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Benutzername: Sabine
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Bewertungen

Insgesamt 379 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2020
Der Wert des Kois (eBook, ePUB)
Fiebig, Daniela M.

Der Wert des Kois (eBook, ePUB)


sehr gut

Ich wäre auf das Buch mit diesem ungewöhnlichen Cover wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden, wäre es mir nicht persönlöich empfohlen worden - nach Lesen des Klappentextes war ich dann aber sehr neugierig auf die Geschichte. Und ich muss sagen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden.

Es war sehr leicht, in die Geschichte reinzukommen, weil die Autorin einen angenehmen Schreibstil hat, der leicht zu lesen und modern ist, dabei auf den Punkt kommt, ohne komplizierte Schleifen zu drehen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Johanna, die nicht nur mit dem Unfalltod der eigenen Mutter vor Jahren hadert, sondern vor allem auch mit dem aktuellen Suizids eines guten Freundes. Die Frage, warum er das getan hat, quält sie sehr – und je mehr sie sich auf die Suche nach dem Grund macht, desto mehr gerät auch ihre Sicht auf die eigene Vergangenheit aus den Fugen.

Es ist eine interessante Mischung aus Kriminalroman und Vergangenheitsbewältigung, und auch wenn ich den im Verlauf der Geschichte aufkommenden Twist geahnt habe, war es doch interessant, Johanna zu begleiten. Zu sehen, wie sie nicht aufgibt, obwohl es ihr nicht leicht gemacht wird, wie sie trotz aller Wände, vor die sie läuft und trotz aller Steine, die man ihr in den Weg legt, immer weiter sucht nach dem Grund von Dennis Suizid – und als sich dann abzeichnet, dass auch sie in allem irgendwie mit drinsteckt, scheut sie nicht die Konfrontation mit dem eigenen Ich.

Johanna wirkt zu Beginn gar nicht so kämpferisch, sondern eher zurückhaltend – obwohl offensichtlich ist, dass der Tod ihrer Mutter ihr eigenes Leben deutlich auf den Kopf gestellt hat und sie ihrem Vater zürnt, geht sie das Problem nicht an , sondern hat sich einen Weg gesucht, damit zu leben. Erst der Tod ihres guten Freundes Dennis legt bei ihr einen Schalter um, und sie lässt nicht los, bevor sie nicht alles weiß. Das hat mir sehr gut gefallen und sie zu einer starken Frau gemacht. Mit ihrem Ex-Freund Felix als auch mit Sebastian, dem Psychotherapeuten von Dennis, wurde ich nicht so recht warm. Beide konnte ich in ihrem Handeln nicht verstehen, auch wenn sich das im Laufe des Buches dann erklärt – trotzdem habe ich sie beide nicht als warmherzig oder liebenswert empfunden. Angedeutet wird im Klappentext ja eine Liebesgeschichte – die nimmt aber keinen großen Raum ein (was ich gut fand), Mittelpunt war vielmehr diese Kriminalgeschichte, die Suche nach der Lösung des „Warums“.

Gefehlt hat mir insgesamt ein wenig Emotion – zwar reagiert Johanna verstört auf die Nachricht des Todes ihres guten Freundes, insgesamt schien sie mir aber trotzdem wenig berührt, und ein Trauergefühl habe ich ihr nicht richtig abgenommen.

Trotz dieser kleinen Kritik mochte ich das Buch sehr gerne und war gefesselt und neugierig, ob das, was ich mir als Erklärung zusammengereimt hatte, auch wirklich so stimmt. Ich empfehle das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Wer eine traurige und emotionale Geschichte erwartet, der wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, denn im Vordergrund steht mehr die Frage nach dem Warum eines Selbstmords, der scheinbar wie aus dem Nichts geschieht. Spannend ist diese Suche und bringt immer wieder neue Aspekte ans Tageslicht, bis sich am Schluss alles zu einem erklärenden Bild zusammensetzt. Ich mochte die moderne und gut zu lesende Sprache, nur ein bisschen mehr Emotion hätte ich mir doch gewünscht. Ich gebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 15.03.2020
Das Haus der Frauen
Colombani, Laetitia

Das Haus der Frauen


ausgezeichnet

Ich mochte „Der Zopf“ von Laetitia Colombani sehr gerne – und auch wenn ich den KLappentext gar nciht so ansprechenda fand, hat mich die Autorin wieder begeistern können.

