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Benutzername: Clausi80
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 15 Bewertungen
12
Bewertung vom 24.05.2011
Die Nächste, bitte
Morgowski, Mia

Die Nächste, bitte


sehr gut

Ich hatte von dem Buch nicht viel erwartet, trotz der netten Leseprobe klang es nach einem eher belanglosen, durchschnittlichen „sie stritten sich und dann verliebten sie sich“-Roman. Wirklich bewahrheitet hat sich diese Befürchtung ein Glück nicht.

Paul Rosens Traum: Er will Schönheitschirurg werden, bevorzugt in warmen Gefilden und mit vielen prominenten Menschen als Patienten. Doch statt in Nizza & Co. diesen Traum zu verwirklichen, sitzt Paul nach seinem Medizin-Studium in der väterlichen Praxis im, oh mein Gott, provinziellen Hamburg fest und vergnügt sich mit einer Frau nach der anderen. Er wittert seine Chance, als er zum Probearbeiten für eine lukrative Teilhaberschaft einer Schönheitsklinik in die Schweiz fliegen darf. Doch die Sache hat einen Haken – Pauls potentieller Chef besteht darauf, dass sein Partner verheiratet sein muss, damit er nicht den Patientinnen schöne Augen macht. Zu allem Überfluss sitzt dann auch noch die Irre aus der letzten Sprechstunde in Pauls Flugzeug; die, der er angeblich so wirkungsvolle Mittel gegen Flugangst verschrieben hat.

Nach einem etwas zähen Start – die Einführung Pauls, seiner Motive, Vorstellungen und der generellen Handlung – gewinnt der Roman deutlich an Schwung, vor allem durch den ständigen Perspektivwechsel zwischen Paul und Nella. Die ganz fabelhafte Chemie (explosiv!) zwischen den beiden tut ihr übriges – drauf den ersten Blick gibt es kaum Menschen, die weniger zusammenpassen würden als Paul und Nella. In Gedanken verflucht Paul tausend Mal den Tag, an dem er Nella kennengelernt hat und der Inhalt von Nellas Tagebuch ist nicht viel freundlicher… Es knallt und kracht und es ist ein wahres Vergnügen, den beiden zuzuschauen, wie sie von einer furchtbaren Situation in die nächste schliddern. Allein das Ende wird ein bisschen sehr bemüht und konstruiert. Den durchaus positiven Gesamteindruck kann das jedoch auch nicht mehr sehr schmälern.

Bewertung vom 11.04.2011
Linksaufsteher
Sachau, Matthias

Linksaufsteher


weniger gut

Oliver Krachowitzer, frustrierter Werbesprecher, mag viele Dinge nicht. Seinen Job, die nervigen Agenturheinis Elvin und Adrian, die immer aufgedreht sind und die irrsten Ideen haben, und ganz besonders mag er eines nicht: Montage. Bereits in der Nacht vorher träumt er mies. So richtig mies. Jedes Mal. Dass dann seine Laune des Morgens nicht gerade rosig ist, versteht sich von selbst. Und immer geht irgendetwas schief am Montag, sei es, dass er sich in einer Hundeleine verheddert, über Passanten stolpert (und seine Wut darüber lautstark an diesen auslässt) oder dass er schon wieder das unerträgliche Neudeutsch-Gebrabbel von Elvin und Adrian ertragen muss. Doch während er meistens versucht, die Montage möglichst schnell aus seinem Gedächtnis zu streichen, geht ihm dieses Mal einfach die hübsche junge Frau nicht mehr aus dem Kopf, mit der er am Morgen zusammengestoßen ist …

Auf der Rückseite des Buches wird Kerstin Gier zitiert: "Mein letztes Buch von Matthias Sachau musste ich zweimal kaufen. Das erste ist mir vor lauter Lachen in die Badewanne gefallen." Ich glaube, das könnte mir bei diesem Buch auch passieren. Nicht dass zweimal kaufen. Eher das in die Badewanne fallen lassen. Bleibt nur die Frage, ob aus Versehen …

Fangen wir mit dem Positiven an: Ich habe herzlich gelacht über die Werbemenschen (zumindest zu Beginn) und die Einbindung von Facebook. Auch ruderfrosch und vor allem die Idee mit dem iKoffer waren toll. Die Verfolgungsjagd des Köffcherchens war auch noch nett, wenngleich schon hart an der Grenze zu „too much“.

