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Benutzername: Sabine
Wohnort: Köln
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Bewertungen

Insgesamt 389 Bewertungen
Bewertung vom 05.04.2021
Die Telefonzelle am Ende der Welt
Imai Messina, Laura

Die Telefonzelle am Ende der Welt


sehr gut

Ich habe das Buch als Buchflüsterin erhalten und muss sagen, dass mich der Titel überhaupt nicht ausgesprochen hat – dafür umso mehr Cover und Gestaltung, außen als auch innen. Mit gemischten Gefühlen habe ich angefangen zu lesen. Es hat ein wenig gebraucht, bis ich reingekommen bin in die Geschichte, dann aber hat mir vor allem die leise und sehr filigrane Art des Erzählens sehr gut gefallen.
Das Buch spielt in Japan, genauer im Garten von Bell Gardia, wo eine Telefon steht, mit der Angehörige mit ihren verstorbenen Lieben sprechen können. Rühmen will die Autorin mit ihrer Geschichte die Opfer der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011, und viele finden tatsächlich Trost im Garten von Bell Gardia. Die junge Yui, die Mutter und Tochter in der Katastrophe verloren hat, lernt dort den Arzt Takeshi kennen – auch er hat einen Verlust erlitten und beide freunden sich langsam an.
Ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, weil ich am Anfang nicht erkennen konnte, worauf die Geschichte hinausläuft. Es gibt einige Figuren, die vorgestellt werden, aber mir war noch nicht ersichtlich, wie der rote Faden ist und worauf es hinausläuft. Nach etwa 50 Seiten hat es dann aber „klick“ bei mir gemacht und ich konnte so richtig abtauchen in diese für mich ganz fremde Welt.
Es ist eine sehr leise und ruhige Geschichte, die vor allem durch den sehr warmen Schreibstil glänzt, der mich eingelullt hat mit seinen wohlgewählten Worten, ohne dabei aber schnörkelig oder blumig zu sein. Ich habe die Erzählweise als sehr japanisch empfunden, und das, obwohl die Autorin doch Italienerin ist – aber man merkt, dass sie schon einige Jahre in Japan lebt und die dort herrschende Zurückhaltung und Freundlichkeit übernommen hat. Besonders ist auch der Aufbau des Buches – die Kapitel sind kurz, dadurch aber nicht weniger liebevoll. Gemocht habe ich auch die eingestreuten „Listen“, die die Stimmung und Gedanken oder einfach eine Szenerie wunderbar eingefangen haben.
Die Charaktere sind toll gezeichnet und gerade in Yuis Gefühls- und Gedankenwelt bin ich tief abgetaucht. Sie ist ein liebenswerter Mensch, der zwar sein Herz nicht auf der Zunge trägt, dafür aber entsprechend handelt – und das hat mich schon sehr gerührt. Ihre Beziehung zu Takeshi ist so fein und leise, dass man das die beiden verbindende Band kaum packen kann und trotzdem spürt man es und auch, wie es nach und nach fester wird. Ja – es ist eine Liebesgeschichte, die aber ganz leise und fein erzählt ist und mich sehr berührt hat – eine Hommage an die Liebe.
Ich mochte nach anfänglichen Schwierigkeiten die Geschichte sehr gerne und gebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 24.03.2021
Das Leben ist zu kurz für irgendwann
Geraghty, Ciara

Das Leben ist zu kurz für irgendwann


sehr gut

Ich selber arbeite mit unheilbar erkrankten Menschen, daher hat mich das Thema natürlich sehr interessiert. Die Umsetzung hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, dennoch war die Geschichte unterhaltsam und angenehm zu lesen.

Iris und Terry sind beste Freundinnen. Selbstverständlich, dass Terry ihre Freundin begleitet, die sich in die Schweiz aufmacht, um sich dort zu suizidieren – denn sie hat MS in einer rasch fortschreitenden Form. Doch Terry wird von der Reise überrascht und tritt sie nicht nur ungeplant an, sondern hat auch noch ihren dementen Vater mit im Gepäck.

Das Thema ist ein ernstes, um das es hier geht, trotzdem ist die Geschichte sehr leicht geschrieben, und es gibt einige Momente, die mich haben schmunzeln lassen. Es ist aber auch gar nicht so sehr Iris, die im Mittelpunkt steht, sondern eher Terry, die auf dieser Reise über sich hinauswächst und ganz gegen ihre sonst herrschenden Prinzipien verstößt. Das Thema assistierter Suizid ist wirklich nur ein Randthema, auch wenn es den Grund für die Reise liefert und auch das Ende vorgibt. Aber man braucht wirklich keine Angst zu haben, dass das Buch zu emotional ist – selbst das Ende hat mich zwar berührt, aber auch sehr versöhnlich gestimmt.