Es gibt zwei Erzählstränge, deren Verbindung aber sehr schnell klar ist. Beide spielen in Paris, der eine in der Gegenwart, der andere ab dem Jahr 1925. Die Rechtsanwältin Solène rutscht in ein Burn-out – um ihrem Leben wieder einen gewissen Sinn zu geben, engagiert sie sich ehrenamtlich als „öffentliche Schreiberin“ im „Palast der Frauen“. Dieser wurde von Blanche Peyron erbaut, deren Lebensgeschichte man im zweiten Erzählstrang verfolgt.

Eigentlich ist die Geschichte sehr unaufgeregt, und man könnte durch den ruhigen Erzählstil meinen, alles plätschert nur vor sich hin. Die Schicksale der Frauen im Palast werden nur knapp skizziert und angeschnitten, und auch im Erzählstrang von Blanche herrscht eine ganz eigene Distanziertheit – und trotzdem hat mich die Gehsichte berührt. Ich konnte mich gut in Solène hineinversetzen und habe an sehr vielen Stellen mit ihr gefühlt und gelitten. Sowohl das Gefühl des nicht-gebraucht-Werdens als auch die dann doch aufkommende Begeisterung für die Sache fand ich sehr stark erzählt – und auch wenn die einzelnen Schicksale der Frauen nur gestreift wurden, haben sie mich gepackt. Gerade das zum Ende des Buches geschilderte Schicksal hat mich richtiggehend erwischt und auch ohnmächtig gemacht.

Ich hatte von diesem „Haus der Frauen“ nie gehört und war sehr angetan von der Idee, ein Haus für Frauen ohne Obdach zur Verfügung zu stellen. Die Kraft und Energie, die Blanche an den Tag legt, um ihr Projekt durchzusetzen, ist großartig und auch unglaublich. Sich selbst hat sie völlig hinten angestellt und tatsächlich bis an ihre eigenen körperlichen Grenzen gearbeitet. Sie muss eine großartige Persönlichkeit gewesen sein, die ein „Nein“ nicht kannte, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat und die durch ihre Ausstrahlung Unglaubliches erreichen konnte. Und dass dieser Frauenpalast immer noch Bestand hat, bestätigt noch mal mehr, wie wichtig dieses Thema ist.

Obwohl ich den Schreibstil von Laetitia Colombani eher als einfach bezeichnen würde, hat er doch Atmosphäre geschaffen und mich auch völlig eingenommen. Es ist eine eher traurige Grundstimmung, die über allem liegt und dennoch aber konnte ich auch Kraft und Stärke spüren – und gerade am Ende überwiegt dann diese positive Energie und hat mich sehr versöhnt zurückgelassen.

Bewertung vom 10.11.2019
#KillTheRich - Wer Neid sät, wird Hass ernten
Fassnacht, Lucas

#KillTheRich - Wer Neid sät, wird Hass ernten


gut

Ich habe mich sehr schwer getan mit dem Buch obwohl ich den Plot sehr interessant finde und durchaus auch für realistisch halte. Trotzdem habe ich leider nicht den Punkt erreicht, wo mich die Geschichte fesseln konnte – so dass ich nach 135 Seiten aufgegeben habe – und da man hier nicht keine Bewertung abgeben kann, nehme ich „die goldene Mitte“.
Grundsätzlich mochte ich den Schreibstil des Autors, trotzdem war es anstrengend und sehr verwirrend zu lesen. Nicht nur, weil es viele Personen gibt und ich immer wieder ihre Funktion nachschlagen musste, sondern vor5 allem weil so unglaublich viele Abkürzungen auftauchen, die mir größtenteils nicht geläufig sind und die ich dann auch nachschlagen musste – das hat meinen Lesefluss doch sehr gestört. Außerdem fand ich die Geschichte langatmig, vielleicht auch, weil mich die politzischen Machenschaften nicht so richtig interessiert haben und mich so auch nicht fesseln konnten. So richtig hat sich mir auf den ersten Seiten nicht erschlossen, worum es geht und leider war auch Conrada keine Protagonistin, die ich mochte und mit der ich gefiebert habe. Sie stellt ihre politischen und beruflichen Interessen über ihre privaten und familiären – bis zu einem gewissen Punkt zwar okay, aber mir war es zu viel.
Vielleicht hätte ich dranbleiben sollen, weil es dann doch noch spannend wird, letztlich aber haben mich diese ersten Seiten schon sehr gequält, dass ich einfach die Lust verloren habe. Ich empfehle, in eine Leseprobe reinzulesen, ob man mit dem Schreibstil klarkommt – dann kann hinter diesem Plot bestimmt eine spannende Geschichte stecken.