Aber: Die Hauptfigur Oliver mochte ich ab etwa Seite 5 schon nicht mehr – ein Dauernörgler, der mit der Welt und sich unzufrieden ist, aber nichts dagegen tut. Er hat mich so aggressiv gemacht, dass ich wiederholt den Wunsch verspürte, ihn zu packen und kräftig mit dem Kopf gegen die Wand zu hauen. Ein ganz entscheidender Aspekt war zudem bereits auf Seite 30 klar (und damit *die* große Überraschung des Buches keine mehr) und die Szene mit der Hosenanprobe fiel ob des albernen Musik-Rumgehampels der Hauptperson in die Kategorie ‚Fremdschämen‘. Die Story ist überdreht und albern. Vieles, was in kleinen Dosen gut gewirkt hätte, erschlägt den Leser durch schiere Masse. Die Verehrung eines technisch weitentwickelten Koffers ist ja gut und schön – aber dass jemand den Koffer stiehlt, nur weil er ihn aus den Händen einer Spießerin befreien will? Also bitte …

Fazit: Alles in allem läuft dieses Buch noch unter „Naja, nette Unterhaltung und schnell durch“. Ich habe bereits schlechteres gelesen – aber auch unendlich viele bessere Bücher. Hätte man die Namen ausgetaucht, hätte es auch ein Buch aus der (mir ziemlich unsympathischen) „Hartmut und Ich“-Reihe sein können, so absurd und überzogen waren die Handlung und viele, viele Elemente. Mal sehen, wann ich den Mut habe, mich an das zweite Buch des Autoren zu wagen, das noch in meinem Regal steht.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.03.2011
Chill mal, Frau Freitag
Frau Freitag

Chill mal, Frau Freitag


weniger gut

„Chill mal, Frau Freitag“ – der Titel des Buches war gleichzeitig auch das Mantra, das mir während des Lesens dieses Buches immer und immer wieder durch den Kopf ging. Chill mal Frau Freitag – erst behauptest du, du würdest deinen Beruf lieben, ganz oft tust du das. Aber sowas von. Dann aber meckerst du die ganze Zeit nur über die Schüler, jammerst, wie schwer du es hast und dann freust du dich über jedes bisschen Zeit, zu dem du deine Schüler nicht sehen musst. Auweia.

Frau Freitag berichtet aus dem Alltag als Lehrerin von Schülern einer Brennpunkt-Schule. Die allesamt viel zu gute Noten von ihr bekommen – denn gute Noten bekommt man von ihr schon fürs Gut aussehen. Ja, ernsthaft. Voll krass, Alter – wie Frau Freitag vielleicht selbst sagen würde. Denn den Straßen-Slang ihrer Schüler hat sie sich schon ziemlich gut angewöhnt. Manchmal habe ich auch sehr lachen müssen, ob des Einfallsreichtums der Schüler oder der Türkischversuche ihrer Lehrerin. Aber eben nur manchmal. Meist kam dann doch nicht mehr als ein müdes Schmunzeln zustande.

Zurück bleibt der Eindruck: War das nun echt oder als Satire gemeint? Beides ist es zu einem Teil, aber nichts so richtig. Schade, dass das Buch zu Ende ist, ist es schon – doch vielmehr, weil ich gerne noch mehr von den Schülern erfahren hätte als auf den knapp 300 Seiten. Aber gerne mit und von einer anderen Lehrerin oder einem Lehrer. Noch einmal 300 Seiten einer wirren Zusammenstellung von Ereignissen und Klischees durch Frau Freitag würde ich glaube ich nicht verkraften.

1 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.02.2011
Die linke Hand des Teufels
Roversi, Paolo

Die linke Hand des Teufels


ausgezeichnet

Ein italienischer Krimi? Oh oh. Italien und ich sind irgendwie keine Freunde. Doch die Leseprobe las sich gut, und von daher wagte ich mich in das Abenteuer.