Iris ist eine tolle Frau – sie hat sich von ihrer Krankheit lange nicht unterkriegen lassen und mit ihr gelebt, ohne viel Tamtam um sie zu machen. Ihre Entscheidung zum Suizid gerade jetzt, wo sie noch ganz gut zurechtkommt, kann ich gut verstehen, auch, dass sie nicht noch warten möchte und sie Angst hat, irgendwann eben nicht mehr selber handeln zu können. Sie hat ihr Ziel fest im Blick – und auch wenn Terry immer wieder versucht, sie davon abzubringen, bleibt sie sich treu. Das hat mir sehr gut gefallen. Mit Terry dagegen bin ich nicht immer so gut klar gekommen. Toll ist ihre Entwicklung, die sie durchmacht – vom stringenten Muttertyp, die ihre Familie mit Listen und Plänen organisiert, mausert sie sich zum spontanen Weltenbummler. Und es gibt einige Hürden, die sie da meistern muss und es auch tut, sie wächst geradezu über sich hinaus. An manchen Stellen habe ich ihr das aber nicht abgenommen und gerade das Ende, wo es eine Aussicht gibt auf ihr „neues“ Leben, ist mir dann doch ein wenig zu viel und zu konstruiert. Zu ihrem Vater kann ich gar nicht viel sagen – er tut mir eigentlich nur leid. Denn so sehr manche seiner Aussagen im Rahmen seiner Demenz zum Schmunzeln einladen, so schlimm fand ich auch, dass er an dieser Reise teilnehmen muss, denn gut ist sie für seine Orientierung beileibe nicht. Und auch wenn Terry das weiß, dass Demenzkranke eine bekannte Umgebung brauchen, sucht sie da nach keiner besseren Lösung. Aber – sie kümmert sich rührend um ihren Vater, das will ich ihr nicht absprechen.

Das illustre Trüppchen erlebt eine ganze Menge – das macht die Reise, nicht nur des Zieles wegen, zu etwas ganz besonderem. Es gibt im Leben immer wieder Neues zu entdecken – man muss sich nur drauf einlassen und auch mal etwas wagen – eine Erkenntnis, die Terry zwar spät, aber dann zum Glück doch noch hat.

Der Schreibstil ist leicht und locker, so dass die Seiten rasch dahinfliegen. Es ist eine unterhaltsame Geschichte, bei der es weniger um Gedanken rund um das Thema Suizid geht, sondern vielmehr um die Entwicklung einer Frau, die in ihren alltäglichen Mühlen eingesperrt war und die sich daraus befreit.

Eine unterhaltsame Geschichte, nur viel Tiefgang sollte man nicht erwarten – ich gebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 08.03.2021
Die Farbe des Nordwinds
Jahn, Klara

Die Farbe des Nordwinds


ausgezeichnet

Ich bin zufällig über das Buch gestolpert - Cover und Klappentext haben mir sehr gefallen und eine Leseprobe hat mich total gefesselt. Da konnte ich zum Buch nicht nein sagen - und habe es auch nicht bereut!

Es gibt zwei Zeitebenen, die zunächst parallel verlaufen, dann aber nach und nach zusammenlaufen und gemeinsam einen Sinn ergeben. Die eine spielt Ende des 18. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Arjen Martenson, der auf der Hallig aufwächst, sie dann aber verlässt, um zu studieren, der dann aber Jahre später wieder zurückkehrt und Zeuge der großen Flut wird. Dieser Teil ist in Ich-Perspektive aus Arjens Sicht geschireben, und ich fühlte mich ihm so sehr nahe. In dem anderen Erzählstrang steht Ellen in der Gegenwart im Mittelpunkt, die als Jugendliche kurz auf der Hallig gelebt hat, sich dort auch heimisch fühlte, sie dann aber mit ihrer Mutter auch wieder verlassen musste. Jahre später kehrt sie zurück, um als Lehrerin zu arbeiten. In diesem Erzählstrang gibt es einen allwissenden Erzähler, was aber der Atmosphäre und der Möglichkeit sich einzufühlen keinen Abbruch tut.

