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Benutzername: Scylla
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Bewertungen

Insgesamt 12 Bewertungen
12
Bewertung vom 22.08.2011
Ich weiß, wer du bist
Strobel, Tatjana

Ich weiß, wer du bist


weniger gut

Unterhaltungslektüre mit wenig praktischem Nutzen

Irgendwie hatte ich mir unter diesem Buch etwas völlig anderes vorgestellt. Ich dachte eigentlich, dass es darum geht, wie man aus verschiedenen Gesichtsausdrücken Stimmungen oder versteckte Gedanken von Personen herauslesen kann. Der Ansatz, dass bestimmte Charaktereigenschaften sich in besonderen Körpermerkmalen wiederspiegeln, war mir neu, aber ich wollte mich gern auch darauf einlassen.
Letztendlich konnte mich die Autorin mit ihrer Theorie jedoch nicht wirklich überzeugen. Am Anfang führt sie das Thema mit Schilderungen ihrer persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Gesichterlesen ein. Von ihrem überschäumenden Enthusiasmus konnte ich mich aber leider nicht anstecken lassen. Gerade der Beginn wirkt eher wie eine übertriebene Selbstdarstellung als wie ein seriöser Ratgeber.
Im zweiten Teil des Buches werden dann sämtliche Gesichts- und Körpermerkmale präsentiert, die einen Menschen auf die eine oder andere Weise charakterisieren sollen. Dazu gibt es auch noch praktische Übungen wie man das „Erlernte“ erst auf Fotos und dann im Alltag ausprobieren kann. Da aber nicht immer zu allen vorgestellten Merkmalen auch Abbildungen zu finden waren, fiel es mir schwer diese konkret in den Übugnen anzuwenden. Es stellte sich außerdem heraus, dass das „Gesichterlesen“ am Ende doch nur eine Interpretationssache ist. Denn meine Interpretation des Gesichtes auf dem Foto unterschied sich jedes Mal grundlegend von der vorgeschlagenen Lösung, obwohl ich jedes Mal genau mit den vorher vorgestellten Merkmalen verglichen hatte. Mit der Zeit habe ich die Übungen deshalb auch einfach sein gelassen und im Alltag war mir das erst recht zu albern.
Da stellt sich natürlich die Frage nach der Verwertbarkeit dieses sogenannten „Wissens“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Autorin ihre Klienten so grundlegend mithilfe des Gesichterlesens durchschauen kann, wie sie es dem Leser im Buch weismachen will. Mag sein, dass sie Menschen gut einschätzen kann, aber da wird sicher auch eine große Portion Menschenkenntnis oder einfach eine gute Intuition mit im Spiel sein. Der praktische Nutzen ist für mich daher eher fraglich und ich sehe nicht ein, warum ich mir 300 Gesichtsmerkmale einprägen sollte, die ich am Ende sowieso eher intuitiv interpretiere.
Auch die Anwendungen, die die Autorin am Ende des Buches selbst liefert, überzeugen mich nicht wirklich. Vor allem, da der Zusammenhang zum eigentlichen Thema mehr und mehr verloren geht. Die Autorin präsentiert dort Persönlichkeitstests, Schminktipps und Ratschläge, wie man am besten mit seinem Partner umgehen sollte. Alles in allem bewegt sich das Buch am Ende also eher auf Frauenzeitschriftsniveau.
Fazit: Das Buch ist ganz unterhaltsam, die Tipps und Theorien haben aber kaum praktischen Nutzen. Wer sich wirklich für das Thema interessiert, sollte ruhig zugreifen, allen anderen kann ich das Buch eher nicht empfehlen.