Enrico Radeschi, von Beruf Journalist, ist gerade auf Heimaturlaub im beschaulichen Örtchen Capo di Ponte Emilia. Seine Aufgabe: Den Catsitter spielen, während seine Eltern im Urlaub sind. Er kommt gerade pünktlich zum Ereignis des Jahres, einer Hand im Briefkasten – „fünf Finger, eine Handfläche, ein Gelenk und dann nichts mehr“. Und kurz darauf wird der Besitzer des Hauses, zu dem der Briefkasten gehört, auch noch umgebracht. Da muss doch ein Zusammenhang bestehen – findet auch Enricos Chef, der ihn von Mailand aus auf den Fall ansetzt und sofort den ersten Artikel haben will. Doch Enricos Chef ist nicht der einzige, der etwas von ihm will. Ein guter Bekannter von der Mailänder Polizei beordert ihn zurück in die Stadt. Eine junge Frau wurde ermordet. Und so beginnt Enrico, zwischen den beiden Verbrechensschauplätzen zu pendeln …

„Die linke Hand des Teufels“ liest sich schnell und gut, der Stil ist locker und mitreißend – man spürt förmlich die drückende Hitze, die auf Italien lastet. Die Figuren sind herrlich seltsam – Radeschi mit einem uralten Motorola, das fast den Geist aufgibt, das er trotzdem nicht hergeben will; der Mann mit einem Gürteltier als Haustier und die örtliche Dorfpolizei, die ihren Kaffe am liebsten mit Schuss trinkt. Und ja, sie trinken oft Kaffee.

Atmosphärisch dicht, kann der Roman jedoch mit seiner Handlung nicht ganz überzeugen. Die Figuren, plastisch angelegt, bleiben in ihren Taten trotzdem irgendwie leblos. Das Hauptproblem liegt jedoch in den zwei verschiedenen Verbrechens-Schauplätzen des Romans, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben. Was in der Planung sicherlich nach zwei sauber getrennten Geschichten aussah, die die Handlung komplexer und vielschichtiger machen sollen, entpuppt sich beim Lesen als Verwirrend. Zwar bleibt nach Abschluss des Romans (der zudem etwas plötzlich kommt) ein runder Eindruck und klarer Überblick über die Handlungsstränge zurück, doch während des Lesens gab es viele, viele Momente des „Hä?“ oder auch „Was hat denn das jetzt damit zu tun?“. Die vielen italienischen Berufsbezeichnungen und Namen taten ihr Übriges. Vermutlich wäre der Verzicht auf die parallele Handlung in Mailand und ein Ausbau der eigentlichen (und wirklich guten!) Geschichte dem Buch zuträglicher gewesen.

Fazit: Sehr italienisch. Etwas verwirrend. Aber trotzdem gute Unterhaltung, wenn man über die häufig auftretenden Momente hinwegsehen kann, in dem man als Leser wieder einmal nicht versteht, was eigentlich gerade los ist.

Bewertung vom 15.02.2011
Prophezeiung
Böttcher, Sven

Prophezeiung


ausgezeichnet

„Prophezeiung“ lässt sich im Prinzip in drei Worten zusammenfassen: Spannend, spannend und spannend. Was habe ich mitgefiebert, wie sehr wollte ich wissen, wie es weitergeht – und vor allem: Wie positiv war ich überrascht, nachdem ich einen 0815-Klima-Thriller erwartet habe.

Doch worum geht’s? Mavie, brillante Klimatologin, bekommt durch die Empfehlung ihres Mentors Prof. Eisele einen Job am renommierten und streng geheimen IICO, einer wissenschaftlichen Einrichtung auf Gran Canaria. Dort angekommen findet sie sich in einem Haufen merkwürdiger Gestalten wieder – von unfreundlich bis seltsam ist alles vertreten. Und Mavies Stimmung hebt sich nicht gerade, als ihr ein tolles Prognose-Tool vorgestellt wird, sie es aber nicht selbst nutzen darf. Spät Abends beschließt sie, sich auf eigene Faust umzusehen, knackt das Passwort – und entdeckt furchtbares, eine Vorhersage, nach der etliche hundert Millionen Menschen sterben werden. Bald. Sehr bald! Doch diese Prognose ist erst der Anfang. Wie es nicht anders sein kann, wird Mavie am Ende erwischt und fliegt hochkant raus, um sich danach in einer rasanten Jagd durch Deutschland, Frankreich und die Niederlande wiederzufinden, an deren Ende sogar ein wahnsinniger eine Atombombe werfen will. Auweia.