Von der ersten Seite an war ich gefesselt – von der Geschichte und auch von dem Schreibstil, der warm und wohlig ist, voller schöner Bilder und der vor allem eins schafft – die Stimmung und Atmosphäre einzufangen, von der Hallig und auch den unterschiedlichen Zeiten, in denen die Handlungsstränge spielen. Mich hat er umarmt und ich habe mich geborgen gefühlt – und konnte so richtig in die Geschichte eintauchen.

Ich mochte beide Erzählstränge sehr gerne, weil man so unglaublich viel lernt, über die Lebensbedingungen auf der Hallig damals und heute und auch über die Menschen, die eigen und anders sind, dafür aber nicht minder liebenswert.

Ellen habe ich sehr gemocht – mit all ihren Zweifeln, die sie mit sich rumträgt und die ihr das Leben schwermachen. Sie ist ein wundervoller Mensch mit einem großen Herz, das merkt man vor allem dann, wenn sie auf Kinder trifft. Und da passt es natürlich gut, dass sie als Lehrerin zurückkehrt. So gefühlvoll sie aber ist, reflektiert sie auch ihr Verhalten und kann so vermitteln, Kluften überwinden und Menschen zusammenbringen. Es war sehr schön, sie dabei zu begleiten.

Aber auch Arjen aus dem Erzählstrang der Vergangenheit mochte ich sehr gerne. Ein sehr verletzlicher und auch verletzter Charakter, der Großes bewegen will, aber gebremst wird – von den Menschen, aber auch den Gepflogenheiten, die die Zeit mit sich brachten. Trotzdem gibt er nie auf und muss schließlich auch einen großen Preis bezahlen.

Die Geschichte ist eine ruhige, und dennoch bin ich in einen Sog geraten und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist eine subtile, untergründige Spannung, die mich gefesselt hat und die sich am Ende in einem großen Finale entlädt. Das letzte Kapitel aus der Vergangenheit hat mich dann sehr berührt und mich das Buch mit einem warmen Gefühl zuschlagen lassen.

Eine wundervolle Geschichte, das ich gerne empfehle – 5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 19.02.2021
Die Erfindung der Sprache
Baumheier, Anja

Die Erfindung der Sprache


ausgezeichnet

Beim Durchblättern der Vrelaugsvorschau, war ich sofort Feuer und Flamme, als das Cover und den Titel gesehen habe – ich wollte das Buch unbedingt lesen. Zu Beginn hatte ich etwas Probleme, in die Geschichte reinzukommen, dann aber war ich völlig gefangen in einer ganz eigenen Welt, die ein bisschen skurril, vor allem aber sehr warmherzig und liebenswert ist.

Es gibt zwei Handlungsstränge, die zu verschiedenen Zeiten spielen, die aber nach und nach aufeinander zulaufen. Der weiter zurückliegende Strang spielt vor allem in Ostfriesland, auf der Insel Platteoog – dort lernen sich Oda und Hubert kennen und lieben. Ihr Sohn Adam ist ihr Allergrößtes, dass er erst spät das Sprechen lernt und mit menschlichen Beziehungen so seine Probleme hat, ist für sie nicht wichtig. Sie sind eine glückliche Familie, bis auf einmal Hubert verschwindet. In dem Handlungsstrang der Gegenwart macht sich er erwachsene Adam auf die Suche nach seinem Vater – seine Liebe zur Sprache ist ihm geblieben, menschliche Nähe ist im weiterhin ein Graus. Sicherheit geben ihm die Zahl sieben und Stimmen in seinem Kopf – auf der Suche nach seinem Vater wächst Adam dann über sich hinaus.

Am Anfang hatte ich etwas Probleme in die Geschichte reinzukommen, was vor allem an der illustren Sammlung von Figuren lag, die hier in den ersten Seiten vorgestellt werden und die ich erst nicht richtig einander zuordnen konnte. Neben Adam, Oda und Hubert gibt es noch einige Bewohner der Insel Platteoog, die zwar eigen und auch ein wenig schrullig sind, dafür aber auch sehr herzlich und vor allem liebenswert. Es gibt da keinen ohne Macke, bei manchem ist sie offensichtlich, bei manchem eher versteckt. Was mir anfangs sehr fremd war, hat sich mehr und mehr in mein Herz geschlichen und es hat gar nicht lange gedauert, dass sich meine anfängliche Verwunderung und Skepsis in Neugier und Wohlgefühl gewandelt haben.