8 von 8 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.03.2010
Zeit der Gespenster
Picoult, Jodi

Zeit der Gespenster


ausgezeichnet

Das Klimpern eines Pennys von 1932

Nachdem Ross Wakeman seine Frau Aimee bei einem Autounfall verloren hat, hat er nur noch ein Ziel: seiner Frau möglichst bald zu folgen. Doch wie durch ein Wunder kann Ross nicht sterben und so versucht er durch Geisterjagd mit seiner verstorbenen Aimee in Kontakt treten zu können. Schließlich erhält er den Auftrag im Heimatort seiner Schwester Shelby ein altes Grundstück zu untersuchen, auf dem ein Indianergeist spuken soll. Ross findet zwar keinen Geist, dafür jedoch eine neue Liebe. So scheint es jedenfalls...
Beim Lesen dieses Buches war ich immer wieder überrascht, wie die Autorin es schafft, so viele unterschiedliche Elemente und Themen in einer Geschichte miteinander zu verbinden. Am Anfang ist die große Anzahl von Personen, aus deren Sicht erzählt wird noch etwas unübersichtlich. Das gibt sich jedoch mit der Zeit. Der erste Teil des Buches spielt in der Gegenwart und beschäftigt sich mit Ross Vergangenheit und seiner Geisterjagd auf dem vermeintlichen Indianergrundstück. Im zweiten Teil springt die Autorin in die Vergangenheit, genauer gesagt in das Vermont des Jahres 1932. In diesem Teil wird die Geschichte von Cecelia Pike erzählt, deren Schicksal enger mit dem Eugenikprogramm ihres Mannes verknüpft ist, als sie selbst ahnt. Der letzte Teil spielt wieder in der Gegenwart. Die lange verschwiegene Vergangenheit holt die Bewohner von Comtoscook nun wieder ein. Ross muss die Wahrheit über Cecilia Pikes Schicksal aufdecken, ehe die Einwohner und auch er selbst endlich wieder Frieden finden können.
Jodie Picoult hat in ihrem Roman so viele unterschiedliche Themen miteinanderverknüpft, dass es mir erst unmöglich schien, wie sich alles das zu einer in sich schlüssigen Geschichte verbinden lassen würde. Doch es ist ihr gelungen. Es geht um Trauer und Einsamkeit, Leben und Tod, Geister und Menschen, die sich wie solche fühlen, gefährliche Wissenschaft und tragische Liebe, die Vergangenheit wie auch Gegenwart überschattet.
Ich habe lange kein Buch mehr so verschlungen wie dieses und ich musste unbedingt erfahren, wie Cecilia Pike nun wirklich gestorben ist. Durch die Ermittlungen der Umstände ihres Todes bekommt das Buch sogar noch einen leichten Krimicharakter, verlässt aber nie die traurige und geisterhafte Grundstimmung. Nachdem der Tod aufgeklärt wurde, flacht der Spannungsbogen jedoch etwas ab. Jeder Charakter muss seine Geschichte noch zuende führen und so zieht sich das Ende etwas sehr hin.

Fazit: Ich würde das Buch trotz des etwas langatmigen Endes jedem empfehlen. Das Buch war die ganze Zeit über sehr spannend und die Verbindung von Geistern, Wissenschaft, Liebe und Trauer ist einfach genial. Die Atmosphäre ist geisterhaft ohne gruselig zu sein und traurig ohne melancholisch zu werden. Ein Buch mit dem Hang zum Besonderen eben.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 24.03.2010
Hochsaison / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.2
Maurer, Jörg

Hochsaison / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.2


weniger gut

Viel Alpendorfklatsch, wenig Krimi

Beim Neujahrsspringen stürzt ein dänischer Skispringer schwer und das vor den Augen tausender Zuschauer. Da außerdem die nächsten Olympischen Winterspiele vergeben werden sollen und bald über den Austragungsort entschieden wird, ist die Medienwirkung entsprechend groß. Als dann auch noch klar wird, dass der Skispringer eventuell sogar beschossen wurde und per Bekennerbrief weitere Anschläge angekündigt werden, ist der Bürgermeister des Ortes mit den Nerven am Ende. Kommissar Jennerwein muss den Täter so schnell wie möglich fassen, sonst war es das mit der Olympiabewerbung.