Ich habe mich während der gut 450 Seiten extrem gut unterhalten gefühlt, die meist angenehm kurzen Kapitel rasten nur so dahin. Zwar ist Mavie manchmal etwas naiv und unvernünftig, doch sie hat Biss und weiß, sich durchzusetzen. Und die Spannung zwischen ihr und Philipp ist fühlbar und der Leser fiebert mit, ob es mit den beiden noch etwas wird oder nicht. Ich kann gar nicht genau sagen, woran die Faszination von „Prophezeiung“ liegt. Es ist, trotz allem, eigentlich wirklich ein 0815-Klima-Roman – und doch wieder nicht. Die Idee ist halb innovativ, halb nicht, die Umsetzung dafür durch und durch gelungen, das Verwirrspiel, wer nun gut, wer böse höchst gelungen.

Etwas negativ fiel zum einen der unklare Zeitrahmen auf – wann spielt der Roman? Maximal sind es zwei oder drei Jahre in der Zukunft. Bevor man jedoch das herausfindet, ist die Mischung aus technischem Fortschritt und altbekannten Dingen wie des Web 2.0 etwas verwirrend. Zum anderen verliert das Buch zum Ende hin etwas und verliert sich in einem Durcheinander aus Handlungen, Personen und Erklärungen. Glücklicherweise fällt dies nur auf, weil die Geschichte den Rest der Zeit (die ersten 400 Seiten) nach einem starken Start auf einem sehr hohen Level verbleibt. Und schließlich entschädigen der gute Epilog, welcher den Prolog erklärt, sowie die tollen Danksagungen incl. „Literaturempfehlungen“ und hinterlassen ein rundum gutes Bild. Tolles Buch, sehr gelungen.

Bewertung vom 18.01.2011
Spa-Geflüster
Weldon, Fay

Spa-Geflüster


weniger gut

Phoebe Fox fällt zuhause die Decke auf den Kopf – und das ist wörtlich zu nehmen. Eine vergessene Badewanne hat ihr Zuhause unter Wasser gesetzt. Zu allem Überfluss fliegt ihr Mann zu seiner kranken Mutter – und sie kann nicht mit, da es nur noch einen Platz im ausgebuchten Flieger gab. Nicht, dass sie böse ist, nicht mitzukommen – doch Weihnachten alleine im feuchten Heim zu sitzen ist auch nicht schön. So kommt die Anzeige eines exklusiven Spas gerade recht – Wellness-Weihnachten sozusagen. Vor Ort trifft Phoebe auf eine Reihe anderer Frauen und jede hat ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen …
Die Idee klang so gut, die ersten Seiten versprachen viel – eine atmosphärisch dichte Sammlung faszinierender Geschichten. Doch der Stil des Ganzen, der zu Anfang noch spannend wirkte, wird allzu schnell öde, alles schleppt sich dahin, nichts passiert – und gleichzeitig wirkt alles zerfahren, hektisch, oberflächlich. Die Figuren bleiben konturlos, die Geschichte im Spa ohne Tiefe. Und die Lebensbeichten der Frauen? Auch wenn einige gute Ideen vorhanden sind (z.B. die Geschichte der Journalistin) so wirken die zu gezwungen außergewöhnliche Vorkommnisse, die zu dick aufgetragenen Erzählungen, schnell aburd.
Spa-Geflüster? Eher Spa-Geplapper. Pausenlos und irgendwann nur noch nervig. Fazit: Naja. Idee gut, Umsetzung nur mäßig gelungen.

Bewertung vom 15.01.2011
Ausgebucht
Wolff, Steffi von

Ausgebucht


gut

Ich habe vor einiger Zeit bereits ein Buch von Steffi von Wolff gelesen („Die Knebel von Mavelon“) das mir nicht so ganz zugesagt hat – die Ideen waren nett, die Witze leider oft etwas platt und der Stil nicht meiner. Dementsprechend habe ich dann etwas gezögert, mir die Leseprobe für „Ausgebucht“ anzusehen – war aber positiv überrascht und beschloss, es auf einen zweiten Versuch ankommen zu lassen. Mein erster Gedanke, als ich das Buch endlich in den Händen hielt: „200 Seiten mit so großer Schrift sind schnell durch.“ Ob das nun positiv oder negativ sein wird, wird sich zeigen.