Bewertung vom 26.07.2019
Das Erbe
Sandberg, Ellen

Das Erbe


gut

Es war mein erstes Buch von Ellen Sandberg, so dass ich ohne große Erwartungen an den Roman herangegangen bin – zwar fühlte ich mich gut unterhalten, habe an der einen oder anderen Stelle jedoch auch ein paar Kritikpunkte.
Das Thema dieses Buches fand ich interessant – auch wenn die Umsetzung nicht immer gelungen war. In der Gegenwart erbt Mona ein Haus in München. Doch schon bald gibt es Familienkrach darüber, dass sie geerbt hat, und Mona fängt nach einigen Andeutungen durch ihre Familie an, in der Vergangenheit zu stöbern. Die andere Zeitebene ist dann die der 1930er Jahre. Hier steht die junge Klara im Mittelpunkt, deren Eltern das Haus erwerben – doch fraglich ist, ob der Weg ein ganz legaler war.
Beide Erzählstränge sind interessant, und in beiden habe ich mich wohlgefühlt und mit den Charakteren gefiebert. Nach und nach gibt es immer mehr Geheimnisse, so dass ich rasch durch das Buch geflogen bin, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Zwar sind einige Dinge vorhersehbar und genau die sind dann auch so eingetreten, trotzdem war ich gespannt und in der Geschichte gefangen.
Nicht so gefallen haben mir aber die Charaktere, die mir einfach zu überzeichnet waren - zwar braucht die Geschichte an gewissen Stellen bestimmte „Typen“, aber gerade die Gutmenschen waren mir einfach zu extrem dargestellt, als dass sie noch glaubhaft wirkten. Auch andere erfüllten Klischees mehr als nötig, wie zum Beispiel der Harz-4-Empfänger, wo wirklich kein Vorurteil ausgelassen wird. Diese Übertreibung der Stereotypen hätte die Geschichte einfach nicht gebraucht, deshalb haben sie mir auch nicht gefallen.
Auch die Sprache hat mir nicht richtig zugesagt – der Schreibstil ist sehr einfach und schlicht und erinnert an manchen Stellen eher an einen Schulaufsatz. So ist das Buch zwar leicht zu lesen, an manchen Stellen aber ist mir dieser platte Stil eher sauer aufgestoßen.
Trotzdem wurde ich insgesamt gut unterhalten, so dass ich wegen meiner Kritikpunkte knappe 4 von 5 Sternen vergebe.