Hört sich spannend an, ist es aber nicht. Denn den „Krimi“ sucht man in diesem Alpenkrimi anfangs vergeblich. Nach 100 Seiten wurde noch nicht einmal ansatzweise mit einer vernünftigen Ermittlung begonnen. Dafür ergehen sich die zahlreichen Protagonisten in sinnlosen Dialogen über unwichtige Themen und machen sich gegenseitig über einander lustig.
Während ich den Schreibstil am Anfang noch witzig fand, wird der Humor im Verlauf des Buches immer flacher. Gekrönt wird der bemüht witzige Schreibstil noch von einigen Eigenheiten der bayrischen Sprache, über die wohl nur der eingefleischte Bayer wirklich lachen kann. Für mich waren die gewollt lustigen Beschreibungen der Landschaft und das klischeehafte fast schon dorftrottelige Verhalten der Einwohner nach einiger Zeit einfach nur nervig. Die Ortspolizisten haben in ihren Zeugenbefragungen nichts anderes zu tun als eine halbe Stunde lang über die Namen und Verwandtschaftsverhältnisse der Befragten zu philosophieren.
Aber nicht nur die Polizisten vor Ort zeichnen sich durch Unfähigkeit aus. Die Asiatischen „Attentäter“ sind auch eher damit beschäftigt, sich zu überlegen, wie sie sich gegenseitig im Falle eines Misserfolges umbringen können.
Nach den ersten 100 Seiten war ich ziemlich enttäuscht, dass ein so schönes und interessantes Thema so dermaßen ins Lächerliche gezogen wurde. Ich hatte mir mehr erhofft und auch etwas mehr erwartet.
Nachdem ich mich bis zur Seite 200 vorgekämpft hatte, wendete sich das Blatt aber dann überraschenderweise doch noch. Ernsthafte Ermittlungen wurden aufgenommen und verdrängten die „lustigen“ Passagen größtenteils. Der Humor stieg auf ein erträgliches Niveau und es kam sogar etwas Spannung auf. Richtiges Kriminiveau konnte der Roman jedoch trotzdem nicht mehr erreichen, dazu waren einige Wendungen des Geschehens zu skurril und die Identität des Täters viel zu offensichtlich.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem spannenden Krimi ist, sollte von diesem Buch eher Abstand nehmen. Es eignet sich eher für Bayerncomedy-Freunde und eingefleischte Fans des Schreibstils von Jörg Maurer. Für mich war das Buch definitiv nichts.

0 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.02.2010
Das Moskau-Komplott / Gabriel Allon Bd.8
Silva, Daniel

Das Moskau-Komplott / Gabriel Allon Bd.8


ausgezeichnet

Hauptberuf: Kunstrestaurator, Nebenberuf: Spezialagent

Oder ist es eher andersherum? Gabriel Allon möchte eigentlich nur in Ruhe seine Flitterwochen auf einem abgeschiedenen Landgut in Italien verbringen und ein Bild für den Papst restaurieren, doch als israelischer Spezialagent ist man leider immer im Dienst. Nachdem ein russischer Journalist in Frankreich ermordetet wurde und ein weiterer den Tod findet, bevor er mit Gabriel sprechen konnte, ist klar, dass seine Informationen mehr als wichtig gewesen sein müssen. Gabriel fliegt nach Moskau um der Sache auf den Grund zu gehen und schon ist er in seinen neuen Auftrag verwickelt.
Auf der Jagd nach den lebenswichtigen Informationen muss Gabriel vieles durchmachen und die Suche entwickelt sich zu einem Auftrag von internationalem Charakter. Gabriel reist durch Italien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Israel, die USA und natürlich Russland, frischt alte Beziehungen auf und holt sich Hilfe von ausländischen Geheimdiensten. Denn gegen einen russischen Waffenhändler muss man mit größter Vorsicht und Sorgfalt vorgehen.
Erstaunlicherweise liegt der Fokus in diesem Buch eher auf dem Auffinden der Informationen als auf der Verwendung der Informationen um einen Anschlag auf spektakuläre Weise abzuwenden. Actionreiche Szenen kommen, außer in Russland natürlich, der KGB ist schließlich für seine Methoden bekannt, nur selten vor. Das ist der Spannung aber nicht abträglich. Nervenaufreibende verdeckte Aktionen und Anwerbungen, Beschattungen und Ablenkungsmanöver stehen im Vordergrund, immer mit der Gefahr auf eine vorzeitige Entdeckung. Natürlich dürfen auch ein paar unvorhergesehene Wendungen, positive wie negative, nicht fehlen.
Einen besonderen Reiz erhält die Geschichte durch den Agenten Gabriel Allon, der durch seine Professionalität als Agent genauso wie durch sein unglaubliches künstlerisches Talent glänzt, das eine wichtige Voraussetzung zum Gelingen der Operation liefert. Auch sein ironischer Humor und sein vielschichtiger Charakter machen den Roman sehr unterhaltsam. Der Schreibstil des Autors ist ebenfalls sehr angenehm. Durch den hohen Anteil an Dialogen ist die Geschichte sehr lebendig und durch hier und da eingestreute kleine Kuriositäten und amüsante Eigenarten der Charaktere wird der Roman auch niemals langweilig.
Auch wenn die Handlung frei erfunden ist, stützt sie sich doch auf die eine oder andere Tatsache, was der Autor im Nachwort deutlich ausführt. Wer die Vorgängerbände nicht kennt, sollte ebenfalls einen Blick ins Nachwort werfen. Dort ist der Werdegang Gabriel Allons und seine früheren Aufträge kurz zusammengefasst.