Die Geschichte: Dine und Katinka, die ewig streitenden Zwillinge, erben von ihrer recht extravaganten Ur-Großmutter (gestorben mit 95 Jahren im eigenen Bordell) ein Hotel in der Nähe von Sankt Peter-Ording. Von Frankfurt aus machen sie sich auf den Weg, die Bedingungen zu erfüllen, die ihre Ur-Oma ans Erbe geknüpft hat – das Hotel zu renovieren und anschließend drei Monate voll ausgebucht zu bekommen. Zumindest versuchen sie es – die Menschen, denen sie begegnen machen es ihnen nicht gerade leicht und sind gruselig (Gäste in der Kneipe), merkwürdig (Bendix, dessen Lieblingswort ‚Jo‘ zu sein scheint und dessen Pferd „der Alte“ den Zwillingen auf Schritt und Tritt folgt) oder gar schrullig (Bendix‘ Frau, die seit 45 Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen hat, aus Angst vor den Russen). Wie soll das nur weitergehen?

Es geht weiter – für Dine und Katinka gut, für den Leser nicht wirklich. Halt, doch – die 200 Seiten habe ich an einem einzigen Tag geschafft. Aber sonst? Die Handlung wirkt konstruiert, manchmal sogar wirr. Die allermeisten Figuren sind trotz guter Ideen eher nervig als sympathisch, die Rivalität der Zwillinge ist zu extrem. Oft vermischen sich fiktive Elemente, die eher in einer Parodie etwas zu suchen hätten mit realen – sehr verwirrend. Die Negativpunkte sind leider wieder genau die, die mich an „Die Knebel von Mavelon“ gestört haben. Genauso wie jenes Buch ist aber dieses, wenn man über die Schwächen hinwegsieht, durchaus noch unterhaltsam. Und das Cover ist hübsch quietsch-grell-bunt. Das ist doch auch schon was.

2 von 7 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.05.2010
Die fünfte Kirche / Ein Merrily-Watkins-Mystery Bd.3
Rickman, Phil

Die fünfte Kirche / Ein Merrily-Watkins-Mystery Bd.3


ausgezeichnet

Ein wenig kam mir beim Lesen des Buches die Fernsehserie "Buffy" und die dort im Mittelpunkt stehende Stadt Sunnydale in den Sinn. Sunnydale liegt über dem Höllenschlund - und eigentlich passiert alles, was rund um Dämonen, Monster & Co. nur passieren kann, ausgerechnet dort. Einen Höllenschlund gibt es zwar in der Gegend an der englisch-walisischen Grenze nicht (wobei - wer weiß?), der eigentlich idyllische Landstrich scheint jedoch verstärkt merkwürdige Vorkommnisse, seltsame Menschen und mystische Wesen anzulocken, sowohl im zweiten Teil der Serie ""Mittwinternacht", wie auch nun im Nachfolgeband "Die fünfte Kirche". Immerhin hatte der Verlag scheinbar ein Einsehen und aus "Ein Merrily-Watkins-Krimi" auf dem Einband wurde bei diesem Buch "Ein Merrily-Watkins-Mystery" - denn dieses Buch ist alles, aber kein Krimi. So sehr der - nicht wirklich angemessene - Klappentext dieses auch suggerieren möchte.

Abgesehen vom Wechsel Krimi/Mystery weist das Buch - in mancherlei Hinsicht leider - etliche Parallelen zu "Mittwinternacht" auf. Wieder ist Lichtmess der zentrale Punkt, auf den das Buch zusteuert und wieder plätschert die Geschichte, trotz Grusel-Elementen und der sehr hübschen Grundidee mit dem Drachen, so vor sich hin - die Höhepunkte zwischendurch: die Gruselbeerdigung, die Krawalltalkshow und das massive Presseaufgebot - ehe sie wieder in ein fulminantes, mitreißendes Finale einmündet, das den Leser wieder mit dem zuvor vielleicht etwas langsam geratenen Erzähltempo versöhnt.

Die große Stärke des Romans liegt, ebenfalls erneut, in den Figuren - juchu, Merrily ist zurück! Und Jane! Gerade Jane - ich liebe sie! Aber wo wir gerade von Liebe sprechen: Ein wenig kurz kommt Jane schon, es interessiert mich ja brennend, was aus ihr und Irene denn nun wird. Aber vielleicht im nächsten Band? Ich bin gespannt! Denn trotz eines auf meiner Seite so gut wie nicht vorhandenen Interesses an Kirche, ihren Mythen und ähnlichem hat Phil Rickman es wieder geschafft, mich zu packen, so dass ich das Buch kaum noch aus den Händen legen konnte.

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