Bewertung vom 09.05.2019
Cows
O'Porter, Dawn

Cows


sehr gut

Ein Buch, zu dem ich nicht gegriffen hätte, wenn ich es nicht als Buchflüsterer zugesandt bekomme hätte, denn weder Cover noch Klappentext haben mich sehr angesprochen – umso erstaunter war ich, dass mich das Buch begeistert hat und ich mit jeder Seite mehr und mehr in die Geschichte gezogen wurde.
Es geht um drei Frauen, deren Erzählstrenge zunächst parallel laufen und erst nach und nach miteinander verwoben werden. Tara ist Anfang vierzig und alleinerziehende Mutter aus Überzeugung. Unfreiwillig gerät sie durch einen wahnwitzigen Fehltritt in die Medien und weiß nicht, diesem gegen sie gerichteten Wahn zu entgehen. Cam ist eine Life-Style-Bloggerin und hat sich dem Feminismus verschrieben. Sie schreibt offen und furchtlos über verschiedene Themen und hat eine große Fangemeinde. Stella ist eine junge Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, doch ihr läuft die Zeit weg, weil sie das Brustkrebsgen in sich trägt.
Die Autorin hat einen sehr direkten Schreibstil und nimmt kein Blatt vor den Mund – und da zwei der drei Erzählstränge in Ich-Perspektive geschrieben sind, ist man den Charakteren sehr nah. Dawn O’Porter will provozieren – und das schafft sie auch. An vielen Stellen war ich schockiert, manchmal auch überrascht, einige Male auch verständnislos über das, was die drei Frauen sagen, machen und auch tun. Dabei hat diese direkte Art bei mir richtig eingeschlagen – und so sehr ich manches Verhalten auch verurteile, so sehr gefällt mir doch die Botschaft, die die Autorin mit allen drei Schicksalen verfolgt: gehe deinen eigenen Weg und folge nicht der Herde. Insofern finde ich das Buch ein wichtiges, auch wenn der Stil und auch die Charaktere sicher nicht jedem zusagen und gefallen werden.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen – eine tolle Botschaft, wenn auch provokant hervorgebracht. Lediglich das Ende war mir ein wenig zu süss und rund, trotzdem gebe ich gerne gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Sicherlich nicht ein Buch für jedermann bzw. –frau, denn es ist provokant, nicht nur im Inhalt, sondern auch im Ausdruck. Mir aber hat das gefallen - die aufgegriffenen Themen sind wichtig und vermitteln eine tolle Botschaft. Von Seite zu Seite bin ich immer weiter in die Geschichte der drei Frauen reingesogen worden – lediglich das Ende war mir zu rund. Trotzdem wurde ich gut unterhalten und gebe gute 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 31.12.2018
Traum des Lebens
Archer, Jeffrey

Traum des Lebens


sehr gut

Ich hatte hohe Erwartungen an das neue Buch von Jeffrey Archer, da ich seinen Schreibstil sehr mag und die Atmosphäre, die er schafft; und tatsächlich hat mich der Autor auch diesmal wieder packen können, und ich habe den Schmöker in kurzer Zeit durchgelesen.

Die Idee des Buches finde ich grandios – der junge Alexander flüchtet mit seiner Mutter aus Russland, und eine Münze entscheidet, ob es nach England oder nach Amerika geht. Doch der Autor entscheidet sich dann nicht für einen Weg, sondern spinnt zwei Geschichten – was ist aus Alexander geworden, den es in die Staaten verschlagen hat, was aus Sascha, der in London gelandet ist. Beide Handlungsstränge waren interessant, und obwohl sie eigentlich gar nicht so unterschiedlich waren und es einige Gemeinsamkeiten in den beiden Lebenswegen gab, sind es doch zwei ganz verschiedene Geschichten mit zwei unterschiedlichen Protagonisten.

Wer Jeffery Archer kennt, weiß um seinen einnehmenden Schreibstil. Nicht nur, dass er gut und flüssig zu lesen ist, wird zudem noch eine unglaubliche Atmosphäre aufgebaut, und es entsteht ein ganz eigener Sog, der mich nur schwer das Buch hat aus der Hand legen lassen. Immer abwechselnd wird die Geschichte von Alex und Sascha erzählt – kleine Cliffhanger am Ende eines Kapitels halten die Spannung hoch. Der Protagonist Sascha bzw. Alex war mir sehr sympathisch, auch wenn er nicht an den Charme des Protegierten der Clifton-Saga herankommt. Trotzdem habe ich die beiden auf ihren unterschiedlichen Lebenswegen gerne begleitet. Nicht so gelungen finde ich die sehr stereotype Schwarz-Weiß-Malerei ¬- es gibt tatsächlich nur die Guten und die Schlechten und leider hat ein Guter überhaupt keine Ecken oder Kanten und die Schlechten sind tatsächlich nur eins: durch und durch böse. Das wirkt auf mich leider wenig glaubhaft und nimmt der Geschichte viel Authentizität.

