung angenehm auf, was das Buch sehr aufwertet.

Das sehr gelungene Buch sollte in allen Grundschulen zur Pflichtlektüre werden. Demokratische Prinzipien könnten so in sehr jungen Jahren verinnerlicht werden.

Bewertung vom 25.11.2025
Garvey, Rea

Before I met Supergirl


sehr gut

Werdegang eines irischen Musikers

Hält man das Buch in der Hand, fällt sofort die solide Verarbeitung auf. Es ist stabil und liegt trotzdem gut in der Hand, außerdem ist es mit einem Lesebändchen versehen. Dieses ist grün und fügt sich farblich gut in die Gestaltung des Buchcovers in den irischen Landesfarben ein. Das Gesicht auf der Vorderseite erkennt man sofort. Es zeigt den bekannten Musiker Rea Garvey.

Dieser ist auch der Autor der Autobiografie "Before I Met Supergirl". In dem vorliegenden Buch beschreibt er sehr anschaulich seine Kindheit und Jugend im Irland der 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Der Autor beschreibt diese Zeit, die ihn prägte und letztendlich zur Musik führte, sehr humorvoll und selbstkritisch. Er nimmt den Leser mit in ein liebevolles und turbulentes Familienleben mit sieben Schwestern. Das Tourleben mit seiner Band, den Reckless Pedestrians, wird auch nicht ausgespart und so erfährt der Leser von den schönen und schwierigen Momenten im Leben eines Musikers.

Leider enthält dieses doch lesenswerte Buch in der Übersetzung etliche durchaus vermeidbare Rechtschreibfehler, deshalb von mir leider nur vier Punkte.

Bewertung vom 07.11.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Schicksale in Umbruchzeiten

Wie kann man zig Jahre mit einer fremden Identität leben? Wenn man wegen eines Mordes, der reine Notwehr war, gesucht wird und angeklagt werden soll. Und wenn man von einer guten Freundin dazu ermuntert wird.

Der Preis dafür ist ein zurückgezogenes Leben mitten im Nirgendwo, der Verzicht auf Freundschaften und die Ungewissheit darüber, wie es wohl liebgewordenen Menschen geht.

Die Autorin Mechthild Borrmann beleuchtet in ihrem Roman "Lebensbande" das Leben dreier Freundinnen während der Zeit des Vorkrieges, des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Die Umstände bringen es mit sich, dass sich selbst nahestehende Menschen grundlos misstrauen, wo doch ein Miteinander wichtig gewesen wäre.

Die Geschehnisse wirken sich dann bis in die Zeit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten aus.

Mechthild Borrmann beschreibt das Geschehen sehr menschlich und einfühlsam. Ihr Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar. Sie arbeitet gut heraus, dass Vertrauen oder Misstrauen ein ganzes Menschenleben beeinflussen kann.

Bewertung vom 19.10.2025
Specht, Heike

Die Frau der Stunde


ausgezeichnet

Eine Frau setzt sich durch

Wenn man das Buch "Die Frau der Stunde" von Heike Specht in den Händen hält, fällt zuerst das Lesebändchen positiv auf. Das macht ein Buch schon mal höherwertig und ist beim Lesen sehr hilfreich.

Danach betrachtet man das Buchcover und hat sofort den Eindruck, dass der Roman von einer vielbeschäftigten Frau handelt. Die elegante Frau eilt augenscheinlich von einer Sitzung zur nächsten, in der Hand eine Aktentasche mit wichtigen Unterlagen. Sie hat keine Zeit für eine Pause. Die Zigarette zur Entspannung muss unterwegs geraucht werden.

Der Eindruck bestätigt sich, denn die Autorin beschreibt ein Stück des Lebensweges der Politikerin Catharina in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es ist politisch eine schwierige Zeit, und Frauen, die in der Politik Karriere machen, sind eine Rarität. Aber Catharina lässt sich nicht entmutigen. Sie wird in der Bonner Republik Außenministerin und setzt sich durch.

Es ist von Frau Specht ein kluger Schachzug, das politische mit dem privaten Leben zu verbinden. So entsteht eine umfangreiche und informative Milieubeschreibung der damaligen Zeit.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und sehr gut lesbar. Es bleibt zu hoffen, dass deswegen auch "Politikmuffel" zu diesem sehr gelungenen Werk greifen und so ein Beitrag zur politischen Bildung geleistet wird.