Normalerweise liegen mir Handlungsstränge der Vergangenheit lieber – diesmal war es anders. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn Adam in der Gegenwart Spuren nach seinem Vater verfolgt – und da hat die Autorin einiges an Wendungen auf Lager, mit denen ich nicht gerechnet habe und die wirklich ganz unverhofft gekommen sind. Toll fand ich vor allem die Entwicklung Adams, der mal urkomisch, mal mitleiderregend daherkommt, dann über sich hinauswächst und mich mit seiner Zerstreutheit, Hilflosigkeit und Wärme sehr berührt hat. Der zurückliegende Strang erzählt eher die Geschichte von Adams Eltern und Großeltern – bis irgendwann auch dieser Erzählstrang in der Gegenwart ankommt. Am Ende schließt sich der Kreis, die beiden Handlungsstränge werden eins und Fragen, die sich im Laufe des Buches ergeben haben, werden beantwortet - ich hatte ein wohliges Gefühl im Bauch, als ich den Buchdeckel zugeschlagen habe und fand den Schluss sehr versöhnlich und einfach toll.

Anja Baumheier hat einen tollen Schreibstil, der nicht nur lebendig ist, sondern auch zum schmunzeln einlädt – dabei lacht man aber nicht über die Menschen, sondern eher mit ihnen, keiner wird lächerlich gemacht, sondern sie sind mir mit allen ihren Ecken und Kanten richtig fest ans Herz gewachsen. Ich mochte zudem die Atmosphäre in der Geschichte, weil sie nie hoffnungslos war, sondern immer warm und voller Zuversicht. Für mich ein richtiges Wohlfühlbuch, das mich sehr gut unterhalten und in eine ganz andere Welt entführt hat. Ich gebe 4,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine schöne Geschichte, die Mut macht und voller Hoffnung steckt, ungewöhnliche Charaktere, die ans Herz wachsen und ein warmherziger, lebendiger Schreibstil, der immer wieder auch zum schmunzeln einlädt – ein Wohlfühlbuch, das ich sehr gerne gelesen habe. Ich gebe 4,5 von 5 Sternen.

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.02.2021
Der leuchtende Himmel
Carsta, Ellin

Der leuchtende Himmel


ausgezeichnet

Ich mag die Hansen-Saga sehr gerne, auch wenn es mal bessere und mal schwächere Bände in ihr gibt – dieser Teil war wieder sehr unterhaltsam und bietet auch einiges an Wendungen, die ich nicht geahnt hätte. Da die einzelnen Bände aufeinander aufbauen, würde ich ein Quereinsteigen nicht empfehlen – ohne Kenntnis der Vörgänger-Bände würde dieser vermutlich langweilen und enttäuschen.

In diesem Teil gibt es wieder mehrere Handlungsorte – Wien, Kamerun und Hamburg, und natürlich ist das dem geschuldet, dass die Hansens sich in diesen verschiedenen Regionen angesiedelt haben. Neben dem Hafenstreik, der in diesem Buch für den Verlauf der Geschichte eine zwar wichtige Rolle einnimmt, der aber dennoch nur am Rande behandelt wird, geht es vor allem um zwischenmenschliche Dinge. Luise hat sich mit ihrem Hans wieder zusammengerauft, aber die Rivalin Ida kann das Sticheln nicht lassen. In Wien kommt es zu Krankheitsfällen – und dies hat Folgen für Therese und Robert in Kamerun. Florentinus in Wien kämpft immer noch mit sich und seiner Trauer – und es braucht ein schreckliches Ereignis, das ihm die Augen öffnet. Mehr will ich aber auch nicht verraten – das muss man dann schon selber entdecken.

Diesmal hat die Autorin sehr mit den Schicksalen der Figuren gespielt, und gerade am Ende war ich sehr überrascht – niemals hätte ich damit gerechnet. Ich frage mich natürlich, ob die Reihe noch weitergeht, denn mit diesem Twist hat die Autorin sich nochmal Tor und Tür geöffnet. Sprachlich ist die Geschichte angenehm zu lesen und bleibt im Tonfall den Vorgängern treu. Die verschiebenden Figuren haben diesmal einiges zu verarbeiten, einige wachsen an ihren Aufgaben und entwickeln sich weiter, andere leider nicht – aber das spiegelt das Leben wieder, deshalb fand ich diesen Band auch sehr authentisch.