Schade fand ich auch, dass es wieder ähnliche Themen wie in der Clifton-Saga sind, die aufgegriffen werden – es geht um Wahlen und Politik, um Schmuggel und Betrug, um Aufstieg und Fall. Wer bisher noch kein Buch des Autors gelesen hat, dem wird das bestimmt sehr gut gefallen, ich dagegen hatte leider an einigen Stellen Déjà-vus. Trotzdem ist die Geschichte sehr unterhaltsam und vermochte auch zu fesseln. Gerade auch einige Anspielungen auf tatsächlich existierende Politiker mochte ich oder auch das Wiedersehen von Figuren aus der Clifton-Saga.

Auch wenn ich einige Parallelen zu anderen Büchern des Autors erkennen musste, wurde ich gut unterhalten und hatte schöne Lesestunden – ich gebe 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 26.09.2018
Ich komme mit
Waldis, Angelika

Ich komme mit


gut

Dieses Buch hat es mir sehr schwer gemacht – Inhalt und Idee finde ich großartig, der Schreibstil dagegen hat mir gar nicht zugesagt und das Lesen für mich an vielen Stellen zur Qual werden lassen.

Im Mittelpunkt stehen Lazy und Meier. Lazy ist 20 und an Leukämie erkrankt, Meier ist eine 72-jährige Witwe und des Lebens etwas überdrüssig. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf den ersten Blick plump und bissig erscheint, auf den zweiten Blick aber liebevoll und voller Gefühl ist.

Die Idee der Geschichte ist nicht neu, dennoch aber hat sie mich angesprochen, was vor allem an der Umsetzung lag. Die Charaktere sind alles andere als stereotyp, richtige Charakterköpfe mit Ecken und Kanten. Lazy lernt man zu Beginn seines Studiums kennen, als er glückliche Tage mit seiner geliebten Freundin verbringt. Er hat ein großes Herz, auch wenn seine Sprüche manchmal frustriert klingen und voller Ironie stecken, was sicherlich auch seiner Krankheit geschuldet ist. Die Beziehung endet genau durch diese, und als sich abzeichnet, dass er den Kampf gegen die Leukämie verliert, steht seine schrullige Nachbarin Meier bereit. Sie fühlt sich einsam und ist des Lebens etwas müde. Sie wirkt verhärmt und hat den Spaß am Leben verloren, was man ihr und dem, was sie sagt, auch anmerkt. Trotzdem hat sie ein großes Herz und auch wenn der Ton zwischen den beiden ungewöhnlichen Menschen oft etwas harsch ist, kann man zwischen den Zeilen auch eine Menge Liebe erkennen.
Was es mir wirklich schwer gemacht hat, ist der Schreibstil – es gibt viele kurze, abgehackte Sätze, die mir das Lesen sehr schwer gemacht haben, weil einfach kein Lesefluss entstanden ist. Dabei sind manche Sätze voller Kraft und mit toller Botschaft, trotzdem konnte ich mich mit diesem stakkatoartigen Schreibstil einfach nicht anfreunden. Er schafft eine ganz eigene Atmosphäre und hat die Charaktere entfernt und distanziert erscheinen lassen, was für mich nicht zur Geschichte gepasst hat, denn die ist emotional und voller Wärme. Daher wäre ich den Figuren viel lieber nahe gewesen, so aber habe ich alles nur von außen betrachtet.
Die Geschichte selber hätte von mir gute 4 Sterne bekommen, der Schreibstil hat mich das Buch fast abbrechen lassen – insgesamt gebe ich daher 3 Sterne.

Bewertung vom 29.06.2018
Shark Club - Eine Liebe so ewig wie das Meer
Taylor, Ann Kidd

Shark Club - Eine Liebe so ewig wie das Meer


gut

Vom Cover her dachte ich, es wäre eine einfache Liebesgeschichte; aber hinter dem sommerlichen, farbenfrohen Buchdeckel verbirgt sich noch viel mehr. Die Tochter von Sue Monk Kidd hat in ihrem Debütroman viel Schreibtalent bewiesen – trotzdem hat sie mich nicht ganz überzeugen können.