Fazit: Das Moskau-Komplott ist weniger ein actionreicher als ein konspirativer Roman, der aber gerade deshalb sehr spannend ist. Der Roman ist ein typischer Agententhriller, hat aber noch ein paar Extras in Form interessanter Charaktere und spannender Verwicklungen zu bieten. Ich würde das Buch auf jeden Fall empfehlen.

Bewertung vom 25.11.2009
Das München-Komplott / Georg Dengler Bd.5
Schorlau, Wolfgang

Das München-Komplott / Georg Dengler Bd.5


ausgezeichnet

In „Das München-Komplott“ wird der Stuttgarter Privatdetektiv und ehemaliger BKA-Mitarbeiter Georg Dengler damit beauftragt, den Fall des Anschlags auf das Münchener Oktoberfest von 1980 wieder aufzurollen. Recht schnell entdeckt er zahlreiche Ungereimtheiten und muss feststellen, dass einige Zeugenaussagen in den Ermittlungen nicht berücksichtigt wurden. Es drängt sich ein ungeheurer Verdacht auf: War der deutsche Verfassungsschutz an dem Anschlag beteiligt und wurden die Berichte deshalb frisiert?
Je tiefer Dengler in die Sache eindringt, desto unvorstellbarer werden die Verstrickungen, die er zu Tage fördert. Denn dieser Anschlag war kein Einzelfall. Durch weitere Nebenhandlungen entsteht ein Bild von Lügen, Intrigen und Korruption, es geht um gegenseitige Spionage, Geheimdienste, verdeckte Operationen, Schuldzuweisungen und Sündenböcke und vor allem um eines: Macht. Der politische Aspekt spielt im Buch eine besonderer Rolle, denn man lernt den politischen Alltag durch die Augen einer Staatssekretärin kennen, die immer wieder in einen Konflikt zwischen Parteiprogrammen und eigenen Plänen und Anschauungen gerät. Der Weg zu Gerechtigkeit und persönlichem Glück ist steinig und teilweise gefährlich für ihre Karriere und ihr Leben.
Durch die meist sehr kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr flüssig und es ist einfach zwischen den verschiedenen Protagonisten und Handlungsorten zu wechseln. Auch die Mischung von Denglers Ermittlungen, den Erfahrungen der Staatssekretärin und internen Streitigkeiten beim Verfassungsschutz lässt das Buch nie langweilig werden. Manchmal sind auch Abhörprotokolle anstelle von einfachen Beschreibungen eingefügt, die das Buch noch vielfältiger machen.
Alle Handlungsstränge fügen sich nach und nach zu einem komplexen Fall zusammen, der zum Ende hin immer gefährlicher wird. Das wahre Ausmaß der Verstrickungen ist wirklich unglaublich und man kann sich einfach nicht vorstellen, so etwas in einem Deutschland unserer Zeit wirklich möglich ist. Doch die Aktualität des Buches belehrt den Leser schnell eines besseren: Das Buch spielt im Jahr 2009. Politische Ereignisse wie die Bundestagswahl werden ebenso verarbeitet wie die Ursachen und Folgen der Finanzkrise, gesellschaftliche Probleme und sogar sportliche Ereignisse. Daher fühlt es sich so an, als würde man einen aktuellen Tatsachenbericht lesen, so ungeheuerlich er auch sein mag.