Ich fand es schön, die ans Herz gewachsenen Charaktere wiederzutreffen und gebe diesem Band daher 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 17.02.2021
Die Rache des Lombarden / Aleydis de Bruinker Bd.3
Schier, Petra

Die Rache des Lombarden / Aleydis de Bruinker Bd.3


ausgezeichnet

Dies ist der Abschlußband der Lombarden-Reihe , und ich empfehle, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn nur dann kann man die Geshcichte und vor allem die Entwicklung der Charaktere richtig genießen.

Weiter geht es in der Geschichte um Aleydis de Bruinker – sie ist die Witwe des Lombarden Nicolai Golatti, der zu Lebzeiten ein treusorgender Ehemann war, ihr dann aber ein nicht ganz sorgloses Erbe hinterlassen hat. Diesmal aber hat es die eigene Familie auf sie abgesehen und kurzerhand die beiden Mündel Marlein und Ursel entführt.

Ich mochte diesen letzten Teil der Trilogie sehr gerne – es ist spannend und unterhaltsam, es gibt Liebe und Leidenschaft, aber auch Mord, Totschlag und Intrigen. Und das alles vor der historischen Kulisse Kölns im 15. Jahrhundert. Als Wahlkölnerin habe ich mich da natürlich richtig wohlgefühlt, nicht nur, weil ich manche beschriebenen Orte tatsächlich auch kenne, sondern weil die Autorin die damalige Atmosphäre wunderbar einfangen konnte und ich viele Bilder vor Augen hatte. Angst vor langen Beschreibungen, die den Leser langweilen, muss man aber nicht haben – ganz im Gegenteil – der Schreibstil ist locker und leicht und gut zu lesen, trotzdem aber dem Mittelalter angemessen.

Aleydis ist eine Frau, die man einfach ins Herz schließen muss. Ich mag es, das sie nichts auf sich beruhen lässt und den Dingen nachgeht, dabei auch vor üblen Gestalten nicht halt macht und immer auf der Suche nach Gerechtigkeit ist. Diesmal gerät sie aber selber in die Zwickmühlen der Justiz – und sie kann froh sein, dass ihr auch diesmal wieder Gewaltrichter Vinzenz van Cleve zur Seite steht. Bereits in den Vorbänden habe ich die herrlichen Dialoge zwischen den Beiden sehr genossen, und auch diesmal ist es wieder sehr amüsant – trotz all der schrecklichen Ereignisse, die geschehen – ihnen zuzuhören. Dass es dabei wieder zwischen ihnen knistert, wundert vermutlich keinen, wie es mit den beiden aber ausgeht, verrate ich natürlich nicht.

Gefallen hat mir auch, dass man nochmal mehr von Vinzenz erfährt, denn auch um ihn hat sich ja das eine oder andere Geheimnis gerankt, das nun gelüftet wird. Obwohl dies der letzte Band der Trilogie ist, wird aber nicht alles aufgeklärt – und das fand ich auch tatsächlich ein wenig schade; aber im Nachwort erklärt die Autorin, warum sie die Reihe so beendet hat; mir wäre aber die eine entscheidende Antwort lieber gewesen.

Ich habe das Buch wirklich sehr gerne gelesen, es ist spannend und unterhaltsam, aber auch lehrreich und informativ. Ob in einem solchen historischen Roman Liebesszenen ausschweifend erzählt werden müssen, darüber kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein – ich finde nicht, muss aber gestehen, dass die besagte Szene sehr gut gelungen ist.

Ich gebe dem Buch 4,5 von 5 Sternen und empfehle die Lombarden-Reihe sehr gerne!

Mein Fazit
Ein toller Abschlussband der Lombarden-Trilogie, der zwar ein Geheimnis am Ende offenlässt, der aber spannend und unterhaltsam ist und mir viele schöne Lesestunden geschenkt hat. Ich werde Aleydis vermissen, die mir sehr ans Herz gewachsen ist und gebe diesem Band 4,5 von 5 Sternen.

Bewertung vom 24.01.2021
Stay away from Gretchen
Abel, Susanne

Stay away from Gretchen


sehr gut

Tom Monderath ist ein bekannter Nachrichtenmoderator, der völlig in seiner Arbeit versinkt und gar nciht merkt, dass seine Mutter Greta mehr und mehr verwirrt ist. Erst als sie von der Polizei orientierungslos aufgegriffen wird, erkennt Tom den Ernst der Lage. Doch er steht nicht nur vor dem Problem, seine Mutter irgendwie sicher zu versorgen, sondern erfährt aus ihrer Vergangenheit Dinge, die alles bisherige in ein neues Licht rücken.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen – einmal jetzt in der Gegenwart und dann in Gretas Vergangenheit, die ihre Geschichte ab dem 2. Weltkrieg nach und nach erzählt. Dabei habe ich ganz neue Einblicke in das Nachkriegsdeutschland bekommen, denn ich hatte noch nie von dem Phänomen der „Brown Babies“ gehört.