Es ist vor allem der Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat und der eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Er ist leicht zu lesen, voller Poesie und Wärme, voller Liebe zu dem, was sie gerade beschreibt, insbesondere, wenn es um die Tiere geht. Und die spielen in der Geschichte eine große Rolle – nicht so sehr, dass sie die Handlung vorantreiben, sondern eher, weil man die Leidenschaft der Autorin für das Meer und deren Bewohner bemerkt. Mir war das an einigen Stellen zu viel der ausführlichen Beschreibungen, und ich hätte sie in dieser Detailverliebtheit nicht gebraucht. Sicher aber werden viele genau das mögen – und zugegeben gibt das auch Möglichkeit, in eine andere Welt abzutauchen.

Lieber wäre mit diese Intensität bei der Charaktergestaltung gewesen. Es gibt einige Figuren, die in der Geschichte auftauchen, doch leider bleiben sie oft nur flach angelegt, obwohl es doch viel Potential gäbe, sie mehr auszuarbeiten. Zwar hat jeder eine eigene Geschichte, die wird aber immer nur kurz umrissen – da hätte ich mir mehr Tiefe und Ausführlichkeit gewünscht. Denn an Ideen mangelt es der Autorin nicht. Es gibt viele verschiedene Themen, die angeschnitten werden, vielleicht sind manche etwas klischeehaft, dennoch aber bieten sie Stoff für eine schöne Geschichte. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Vertrauen und Verlust, um Engagement und Lebensaufgaben. Und mit dem gefühlvollen Schreibstil hätten manche Themen noch mehr gewinnen können, wenn sie ausführlicher auf sie eingegangen wäre.

Die Geschichte selber ist leider doch eher eine klassische Dreiecksgeschichte – und die hat mich leider nicht fesseln können. Es ist lediglich dem Stil zu verdanken, dass ich beim Lesen dann doch auch meine Freunde hatte, denn hineinversetzen in die Taten und Gedanken der Protagonistin konnte ich mich nicht – da hat auch nicht geholfen, dass sie als Ich-Erzählerin auftritt und man als Leser ihr ja so sehr nahe ist bzw. sein soll.

Die Autorin hat auf jeden Fall Schreibtalent, die Geschichte selber konnte mich dann leider nicht ganz überzeugen. Da mir aber die Atmosphäre und der Schreibstil so gut gefallen haben, gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein wunderbarer Schreibstil voller Poesie und Wärme, eine einnehmende Atmosphäre, die den Leser in warme Gewässer entführt und eine Liebesgeschichte, die leider doch eher einem klassischen Liebesdreieck entspricht – so richtig überzeugen konnte mich die Autorin nicht, trotzdem hat mich die Stimmung im Buch beeindruckt, so dass ich 3,5 von 5 Sternen vergebe.

Bewertung vom 16.02.2018
Das Geheimnis des Glasbläsers
Dorweiler, Ralf H.

Das Geheimnis des Glasbläsers


sehr gut

Von der ersten Seite an war ich gefesselt, und ich konnte das Buch nur schlecht aus der Hand legen - ein wirklich toller Abenteuerroman!

Im Mittelpunkt steht der junge Glasbläser Simon, der im Auftrag Kaiser Friedrich III. das Geheimnis des Kristallglases lüften soll. Was zunächst ganz einfach klingt, entpuppt ich bald zu einer gefährlichen Reise, die ihn nicht nur nach Italien führt, sondern auch ins ferne osmanische Reich. Zum Glück ist Simon nicht alleine und kann auf seine Freunde zählen.

Schon der Einstieg ist wirklich gelungen und sofort war ich mittendrin in der Geschichte. Simon ist ein sympathischer Protagonist, der manches Mal ein wenig tollpatschig und naiv wirkt, im Laufe seiner Abenteuer dann aber doch einiges dazu lernt. Zum Glück hat er Ulf dabei, ein einfältiger, dafür aber sehr sensibler Freund, der Simon durch sein gutes Menschengespür aus mancher Patsche wieder raushilft. Und die gibt es zuhauf. Simon lässt keinen Fettnapf aus und einige Male habe ich mich gefragt, wie ein Mensch so viel Pech haben kann – dann aber auch, wie viel Glück, denn immer wieder kann er sich aus zunächst unwegsam erscheinenden Situationen retten.

Während seiner Reise lernt er viele andere Menschen kennen, manche sind ihm wohlgesonnen, manche dagegen nicht. Alle Charaktere aber sind lebendig und gut gezeichnet – da gibt es keinen, der einfach nur böse oder gut ist, jeder hat verschiedene Seiten, und bei den Hauptfiguren lernt man auch deren Geschichte kennen, so dass man besser versteht, warum sie jetzt so und nicht anders handeln.