Fazit: „Das München-Komplott“ ist ein sehr aktueller politischer Krimi, der die Machenschaften der Geheimdienste skrupellos aufdeckt und uns vor Augen führt, wie wenig wir wirklich von unserem und anderen Staaten wirklich wissen. Aber nicht nur das Thema, sondern auch die Figuren sind trotz des relative geringen Umfangs des Buches überzeugend und interessant gestaltet, sodass sich ein rundum gelungenes Buch daraus ergibt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.09.2009
Farben der Schuld / Kommissarin Judith Krieger Bd.4
Klönne, Gisa

Farben der Schuld / Kommissarin Judith Krieger Bd.4


weniger gut

Nach Beenden dieses Buches bin ich leider etwas enttäuscht. Der kurzgefasste Inhalt ist folgender: In einer Karnevalsnacht wird nahe der Kirche Sankt Pantaleon in Köln ein als Priester verkleideter Mann ermordet. Nach einiger Zeit geschieht ein weiterer Mord, diesmal an einem echten Priester und auf die gleiche Art und Weise. Diese Morde gilt es von der Soko Priester aufzuklären. Als Nebenhandlung wird die Geschichte des Grufti-Mädchens Bat erzählt, das den Tod ihrer besten Freundin Jana aufklären will. Außerdem wird die durch eine vorhergegangene Ermittlung schwer traumatisierte Kommissarin Judith Krieger aus dem Krankenhaus entlassen, die später wieder zu den Ermittlern stößt.

Anfangs liest sich das Buch sehr spannend und auch der Ansatz mit dem Grufti-Mädchen Bat ist sehr interessant. Ab dem Teil 3 flacht die Spannung aber immer mehr ab. Die Ermittlungen kommen absolut nicht voran, alles dreht sich im Kreis. Immer wieder dieselben Personen, Orte, Themen und Probleme, nur keine Lösungen. Manchmal gleichen sich sogar die Gespräche der Personen, sie werden immer und immer wieder geführt. Dadurch wird alles sehr langatmig. Auch die 5 verschiedenen Perspektiven, aus denen zeitweise erzählt wird, machen die Handlung nicht spannender, sondern tragen noch eher zur Wiederholung bei.
Die eigentliche Mordermittlung wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt und man erfährt fast nur noch etwas über Judith Kriegers traumatische Erfahrungen, die aus ihrem letzten Einsatz resultieren. Als Nichtkenner der Krieger-Korzilius-Reihe kann man damit aber nicht viel anfangen, weil man noch nicht mal weis, was eigentlich genau vorgefallen ist. Die Informationen werden zwar nach und nach dichter, trotzdem sind die endlosen (und meist immer wieder gleichen) Einblicke in Judith Kriegers Trauma und ihre Probleme ein bisschen übertrieben und langweilig. Vor allem aber deshalb, weil sie in keiner besonderen Verbindung zum derzeitigen Fall stehen.
An Verbindungen und Verhältnismäßigkeiten hapert es auch noch an anderen Stellen. Man merkt ganz genau, dass die Autorin viele gute Einfälle hatte, die sie in diesem Buch mit verarbeiten wollte, aber leider ist die Verknüpfung mit dem Gesamtgeschehen meist nicht so gut gelungen. Die Ansätze sind gut, die Umsetzung leider weniger. So ist das Buch irgendwie mehr die Summe vieler einzelner Ideen und Beziehungen, die aber nicht richtig zusammen passen. Der Handlungsstrang mit Bat ist beispielsweise sehr interessant und spannend, er verläuft zum Ende hin aber plötzlich im Sande. Da wäre definitiv viel mehr drin gewesen.
Das Ende ist ein besonders heikler Punkt des Buches. Da die Geschichte sich von Anfang an nur um eine handvoll Personen dreht, die immer und immer wieder befragt werden, ist es kaum verwunderlich, dass das Ende keine großen Überraschungen mehr bereit hält. Das Mordmotiv, das für den Täter präsentiert wird, ist noch einleuchtend, die Motive für die anderen Taten wirken jedoch an den Haaren herbeigezogen und mehr als unglaubwürdig.
Das Buch kann am Ende weder durch die Handlung noch durch die Figuren richtig überzeugen. Man erfährt insgesamt wenig über die einzelnen Personen, die einzigen, die etwas mehr Farbe bekommen sind Manni und Bat. Anderen Personen wirken durch ihre etwas nervigen Charakterzüge eher unsympathisch. Auch die Bezeichnung „die Krieger“ für Judith Krieger finde ich mehr als unangemessen. Sie wirkt auf mich oberflächlich und abwertend und macht eine Hauptperson nicht gerade sympathischer.