Den Erzählstrang der Vergangenheit fand ich großartig – nicht nur, weil ich ihn thematisch sehr interessant fand, sondern auch weil die Autorin durch ihre Art zu schreiben und zu beschreiben viele Bilder in meinem Kopf hat entstehen lassen. Dabei ist der Schreibstil der Zeit angepasst, dennoch aber sehr lebendig und locker – einfach angenehm zu lesen. Die junge Greta ist eine fantastische Figur – so lebensfroh und voller Energie, dass ich mich richtig hab anstecken lassen von ihrem Tatendrang. Sie ist keine, die sich einfach unterkriegen lässt, sondern macht aus jeder Situation das Beste – und das war zu der Zeit nicht immer einfach. Greta in der Gegenwart fällt zunehmend in die Demenz, und es hat wehgetan, wie sie die Verbindung verliert und dadurch auch die Orientierung in der Gegenwart. Das ist aber nicht der Grund, dass mir der aktuelle Erzählstrang nicht gefallen hat, gestört hat mich hier vielmehr Sohn Tom. Ich mochte ihn überhaupt nicht, vielleicht weil ich seine Figur gnadenlos überzeichnet fand, vor allem aber weil er eine so unsympathische Art hat, mit anderen Menschen umzugehen. Er ist überheblich, wirkt wie ein alternder Gockel, der sich zwar jugendlich ausdrückt (ich weiß nicht, wie oft er in diesem Buch „Fuck“ gesagt hat …), dem man das aber überhaupt nicht abnimmt. Zwar lernt er aus der Misere mit seiner Mutter auch vieles dazu, trotzdem wäre er im realen Leben ein Mann, um den ich einen großen Bogen machen und die Augen rollen würde.

Während der Handlungsstrang von Greta in sich total schlüssig ist, ist mir bei dem der Gegenwart das Ende zu dick aufgetragen, so dass ich das dann leider nur noch als kitschig und unglaubwürdig empfunden habe. Gretas Geschichte würde ich sofort 5 Sterne geben, der von Tom dagegen nur knappe drei, so dass ich insgesamt 4 von 5 Sternen vergebe, das Buch aber gerade wegen Gretas ungewöhnlicher Geschichte gerne empfehle.

Mein Fazit
Eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, wobei die Ebene der Vergangenheit ins Nachkriegsdeutschland entführt und das interessante Thema der „Brown Babies“ aufgreift. Gerade diesen Erzählstrang fand ich großartig, den der Gegenwart dagegen zu dick aufgetragen und am Ende auch zu kitschig. Insgesamt empfehle ich das Buch dennoch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 28.12.2020
Das Buch Ana
Kidd, Sue Monk

Das Buch Ana


ausgezeichnet

Mich hat der Klappentext dieses Buches sehr angesprochen – nicht nur, dass die Geschichte zu einer Zeit spielt, in der ich (fernab der Bibel) bisher nichts gelesen habe, war ich natürlich auch neugierig, wie die Autorin das Thema „Ehefrau von Jesus“ umsetzt.

Die Geschichte beginnt im Jahr 16 n. Chr.. Ana ist ein junges Mädchen, das – der Zeit entsprechend – verheiratet werden soll. Doch Ana hat andere Interessen; sie liebt das Lesen und Schreiben und versucht alles, den ihr angeratenen Ehemann nicht heiraten zu müssen. Sie glaubt nicht an de Liebe – bis sie zufällig auf Jesus trifft und ihr Leben dadurch eine ganz neue Wendung nimmt.