Der Autor hat zudem sehr gut recherchiert und ich habe einiges über die Glaskunst gelernt. Gelungen ist auch die Einbettung der Geschichte vor dem historischen Hintergrund – so habe ich ganz nebenbei auch noch etwas Geschichte gelernt.

Der Schreibstil ist sehr lebendig und schafft eine unglaubliche Atmosphäre. Ich fühlte mich zurückversetzt in die damalige Zeit, trotzdem bleibt er gut und flüssig zu lesen. Der Autor versteht, Spannung aufzubauen, sie zu halten und dann doch stetig zu steigern. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz und es gab einige Szenen, die mich wirklich zum Schmunzeln gebracht haben.

Obwohl ich sonst nie etwas zur Gestaltung eines Buches sage, möchte ich diesmal den wunderbaren Einband und Gestaltung der Innenseiten mit Landkarten und vor allem die Bindung loben, die sehr gut in der Hand liegt und bei der man sich keine Gedanken über Leseknicke machen muss.

Ich hatte tolle und abenteuerliche Lesestunden – an manchen Stellen war mir nur der Zufall zu häufig im Spiel. Trotzdem empfehle ich dieses Buch gerne weiter und gebe gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine tolle Abenteuergeschichte, die den Leser ins Jahr 1452 entführt und bei der im Mittelpunkt die Glasbläserkunst steht. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, der Schreibstil gewinnend und sehr lebendig, die Spannung konstant hoch – lediglich die vielen Zufälle, die dem Protagonisten zuspielen, haben mich ein wenig gestört, trotzdem hatte ich tolle Lesestunden und gebe gute 4 von 5 Sternen.

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Bewertung vom 16.02.2018
Before you go - Jeder letzte Tag mit dir
Swatman, Clare

Before you go - Jeder letzte Tag mit dir


gut

Auch wenn dieses Genre sicher nicht zu meinen Lieblingsgenres gehört, war ich dennoch neugierig, wie der interessant klingende Plot umgesetzt wurde. Leider hat mir das Buch gar nicht gefallen, ich bin aber trotzdem sicher, dass es seine Anhänger finden wird.

Es ist eine „Zweite-Chance-Geschichte“, die im Ansatz wirklich gut klang. Zoe fällt in ein tiefes Loch, als ihr Mann Ed plötzlich durch einen Unfall stirbt, vor allem bereut sie die ganzen Streitereien, obwohl sie Ed doch abgöttisch geliebt hat. Nach einem Sturz auf den Kopf wacht sie in der Vergangenheit wieder auf und sieht nun ihre Chance, das Schicksal in andere Bahnen zu lenken.

Mir war die ganze Geschichte zu seicht – und letztlich haben mich dann auch das Ende und die Auflösung sehr enttäuscht. Mit Zoe konnte ich nicht wirklich viel anfangen, Ed war mir da viel sympathischer. Da das Buch aber in Ich-Form aus Sicht Zoes geschrieben ist, bekommt man natürlich viel mehr Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Und das ist ein wirkliches Wechselbad – entweder streiten die beiden oder sie schwören sich ewige Liebe und feiern diese dann. Mir war das zu dramatisch – auch wenn die beiden schwere Zeiten durchmachen und ich manchen Konflikt auch nachvollziehen konnte. Trotzdem war mir die ganze Geschichte zu „gefühlsdusselig“, mich hat sie trotz der vielen sowohl traurigen, als auch schönen Momente einfach nicht berühren können – vielleicht weil es einfach zu viel Extreme waren.

Der Schreibstil ist sehr einfach, es gibt viel wörtliche Rede und so sind die Seiten rasch dahingeflogen. Gefesselt war ich aber nicht, und letztlich war ich auch gar nicht neugierig, ob Zoes Plan aufgeht – das Ende hat in meinen Augen dann noch einen obendrauf gesetzt, so dass ich leider insgesamt die Geschichte als kitschig empfunden habe und so nur 3 von 5 Sternen vergeben kann.