Fazit: Echte Fans von Gisa Klönne werden an diesem Buch sicher Freude finden, denn es liest sich schnell und einfach und ist am Anfang sehr spannend. Ich werde dieser Fangemeinde jedoch nicht beitreten können. Für mich hat das Buch einfach zu viele Schwachpunkte, als das ich es richtig hätte genießen können und der verpatzte Schluss hinterlässt für mich einfach einen zu negativen Eindruck.

1 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.08.2009
Daheimbleiben kann jeder
Baumann, Thomas

Daheimbleiben kann jeder


schlecht

oberflächlich, klischeehaft und einfach nur schlecht

Über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten. Allerdings ist für jede Art von Humor Niveau erforderlich, was in diesem Buch eindeutlich zu kurz kommt. In zahlreichen, zum Glück sehr kurzen, Kapiteln erzählt der Autor alles Mögliche zum Thema „Reisen“, was eigentlich gar keiner wissen möchte. Interessante und vor allem informative Geschichten rund ums Reisen sucht man leider vergeblich. Manchmal berichtet der Autor von eigenen (eher fragwürdigen) Erlebnissen, manchmal sind die Kapitel in Interviewform gestaltet. Unbekanntere und bedeutungslosere Interviewpartner hätte Thomas Baumann jedoch nicht auswählen können, die Interviews sind einfach nur langweilig und deren Inhalt bleibt nicht im Gedächtnis. Auch sonst ist nicht viel Interessantes vorhanden. Ich empfand nur 2 der über 30 Kapitel als ansprechend und informativ, die anderen waren einfach nur langweilig, sinnfrei oder total dämlich. Das wird vor allem auch durch das Sprachniveau verursacht, das der Autor an den Tag legt: Sinnlose Wortneuschöpfungen, Aufzählungen über eine halbe Seite, haarsträubende Vergleiche und nachgemachte Dialekte sind nur wenige stilistische Verbrechen, mit denen der Leser gequält wird. Das alles sollte wohl lustig gemeint sein, wirkt aber einfach nur blöd, nervig und vor allem nicht lustig. Manche Formulierungen schrammen sogar so scharf an der Grenze des guten Geschmacks entlang, dass man sich wirklich fragen muss, wer so etwas überhaupt lustig finden kann. Auch die ab und zu eingefügten Fotos verstärken nur die bemüht lustige Wirkung und tragen nicht zur Verbesserung des Inhalts bei.

So muss ich mir am Ende 3 Fragen stellen:

1. Was will der Autor mit diesem Buch erreichen?
2. Warum hat er seine kostbare Zeit geopfert, um so einen Blödsinn aufzuschreiben?
3. Wer will diesen Blödsinn lesen und dafür auch noch Geld bezahlen?

Meine Antwort: Keine Ahnung.
Wenn ich mich von irgendeinem Unsinn berieseln lassen will, kann ich auch den Fernseher einschalten. Dazu muss ich nicht dieses Buch lesen. Wer unbedingt Geld loswerden möchte, sollte es lieber spenden.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.08.2009
Frau Ella
Beckerhoff, Florian

Frau Ella


gut

Frau Ella und Sascha, beide mit Problemen am Auge, begegnen sich eher unfreiwillig im Krankenhaus. Frau Ella soll dort gegen ihren Willen operiert werden und Sascha rettet sie aus dem Krankenhaus, um sie eigentlich nur kurzzeitig bei sich zu Hause einzuquartieren. Saschas Freunde und auch er selbst finden jedoch bald Gefallen an dieser ungewöhnlichen Bewohnerin und so verbringen sie eine erlebnisreiche Woche mit Frau Ella.