Mich hat die Autorin von der ersten Seite an packen können – sie hat einen so eindringlichen Schreibstil, der unglaublich viel Atmosphäre schafft und mich sehr berührt hat. Er ist dabei einfach zu lesen und trotzdem sehr dicht und intensiv, so dass ich mich der Stimmung kaum entziehen konnte. Dabei ist es sehr interessant, wie die Menschen damals gelebt haben – natürlich sind diese Beschreibungen auch mit der Fantasie der Autorin geschuldet, da es ja nur wenn gesicherte Infos zu dieser Zeit gibt, für mich war das alles aber sehr schlüssig – sowohl die Beschreibungen der Gegend, als auch die der Menschen und des Alltags, dem sie nachgingen. Langweilig wird es dabei aber nie, obwohl alles so gut beschrieben ist, dass ich viele Bilder im Kopf hatte.

Ana ist eine tolle Protagonistin. Sie ist klug und weiß, ihre Klugheit auch zu nutzen. Sie begehrt nicht einfach nur auf, denn damit hätte sie niemals das erreicht, was sie wirklich wollte, sondern sie handelt klug und überlegt. Manchmal ist es auch eine List, die sie anwendet, aber immer ist sie sich ihrer treu – eine wirklich tolle Frau, die stark und selbstbewusst auftritt und dennoch ein großes Herz hat mit viel Liebe und Zuneigung. Ihr Vater hat ihr erlaubt, die Kunst des Lesens und Schreibens zu erlernen – sicher sehr ungewöhnlich, aber genau darin geht Ana auf und genau das ist es auch, was sie ihr ganzes Leben lang verfolgt und lebt.

Ich spoilere nicht, wenn ich sage, dass Ana mit Jesus verheiratet war, denn das erfährt man im zweiten Satz des Buches – man darf aber nicht denken, dass Jesus Geschichte im Mittelpunkt steht; dann wird man enttäuscht. Es ist wirklich Ana, die man die ganze Zeit begleitet und Jesus Geschichte tritt da auch schon mal in den Hintergrund. Ich fand Anas Geschichte aber so spannend, dass ich damit gut leben konnte, zumal sich der Kreis am Ende schließt und ich dadurch sehr versöhnt war.

Ich kann nicht abschätzen, ob gläubige Menschen mit dieser Geschichte vielleicht ein Problem haben – deshalb empfehle ich das Buch nicht uneingeschränkt. Ich für mich kann aber sagen, dass mich die Autorin fesseln konnte und ich ihre Sicht auf diese Zeit gut mit meinen eigenen Vorstellungen und meinem eigenen Glauben in Einklang bringen konnte. Ich gebe 5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine tolle Geschichte, die im Jahr 16 n. Chr. beginnt und bei der eine junge Frau im Mittelpunkt steht. Dass sie die Ehefrau von Jesus ist, macht das Ganze noch mal spannender, man sollte aber nicht erwarten, dass sich der Schwerpunkt der Geschichte auf ihn verlagert – es ist und bleibt Anas Geschichte; deshalb ist der Buchtitel sehr passend gewählt. Ich habe die Geschichte geliebt und bin völlig in ihr eingetaucht – der atmosphärische Schreibstil hat das Seine dazugetan. Ich gebe 5 von 5 Sternen, weiß aber nicht, wie die Geschichte auf gläubige Menschen wirkt und empfehle sie daher nur eingeschränkt.

Bewertung vom 20.08.2020
Sommer in Porthmellow / Porthmellow Bd.1
Ashley, Phillipa