Auffallend an diesem Buch ist auch die korrekte Rechtschreibung der Autorin, was ja in einigen anderen Büchern leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Bewertung vom 06.09.2025
Rupflin, Alexander

Protokoll eines Verschwindens


sehr gut

Spannende Aufarbeitung eines Kriminalfalles

Das düstere Cover deutet bereits auf das Ungeheuerliche hin, das Alexander Rupflin in seinem Roman "Protokoll eines Verschwindens" beschreibt.

Als Beobachter und Berichterstatter von Gerichtsverhandlungen kennt der Autor "nur" die Aussagen von Angeklagten, Zeugen und Gutachtern. Diese muss er nun in logische Zusammenhänge bringen, da jede Aussage sehr individuell ist. Der Roman zeigt deutlich, dass die Wahrheit nur sehr schwer und manchmal gar nicht zu finden ist.

Der Schreibstil ist äußerst spannend und sehr gut lesbar, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Irritierend jedoch sind die sehr vielen Rechtschreibfehler, bei denen sich der Leser fragt, ob sie vom Autor absichtlich in den Text gebracht worden sind, um das Genre "Protokoll" hervorzuheben. Es kann aber auch sein, dass bei Sichtung und Korrektur des Manuskriptes diese unsägliche KI die Hände im Spiel hatte.

So oder so tun diese Fehler dem ansonsten gelungenen Roman keinen Gefallen.

Bewertung vom 06.09.2025
Maaß, Laura

Was du siehst


ausgezeichnet

Das Leben in all seinen Farben

Das Leben kann so bunt sein. Für Ruth wendet sich das Leben nach ihrer Ankunft im abgelegenen aber idyllischen Dorf an der Elbe zum Guten. Dort bringt sie ihre Tochter Jule zur Welt. Nur wenig später wird der Sohn ihrer besten Freundin geboren. Die beiden Kinder Andi und Jule sind bald unzertrennlich, und als sie das gewisse Alter erreichen, verlieben sie sich ineinander.

Da Andi sehr heimatverbunden ist, möchte er im Dorf bleiben. Jule aber zieht es in die weite Welt, ihren unbekannten Vater zu suchen, den sie dann auch findet. Dies hört sich nun nach Happyend an, aber das Leben kann eben auch grau und sogar schwarz sein!

Laura Maaß betitelt die Kapitel ihres Debütromans "Was du siehst" mit Farben der gesamten Palette, was sehr originell ist. Dazu kommt dieser lebhafte und humorvolle Schreibstil. Die Beschreibungen von Land und Leuten sind so detailreich, dass man meint, man wäre mitten unter ihnen. Dieser Roman lässt sich sehr gut lesen und auf weitere gute Geschichten aus der Feder dieser talentierten Autorin hoffen.

Das Bild auf dem Cover führt schon mitten in das Geschehen hinein. Die Goldprägung des Titels erscheint jedoch etwas übertrieben, da hier über Leute des Volkes berichtet wird.

Der Roman wird Leser ansprechen, die es etwas niveauvoller mögen.

Bewertung vom 15.08.2025
Doughty, Louise

Deckname: Bird


gut

Durchaus lesbare Urlaubslektüre

Das Buch "Deckname Bird" von Louise Doughty spielt in den Gefilden des englischen Geheimdienstes. Die Protagonistin ist die Tochter eines Geheimdienstmitarbeiters. Der Vater ist oft abwesend und auch in der Familie kann er sich nicht recht öffnen. Trotzdem hält das schwierige Familienleben mit all seinen Geheimnissen die Tochter nicht davon ab, nach einigen Abstechern im beruflichen Leben, ebenfalls einem Geheimdienst beizutreten in der Überzeugung, ihrem Land zu dienen und Gefahren von ihm abzuwenden.

Aus irgendwelchen vagen Gründen fühlt sich die Hauptperson plötzlich von den eigenen Mitarbeitern bedroht, und es beginnt eine spektakuläre Flucht von England in die Einsamkeit Skandinaviens.

Auch verschiedene, durchaus interessante, Rückblenden in die Vergangenheit bringen kein Licht in die Beweggründe der handelnden Personen.

Das Buch ist durchaus gut lesbar und eignet sich insbesondere als Urlaubslektüre. Eine in den Klappentexten und dem Buchcover suggerierte Spannung will sich jedoch nicht einstellen.

Bewertung vom 03.08.2025
Fonthes, Christina

Wohin du auch gehst


sehr gut

Zwei Frauen - so fern und doch so nah

Vom Buchcover sieht eine Frau den Leser direkt und intensiv an. Die Frau ist sehr schön und schwarz, sie schaut nachdenklich, fast ängstlich.