Das ist eigentlich schon der Hauptinhalt des Buches, denn viel mehr passiert eigentlich nicht. Die Geschichte lebt nicht von vielen Ereignissen, sondern von den sich entwickelnden Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren. In diesen Beziehungen geht es mitunter seht chaotisch zu, Gefühle und Einstellungen zum einen oder anderen ändern sich meist schon im Wechsel von einigen Seiten. Da ist die etwas naive aber offene Frau Ella, die eigentlich nur den Rest ihres Lebens in Ruhe auf ihrem Balkon verbringen will, jedoch den jungen Leuten für ihre Gastfreundschaft sehr dankbar ist und auf der anderen Seite der junge recht traurige Sascha, in dessen Leben einfach nichts funktionieren will. Durch die schicksalsträchtige Begegnung der beiden ändert sich jedoch vieles grundlegend. Frau Ella bringt wieder Ordnung in Saschas Leben und gibt seinem Leben wieder einen Sinn und Sascha und seine Freunde bringen wieder etwas Abenteuer in Frau Ellas Leben und lassen sie wieder in der Gegenwart ankommen.
So entwickelt sich nach und nach eine sehr eigenartige Beziehung zwischen Alt und Jung, die schon allein wegen der Generationenunterschiede zu einigen Spannungen und Missverständnissen, aber auch zu sehr lustigen Situationen führt. Durch den Wechsel der Perspektiven von Frau Ella und Sascha zwischen den einzelnen Kapiteln lassen sich beide Standpunkte sehr gut nachvollziehen und das Buch ist durch die Eigenarten der einzelnen Charaktere sehr unterhaltsam.
Zum Ende hin wird die Geschichte meiner Meinung nach aber etwas zu flach. Die Begebenheiten und überhaupt der Sinn des Ganzen ist nicht mehr so wirklich ersichtlich, sodass die Glaubwürdigkeit darunter sehr zu leiden hat. Das finde ich sehr schade, da doch der Anfang und das Ende immer besonders in Erinnerung bleiben.

Fazit: Frau Ella ist ein humorvolles und leicht zu lesendes Buch über die schon etwas schräge Beziehung zwischen Alt und Jung. Da aber nicht allzu viel passiert und die Beziehungen sich zum Ende hin immer mehr im Kreis drehen, ist das Buch nur empfehlen, wenn man an dem Thema auch wirklich interessiert ist. Ich fand das Buch jedoch bis auf das Ende sehr angenehm und unterhaltsam.

4 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.08.2009
Totenmesse
Dahl, Arne