Sommer in Porthmellow / Porthmellow Bd.1


weniger gut

Ich habe das Buch über die „Buchflüsterer“ erhalten und obwohl ich ja auch schon mal gerne einen Frauen-Liebesroman lese, hat mich dieses Buch leider nicht packen können, so dass ich es nach 156 Seiten (ca. 39 %) abgebrochen habe. Eigentlich bewerte ich solche Bücher nicht, da ich es ja nicht beendet habe, leider aber muss man sich hier für eine Bewertung entscheiden.
Eigentlich fängtdie Geschichte ganz interessant an: Im Jahr 2008 werden die ersten Charaktere eingeführt und man erfährt, dass die junge Sam schon einiges mitgemacht hat. Ihre Mutter ist plötzlich verstorben, ihr Bruder ins Gefängnis gekommen – und daran war ihre Jugendliebe Gabe nicht ganz unschuldig. 10 Jahre später hat sie die Verluste noch immer nicht überwunden, dafür aber das kleine Porthmellow durch ein jährliches Streetfood-Festival bekannt gemacht. Als der Starkoch der Veranstaltung kurzfristig absagt, hilft Gabriel Mathias gerne aus – doch Sam fühlt sich überrollt, denn hinter diesem Koch verbirgt kein anderer als ihre Jugendliebe Gabe.
Dass die Geschichte vorhersehbar ist, fand ich jetzt gar nicht so schlimm, denn eigentlich erwarte ich bei diesem Genre auch ein Happy End. Ich konnte aber leider mit der ganzen Szenerie nichts anfangen – weder hat mich das Streetfood-Fesival irgendwie angesprochen, noch die Charaktere. Zwar hat die Autorin hier eine illustre Schar an Figuren geschaffen, keiner aber ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Sam konnte ich so gar nicht verstehen, vor allem nicht, dass sie nach 10 Jahren immer noch mit Gabe hadert, aber auch die neu ins Städtchen gezogene Chloé wirkte zwar zunächst ganz patent, aber auch sie hat einige „Altlasten“, von denen sie nicht lassen kann. Gabe ist natürlich gutaussehend und erfolgreich, aber auch ein wenig naiv, wenn er denkt, dass seine Rückkehr völlig unproblematisch ablaufen wird.
Der Schreibstil ist angenehm und liest sich sehr leicht – nur leider war ich etwas gelangweilt von der Geschichte, in der zwar etwas geschieht, das aber immer breit ausgewalzt wird, so dass für mich überhaupt keine Spannung aufkam. Letztlich hatte ich keine Motivation, das Buch weiterzulesen, weil mich weder die Handlung gefesselt hat noch irgendein Charakter, den ich gerne weiterverfolgt hätte; so habe ich das Buch nach knapp 40 % abgebrochen.

Bewertung vom 12.06.2020
Dankbarkeiten
Vigan, Delphine de

Dankbarkeiten


sehr gut

Schwierige Themen packt die Autorin in diesem Roman an, aber sie hat die Herausforderung gut gemeistert.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Michka, eine ältere Dame, die sich immer weniger alleine versorgen kann, weil sie körperlich abbaut, die vor allem aber darunter leidet, dass sie ihre Worte verliert, ihr die passenden nicht einfallen, sie neue erfindet oder gesuchte durch fehlerhafte ersetzt. Sie kommt in ein Pflegeheim, wird dort regelmäßig von Maire besucht, die sie schon seit vielen Jahren kennt und die sich ihr verbunden fühlt. Jerome ist ein Logopädie, der Michka auch regelmäßig aufsucht, mit ihr aber nicht nur Übungen gegen die Aphasie macht, sondern auch einfach so mit ihr redet – und so entwickelt sich auch zwischen diesen beiden eine innige Freundschaft. Neben dem körperlich Verfall quält Michka vor allem auch noch der Gedanke, dass sie sich nie bei dem Ehepaar bedankt hat, das sie vor vielen Jahren vor der Deportation gerettet hat – und Marie und Jerome geben alles, um dieses Ehepaar zu finden.

Ich mochte das Buch – vor allem, weil die Autorin trotz ihrer knappen und präzisen Sprache dennoch Emotionen bei mir geschaffen hat. Ich konnte Michkas Schmerz geradezu spüren, den Schmerz, bei wachem Verstand den körperlichen Verfall zu erleben, aber auch den Schmerz um verlorene Chancen, ihren Schmerz, dieses ihr Leben rettende Ehepaar nicht mehr aufgesucht zu haben. Michka hat mich sehr gerührt und ich habe den Schmerz des Altwerdens hautnah gespürt. Und trotz des ganzen Schmerzes hat die Geschichte am Ende bei mir ein gutes Gefühl zurückgelassen, denn Michka findet doch noch Ruhe und ist mit sich im Reinen – sie ist dankbar. Jerome mochte ich auch sehr, er hat einfach eine sehr gefühlvolle, aber unaufdringliche Art zu helfen – er ist wirklich ein wahrer Freund, genauso wie Marie, von der man im Verlauf erfährt, was sie genau mit Michka verbindet.

Nicht so gefallen hat mir die Kürze der Geschichte – ich hätte mir gewünscht, mehr über das Ehepaar zu erfahren, über die Suche und auch über die Zeit, die Michka bei ihm verbracht hat. Das war mir zu knapp erzählt. Trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein berührendes Buch, das den körperlichen Verfall einer alten Dame zeigt und den Schmerz, den sie dabei empfindet. Trotzdem ist das Ende versöhnlich und hat mich zufrieden zurückgelassen. Der Schreibstil ist knapp und präzise, trotzdem schafft er es, Emotionen zu erzeugen. Ich mochte das Buch und gebe ihm 4 von 5 Sternen.