Im Roman "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes erfährt man, dass die Frau in Zaire, später Republik Kongo, aufgewachsen ist. Die Kindheit erlebt sie gut behütet in einer relativ wohlhabenden Familie. Da die Moral- und Gesellschaftsvorstellungen in Afrika für einen Teenager, der von einem Familienmitglied vergewaltigt und schwanger wird, alles andere als mitfühlend und verständnisvoll sind, wird sie genötigt, ihre Heimat zu verlassen und im fernen und fremden Europa ihr Leben zu fristen.

Während der Umbrüche und Unruhen im Kongo sieht sich auch die zweite Hauptperson des Romans wegen ihrer sexuellen Orientierung gezwungen, ihr geliebtes Heimatland zu verlassen, und ebenfalls in Europa ein neues Leben zu beginnen.

Erst spät erfahren die beiden Hauptpersonen und damit auch der Leser, dass sie Mutter und Tochter sind. Aber während die eine resigniert ihr Heil bei einer Kirche zu finden hofft, ist die andere resolut und steht zu ihrer lesbischen Lebensgefährtin.

Die Geschichte ist sehr lebendig und anschaulich geschrieben. Sie lässt einen kleinen Blick in eine geschlossene Gesellschaft in der Großstadt zu. Zudem erfährt der Leser viel von der Geschichte und Mentalität in einem Teil Afrikas sowie den Problemen und Gepflogenheiten in einer Parallelgesellschaft.

Bewertung vom 24.07.2025
Rebanks, Helen

Die Frau des Farmers


ausgezeichnet

Vom harten aber befriedigenden Leben einer Bäuerin

Schon das Cover inspiriert den Leser, das Buch sofort aufzuschlagen und mit dem Lesen zu beginnen, denn der Roman "Die Frau des Farmers" von Helen Rebanks handelt vom Leben ihrer eigenen, einer Farmerfamilie in der idyllischen Landschaft Nordenglands.

Das Leben dieser Familie mit vier Kindern und einer Menge Tiere ist arbeitsintensiv und nicht immer leicht zu bewältigen. Hierbei kommt insbesondere der Bäuerin, Ehefrau und Mutter eine wichtige Rolle zu. Obwohl gesellschaftlich wenig anerkannt, organisiert sie dieses Leben mit Humor, großer Sachkenntnis und enormer Liebe zu ihrer Familie und zur Natur.

Im Grunde genommen besteht der Roman aus einzelnen Begebenheiten und Sequenzen, was aber den Werdegang der Protagonistin nachvollziehbar und verständlich macht.

Sehr positiv sind die vielen gelungenen Illustrationen und interessanten Rezepte, die das Buch sehr auflockern. Auch der Anhang mit guten Ratschlägen zur Vorratshaltung ist hilfreich.

Insgesamt ist der Roman ein Plädoyer für natürliche Landwirtschaft und gesundes Essen. Leser, die ein nachhaltiges Leben befürworten, werden ihre Freude an diesem wunderbaren Buch haben.

Bewertung vom 29.05.2025
Leciejewski, Barbara

Am Meer ist es schön


ausgezeichnet

Poetisch und erschütternd zugleich

Der Titel und das Cover des Romans "Am Meer ist es schön" von Barbara Leciejewski suggeriert eine glückliche und unbeschwerte Kindheit. Da sitzt dieses entzückende kleine Mädchen am Strand der Nordsee und strahlt den Betrachter an, im Hintergrund spielen und tollen weitere Kinder im Wasser.

Doch das Schicksal der "Verschickungskinder" ist das genaue Gegenteil. Sie erfahren bei dem Kuraufenthalt Grausamkeit, unbarmherzige Strenge und Repressalien. Endlich wieder zu Hause, wollen diese Kinder ihre Erlebnisse den Eltern mitteilen. Aber man hört ihnen nicht zu, kann ihnen nicht zuhören, da das Erzählte zu abwegig, zu grausam erscheint. Es wird als kindliche Fantasie abgetan.

Eine psychologische Aufarbeitung des Erlebten findet nicht statt, Verantwortliche werden nicht zur Rechenschaft gezogen. Und so wird aus der schüchternen und scheuen Susi ein aufsässiger Teenager und später eine introvertierte Susanne, die keine menschliche Bindung eingehen kann.

Erst über 50 Jahre später, am Sterbebett der Mutter, kann sie alles erzählen, was ihr noch schwer auf der Seele liegt.

Die Autorin erzählt diese Geschichte sehr poetisch und detailliert. Man erkennt die gründliche Recherche. Dadurch kann dieses traurige Kapitel vor dem Vergessen bewahrt werden. Ein Buch, das man nicht so "nebenbei" wegliest.