Totenmesse


ausgezeichnet

Es gibt Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten weiß, dass sie gut werden und bei denen man spätestens nach dem Ende weiß, dass sie perfekt sind. Totenmesse ist so ein Buch. Und meist sind es gerade die Bücher, die mir am besten gefallen, über die ich am wenigsten schreiben kann. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es nichts zu kritisieren gibt.
So geht es mir auch bei „Totenmesse“. Das Buch ist vom Anfang an total interessant, spannend und facettenreich. Schon nach den ersten beiden Kapiteln kann man kaum erwarten, in welche Richtung sich die Handlung wohl entwickelt. Denn worum es wirklich geht, wird erst im Verlauf des Buches richtig klar. Es gibt immer nur Bruchstücke, die dann nach und nach in verschiedenen Handlungssträngen langsam zusammengefügt werden. Einiges scheint offensichtlich zu sein, anderes scheint überhaupt nicht ins Bild zu passen. Und doch ist eins sicher: Dieses Verbrechen ist mehr als ein gewöhnlicher Banküberfall mit Geiselnahme. So tappen die Ermittler des A-Teams wie auch der Leser im Dunkeln, stellen Vermutungen auf, diskutieren und kommen der Wahrheit immer ein kleines Stück näher. Nach und nach entpuppen sich die Zusammenhänge, greifen die Handlungsstränge ineinander und bleiben doch bis zum Ende hin noch lückenhaft. Erst am Ende enthüllt sich das ganze Ausmaß des Falles, die Spannung steigt nochmals an, falls das überhaupt noch möglich ist, und das Ende hätte passender nicht sein können.
Verpackt wird diese spannende Handlung in einen facettenreichen Schreibstil, der sich immer wieder neu zu erfinden scheint. Zum einen gibt es mysteriöse Passagen über den „Mann mit der Uhr“, die den Leser zum Rätseln veranlassen. Seltsame immer wiederkehrende Vergleiche und Erinnerungen lassen den Leser selbst Vermutungen über die Identität der Personen anstellen und ihn so selbst zum Ermittler werden. Zum anderen gibt die ernsten Passagen über die Diskussionen und Ermittlungen des A-Teams in ihrem Konferenzraum, die aber mit so herrlich amüsanten und kreativen Kommentaren und Vergleichen geschmückt sind, dass ich mir oft ein Lachen nicht verkneifen konnte. Und dann gibt es noch die Tagebucheintragungen eines Soldaten im zweiten Weltkrieg, die den Krieg lebendig und fassbar machen und am Ende selbst noch eine bedeutende Rolle in dem Fall spielen. Dieses Buch ist wirklich ein Glücksgriff und empfehlenswert für jeden, ob er nun Krimis mag oder nicht. Denn es ist gerade die perfekte Verknüpfung aus Kriminalermittlung, zwischenmenschlichen Beziehungen, Geschichte, Spionage, Kriegserlebnissen, Wissenschaft, Zukunftsvisionen und einem unglaublich kreativen Schreibstil, die diesen Roman so außergewöhnlich macht.

1 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.08.2009
Tödliches Ritual
Heib, Marina

Tödliches Ritual


sehr gut

Ein mysteriöses Anfangskapitel darf auch in Marina Heibs Roman „Tödliches Ritual“ nicht fehlen. Das scheint mittlerweile zum Standard in der Krimiszene geworden zu sein. Als nächstes lernt man als Leser den sehr heruntergekommenen Kommissar Markus Lorenz kennen und erfährt langsam von dem ersten Mord und den Begleitumständen sowie den Hintergründen der Handlung. Obwohl dieses Buch das Dritte einer Serie um den Ermittler Christian Beyer ist, kann es ohne Kenntnis der Vorgängerromane gelesen werden. Das Buch liest sich gut und schnell, die Handlung verläuft jedoch sehr gradlinig und wenig spektakulär. Für mich war das Motiv des Mörders schon nach dem dritten Mord, so circa auf Seite 70, klar, sodass dann erst mal die Luft raus war. Während die Ermittler noch herumrätselten und verschiedene Verdächtige hatten, konnte man als auch nur etwas aufmerksamer Leser schnell herausfinden, wer für die verschiedenen Taten in Frage kommen würde und wer nicht. Auch wer die Vergewaltigungen begangen hatte, war eigentlich schon lange bevor die Ermittler darauf kamen klar.
Trotz des nur bedingt denkintensiven Falles ist die Begleithandlung und die Ermittlung an sich sehr interessant. Besonders die Personen sind mir während des Buches ans Herz gewachsen. Auch das eher langweilige Tatort-Image des deutschen Polizisten wird durch witzige Dialoge, einige Unsinnigkeiten und peinlich-lustige Ermittlungspannen der Polizei aufgelockert. Einzig der versoffenen Kommissar Markus Lorenz ging mir mit der Zeit schon ziemlich auf die Nerven. Umso froher war ich, als er am Ende endlich seinen Frieden finden konnte.
Die einzige Überraschung in der Handlung war für mich die wahre Identität des Mörders. Zum Ende hin kommt dann noch mal richtig Spannung auf und das Ganze gipfelt in einem spektakulären, wenn auch abrupten, Ende. Der Schlussteil wertet das Buch insgesamt etwas auf, trotzdem ist es für mich eher ein Buch für zwischendurch. Leichte Lektüre, bei der man nicht viel überlegen muss und die sich dennoch recht spannend und unterhaltsam liest. Wer jedoch einen tiefgründigen, brillant recherchierten und packenden Thriller sucht, der ist bei „Tödliches Ritual“ eher fehl am Platze.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

12